Freitag, 23. Juli 2021

Im Dezember 2020 traf eine Flutkatastrophe Presidente Getúlio (Brasilien)

Presidente Getúlio

Die Zerstörungen durch die Flutkatastrophe in Deutschland, Belgien, Österreich und Holland sind verheerend. Aus dem Rheinland berichtete die Vorsitzende des GAW-Rheinland Pfarrerin Ulrike Veermann von der Not der Menschen, die alles verloren haben: "Häuser von Mitarbeitenden unserer Lutherkirchengemeinde sind einfach von den Fluten weggerissen worden." Und sie sagt: "Zeichen der Solidarität sind notwendig." 

Wie wichtig das ist, das wissen die Menschen der lutherischen Gemeinde in Presidente Getúlio in Brasilien. 

Am 17. Dezember 2020 wurde die die Stadt von einem grossen Unwetter heimgesucht - vergleichbar mit dem, was jetzt in Deutschland geschah. 

Pfarrer Harald Malschitzky vom GAW in Brasilien berichtet aktuell davon und dankt für die solidarische Hilfe, die das GAW in Deutschland in dieser Katastrophe geleistet hat. Er schreibt: "18 Menschen starben allein in der Stadt. Zwölf der Toten gehörten zur evangelischen Gemeinde. Die Gemeinde hat sich zusammengetan, um den betroffenen Familien zu helfen. Auch die umliegenden Gemeinden haben viel gesammelt: Lebensmittel, Kleidung, Möbel, Hausgeräte. All das haben wir an die Betroffenen weitergeleitet. Die Spenden aus Deutschland wurden für Beerdigungskosten sowie für den Neukauf von Möbeln und Baumaterial eingesetzt. Die Gemeinde dankt für die Gebete, Unterstützung und Gaben. Schmerz und Trauer derer, die viel verloren haben – einiges ist nicht mehr gut zu machen – konnten gelindert werden. Und es tut gut, weltweit verbunden zu sein - gerade auch durch die Solidarität!"

Auch die Menschen in den betroffenen Katastrophenregionen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern brauchen Hilfe und Gebet!

Dienstag, 20. Juli 2021

Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle!

Centre Protestant De Nessonvaux
"Geht es Euch gut im GAW? Seid Ihr gesund? Und steht die Zentrale noch?", fragte mich am Telefon Pfarrer Joseph Kassab aus Beirut im Libanon. "Wir machen uns Sorgen um Euch, denn in den Nachrichten haben wir die schlimmen Bilder gesehen von den Überschwemmungen in Deutschland."

Zahlreiche solcher Fragen haben wir in den letzten Tagen von den Partnerkirchen des GAW bekommen. Es ist berührend, dass diese Anteilnahme oft aus Regionen kommt, wo es den Menschen auf andere Weise nicht gut geht.

Bewegend ist es, dass Ghazal Saad aus Homs in Syrien mir schrieb: „Ich habe von den schlimmen Nachrichten aus Deutschland gehört über die Naturkatastrophe, die Klimaveränderungen und die vielen Opfer. Ich hoffe, dass es Euch gut geht. Ich bete für alle, die betroffen sind und schlimme Verluste erleben mussten! Passt auf euch auf!“ - Ghazal war das Gesicht einer Konfirmandengabe vor einigen Jahren und erzählt im Materialheft der GAW-Frauenarbeit zum Jahresprojekt 2021 über sich und ihren Glauben.

Auch aus Kuba erreicht uns eine Solidaritätsnachricht. So schreibt Pfarrer Carlos Ham aus Matanzas: "Mit Erschrecken haben wir die Nachrichten über die heftigen Zerstörungen im Westen Deutschlands verfolgt. Es ist schlimm, wie viele Todesopfer allein in Deutschland zu beklagen sind. Es ist so offensichtlich, dass das die Folgen des Klimawandels sind. In Kuba erleben wir das schon seit Jahren hautnah. Wir stehen solidarisch an eurer Seite mit unseren Gebeten für die Opfer."

Ähnlich schreibt es Pfarrer Meletis Meletiadis aus Volos in Griechenland: "Wir sind fassungslos über die Verwüstung, die in Deutschland durch die sintflutartigen Regenfälle entstanden sind.Wir beten für die Menschen, die Opfer geworden sind um Gottes Barmherzigkeit. Wir hoffen, dass die Vermissten gefunden werden. Und möge Gott diejenigen trösten, die geliebte Menschen verloren haben. Mir fehlen die Worte. Meine Gebete sind bei Euch allen in Deutschland. Gibt es etwas, was wir tun können?" 

