Donnerstag, 11. August 2022

Friedensethik in der Bewährung

"Was sagt das GAW zum Ukrainekrieg?" - diese Frage habe ich öfter seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine am 24. Februar diesen Jahres gehört. Dahinter stehen viele Fragen: Wie helfen wir den Menschen, die unter dem Krieg leiden? Wie unterstützen wir sie? Wie stehen wir zum Krieg? Zu Waffenlieferungen? Wie können Konflikte gelöst werden? Und - wie lernen wir, in Frieden miteinander zu leben? Wie geht das...?

Alle Kirchen haben dazu etwas geschrieben. Sie müssen sich dazu verhalten, denn Jesus sagt in der Bergpredigt: "Selig sind die Frieden stiften!"

Am 18. März 2022 äußerte sich auch der Rat der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) in Straßburg zum Krieg in der Ukraine. In der Kurzfassung heißt es dazu: 

"Der Krieg, den die Russische Föderation seit 2014 gegen die Ukraine führt, hat mit den russischen Angriffen seit 24. Februar 2022 eine neue Phase erreicht. Als GEKE stehen wir an der Seite aller Menschen, die in der Ukraine unerträgliche Not leiden. Wir tun dies auf dreifache Weise: Wir beten, wir erheben unsere Stimmen, und wir helfen. Gemeinsam beten und klagen wir und befehlen die Menschen der Ukraine dem Gott des Friedens und der Gerechtigkeit an. Im Gebet können wir dem Entsetzen und der Furcht Ausdruck verleihen, die wir empfinden, wenn unser Kontinent erneut durch einen Krieg zerrissen wird. Wir erheben unsere Stimmen und verurteilen den Bruch des Völkerrechts durch den russischen Präsidenten Putin. Wir sind solidarisch mit allen Schwestern und Brüdern, die für den Frieden und die Versöhnung arbeiten. Wir helfen, indem wir im Rahmen unserer Möglichkeiten alle Leidtragenden finanziell, materiell und logistisch unterstützen und ihnen bei der Integration in ihren neuen Gemeinschaften helfen. Als Kirchengemeinden und Einzelpersonen bieten wir denjenigen, die vor den Gräueltaten des Krieges fliehen, unsere Gastfreundschaft an." 

Der gesamte Text findet sich unter folgendem Link: https://www.leuenberg.eu/cpce-statement-on-the-war-on-ukraine/

Im Nachklang zu dieser GEKE-Stellungnahme zum Ukrainekrieg hat das "Zentrum Glaube und Gesellschaft" der Uni Fribourg/Schweiz beschlossen, eine Videopodcast-Serie zum Thema „Krieg und Frieden“ zu produzieren. Er wird moderiert von der Studienleiterin Dr. Christine Schliesser. Dabei geht es darum, verschiedene Stimmen aus der christlichen Friedensethik (u.a. Ulrich Körtner und Meego Remmel) im Blick auf den Krieg in der Ukraine und darüber hinaus zu Wort kommen zu lassen und auch alternative Sichtweisen (z.B. im Blick auf Waffenlieferungen, etc.) einzubinden.

Dazu gibt es einen kurzen Trailer (40 Sek.): https://www.youtube.com/watch?v=nssJOW0PHFk

Die erste Episode unter dem Titel „War der Pazifismus eine naive Idee?“ findet sich unter diesem Link: https://www.youtube.com/watch?v=-kbeNI_m2lY

Aktuelle kirchliche Äußerungen zu friedensethischen Fragen finden sich hier: https://www.ekd.de/ukraine-stellungnahmen-kirche-72267.htm

Mittwoch, 10. August 2022

"Wenn Europa oder die USA niesen, erkältet sich Lateinamerika" - Auswirkungen des Krieges aus Venezuela

Ein lateinamerikanisches Sprichwort sagt: "Wenn Europa oder die USA niesen, erkältet sich Lateinamerika." So war es schon immer. Und das spürt man derzeit auch auf dem lateinamerikanischen Kontinent. In Venezuela scheint der Krieg sowohl positive als negative Folgen zu haben.

