Mittwoch, 3. Juni 2020

Coronazeit ist auch eine Zeit zum Lernen für die Kirche

Dr. Stefan Cosoroabă 
Dr. Stefan Cosoroabă schreibt aus Rumänien in Bezug auf das, was seine Kirche durch die Coronakrise gelernt hat: 

"Wir danken allen in unserer Ev. Kirche A.B. in Rumänien, die mit größter Kreativität Verkündigung in allen ihren Formen verbreitet haben: Von dem Glockenläuten und Trompetenklang über den Postwurf mit Gemeindebrief hin zu den langen Telefongesprächen, ZOOM-Andachten, Facebook-Gottesdiensten und geistlichen Beiträgen auf Youtubekanälen. Es wurde deutlich: die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien lebt! Pfarrer und Pfarrerinnen haben sich nicht versteckt hinter ein: „Es ist halt nicht möglich" und Gemeinden sind nicht in Resignation verfallen, sondern haben gemeinsam die neuen Chancen zur Verkündigung genutzt, welche weiterreichen als bis zum Kirchenportal und Menschen von Nah und Fern eingeschlossen haben. Insofern lässt eine Herausforderung auch Kirchen wachsen."

Und im Newsletter des Partnerschaftskreises EKBO-EKR Nr. 4, Pfingsten 2020 heißt es: 


Die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien (EKR) begreift die gegenwärtige Situation mit der Corona-Pandemie als Ereignis von historischer Bedeutung und als Zeit, die nach einer geistlichen Antwort verlangt. Mit ihrer großen Diaspora außerhalb Rumäniens - z.B. in Deutschland, Österreich und anderen Ländern hat die EKR – zunächst aus einer praktischen Not heraus – begonnen, in der neuen Situation Chancen für sich zu entdecken, zu nutzen und den virtuellen Raum als große Chance zu schätzen. 

Ein von Pfarrer Dr. Stefan Cosoroabă im Auftrag der Kirchenleitung der EKR organisiertes »Geistliches Netzwerk« hat für die gesamte Zeit ohne öffentliche Gottesdienste u.a. regelmäßig Gottesdienste und Andachten auf der Webseite der EKR gepostet. 

Dort finden sich ausgesuchte geistliche Beiträge und Nachrichten aus der Zeit des Lockdowns unter: 

Besonders empfehlenswert ist der PredigtPodCast der EKR mit vielen jungen Stimmen: 

Dienstag, 2. Juni 2020

In Madrid wächst die Not von Migrantinnen

Spanien ist eines der am schlimmsten vom Coronavirus SARS-CoV-2 betroffenen Länder der Welt. Am 27. Mai begann eine zehntägige Staatstrauer für die 27.000 Menschen, die bisher an oder mit dem Virus verstorben sind. Madrid hat besonders viele Opfer zu beklagen. Esther Ruiz de Miguel (links) leitet das Sozialzentrum der evangelischen Gemeinde in Madrid "Acción Social Protestante" (ASP), das Menschen in Not hilft. 2015 unterstützte das Jahresprojekt der GAW-Frauenarbeit die Arbeit von ASP. Esther berichtet:

„Die Corona-Krise zeigt die Benachteiligung von Frauen in der Gesellschaft sehr deutlich. Frauen haben die schlechteren Arbeitsverhältnisse, arbeiten oft ohne Vertrag und verdienen weniger Geld. Sie tragen mehr Verantwortung für die Familie oder sind alleinerziehend, teils mit mehreren Kindern. Viele der Menschen, die zu uns kommen, leben von kurzfristigen Jobs und Gelegenheitstätigkeiten. Frauen haben auf Grund der Betreuung von Kindern und älteren Menschen jetzt schlechtere Chancen auf Beschäftigung.
 
Frau aus Lateinamerika bei ASP-Treffen
Die meisten Menschen, die bei ASP neu um Lebensmittelspenden bitten, sind Frauen. Sie sind meist diejenigen, die Wege suchen, Lebensmittel und andere Ressourcen nach Hause zu bringen. Langfristig wollen wir helfen, die Ungleichheit zu bekämpfen, z.B. mit Ausbildungs- und Kinderbetreuungsangeboten. So haben die Frauen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Auch unsere Selbsthilfegruppen wollen wir ausweiten. An zwei Beispielen möchte ich zeigen, mit welchen Problemen Frauen, insbesondere Migrantinnen, in Madrid derzeit kämpfen:


