Dienstag, 6. Dezember 2022

Hilfe aus dem GAW Pfalz für ukrainische Flüchtlinge in Polen

Logo der Ukrainehilfe der Diakonie Polen

Seit der Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1983/1983 besteht zwischen dem GAW Pfalz und der Bratnia Pomoc, dem Gustav-Adolf-Werk in Polen, eine Partnerschaft, vertraglich bestätigt im Jahr 2015. Friedhelm Hans aus Bad Bergzabern, stellvertretender Vorsitzender des GAW Pfalz, hat kürzlich die dortigen Partner besucht. Er berichtet:

„Seit Ausbruch des Russisch-Ukrainischen Krieges am 24. Februar 2022 nehmen die Gemeinden der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen Flüchtlinge aus der Ukraine auf und leisten alle erdenkliche Hilfe.

GAW Pfalz unterstützt diese Arbeit mit Geldspenden.
Den gut besuchten Gottesdienst am Ersten Advent in Golasowice mit Bischof Marian Niemiec aus Kattowitz/Katowice und Pfarrer Marcin Makula verfolgten per Video und simultaner Übersetzung auch 15 Personen aus der Ukraine in der Sakristei. 

Die ersten Flüchtlinge trafen zwei Tage nach Kriegsbeginn ein. Im Dorf sind insgesamt 57 Flüchtlinge untergebracht, die meisten privat. Einige Familien wohnen im Gemeindehaus. Zwischenzeitlich waren es 30 Personen, inzwischen sind es 15. Zwei Wohnungen wurden den Flüchtlingen von katholischen Christen überlassen, ein gutes Beispiel praktizierter Ökumene. Die Kinder besuchen die regulären Schulen oder Kindergärten. Die Gemeinden weisen jedoch darauf hin, dass viele von ihnen traumatisiert sind. Sie wirken verschüchtert und erschrecken bei jedem lauten Geräusch in Erinnerungen an die Raketeneinschläge in ihrer Heimat.

Sorgen bereiten die hohen Energiekosten. Die Gemeinde erhält keine staatlichen Mittel, mit nur 700 Gemeindegliedern ist die Gemeinde dringend auf Hilfe von außen angewiesen. Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist zum Glück groß.“
GAW Pfalz sammelt Spenden zur Finanzierung der Strom- und Heizungskosten der Flüchtlinge: https://www.gaw-pfalz.de/

Mittwoch, 30. November 2022

Evangelische Kirche in Ioannina saniert

"Wir danken dem GAW ganz herzlich für die großzügige Unterstützung bei der Sanierung unserer evangelischen Kirche in Ioannina (Griechenland). Wir haben im Juni 2020 mit den Arbeiten begonnen. Die Kirche ist jetzt fertig. Insbesondere das Dach hatte uns Sorgen gemacht. Es war undicht, und es war nur eine Frage der Zeit, bis das Dach noch schlimmere Schäden davongetragen hätte. Ebenso konnten wir die Kirche isolieren und sparen so Energiekosten. Auch die Beleuchtung wurde verbessert," berichtet Pfarrer Leonidas Kollaros.

Die Gründer der evangelischen Gemeinde in Ioannina waren griechische Flüchtlinge, die in Sizilien Schutz vor der osmanischen Verfolgung gefunden hatten und als evangelische Christen zurückkehrten. 1896 schloss sich die Gemeindegruppe der Griechisch-Evangelischen Kirche an. Der Gemeinde gehören heute etwa 50 Personen an, darunter Familien mit Kindern. Ein Schwerpunkt der Gemeindearbeit ist es, evangelischen Studierenden an der örtlichen Universität für die Zeit ihres Studiums eine geistige Heimat zu bieten. Jede Woche trifft sich eine Studenten- und Jugendgruppe in der Kirche. Die Studierenden bereiten jährlich einen besonderen Gottesdienst vor, zu dem sie auch ihre Studienfreunde einladen. „Da es weit und breit keine andere christliche Kirche gibt, bieten wir sogar Studierenden aus anderen Konfessionen an, in unserer Kirche Andachten zu halten“, berichtet Pfarrer Leonidas Kollaros. „So entstehen lange anhaltende Beziehungen zu Studierenden und ihren Familien.“

18.000 € wurden im Projektkatalog 2018 für die Gemeinde gesammelt. Insgesamt hat die Sanierung 54.000 € gekostet.

