Donnerstag, 31. Januar 2019

Neues heute aus Venezuela: "Die Lage in Venezuela ist sehr angespannt! Betet für uns! Helft uns bitte!" (G. Hands)

Strassenkinderheim Casa Hogar in Valencia / Venezuela
"Die Lage in Venezuela ist sehr angespannt. Es gibt sehr viele Demonstrationen. Es ist überraschend, wie schnell sich die Situation in Venezuela in den letzten Tagen zugespitzt und entwickelt hat. Es gibt viele Richter, die den Gegenpräsidenten zu Maduro unterstützen. 
In der Schule haben wir nur einen halben Tag derzeit Unterricht. Wir versuchen auf friedliche Weise den neuen Präsidenten Guaidó zu unterstützen und hoffen und beten, dass es keine Gewalt geben möge. Viele Staaten unterstützen ihn inzwischen. Es wird hoffentlich einen schnellen Wechsel geben. Maduro ist isoliert. Fast 90% der Bevölkerung will einen Wechsel. Er hat überhaupt keinen Rückhalt mehr. Maduro wird nur noch unterstützt vom Militär und von 2,5 Millionen Venezolanern, die von dem System "Maduro" profitieren. Die, die von Maduro profitieren handeln mit Drogen, schmuggeln Benzin und sind in andere illegale Geschichten verwickelt - es ist wie eine Mafia. Es sind ebenso auch viele Kubaner in Venzuela aktiv im Geheimdienst und Sicherheitsorganen. Das macht die Lage unsicherer. Ebenso gibt es Anzeichen von der Präsenz der ELN-Guerilla aus Kolumbien, die im Süden des Landes aktiv sind. Sie sollen von der Hisbollah unterstützt werden. Aus all diesen Gründen scheint es schwierig, dass Maduro und seine Leute auf friedliche Weise und im Dialog die Macht abgeben. Es gab schon zahlreiche Tote und viele, die gefangen genommen wurden.
Zudem ist die Inflation dramatisch. Aber wir versuchen weiter zu machen und unsere Arbeit zu unterstützen.
Wir sind dankbar für eure Unterstützung - gerade bei den Lebensmittelbesorgungen für unser Strassenkinderheim Casa Hogar. Wir bekommen vier weitere Jungs jetzt hier. Es fehlt uns sehr an Medikamenten und Lebensmitteln, die wir nur über Miami beschaffen können mit Freunden. Es ist kaum etwas vor Ort zu bekommen - und wenn, dann sehr, sehr teuer.
Bitte betet für uns und helft uns!" das schreibt Kirchenpräsident Gerardo Hands.

Das GAW unterstützt ein Strassenkinderheim und einen Kindergarten in Venezuela. Und hilft auch den kleiner gewordenen Kirchengemeinden, ihre Arbeit fortzusetzen.


Dienstag, 29. Januar 2019

Eine neue Kirche in der Mittelslowakei

Kirchenneubau in Žiar nad Hronom in der Mittelslowakei
"Ganz herzlichen Dank für die Unterstützung des Neubaus der evangelischen Kirche in Žiar nad Hronom in der Slowakei! Es war schwer und mühsam, dieses wichtige Neubauvorhaben umzusetzen. immer wieder gab es Probleme, ging das Geld aus, so dass die fertigstellung sich verzögerte. Die GAW-Spende hat uns aber Mut gemacht. Letztlich wurden die Bauten pünktlich zum Reformationsjubiläum 2017 beendet und die Kirche geweiht!" schreiben Mgr Peter Weiss und Mgr Jozef Pacek. 

Žiar nad Hronom hieß bis 1955 Svätý Kríž nad Hronom (deutsch: Heiligenkreuz an der Gran, ungarisch Garamszentkereszt). Die Stadt liegt in der Mittelslowakei. Ursprünglich machten die Slowaken nur 1/3 der Bewohner aus. Die Deutschen und die Ungarn mussten nach dem Zweiten Weltkrieg das Land verlassen. 1953 entstand im Dorf ein Aluminiumwerk. Durch den Zuzug von Arbeitern wuchs das Dorf schnell zu einer Stadt. Die
19.900 Einwohner heute sind fast ausnahmslos Slowaken. Die Gegend ist katholisch geprägt. Durch den Bevölkerungsaustausch sind auch evangelische Christen zugezogen, insgesamt sind es in Žiar nad Hronom rund 500. 