Patricia ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Vor der Pandemie arbeitete sie als Putzhilfe in einem Haus außerhalb von Madrid. Trotz Ansteckungsgefahr musste sie weiterarbeiten, denn: Ohne Vertrag keine Arbeitnehmerrechte. Obwohl sie alles tat, um ihre Arbeit nicht zu verlieren, steckte sie sich mit Covid-19 an und wurde daraufhin gekündigt. Ohne Geld kann sie ihre Miete nicht mehr zahlen. Patricias Lage verschlechterte sich so sehr, dass sie jetzt Lebensmittelunterstützung braucht. Das ist besonders traurig, weil sie schon einmal Lebensmittelhilfe bekommen hatte, als sie vor fünf Jahren in Spanien ankam. Sie hat so viele Hindernisse überwunden und für ihre Unabhängigkeit gekämpft. Es bricht mir das Herz, zu sehen, dass sie jetzt wieder Hilfe braucht.


Elisabet lebt zusammen mit ihrem Mann und ihrem zwölfjährigen Sohn in einem Apartment in Madrid. In ihrem Heimatland befinden sich Familie und Freunde. Sie nimmt an den ASP-Frauentreffen teil und wird dort sehr geschätzt. Bei Elisabet und ihrem Mann wurde Covid-19 diagnostiziert und sie wurden ins Krankenhaus eingewiesen. Elisabet erzählte uns mit Tränen in den Augen, wie sie vom Krankenhausbett aus ihrem Sohn eine Nachricht schrieb: „Mein Schatz, Papa und ich sind im Krankenhaus. Alles ist gut, aber falls uns etwas passiert, musst du wissen: Dein Pass, deine Gesundheitskarte, das Familienbuch und andere Dokumente sind in einem blauen Umschlag in der zweiten Schublade von meinem Nachttisch. Nimm sie und geh zur Polizei, sie werden dir helfen.“ Zum Glück haben sie sich erholt, sind wieder zu Hause und suchen jetzt nach Arbeit. Aber es war sehr hart für sie als Mutter, darüber nachzudenken, was mit ihrem Sohn passieren würde, falls sie nicht mehr da sein sollte und schmerzhaft, diese Nachricht zu schreiben.


Sonntag, 31. Mai 2020

Komm herab - o Heiliger Geist und erneuere uns!

Komm herab - o Heiliger Geist!
Komm herab, o Heiliger Geist - komm ganz neu in deine Kirche,
- erneuere uns und deine Welt und gib dich ihr zu erkennen;
- führe uns aus der Dunkelheit zum Licht;
- inspiriere unser Denken und Fühlen;
- mache unser Inneres hell.

Komm - Heiliger Geist, der du die liebst, die in Not sind,
- tröste unsere Glaubensgeschwister, die im Krieg leben wie in Syrien;
- stehe denen bei, die in der Coronakrise besonders betroffen sind wie in Brasilien und Russland;
- beschütze unsere Glaubensgeschwister, die sich in evangelischen Seniorenheimen weltweit um Alte und Betagte kümmern, dass sie nicht vereinsamen.

Komm - Heiliger Geist, der du gute Gaben auch in Notzeiten gibst,
- schenke den Ärzten, Pflegern und Forschern Weisheit und Energie;
- erfülle die Herzen der Politiker und der Verantwortlichen im Krisenmanagement Besonnenheit;
- berühre unser aller Herzen mit Sanftmut und nicht mit Wut.

Komm - Heiliger Geist, der du jedes Herz erhellst,
- lass die Corona-Pandemie abschwellen;
- lass uns nie vergessen, dass das Leben ein Geschenk ist;
- lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Du allein bist ewig. Wir vertrauen Dir. Amen.

Samstag, 30. Mai 2020

Die Corona-Pandemie ist für Länder wie die Ukraine eine zusätzlich Katastrophe

Kristina Bado aus dem Bischofsbüro der Reformierten Kirche in der Ukraine in Berehowe/Beregszász schreibt uns:

"Die Covid-19-Pandemie bereitet uns weltweit viele Probleme. In der Ukraine ist sie komplizierter als in anderen Ländern, denn die Gesundheitsversorgung im Land ist schlecht. Es gibt keine Virologen oder Spezialisten, die die Bevölkerung über die Situation informieren könnten. Die Krankenhäuser waren und sind nicht bereit für eine solche Pandemie. Es gibt wenig Schutzkleidung, kaum Atemschutzmasken. Einige Krankenhäuser haben sogar geschlossen. Die Schulen, Einkaufszentren und Kindergärten sind geschlossen, und wir wissen nicht, wann sie geöffnet werden. Am 25. Mai waren ca. 21 500 Infizierte registriert, von denen 623 gestorben sind.

