Freitag, 22. März 2019

Ein neuer Kirchbau für Białystok

Pfarrer Tomasz Wiglasz mit seiner Frau vor dem
"Kirchen- und Gemeindezentrum
"Ich möchte nirgendwo anders Pfarrer sein als in  Białystok", sagt Tomasz Wiglasz. Er hat hier, rund 30 km von der weißrussischen Grenze entfernt, die jüngste Gemeinde der Evangelischen Kirche A.B. in Polen aufgebaut. "Hier habe ich alle Freiheiten als Pfarrer. Hier kann ich viele Dinge ausprobieren. Die Gemeindemitglieder kommen aus unterschiedlichen Kontexten. So wie hier könnte ich in einer traditionellen lutherischen Gemeinde im Teschener Land nicht arbeiten." 

Zusätzlich zum Gemeindepfarramt ist Tomasz Wiglasz noch Militärpfarrer. Sonst wäre es schwierig, das Gehalt für den Pfarrer zu bezahlen.

Die lutherische Gemeinde in Białystok wurde erst 2002 gegründet. Sie hat seitdem eine beeindruckende Aufbauarbeit in der 300.000 Einwohnerstadt geleistet. „Heute hat sie das höchste durchschnittliche Spendenaufkommen der Diözese Masuren, großes Freiwilligenengagement und ist ständig am Wachsen“, sagt auch der Leitende Bischof Jerzy Samiec. 

Eine evangelische Gemeinde hatte es in der Stadt im Nordosten Polens schon früher
So soll das neue Kirch- und Gemeindezentrum 2020
aussehen
gegeben, aber die Verwerfungen des Zweiten Weltkrieges bereiteten ihr ein Ende. Heute versammeln sich jeden Sonntag 30-40 Menschen zum Gottesdienst, obwohl die Gemeinde nur 47 Glieder zählt. Zwischen 10 und 15 Kinder kommen zur Sonntagsschule. Die geographische Zerstreuung führt dazu, dass die meisten Aktivitäten der Gemeinde – Jugendkreise, Bibelstunden und Religionsunterricht – am Wochenende stattfinden. 

Das bisherige Holzgebäude hat die Gemeinde von der Stadt im baufälligen Zustand günstig erwerben können und in Eigenleistung hergerichtet.
Während der Woche will die Gemeinde ihre Räume gern für Aktivitäten mit Kindern aus der Siedlung nutzen, in der es ansonsten keine Betreuungsmöglichkeiten für Kinder gibt. Frau Wiglasz würde das gerne machen, denn sie hat eine pädagogische Ausbildung. Der begrenzte Raum im Gemeindezentrum lässt das nicht zu. 

In dem geplanten Anbau möchte die Gemeinde einen neuen Gottesdienstraum und im Dachgeschoss die Pfarrwohnung ausbauen. Derzeit wohnt die vierköpfige Pfarrfamilie auf etwa 30 m² im Dachgeschoss sehr beengt. 

Im bestehenden Gebäude sollen die Räume so umgebaut werden, dass sie besser den Bedürfnissen der Gemeinde entsprechen. Das aktuelle Pfarrbüro ist z.B. nur 2,5 m² groß. Einen Großteil der Umbauarbeiten werden die Gemeindeglieder selbst übernehmen. „Bisherige Erfahrungen zeigen, dass diese Lösung nicht nur kostengünstig ist, sondern auch wunderbar den Zusammenhalt der Gemeinde stärkt“, sagt Pfarrer Tomasz Wiglasz. 

"Ich bleibe in Masuren - auch wenn ich aus dem Teschener Land komme", sagt er mit einem Strahlen im Gesicht.

Mit  25 000 € will das GAW den neuen Kirchraum in Białystok in diesem Jahr unterstützen.

Freitag, 8. März 2019

Totaler Stromausfall in Venezuela

Casa de la amistad - luth. Kindergarten in Venezuela
Heftig... - wie kann man ein Straßenkinderheim, einen Kindergarten, eine Schule, das Gemeindeleben führen, wenn es keinen Strom gibt...?

Gerade erreichen uns folgende Worte aus Venezuela von Kirchenpräsident Gerardo Hands:

"Ich schreibe diese kurze Nachricht, weil wir in beinahe in ganzem Land seit fast 24 Stunden ohne Strom sind. An vielen Orten gibt es auch kein Gas. Ich bewege mich nur mit meinem Handy und zusätzlicher Ladebatterie. So habe ich  ein paar Stunden mehr Zeit für die Arbeit und Kommunkation, die so wichtig ist in diesen Tagen. Wir werden in den nächsten Stunden praktisch ohne Kontakt zur Außenwelt sein. Bitte betet um Frieden und Kraft für uns!"

Die Situation bleibt dramatisch. Wann ändert sich etwas? Im Grunde hängt alles davon ab, wie das leitende Militär sich positionieren wird. Währenddessen leidet die große Mehrheit der Venezolaner.

Wir unterstützen weiter die Arbeit der kleinen lutherischen Kirche, die besonders in Valencia, Caracas und Barquisimeto wichtige Gemeinden haben, die sich engagieren und Notleidenden helfen. Ohne Hilfe von außen geht das nicht mehr. Wir als GAW unterstützen regelmäßig Lebensmittellieferungen. 

Mittwoch, 6. März 2019

Sanierung der evangelischen Kirche in Piešťany/Slowakei

Kindertanzgruppe in  Piešťany
Eine Kindertanzgruppe erwartete am vergangenen Wochenende die GAW-Studierendengruppe in Piešťany in der Slowakei. Allein der Tanz der kleinen Mädchen ließ das Herz höher schlagen. "Wir tanzen zum Lobe Gottes und zur Freude der Gemeinde", sagte die Tanzlehrerin. Und beides war sofort klar.

Eine aktive lebendige Gemeinde gibt es in Piešťany. 1200 Mitglieder hat sie. Die Gottesdienste finden stets in einer voll besetzten Kirche statt. Um die Jahrtausendwende begann der Neubau des Gemeindezentrums „Bethesda“.
Vor der Kirche in  Piešťany
Leider starb kurz danach der Pfarrer und die Pfarrstelle blieb lange vakant. So konnte der Bau erst 2009 abgeschlossen werden. Zur Gemeinde gehören zwölf kleinere Diasporaorte, die regelmäßig geistlich betreut werden. Auch für deutschsprachige Kurgäste werden Gottesdienste und Begegnungen im Gemeindezentrum organisiert. 


Die Reformation erreichte das Waag-Tal (slowakisch: Váh), in dem die Kurstadt Piešťany liegt, schon im 16. Jahrhundert. Nach der Gegenreformation konnte das evangelische Leben allerdings erst um 1900 wieder entstehen. 1948 war die Gemeinde so stark gewachsen, dass sie sich selbstständig machen konnte. 
Das GAW hat 2013 16.000 Euro für die Sanierung der neugotischen Kirche gesammelt. Jetzt erstrahlt die Kirche wieder in in neuem Licht, nachdem schwierige Zeiten zu überstehen waren. 
Der Baugrund ist sandig. So konnte  das Hochwasser im Jahr 1997 die Statik des Gebäudes veränderen. 1999 mussten Betoninjektionen durchgeführt werden, zehn Jahre später wurde der Dachkranz mit Stahlankern gesichert. Trotz allem entstand 2011 ein Querriss im Kirchengewölbe. Dabei fielen Dachziegel und Teile der farbigen Fenstermosaike herunter. 

Die Sanierung ist gelungen. Als GAW freuen wir uns, dass wir Teil des Projektes sein konnten. Es hat sich gelohnt. Und die Gemeinde ist allen Spendern dankbar.

