Freitag, 19. Juli 2019

Pfarrerin Hanna Schramm aus Chile zu Besuch im GAW

Pfrn. Hanna Schramm mit dem GS des GAW Pfr. Enno Haaks

Seit fünf Jahren ist Hanna Schramm Pfarrerin in Santiago de Chile. Sie ist die erste ordinierte Pfarrerin in der Iglesia Luterana de Chile (ILCH) - eine der beiden lutherischen Kirchen in Chile, die nach dem Militärputsch 1973 entstanden sind. Bis heute ist es nicht gelungen die damalige Kirchenspaltung zu überwinden. Vor Kurzem ist der Versuch ein Verbindungsmodell zu schaffen gescheitert. Es sah vor, ein Kirchendachverband zu gründen mit zwei Synoden. Das wäre ein erster konkreter Schritt aufeinander zu gewesen. Folge ist, dass dadurch eine Gemeinde in Concepción ihre Mitgliedschaft in der kleineren lutherischen Kirche der Iglesia Ev. Luterana de Chile (IELCH) ruhen läßt. Sie waren sehr daran interessiert, dass beide Kirche strukturell zusammenkommen. Die Gründe, dass das gemeinsame Projket aus ILCH und IELCH nicht geklappt hat sind vielschichtig und hängen auch mit den gesellschaftlichen Herausforderungen des Landes zusammen.

Hanna konnte dank der Unterstützung des GAW in der ILCH ein Vikariat absolvieren, dass sie nach Beendigung ihres Theologiestudiums in Leipzig in Santiago durchführen konnte. Sie hatte einige Herausforderungen zu überwinden, denn damals gab es von einigen Pfarrern der ILCH Gegenwind, die gegen die Frauenordination waren. Das hat sie durchgehalten und wurde nach dem Vikariat Pfarrerin in der großen Erlösergemeinde in Santiago. Mit zwei Kollegen arbeitet sie zusammen. Die Erlösergemeinde ist die größte  Gemeinde der ILCH. Die ersten Versuche einer Gemeindegründung in der Hauptstadt Chiles gehen in das Jahr 1867 zurück. Über regelmäßige Gottesdienste wird ab 1885 berichtet. Ein Jahr später erfolgt schließlich die Gemeindegründung und 1899 wird die eigene Kirche eingeweiht.

Heute gehören 800 Familien zur Gemeinde. Es gibt eine Filialgemeinde im Norden der Stadt, wo inzwischen die meisten Gemeindeglieder wohnen.  

Es gibt ein reiches und aktives Gemeindeleben von der Kinder- und Jugendarbeit über die Arbeit mit jungen Erwachsenen bis hin zu verschiedensten Bibelgruppen. Nach wie vor wird in der Gemeinde in Spanisch und Deutsch gearbeitet. Dass eine Pfarrerin in der Gemeinde arbeitet hat etwas verändert. Die Frauenordination wird nicht mehr in Frage gestellt. Auch spricht Hanna andere Menschen an und gewinnt sie so für die Gemeinde. 

Hanna hat den Schritt nach Chile nicht bereut. Sie ist mit einem Chilenen verheiratet und hat inzwischen zwei Kinder. 

Gut, dass das GAW sie auf ihrem Berufsweg unterstützen konnte. Und schön ist es, dass sie den Kontakt hält.

Das GAW unterstützt in diesem Jahr den Umbau des Gemeindesaales ihrer Erlösergemeinde. 30 Jahre lang wurde daran nichts getan. Eine Sanierung, neues Mobiliar und die Umgestaltung des Gemeindesaals in einen Mehrzwecksaal sind dringend notwendig. Die Einrichtung einer mobilen Trennwand mit guter Isolierung soll weiteren Raum schaffen. 

Donnerstag, 18. Juli 2019

Diaspora und Mission

Dr. Johann Schneider
"Mission und Diaspora sind zwei Aspekte der Kirche Jesu Christi: Mission ist selbstverständliche Grundäußerung des Zeugnisses von der barmherzigen Zuwendung Gottes in Jesus Christus an und in der Welt an alle Menschen. Diaspora ist Grunderfahrung in der Kirche Jesus Christi in der Welt, als Christen und als Kirche zu leben mit einem irdischen Zuhause und einer himmlischen Heimat.
Mission und Diaspora sind daher aufeinander bezogen und zwar so, dass Mission den Grundauftrag aus dem Empfang der Verheißung  und Diaspora die Grunderfahrung christlicher Existenz in dieser Welt darstellt."

