Montag, 12. April 2021

Verstehen und helfen

Die Hilfsorganisation Perichoresis hilft den Geflüchteten in Griechenland

Paris Papageorgiu (r.),
mit dem GAW-Generalsekretär Enno Haaks
„Als 2015 die ersten Flüchtlingsströme nach Griechenland kamen und auf den Feldern von Idomeni campierten, sah ich diese Menschen. Ich war schockiert zu sehen, dass Menschen wie du und ich quasi zu ‚Nichts‘ geworden waren. Sie hatten alles verloren. Als die Grenzen nach Norden geschlossen wurden und die Flüchtlinge nicht mehr wegkonnten, haben wir begonnen, sie in unseren Häusern aufzunehmen“, berichtet Paris Papageorgiou, Mitglied im Vorstand von Perichoresis, einer von der evangelischen Gemeinde in Katerini gegründeten Nichtregierungsorganisation (NGO).
Wenn Paris Papageorgiu ‚wir‘ sagt, meint er nicht nur seine Kirchengemeinde, sondern auch sich selbst. Mehreren Frauen mit ihren Kindern, insgesamt neun Personen bot seine Familie Schutz. Als einem Nachkommen der sogenannten Pontosgriechen, ging ihm das Schicksal der Flüchtlinge auch aufgrund seiner Familiengeschichte sehr nahe.

Die von vertriebenen und geflüchteten Pontosgriechen
errichtete evangelische Kirche in Katerini
„Nach dem griechisch-türkischen Krieg 1922 wurden unsere Leute vom Schwarzmeer gewaltsam vertrieben“, erläutert Paris Papageorgiou. Nea Trapezounta – Neutrabzon heißt der Ortsteil der Stadt Katerini, in dem er wohnt. Der Name erinnert an die verlorengegangene Heimat. Griechenland, das im Jahr 1923 eine Bevölkerung von nur etwa 5,5 Millionen hatte, sah sich mit einem Flüchtlingsstrom von rund 1,5 Millionen Menschen konfrontiert. Die Deportierten und Geflüchteten lebten in provisorischen Zeltlagern am Rande der Städte. Daraus erwuchsen Siedlungen, deren Namen auch heute noch an die frühere Heimat erinnern, oft erkennbar an dem Namensteil Nea: neu. Und wie das Schicksal so will, spielte im Jahr 1923 Syrien für viele griechischen Familien eine rettende Rolle. Paris Papageorgieu erzählt: „Viele kamen ums Leben, als sie Richtung Syrien geflohen sind. Etliche haben acht Monate bis anderthalb Jahre in Syrien Zuflucht erhalten und wurden dort versorgt, bis sie nach Griechenland ausreisen konnten und bei Katerini eine neue Heimat fanden.“ Heute nun sind Menschen aus Syrien auf der Flucht. Die Gastfreundschaft, die seine Vorfahren in Syrien erlebt hatten, motivierte Paris Papageorgiu während des Flüchtlingselends 2015 in Idomeni. „Wir sagten unseren syrischen Gästen, dass wir auf diese Weise das zurückgeben können, was wir damals empfangen haben.“
Bald wurde aber allen Beteiligten klar, dass es mehr und vor allem professionelle Unterstützung brauchte. Das war der Anfang der Hilfsorganisation Perichoresis.

Alexandra Nikolara
Foto: Thomas Einberger
Die Leiterin von Perichoresis heißt Alexandra Nikolara. Während der griechische Staat die Unterbringung und Versorgung inzwischen übernommen hat, kümmert sich Perichoresis um rechtliche Beratung, sozialen und psychologischen Begleitung sowie Sprachkurse von rund 600 geflüchteten und versucht, bei der Arbeitssuche zu helfen. „Wichtig sind Freizeitangebote und schulische Hilfe für Flüchtlingskinder. Das fordert uns alle sehr heraus“, sagt Alexandra Nikolara.
Seit den ersten humanitären Einsätzen der Freiwilligen in Idomeni vor sechs Jahren hat das GAW die Flüchtlingsarbeit der Griechisch-Evangelischen Kirche regelmäßig unterstützt, für Lebensmittelhilfen gespendet, beim Ausbau von Flüchtlingswohnungen geholfen etc. In diesem Jahr unterstützt die Konfirmandengabe des GAW die so notwendige Arbeit von Perichoresis. Die Menschen – besonders die Kinder – sollen nicht verloren gehen.