Dienstag, 5. März 2019

Unsere Verfolgungsgeschichte macht uns sensibel für Ungerechtigkeiten!

 Marcelo Nicolau, Carola Tron, Nelda Eichhorn,
Orlando Allio y Edgardo Malán (v r. n.l.)
Der Pastorenkonvent der evangelischen Waldenserkirche am la Plata hat zur Synode der Kirche, die Anfang Februar 2019 stattfand, zu den Herausforderungen und Hoffnungen für die Zukunft folgendes festgehalten:

"Am Horizont tauchen neue und alte Herausforderungen auf, die unsere Kirche dazu auffordern, ihre historische Verpflichtung zu bekräftigen, das Evangelium des vollen Lebens für die gesamte Menschheit und den Rest der Schöpfung Gottes zu verkünden. Wir sehen es als wesentlich an zu bezeugen, dass unser Zeugnis im Evangelium von Jesus Christus und in unserer historischen und theologischen-reformierten Tradition wurzelt. Das Evangelium fordert uns auf von den Opfern und Ausgeschlossenen einer Gesellschaft auf das zu schauen, was von uns als Kirche gefordert ist. Wir sind gefordert nach Wahrheit und Gerechtigkeit zu streben und die Gewissensfreiheit zu stärken. Unsere Geschichte der Verfolgung als Waldenser macht uns besonders sensibel und wachsam gegenüber wachsenden religiösen Bewegungen, die die Staaten als Instrumente einsetzen wollen, um den übrigen Bürgern ihre eigene exklusive Vision aufzuzwingen, ohne dabei die Unterschiede und die Vielfalt unserer Völker zu respektieren.

Wir selbst haben als Minderheit im Laufe der Jahrhunderte Lügen und Diffamierungen erlebt mit der Folge, dass wir Gewalt und Hass erfahren haben. Wir rufen daher dazu auf, sich nicht durch lügende Nachrichten verwickeln zu lassen, die versuchen, das Gewissen der Menschen zu manipulieren. Die Folge sind nämlich Hass und Ausgrenzungen.

Wir verkünden dagegen die gute Nachricht von Jesus Christus, der die gesamte Menschheit heilt, befreit, verwandelt und erlöst, auch wenn dies Ablehnung, Verfolgung und Tod bedeutet. 
Wir sind aufgerufen und berufen, die radikale Einfachheit des Evangeliums zu leben, Gerechtigkeit zu tun, Barmherzigkeit zu leben und demütig vor Gott zu sein."

Es ist wichtig, dass wir auf solche Stimmen hören. Gut ist es, wenn Minderheitenkirchen mit solchen Erfahrungen wie die Waldenser sie gemacht haben, deutlich machen, was von uns allen gefordert ist: offen zu sein, auf die Opfer und die Ausgeschlossenen zu schauen, Vielfalt Raum zu geben und damit nach außen zeigen, was wir innen glauben.

Montag, 4. März 2019

„Entgegen aller Versprechen der Bundesregierung wurde den Evangelischen der Karfreitag als Feiertag genommen“

Bischof Dr. Michael Bünker
Das GAW solidarisiert sich mit der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich! 
Die Ankündigung der Regierungsparteien in Österreich, den Karfreitag künftig als „halben Feiertag“ für alle einzuführen und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ab 14 Uhr freizugeben, stößt bei der Evangelischen Kirche auf Ablehnung.

Eine Neuregelung war notwendig geworden, nachdem der Europäische Gerichtshof am 22. Januar 2019 geurteilt hatte, dass ein arbeitsfreier Feiertag am Karfreitag nur für evangelische, methodistische und altkatholische Gläubige eine Diskriminierung aufgrund der Religion darstelle.
In einem Brief hat sich der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker am Sonntag, 3. März,an alle evangelischen Pfarrgemeinden gewandt. Bei der neuen Regelung des Karfreitags wurde „einseitig den Interessen der Wirtschaft gefolgt – und ein öffentliches Versprechen gebrochen“, hält er darin fest. In „evang.at“ dokumentiert den Wortlaut des Briefes:

3. März 2019 (Sonntag Estomihi)

Liebe Schwestern und Brüder,

entgegen aller Versprechen der Bundesregierung wurde den Evangelischen der Karfreitag als Feiertag genommen. Mit etwas Abstand zu den Ereignissen dieser Woche, die nicht nur mich tief betroffen machen, möchte ich einige Klarstellungen dazu vornehmen:

Wir haben von Anfang an praktikable Lösungen vorgeschlagen, die sowohl der Zusage, dass „niemandem etwas weggenommen werden soll“, als auch dem EuGh-Urteil entsprochen hätten: zum einen den Karfreitag als ganzen Feiertag für alle, zum anderen einen zusätzlichen (individuell festlegbaren) freien Tag. Beides wurde zurückgewiesen.

Stattdessen lag seit dem 19. Februar die Variante mit dem „halben“ Feiertag für alle – ab 14 Uhr – vor. Gegen diese Entscheidung erhob sich berechtigterweise laute Kritik von vielen Seiten. Für uns hätte sie einen unzumutbaren Eingriff in die Religionsausübungsrechte bedeutet, weil Gottesdienste am Vormittag erschwert und an vielen Orten sogar unmöglich gemacht worden wären. Diese Regelung hätte unsere gewachsene Gottesdienstkultur schwer beschädigt, wenn nicht zerschlagen. Daher kam auch von der Evangelischen Kirche massiver Einspruch dagegen. Im Internet haben sich in kurzer Zeit rund 30.000 Menschen gegen diese Lösung ausgesprochen.

Nachdem unsere Positionen lange ignoriert wurden, kam es in Folge dieses Unmuts zu sehr kurzfristig anberaumten Gesprächen. Am Montag, den 25. Februar, begann ein intensiver Austausch der Regierungskoordinatoren mit mir, mit dem Generalsekretär der katholischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, und einigen anderen. Ich habe mich in allen diesen Gesprächen für den Karfreitag als Feiertag im Austausch gegen den Pfingstmontag stark gemacht, doch traurigerweise bin ich mit diesem Vorschlag alleine geblieben. Es war auch deshalb ein großer Zeitdruck gegeben, weil der von mir eingebrachte Vorschlag, sich für ausführliche Gespräche mit allen Beteiligten ausreichend Zeit zu nehmen, leider nicht aufgenommen wurde. Dies ist umso bedauerlicher, da das unserer in den Evangelischen Kirchen gepflegten demokratischen Kultur zuwiderläuft.

Der Ausgang der „Verhandlungen“, in denen unsere Lösungsvorschläge keinen Raum bekamen, wurde am Dienstag, den 26. Februar, gegen Mittag veröffentlicht und bereits am Tag darauf im Nationalrat beschlossen. Somit konnte nur das Schlimmste verhindert werden: dass evangelische Familien nicht mehr gemeinsam am Karfreitag Vormittag Gottesdienst haben können. Die für uns inakzeptable Lösung mit dem „halben“ Feiertag, die eine Zerschlagung unsere Gottesdienstkultur am Karfreitag bedeutet hätte, war vom Tisch. Das hat bei mir zunächst Erleichterung ausgelöst.
Allerdings ist der „persönliche Feiertag“, den jeder und jede selbst bestimmen und in Anspruch nehmen kann, kein zusätzlicher freier Tag, sondern muss aus dem bestehenden Urlaubsanspruch genommen werden. Hier wurde einseitig den Interessen der Wirtschaft gefolgt – und ein öffentliches Versprechen gebrochen. Das ist auch für mich eine große Enttäuschung. Von einer Einigung zwischen der Regierung und der Evangelischen Kirche, wie in einigen Medien gefolgert wurde, kann in diesem Punkt nicht die Rede sein.