(Propst Dr. Johann Schneider, Stellv. Vorsitzender des GAW der EKD in "Diaspora und Mission. Eine Verhältnisbestimmung, Leipzig 2011) - 

Das Buch "Diaspora und Mission" ist zu beziehen über: verlag@gustav-adolf-werk.de.


Mittwoch, 17. Juli 2019

Neue Räume für eine Roma-Gemeinde in Ungarn

Gottesdienst in der Romagemeinde in Ungarn
Im November 2015 begann die Roma-Missionsarbeit der reformierten Kirche Ungarns im Dorf Jánoshalma. Das liegt im Südungarn. Jánoshalma ist eine der wenigen neugegründeten Gemeinden in Ortschaften mit einem hohen Anteil an Roma in der Bevölkerung. Weder von katholischer noch reformierter Seite gab einen klaren Plan, wie man sich als Kirche engagieren kann. Dank der Unterstützung der reformierten Kirche wurde im Jahre 2018 für die Gemeinde ein Grundstück gekauft mit einem alten Haus, das zu einem Pfarrhaus umgebaut wurde Die Renovierungsarbeiten sind im Gange, konnten aber noch nicht beendet werden.

Als der junge Pfarrer - selber ein Roma - ins Dorf kam, wurde der Gottesdienst von 10 Leuten besucht. Es gab keinen Religionsunterricht. Im Februar 2016 begann Religionsunterricht mit 6 Kindern.

Ab September 2016 hat sich die Arbeit intensiviert in der Kinder- und Jugendmissionsarbeit. Die Gemeinde ist gewachsen. Zwischen Frühling 2016 und Herbst 2017 wurden 24 Leute, Jugendliche und Erwachsene, konfirmiert. "In diesem Jahr haben wir 41 neu SchülerInnen in der Grundschule im Religionsunterricht. Im Kindergarten sollen 50 Kinder aufgenommen werden. Wir haben etwa 40 Gottesdienstbesucher am Sonntag," schreibt der reformierte Pfarrer Róbert Balogh.

Die Gemeinde, aufgrund ihrer sehr speziellen Diasporasituation, soll und will die Arbeit und Mission unter Roma Leute prioritär behandeln. Dies ist geboten, weil über 20% dieser Volksgruppe angehören.

Geboten ist der Ausbau der Räume der Gemeinde. Alleine ist das nicht möglich. Dafür bittet die reformierte Kirche um Hilfe beim GAW im kommenden Projektkatalog 2020.

Montag, 15. Juli 2019

Wieder Raketenangriffe in Aleppo...



Nach einem Raktenangriff
in Aleppo am 14. Juli 2019
„Am Sonntag, d. 14. Juli gab es Raketenangriffe auf die Gebiete „New Aleppo“ und „Minian“ in Aleppo. Das waren sehr schwere Angriffe. Terroristen westlich von Aleppo sind dafür verantwortlich, dass sechs Menschen getötet wurden und etliche schwer verletzt. Es liegt in der Nähe zu unseren armenischen Schulen und den Wohnorten armenischer Menschen. Zahlreiche Wohnungen haben Schäden davongetragen. Autos sind zerstört worden. Wir rufen die syrischen Autoritäten auf, Maßnahmen zur Sicherheit der unbewaffneten Zivilisten in Aleppo zu unternehmen!“ schreibt heute Pfarrer Haroutune Selimian von der armenisch-evangelischen Bethel-Kirche.

Es herrscht bei Weitem kein Frieden in Syrien. Das Land ist zersplittert, die Menschen leiden unter Versorgungsengpässen und den Sanktionen. Die beiden evangelischen Partnerkirchen versuchen, so gut es geht an der Seite ihrer Menschen zu stehen und zu helfen. Dafür sind sie auf uns angewiesen!

Auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund konnte Haroutune Selimian eindrücklich von der Not in Syrien berichten. Bei den drei Eröffnungsgottesdiensten wurde für die Arbeit der evangelischen Schulen in Syrien gesammelt. Zwischen 5-6000 SchülerInnen werden hier an verschiedenen Orten unterrichtet.