In unseren reformierten Kirchen können keine Gottesdienste abgehalten werden und es dürfen keine kirchlichen Veranstaltungen mit physischer Präsenz organisiert werden. Das ist schlimm. Pastoren und Gemeinden fragen uns täglich im Bischofsbüro, wann sie mit den Gottesdiensten wieder beginnen können. Derzeit ist es nicht absehbar. Die Mitglieder der Gemeinden vermissen die Gottesdienste und natürlich die gemeinsamen Versammlungen. Zu Hause zu bleiben verursacht viele andere Probleme bei den Menschen. Wir vermissen das Gemeindeleben auch wenn online-Angebote der Gemeinden gut sind. Sie ersetzen das nicht.

Beliebt bei unseren Leuten ist der drive-in Gottesdienst an jedem Sonntagnachmittag in der Stadt Beregszasz. Man kann sich wenigstens von Auto zu Auto grüßen und sich zuwinken. Auch den Pfarrer können wir sehen."

In Zeiten wie diesen sind die vom GAW geförderten Projekte der reformierten Kirche in Transkarpatien wichtige Hoffnungszeichen. Folgende Projekte will das GAW in diesem Jahr dort fördern:  https://gustav-adolf-werk.1kcloud.com/ep1Ezbrv/#184

Freitag, 29. Mai 2020

Ein deutsches Altersheim in Caracas - es funktioniert unter erschwerten Bedingungen

Im dt. Seniorenheim in Caracas
Pfarrer Arno Erdmann berichtet aus Caracas über die Auswirkungen der Coronakrise besonders auf das Seniorenheim der deutschen Gemeinde:

"Seit Mitte März sind wir in Quarantäne. Venezuela war eines der ersten lateinamerikanischen Ländern, das eine Ausgangssperre zu verordnete Anders als in den meisten anderen Ländern ist die Covid19-Epidemie hier aber nicht die Hauptkrise. In Venezuela leidet man vor allem unter der sehr prekären allgemeinen Versorgungslage. Es fehlen Medikamente und Lebensmittel für die Bevölkerung. Normale Wasser-, Strom oder Gasversorgung gibt es überhaupt nicht mehr. Immer wieder wurde gegen das Regime demonstriert. Aber mit der Ausgangssperre ist jegliche politische Aktivität im Keim erstickt. Seit 3 Monaten gibt es auch kein Benzin mehr, außer für regierungstreue Anhänger, Ärzte und Berufsgruppen mit besonderer Erlaubnis in einem der erdölreichsten Länder der Welt. Unter diesen Umständen erfordert es besonders viel an Kraft und Aufwand , um ein Seniorenheim gut und sicher zu führen und die Heimbewohner mit dem Notwendigen zu versorgen. Die Heimleitung und alle Mitarbeiter leisten zusammen mit dem Vorstand, einen schon beinahe “übermenschlichen” Einsatz, damit die Heimbewohner ein sauberes, Hygiene gesichertes und gemütliches Heim haben, in dem es ihnen an nichts mangelt. 
Trotz aller Widrigkeiten hat die Heimleitung durch viele Aktivitäten versucht, das Leben der Heimbewohner abwechslungsreich zu gestalten. ...
Damit die Heimbewohner an den Gottesdiensten der lutherischen Michaelsgemeinde in Caracas teilnehmen können, werden Fahrdienste organisiert. Das mag alles in Europa was ganz alltägliches sein, in Venezuela ist es ein besonderes Geschenk, weil es der Unsicherheit und den schwierigen Lebensumständen wegen, die Ausnahme ist. 
In Venezuela gehört unser Heim zu den bestgeführtesten, was uns auch immer wieder von den Behörden bestätigt wird.
Mehr als drei Monate nach Beginn der staatlich verordnen Quarentäne können wir dankbar sein, dass es im Heim keine Infektionsfälle der Covid19-Epidemie gegeben hat. Das liegt zum grössten Teil daran, dass die Leitung sehr schnell äußerst strikte Regeln eingeführt hat. So sind Ausgänge aus dem Heim nicht gestattet, Besuche von Freunden oder Angehörigen ebenfalls nicht."