In einer ersten, sehr eilig entstandenen Stellungnahme habe ich mich bemüht, die positiven Aspekte der geänderten Regierungslinie, die uns eine Feier zur gewohnten Gottesdienstzeit ermöglicht, zu würdigen. Dass dieser unglückliche Versuch als positive Zustimmung zum Gesamtergebnis gedeutet werden konnte, schmerzt mich sehr und tut mir leid. Ich bedanke mich für alle Reaktionen dazu, auch für die offenen kritischen Worte.

Niemand weiß, wie die neue Regelung gelebt werden wird. Dazu kommt eine ganze Reihe von rechtlichen Fragen. Fazit ist, dass damit den Evangelischen ein bisher freier Tag genommen wird. Das wirft ein Licht darauf, wie mit den Interessen religiöser Minderheiten in Österreich derzeit umgegangen wird. Viele Evangelische in Österreich haben sich empört an mich gewandt, weil sie sich jetzt als Bürger und Bürgerinnen zweiter Klasse sehen. Es wird eines starken Zeichens der Wertschätzung durch die Regierung gegenüber den Evangelischen bedürfen, um diese Emotionen wieder ins Lot zu bringen. Und wir werden von unserer Forderung nach einem rechtskonformen freien Karfreitag nicht abgehen.

Der Karfreitag ist für uns Evangelische von zentral wichtiger Bedeutung. Wir sind im Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn verbunden. Feiern wir den Karfreitag heuer besonders bewusst und zahlreich, um gemeinsam seine Bedeutung für uns Evangelische sichtbar zu machen!

Ich bedanke mich für alle Unterstützung dieses Anliegens.

Herzliche Grüße

Bischof Michael Bünker

Samstag, 2. März 2019

Wenn eine neue Kirche Hoffnung macht ...


Die neue lutherische Kirche in Sered
Wir freuen uns auf unsere neue Kirche!, sagt Pfarrer Christian Kostetzky, der u.a. für die Filialgemeinde in Sereď in der Slowakei zuständig ist. Wir wollen Menschen einen Raum geben, dass sie gerne kommen, ihren Glauben leben, Gemeinschaft erleben und füreinander da sind. Er erzählt, dass für viele Menschen es ein Hindernis ist, zum derzeitigen Gemeinderaum zu kommen, der in einem Kulturhaus der Stadt untergebracht ist.


Sereď ist eine kleine Stadt im Westen der Slowakei. Historisch war sie ein wichtiger Knotenpunkt auf dem Handelsweg „Böhmische Straße“. Diese Bedeutung hat sie jedoch längst verloren. Lutheraner gab es in Sereď schon im 17. Jahrhundert. Nach dem Zweiten Weltkrieg scheiterten die Bemühungen, in der Stadt eine evangelische Kirche zu errichten, am Widerstand der Kommunisten. Die rund 100 Lutheraner der Stadt bilden heute eine Tochtergemeinde der Gemeinde Trnava. Ihre Gottesdienste feiern sie im Kulturhaus. „Wir arbeiten viel mit Kindern und Jugendlichen. Die Zahl der Gemeindeglieder steigt“, sagt Christian. „Für die
Besuch mit deutschen Theologiestudenten in Sered
Gemeindearbeit sind die Bedingungen im Kulturhaus jedoch nicht so gut. Deshalb brauchen wir in Sereď eine eigene Kirche.“ Sereď hat im Land keinen guten Ruf, weil es dort viele jugendliche Drogenabhängige gibt. Die Stadt sieht die Kirchengemeinde als einen wichtigen Partner und als einen Anbieter von Jugendaktivitäten an. Deshalb unterstützt auch sie die Neubaupläne. 

Im Jahr 2011 bekam die Gemeinde ein Grundstück. 2015 konnte der Grundstein gelegt werden. Der Bau der Kirche in Sereď begann dann im Juni 2016. Das Gebäude hat eine Grundfläche von 128 m² und eine flexible Raumaufteilung. Bei Bedarf können dort bis zu 120 Personen Platz finden. Die Kirche ist so geplant, dass sie jederzeit erweitert werden kann. „Wir wollen sichtbar sein“, betont Pfarrer Christian Kostetzky. „Und wir glauben, dass die Gemeinde wachsen wird.“

In diesem Jahr 2019 soll die Kirche fertig sein und eingeweiht werden. Es ist ein wunderbarer ellipsenartiger Kirchraum entstanden. Als GAW haben wir 15.000 Euro im Projektkatalog 2017 für den Kirchenneubau gesammelt. Allen Spendern sei gedankt.

Freitag, 1. März 2019

Kirche muss Menschen zusammenführen

Generalbsichof  Ivan Eľko und der
Generalsektretär des GAW, Enno Haaks

"Die größte Herausforderung für unsere Kirche ist es, dass wir die Beziehungen untereinander stärken, Menschen und Gemeinden zusammenführen und notwendige Reformen angehen", sagt der neue Generalbischof Ivan Eľko von der Evangelischen Kirche A.B. in der Slowakei. "Wir wollen den Menschen helfen, dass sie authentisch ihren Glauben leben, dass man nach außen spürt, was sie innen glauben. Es geht nicht allein klassische Traditionen zu bewahren, sondern den Glauben lebendig zu halten. dafür brauchen wir motivierte Menschen, die gerne Dienst in der Kirche tun!"


Pfarrer Ivan Eľko wird am 2. März in Zvolen zum neuen Generalbischof als Nachfolger von Miloš Klatik in sein Amt eingeführt. Es gab im Übergang einige Herausforderungen zu bestehen, die nicht einfach und auch für die Kirche an sich nicht gut waren. "Es geht deshalb darum, gemeinsam wieder als Kirche positiv in der Gesellschaft aufzutreten und auch Stellung zu beziehen, denn es gibt in der Gesellschaft Themen, wo die Stimme der Kirche wichtig ist."

Ca. 220.000 Menschen gehören in der Slowakei zur lutherischen Kirche. 5,5 Millionen Menschen leben im Land. In ca. 350 Gemeinden leben die Lutheraner aufs Land verteilt. In zwei Kirchendistrikten ist die Kirche aufgeteilt. Es gibt einige starke Gemeinden mit über 3.000 Mitgliedern, dann aber auch sehr kleine Gemeinden mit 20-50 Mitgliedern. Eine Herausforderung wird es sein, dass die Gemeinden auch lernen, dass sie für ihre finanziellen Mittel selber aufkommen und dadurch Kirche stärken, mein der neue Generalbsichof. Eine zu große Abhängigkeit vom Staat sei nicht hilfreich.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Eine Oase inmitten einer riesigen Plattenbausiedlung