Ein Kirchendach für Millipaya in Bolivien

Lutherische Kirche in Millipaya (Bolivien)

"Im Jahr 2018 ist es uns gelungen dank der Unterstützung des GAW in Millipaya in Bolivien eine Kirche zu bauen. Wir haben insbesondere die Unterstützung für den Materialkauf verwendet, insbesondere Zinnbleche für das Dach und Dachbalken. Wir danken Euch sehr für eure Unterstützung!" schreibt der ehemalige Kirchenpräsident Emilio Aslla Flores, der sich um die Projektabwicklungen derzeit kümmert.

Die lutherische Gemeinde in Millipaya liegt 80 km von La Paz entfernt in der Provinz Larecaja. Die Gemeinde ist eine Aymaragemeinde. Die Mitglieder leben hauptsächlich von der Landwirtschaft. Die erste Kirche wurde vor 60 Jahren gebaut. Im Laufe der Zeit ist ihr Zustand immer schlechter geworden, da sie mit Naturmaterial erbaut wurde. Das war der Grund, warum die Gemeinde beschloss, eine neue Kirche zu bauen. Die Gemeinde hat bis auf die Kosten für das Dach alles selbst finanzieren können und viele Arbeiten in Eigenleistung erbracht. 

Allen Spendern, die die einfachen Kirchbauten in Bolivien unterstützen sei herzlich gedankt!

Donnerstag, 11. Juli 2019

Evangelische sind in Europa kein "religiöser Trachtenverein"! - (Michael Bünker)

Michael Bünker
"Die Evangelischen sind in Europa eine Minderheit, gerade einmal 10 % der Bevölkerung des ganzen Kontinents. Die Frage stellt sich: Wie kann die soziologische Tatsache der Minderheit von einer Kirche positiv aufgenommen werden? Und die Antwort, die evangelische Kirchen geben: Sie muss diese soziologische Tatsache als geistliche Aufgabe verstehen, sie muss zur Diaspora werden. Die biblischen Bilder der Diaspora sind das Salz der Erde, das Licht der Welt, die Stadt auf dem Berge oder das ausgestreute Samenkorn im Ackerfeld der Welt. Wilhelm Dantine, einer der hellsichtigsten Theologen in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, hat sich auf diese Bilder bezogen, wenn er von einem kritischen, weltoffenen Diasporabewusstsein der Kirche gesprochen hat. Die Gefahr der Minderheit, so meinte er einmal pointiert, ist, eine Art "religiöser Trachtenverein" zu werden, wo man sich nur noch um sich selbst und die eigene Tradition und den eigenen Bestand kümmert. Eine Diasporakirche zu sein heißt immer, Verantwortung für das Ganze der Gesellschaft zu übernehmen. Seit der Reformation wissen wir: das geschieht am besten durch Diakonie und Bildung."

Diese Worte schreibt Bischof em. Dr. Michael Bünker in einem Aufsatz zu den Herausforderungen für Europa (S. 111), der in dem vor Kurzem erschienenen Buch "Glauben im Rhythmus der Hoffnung" erschienen ist.

Donnerstag, 4. Juli 2019

Ein Strategieplan für die Kirche in Tschechien

Kirche der EKBB in Melnik
In der Tschechischen Republik leben 10,5 Millionen Menschen. 20% davon sind katholisch. Lediglich 2% gehören einer protestantischen Kirche an. 100%ige Daten zur Religionszugehörigkeit gibt es jedoch nicht, da die Beantwortung zu Frage beim letzten Zensus freiwillig war und fast die Hälfte der Bevölkerung die Frage nicht beantwortet hat. Die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) - Partnerkirch des GAW - gibt an, dass 250 Gemeinden  mit 71 000 Mitgliedern zur Kirche gehören. Wobei höchstens 21 000–25 000 Mitglieder einmal im Jahr einen finanziellen Beitrag leisten. Die durchschnittliche Teilnehmerzahl im sonntäglichen Gottesdienst (gesamtkirchlich) liegt bei 10 100. 

Die EKBB hat nun einen Strategieplan erarbeitet, der das Jahr 2030 in den Blick nimmt.
Dabei wird deutlich gemacht, dass es eine Unzufriedenheit unter den aktiven Mitgliedern gibt mit einigen Aspekten im Leben der EKBB. Viele Gemeinden der EKBB sind lebendig und offen, sind aktiv im Bereich Gottesdienst, Katechese, Treffen kleinerer Gruppen, Seelsorge, ehrenamtlicher und institutioneller Diakonie, Mission … Der Zuwachs an neuen Mitgliedern in diesen (v. a. städtischen) Gemeinden ist jedoch geringer als der Mitgliederverlust in anderen (meist ländlichen) Gemeinden. Dabei nimmt in der heutigen Zeit das Interesse an verschiedensten (oft alternativen, esoterischen, neo-heidnischen oder eklektischen) Formen der Spiritualität in der tschechischen Gesellschaft stark zu. Im Umkreis der EKBB-Gemeinden gelingt es jedoch nicht, auf diese spirituelle Sehnsucht mit der christlichen Botschaft Antworten zu finden.