Aus Belgien – das ebenfalls schwer betroffen ist – schreibt der Synodalpräsident der Vereinigten Protestantischen Kirche Steven Fuite: „Vielen Dank für Eure Anteilnahme, und dass Ihr auch an uns denkt! Gleichzeitig sind die Bilder aus Deutschland erschütternd. Wir wissen uns vereint im Gebet.“

Es hilft in solchen Situationen in alte Gebetsworte einzustimmen. Denn in solchen Katastrophen fehlen oft die Worte:

„Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle. Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist; ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen. Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser.“ (Psalm 69,2-4)

Ja - Gott - hilf!!! - Pfr. Enno Haaks, Generalsekretär des GAW


Montag, 19. Juli 2021

Für Belgien sind die Überschwemmungen die größte Naturkatastrophe der Geschichte

Centre Protestant de Nessonvaux
Neben Deutschland sind Holland, Italien, Österreich und Belgien von den starken Regenfällen und dem damit einhergehenden Hochwasser betroffen.

In Belgien ist die Zahl der Todesopfer auf über 30 gestiegen. Die Region um Lüttich gilt als besonders schwer betroffen.

Das bestätigt in einer Mail der Synodalpräsident der Vereinigten Protestantischen Kirche in Belgien, Steven Fuite.

Er schreibt:

„Vielen Dank für Eure Anteilnahme, und dass Ihr an uns denkt! Gleichzeitig sind die Bilder aus Deutschland erschütternd. So wie Ihr an uns denkt, so denken wir auch oft an Euch. Aber vor allen Dingen ist der menschliche Tribut dieser Katastrophe wie in Deutschland sehr groß. Für Belgien ist es gerade im Blick auf die Opfer die größte Naturkatastrophe der Geschichte. Und es werden immer noch ca. 160 
Menschen vermisst. Wir denken sehr an die Familien, die in Angst ausharren, und an die, die einen geliebten Menschen oder Freund beerdigen müssen.

Die Schäden an Kirchengebäuden der Vereinigten Protestantischen Kirche in Belgien sind mit wenigen Ausnahmen relativ gering. In einer Gemeinde gab es schwere Überschwemmungen. Besonders hart getroffen hat es das Evangelisches Zentrum Nessonvaux. Es liegt 20 km von Spa und Lüttich entfernt. Hier gibt es schlimme Verwüstungen und Zerstörungen.

Wir danken Euch für alle Anteilnahme. Wir wissen uns vereint im Gebet, eins in Christus!“

Mehr zum Evangelischen Zentrum in Nessonvaux:


Das GAW wird in enger Absprache mit den Partnerkirchen von den Hochwassern betroffenen Gemeinden helfen, die Schäden zu beheben, wie z.B. in Belgien. Helfen Sie mit:

GAW
KD-Bank
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
Stichwort: Nothilfe

Freitag, 25. Juni 2021

Kolumbien braucht Wahrheit und Versöhnung

Lutherischer Gottesdienst
im Haus des Friedens in Medellin
Kolumbien kommt nicht zur Ruhe. Gewalt ist an der Tagesordnung. Der Lutherische Weltbund hat im Mai gemeinsam mit der lutherischen Kirche in Kolumbien (IELCO) den Präsidenten Iván Duque aufgerufen, die Welle der Gewalt im Land zu beenden und den Friedensprozess neu zu beleben.

In einer Mail bestätigt Bischof Atahualpa Hernández, dass es kompliziert bleibt im Land: "Die Situation ist immer noch sehr schwierig. Von der zunehmenden Gewalt und den sozialen Ungerechtigkeiten sind viele Menschen betroffen. Wir sehen kaum Ansätze, um zu Problemlösungen zu kommen. Bei einem Treffen des Präsidenten mit Vertretern verschiedener Kirchen des Landes stellten wir fest, dass es wenig wirklichen Willen zum Dialog gibt. Wir fühlten uns als Kirchenvertreter zu politischen Zwecken ausgenutzt ... Die Demonstrationen auf den Straßen gehen weiter. In mehreren Städten gibt es Blockaden und leider übt die Regierung immer wieder Gewalt gegen den Demonstrierenden aus." Und Atahualpa Hernández fährt fort: "Wir suchen nach Mechanismen, um mehr internationalen Druck aufzubauen, auch durch unsere Schwesterkirchen in der lutherischen Gemeinschaft."