Dienstag, 29. November 2022

Sozialzentrum in Portugal kämpft mit hohen Lebensmittelpreisen

Pfarrerin Sandra Reis
Heute erreichte uns ein Hilferuf aus Portugal. Pfarrerin Sandra Reis, Leiterin des Sozialzentrums Cova Gala, schreibt: 

"Wir befinden uns in einer sehr heiklen Situation. Wir verwenden unsere Reparaturfonds, um die täglichen Rechnungen für Benzin und Lebensmittel zu bezahlen. Aber bald wird uns das Geld ausgehen, und die Regierung hilft uns nicht."

Das Sozialzentrum am Stadtrand von Figueira da Foz betreibt einen Kinergarten, eine Sozialkantine für bedürftige Menschen und einen Pflegedienst mit Essen auf Rädern. Es gehört zur Presbyterianischen Kirche in Portugal. 2022 feierte das Zentrum sein 50-jähriges Bestehen.

Auch in Portugal sind die Lebensmittelpreise sehr stark gestiegen. Da die Menschen dort im Schnitt niedrigere Einkommen haben und über weniger Gespartes verfügen als hierzulande, spüren sie die Inflations- und Energiekrise stärker. Pfarrerin Sandra Reis schreibt: 

"Die Preise für Lebensmittel und Energie sind seit Februar um 20 Prozent gestiegen. Für das Sozialzentrum ist das ein wahrer Albtraum. Die Zahl der Menschen, denen wir helfen, ist seit der Pandemie gestiegen, die Unterstützung durch die Regierung hat sich jedoch nicht entsprechend erhöht. Einige soziale Einrichtungen in Portugal werden bald schließen müssen, weil sie die Inflationsrate nicht mehr auffangen können."

Die Köchinnen des Sozialzentrums
Ganz konkret kann das Sozialzentrum momentan das gesetzlich verpflichtende Weihnachtsgeld für die 46 Angestellten nicht auszahlen. "Das ist eine sehr kritische Situation für Familien, denn normalerweise verwenden sie das Geld, um Steuern, Versicherungen, Autoreparaturen usw. zu bezahlen; wenn wir aber dieses Weihnachtsgeld zahlen, können wir keine Lebensmittelrechnungen mehr bezahlen. Das ist eine unmögliche Entscheidung." 

Das GAW wird versuchen, hier zu helfen, damit die wichtige soziale Arbeit in Figueira da Foz weitergehen kann.

Die GAW-Frauenarbeit unterstützt mit ihrem laufenden Jahresprojekt einen neuen Herd und neue Schränke für die Küche des Sozialzentrums: https://www.gustav-adolf-werk.de/frauen.html 

Einen aktuellen Bericht über die Arbeit des Zentrums finden Sie hier: https://www.gustav-adolf-werk.de/files/gaw/ga-blatt-archiv-2/2022/2022-3_portugal.pdf

Ukraine: "Bleib bei uns durch die langen Nächte, Herr!"

Krisztina Badó aus dem Bischofsbüro der Reformierten Kirche in Transkarpatien/Ukraine schrieb uns eine bewegende Mail:

"Seit einer Woche versuche ich, Ihnen eine Mail zu schicken, aber die Stromausfälle
haben es leider unmöglich gemacht ... Es ist uns nun gelungen, einen Generator für das Bischofsbüro zu besorgen. Die Häuser in den Dörfern sind dunkel, kalt und ohne Wasser. Es gibt keine Straßenbeleuchtung. Das sind wir nicht gewohnt. Bei allem sind wir dankbar, dass es in unserer Gegend keine Bombenangriffe gibt. Alle Pastoren sind nach wie vor bei ihren Gemeinden. Auch die meisten Mitarbeiter sind geblieben und tun ihre Arbeit.
 