Die Gemeinde wird von Kremnica (deutsch: Kremnitz) aus betreut. Die Gottesdienste werden jeden Sonntag gefeiert, an der Schule gibt es Religionsunterricht. Alle Gottesdienste mussten in fremden Räumen stattfinden, da die Gemeinde über keine eigenen Räumlichkeiten verfügt hat. Das ist jetzt anders.
Ein Grundstück in der Stadtmitte wurde 1998 erwerben, das verkehrsgünstig in der Nähe des Busbahnhofs liegt. Der Guundsetin wurde 2006 gelegt. Die Kirche verfügt über 100 Sitzplätze. Immer wieder musste neu geschaut werden, wie man Gelder zum Weiterbau findet. Das Reformationsjubiläumsjahr gab dann noch einmal einen großen Schub. Im Jahr 2012 hat das GAW 16.000 Euro für diesen Kirchenneubau gesammelt.
Allen Spendern sein gedankt!

Montag, 28. Januar 2019

Ohne Adresse ist man wie eine Wolke....

"Jesus rettet (hilft)!" - er braucht dafür unsere Hände...-
Strassenszene in Paris
Am Rande leben sie - Obdachlose in unseren Metropolen in Europa. Aber sichtbar sind sie. Vor einer Bankfiliale bei der der Metrostation Pigalle in Paris liegt einer von ihnen dick eingehüllt in Decken auf einer Matratze  neben einem Bankautomaten. Daneben hat ein anderer sein Zelt aufgeschlagen. Überall in der französischen Hauptstadt sichern sich Obdachlose Plätze  - jetzt im Winter vor allen Dingen auch in Metrostationen. Die Zahl der Menschen ohne Obdach steigt in Frankreich seit Jahren kontinuierlich an. Dem Statistikamt nach sind es mehr als 130.000 Menschen. An die 4 Millionen  Menschen leben in Frankreich in prekären Verhältnissen. Ein Viertel der Menschen ohne festen Wohnsitz in Frankreich gehen einer Arbeit nach. Meist sind es wenig qualifizierte Beschäftigungen die auch unter dem Mindestlohn bezahlt werden. Der verbleibende Lohn ist oft so gering, dass  er für eine Miete nicht reicht – gerade in Paris, einem der teuersten Städte Europas. Das erhöht die Obdachlosigkeit. Das wiederum führt dazu, dass Menschen weiter absinken, denn ohne Wohnadresse gibt es kaum Chancen, wieder in der Gesellschaft anzukommen und teilzuhaben "Ohne Adresse existiert man nicht. Man ist wie eine Wolke, die vorbeischwebt“, so beschreiben es Mitarbeiter der Maisón Verte in Paris, das einer sozial-diakonischen evangelischen Missionsbewegung angehört. Hier haben allein 1.400 Menschen ihre Adresse. Sozialarbeiter - meist ehrenamtlich arbeitend - betreuen sie, verwalten ihre Post und versuchen, ihnen wieder Perspektiven aufzuzeigen.Ohne Adresse ist man zudem nicht berechtigt, Sozialleistungen zu empfangen.Neben den beiden Obdachlosen an der Metrostation Pigalle hat ein Graffitikünstler mit großen Buchstaben geschrieben: "Jesus rettet!" Dass das zu spüren sein möge, dafür braucht es Menschen wie in der Maisón Verte, die aus dem Zuspruch einen Anspruch machen. Sie helfen. 

Was wären unsere Gesellschaften, wenn nicht Menschen aus diesem Glauben helfen. Sie vertrauen, dass es da jemanden gibt, der hilft. Sie schauen nicht weg und setzen sich ein, wo es staatliche Strukturen nicht mehr schaffen... In der Maisón Verte ist das zu erleben! 