Venezuela leidet seit Jahren unter einer schlimmen Krise. "Im Moment versucht die Regierung mit Kürzungen und Steuererhöhungen, die Hyperinflation in den Griff zu bekommen. Das gelingt ihr durchaus, aber die Maßnahmen treffen die sowieso schon armen Menschen hart. Auch Acción Ecuménica (AE), das ökumenische Sozial- und Medizinzentrum in Caracas, kämpft mit den Folgen: Durch die gestiegenen Steuern sind Untersuchungen und Medikamente teurer geworden. Der Staat kontrolliert unsere Arbeit stärker und hat darüberhinaus die Löhne für medizinisches Personal gesenkt", schreibt César Henriquez, Leiter von AE. "All dies ist demotivierend. Unsere Lebensqualität ist gesunken und die soziale Ungleichheit hat zugenommen, auch wenn sich die Wirtschaft erholt. Die Regierung wird von einem beträchtlichen Prozentsatz der Bürger abgelehnt. Die US-Sanktionen dienen ihr als Vorwand, um ihre eigene Ineffizienz zu verbergen."

Wie sich der Krieg genau in dieser Situation auswirken wird, ist laut César Henriquez noch unklar. "Aber ich bin davon überzeugt, dass wir zumindest indirekt davon betroffen sind. In einer globalisierten Gesellschaft hat jeder Konflikt globale Auswirkungen, auch auf das Leben der einzelnen Bürger."

Die Regierung Venezuelas steht auf der Seite Putins und befürwortet den Krieg. Dazu schreibt César Henriquez: "Man dachte, dass diese Unterstützung dazu führen wird, dass die US-Regierung ihre Sanktionen gegen Venezuela verschärft. Das war aber nicht der Fall. Im Gegenteil: Im Juni kam eine außerordentliche US-Delegation nach Venezuela, um angesichts des US-Embargos gegen russisches Öl engere Beziehungen zu Venezuela und einen Zugang zu venezolanischem Rohöl zu suchen", so César Henriquez. "Es gab einige entspannende Signale. Wir haben Hoffnung, dass die Ölpreise steigen könnten und Venezuela als ölproduzierendes Land davon profitieren könnte. Hoffenlich kommt das der Not leidenden Bevölkerung zu Gute." So könnte sich der Ukrainekrieg sogar positiv auf Venezuela auswirken.

Sorge bereitet ihm allerdings der Anstieg der Preise für Düngemittel in Venezuela, die hauptsächlich in Russland, der Ukraine und Belarus produziert werden. Dadurch könnten sich die Lebensmittelpreise weiter erhöhen. Es bleibt also abzuwarten, ob die positiven oder die negativen Folgen des Ukrainekrieges für Venezuala überwiegen werden!

Dienstag, 9. August 2022

Bolivien und die Folgen des Ukrainekrieges

Auch in Bolivien spürt man die Auswirkungen des Ukrainekrieges. Pfarrer Emilio Aslla Flores schreibt:

"Boliviens Beziehungen zu Russland sind eng. Und so spüren wir die Auswirkungen des Krieges auch hier im Andenstaat. Treibstoff ist teurer und knapper geworden. In den letzten Monaten konnten wir kaum welchen finden, in den Großstäden La Paz und Santa Cruz gab es lange Warteschlangen für Diesel. Und die Auswirkungen des Krieges werden in den kommenden Monaten sicher noch stärker werden.

Bolivien erzielt gute Einnahmen aus dem Gasexport. Aber das wiegt die Ausgaben für Erdöl nicht auf. Die Preise für Weizen, Mais und Öl und damit auch für Fleisch sind gestiegen.

Nicht nur der Krieg beeinflusst die Preise in Bolivien, sondern auch der Klimawandel. Im Norden, in der Gegend zum Santa Cruz, leiden die Menschen unter einer anhaltenden Dürre. Dadurch wachsen die Winterkulturen nicht richtig; Soja, Mais, Weizen, Sorghum und Sonnenblumen mickern auf den Feldern vor sich hin. Außerdem hat der Frost in der indigen bewohnten Provinz Cordillera die Maisernte auf mindestens 1.600 Hektar Feld vernichtet.

Bolivien hat ein weiteres Problem: Es hat keinen eigenen Hafen. Alles läuft über den chilenischen Hafen Arica. Auch hier muss der Staat inzwischen steigende Nutzungsgebühren zahlen."

Montag, 8. August 2022

Klein-Ukraine in Brasilien

Insgesamt hat Brasilien rund 600.000 ukrainischstämmige Einwohner:innen, die vor allem im Süden leben. Einer dieser Orte ist Prudentopolis westlich von Curitiba im Bundesstaat Paraná. Von 53.000 Einwohnern sind drei Viertel ukrainischer Abstammung. Einige von ihnen kamen schon Ende des 19. Jahrhunderts aus Galizien nach Brasilien. Andere flüchteten im Zweiten Weltkrieg nach Brasilien. Seit dem Kriegsausbruch Ende Februar 2022 sind noch einmal ca. 1.000 Ukrainer:innen nach Brasilien gekommen, einige von ihnen auch nach Prudentopolis. Integration gelingt hier leichter, denn Ukrainisch ist in dem Ort die zweite offizielle Sprache.