Das ukrainische Energiesystem hat schwere Schäden erlitten. Kiew und die dortige
Energieversorgung sind durch die Angriffe besonders stark betroffen. Es gibt drastische Notfallbeschränkungen, um einen totalen Stromausfall zu verhindern. Die Regierung stimmt die Bevölkerung auf längere Abschaltungen ein. Die Verantwortlichen setzen alles Mögliche in Bewegung, um die Situation so schnell wie möglich zu stabilisieren, heißt es in einer Stellungnahmen.

Allerdings machen der Krieg, die lückenhafte Energie- und die Lebensmittelversorgung und dazu die alltäglichen Probleme allen Gemeinden und diakonischen Einrichtungen der Reformierten Kirche in Transkarpatien zu schaffen. Die Aufrechterhaltung des Betriebes der Schulen, Kindergärten und der Heime ist gefährdet. Der Gründe sind nicht allein die hohen Lebensmittel- und Energiepreise, sondern auch die zunehmende Abwanderung unserer Gemeindemitglieder.

Wir hoffen, dass bald Frieden einkehrt und diese schreckliche Zeit ein Ende hat. Ich lege Ihnen ein Gebet eines unserer Pastoren bei. Dieses Gebet zeigt unser tägliches Leben und unsere Schwierigkeiten, aber auch unsere Hoffnung.

Bitte betet für uns und besonders betet um Frieden in dieser Adventszeit!"


Gebet
(von Pfarrer Zoltán Laskoti)

Bleib bei uns durch die langen Nächte, Herr, und erleuchte uns mit deiner Gnade!

Unsere Kerzen sind verbrannt und verglüht, unsere Batterien sind leer, wir haben keinen Empfang und kein Internet - wir beten, bis die Dunkelheit uns einhüllt. 
Wir erinnern uns an die Zeiten, als das Wasser noch verlässlich aus dem Hahn floss, Licht die Zimmern erhellte und die Heizung funktionierte und wir nicht in ständiger Sorge aufwachten. 

Unser Leben ist voll von Klagen und Spannungen, Herr. Viele von uns sind gestresst. Man sieht es ihnen an. Einige suchen Trost im Alkohol. Viele Männer sind verzweifelt. Ihre Frauen leben in Angst. 
Bleib bei uns in den langen Nächten, Herr, finde die Verlorenen und Verlassenen und führe sie zurück.

Unsere Kinder sitzen in feuchten, dunklen Kellern während der Luftangriffe. In unseren Kirchen zünden wir Kerzen an und wärmen unsere Hände an ihren Flammen. Wenn wir singen, haben viele feuchte Augen. Unsere Augen und Seelen sind müde von den Strapazen. Wir hören oft leichtgläubig den düsteren Nachrichten zu. Wir haben Angst vor dem Winter und der Kälte. 
Bleib bei uns durch die langen Nächte, Herr, denn der Winter kommt!

Wir warten auf dich, Herr, wie die Wächter auf den Morgen warten, wie die, die im Dunkeln sitzen, auf die ersten Lichtstrahlen. Wir warten darauf, dass du sprichst, dass du handelst, dass du uns leitest.

Wir hoffen auf deine Verheißungen und dass sie nichts von ihrer Kraft verlieren. Wir vertrauen auf Dich.

Wir danken dir für die Familien, die zusammengeführt werden, Herr, gib, dass diese Not die Menschen einander näher bringt und nicht auseinander!

Danke, dass unsere Zeit in deinen Händen liegt und nichts - weder Mächtige noch Gewalten - uns trennen kann von dir. Auf dich vertrauen wir, denn du schenkst uns Gnade und Erlösung.

Bleib bei uns durch die langen Nächte, Herr, und die Nacht wird enden, sie wird sicher enden. Amen
 

Mittwoch, 23. November 2022

Preis an Mathilde Sabbagh aus Syrien verliehen

Superintendentin Susanne Beuth

Pfarrerin Mathilde Sabbagh aus Hassakeh in Nordostsyrien erhielt am 12. November die Georg-Fritze-Gedächtnisgabe des Kirchenkreises Köln Mitte. An der Preisverleihung durch Superintendentin Susanne Beuth nahm Mathilde Sabbagh via Zoom teil. Die 32-jährige Seelsorgerin macht sie sich seit sieben Jahren für Kinder und Jugendliche stark und sorgt für humanitäre Hilfe in einer Region, in der es tagtäglichen Mangel an Wasser, Strom und Lebensmitteln gibt. Als erste Frau überhaupt in Syrien wurde sie am 3. April 2022 offiziell ordiniert. 