„Unser Anliegen ist es, die geflüchteten Menschen zu verstehen: ihren Status, ihre Nationalität, ihre Kultur, ihre Religion, ihre Erfahrungen. Nur wenn wir die Menschen verstehen, können wir ihnen helfen, hier in Europa Fuß zu fassen.“ (Alexandra Nikolara)


Samstag, 10. April 2021

Erster "Frauentalk weltweit" zu Syrien

Gleich der erste "Frauentalk weltweit" der GAW-Frauenarbeit war mit 35 Teilnehmerinnen sehr gut besucht. Zu Gast war Mary Khalaf aus der Evangelischen Kirche in Syrien. Seit 2014 lebt sie in Gummersbach im Rheinland. Dort arbeitet sie – wie vorher in Damaskus – als Ärztin für Psychiatrie.

Doch das hätte auch anders kommen können: "Gern hätte ich Theologie studiert, wenn es damals schon möglich gewesen wäre, in unserer Kirche Pfarrerin zu werden. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir heute in unserer Kirche schon vier Pfarrerinnen haben. Dafür bin ich Psychiaterin geworden, weil ich mich auf diese Weise um die Seele von Menschen kümmern kann."

Mary Khalaf erzählt, dass sie in Deutschland oft gefragt werde, warum sie Christin ist und ob sie etwa in Deutschland konvertiert sei. Viele wüssten gar nicht, dass es auch in Syrien Christen gebe und sogar evangelische Christen. "Bei uns in Syrien gibt es schon viel länger Christen als in Europa", erzählt sie dann. Besonders stolz ist sie, dass sie aus der Stadt kommt, in der Paulus bekehrt wurde. In Damaskus wohnte sie in der Geraden Straße. Dort steht das Wohnhaus von Hananias, der Christ, der Paulus nach seiner Bekehrung getauft hat.

Geflohen ist Mary Khalaf im Jahr 2014, erzählt sie: "In den ersten Kriegsjahren hat man in Damaskus lediglich die Bomben gehört, die außerhalb der Stadt fielen. Wir wussten nie, von wem sie kamen und wer gegen wen kämpfte. 2013 kam der Krieg schließlich nach Damaskus. Ich hatte zwei kleine Kinder, der Strom fiel irgendwann komplett aus. Schließlich fiel eine Rakete auf unser Nachbarhaus und die Splitter kamen auch in unsere Wohnung. Da wollte ich nur noch weg." Ihr Bruder studierte damals in Deutschland. Über eine sehr engagierte Frau und ihre Kirchgemeinde gelang es ihm, Mary und ihre Familie mit Hilfe einer Bürgschaft auf sicherem Wege nach Deutschland zu holen.

die Gerade Straße in Damaskus im Jahr 2010
Mary Khalaf hatte sich Anfang der 2000er Jahre für Menschen engagiert, die vor dem Irakkrieg fliehen mussten. Da konnte sie noch nicht ahnen, dass sie einmal selbst gezwungen sein würde, zu fliehen. Heute sagt sie: „Das Wort Asyl hat für mich im Deutschen einen negativen Klang. Ich bevorzuge die Worte Hilfe- oder Schutzsuchende.“

Heute werde in Damaskus zwar nicht mehr gekämpft. „Aber es sind immer noch überall Waffen vorhanden. Das macht Unsicherheit und Angst.“ Außerdem ist die wirtschaftliche Lage in Syrien katastrophal. Es gibt eine enorme Inflation. Die Menschen verdienen umgerechnet nur noch wenige Dollar im Monat. Deshalb sind sie auf Hilfe von außen angewiesen.

Trotzdem hat Mary Khalaf Hoffnung: Sie zeigt Bilder aus ihrer Heimatgemeinde mit vielen Kindern im Gottesdienst. Wenn sie die Bilder sieht, ist sie sich sicher, dass die Kirche trotz des Krieges eine Zukunft hat.

Donnerstag, 8. April 2021

Bulgarien: Glaubenskurse für Roma

Die Glaubenskurse für Roma-Männer in der evangelischen
Gemeinde Parmovay sind gefragt.
„Als meine Frau und ich vor 20 Jahren nach Parvomay kamen“, erzählt Pastor Delcho Atanasov, „gab es keine Roma in unserer Gemeinde. Heute gehört die Hälfte der Gemeindemitglieder der ethnischen Minderheit der Roma an.“ Viele Bulgaren interessieren sich nicht für den Glauben an Gott und die Kirche, so Atanasovs Erfahrung, wohingegen christliche Roma stolz auf ihren Glauben sind.