Zudem beklagt Hernández, dass der Friedensprozess im Lande stockt. Nach jahrelangen Verhandlungen konnte 2016 ein Friedensvertrag mit der FARC-Guerilla unterzeichnet werden. Aber Kritiker warfen dem damaligen Präsidenten Santos vor, der Guerilla zu viele Zugeständnisse gemacht zu haben. Nach dem verlorenen Referendum erhielt Santos für seine Bemühungen den Friedensnobelpreis, was den Vertrag rettete. 

Zu diesem Vertrag gehörte die Einrichtung einer Wahrheitskommission. Vor dieser Kommission hat jetzt Ingrid Betancourt ausgesagt. Sie wurde 2002 entführt, als sie Kandidatin für das Präsidentenamt war. Sechs Jahre wurde sie von der FARC-Guerilla festgehalten. Die wohl berühmteste ehemalige Geisel der Welt redete jetzt ihren Entführern bei einem Wiedersehen ins Gewissen. Sie vermisst konkrete Zeichen der Reue aufseiten ihrer Entführer. Ebenso gilt das für den ehemaligen Präsidenten Uribe, der wie die FARC-Rebellen für  Menschenrechtsverletzungen vernatwortlich ist.

 "Die einzige Wirklichkeit ist, dass wir als Kolumbianer niemals mehr zur Vergangenheit zurückkehren wollen und wir bereit sind, uns zu ändern und Schulter an Schulter eine neue Zukunft für alle aufzubauen."
(Ingrid Betancourt)


In der ZDF-Mediathek ist eine Dokumentation zu sehen, die eindrücklich die Situation beschreibt:
https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/kolumbien-betancourt-farc-100.html

Donnerstag, 24. Juni 2021

Ein neues Dach für das Gemeindehaus in Ostróda (Polen)

Gemeindehaus in Ostróda (Polen)
Die Stadt Ostróda (deutsch: Osterode) liegt in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Die lutherische Gemeinde zählt 250 Glieder, die weit verstreut und auf fünf Filialkirchen bzw. -kapellen verteilt wohnen. Zugleich fehlten der Gemeinde lange eigene Räume in Ostróda, weshalb sie ein methodistisches Pfarrhaus mietete. Im Jahr 2011 konnte schließlich ein früheres Gerichtsgebäude gekauft werden. Das Haus ist geräumig und bietet neben einer Kapelle und den Gemeinderäumen genug Platz für die Erweiterung von diakonischen Aktivitäten. Angedacht ist zum Beispiel ein Tageszentrum für Alzheimerkranke. Die Pläne sollen jedoch noch genauer ausgearbeitet und geprüft werden. Eine solche diakonische Einrichtung würde es der Gemeinde unter anderem erleichtern, für Gebäudeerhaltungskosten externe Mittel einzuwerben.

Das Gebäude stand lange Jahre leer. Dadurch war natürlich der Renovierungsbedarf sehr hoch. Die Gemeinde wäre nicht in der Lage gewesen, das alleine zu machen. Ursprünglich sollte eine neue Heizung installiert werden. Zum Glück gab es dafür jetzt in Zusammenarbeit mit der Stadt eine andere Lösung.

Deshalb konnte das Geld für die dringende Dachsanierung eingesetzt werden.

Im Projketkatalog 2014 hatte das GAW 21.000 € dafür gesammelt.Das machte 35 % der notwendigen Kosten aus. "Eine sehr wichtige Hilfe!" schreibt Pastor Wojciech Płoszek von der Gemeinde. "Weiter Arbeitn warten auf die Gemeinde. Aber jetzt ist das Gemeindehaus erst einmal gesichert. Danke allen Spendern!" 

Mittwoch, 23. Juni 2021

Theologische Hochschulen: Auf der Suche nach neuen Inhalten und Konzepten

Die Zahl der Studierenden an theologischen Fakultäten unserer Partnerkirchen nimmt in vielen Ländern ab. Wie steuern die Ausbildungsstätten dagegen?