Samstag, 26. Januar 2019

Schwierige Bedingungen in der Maisón Verte nach Kürzungen der staatlichen Sozialleistungen

Pfarrerin Grace (Mitte) vor der Kapelle der Maisón Verte
"Zur letzten Präsidentenwahl haben wir die Kandidaten aller politischen Parteien unserer Kommune in unser Zentrum "Maisón Verte"  der "Mission Populaire Èvangelique de France" hier in Paris eingeladen. Bis auf den Fronte National kamen alle. Wir hatten dann große Hoffnungen auf Veränderungen in die Politik, " berichtet Pfarrerin Grace Gattibaru. "Danach kamen dann die Enttäuschungen. Die Sozialleistungen wurden massiv gekürzt. Vor dem Regierungswechsel zu Macrón wurden 50% der Kosten unserer sozialen Arbeit von staatlicher Seite getragen. Die neuen Gesetze haben das verändert. Jetzt bekommen wir nichts mehr!" 
Grace berichtet von den sozialen Aktivitäten im Stadtteil. So haben in der Maisón Verte
Hausaufgabenhilfe in der Maisón Verte
über 1.400 Menschen, die keine Dokumente haben, hier eine Postanschrift. "Das brauchen sie, um überhaupt irgendwie wieder in die Gesellschaft integriert werden zu können. Es sind Menschen aus allen Schichten - und nicht nur Flüchtlinge." Und dann berichtet sie, wie mit hohem ehrenamtlichen Engagement die Arbeit dennoch weitergeführt wird, und wie versucht wird, Gelder zu generieren.

Das GAW hat dem Zentrum im Jahre 2014 (10.000 Euro aus dem Projektkatalog 2013) geholfen, um das Zentrum barrierefrei zu gestalten. "Das war eine große Hilfe!" sagt Grace. "Dafür sind wir euch in Deutschland dankbar!"

Die Evangelische Volksmission wurde 1871 von dem schottischen Pfarrer Robert Mac All gegründet. Das Begegnungszentrum „Grünes Haus“ besteht seit 1873. Es leistet Hilfestellungen zur sozialen Eingliederung, bietet Erwachsenenbildung und Nachhilfe für Kinder an und stärkt die Solidarität im Stadtteil. Obwohl es vielfach mit sozial schwachen Zielgruppen arbeitet, wird das Zentrum im Stadtteil auch von bürgerlichen Schichten als Nachbarschaftszentrum wahrgenommen. Jeden zweiten Sonntag finden im „Grünen Haus“ Gottesdienste statt, organisiert von zwei Bibelgruppen, zu deren Mitgliedern auch Nichtgläubige zählen. Darüber hinaus gibt es spezielle Gottesdienste mit weiblichen und männlichen Homosexuellen sowie mit tauben und hörgeschädigten Menschen. An der Arbeit der Pfadfindergruppe nehmen mehrheitlich muslemische Kinder teil und haben so eine Gelegenheit, den christlichen Glauben besser kennen zu lernen.  Auch eine kongolesische Gemeinde trifft sich zu ihren Gottesdiensten hier.


Mittwoch, 23. Januar 2019

"Bitte betet in dieser kritischen Situation für uns in Venezuela!" (Gerardo Hands)

Lutherischer Kindergarten in Valencia 
"Ich bin gerade von einem Treffen im Gemeindehaus unserer lutherischen Gemeinde in Valencia (Venzuela) zurückgekommen. In Valencia war es friedlich. Viele Menschen sind demonstrierend auf die Strasse gegangen. So war es heute im ganzen Land. Der Parlamentspräsident Juan Guaidó hat sich als kommissarischer Präsident des Landes durch das Parlament wählen lassen und wagt damit den offenen Aufstand gegen die Regierung von Nicolás Maduro. Derzeit befindet sich Guaidó in der kolumbianischen Botschaft, um in Sicherheit zu sein. Heute ist das ganze Land  in friedlicher Weise aufgestanden. Bitte betet für uns in Venezuela, dass die Veränderungen auf einem friedlichen Weg stattfinden. Das venezolanische Volk leidet!" teilt der lutherische Kirchenpräsident Gerardo Hands heute per WhatsApp mit.