Evangelische Kirche in Bratislava-Petržalka
Seit 25 Jahren steht inmitten der Plattenbausiedlung Petržalka in Bratislava ein großes lutherisches Gemeindezentrum. Was einmal mit einer kleinen Gemeinde von zehn Familien in einem Kellerraum begann, hat sich langsam durch treue und kontinuierliche Arbeit weiterentwickelt. Der Kirchbau und die einladende Gemeinde mit einem engagierten Pfarrerehepaar tut ein Übriges.  Sie sind offen für Neues, geben viele Stunden Religionsunterricht, gehen ins Krankenhaus, begleiten Menschen - sind da!
Inzwischen besuchen Sonntags mindestens 160 Menschen die lebendigen Gottesdienste, die oft auch durch einen der drei Chöre mitgestaltet werden. Offen und einladend für die Menschen in diesem gesichtslosen Stadtteil ist die Gemeinde. "Mit traditionellen und klassischen Gottesdiensten können wir hier keine Gemeinde bauen," sagt Pfarrerin Kolesárová. "Die sind einfach zu fremd für die Menschen, die erst einmal mit Glauben und Religion in Berührung bekommen müssen." Von ihrer Kirche hätte sie in den vergangenen
Jahren hier mehr Hilfestellung erwartet. Auch im diakonischen Bereich ist es nicht einfach, als Kirche nach außen für die Gesellschaft sichtbar zu sein. "Der Staat denkt, dass er Kirche nicht unterstützen muss. Das ist bei uns anders als in Deutschland. Wir dürfen etwas tun für Arme und Bedürftige, wenn wir alles selbst bezahlen, auch wenn alle davon profitieren. Aber wie soll das gehen ohne staatliche Hilfe...?" Hier wünscht sie sich ein klares Zeichen der Kirche  auch dem Staat gegenüber und ein deutlicheres Auftreten. "Ich erlebe nicht, dass wir als Partner gesehen werden, die sich gemeinsam um die Not der Menschen kümmern." Manchmal sei die Kirche zu leise, so die Pfarrerin. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass die Kirche staatliche Leitungen bezieht für die Pfarr- und Bischofsbesoldung. Da kritisiere man scheinbar zu wenig. Deutlich wurde das auch nach der Ermordung des slowakischen Journalisten Kuciak vor einem Jahr. Der in diesen Fall verwickelte Premierminister musste
Luther in Bratislava
eine Ehrung der Kirche im Rahmen des Reformationsjubiläums nicht zurückgeben.

Petržalka war infolge eines ehrgeizigen Bauvorhabens des sozialistischen Staates zwischen 1973 und 1985 zu einer sozialistischen Planstadt ausgebaut mit Plattenbauten aus Beton. Der alte Ort verschwand durch die Bauvorhaben fast komplett.

Wie ein Wunder erscheint es, dass nach dem Ende der kommunistischen Diktatur diese Kirche errichtet werden konnte - sichtbar nach außen mit einem Kreuz. Für einen symbolischen Kaufpreis erhielt die Kirche das Grundstück. Mit Hilfe deutscher Landeskirchen und des GAW konnte die Kirche errichtet werden. Die Evangelischen mussten sich nun nicht mehr in den Kellerräumen treffen. Heute ist das Kirchen- und Gemeindezentrum ein wichtiger Ort, um Gemeinschaft zu stiften und den Menschen Halt und Orientierung zu bieten.

Dienstag, 26. Februar 2019

Ein Kirchenneubau in Edelira in Paraguay

Kirchenbau in Paraguay
Wir sind so dankbar, dass wir nach mehreren kleinen Bauabschnitten mit den 3.000 Euro des GAW nun bis zur Errichtung unserer kleinen Kirche in Edelira (Paraguay) gekommen sind. Wir hoffen, dass den Kirchbau in diesem Jahr endgültig fertigstellen können. Wir danken euch im GAW vom ganzen Herzen für die Hilfe aus dem Projektkatalog 2015, schreibt Pastor Daniel Frankowski.

Edelira ist eine von sieben Filialgemeinden der Gesamtgemeinde in Capitán Meza. In Edelira gehören 17 Familien dazu. Die meisten von ihnen arbeiten in der Landwirtschaft. Die Gemeinde ist durch Zuwanderung aus Südbrasilien gewachsen,  und dadurch auch mehrsprachig. Im Gemeindeleben wird von den meisten Portugiesisch bevorzugt, aber auch die spanische und die deutsche Sprache sowie Guaraní spielen eine Rolle – es ist eine multikulturelle Gemeinde! 

In Edelira gab es eine alte Holzkapelle für die Gottesdienste. Sie war jedoch baufällig und bot nicht mehr genügend Platz. Das Grundstück und die Kapelle wurden der Gemeinde von einem Gemeindeglied geschenkt. 

„Zu Beginn des Jahres 2013 haben unsere Gemeindeglieder den neuen Bau gemeinsam geplant, weil das derzeitige Gebäude zu klein und
reparaturbedürftig ist“, schrieb damals Pastor Frankowski. „Der Bau wird bessere Räumlichkeiten für die Gottesdienste, Bibelstudien, Taufen, Konfirmationsunterricht, Kindergottesdienste und gemeinsame Feierlichkeiten der Kirchengemeinde bieten.“ 

Die kleine Gemeinde hat viel Arbeit in dieses Bauprojekt investiert und auch selbst Geld gesammelt. Die Gemeinde wächst – auch durch diese Aktivitäten. „Wir spüren, dass sich die Leute mit der Gemeinde und dem Projekt Kirchbau identifizieren!“ ‒ Kirche schafft Identität! 

Die neue Kirche wurde mit Ziegeln gebaut. Sie soll statt 50 m² den doppelten Raum bieten und einen sechs Meter hohen Turm haben. Die erste Bauphase startete im Oktober 2014 mit eigenen Mitteln. 

Montag, 25. Februar 2019

In polarisierten Gesellschaften braucht es Dialog - dazu sind wir gerufen!

Eugenio Bernardini, Moderator der Waldenserkirche in Italien
Anläßlich der Synode der Waldenserkirche am La Plata hat der Ende diesen Jahre ausscheidende Moderator der italienischen Waldenserkirche Eugenio Bernardinio ein Interview gegeben. 

Hier ein paar Auszüge daraus:

"Meine Teilnahme an der Synode der Waldenserkirche am La Plata ist ein Ausdruck der gemeinsamen geschwisterlichen Beziehungen zwischen den beiden Zweigen unserer Waldenserkirche, die in zwei sehr unterschiedlichen Kontexten leben - dem europäischen und dem lateinamerikanischen mit all den Herausforderungen und Problemen. Wir leben hier und dort in polarisierten Gesellschaften. Und in diesen ideologisch aufgeheizten Situationen müssen unsere Kirchen immer dafür arbeiten, zum Dialog aufzurufen. In Europa ist das Thema der Migration das, was unsere Gesellschaften polarisiert. In Uruguay und Argentinien gibt es andere Themen, wie die ökonomische Situation, die Korruption und dass Menschen oft keine Stimme bekommen.

Auf religiöser Ebene gibt es ebenso gemeinsame Themen unserer beider Kirchen. Die Säkularisation ist eine große Herausforderung, die dazu führt, dass wir als Kirchen weniger Einfluss auch im sozialen Bereich haben. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr eines religiösen Fundamentalismus. Das führt auch dazu, dass man nicht mehr dialogfähig ist. Hier ist es wichtig, dass wir als Kirchen, die von der reformatorischen Bewegung geprägt sind mit einer guten fundierten biblisch-theologischen Ausbildung her eine starkes Fundament haben, solchen Tendenzen auch der Abschottung etwas entgegen zu setzen. Die Protestantische Theologie bietet gute Basisprinzipien wie die Liebe und die Gerechtigkeit, die darauf aus sind, dass sie allen Menschen in gleicher Weise gelten. Schwierig wird es, wenn unsere theologische Basis geschwächt wird und sie keine Nahrung bekommen.

In Italien sind wir als Waldenser eine Minderheit. Wir sind deshalb auf Dialog immer angewiesen.