"Auch in Esteio, südlich von São Leopoldo im Bundesstaat Rio Grande do Sul sind einige Familien aufgenommen worden. Esteio hat eine kleine ukrainische Gemeinde," schreibt Harald Malschitzky, Generalsekretär der Obra Gustavo Adolfo (OGA) in Brasilien.

Malschitzky schreibt auch etwas über die Auswirkungen des Ukrainekrieges für Brasilien:

"Die Folgen des Krieges erfahren wir täglich: Weizen, Mais, Düngemittel, Rohöl, alle Kosten steigen spürbar. Auf der anderen Seite fehlen Produkte für die Industrie wie Autoteile, elektronische Bauteile etc. Und dann stockt der Export. Darüber hinaus ist der Krieg auch eine gute Ausrede für Präsident Bolsonaro, um vom Desaster seiner Politik abzulenken. Gleichzeitig liebäugelt Bolsonaro mit Putin, denn Brasilien ist sehr abhängig von Düngemittellieferungen aus Russland."

Und Malschitzky schreibt auch zur Lage in der lutherischen Kirche (IECLB) und die Auswirkungen des Krieges auf die Gemeinden:

"Alle Gemeindeglieder sind von den steigenden Preisen betroffen. Die Einkommen der Gemeinden verringern sich. - Die Kirche hat aber weitere Probleme, die mit dem Krieg erst einmal direkt nichts zu tun haben. Es gibt Polarisierungen, die die ganze Gesellschaft betreffen. Innerhalb der IECLB gibt es zwei rechtsorientierte fundamentalistische Gruppen. Immer wenn die IECLB etwas zur sozialen Lage im Land sagt, wittern diese Gruppen einen politisch linken Einfluss. Für die Kirchenleitung ist es sehr schwer, sich damit immer wieder auseinandersetzen zu müssen, denn sie wird immer wieder angegriffen."

Montag, 1. August 2022

Der erste Kirchbau, der allein durch das GAW finanziert wurde, wird 175 Jahre alt!

Evangelische Kirche in Seligenstadt

"Vor 175 Jahren wurde unsere Kirche in Seligenstadt eingeweiht. Das ist noch nicht so lange her wie bei manch anderer Gemeinde, aber unsere Kirche ist der erste in Deutschland durch das Gustav-Adolf-Werk geförderte Kirchenbau," schreibt der Vorsitzende des Kirchenvorstandes der hessen-nassauischen Kirchgemeinde Norbert Schweitzer.

Auf der Homepage der Gemeinde heißt es: "Mit der Säkularisation im Jahre 1803 bildete sich aus Beamten des Finanzgerichts und -amtes, die aus Darmstadt übergesiedelt waren, eine kleine evangelische Gemeinde. Rasch wuchs die Zahl, sodass im Jahr 1835 bereits 112 Protestanten in Seligenstadt wohnten. In jenem Jahr wurde Seligenstadt zur selbstständigen Gemeinde ernannt - nur leider immer noch ohne eigenes Gotteshaus.
Am 19. Juni 1845 wurde auf der Hauptversammlung des „Evangelischen Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung“ der Bau unserer Kirche beschlossen.
 

Die Stadt folgte dem Wunsch der evangelischen Gemeinde und hatte ihr bereits vorher, am 15. Mai 1844, ein Stück Land außerhalb der Stadtmauern („vor dem Obertore“) zugesprochen. Dieser Platz wurde aufgrund seiner besonderen Bedeutung gewählt, erhielt dort doch der evangelische Heerführer und König Gustav Adolf von Schweden im 30-jährigen Krieg (am 25. November 1631) die Schlüssel der bis dahin katholischen Stadt.