Die deutschsprachige Michaelsgemeinde (https://www.caracas-evangelisch.de/unsere-kirchengemeinde/), die in den wirtschaftlichen Boomjahren des Landes an die 2.000 Gemeindemitglieder hatte, ist durch die gravierende wirtschaftliche Krise des Landes stark dezimiert. Ein Pfarrer aus Deutschland ist schon seit ein paar Jahren nicht mehr da. Sie versucht sich aber weiter zu engagieren. Durch die Coronakrise sind die Aktivitäten derzeit eingeschränkt. Im deutschen Seniorenheim arbeitet man mit, in der Ökumene, in der Humboldtschule , im deutsch-venezolanischen Hilfsverein, in der Zusammenarbeit mit den deutschen Institutionen im Land und in der Evangelischen Lutherischen Kirche in Venezuela.

Donnerstag, 28. Mai 2020

Leere Kirchenbänke in Dunaszerdahely in der Slowakei

Leere Kirchenbänke in Dunaszerdahely
Klaudia Takács war 2013/14 GAW-Stipendiatin in Leipzig. Inzwischen ist sie Pfarrerin der reformierten Kirche in der Slowakei in Dunajská Streda/ Dunaszerdahely, 50 Kilometer östlich von Bratislava gelegen. Sie berichtet über ihre Erfahrungen aus den letzten Monaten:

"In der reformierten christlichen Gemeinde in Dunaszerdahely ist normalerweise viel los. Die Stadt hat eine gute Lage: Sie liegt etwa in der Mitte zwischen der österreichischen und der ungarischen Staatsgrenze und mit der Mehrheit an ungarischen Einwohnern ist sie heute ein bedeutendes Zentrum in Oberungarn. Zu der Gemeinde gehören ein Krankenhaus, zwei Altenheime und mehrere Grund- und Mittelschulen, die in der Stadt betrieben werden, so dass das Gemeindeleben hier sehr vielfältig ist. 

Ref. Kirche in Dunaszerdahely

Aber ab Mitte März hat sich alles im Nu verändert: Zuerst das Krankenhaus und die Altenheime, dann die Schulen und auch die Kirchen mussten ihre Tore schließen, um die Verbreitung das Coronavirus aufzuhalten. Zuerst hat uns das sehr geschockt, denn das Gemeindeleben lief eben in diesen Bereichen. Dann aber blieben die Kirchenbänke leer … 

Doch das Leben in der Gemeinde machte dennoch keine Pause, denn die Menschen brauchen in einer solchen Situation noch mehr geistliche Hilfe. Darum haben wir nach Möglichkeiten gesucht und die Gottesdienste, den Religionsunterricht und die Kindergottesdienste online abgehalten. Die Gemeindeglieder, die keinen Internetzugang haben, haben die Predigten ausgedruckt in den Briefkasten bekommen; so blieben auch sie nicht ohne Wort Gottes. 

Pfarrerin Klaudia Takács
Die Seelsorge per Telefon war auch eine gute Lösung, so konnten wir zahlreiche gute Gespräche führen. Es stärkte sich die Solidarität untereinander. Aber nicht nur geistlich, sondern auch physisch konnten wir anderen helfen: Einige Frauen aus der Gemeinde haben Schutzmasken genäht, die wir mit der Stadtleitung unter Einwohnern über 64 Jahren ausgeteilt haben. 

Und die Diakonie hat auch in anderen Formen funktioniert, z. B. einkaufen für die ältere und kranke Gemeindemitglieder; einige haben für sie auch gekocht. In den ersten zwei bis drei Wochen fühlte man, dass die Menschen Angst hatten. Aber Gott sei Dank haben unsere strengen Beschränkungen in der Corona-Krise Früchte gebracht: Die Epidemie hat in unserer Umgebung nicht so viele Opfer gefordert und am 6. Mai 2020 erhielten wir die Nachricht, dass wir wieder Gottesdienste in der Kirche feiern können, aber nur mit einigen Vorgaben (z. B. räumliche Trennung zwischen Menschen über und unter 65 Jahren, zwei Meter Abstand beim Sitzen; jeder soll eine Maske tragen usw.). 

In den ersten zwei Wochen hatten wir das Gefühl, dass einige noch vorsichtig sind und lieber noch nicht in die Kirche kommen. Das wird jede Woche besser. Was diese Krise uns konkret gebracht hat und welche Folgen sie haben wird, wissen wir noch nicht. Aber wir wissen, dass Gott auch aus menschlich schweren Situationen die Beste herausholen kann, und so vertrauen wir im Blick auf unsere Zukunft auf Ihn: „Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend (Ps 84)."