Donnerstag, 20. Januar 2022

Wir werden in Geiselhaft genommen...

Evangelisches Bethaus in Sibirien
Der riesige Truppenaufmarsch Russlands nahe der Grenze zur Ukraine, die Manöver der russischen Armee in Belarus, die zugespitzte Rhetorik - all das hat große Besorgnis weltweit ausgelöst.

Wird es gelingen, im Dialog zu bleiben? Wie kann diese Lage entschärft werden?

Auch aus Russland selbst hören wir von unseren Partnern, dass sie sich große Sorgen machen. Sie selbst erleben, wie sich die Lage verschärft und haben
 als russische Bürger das Empfinden, quasi in Geiselhaft genommen zu sein von einer unberechenbaren Politik. Schon in der Coronazeit haben sie sich eingesperrt gefühlt. Und sie sagen: "Wir beten und hoffen, dass bald irgendwelche Zeichen der Hoffnung in der politischen Agenda erscheinen."

Und dazu erreicht uns dieses Gebet:

Großer Gott - Du weißt, wie klein unsere Kräfte sind,
um dem Machtmissbrauch, der Korruption und der Gewalt standzuhalten.
Stärke Du uns mit deiner unwiderstehlichen Kraft,
damit wir deinen Willen tun und dein Licht der Wahrheit hier auf Erden leuchte.
Mache uns zu Werkzeugen Deiner Gerechtigkeit
und rüste uns mit allem Notwendigen für Deinen Dienst an unseren Mitmenschen aus.
Stärke vor allem unseren Glauben,
belebe unsere Hoffnung
und lehre uns zu lieben.
Bewahre uns vor der Willkür der Mächtigen dieser Welt
und bringe sie zur Erkenntnis ihrer Grenzen.
Segne uns mit deinem Frieden,
damit wir gemeinsam Hand in Hand
für eine freiere und gerechtere Gesellschaft Dir zur Ehre arbeiten!
Amen.

Dienstag, 18. Januar 2022

Glaubensfreiheit ist Herzstück der Menschenrechte

Kinder in Aleppo, Syrien
"Christliche Kirchen sind gut beraten, nicht nur die Religionsfreiheit, sondern die Freiheitsrechte insgesamt aktiv zu verteidigen", sagt Sozialwissenschaftler Theodor Rathgeber, der am "Ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit" der deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland mitgearbeitet hat. Dem GAW als Diasporawerk ist es ein wichtiges Anliegen, dass Minderheiten zu ihrem Recht kommen. Das beschränkt sich aber nicht nur auf evangelische Kirchen. Wer sich für die Rechte einer Seite einsetzt, dem kann es nicht egal sein, wie es um die Rechte anderer Minderheiten steht.

4 von 5 Menschen weltweit bekennen sich zu einer Religion. Das sind 84 % aller Menschen. Das Recht, eine Religion zu haben, ist ein Menschenrecht. Schlimm ist es, dass dieses Recht in den letzten Jahren verstärkt beschränkt wird. Christen als weltweit größte Glaubensgemeinschaft betrifft es besonders, was nachvollziehbar ist. Allerdings: Es betrifft auch andere Religionen oder Weltanschauungen. Nach dem Bericht der Bundesregierung zur weltweiten Religionsfreiheit hatten 2018 Menschen in 56 Ländern mit schweren Einschränkungen oder Feindseligkeiten zu rechnen, wenn sie ihren Glauben ausübten. 2007 sollen es nur 40 Länder gewesen sein.

Die Frage nach der Bedeutung der Religion und des Glaubens ist in der globalisierten Welt ein sehr wichtiges Thema. Religion ist ein wichtiger Teil der eigenen Identität. Und Religionen können in einer polarisierten Welt friedensstiftend sein. Diese Kraft der Religionen zu nutzen - dafür hat die Bundesregierung einen Beauftragten für Religionsfreiheit eingesetzt.

Nur - Religionen können auch negativ benutzt werden, um Gewalt auszuüben und eigenen Interessen durchzusetzen. Der Begriff Verfolgung ist deshalb sehr sorgsam zu nutzen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) orientiert sich bei der Definition des Begriffs „Verfolgung“ an der Genfer Flüchtlingskonvention: Jemand wird verfolgt, wenn Gefahr an Leib und Leben besteht und er aufgrund einer bestimmten Zugehörigkeit, zum Beispiel zu einer Nation oder zu einer sozialen Gruppe, nicht auf den Schutz des Staates zählen kann. Deshalb: „Die Rede von Christenverfolgung sollte für Phänomene reserviert bleiben, die deutlich über das Erleiden von Verbalattacken oder bloßen Beleidigungen hinausgehen, so verletzend sie im Einzelfall sein können“, hält der „Ökumenische Bericht zur Religionsfreiheit 2017“ (S. 15) fest.