In dem Buch "Die Bauten des Gustav-Adolf-Vereins" (Darmstadt 1860) heißt es: "Der Gustav-Adolf-Verein lenkte alsbald seine Blicke auf dieses Häuflein Protestanten, und durch diese Theilnahme aufgemuntert, richtete die Gemeinde an den Hessischen Hauptverein die Bitte, ihr zur Gründung einer selbständigen Gemeinde und zur Erbauung eines eigenen Gotteshauses behülflich zu sein." Damals wurde diese Bitte überallhin verbreitet. Zahlreiche Gustav-Adolf-Vereine halfen, "so dass die Kosten des ganzen Baues, die mit Einschluß der Orgel 11.844 Taler betrugen, allein durch die Beiträge der Vereine der Gustav-Adolf-Stiftung und einigen Schenkungen gedeckt wurden, und man mit Recht sagen konnte, jeder Stein an dieser Kirche sei ein Zeugnis von der Liebe der evangelischen Brüder." 

Grundsteinlegung war am 15. Juni 1846. Am 23. September 1847 wurde die Kirche eingeweiht.

Zu den Feierlichkeiten am 25. September diesen Jahres ist das GAW eingeladen. Gut, dass es die Erinnerung an die Anfänge vor Ort gibt! Das ist ein Ausdruck der Verbundenheit und Solidarität miteinander. Diese gemeinsame Verbundenheit im evangelischen Glauben braucht es in unserer heutigen Zeit mehr denn je. 

Freitag, 29. Juli 2022

Ausstattung für eine Sozialküche in Oradea/Rumänien

Dank der Hilfe des GAW aus dem Projektkatalog 2021 konnte in Oradea im
Westlichen Kirchendistrikt der Reformierten Kirche in Rumänien eine Sozialküche neu ausgestattet werden. 

"Wir sind für diese Unterstützung sehr dankbar," schreibt Bischof István Csüry. "Die Erneuerung war dringend notwendig geworden, um die Arbeit zu erleichtern. Das Küchenpersonal hatte aufgrund veralteter Küchenutensilien zunehmend Schwierigkeiten, die Bestellungen der verschiedenen Einrichtungen zu erfüllen."

In Oradea gibt es ein reformiertes Kirchenzentrum, das 1996 erbaut wurde. Kirchliche, kulturelle und diakonische Aktivitäten finden hier statt. Eine Sozialküche befindet sich hier, die eine sehr wichtige Funktion hat. Hier bekommen bedürftige ein warmes und gesundes Essen – teils kostenlos, teil vergünstigt. Schülerinnen und Schüler des Reformierten Gymnasiums bekommen hier ihre Mahlzeiten. Die Diakonie bringt mit einem „Essen auf Rädern“-Dienst Mahlzeiten zu alten Leuten und für die Roma-Missionsarbeit. 

Mit GAW-Unterstützung konnten zwei Dunstabzugshauben, 2 Kochtöpfe, 1 Friteuse, 1 Backofen und eine Knetmaschine angeschafft werden.

Im Projektkatalog 2021 wurden 5.000 € für diese wichtige diakonische Arbeit gesammelt. 

Donnerstag, 21. Juli 2022

Slowenien: Militärseelsorgerin erzählt

Violeta Vladimira Mesarič ist evangelische Militärseelsorgerin in Slowenien und Pfarrerin der evangelischen Gemeinde in Maribor. Ihre Arbeit ist mit dem Krieg in der Ukraine intensiver – und mehr geworden.

Musiker des slowenischen Militärorchesters im Kindercamp
„Die Soldaten sind seitdem häufiger am Übungsplatz oder in Auslandeinsätzen. Die Familien müssen daher die meiste Zeit ohne ihre Väter und Mütter oder Töchter und Söhne auskommen. Die Fragen nach dem Sinn des Lebens, oder was ist, wenn etwas zu Hause passiert oder wenn man verwundet oder gar nicht mehr zurückkehrt, sind bei Soldatinnen und Soldaten viel präsenter geworden. Es wird öfter nach persönlichen Gesprächen mit Militärseelsorgern gefragt und nach der persönlichen Betreuung von Familienmitgliedern von Soldaten.
Ich nehme mehr und mehr die Herausforderungen in den Soldatenfamilien wahr, die mit der Abwesenheit der Soldaten in letzten Monaten zu tun haben. Deshalb war ich sehr froh, als wir wieder die Erlaubnis bekamen, das Kindercamp „Glaube und Sport“ durchzuführen und so den Soldatenfamilien konkrete Hilfe anzubieten. Mit unserer Hilfe können rund 100 Kinder ein oder zwei Wochen der Sommerferien schöner verbringen als sonst. Darunter sind auch Kinder aus sozial schwachen Familien oder aus Familien, die mit spezifischen Herausforderungen kämpfen. Unser Kindercamp dauerte vom 4. bis zum 15. Juli.