Am 10. Januar hatte sich Maduro gegen alle Proteste für eine zweite Amtszeit vereidigen lassen. Das wird von vielen Seiten als undemokratisch angesehen. Der heutige 23. Januar ist in Venezuela ein historisch-symbolisches Datum. An diesem Tag endete vor 61 Jahren eine harte Diktatur. Kritisch ist die Frage, wie sich das Militär verhalten wird, das die Ölgeschäfte des Landes und wichtige wirtschaftliche Zweige kontrolliert. 

In all diese Probleme ist die kleine lutherische Kirche hineingezogen, die mit viel Energie ein Straßenkinderheim, einen Kindergarten und eine Schule in Valencia offen hält. Ohne die Solidarität von außen ist es nicht möglich diese Arbeit weiter zu erhalten! 

Das GAW unterstützt die lutherische Kirche Venezuelas, ihre wichtige diakonische Arbeit aufrechterhalten zu können.

Helft mit, dass wir dem Kindergarten und dem Straßenkinderheim helfen können!

Spendenkonto: IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11, BIC: GENODED1DKD (KD-Bank)

Montag, 21. Januar 2019

In Sorge um Frieden für Kolumbien

Sehnsucht nach Frieden für Kolumbien 
Am 17. Januar  hatte ein Mann ein mit Sprengstoff beladenes Auto auf das Gelände der Polizeiakademie General Santander in Bogotá gesteuert und zur Explosion gebracht. Bei dem Anschlag kamen mehr als 21 Menschen ums Leben, Dutzende weitere wurden verletzt. Der Attentäter - ein  Mitglied der Guerillaorganisation ELN - kam selbst ums Leben. Die Friedensverhandlungen in Havanna wurden in der Folge ausgesetzt.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche von Kolumbien (IELCO) zeigt sich besorgt um die zunehmende Gewalt. "Wir solidarisieren uns mit den Opfern des Attentats. Wir lehnen jede Form von Gewalt ab, schreibt Bischof Atahualpa Hernández."Wir sind besorgt um die zunehmende Gewalt gerade auch gegenüber von Menschenrechtsverteidigern. Wir fordern Wahrheit und Gerechtigkeit angesichts dessen, was im Land vor sich geht. Wir beten, dass die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien wieder aufgenommen werden."

Ebenso äußert sich die katholische  Kirche in Kolumbien. Angesichts von 172 Toten im vergangenen und bereits sieben Morden in diesem Jahr ist Sozialbischof Hector Fabio Henao besorgt: "Die Situation ist sehr besorgniserregend und schwerwiegend. Das Problem muss dringend gelöst werden." Durch den Friedensprozess mit der ehemaligen Guerillaorganisation FARC sei in einigen Gebieten des Landes ein Machtvakuum entstanden, in dem nun andere bewaffnete Gruppen die Macht übernehmen wollten, sagte Henao. Auch der Drogenhandel sei eine Ursache für die anhaltende Gewalt.

Ende 2016 hatte sich die Regierung des damaligen Präsidenten Juan Manuel Santos mit der linksgerichteten FARC-Guerilla auf einen Friedensvertrag verständigt. Inzwischen hat sich die FARC in eine politische Partei umgewandelt.

Die Situation in der Region wird verschärft durch die Not in Venezuela und die vielen Flüchtlinge, die sich in Kolumbien aufhalten. Die Region braucht unsere Aufmerksamkeit, unser Gebet und unsere Partnerkirchen unsere Solidarität!

Samstag, 12. Januar 2019

Ist Estland wirklich eines der atheistischten Länder Europas?

Matthias Burghardt (Tallinn)
"Estland gilt als eines der atheistischsten Länder in Europa - gemeinsam mit Tschechien und Ostdeutschland. Aber stimmt das...?" fragt Pfarrer Matthias Burghardt nachdenklich. 13% der Bevölkerung gehören zu lutherischen Kirche, 14% zur orthodoxen Kirche. Burghardt ist Pfarrer einer deutschsprachigen und einer estnischen Gemeinde seiner Kirche. 

