Dienstag, 5. Februar 2019

Ein "BesetzterPlatz" in der Nikoliakirche Leipzig für all die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

Pfr. Enno Haaks in der Nikolaikirche Leipzig

„Posto Occupato“/“Besetzter Platz“ – dieses Schild zusammen mit einem roten Paar Damenschuhe fand ich im vergangenen Sommer in einer Waldenserkirche in Venedig. Mitten in dem kleinen Kirchraum war ein Platz freigehalten. Daneben lag ein Zettel auf dem stand, dass in der Gottesdienst feiernden Gemeinde sicht- und spürbar an die Opfer häuslicher Gewalt erinnert werden soll.

Das ließ mich nicht mehr los! Wie viele Plätze müssten in unseren Kirche freigehalten oder besetzt werden für Menschen, die nicht gesehen werden, die leiden, die sterben – ohne dass es wahrgenommen wird.

Mit der Dresdner Seenotrettungs-NGO „Mission Lifeline“ habe ich am 5. Februar in der Leipziger Nikolaikirche ein Friedensgebet gehalten. Es ging um die Seenotrettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer und all die Fragen und Vorwürfe um diese freiwilligen Helfer. Es wurde besonders an die vielen Toten im Mittelmeer erinnert. Papst Franzisko hat einmal das Mittelmeer „den größten Friedhof der Welt“ genannt. Symbolisch haben wir in der Nikolaikirche eine Schwimmweste auf einen Platz mitten im Kirchraum platziert, um
Der "Besetzte Platz"
damit an die vielen namenlosen Toten auf dem Mittelmeer zu erinnern. Dazu haben wir geschrieben: „Das Mittelmeer gehört zu einer der weltweit tödlichsten Seerouten in der Welt. Im letzten Jahr sind mehr als 2000 Menschen gestorben. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher. UNHCR sagt, dass 2018 im Durchschnitt 6 Menschen pro Tag auf dem Mittelmeer gestorben sind. Viele der Bootsunglücke werden nicht registriert, weil niemand mehr etwas davon mitbekommt und es immer weniger Rettungen aufgrund drohender Kriminalisierung stattfinden.“

Präses Manfred Rekowski von der Rheinischen Landeskirche und bei der EKD für die Themen Flucht und Migration zuständig, hat die Kriminalisierung der Seenotretter wiederholt scharf kritisiert. Das sei absurd. „Es käme ja auch niemand auf die Idee, zu behaupten, Schwimmer riskierten in der Nordsee ihr Leben, weil am Ufer die DLRG sitzt,“ so Rekowski. Das sei „eine perverse Art, sich die Probleme vom Hals zu halten.“ Das sei nicht nur inhuman. Das zerstört die zentralen europäischen Werte: die Geltung der Menschenrechte, die Europäische Menschenrechtskonvention, die Genfer Flüchtlingskonvention. Es ist ja keine Gnade, die den übers Meer Flüchtenden gewährt wird. Sie haben ein Recht auf Hilfe. Auf einen sicheren Hafen.

Der „Besetzte Platz“ in der Nikolaikirche soll in den kommenden Wochen auf dieses Recht auf Hilfe erinnern.

Die GAW-Partnerkirchen insbesondere in Italien, Griechenland und Spanien haben sich immer wieder engagiert für die Geflüchteten eingesetzt, Räume zur Verfügung gestellt, Soforthilfe gegeben. Sie organisieren Sprachkurse, helfen in legalen Fragen und suchen bei der Integration zu helfen.

Das GAW unterstützt finanziell diese Partner, damit sie diese wertvolle und wichtige Hilfe leisten können. - Pfr. Enno Haaks

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