Die evangelische Gemeinde in Parvomay hat deshalb Glaubenskurse speziell für Roma ins Leben gerufen, die die Menschen dort abholen, wo sie sind. „Die Situation der Roma ist in mancher Hinsicht speziell“, sagt Atanasov, „viele Roma können nicht oder kaum lesen und schreiben. Und in der Gemeinschaft der Roma herrscht noch immer eine patriarchalische Struktur vor.“ Gerade letzteres hat die Gemeinde in Parmovay bewogen, im Rahmen ihrer Glaubenskurse auch besondere Angebote für Roma-Männer zu machen. Atanasov: „Ein frommer und kluger Mann ist ein Segen für seine Kinder, seine Frau, für die Kirche und für unsere ganze Gesellschaft.“

Zwei Module des Kurses finden als Familiencamp mit
den Ehefrauen und den Kindern statt.
Zwei Jahre dauert so ein Glaubenskurs für Roma-Männer und besteht aus drei Modulen: „Ich, Christus und andere“, „Füreinander“ und „Für mich und mein Zuhause“. Das erste Modul absolvieren die Männer in kleinen Gruppen in einem Schulungszentrum getrennt von ihren Familien. Die beiden anderen Module finden in Form von Familiencamps mit den Ehepartnern statt. Zwei Gruppen haben diesen Glaubenskurs seit 2016 bereits absolviert. Eine dritte Gruppe hat im November 2019 begonnen.

Die Glaubenskurse der Gemeinde in Parvomay stoßen auf großes Interesse, sodass der dritte Kurs an bereits zwei Orten nahe Parvomay gehalten wird: in den Dörfern Lenovo und Gradets. „In Gradets müssen wir das Gemeindehaus renovieren, um auch perspektivisch dort arbeiten zu können“, so Atanasov. Übernachtungsmöglichkeiten und Seminarräume sollen geschaffen werden. „Eine Investition in die Zukunft“, ist Delcho Atanasov überzeugt, denn Gradets liegt in einer Region, in der ausschließlich Roma leben.

Da Roma die ärmste Bevölkerungsgruppe in Bulgarien sind, können die Teilnehmer sich im Moment kaum oder gar nicht finanziell an den Schulungen beteiligen. Atanasov: „Im Moment sind wir auf die Hilfe ausländischer Partner angewiesen.“

Das GAW unterstützt die Renovierung des Gemeindehauses Gradets, damit die evangelischen Gemeinden in und um Parvomay weiter wachsen können.

Mittwoch, 7. April 2021

Konfirmation woanders: Chile

Im Konfirmandenunterricht kann ich mit Gleichaltrigen über Gott sprechen

Mein Name ist Carolina und ich lebe in Santiago de Chile. Ich liebe den Konfirmandenunterricht, weil ich dort mit Gleichaltrigen über Gott sprechen kann. Auch wenn wir wegen der Pandemie Abstand halten müssen und manchmal keine Präsenzveranstaltungen machen können, haben wir es bisher geschafft, uns nah zu sein. Manche Veranstaltungen machen wir über Zoom.

Ein Höhepunkt unserer Konfizeit war das Zelten im Pfarrgarten. Wir haben die Taufe einer Freundin vorbereitet und über unsere Erlebnisse mit Gott gesprochen. Gott ist ein Licht in der Dunkelheit. Gott gibt unserem Leben einen Sinn. Er schenkt uns allen so viel Liebe und Fröhlichkeit. Dafür bin ich dankbar.
Carolina aus Santiago de Chile

P.S.: Zur Coronalage in Chile: Das Land gilt als Vorreiterland in der Impfkampagne. Mehr als fünf Millionen Menschen haben bereits mindestens eine Impfdosis erhalten. Geimpft wird nach einem recht einfachen Priorisierungsplan ohne komplizierte Terminvergabe. Dennoch häufen sich derzeit die Corona-Infektionen. Chile befindet sich wieder in einem harten Lockdown. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gibt es in dem 19-Millionen-Einwohner-Land aktuell etwa 48.000 aktive Fälle – mehr als jemals zuvor. Insgesamt haben sich in Chile etwa eine Million Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Knapp 25.000 Menschen starben im Zusammenhang mit Covid-19. Die 7-Tages-Inzidenz liegt bei 253.
Die hohe Zahl an Neuinfektionen könnte mit den verwendeten Impfstoffen zusammenhängen. 60% der Impfdosen kommen aus China, 20% von Biontec/Pfizer und 20% von Astrazeneca. Der chinesische Impfstoff verhindert zwar schwere Verläufe, allerdings liegt der Schutz gegen eine Ansteckung nach einer brasilianischen Studie nur bei etwas über 50 Prozent. Zudem scheinen der Erfolg und die Schnelligkeit beim Impfen die Menschen sorgloser zu machen.