Insgesamt fehlen seriöse und offizielle Angaben über die Zahl der Menschen, die aufgrund ihres Glaubens oder Unglaubens verfolgt werden. Wenn Christen in ihrer Religionsausübung beschränkt sind oder keine Religionsfreiheit haben, geht es meist auch gesamtgesellschaftlich um die Verletzung anderer Menschenrechte, um die Verletzung von Bewegungsfreiheit, um die freie Meinungsäußerung und das Recht auf Bildung für Minderheiten.

Für das Diasporawerk der EKD, dem GAW ist es bleibende Verantwortung, Christen, die in einer besonderen Notsituation leben müssen, im Gebet und in der tätigen Hilfe solidarisch zur Seite zu stehen. Und es ist sehr wichtig, dass es bei der Bundesregierung einen Beauftragten für die weltweite Religionsfreiheit gibt, der ein differenziertes Gesamtbild darüber geben kann, wie es weltweit um das „Herz der Menschenrechte“ steht. 

Die evangelischen Kirchen in Deutschland lenken in diesem Jahr am Sonntag Reminiszere - Tag der bedrängten und verfolgten Christen - den Blick auf Belarus und die Menschen dort, die unter Verfolgung durch ein brutales diktatorisches Regime leiden.

Freitag, 14. Januar 2022

Glaube verpflichtet zu Handeln und Optimismus - Mediterranean Hope

Paolo Naso
Am 4. Oktober 2013 kenterte vor der Insel Lampedusa ein hoffnungslos überfülltes Boot mit mehr als 530 Flüchtlingen an Bord. 368 Menschen starben. Es war nicht das erste, nicht das einzige und nicht das letzte tragische Unglück im Mittelmeer vor Italiens Küsten. Mehr als 30.000 Menschen haben in den letzten zehn Jahren den Tod im Mittelmeer gefunden auf der verzweifelten Suche nach einer lebenswerten Zukunft. Aber der 4. Oktober 2013 hat ein Projekt in Gang gesetzt, das heute zu einem der wichtigsten Player in der internationalen Flüchtlingshilfe zählt: Mediterranean Hope, MH, das Flüchtlingsprogramm der Vereinigung der Evangelischen Kirchen in Italien, FCEI. Der erste Koordinator war Prof. Paolo Naso.



Das Gespräch führte Nicole Dominique Steiner für die Zeitschrift Insieme/Miteinander der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien.

Professor Naso, 368 Menschen sind im Oktober 2013 vor Lampedusa ertrunken, 158 konnten gerettet werden …

Paolo Naso: Das Unglück vor Lampedusa hat etwas in Gang gesetzt. Augenzeugen waren die Fischer der Insel. Sie haben hilflos mit ansehen müssen, wie hunderte von Menschen starben. Sie haben 158 Menschen aus den Fluten gezogen. Sie haben, wo möglich, die Toten geborgen. Innerhalb der FCEI ist die Idee zu einem Projekt geboren, das mehr sein will als nur erste Nothilfe: Aufnahme, konkrete Hilfestellungen für den Aufbau einer Existenz und vor allen Dingen auch das Verhindern solcher Unglücksfälle. Wenige Monate nach dem Unglück wurde Mediterranean Hope gegründet. Seit 2014 ist MH als einzige Hilfsorganisation konstant mit zwei Mitarbeitern und Freiwilligen auf der Insel präsent.

Ein wichtiger Anlaufpunkt auch für die Inselbewohner, aber MH hat es nicht dabei belassen.

Paolo Naso: Nein. Unsere Aktion „Humanitäre Korridore" zielt darauf, Menschen eine legale Einreise unter menschenwürdigen Bedingungen zu ermöglichen. Mehr als dreitausend Flüchtlinge sind so bereits nach Italien eingereist. Schon vor der Abreise mit einem gültigen humanitären Visum ausgestattet kommen sie mit dem Flugzeug nach Italien und finden sofort Aufnahme.

Ein Vorgehen, das im Vertrag von Schengen vorgesehen ist und das Beispiel gemacht hat.

Paolo Naso: Ja. Frankreich, Belgien und das Rheinland und Westfalen haben schon humanitäre Korridore eingerichtet.

Die Bevölkerung von Lampedusa steht hinter den Hilfsprojekten - ein in vieler Hinsicht positives Beispiel.

Paolo Naso: Lampedusa ist nicht nur letzte Hoffnung für verzweifelte Flüchtlinge, Lampedusa ist auch eine wunderschöne Insel im Mittelmeer, die dieses Jahr ein Plus von 75.000 Gästen verzeichnet hat. Das Leben der Insel geht weiter. Gemeinsam mit den Einwohnern arbeiten wir am Projekt „Memoria“. Ein wichtiger Aspekt für Hinterbliebene, die nicht einmal ein Grab zum Trauern haben. Das „Tor von Lampedusa – Tor zu Europa“ des Künstlers Mimmo Paladino ist ein Aufruf zur Erinnerung an die unzähligen namenlosen Toten. Ebenso wie das Projekt „Die Decke von Yussuf“. In Erinnerung an den nur sechs Monate alt gewordenen Yussuf und an alle anderen Toten werden kleine Deckchen gehäkelt für eine immer größer werdende Decke der Solidarität. Bewahrung der Erinnerung und Trauer, auch das ist eine Aufgabe für uns Kirchen.