Dazu kommen die ökonomischen Herausforderungen. Die finanzielle Trennung vom Staat bringt die EKBB in eine außergewöhnliche wirtschaftlichen Situation. Bis 2012 bestand etwa die Hälfte ihres Budgets aus einem staatlichen Beitrag. Das war ein Überbleibsel der Regelungen aus kommunistischer Zeit. Schon um 1950 herum hatte der totalitäre Staat den größten Teil des kirchlichen, insbesondere des katholischen Eigentums beschlagnahmt. „Im Gegenzug“ verpflichteten sich die Kommunisten, einen Teil der Ausgaben der Kirche zu decken, in erster Linie die Gehälter der Geistlichen; natürlich waren diese Gehälter sehr niedrig. Im Jahr 2013 trat ein neues Gesetz über die Beziehungen zwischen Staat und Kirchen in Kraft. Der Staat verpflichtete sich, den Teil des einst von den Kommunisten gestohlenen Kirchenbesitzes, der noch zurückgegeben werden konnte, so bald wie möglich zurückzugeben. Das betraf in erster Linie die römisch-katholische Kirche.
Für das Eigentum, das nicht mehr zurückgegeben werden kann, zahlt der Staat im Zeitraum 2013 bis 2042 schrittweise in 30 Raten eine Entschädigung an die Kirchen. Die römisch-katholische Kirche verzichtete zugunsten anderer, kleiner Kirchen auf einen Teil dieses Geldes. Nur aus diesem Grund fand die die Restitution und gleichzeitig die finanzielle Trennung von Staat und Kirchen ökumenische und politische Unterstützung. Der Staat bezahlt also den gestohlenen Kirchenbesitz, verringert allerdings gleichzeitig den bisherigen Zuschuss an die Kirchen, insbesondere zu den Gehältern der Geistlichen. Somit verfügt die EKBB vorübergehend über mehr Ressourcen. Es ist jedoch klar, dass sie ab 2030 weniger Geld vom Staat erhalten wird und ab 2042 gar nichts mehr. Und das macht es sehr schwierig, das Dasein der Kirche und den kirchlichen Dienst langfristig zu planen: Soll man schneller zur Eigenfinanzierung gelangen und damit zwar ein größeres Investitionspolster für die Zukunft mit vollständiger Eigenfinanzierung gewinnen, gleichzeitig aber die Unabhängigkeit kleinerer Gemeinden und ihrer Pfarrstellen verlieren? Oder soll man langsamer zur Selbstfinanzierung übergehen, um kleineren Gemeinden die Möglichkeit zu geben, ihre Pfarrstellen länger zu erhalten, aber in Zukunft nur noch mit den laufenden Beiträgen der aktiven Mitglieder wirtschaften? 

Der Strategieplan der EKBB nennt sieben Hauptthemen, um die Kirche für die Zukunft zu stärken. Über Förderung lebendiger Gemeinden und ihrer Sprachfähigkeit im Glauben geht es um Klarheit der kirchlichen Positionen und ihrer Mission, einer Stärkung der Diakonie hin zu den ökonomischen Herausforderungen an die EKBB. Deutlich ist, dass "Schlüsselpersonen" in den Gemeinden bestärkt, befähigt und gefunden werden. D.h., dass in der Personalpolitik der Kirche sich viel entscheidet für die Zukunft der Kirche.

Im Strategieplan sieht man ein neues Instrument für die Leitung und Verwaltung der EKBB. Er böte keine Lösung für alle gegenwärtigen Sorgen unserer Kirche. Man sieht aber ein Chance zur Klarheit und eine gute Hilfe für die Arbeit der Kirchenleitung und für die Unterstützung des Lebens in den Gemeinden. Zu prüfen sei, ob er sich bewähren wird.

(Quelle: Ev. Nachrichten aus Tschechien, Bulletin 47 – Sommer 2019, http://e-bulletin.cz/de/2019/06/26/strategieplan-der-evangelischen-kirche-der-boehmischen-brueder/