Problem unserer Militärseelsorge – besonders der evangelischen – ist wie in der Kirche, dass wir zu wenige sind. Ein Seelsorger ist meistens ganz alleine auf sich gestellt - bei der Planung und Organisation eines Projekts bis zur Durchführung. Das beansprucht viel Zeit und Kraft und man muss auf einiges verzichten. Deswegen ist die Arbeit in der Kirche, ganz besonders aber in der Militärseelsorge nicht gerade die populärste Aussicht für junge Theologiestudierende ... Ich denke jedoch, dass es sehr wichtig ist, dass die Kirche dort ist, wo die Menschen sind (mitgehende Kirche – mitgehende Seelsorge!).

Violeta Vladimira Mesarič
Wir haben gute Kontakte mit anderen Militärseelsorgern in Europa. Leider konnte ich in den letzten Jahren nicht zu den Konferenzen und Treffen gehen, nicht nur wegen Covid, sondern auch, weil ich die einzige evangelische Militärseelsorgerin in Slowenien bin und Prioritäten setzen muss. Am Treffen evangelischer Soldaten in Frankreich konnte ich dieses Jahr nicht teilnehmen, weil die Genehmigung für das Kindercamp so spät kam, dass ich alles in wenigen Wochen vorbereiten musste. Der zweite Grund sind die Finanzen: Die evangelische Seelsorge hat kein eigenes Budget. Zur IMCCC (International Military Chief of Chaplains Conference) konnte ich in den letzten vier Jahren nicht fahren, weil wegen Geldmangel meist nur eine Person aus Slowenien zur Konferenz fährt. Das ist dann der katholische Militärvikar, der auch der Chef der ökumenisch organisierten Militärseelsorge in Slowenien ist. Ich bin seine Stellvertreterin.


Wir haben auch Hilfe in die Ukraine geschickt mit Unterstützung der slowakischen und polnischen Militärseelsorge. Persönlich bin ich mit ukrainischen Flüchtlingen in Kontakt in meiner Gemeinde in Maribor. Dort haben wir die Kirche und das Pfarrhaus für Treffen von Frauen und Kindern, Traumahilfe und Sprachkurse zur Verfügung gestellt.“

Das GAW hat das Kindercamp „Glaube und Sport“ bereits mehrere Male unterstützt.

Dienstag, 19. Juli 2022

"Hassakeh hat Durst" - ein Hilferuf aus Syrien

"Hassakeh is thirsty!" - so schreibt es Pfarrerin Mathilde Sabbagh aus dem Nordosten Syriens, nahe der Grenze zur Türkei. Es klingt verzweifelt. "Im Jahr 2019 fing es an mit der Wasserknappheit. Damals besetzten die türkischen Truppen die einzige Wasserquelle der Stadt, um die syrische Regierung und die kurdische Verwaltung der Region politisch unter Druck zu setzen. Die Leidtragenden sind die einfachen Menschen. Seitdem fließt nur noch alle 10 Tage für ein paar Stunden Wasser durch die Leitungen. Das passiert meistens nachts. Dann müssen alle Tanks aufgefüllt werden und die Wäsche gewaschen werden etc.

Kinder in der Gemeinde im Juli 2022
Wir leben hier in einer ehemals grünen Region, die immer weiter zur Wüste wird. Im Winter wird es bitterkalt. Deshalb haben viele der Menschen, die während des Krieges nach Hassakeh geflohen sind und die den Umgang mit der Natur hier nicht gewohnt sind, angefangen, die Bäume abzuholzen, um zu heizen. Damit wird die Landschaft immer karger und trockener.

Im Sommer stoppt die türkische Regierung die Wasserlieferungen nach Hassakeh immer komplett ab 1. Juli - für drei Monate. Im Moment herrschen hier Temperaturen zwischen 40 und 45 Grad. Die Menschen müssen das Wasser im Laden kaufen. Eine vierköpfige Familie braucht in der Woche rund 10 große Beutel Trinkwasser (mit je 9 Litern Wasser). Ein Beutel kostet einen Dollar, das sind 10 US-Dollar in der Woche. Zum Waschen und Duschen brauchen wir noch einmal 2.500 Liter pro Woche. Dieses Brauchwasser kaufen wir von Personen, die einen Grundwasserbrunnen besitzen, das kostet rund 10 US-Dollar pro Woche. Trinken kann man dieses Wasser nicht, denn es ist zu salzig. 