Freitag, 2. April 2021

Leben wir in einer Karsamstagszeit...?

Tod und Auferstehung - wie die Karwoche
unsere Hoffnung erneuern kann
"Es muss doch irgendwann möglich sein, Ostern mal wieder anders zu feiern!" schreibt Pfarrer Harald Malschitzky aus Brasilien. "Aber: Unsere Lage ist sehr böse: In den letzten 24 Stunden hatten wir 3.965 Tote! Unser Lockdown funktioniert nicht. Nun haben besonders Ärzte, Krankenpfleger und -pflegerinnen schon Angst vor den Konsequenzen der Karwoche. Abertausende fahren einfach los an den Strand. Zwei Wochen später kommt dann die Bescherung. -
Einer unserer Pastoren liegt noch im Krankenhaus und ringt ums Leben. In der letzten Nacht ist der Direktor unserer Schule in Sapiranga in der Nähe von Novo Hamburgo im Alter von 54 Jahren an Covid gestorben. Das ist schlimm und trifft uns sehr. Viele von uns kannten ihn gut."

Und Harald Malschitzky endet: "Wie nötig haben wir in dieser Zeit die Osterbotschaft..." - Ja - gerade in dieser bösen Zeit will uns die Osterbotschaft Kraft geben, Geduld zu behalten und das, was wir nicht verstehen, aushalten helfen. Es ist nicht abzusehen, wie lange wir mit allen Einschränkungen zu leben haben und wieviel Leid wir noch erleben werden.

Vielleicht leben wir in einer Karsamstagszeit… Das Leben ist eingeschränkt, macht müde und manchmal auch wütend. Nicht alles geht. 

Leben wir in einer Zeit des Todes Gottes? Karfreitag liegt hinter uns, Ostern vor uns. Aber Ostern kommt mit der Botschaft: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, noch Gewalten! Ja - es muss doch mal möglich sein, dass wir Ostern wieder aus vollem herzen feiern können!

Freitag, 26. März 2021

Von der Gnade, helfen zu können

Bei einem Online-Gespräch des Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrums der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) berichtete der maronitisch-katholische Priester Jihad Nofal Nassif aus Homs in Syrien über die verzweifelte Lage vieler Menschen und wie er versucht, zu helfen.

Seit seinem Studium in Deutschland spricht Pater Jihad perfekt Deutsch. Doch weggehen möchte er nicht. „Ich bin freiwillig in Syrien geblieben, um ein Hoffnungszeichen zu setzen – genau wie viele andere Brüder verschiedener Konfessionen. Für die Menschen hier spielt die Konfession keine große Rolle. Sie wissen, dass sie in der Kirche in ihrer Nähe Hilfe bekommen, egal ob sie zur jeweiligen Gemeinde gehören oder nicht. Mein Pfarrhaus steht Hilfsbedürftigen immer offen.“

Die Situation in Syrien sei „unerträglich“ für die Menschen, sagt Pater Jihad. Ein Großteil der Menschen verdient nur um die 20 Dollar im Monat. Das reiche gerade einmal für 2 bis 3 Tage. Danach müssen sie um Hilfe bitten. Andere bekommen Geld-Überweisungen von Verwandten im Ausland. Pater Jihad sagt: „Früher habe ich auf die Auswanderer geschimpft, weil sie ihre Mitchristen im Stich lassen. Inzwischen bin ich dankbar, dass es sie gibt.“ Für größere Anschaffungen fehlt den Menschen im Moment das Geld. Wenn der Kühlschrank kaputt ist, bleibt er so. Die Gründe für diese Lage sind die Sanktionen gegen das syrische Regime, die Kriegsschäden und die extreme Inflation. Wenn man am Vormittag sein Geld bekomme, müsse man es sofort ausgeben, am Nachmittag habe es schon einen Teil seines Wertes verloren, erzählt Pater Jihad.