Ich sehe, dass die Waldenserkirche am La Plata nicht sehr stark ist - das ist ähnlich in Italien: Es gibt Probleme in der Mitgliederentwicklung, nicht mehr genügend Berufungen zum Pfarramt und überhaupt zum Dienst in der Kirche. Für uns Waldenser ist die Kirche charakterisiert durch ein demokratisches System der Teilhabe, der Gemeinschaft und des Priestertum aller Gläubigen. Diese Prinzipien sind bleibend wichtig, aber schwer aufrecht zu erhalten, wenn man zahlenmäßig weniger wird. Aber die Herausforderung bleibt auch als kleiner werdende Kirche: Wie können wir in unseren jeweiligen Kontexten Zeugen Jesu Christi sein. Wie können wir Hoffnung und Liebe predigen - nicht nur in der Kirche, sondern gerade in der Gesellschaft.

Am Ende dieses Jahres werde ich als Moderator der Kirche mein Amt abgeben. Nach so einem besonderen Dienst werde ich, wie es üblich ist, meinen Dienst in der Kirche wieder aufnehmen. In meinem Fall werde ich das machen, was sich bin: Pastor sein. Ja das bin ich - Pastor!"

Freitag, 22. Februar 2019

Es braucht eine gute Theologie, um Kirche zu stärken! - Dace Balode über die Situation in Lettland

Dekanin Dace Balode (im Herbst 2016)
Die estnische Kirchenzeitung (Eesti Kirik, Januar 2019) interviewte im Januar 2019 Dekanin Dace Balode von der Theologischen Fakultät im lettischen Riga. Sie wurde im Sommer des vergangenen Jahres als Pfarrerin der Auslands-Lettischen Kirche ordiniert. 
Dace Balode berichtet, dass die Fakultät 1990 wiedereröffnet wurde und eigentlich als Ausbildungsstätte der lutherischen Pfarrer vorgesehen war. Leider seien aber die Kontakte zur lutherischen Kirche Lettlands nicht sehr intensiv. Die Studenten würden deshalb aus den verschiedensten Kontexten kommen. Die meisten studieren nicht mit dem Ziel, Pfarrer oder Priester zu werden. Für sie spiele Religion eine Rolle und die Wirkung in der Gesellschaft. Es bleibe aber die Frage, welche Rolle die Fakultät in Zukunft spielen werde und wie sich die Beziehung zur lutherischen Kirche entwickeln kann. Derzeit bleibt eine wichtige Aufgabe als Fakultät der ganzen Gesellschaft zu dienen - und dann hoffentlich auch der Kirche.
In der Pfarrerschaft gäbe es immer wieder Anfragen, ob es für die gemeindliche Praxis eine tiefere akademische Theologie bräuchte. Das würde als kirchenfern empfunden und letztlich den Glauben nicht stärken.
Hier würde auch die Entscheidung gegen die Frauenordination der lutherischen Kirche eine Rolle spielen. In der Gesellschaft Lettlands sei das sehr kritisch wahrgenommen worden. Leider sei die Frage der Frauenordination zu einer fundamental-theologischen Frage aufgeworfen worden. Für viele gilt, dass wenn Frauen ordiniert werden dann in der Folge andere schlimme Sachen akzeptiert werden würden. Dazu würde dann die Akzeptanz der Homosexualität zählen und in der Folge der Pädophilie Vorschub leisten. Das sei die Argumentation der sehr konservativen Kreise in der Kirche, die die Meinung wohl bestimmen würden. D.h., dass man über die Frage der Frauenordination biblisch-theologisch nicht sachgemäß diskutieren könne.
Und Balode führt weiter aus, dass sich die Beziehungen der lettischen lutherischen Kirche zu anderen lutherischen Kirchen durch die Entscheidung gegen die Frauenordination abgekühlt habe. Deshalb suche die Kirche auch andere Partner, die ein ähnlich konservatives Profil aufweisen. Bei der konservativen Missouri-Synode gäbe es da Anknüpfungspunkte. 
Leider gäbe es Pastoren in Lettland, die von dem Anspruch sich getragen fühlen, dass in Lettland die letzte Bastion der Wahrheit zu finden wäre. Wenn all gegen eine sind, dann wäre man doch wohl im Recht, denn man stünde zu den wahren christlichen Werten. Die Folge sei - so Balode -, dass die Kirche einsamer werden würde.

Montag, 18. Februar 2019

Die evangelische Kirche in Malawi / Ägypten ist wieder aufgebaut!

Evangelische Kirche in Malawi / Ägypten
Der Präsident der Evangelischen Kirche in Ägypten Pfarrer Andrea Zaki hat die wieder errichtete Kirche in Malawi eingeweiht, die im August 2013 von Islamisten angegriffen, geplündert und in Brand gesetzt worden war. Die Ausschreitungen, bei der über 60 christliche Kirchen zerstört wurden, standen vor dem Hintergrund der Absetzung von Präsident Mursi.  Mit großzügiger Unterstützung des ägyptischen Staates konnte der Neubau begonnen werden. Das reichte jedoch nicht. Weitere Unterstützer - wie das GAW - mussten gefunden werden.

Urheber der antichristlichen Gewaltwelle waren die Moslembrüder des abgesetzten ägyptischen Staatspräsidenten. Sie nutzten die Zusammenstöße, die sie sich mit der Polizei lieferten, um mit brutaler Gewalt gegen die Christen des Landes vorzugehen. Bei den Unruhen kamen laut offiziellen Regierungsangaben mehr als 600 Menschen ums Leben. Mehrere tausend Menschen wurden verletzt. 

Ca. 10 % der Bevölkerung gehören der koptischen Minderheit an. Einige gehen davon aus, dass bis zu 20% der Bevölkerung Christen sind. Es weiß keiner so genau.. Davon gehören 1 % zur Presbyterianischen Kirche, die sich im 19. Jahrhundert im Land etablierte und 1958 eine selbständige Kirche wurde. Sie unterhält Schulen und Krankenhäuser und pflegt intensive Kontakte nach Nordamerika und zum Evangelischen Missionswerk. Mit ihrem sozialen Engagement will sie versöhnend zwischen Muslimen und Christen wirken. 

Die evangelische Kirche in Malawi wurde komplett zerstört, ebenso das Pfarrhaus. Beides musste wieder aufgebaut werden.
Das ist jetzt gelungen! Die Kirche wurde wieder eingeweiht!

Im Projektkatalog 2015 haben wir für den Wiederaufbau 15.000 Euro gesammelt. Allen Spendern sie gedankt!

Dienstag, 12. Februar 2019

Vom Evangelium Zeugnis geben in Europa

Altarfenster der Evangelischen Kirche
in Fresach (Kärnten - Österreich)
Die Welt wandelt sich. Europa verändert sich. In diesem Europa ist es schon länger nicht mehr normal, Christ zu sein. Minderheit zu sein, das ist die Normalität. Und hier ist es entscheidend, dass wir als Minderheit fähig sind, Zeugnis zu geben. So werden wir erkennbar und sichtbar. 

Das wird immer wichtiger und herausfordernder in unserer Zeit. Deshalb stellt sich gerade an Diasporakirchen die Frage: Wie bilden wir Männer, Frauen, Kinder aus, gute Zeugen zu sein? Ein wichtiger Punkt ist es, dass wir Menschen bilden, mitfühlend und empathisch zu sein. 

Martin Luther King jr. sprach in diesem Zusammenhang von einer „göttlichen Unzufriedenheit“, d.h.: ein gut gebildeter Christ kann nicht damit zufrieden sein, dass die Welt so ist wie sie ist, und dass es oft ungerechte Strukturen gibt. Wer aber im evangelischen Glauben verwurzelt ist, der will dem Guten Raum geben, der/die versuchen „Gutes zu tun an jedermann“. Sie sind unzufrieden und unruhig, wenn das noch keinen Raum hat und sie wollen es verwandeln. Die „göttliche Unzufriedenheit“ gibt Energie und ist Inspiration, um Zeugnis zu geben, sowohl geistlich als auch sozial und politisch. Denn es geht darum, dass alle Welt von dem Heil erfährt, von dem her wir leben: dass Jesus Christus lebt und uns lebendig macht. Er befreit uns, Zeugen seiner Wahrheit zu sein.