Die GAW-Frauenarbeit hatte die Arbeit von Mathilde Sabbagh mit ihrem Jahresprojekt 2021 stark unterstützt.

In ihrer Laudatio schilderte M. Khalaf, die selbst aus Syrien stammt, den Werdegang der Pfarrerin, nachdem sie die Zuhörer mit persönlichen Worten berührt hatte: "Ich muss Ihnen sagen, dass ich gerade Tränen in den Augen habe. Diese Auszeichnung gibt mir Hoffnung auf eine Zukunft für mein Land, das ich sehr vermisse." Sie beschrieb Mathilde Sabbagh als eine Frau, "deren Herz für Theologie brennt". 

Kinder in der Kirche in Hassakeh im Winter

Danach bedankte sich Mathilde Sabbagh für den mit 10.000 Euro dotierten Preis: "Dieser Preis ist ein Zeichen der Hoffnung, das unsere Kirche weltweit verbunden ist." Um trotz der Entfernung ins Gespräch zu kommen, forderte sie die Zuhörerinnen weit weg in Köln auf, ihr Fragen zu stellen. Die Frage, ob sie nicht ständig in Angst lebe, beantwortete sie so: "Am ersten Tag meiner Rückkehr nach Hassakeh als Pfarrerin entkamen meine Familie und ich nur knapp einem Raketenangriff auf unser Haus. Da dachte ich, entweder gehe ich gleich wieder weg oder ich bleibe und mache mit aller Kraft weiter." Zu der allgegenwärtigen humanitären Notlage kämen noch Anfeindungen orthodoxer Kollegen hinzu, die ihr das Leben schwer machen.

Seit dem Jahr 1981 zeichnet der Kirchenkreis Köln-Mitte alle zwei Jahre Menschen oder Institutionen mit der Pfarrer-Georg-Fritze-Gedächtnisgabe aus, die sich in besonderer Weise für Opfer von Diktatur, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen einsetzen oder selbst Opfer von Gewalt sind. Der Kölner Pfarrer Georg Fritze war überzeugter Pazifist, Antifaschist und Mitbegründer der Bekennenden Kirche. Schon Ende der 1920er Jahre warnte er vor dem Faschismus und verweigerte 1938 den Treueeid auf Adolf Hitler.


Montag, 21. November 2022

Ukraine: Lichtblicke für den Kriegswinter

Hilfstransport des GAW Württemberg unterwegs nach Charkiw

Auch in der lutherischen Gemeinde in Charkiw gibt es Hilfe

Am 24. November startet ein weiterer Hilfstransport des GAW in die unter den Folgen des Krieges leidende Ukraine. Im Auftrag der Stadt Stuttgart hat der GAW-Projektleiter Ulrich Hirsch zusammen mit seinem Helferteam aus dem Raum Vaihingen/Sachsenheim einen Teil der umfangreichen Bedarfsliste aus Charkiw organisiert. Neben dringend benötigten Maschinen und Geräten zur Bewältigung der winterlichen Verhältnisse und der Stromversorgung gehen diesmal auch Lebensmittel, Mineralwasser aus Ensingen, Hilfsgüter zur Pflege und Medizin, Babynahrung, Kleidung und Hygieneartikel sowie Roll- und Toilettenstühle auf die 2400 km lange Reise.

Der Hilfstransport ist eine Zusammenarbeit der Partnerstädte Brno/Brünn (Slowakei) und Stuttgart. Frederic Stephan, den Partnerschaftsbeauftragten von Stuttgart, hat – wie bereits im Frühjahr 2022 – das GAW gebeten, seine Erfahrung in Logistik und Organisation einzusetzen.