Unterstützung bekommt der Priester aus der EKM, besonders aus der Gemeinde in Rüdersdorf. Mit dem Geld hat er ein kleines Hilfsprojekt aufgebaut. Er hilft monatlich 60 Familien dabei, über die Runden zu kommen, alleinstehenden alten Menschen mit einer kleinen Rente, Krebskranken, Familien, in denen der Vater im Krieg umgekommen ist – Christen und Muslimen. „Für mich ist es die größte Gnade im Leben, dass ich helfen darf!“, sagt Pater Jihad. „Ich sage den Christen hier immer, dass sie ausharren müssen. Wenn sie verschwinden, verschwindet auch die christliche Nächstenliebe. Wir müssen auch an die Stelle derer treten, die gegangen sind.“

Mittwoch, 24. März 2021

Konfirmation woanders: Rumänien

 Mein persönliches Bekenntnis zu Gott und zu meiner Gemeinde

Ich habe mich 2017 konfirmieren lassen. Konfirmation ist kein Zwang. Konfirmation ist ein persönliches Glaubensbekenntnis. So empfinde ich das auch heute noch: Meine Konfirmation ist mein persönliches Bekenntnis zu Gott und zu meiner Gemeinde.
In meiner Gemeinde finde ich Inspiration und Frieden für meine Seele. Ich nehme gerne an den Veranstaltungen teil, wo ich andere Leute aus der Gemeinde treffen kann. Das ist für mich etwas sehr Wertvolles.

 
Evelin Varga aus der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Oradea (Rumänien)

Dienstag, 23. März 2021

In Paraguay verschlechtert sich die Coronalage zusehends

Evangelische Kirche in Raul Peña / Paraguay
Seit über einem Jahr sind unsere GAW-Partnerkirchen weltweit von den Herausforderungen der Corona-Pandemie betroffen. Immer wieder bekommen wir Nachrichten über die Situation vor Ort.

Gestern erreicht uns  eine Nachricht aus Paraguay:

"Die Coronalage in Paraguay hat sich sehr verschlechtert. Es gibt Demonstrationen gegen eine Regierung, die nichts macht. Die Lage verschlechtert sich zusehends. Einer unserer Pfarrern liegt in Asunción auf der Intensivstation. Ihn hat es schwer getroffen. Die Schulen haben dennoch geöffnet. Wir wissen nicht, für wie lange. In dieser Situation sind die Gemeinden sehr mit dem Bewältigen der aktuellen Krise beschäftigt. GAW-Projekte in diesen Zeiten umzusetzen ist an manchen Orten sehr schwer. Die Ressourcen werden für Coronamaßnahmen benötigt - gerade dort, wo Gemeinden Kindergärten und Schulen haben. Es geht um Sanitärmitteln, ständige Reinigung, neue Einzelbänke für die Klassenräume, usw. - Wir denken an euch und beten für euch! Bitte tut es auch für uns und vergesst uns nicht!"

Die 7-Tagesinzidenz liegt am 23. März 2021 bei 206. 3.770 Menschen sind im Land an Corona gestorben bei einer Bevölkerung von 7,1 Millionen Menschen.

Das GAW fördert in dieser Situation die Gemeinden, die wegen der Coronakrise Hilfe brauchen:

Montag, 22. März 2021

Syrien: „Die Arbeit des GAW zaubert ein Lächeln auf die Gesichter unserer Kinder“


1.300 Schülerinnen und Schüler lernen derzeit an den sechs Schulen der armenisch-evangelischen Gemeinden in Syrien. „1.300 syrische Kinder und Jugendliche“, so Pfarrer Haroutune Selimian aus Aleppo, „denen die Arbeit des GAW ein Lächeln auf ihre Gesichter zaubert, die durch die Arbeit des GAW ein Stück Normalität erleben und auf eine bessere Zukunft hoffen dürfen.“ Mit seiner Konfirmandengabe hat das GAW in den vergangenen Jahren immer wieder evangelische Schulen in Syrien unterstützt, u.a. die armenisch-evangelischen Schulen in Aleppo, Damaskus und Kessab.
„Jedes Kind in Syrien hat in den zurückliegenden zehn Jahren erfahren müssen, was Krieg bedeutet“, beschreibt Haroutune Selimian die Situation, „Gewalt, Flucht, Vertreibung, Tod, zerrissene Familien, ein Mangel an lebensnotwendigen Dingen wie Wasser und Lebensmitteln. Viele Kinder sind traumatisiert.“ Heute sind die Waffen in Syrien weitgehend verstummt. Doch wegen Sanktionen und der Pandemie sind die Not und Armut nicht kleiner geworden. „Noch immer leiden die meisten unserer Kinder an Hunger und Mangelernährung“, so Pfarrer Selimian.