Gelingt uns das in Europa? Schaffen wir es, das mit Leben zu füllen, wenn es um den Zusammenhalt auf unserem Kontinent geht? Können wir als evangelische Christen uns da einbringen?

Montag, 11. Februar 2019

Eine gelungene Dachsanierung in Roudnice nad Labem / Tschechien

Roudnice nad Labem - Renovierung Kirchdach
Die Stadt Roudnice nad Labem (Labe=Elbe) liegt 40 Kilometer nordwestlich von Praha (Prag). Die Gemeinde der Böhmischen Brüder ist 1897 entstanden. Der damalige Pfarrer sammelte sehr aktiv Spenden für einen Kirchbau, vor allem in seiner Heimat Rheinland. Der Gustav-Adolf-Verein beteiligte sich ebenfalls mit einer namhaften Summe. Zum Gedenken an Jan Hus erhielt die 1909 eingeweihte Kirche den Namen Betlehemkirche. Der Bauplan stammte vom bekannten deutschen Architekten Otto Kuhlmann. Aus finanziellen Gründen wurde damals jedoch auf den Turm und auf das Pfarrhaus verzichtet. Der Turm wurde erst 1938 errichtet. Heute zählt die Gemeinde rund 80 Glieder. Die Kirche bietet immer wieder Platz für Konzerte sowie für verschiedene nationale und regionale Veranstaltungen. Ökumenische Abendgebete mit Musikprogramm und ökumenische Treffen am Lagerfeuer im Pfarrgarten gehören inzwischen ebenfalls zur guten Tradition. 

Die evangelische Kirche in Roudnice nad Labem steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude liegt im Zentrum der Stadt. 1998 hat es die Gemeinde mit Hilfe des Kulturministeriums geschafft, den Putz der Kirche zu erneuern. Das Dach stammt jedoch aus dem Baujahr 1908. Es war sehr marode. 

All die Arbeiten zur Rettung der Kirche und zur dringend gebotenen Dachsanierung konnten nun erledigt werden.

"Wir danken Hieronymus Vereins und Gustav-Adolf-Werk für die große Hilfe bei Finanzierung dieser Aktion, ohne diese Hilfe wären wir nicht in der Lage es zu schaffen," schreibt Hana Krajníková, Kuratorin der Gemeinde.

Im Projektkatalog 2017 wurden 30.000 Euro für die Sanierung gesammelt. Allen Spendern sei herzlich gedankt!

Samstag, 9. Februar 2019

Sanierung des reformierten Pfarr- und Gemeindehauses in Zrenjanin

Pfarr- und Gemeindehaus in Zrenjanin
Die Stadt Zrenjanin (ungarisch: Nagybecskerek) ist der administrative Sitz des Mittelbanater Bezirks. Sie zählt rund 76.000 Einwohner, zusammen mit den Vorstädten sind es etwa doppelt so viele. Ihren heutigen Namen hat die Stadt von Žarko Zrenjanin, einem Partisanenkämpfer im Zweiten Weltkrieg. Die Mehrheit der Stadtbewohner sind orthodoxe Serben. 

Die Bevölkerungsstruktur von Zrenjanin hat sich durch die Land-Stadt-Abwanderung, die beiden Weltkriege und den Bürgerkrieg in den 1990er Jahren immer wieder geändert. 

Reformierte Kirche
In der reformierten Gemeinde gibt es deshalb viele konfessionenverbindende Ehen. Die Gemeinde zählt gut 50 Glieder. Die Altersstruktur der Gemeinde macht Sorgen. Ziel ist es, an junge Familien und Kinder zu kommen - so der aus Rumänien stammende Pfarrer, der drei Gemeinden zu versorgen hat, die weit auseinander liegen. Und leicht ist es für einen Pfarrer in der reformierten Kirche nicht. Er selbst bekommt zum freien Wohnen nicht ganz 200 Euro Gehalt. Davon seine junge Familie zu ernähren ist eine Herausforderung. Er hat schon öfter daran gedacht, nach Rumänien zurückzugehen. Und er wird es wohl auch tun. 


Die Kirche gehört zu den Wahrzeichen der Stadt - ist aber von aussen sanierungsbedürftig. 
Im Gespräch mit dem jungen reformierten Pfarrer

Sie hat eine Besonderheit: die Orgel der Kirche stand ursprünglich in der jüdischen Synagoge der Stadt, die von den Nazis völlig zerstört wurde. Was innen drin zu verkaufen war, das machten sie zu Geld. So kaufte de reformierte Gemeinde die Orgel von denen, denen sie nicht gehörte.

Das Pfarr- und Gemeindehaus der reformierten Gemeinde ist gut 130 Jahre alt. Es wird vielfältig genutzt: Hier wohnt der Pfarrer mit seiner Familie, befinden sich die Bibliothek und das Archiv. Im Winter, wenn die Kirche zu kalt ist, werden im Saal Gottesdienste gefeiert. 

Das Haus musste saniert werden. Das GAW hat dabei geholfen, das Dach abzudichten und dafür 5 000 Euro im Jahr 2014 gesammelt. Dankbar sind die Verantwortlichen für diese erhaltene Hilfe.

Kirchliche Gebäude suchen ihre Bestimmung - Zrenjanin in der Vojvodina

Lutherisches Gemeindezentrum in Zrenjanin
Ca. 75.000 Einwohner hat Zrenjanin in Serbien. In unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum liegt die große slowakisch-lutherische Kirche mit ihrem Pfarr- und Gemeindehaus. Die Gemeinde war mal groß. Das hat sich verändert. Jetzt sind es vielleicht an die 50 Gemeindemitglieder. Ein Pfarrer wohnt schon lange nicht mehr hier. Und zur slowakischen Minderheit der Stadt gehören nicht ganz 400 Menschen. So ist der Einzugsbereich eingeschränkt. Sonntags kommen maximal 10 Menschen zu den Gottesdiensten. Das alles ist Folge der Geschichte des letzten Jahrhunderts - und auch Folge der Arbeitsmigration weg aus Serbien. meist gehen die Menschen nach Österreich oder Deutschland. 30.000 Menschen verlassen pro Jahr das Land, um an anderen Orten zu arbeiten. Durch das neue Einwanderungsgesetz in Deutschland rechnen
Scheckübergabe in Zrenjanin
Fachleute damit, dass diese Zahl dann ab 2020 auf 100.000 anwachsen wird. Diese massiven Entwicklungen spüren kleine Minderheitskirchen doppelt. Zrenjanin ist ein Beispiel. Dabei war die slowakische Gemeinde mal sehr stark.
Nach dem Krieg mit den Osmanen mussten die entvölkerten und verwüsteten Gebiete in der Vojvodina neu besiedelt werden. Neben Serben und Ungarn zogen auch Deutsche, Slowaken, Franzosen, Italiener etc. ins Land. In Zrenjanin gründeten die Slowaken schon 1795 eine Kirchengemeinde, die heute zu den ältesten der Slowakischen Evangelischen Kirche A.B. in Serbien gehört. Mit rund 1.000 Gemeindegliedern am beginn des 20. Jahrhunderts war sie stark. Davon zeugen die Gebäude. Das Pfarrhaus wurde in der kommunistischen Zeit enteignet. 60 Jahre lebte eine kommunsitische Familie dort und hinterließ nach der Rückgabe eine Ruine. 
Was tun mit so einem Gebäudekomplex? Das musste sich die Kirche insgesamt fragen. Denn: Das 100 Jahre alte Gemeindehaus ist für die kleiner gewordene Gemeinde in Zrenjanin inzwischen zu groß. Die Gemeinde hat Mühe, es in Ordnung zu halten. Weil die Stadt Zrenjanin verkehrsgünstig liegt und zugleich das administrative Zentrum der Region Mittelbanat ist, hat die Synode der Slowakischen Evangelischen Kirche A.B. in Serbien beschlossen, das Gemeindehaus zu einem gesamtkirchlichen Zentrum auszubauen. Da die Entfernung von Zrenjanin zu allen Gemeinden der Kirche ähnlich ist, können hier Treffen, Seminare, Workshops und Schulungen für alle Teilnehmenden relativ kostengünstig angeboten werden. Bisher fanden z.B. Treffen der Frauenkreise im Bischofsamt statt oder in von Katholiken und Methodisten angemieteten Räumen. Neben der Frauenarbeit würde vor allem die Kinder- und Jugendarbeit von diesem neuen Veranstaltungsort profitieren.
Im Projektkatalog 2018 wurden 20.000 Euro dafür gesammelt.Symbolisch wurde im Februar 2019 ein Scheck zur Freude des Kurators der Gemeinde überreicht.