Charkiw war vor dem Krieg mit 1,5 Millionen Einwohnern und 42 Hochschulen nach Kiew die zweitgrößte Stadt der Ukraine. Der aktuelle Transport erfüllt zwar nur ein Teil der Bedarfsliste des in Charkiw tätigen Netzwerks „Kharkiv Heating Networks“, trotzdem lindern die 25 Tonnen Hilfsgüter, Lebensmittel und medizinischen Produkte die Not der Mensch in Notunterkünften. Die Kosten für den 12. GAW-Hilfstransport in diesem Jahr betragen über 33 000 Euro. Diese werden aus Spenden, einer Unterstützung durch den GAW-Ukrainehilfsfond sowie von der Stadt Stuttgart getragen.

In Charkiw besteht auch eine Gemeinde der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU). Sie wird geleitet von Pfarrer Pawlo Schwarz, der seit 2021 zugleich der Bischof der DELKU ist. Schwarz engagiert sich seit dem 24. Februar neben der Seelsorge auch für Hilfslieferungen, die sowohl für Gemeindeglieder als auch für andere Hilfsbedürftige bestimmt sind. 

Péter Szeghljánik und Ulrich Hirsch
Bereits am 18. November übergab Ulrich Hirsch einige Stromgeneratoren an Pfarrer Péter Szeghljánik von der Reformierten Kirche in Transkarpatien. In diesem Gebiet in der Westukraine gibt es ebenfalls massive Stromausfälle – wie im ganzen Land. Der nächste GAW-Transport, der noch vor Weinachten geplant ist, wird wichtige Hilfsgüter nach Transkarpatien bringen.

Freitag, 11. November 2022

Wir haben in Brasilien derzeit eher einen christlichen Glauben ohne Christus (Friedrich)

Auto eines Bolsonaro-Wählers vor einer
luther. Kirche in Brasilien
Der ehemalige Kirchenpräsident der lutherischen Kirche Brasilien (IECLB) Nestor Friedrich wurde im Interview des Lutherischen Weltbundes (LWB) aktuell zur Situation Brasiliens nach der Wahl Lulas zum neuen Präsidenten gefragt:

"Welche Hoffnungen haben die Menschen und die Kirche nach der jüngsten polarisierenden Präsidentschaftswahl in Brasilien?

Nestor Friedrich: Wir sind in diese Wahl in Brasilien als polarisiertes Volk hineingegangen und auch als polarisiertes Volk herausgekommen –und natürlich zeigt sich diese gesellschaftliche Polarisierung auch in den Kirchen. In der Politik gibt es viele Monologe, es werden Urteile gefällt und es wird verurteilt, es gibt viel Intoleranz und Hetze. Es gibt keinen Dialog zwischen den Parteien. Die Kirche war schon immer mit Herausforderungen und Krisen konfrontiert, aber die Heftigkeit der Krise heute ist beängstigend.
Lulas Wahl hat bei den Menschen, die sich von dem autoritären Gebaren und der Hetze des scheidenden Präsidenten Jair Bolsonaro und seinen Sympathisierenden eingezwängt und eingeschüchtert gefühlt haben, für ein Gefühl von Erleichterung, von Freiheit gesorgt. Aber Lula und alle, die der nächsten Regierung angehören, haben eine riesengroße Aufgabe vor sich: Sie müssen die öffentliche Ordnung wiederherstellen und für Versöhnung sorgen. Die Erwartungen sind groß und die Probleme immens! Rund 9,5 Millionen Menschen in Brasilien sind arbeitslos und 49 Millionen Menschen leben in gesellschaftlich und wirtschaftlich prekären Lebensumständen. Hinzu kommt noch der Schutz der indigenen Völker, die Beendigung der Abholzung des Amazonasregenwaldes, Abrüstung und Investitionen in Bildung und Forschung, um nur einige wenige zu nennen.
Als Kirche müssen wir uns um des christlichen Glaubens in Brasilien wegen an den gekreuzigten Christus erinnern. Wir haben hier heute eher einen christlichen Glauben ohne Christus, und das ist Götzendienst. Wir brauchen einen christlichen Glauben, der Hass und Gewalt in keiner Form duldet, einen christlichen Glauben, der nach Versöhnung und Vergebung strebt. Als Kirche müssen wir in Brasilien wieder Vertrauen in einen gemeinsamen Weg schaffen, bei dem es kein „wir und die anderen“ gibt, sondern wir uns alle als Volk Gottes auf dem Weg zum Gottesreich verstehen."