Er nimmt dann Bezug auf die spannende Kirchengeschichte der Estnischen Evangelischen-Lutherische Kirche (EELK). 1524 kam schon die Reformation ins Land und breitete sich schnell aus. Mit dem christlichen Glauben hatte man bisher immer eine Geschichte der gewaltsamen Missionierung verbunden. Die Reformation wurde als Befreiung erlebt. In der schwedischen Zeit blühte die Kirche zur Volkskirche auf. Dann unter dem russischen Einfluss erhielten die Deutschbalten Rechte, die es ihnen erlaubten, die Esten selbst zu Untertanen zu degradieren - auch in Kirchenfragen. Unter dem Einfluss Zinzensdorfs setzte sich schließlich eine pietistische Bewegung in der Kirche durch. Es entstanden Bethäuser, die die Frömmigkeit der Menschen in Estland prägte. Und vor allen Dingen förderte Zinzendorf die estnische Schriftsprache. Es entwickelte sich aus dieser pietistischen Tradition heraus eine sog. estnische Bauernaristokratie, eine Sänger- und Emanzipationsbewegung. 

Bis heute spielen die Sängerfeste mit bis zu 30.000 Chorsänger*innen eine große Rolle in der estnischen Tradition. "Und gerade hier spürt man auch eine tiefe religiöse Prägung - auch wenn bei weitem nur eine Minderheit zur Kirche gehört. Früher waren das die Kirchenchorfeste," sagt Pfarrer Burghardt. "Auch wenn diese Bewegungen mit der Kirche nichts mehr zu tun haben, so haben sie in der Kirche ihre tiefen Wurzeln."

Zur Kirche werden ca. 160.000 getauften Lutheranern gezählt - wobei davon nur 29.000 Gemeindeglieder sind. Die EELK ist aufgeteilt in 12 Propsteien, 166 Gemeinden mit 43 Pfarrerinnen und 169 Pfarrern in Estland sowie in fünf Propsteien und 32 Gemeinden im Auslandsbistum (seit 2010). 

Der erste estnische Bischof wurde gewählt mit der Gründung der Estnischen Lutherische Kirche nach dem 1. Weltkrieg. Dann aber begann eine weitere schwierige Phase: der Weg eines unabhängigen Staates und einer Kirche mit damals 85% Kirchenzugehörigkeit endete abrupt mit dem Hitler-Stalin-Pakt. Es kam zu Flucht, Deportation, Vertreibung - und großem Leid.

"Die aktuellen Fragen drehen sich auch nach der Neugründung Estlands und dem Zerfall der Sowjetunion darum, wie die Kirche nach der Zeit der sowjetischen Unterdrückung aus einer Nischensituation herauskommt im Sinne von: bei uns sind die „wahren Christen“ und Bewahrer der reinen Lehre zu finden und die anderen gehören zu feindlichen Welt. Das ist eine große Versuchung in Osteuropa!" sagt Burkhardt. "Die Sowjets haben die Kirche in die Nische gedrängt. Wollen wir da bleiben oder uns der Welt zuwenden, wie es der Ruf des Evangeliums ist, das uns befreien will von allen ideologischen Abhängigkeiten - auch den eigenen!"

Mit Sanftmut dem Hass begegnen! - Steven Fuite (Belgien)

Steven Fuite (Belgien)
"Die Welt verhärtet sich! Das spüren wir auf verschiedenen Ebenen bis dahin, dass mit Fake-News Politik gemacht wird und Menschen polarisiert. Als Kirche  leben wir mit unserem HERRN der Kirche. Er ist der HERR der Sanftmütigkeit. Als Kirche, die ihm folgt sind wir Kirche seines Wortes. Wir haben den Auftrag mit sanftmütigen Worten Hass in der Welt einzuhegen. Da sind wir in Europa als Kirchen insgesamt gefordert!" das sagt Kirchenpräsident Steven Fuite aus der Vereinigten Protestantischen Kirche Belgiens (VPKB) auf der Tagung der norddeutschen GAW-Hauptgruppen im ostfriesischen Aurich. "Wir sind als VPKB eine offene Kirche mit einem progressiven Blick auf die Welt. Es gibt in Belgien keine andere Kirche, die ähnlich offen und vielfältig ist. In allen ethischen Fragestellungen wie z.B. Homosexualität, Abtreibungsfragen und Sterbebegleitung wird das deutlich. Damit haben wir ein Angebot für die Gesellschaft. Wer sehr konservative Antworten sucht, der hat in Belgien eine große Auswahl an Kirchen. Eine Alternative zu uns gibt es im kirchlichen Kontext nicht. Das macht uns manchmal in Belgien einsam. Aber so verstehen wir unseren Auftrag aus der reformatorischen Tradition: die von Gott angebotene Vielfalt zu umarmen und willkommen zu heißen! Das ist ein Ausdruck der Offenheit unserer Kirche in der Gesellschaft."