Schon lange vor der Coronapandemie hatte die Theologische Hochschule EST in São Leopoldo in Brasilien mit der Wirtschaftlichkeit ihres Lehrbetriebs zu kämpfen. Eine Lösung war es damals, neue staatlich anerkannte Abschlüsse in Musikpädagogik und Musiktherapie anzubieten. Eine weitere Lösung ist, dass zur Finanzierung von Lehrkräften aktuell zwei kirchliche Institutionen aus dem Ausland beitragen. Die Qualität der Ausbildung ist trotz finanzieller Nöte vielversprechend: Unter den mehr als zweitausend bewerteten Hochschuleinrichtungen in Brasilien belegte die EST im Frühjahr 2021 den 14. Platz. Schon zum fünften Mal in Folge erreichte die Hochschule die Note 5 und damit die maximale Bewertung. Für den Rektor der EST, Professor Wilhelm Wachholz, sind jedoch Investitionen für die Schaffung neuer Kurse und für Ausstattung mit Informationstechnologien nötig, um weiterhin zu den führenden Bildungseinrichtungen zu gehören.

Die Lutherisch-Theologische Fakultät FLT in Mato Preto in Brasilien wendet sich wiederum stärker den Gemeinden zu, die missionarisch aktiv werden wollen, und bietet einen Fortbildungskurs zur Gemeindeerneuerung an. „Die Gemeinden merken, dass sie den Weg zu den Menschen von heute und ihren Fragen, Nöten und Hoffnungen kreativ finden müssen. Sie müssen dafür sowohl die traditionellen Formen weiterpflegen als auch neue Formate entwickeln", so Schwambach. Fünf Gruppen mit insgesamt 302 Teilnehmenden sind schon vor der Pandemie gestartet, weitere Gruppen sind geplant. „In Zukunft werden die während der Coronapandemie entstandenen digitalen Gemeinden neben den Präsenzgemeinden weiter existieren. Wir werden stets gleichzeitig Kirche vor Ort und im Netz sein", sagt Schwambach und sieht die Notwendigkeit, die Ausbildung entsprechend zu modernisieren: „Die theologischen Bildungsangebote müssen kurzweilig, unterhaltsam und multimedial sowie auf verschiedene Zielgruppen mit unterschiedlichen Profilen und Bedürfnissen zugeschnitten sein."

Das evangelisch-ökumenische Seminar SET in Kuba setzt bei der Entwicklung von Zukunftsperspektiven auf Kooperationen. „Wir haben mindestens zwei Programme in Vorbereitung, die der theologischen Ausbildung auf dem Kontinent dienen werden: ein neues Doktorandenprogramm zusammen mit der Graduate Theological Foundation (USA) und eine Hochschule für Theologische Studien in der Karibik“, berichtet Rektor Carlos E. Ham.

In Frankreich sind laut Professor Gilles Vidal Studierende, Lehrkräfte und die protestantische Kirche aktuell dabei, mit dem Projekt „IPT perspectives 2025“ darüber nachzudenken, wie die Zukunft für die beiden protestantischen Fakultäten Montpellier und Paris aussehen könnte. Welche Ausbildung soll angeboten werden? Welche Mittel stehen zur Verfügung? „Diese Überlegungen stehen erst am Anfang, aber wir wollen da vertrauens­ und hoffnungsvoll herangehen“, so Vidal. Die Fakultät Montpellier bietet zudem seit Jahren große Publikumsvorlesungen in verschiedenen Regionen Südfrankreichs an, um das Institut besser bekannt zu machen.

In der Slowakei präsentiert sich die Evangelisch-Theologische Fakultät der Comenius­Universität intensiv auf Messen und in Social Media und bewirbt auf internationalen Online­Messen das Angebot des Theologiestudiums auf Englisch. Maros Nicak, Vizedekan für Forschung, Auslandsbeziehungen und für Entwicklung der Fakultät, sieht die ersten Erfolge: „Die Zahl der aufgenommenen Studierenden ist im letzten Jahr um mehr als 100 % gestiegen. In jedem Fall sind wir daran interessiert, Studienprogramme zu erweitern, z. B. um interkulturelle Theologie, ökumenische Theologie und biblische Archäologie. Wir betrachten die rückläufige Zahl der Theologiestudierenden als ein vorübergehendes Phänomen, auf das wir versuchen, mit modernen Mitteln zu reagieren.“