Auf der naturwissenschaftlichen Messe 2019
konnten die Kinder ihre Arbeiten
und Forschung in der Bethelkirche
in Aleppo auch den Erwachsenen präsentieren.
Die evangelischen Schulen versuchen, syrischen Kindern den Weg in eine bessere Zukunft zu ebnen. Neben dem klassischen Unterricht gibt es kulturelle Aktivitäten und Austausch zwischen den Schulen: Spracholympiaden, Zeichen- und Dramawettbewerbe, Bücherausstellungen. „In Aleppo veranstalten die armenisch-evangelischen Schulen jedes Jahr eine naturwissenschaftliche Messe, auf der die Schülerinnen und Schüler vorstellen, woran sie im Unterricht gerade arbeiten, was sie erforschen und herausfinden“, erzählt Pfarrer Haroutune Selimian.
All das stärkt das Vertrauen der Kinder in sich selbst und hilft ihnen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Selimian: „Das brauchen sie dringend, um für sich und ihr Land eine bessere Zukunft bauen zu können.“
 

Danke an alle Konfirmandeninnen und Konfirmanden, die in den vergangenen Jahren mit ihrer Konfirmandengabe an das GAW dazu beigetragen haben, dass syrische Kinder und Jugendliche zur Schule gehen können!

Samstag, 20. März 2021

Konfirmation woanders: Spanien

Pedro Castillo mit Pfarrer Ruben Bernal

Ich habe evangelische Kirche gegoogelt

Ich bin Pedro Castillo und lebe in Spanien. Ich komme aus einer römisch-katholischen Familie und bin römisch-katholisch erzogen worden. Schon sehr früh habe ich mich für die Geschichten über das Leben Jesu im Neuen Testament interessiert. Und später habe ich viel gegoogelt, um etwas über evangelische Kirchen zu erfahren. Mir hat es gefallen, das evangelische Christen allein auf Gottes Gnade und allein auf den Glauben bauen, der uns durch die Bibel geschenkt wird. Ich habe mich deshalb konfirmieren lassen und gehöre nun zur Gemeinde Malaga der Spanischen Evangelischen Kirche.

Mittwoch, 17. März 2021

Litauen: „Wir haben bei Null angefangen“

Pfarrer Mindaugas Kairys und die kleinen Wunder

Mindaugas Kairys haben wir im GAW kennengelernt, als er 2000/01 ein Jahr lang mit einem GAW-Stipendium in Leipzig Theologie studierte. Kairys gehört zu der neuen Generation Pfarrer in Litauen, die nach der politischen Wende begannen, Theologie zu studieren.
„Wir jungen Pfarrer mussten nach der Wende sehr schnell ran“, erzählt Mindaugas Kairys. Ihnen wurde sofort Verantwortung für die Gemeinden übertragen, denn kurz nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit des Landes gab es in Litauen nur noch zwei, drei lutherische Pfarrer überhaupt. In ihren Gemeinden standen die jungen Pfarrer dann vor Kirchen mit undichten oder eingestürzten Dächern, fehlenden Altären, Orgeln und Bänken. Während des Sozialismus hatten die meisten Gemeinden ihre Kirchen nicht nutzen können, weil sie zweckentfremdet waren und z.B. als Getreidespeicher dienten.
Auch Diakonie existierte nicht. „Wir haben bei Null angefangen“, so Kairys. Was aus daraus inzwischen entstanden ist, ist ein Wunder – eigentlich sind es sogar viele Wunder.

Mindaugas Kairys ist ein Mensch, der die Begabung hat, sowohl die Not als auch die Lösungsansätze zu sehen, und sich mit unglaublicher Tatkraft dafür einsetzt. Er sucht und findet Sponsoren, Fördergelder, Spenden. Die Aufgaben des Diakoniepfarrers des lutherischen Diakoniewerks „Sandora“ führt er - wohlgemerkt - neben seiner Arbeit als Gemeindepfarrer in Jurbarkas, Smalininkai, Skirsnemunę und Vilkyškiai aus.