Man muss erwähnen, dass der Durchschnittslohn in unserer Region 30 bis 40 US-Dollar beträgt. Arme Menschen, die noch nicht einmal so viel verdienen, haben gar keine Mittel, um sich Wasser zu kaufen. Für sie haben wir in der Gemeinde ein Hilfsprogramm gestartet: Im August, September und Oktober wollen wir Wasser an 20 ärmere Familien ausgeben. Dafür benötigen wir je Familie 80 US-Dollar im Monat."

Im Winter wird in Hassakeh in dicker Jacke und Mütze gelernt

Im vergangenen Jahr sammelte das evangelische Magazin Chrismon Spenden für die Arbeit von Pfarrerin Mathilde Sabbagh in Hassakeh und für Projekte anderer Gemeinden in Syrien. Die Resonanz war beeindruckend. Aus diesen Spenden kann das GAW nun das Wasser-Nothilfe-Projekt mit 4.800 Euro unterstützen.

Donnerstag, 14. Juli 2022

Urlaub bei Freunden

Zwei Jahre lang ist der Traum vom Urlaub im Ausland wegen der Pandemie oft nur ein Traum geblieben. In diesem Sommer haben sich die Reiseaussichten verbessert, auch für einen Urlaub bei Freunden. Viele Partnerkirchen des GAW unterhalten eigene Tagungs- und Begegnungszentren sowie Gästehäuser und -wohnungen in verschiedenen Gemeinden.
Mit Unterstützung unserer Partnerkirchen haben wir eine Liste mit Kontaktdaten zusammengestellt. Die Auswahl beinhaltet Einrichtungen aus Belgien, Chile, Estland, Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Portugal, Serbien, Spanien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn, zum Teil mit weiterführenden Links.
Bei den Unterkünften gibt es eine große Vielfalt, angefangen mit komfortablen Hotels bis hin zu einfachen Begegnungsstätten – mehr für die Jugend geeignet –, die nur in den Sommermonaten genutzt werden können.
Auch an den Einrichtungen unserer Partnerkirchen gehen die Krisen der Welt nicht vorbei. In Belgien steht das Protestantische Zentrum in Nessonvaux nicht mehr zur Verfügung – weil die Flut im Juli 2021 das Haus so stark beschädigte, dass es aufgegeben musste. Die Vereinigte Protestantische Kirche hat stattdessen ein anderes Gebäude nahe Spa gekauft und hofft, dort in ein bis zwei Jahren ein neues Zentrum öffnen zu können. In der Slowakei wiederum sind einige Begegnungsstätten für dieses Jahr mit Sperrvermerk versehen: „Steht wegen Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine nicht zur Verfügung“.
Nutzen Sie die Angebote unserer Partnerkirchen für Urlaub oder für Bildungs- und Begegnungsreisen!

Kostenloser Download der Adressliste: www.gustav-adolf-werk.de/urlaub-bei-freunden.html
(Alle Angaben ohne Gewähr – wie von den Partnerkirchen gemeldet; Stand: 6. Juni 2022)

Freitag, 8. Juli 2022

Kirgisistan: Die lutherische Kirche kämpft mit vielen Sorgen

Carmen Klimasch (GAW-Zentrale) und Bischof Eichholz
Auch in Kirgisistan in Zentralasien machen sich die Folgen des Krieges in der Ukraine bemerkbar. Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kirgisistan, Alfred Eichholz, beobachtet eine enorme Teuerung im Land; „Bei manchen Sachen 100 %, also eine Verdoppelung der Preise, bei anderen noch mehr, wie zum Beispiel das Baumaterial. Beim Baumaterial ist Kirgisistan total abhängig von Russland und generell vom Ausland.“

Die Menschen verarmen aber noch aus einem anderen Grund. „Schätzungsweise bis zu einer Million Menschen aus Kirgisistan haben früher als Gastarbeiter in Russland gearbeitet. Die Gelder, die sie nach Hause geschickt haben, machten ein Drittel der gesamtwirtschaftlichen Leistung von Kirgisistan aus“, erzählt Eichholz. „Doch viele dieser Arbeitsplätze sind wegen des Krieges weggefallen.“ Die steigende Armut verstärkt die Spannungen in der Gesellschaft und beschert populistischen und radikalen Weltanschauungen Zulauf.