In „Evangelisch weltweit“ 1/2021 und 2/2021 haben wir in zwei Artikel über die aktuelle Lage an den Theologischen Fakultäten unserer Partnerkirchen in Europa und in Lateinamerika berichtet. Im August erscheint im Magazin 3/2021 ein dritter Bericht, der die theologische Ausbildung in Kasachstan, Russland und in der Ukraine thematisiert.
Europa: https://www.gustav-adolf-werk.de/files/gaw/ga-blatt-archiv-2/2021/2021-1_fakultaeten_EU.pdf
Lateinamerika: https://www.gustav-adolf-werk.de/files/gaw/ga-blatt-archiv-2/2021/2021-2_theol_ausbildung_la.pdf

Dienstag, 22. Juni 2021

Konfirmation woanders: Polen

Zuzia, Julia, Rita und Milena aus Polen freuen sich auf die Konfirmation
Zuzia, Julia, Rita und Milena sind Konfirmandinnen aus Kraków (Krakau). Kraków liegt im Süden Polens und ist die zweitgrößte Stadt des Landes. Die Jugendlichen gehören der evangelisch-augsburgischen Kirche an.
„Die Konfirmation bedeutet für uns den Eintritt in die Gemeinde und die Zugehörigkeit zur christlichen Kirche. Die Konfirmation ist ein Fest, das wir feiern, nachdem wir im Bewusstsein unseres Glaubens auf das Erwachsensein vorbereitet worden sind“, erzählen Zuzia und Milena. „Wir wollen, dass es eine wichtige und zugleich schöne Feier wird.“
Auch für Julia und Rita ist die Konfirmation eine wichtige Etappe in ihrem kirchlichen Leben. „Wir können das Abendmahl empfangen und selbst entscheiden, wie wir Gott in unserem Leben erfahren wollen. Es ist ein ziemlich wichtiges Ereignis für uns und wir bereiten uns intensiv darauf vor. Am Tag der Konfirmation sagen wir ‘Ja’ zu Gott und können das mit unseren Familien und Freunden feiern. Und es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Erwachsensein.“

Montag, 14. Juni 2021

Belgien: Die Protestantische Fakultät in Brüssel ist saniert und bereit für e-Learning


Aula der Fakultät vor nach der Sanierung

Das Gebäude der Protestantischen Theologische Fakultät befindet sich im Herzen Brüssels. Hier bildet die Vereinigte Protestantische Kirche in Belgien (VPKB) ihre Pfarrerinnen und Pfarrer aus. Im Grunde sind es sogar zwei Fakultäten in einem – die eine arbeitet auf Niederländisch, die andere auf Französisch. Und die beiden sind sehr verschieden: Die französischsprachigen Studierenden stammen weitgehend aus Afrika und bringen ihre Prägung und Kultur mit. Eine große Herausforderung für die Ausbildungsstätte, ist die kleine Zahl der Studierenden, so Dekan Johan Temmermann. In der niederländischen Abteilung gibt es höchstens ein, zwei Studierende pro Jahrgang, in der französischen Abteilung fünf bis zehn. Im e-Learning-Programm wiederum nimmt die Anzahl der Studierenden zu.

Das Fakultätsgebäude ist über die Jahre abgenutzt und schlecht ausgestattet. In der Aula saßen die Studierenden und Gäste auf dreißig Jahre alten ausrangierten Kirchenstühlen und die Küche im Aufenthaltsraum der Studierenden war unbrauchbar. Und für das e-Learning, das perspektivisch ausgebaut werden sollte, war die technische Ausstattung der Räume überhaupt nicht ausreichend.
Mit Unterstützung des GAW in Kooperation mit der Württembergischen Landeskirche konnte die dringend notwendige Sanierung in den Jahren 2017-2020 ausgeführt werden
Die Ergebnisse können sich sehen lassen. 