Freitag, 8. Februar 2019

Wir wollen die Hilferufe der Menschen in Not hören und nicht wegschauen!

In den Räumen der EHO - der Diakonie von 5
Minderheitskirchen in Serbien
"Wir sind dem GAW dankbar für die 25-jährige Unterstützung unserer diakonischen Arbeit in Serbien," sagt die reformierte Pfarrerin Tilda Gyenge-Slifka, die als Direktorin die EHO in Novi Sad in Serbien leitet. "Als christliche Organisation sind wir verpflichtet, uns den verschiedenen Herausforderungen zu stellen. Wir wollen den Hilferufe von Menschen in Not hören und bei unglücklichen Lebenssituationen nicht wegschauen. Wir sehen in Serbien viel Not! Und wir versuchen, soweit es geht zu helfen. All den verschiedenen Partnern wie dem GAW sind wir sehr dankbar für das Vertrauen und die Unterstützung."
25 Jahre Unterstützung der EHO
durch das GAW
Die EHO wurde 1993 von fünf Minderheitskirchen in Serbien gegründet. Seitdem konnten unzählige Hilfsprojekte erfolgreich durchgeführt werden: humanitäre Hilfe, mobile Ärzteteams, ein HIV/AIDS-Hilfetelefon und Unterstützung für behinderte Menschen. Große Erfahrungen hat die EHO in der Arbeit mit den Roma und den Flüchtlingen der Balkankriege. Seit der Flüchtlingskrise 2015 engagiert sich die EHO erneut für die Flüchtlinge. Die Gründerkirchen sind allesamt Minderheitskirchen in Serbien und vorwiegend auf dem Gebiet der Vojvodina tätig. Ihre Mitglieder gehören als Slowaken, Ungarn, Mazedonier oder Roma meist außerdem einer nationalen Minderheit an. Mit ihrem einzigartigen Netzwerk diakonischer Gruppen, mit über 500 Freiwilligen und inzwischen mehr als 100 hauptamtlichen Mitarbeitenden, zählt die EHO heute zu den größten Nichtregierungsorganisationen nicht nur in der Vojvodina. Die Hilfe hat sich auf ganz Serbien ausgeweitet von Subotica bis hin nach Surdulica.

Die EHO hat eine wichtige Vorreiterrolle in der Entwicklung von Initiativen, die zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen beitragen. Ihre Projekte dienen anderen Organisationen oft als gute Praxisbeispiele. Zugleich muss die Hilfsorganisation ihre Arbeit nun stärker fokussieren und sich auf Bereiche konzentrieren, in denen sie ihre Leistungen weiterentwickeln und verbessern kann. In Bereichen soziale Inklusion und Sozialschutz braucht es dafür eine verbesserte Zusammenarbeit mit nationalen Behörden. Die Leitung der EHO will das Hilfswerk organisatorisch stärken, die Fundraising-Kapazitäten erweitern und in die Professionalität von Mitarbeitenden investieren.

In jedem Jahr fördert das GAW diese wichtige Arbeit mit 5.000 Euro. Durch die Kooperation mit der GEKE hoffen wir ein weiteres Projekt der EHO unterstützen. 

Ein durch den Balkankrieg geschädigtes Pfarrhaus in Hrasztin/Kroatien

Kirche und Pfarrhaus in Hrastin

Das Dorf Hrastin (Haraszti) liegt in der Gespanschaft Osijek-Baranja im Osten Kroa­tiens. Die örtliche reformierte Kirchengemeinde besteht schon seit 400 Jahren. Sie zählt heute 165 Gemeindeglieder, davon 38 Kinder. Im Zentrum des Gemeindelebens stehen zwei Sonntagsgottesdienste, die fleißig besucht werden. Den Kindern, die am Religionsunterricht teilnehmen, ermöglicht die Gemeinde jeden Sommer eine Teilnahme an einer kirchlichen Freizeit in Ungarn. Der Chor singt sowohl Kirchenlieder als auch Volkslieder aus Slawonien. Die Gemeinde ist gern Gastgeberin von Pfarrertreffen sowie Frauen- und Presbytertagungen der Reformierten Christlichen Kirche in Kroatien. „Das Leben der Menschen hier ist mit der Gemeinde eng verbunden“, betont Pfarrer Péter Szenn, der auch Bischof der Reformierten Kirche ist. „Einen Teil unseres Einkommens macht das Pachtgeld der kirchlichen Felder aus. Aber die freiwillige Arbeitsleistung der Gemeindeglieder bei der Kirchenrenovierung und beim bisherigen Pfarrhausumbau wäre ebenfalls eine hohe Summe wert.“ 

Die Gebäude der Kirchengemeinde in Hrastin wurden während des Balkankrieges mehrfach durch Brandbomben getroffen und stark beschädigt. Die Kirche ist inzwischen völlig saniert. Das Pfarrhaus bereitet aber größere Probleme als gedacht. „Wir haben lange nicht gewusst, dass das Kriegsgeschehen, die Panzer und die Bomben die Statik des Pfarrhauses geschädigt haben“, sagt Szenn, der mit seinen fünf Kindern in dem Gebäude wohnt, in dem sich auch der Gemeindesaal und das Pfarrbüro befinden. Die Giebelmauer hat sich verschoben und die Dachkonstruktionen in Mitleidenschaft gezogen. Weitere Verschiebungen sind laut einer statischen Untersuchung nicht mehr zu befürchten. Deshalb möchte die Gemeinde jetzt die Schäden am Haus beseitigen und das Dach rekonstruieren.

Das Geld ist angekommen aus dem Projektkatalog 2017 (13.000 Euro). Jetzt müssen nur noch die Arbeiten beginnen.

Versöhnung nach dem Balkankrieg - wie?