Belgien ist zu 75 % katholisch. Religiöse Minderheiten sind 8 % Muslime, 3 % Evangelische und Protestanten (das ist die VPKB mit 1%), Orthodoxe und Juden. 59 % der Bevölkerung sind niederländische Flamen, 40 % französischsprachige Wallonen und 1 % Deutsche.

Ca. 75.000 Gemeindeglieder in 110 Gemeinden hat die VPKB. Davon gibt es 70 wallonische, 35 flämische, drei deutsch- und zwei englischsprachige Gemeinden mit 85 Pfarrerinnen/Pfarrern. Dazu kommen einige Spezialpfarrämter. Die Kirche hat eine 180-jährige Tradition.

Steven Fuite ergänzt dann: "Unsere Kirche selbst wächst nicht. Das bedrückt oft die Gemeinden und Pfarrer*innen, weil sie Dinge aufgeben müssen. Da stellt sich für uns als Kirchenleitung die Frage, wie wir ermutigen können, frei zu werden von Lasten - innerlich und äußerlich. Manche Verantwortliche fragen sich bei uns: Was machen wir falsch, wenn das Evangelium doch so schön ist? Machen wir zu wenig? - Der HERR aber verlangt nicht von uns, dass wir immer mehr machen. Wir müssen uns fragen, was wir verändern müssen, wenn es nicht mehr so wie früher geht. Das Reich Gottes liegt nämlich vor uns und nicht hinter uns! Es geht darum, hinter die selbst errichteten Mauern zu schauen, nach neuen Perspektiven, Chancen und Herausforderungen zu suchen und im Vertrauen auf Gott ein neues Abenteuer als Kirche zu wagen!"

Und er schließt damit, dass die Kirche eine Kirche in unserer Zeit sein will, um darin dem Evangelium Raum zu geben.

Donnerstag, 10. Januar 2019

Eine Mail aus Bogotá in Kolumbien von Lizbeth

Lizbeth Chaparro
"Ich melde mich mal wieder nach einiger Zeit bei Euch im GAW, um mich noch einmal ganz herzlich für eure Unterstützung für mein Stipendium in den Jahren 2012-2013 zu bedanken.

In den letzten beiden Jahren habe nach einer weiteren Pädagogikausbildung in einem Programm mitgearbeitet, das Bildung für alle sich auf die Fahnen geschrieben hat.Ich habe in einem Armenviertel in Bogotá gearbeitet. Dort habe ich 18 Gruppen begleitet mit insgesamt fast 643 Schülern. Mein Fach war Ethik.

In dieser Zeit begleitete ich auch die Kirche von Vida Nueva beim Aufbau einer Jugendarbeit. In letzter Zeit besuchte ich öfter die deutschsprachige Gemeinde San Mateo Kirche, wo Pastorin Christhild Grafe arbeitet. Gemeinsam wollen wir Taizéandachten in der Gemeinde vorbereiten und im Gemeindeleben installieren. Es besteht auch die Möglichkeit, dass ich in Zukunft in der Konfirmandenarbeit mitmache. Auch besteht die Möglichkeit, dass ich in Zukunft Predigtvertretungen in der Gemeinde übernehme, wenn die Pfarrerin nicht da ist. Dafür hoffe ich, dass die Gemeinde mir bei der Verbesserung der Sprachkenntnisse hilft.