„Die mit Abstand meisten Arbeiten fielen auf die Renovierung des Kellers und des Erdgeschosses“, berichtet Professor Johann Temmermann, der auch der Dekan der Fakultät ist. „Die Küche im Aufenthaltsraum ist jetzt eine moderne und komfortabel ausgebaute Küchenzeile und der ganze Raum ist zugänglicher und angenehmer.“ Das Sekretariat zog in ein neu entstandenes Büro hinter der Aula um, die eine neue Garderobe und neue Möbeln erhielt. Zeitgleich mit der Renovierung des Gebäudes überarbeiteten die französisch- und niederländischsprachigen Abteilungen der Fakultät das Bildungsprogramm. Ein breiteres Online-Angebot soll internationale Studierende anziehen und es trotzdem ermöglichen, Theologie und Religionswissenschaften aus der Distanz zu studieren.“ 

Die Räume auf den höheren Etagen wurden mit modernen Möbeln und zeitgemäßen pädagogischen Hilfsmitteln (Video-Bildschirme, Internet-Möglichkeiten, etc.) ausgestattet. Eine notwendige Anpassung des Netzwerks im Gebäude vervollständigte diese Maßnahmen und die Renovierung.
„Wir sind sehr dankbar für die reibungslose und freundliche Unterstützung durch das Gustav-Adolf-Werk. Wir sind dankbar und sehen gleichzeitig die Herausforderungen, die vor uns liegen“, schreibt Professor Temmermann. 

Aufenthaltsraum der Studierenden vor und nach der Sanierung

Montag, 7. Juni 2021

Theologiestudium: Künftig nur noch digital?

Studierende im Gespräch an der Lutherisch-Theologischen Fakultät FLT in Mato Preto (Brasilien).
Digitalisierung hat gute Seiten, aber der direkte Austausch darft nicht auf der Strecke bleiben.

An den theologischen Fakultäten unserer Partnerkirchen in Europa und in Lateinamerika hat die Coronapandemie viel durcheinandergewirbelt. Zugleich haben die neuen digitalen Unterrichtsformen die Frage aufgeworfen: Können sie das bisher überwiegende Präsenzstudium ersetzen – und sollen sie es überhaupt? 

Zahlreiche evangelisch-theologischen Fakultäten freuen sich aktuell über den digitalen Zuwachs. Vorlesungen via Internet haben neuen Personengruppen einen Zugang zur evangelischen Theologie ermöglicht. „Wir sind im Frühjahr 2020 wegen der Pandemie ganz auf Fernunterricht umgestiegen“, so Professor Lothar Vogel, der an der Waldenser-Fakultät in Rom (Italien) die Geschichte des Christentums unterrichtet. „Das Online­Verfahren hat uns nochmals 20–30 interessierte Gasthörer gebracht, was wiederum beweist, dass die Theologie an sich mehr Anziehungskraft hat als das Pfarramt.“

An der Theologischen Fakultät Montpellier (Frankreich) wird die Fernausbildung mit rund 50–60 Studierenden schon länger angeboten und ist ein Erfolg. Für diese Studienform entscheiden sich oft Menschen, die berufstätig sind oder nach einem Sinn in ihrem Leben suchen. „15–20 % dieser Studierenden machen danach jedoch einen vollen theologischen Kurs, um Pfarrer zu werden“, betont Professor Gilles Vidal. „Das ist ziemlich ermutigend für uns und für die Kirche.“

Vor allem für ältere Studierende ist die Digitalisierung ein Segen. „Unsere Studierenden sind meist schon berufstätig. Damit haben sie mehr Zeit für ihre Familien“, sagt Daniel Codoy von der evangelisch-ökumenischen Hochschule CTE in Chile. Die Hochschule merke jedoch, dass das Fehlen persönlicher Kontakte auch Nachteile hat. „Bei allen Vorteilen, die die Technik bietet, lebt die Theologie vom direkten Austausch. Und wir müssen in Zukunft eine psychosoziale Begleitung der Studierenden anbieten, um etwas gegen Vereinsamung zu tun.“

„Eine reine digitale Theologieausbildung auf Distanz ist für junge Studierende nicht wirklich motivierend“, ist Pfarrer Daniel Beros, Koordinator der Lernplattform REET in der Evangelischen Kirche am La Plata überzeugt. „Die Mehrheit bevorzugt ein studentisches Leben und eine Gemeinschaft, die sie unterstützt.“ Deshalb soll nun ein neues Programm die akademische Ausbildung mit studentischen Gemeinschaften verbinden, die in Einrichtungen der Trägerkirchen von REET in verschiedenen Städten angesiedelt sein werden.