Auch die lutherische Kirche hat mit der Teuerung zu kämpfen. „Wir müssen für unsere Projekte mehr Geld suchen“, sagt Eichholz. „Momentan schaffen wir es noch, aber wir wissen nicht, was kommt.“
Die kleine lutherische Kirche zählt rund 1000 Gemeindeglieder in 14 staatlich registrierten Gemeinden, unterhält aber mehrere diakonische Projekte, die im Land beispielhaft sind: ein Altenheim und eine Förderschule für Kinder mit Behinderung. Sie unterstützt auch den Verein „Unsere Stimme“, der Mädchen aus Kinderheimen auf den Start in ein eigenständiges Leben vorbereitet. Auch wenn die Projekte vom Staat gern gesehen sind, bedeutet es noch keine finanzielle Unterstützung. Eichholz erzählt, dass die Kinder mit Behinderung, die das Hilfszentrum in Wassiljewka besuchen, 2021 zum ersten Mal von der Kommune wahrgenommen wurden und Pakete zum Kindertag am 1. Juni erhielten. „Die Kinder und die Eltern sind total dankbar dafür, was wir ihnen bieten, aber das alles hat die Leiterin des Zentrums hart erkämpft“, sagt Bischof Eichholz. „Sie ist eine richtige ‚Turbofrau‘, die mit ihren Anliegen bis zum Ministerium geht. Eine große Errungenschaft ist, dass die örtliche Schule Lehrer für unser Zentrum stellt und bezahlt.“

Alfred Eichholz kämpft seit Jahren darum, der Kirche Einnahmequellen zu eröffnen, damit sie ihre Arbeit und Projekte zum Teil selbst finanzieren kann. Vor einem Monat startete die Kirche einen Second-Hand-Laden. Eichholz hofft, mit den Einnahmen zumindest die Inflation aufzufangen. Eine weitere Einnahmequelle ist der Bienenhonig.

Bewohnerinnen und Mitarbeitende im Altenheim
Bischof Eichholz besuchte das GAW, um über die Projektarbeit zu beraten. Das GAW unterstützt in Kirgisistan sowohl die Bildung, diakonische Projekte der Kirche als auch notwendige Reparaturarbeiten an Gemeindehäusern. Der Projektkatalog 2022 ist dafür ein gutes Beispiel.
Dort hoffen auf Spenden das Altenheim „Haus der Barmherzigkeit“ mit der Sozialküche in Winogradnoje, das theologische Seminar in Bischkek und das Dach des Bethauses in Belowodsk.

Über die langjährige Partnerschaft mit dem GAW sagt Eichholz, dass er nur gute Erfahrungen gemacht habe: Worte, die diese gute Zusammenarbeit ausreichend beschreiben würden, gäbe es gar nicht.
Die Kirgisistan-Projekte im GAW-Projektkatalog 2022 zum Nachlesen: https://gustav-adolf-werk.1kcloud.com/ep1Ezbrv/#94

Donnerstag, 7. Juli 2022

Belgien: Neue Hoffnung nach der Flut

Das alte Protestantische Zentrum Nessonvaux

Die Flutkatastrophe, die im Juli 2021 viele Städte und Dörfer in Deutschland verwüstete, war nicht allein auf Deutschland beschränkt. Auch das Nachbarland Belgien beispielsweise war stark betroffen. Unsere Partnerkirche, die Vereinigte Protestantische Kirche in Belgien, stand nach dem Hochwasser im Ort Nessonvaux vor der Ruine ihres Protestantischen Zentrums: Ein Teil des Gebäudes an der Brücke war weggeschwemmt, die Inneneinrichtung größtenteils nicht mehr brauchbar.
Nessonvaux ist ein idyllischer wallonischer Ort in der Provinz Lüttich am Fluss Vesdre (Weser), der an dieser Stelle normalerweise drei Meter breit ist. Hier war vor 50 Jahren im Haus der kleiner werdenden protestantischen Gemeinde ein beliebtes Freizeitzentrum entstanden.

Schon bald nach dem Hochwasser kamen Zweifel auf, ob das Zentrum wiederaufgebaut werden kann und soll: wegen der Statik des Gebäudes und den Bestimmungen des Hochwasserschutzes. Inzwischen ist das Schicksal des Protestantischen Zentrums in Nessonvaux besiegelt: Die Kirche hat die Gebäude aufgegeben. Als Ersatz wurde in der Kommune Jalhay, ganz in der Nähe der Stadt Spa, ein neues Haus gekauft. Dort soll ein neues Begegnungs- und Freizeitzentrum entstehen, das sich hauptsächlich an Kinder und Jugendliche richtet.