Ich bin sicher, dass ein großer Teil dessen, was ich bisher erreicht habe und machen konnte, Ergebnis dessen ist, was ich in Deutschland erlebt und gelernt habe. Ich denke an Euch und bete für euch. Bitte tut das auch für mich!" 

Lizbeth Chaparro (GAW-Stipendiatin 2012/13)


Freitag, 4. Januar 2019

Gelungene Sanierung des Kirchendaches in Dumbrăveni / Rumänien


"Wir danken dem GAW herzlich für die Unterstützung bei der Sanierung des Kirchturmes unserer evangelischen Kirche in Elisabethstadt! Dank dieser Hilfe konnten wir unsere Kirche instandsetzen!" schreibt Pfrarrer Ulf Ziegler. Im Projektkatalog 2016 wurde die Sanierung, die 22.400 Euro kostet mit 6.600 Euro durch das GAW unterstützt.

Die Stadt Dumbrăveni (deutsch: Elisabethstadt) liegt in Siebenbürgen am Fluss Târnava Mare (deutsch: Großer Kokel). Die evangelische Gemeinde zählt nur wenig über 70 Mitglieder, gehört jedoch zu den aktivsten des Kirchenbezirks. Neben den Gottesdiensten an jeden zweiten Sonntag gibt es verschiedene andere traditionelle Veranstaltungen wie der Nikolausgottesdienst oder das Adventskranzbinden der Jugend. „Die Gemeinde ist flexibel und wegen Konzerten oder Buchpräsentationen gern zu Nachbarn unterwegs“, beschreibt Pfarrer Ulf Ziegler das evangelische Leben in Dumbrăveni. „Fast jedes Jahr gibt es eine Konfirmandengruppe. Die Kinder aus dem Religionsunterricht haben zu Weihnachten zusammen mit der Kantorin ein Musical aufgeführt und sind damit am Heiligabend auch im kirchlichen Altenheim aufgetreten.“ Das alte Pfarrhaus konnte die Gemeinde zu 60 % vermieten. Mit den Einnahmen können verschiedene kleine Arbeiten verrichtet werden. 

Die heutige evangelische Kirche, eine Saalkirche mit Glockenturm, entstand 1771 als armenisch-katholische Privatkapelle. Die evangelische Kirchengemeinde erwarb sie 1925 und baute sie um. Das Dach der Kirche war stark beschädigt. Im Chorbereich fehlten die gesamten Firstziegel. Der einströmende Regen hatte den Dachstuhl und die Elektrik der Kirche beschädigt. Weitere Schäden waren durch Nässe in den Kirchenmauern und im Fußboden entstanden. Die Sanierung des Kirchendaches war für alle anderen Arbeiten unumgänglich. 

Wir danken allen Spendern!!!





Dienstag, 1. Januar 2019

Neun Brasilianer erneut im GAW zu Gast

Mit dem neuen IFPLA-Jahrgang vor der
Leipziger Universitätskirche St. Pauli
Erneut sind neun brasilianische Lehramtskandidaten aus dem Institut IFPLA (Instituto de Formação de Professores de Língua Alemã) zu Gast in der GAW-Zentrale in Leipzig. IFPLA bildet Deutschlehrer für Brasilien aus und ist eng mit der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) verbunden. 

Die IECLB ist Trägerin mehrerer Schulen (ca. 55), an denen Deutsch unterrichtet wird. Das GAW unterstützt auf Bitten der IECLB nun schon zum 25. Mal ein Lern-, Kultur- und Austauschprogramm. 

Mit Unterstützung des GAW können die Lehramtskandidaten zwei Wochen lang am InterDaf e.V. am Herder-Institut der Universität Leipzig an ihren Sprachkenntnissen feilen und erhalten zudem Unterricht in Landeskunde und deutscher Kultur. 

Das Institut IFPLA ist in der Stadt Ivotí (Rio Frande do Sul) ansässig. Viele Absolventen des IFPLA arbeiten heute an kirchlichen Schulen, weil diese aus historischen Gründen Deutschunterricht anbieten. 

Auch auf dem Neujahrsempfang des GAW am 8. Januar 2019 wird der IFPLA-Kurs erneut wieder dabei sein.