Ähnlich haben wir es auf der Reise des GAW im Oktober diesen Jahres erlebt. So beschrieb ein Synodalpfarrer, dass seine Hauptaufgabe derzeit ist, Konflikte zu bearbeiten, Streitigkeiten zu schlichten, Pfarrer zu schützen vor ungerechtfertigten Angriffen.

Wesentlich sei es derzeit, dass die Kirche hilft, dass Menschen wieder in den Dialog kommen - so der Synodalpfarrer.

In der lutherischen Kirche gibt zu dem allen zwei extrem rechtslastige Gruppierungen: die Alianza Luterana und die Herederos de Worms. Mit ihnen sei Dialog faktisch nicht mehr möglich. Fake News und Diffamierungen würden vor allem von der Alianza verbreitet. Wer hinter dieser Gruppierung steht, sei unklar. 

Montag, 7. November 2022

Die griechische evangelische Kirche auf Korfu

Griechische Ev. Kirche auf Korfu
Seit 1989 ist Pastor Miltiades Pantelios Seelsorger der evangelischen Gemeinde auf Korfu. "Damals hatten wir 15 Mitglieder," berichtet er, "Inzwischen sind es 25 - aber zu den sonntäglichen Gottesdiensten kommen regelmäßig 45-60 Personen." Die Kirche befindet sich in Korfu-Stadt - unmittelbar in Zentrumsnähe. Eine super Lage in dieser Touristenhochburg. 

Insgesamt leben 110.000 Menschen auf der Insel - davon dauerhaft ca. 15.000 Ausländer:innen. Fast 85-90% von ihnen leben vom und mit dem Tourismus. "In der Hochsaison können schon mal ca. 400.000 Menschen auf der Insel sein," so Miltiadis. "Auch in die Gottesdienste, die alle auf Englisch übersetzt werden, kommen Touristen.

Ca. 7 km von der Kirche entfernt befindet sich das "Light-House" der Kirchengemeinde. Die Gemeinde hat es in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts gebaut. Hier soll ein Ort sein, um sich zu begegnen, Gemeinschaft zu erleben, für ältere Menschen da zu sein, einer Mutter-Kind-Gruppe Raum zu geben - und das über alle Glaubensgrenzen hinweg. "Für uns ist dieser diakonische Dienst in dem orthodoxen Land ein ganz wichtiger Ort, um uns zu zeigen und Begegnung zu ermöglichen," sagt Miltiades. "Immer wieder kommt jemand und fragt nach unserem evangelischen Glauben. Und manche werden auch Mitglieder."

Lighthouse Korfu - 1993/4 vom GAW unterstützt
Das GAW hat den Bau dieses Zentrums in den Projektkatalogen 1993/4 mit insgesamt 100.000 DM unterstützt.

Eine Besonderheit der evangelischen Gemeinde in Korfu ist die von hier aus aufgebaute Aufbauarbeit zweier albanischer Gemeinden in Albanien.

Über 600.000 Albaner sind in den 1990er-Jahren nach dem Fall des Kommunismus nach Griechenland gekommen. Arbeit gefunden haben viele damals im Tourismus. Inzwischen ist die albanische Gemeinschaft ein fester Bestandteil der griechischen Gesellschaft. Militiades hat in seiner Gemeinden mehrere Albaner. Ein besonders Begabter studierte an der Athener Bibelschule und ging dann mit Miltiadis Unterstützung nach Albanien zurück und baute hier zwei evangelische Gemeinden auf. Inzwischen wird diese Arbeit von der gesamten Kirche unterstützt und begleitet. Regelmäßig fährt Militiades mit der Fähre nach Albanien. "Wir können sie nicht allein lassen," sagt er.