Das neue Protestantische Zentrum Warfaaz
„Wir haben gestern die Büros und das, was wir in Nessonvaux retten konnten, umgezogen“, berichtete am 28. Juni 2022 Ferdinand Dehousse, der Schatzmeister der Partnerkirche. „Nun müssen wir Brandschutzmaßnahmen durchführen lassen, bevor wir die 50 Betten, die erforderlich sind, aufstellen und belegen können.“
Das Gebäude ist klimafreundlich ausgestattet, verfügt über eine geothermische Heizung, eine Wärmepumpe und eine Solaranlage. Die Toiletten werden mit Quell- und Regenwasser versorgt.
Die Erstellung von technischen Unterlagen und einige notwendige Umbauarbeiten werden noch eine Zeitlang in Anspruch nehmen. Dehousse hofft, dass das neue Zentrum in ein bis maximal zwei Jahren betriebsbereit sein wird. „Das Team ist dankbar für den Weg, den wir zurückgelegt haben, und für die Zukunftsaussichten“, aber er weiß auch: „Es müssen noch einige zusätzliche Finanzierungen gefunden werden.“
Das GAW hat das Protestantische Zentrum bereits 2021 mit einer Nothilfe von 7 000 Euro unterstützt. „Diese Summe werden wir jetzt gut gebrauchen können, da wir vom Kartoffelschäler bis zu den Betten alles neu kaufen müssen“, so Ferdinand Dehousse.

Dienstag, 28. Juni 2022

Nach dem Raketenangriff auf Krementschuk

Zerstörter Supermarkt in Krementschuk
Gestern zerstörte eine russische Rakete das Einkaufszentrum in Krementschuk. Es war voller Menschen. 

Bischof Pawlo Schwarz hält sich gerade in Krementschuk auf: Er brachte der dortigen lutherischen Gemeinde gerade Hilfsgüter. Er schreibt: "Das ist Terrorismus. Und die, die die Raketen abschießen, sind Mittäter und kriminell. Wir beten als Kirche weiterhin für die Opfer! Wir beten besonders auch für unsere mutigen Verteidiger und unser ganzes Volk - und für Gerechtigkeit für die Verbrecher."

Das Gemeindehaus der lutherischen Gemeinde ist nur zwei, drei Kilometer von dem getroffenen Einkaufszentrum entfernt. Auch eine Flüchtlingsfamilie, die von der Gemeinde aufgenommen worden ist, befand sich zu diesem Zeitpunkt in dem Supermarkt. Sie sind mit dem Schreck davon gekommen. "Es ist schrecklich und sinnlos!", so Schwarz.

Hilfslieferung für Krementschuk
vor dem Gemeindehaus
Bischof Schwarz wird weiter nach Charkiv zu seiner Gemeinde
fahren. Danach ist er eingeladen nach Dzięgielów in Polen, um an der Missions- und Evangelisationsveranstaltung der Evangelischen Kirche A.B. in Polen teilzunehmen.

Aus Odessa berichtet Pastor Alexander Gross, dass in zwei Wochen das Gemeindehaus in seiner Filialgemeinde hergerichtet sein wird. Die Sanierung wurde vom GAW unterstützt. Mit viel Eigenleistung der Gemeindemitglieder und der Flüchtlinge ist die Renovierung des Hauses geglückt. Eine Flüchtlingsfamilie wird hier in neues Zuhause finden. "Sie sind glücklich und dankbar!", sagt Gross.

Auf den Minibus, den das GAW bezahlt hat, wartet Pastor Gross noch ... "Die bürokratischen Hindernisse waren größer als gedacht!", schreibt er. "Aber jetzt wird es hoffentlich gelingen, einen rumänischen Fahrer für den Bus, der in Rumänien registriert ist, zu finden. Das ist nötig, damit der Bus die Grenze und den Zoll passieren kann." Der Bus ist nötig, damit Hilfen transportiert und Menschen befördert werden können.

Schwierig ist die Situation der lutherischen Gemeinden in den von Russland okkupierten Regionen. Es gibt dort nur noch russisches Fernsehen. An die Menschen werden russische Pässe verteilt. An vielen Orten kann man nur noch in Rubel bezahlen. Es wird immer komplizierter, mit Gemeindegliedern in Verbindung zu bleiben. "Der Kontakt zu unseren Leuten besteht immer mal wieder. Aber es ist schwer!", so Gross.