Bischof Szenn in seiner Kirche in Haraszti
1991 mussten die Bewohner des ungarischen Dorfes Korog ihre Heimat verlassen. Erst sieben Jahre später konnten sie zurückkehren - in einen durch den Krieg völlig zerstörten Ort. Die reformierte Kirche war eine Ruine. Jedes Haus war unbewohnbar. Die Leute, die zurückkamen standen vor dem Nichts. Und heute... - man sieht kaum etwas von den Kriegswunden. Die Kirche ist dank der Hilfe des ungarischen Staates saniert und in gutem Zustand. das Dorf ist hergerichtet. Die Häuser sind ordentlich. nichts erinnert scheinbar mehr an den Krieg.
Doch wie sieht es innerlich aus? "Fast in jeder Bibelstunde ist der Krieg, der vor 20 Jahren endete ein Thema bei den Leuten. Es ist, als wenn sie vom Krieg irgendwie gefangen genommen sind. Sie sind traumatisiert.," sagt Bischof Szenn, der in Koirog mit seiner Frau sich die Vakasnzvertretung teilt. "Immer wieder ist der Krieg ein Thema - aus verschiedener Perspektive. Er hält uns irgendwie gefangen. Und das ist nicht gut, weil wir dadurch nur zurückschauen und nicht nach vorne. Wie kann man versöhnt in die Zukunft schauen, wenn man Gefangener der Vergangenheit ist?" fragt er nachdenklich.
Im vergangenen Jahr kam Bischof Szenn auf die Idee, ein Treffen zu organisieren mit den Menschen, die in der Baranja sich zu Zeiten des Krieges gegenseitig geholfen haben. Auf ungarischer Seite wurden Menschen aus dem kroatischen Teil aufgenommen. Nun wird es erstmals nach 20 Jahren ein Treffen geben grenzübderschreitend: die, die in Ungarn Flüchtlinge aufgenommen haben werden eingeladen sein in Kroatien von denen, die in Ungarn Zuflucht gesucht haben. Ziel ist es, dass sie über ihre Erlebnisse erzählen, sich von der Führung und Fügung erzählen, und dass sie gemeinsam einen Dankgottesdienst feiern. "Wir erwarten im April 2019 ca 500 Menschen. das soll ein Startpunkt sein, dass  die Menschen erzählen und berichten. Der Krieg darf nicht das ganze Leben negativ beeinflussen," sagt Bischof Szenn. "Und hoffentlich ist das ein erster Schritt, dass wir auch auf ökumenischer Ebene etwas zur Vergangenheitsbewältigung beitragen können und zur Versöhnung. Der Krieg darf uns nicht gefangen nehmen!"

Donnerstag, 7. Februar 2019

Neue Fenster für das Pfarrhaus in Osijek


Vor dem Pfarrhaus in Osijek
"Es ist eine große Herausforderung, dass wir in Ungarisch und Kroatisch Gottesdienste und die Gemeindearbeit anbieten könne," sagt Bischof Peter Szenn. "Es geht nicht, dass wir in unserer ungarisch-reformierten Tradition bleiben. Dann haben wir keine Zukunft!" So ist es in Osijek, im Stadtteil Retfala. 
Retfala (ungarisch: Rétfalu) ist ein Stadtteil von Osijek. Die reformierte Gemeinde Retfala wurde schon 1579 durch den Reformator Mihály Sztárai gegründet. Sie hat alle Schwierigkeiten der vergangenen Jahrhunderte überstanden, auch wenn die Zahl der Gemeindeglieder mit heute rund 100 im Vergleich zu Früher bescheiden ist. Die ursprünglich ungarischsprachige Gemeinde kämpft mit Identitätsproblemen. „In der näheren Zukunft wird die Gemeinde einen Pfarrer brauchen, der sowohl Ungarisch als auch Kroatisch fließend spricht“, schreibt auch Pfarrerin Ilona
Reformierte Kirche in Osijek-Retfala
Hedvig Andel. „Das ist wegen der jüngeren Generation erforderlich – sonst bleibt sie der Gemeinde fern.“ Die Beziehungen zu anderen christlichen Konfessionen in der Stadt sind gut. Die Gemeinde beteiligt sich an der ökumenischen Gebetswoche und am ökumenischen Weltgebetstag. Wenn in der Kirche der Frühjahrsputz fällig ist, kommen gelegentlich sogar katholische kroatische Nachbarn und helfen. 

Das Pfarrhaus wurde 1802 gebaut. Da die Gemeindepfarrerin bald in den Ruhestand geht, möchte die Gemeinde schon jetzt vorsorgen und das Gebäude so herrichten, dass dort eine neue Pfarrfamilie einziehen könnte. Das Dach wurde bereits 2010/11 saniert. Da gleichzeitig die Kirche renoviert wird, können die Arbeiten nur Schritt für Schritt erfolgen. Als nächstes mussten neue Fenster eingebaut werden. „Die alten Fenster konnten überhaupt nicht isoliert werden!" Das GAW hat 2016 bei der Sanierung geholfen.

Eine Kirche wurde saniert, die unter dem Balkankrieg gelitten hat

Pfr. János Hájek und Bischof Szenn in Karanac
János hat kein Theologiestudium abgelegt. Dennoch ist er seit 1994 Pfarrer der reformierten Kirche. Weil es zur Zeit des Balkankrieges Probleme für Studenten vom Balkan gab hat er Theologie durch "learning by doing" gelernt. Sein Vater war Pfarrer in Karanac in Kroatien. Als er starb musste jemand die Pfarrstelle übernehmen. Das war schwierig, denn niemand wollte in das Kriegsgebiet - zudem in denn Teil, der von serbischen Söldnern besetzt war.. János war bereit. Er hatte viel mitbekommen und hielt durch. Vor dem Krieg gehören 105 Mitglieder zur Kirche. Heute sind es noch ca. 90 - von ca. 800 Dorfbewohnern.Karanac liegt im Dreieck zwischen den Flüssen Drau und Donau im Norden Kroatiens. Die
Reformierte Kirche in Karanac
Gegend war stark vom Balkankrieg Anfang der 1990er Jahre betroffen. Die umkämpfte Stadt Osijek ist nur 30 km entfernt. Dieser Krieg sowie die beiden Weltkriege, Vertreibungen und Auswanderung haben der reformierten Gemeinde in Karanac zugesetzt. Die Zahl der Gemeindeglieder ist von 1.000 zum Beginn des 20. Jahrhunderts auf 95 Personen gesunken. Pfarrer János freut sich aber, dass seine Gemeinde trotzdem sehr aktiv ist. „Wir organisieren hier Konferenzen, an denen sich vor allem die Mitglieder des reformierten Frauenbundes aktiv beteiligen. Meistens laden wir zu Vorträgen Gäste aus Ungarn ein, bemühen uns aber auch, sie mit dem hiesigen kirchlichen Leben und mit der Umgebung bekannt zu machen.“ Die Gemeindeglieder können nur geringe Beiträge zahlen. Doch dank 13 ha Ackerland im Gemeindebesitz sind die Grundbedürfnisse der reformierten Gemeinde gedeckt. 

Die reformierte Kirche in Karanac stammt in ihrer heutigen Form aus dem Jahr 1816. Sie wurde sorgfältig gepflegt, bis die schrumpfende Gemeinde nicht mehr imstande war, größere Renovierungsmaßnahmen durchzuführen. Vor etwa 15 Jahren begann die wirtschaftliche Situation der Gemeinde sich zu verbessern. Zum Teil aus eigener Kraft, zum Teil mit Hilfsgeldern wurden das Dach saniert, die Orgel des Orgelbaumeisters Lajos Moser wieder repariert, die Turmuhr instand gesetzt. Über das Ergebnis erfreut sich nicht nur die Gemeinde sondern die ganze Dorfgemeinschaft. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Kirche waren sowohl der ungarische als auch der kroatisdche Staatspräsident anwesend.
Dafür hat das GAW die Sanierung der Kirche 2016 mit 6.600 Euro unterstützt. Allen Spendern sei gedankt!