Mindaugas Kairys mit Kindern aus dem Kinderzentrum in Smalininkai,
das 2019 mit dem GAW-Kindergabe unterstützt wurde
Die Liste der diakonischen Projekte, die der 42-Jährige angeschoben hat, ist lang: verschiedene Diakoniezentren, die mit sogenannten Euro-Waisen arbeiten, das Drogenrehabilitationszentrum Gabrielius in Vyžiai, das Drogenrehabilitationsprojekt in Garliava bei Kaunas, verbunden mit einem Gemeindezentrum, ein Familienzentrum in Smalininkai, ein Familienkrisenzentrum in Jurbarkas … Die Projekte sind meist an eine Gemeinde gebunden, denn für Kairys gehören Diakonie und Gemeindeleben untrennbar zusammen: „Wer diakonisch tätig ist und dem Nächsten hilft, der übernimmt die wichtigste Aufgabe in unserer Kirche“, betonte er bei der Einweihung des Zentrums in Garliava.
Das gilt genauso für seine Gemeinde in Jurbarkas. Erst hat er die Fertigstellung der neuen lutherischen Kirche in Jurbarkas gestemmt. Der kurz nach der Wende begonnene Neubau drohte als eine Bauruine zu enden, bevor Mindaugas Kairys dort das Pfarramt übernahm. Heute ist die Kirche ein einladender Ort, mit gut besuchten Gottesdiensten und Konzerten. Und weil Gemeindeleben und Diakonie eben zusammengehören, entstand neben der Kirche das Familienkrisenzentrum.

Pfarrer Mindaugas Kairys schafft es immer wieder, andere mit seiner eigenen Begeisterung anzustecken und zur Mitarbeit zu motivieren. Bei seiner Arbeit kann er regelmäßig auf die Hilfe des GAW bauen – auch in diesem Jahr. Mit der Konfirmandengabe 2021 unterstützt das GAW den Ausbau des Familienkrisenzentrums in Jurbarkas. Für Kinder, die dort leben, soll ein Raum für Spiel und Sport entstehen.


Dienstag, 16. März 2021

Zehn Jahre Krieg - Syrien braucht Versöhnung!

Vor 10 Jahren, im März 2011, fingen Menschen in Syrien an, friedlich gegen die Regierung Assad zu demonstrieren. Aus dem Aufstand wurde innerhalb weniger Wochen eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Oppositionsgruppen und Regierung. Nicht lange Zeit später griffen ausländische Mächte in den Bürgerkrieg ein und machten diesen zu einem internationalen Stellvertreterkrieg. Ganze Städte wie Aleppo und Homs wurden in den schlimmsten Kriegsjahren 2012 bis 2014 zerbombt

Und jetzt, 10 Jahre später? Die Bilanz des Krieges ist verheerend: 400.000 bis 500.000 Menschen starben, zwei Drittel der gesamten Bevölkerung musste fliehen, die Hälfte von ihnen außer Landes. In vielen Nachbarländern Syriens leben die geflüchteten Menschen in Armut und ohne Rechte auf Bildung oder Zugang zum Arbeitsmarkt.

Heute schweigen die Waffen zwar im größten Teils Syriens. Das Assad-Regime hat gesiegt. Doch nach dem Krieg kommt die Armut, so war es immer in der Menschheitsgeschichte. Viele Menschen leiden Hunger und überleben nur dank humanitärer Hilfe. Das Land ist zerstört und muss langsam wiederaufgebaut werden. 70 % der Kraftwerke sind nicht mehr in Betrieb, ein Drittel der Schulen wurde nach Angaben des Kinderhilfswerks UNICEF zerstört. Zwei Drittel des Gesundheitspersonals ist während des Kriegs geflohen, viele Krankenhäuser wurden bombardiert. 

Die evangelisch-armenische Gemeinde in Aleppo baute im Krieg eine Poliklinik auf, um die Verwundeten zu behandeln und medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten.


Das Jahresprojekt der GAW-Frauenarbeit möchte helfen, älteren Menschen kostenlose Untersuchungen und Behandlungen in der Poliklinik zu ermöglichen. Helfen Sie mit! Spendenkonto: IBAN DE42 3506 0190 0000 4499 11, Kennwort: Jahresprojekt 2021 der Frauenarbeit

Seit acht Jahren hat das GAW zahlreiche Gemeinde- und Nothilfeprojekte in Syrien unterstützt!