Für Pastor Carlos E. Ham vom Evangelischen Seminar für Theologie SET in Matanzas (Kuba) steht ebenfalls fest, dass das digitale Studieren nicht der einzige Weg werden kann: „Das Zusammenleben hat einen Wert an sich und ist notwendig für die Ausbildung zukünftiger leitender Verantwortlicher in der Kirche. Das kann die Digitalisierung nicht bieten.“ Und er weist noch auf ein weiteres Problem hin: „Der Internetzugang ist nicht für alle Menschen in allen Ländern und Regionen Lateinamerikas ein garantiertes Recht.“ 

In „Evangelisch weltweit“ 1/2021 und 2/2021 haben wir zwei Artikel über die aktuelle Lage an den Theologischen Fakultäten unserer Partnerkirchen in Europa und in Lateinamerika:
Europa: https://www.gustav-adolf-werk.de/files/gaw/ga-blatt-archiv-2/2021/2021-1_fakultaeten_EU.pdf
Lateinamerika: https://www.gustav-adolf-werk.de/files/gaw/ga-blatt-archiv-2/2021/2021-2_theol_ausbildung_la.pdf

Donnerstag, 3. Juni 2021

Gottesdienst zum Schulbeginn erschienen

Unser Gottesdienst zum Schulbeginn ist erschienen. Mit dem Entwurf können Sie einen ganzen Gottesdienst gestalten oder auch nur Teile entnehmen. Sie können eigene Ideen einbringen und kreativ mit dem Material umgehen. Die beiden für den Gottesdienst vorgeschlagenen Aktionen können unter Einhaltung der Abstandregeln gut durchgeführt werden.


Der Entwurf der Gottesdienstes stammt von Pfarrerin Elvira Hücklekemkes aus Berlin. Die können den Gottesdienst auf unserer Internetseite abrufen: https://www.gustav-adolf-werk.de/gottesdienste-zum-schulbeginn.html oder in Papierform bestellen: jugendarbeit@gustav-adolf-werk.de. 


Im Gottesdienst wird um eine Kollekte für die evangelische Luis-Siegel-Schule in Los Polvorines in Argentinien gebeten. Projektinformationen bietet das 8seitige Materialheft "Gut, dass wir einander haben", das sich mit kindgerechten Information zum Schulalltag in Argentinien, Ausmalbild, Geschichte und Bastelvorschlägen auch gut als Mitgebsel für die Familien im Gottesdienst eignet. Das Materialheft ist kostenlos und kann ebenfalls bestellt werden über jugendarbeit@gustav-adolf-werk.de. Auch ein Download ist möglich: www.gustav-adolf-werk.de/kindergabe.html

Freitag, 28. Mai 2021

Konfirmation woanders: Slowakei (2)

 
Ich will später einmal eine Patin werden

Ich heiße Rosana Katkinova. Ich bin 12 Jahre alt und besuche das erste Jahr des Konfirmandenunterrichts. Ich möchte mich unbedingt konfirmieren lassen und freue mich darauf, im Konfirmandenunterricht Gott und unseren Glauben näher kennenzulernen. Die Konfirmation ist auch deshalb für mich wichtig, weil ich später einmal das Amt einer Patin übernehmen möchte. Ich finde die Arbeit mit Kindern spannend. Zum Beispiel die Bibelcamps, die es in unserer Gemeinde gibt. Ich kann mir vorstellen, dass ich mich auch dort engagieren möchte.
Rosana Katkinova, Blatnica

Mittwoch, 26. Mai 2021

Theologie der Diaspora: "Wir sind ein Europa der Minderheiten"

Im Gespräch mit Professor Klaus Fitschen

Klaus Fitschen ist Professor für neuere und neueste Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig. Er ist Vorsitzender des Diasporawissenschaftlichen Vereins e.V. und zudem Vorstandsmitglied des GAW Braunschweig, Herausgeber des Jahrbuchs „Die evangelische Diaspora“ sowie des inzwischen vergriffenen Buchs „Graswurzel oder heiliger Rest. Auf dem Weg zu einer Theologie der Diaspora“, das auf dem Studiendokument „Theologie der Diaspora“ der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) aufbaut.
Vom 27. - 29. Mai 2021 leitet Professor Klaus Fitschen das Blockseminar "Diakonie und Diaspora", eine Online-Veranstaltung der Theologischen Fakultät Leipzig in Zusammenarbeit mit dem GAW. In unserem Magazin "Evangelisch weltweit" 2/2021 haben wir mit ihm über die Rolle und die Möglichkeiten der Theologie der Diaspora in Deutschland und in Europa gesprochen.

Der Studienprozess der GEKE zur Theologie der Diaspora ist inzwischen abgeschlossen. Das Thema sollte jedoch nicht in Schubladen verschwinden. Wie könnte die weitere Rezeption und Aufnahme des GEKE-Papiers über die Theologie der Diaspora erfolgen?

Fitschen: Ich hoffe erstmal, dass sich viele damit auseinandersetzen. Kirche wird sich in den kommenden 20-30 Jahren sehr stark verändern. Wir müssen uns auch in Deutschland auf eine Minderheitensituation einstellen, in der wir unsere theologischen Kräfte anders bündeln müssen: massive Investitionen in die Kinder- und Jugendarbeit und in eine Kirche, die den Menschen zugewandt ist.

Das würde jeder kirchenleitende Mensch auch sagen.

Fitschen: Da geschieht zu wenig. Natürlich gibt es bestimmte Initiativen. Aber was wir viel mehr brauchen, ist Personal an der Gemeindebasis. Wir wissen doch, dass der persönliche Kontakt immens wichtig ist.

Was kann man als evangelische Minderheit in Europa überhaupt bewirken? 

Fitschen: Der Protestantismus spielt je nach Land eine ganz unterschiedliche Rolle. In Deutschland hat der Protestantismus eine deutliche Stimme in die Politik hinein. Damit meine ich nicht die Kirchenleitungen etc., sondern die Politikerinnen und Politiker, die noch eine gewisse evangelische Prägung haben. Das merkt man vielleicht nicht immer, das ist nicht die hörbare Stimme der Kirche, sondern es ist das Handeln von Leuten, die sich dezidiert christlich oder evangelisch verstehen. In Frankreich ist es wiederum wahnsinnig schwierig, sich kirchlicherseits überhaupt zu politischen Fragen zu äußern. Und es gibt Länder wie Polen, wo der Protestantismus eine verschwindende Minderheit darstellt und sich überhaupt erst einmal hörbar machen muss gegen eine mas-siv auftretende katholische Mehrheitskirche.
Aber gesamteuropäisch, muss man sagen, ist es wichtig, diese Minderheitenstimme selbstbewusst ins Spiel zu bringen. Denn wir sind ein Europa der Minderheiten. Das gilt für geschlechtliche Identitäten - wenn man das vergleichen kann - bis zu religiösen Identitäten. Das, was man in unseren westlichen Gesellschaften an Diversität einfordert, muss auch für Religionen gelten, sofern sie sich auf dem Boden der für alle geltenden Gesetze bewegen. Religion muss sein können und Religion muss auch öffentlich sein können, wo sie mit dem Gesetz und dem Recht im Einklang steht.

Der österreichische Bischof i. R. Michael Bünker hat mal gesagt, dass wir als Kirche nicht dazu da sind, zu beklagen, dass wir immer weniger werden, sondern wir sollen Salz der Erde sein. Die Theologie der Diaspora soll im Grunde eine Hoffnungstheologie sein: Wir sind hier hingestellt. Nun lasst uns das Beste daraus machen!

Fitschen: Die Religion soll einfach deutlich sagen, was die Botschaft des Evangeliums ist. Sie ist zukunftsbezogen: Da kommt noch was und da gibt es auch etwas, was trägt. Salz der Erde ist ein schönes Bild. Das sollte man sein, überall, und zwar mit evangelischem Selbstbewusstsein. Das muss man stärken.

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Eine gute Gelegenheit, Professor Klaus Fitschen zu begegnen und mit ihm über die Theologie der Diaspora zu diskutieren, bietet in diesem Sommer eine Tagung am 3. Juli 2021 in Hanau:

Diaspora am Nebentisch - Auf dem Weg in eine Kirche der Diaspora – Erfahrungen und Impulse für eine evangelische Kirche der Zukunft (Präsenz + online)

Der Studientag ist eine Kooperationsveranstaltung des Gustav-Adolf-Werks der EKKW, des Zentrums Oekumene und des Evangelischen Forums Hanau.

Infos und Anmeldung https://kurzelinks.de/DiasporaAmNebentisch