Glaube verpflichtet zum Handeln. Auch zum politischen Handeln?

Paolo Naso: Ja und mehr noch: Er verpflichtet uns zum Optimismus. Wir können mit unserem Handeln etwas erreichen.

Kritiker sagen, einzelne Hilfsaktionen seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Paolo Naso: Als gläubiger Mensch ist für mich jede helfende Geste mehr als nur ein Tropfen … auch Jesus hat nur einzelne Personen geheilt. Die evangelischen Kirchen sind heute in Brüssel in ständigem Austausch mit den Regierungen Europas. Der einzige Weg, die illegale Einwanderungspraxis zu unterbrechen und dem Sterben ein Ende zu bereiten, ist die Eröffnung legaler Wege, sind die humanitären Korridore. Dafür stehen wir, das fordern wir. Wir dürfen nicht zulassen, dass Staaten Mauern errichten. Europa stirbt mit den Mauern.

MH ist längst nicht mehr nur auf Lampedusa aktiv…

Paolo Naso: In Scicli betreiben wir das „Haus der Kulturen“ für besonders gefährdete Kategorien von Flüchtlingen. Unbegleitete Minderjährige, alleinstehende Frauen, Familien. In Rosarno stehen wir den ausgebeuteten Landarbeitern zur Seite, die unter unmenschlichen Bedingungen und für einen Hungerlohn bis zu 20 Stunden am Tag arbeiten. Unser Projekt „Fair Trade“ unterstützt Unternehmen, die Arbeiter zu gerechten Bedingungen einstellen. Dutzende von Arbeitsplätzen konnten so geschaffen werden, pro Jahr werden 60 Tonnen „Etika“ Orangen verkauft.

Seit Beginn des Jahres 2021 ist MH auch in Bosnien aktiv, wo zigtausende Flüchtlinge der Balkanroute aus Afghanistan, Pakistan, Syrien gestrandet sind.

Paolo Naso: Wir haben im Februar zunächst zwei Mitarbeiter dorthin entsandt und ein geheiztes Zelt zur Verfügung gestellt. Vor allem aber geht es uns darum, auch in Bosnien humanitäre Korridore einzurichten, um den Menschen aus dieser verzweifelten Lage zu helfen. Wichtiger noch als die humanitäre Hilfe vor Ort ist die Forderung nach Schaffung bzw. Anwendung bereits bestehender und gerechterer Gesetze. Das Aufzeigen eines Weges. Der Aufruf zu Solidarität.

Wenn jeder Staat Europas oder wenigstens die 15 Schengen-Staaten ihr Kontingent an Flüchtlingen aufnehmen würden, dann wäre das Flüchtlingsdrama kein großes soziales Problem. Wir verstehen unsere Arbeit als politisches und evangelisches Zeugnis. Wir sind keine NGO, wir sind eine christliche Gemeinschaft, unsere Arbeit ist humanitäre Diakonie.

Mittwoch, 12. Januar 2022

Dank aus Stepanakert / Berg-Karabach für die Kirchenausstattung

Kirchenmobiliar für Stepanakert
"Nach dem Krieg hat die Evangelische Kirche Armeniens mit Hilfe und finanzieller Unterstützung des GAW in mehreren Schritten nicht nur die Renovierung des Kirchengebäudes in Stepanakert (Berg-Karabach/Artsakh) erfolgreich abgeschlossen, sondern auch alle notwendigen Einrichtungsgegenstände einschließlich der Kirchenmöbel bereitgestellt. Die Fertigstellung dauerte fast 4 Monate. Am 28. Dezember 2021 feierten wir dann in Stepanakert in Artsakh einen Gottesdienst zum Jahresende mit all den neuen Kirchenmöbeln. Es war ein sehr symbolträchtiger Gottesdienst. Mit dem Gottesdienst wird die Gemeinde ermutigt, dass Gott trotz aller Ungewissheit und der Nachkriegssituation treu ist und wir in diesen Tagen nur durch den Glauben standhaft bleiben können. Wir haben gemeinsam das Heilige Abendmahl gefeiert und für Frieden und Stabilität in der Region gebetet," schreibt Pfarrer Hovhannes
Hovsepyan von der Evangelischen Kirche Armeniens.

Der Krieg um Bergkarabach 2020 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen den Streitkräften Armeniens und denen der Republik Arzach auf der einen Seite und den Streitkräften Aserbaidschans auf der anderen Seite, die im Juli 2020 begann und vier Monate später mit einem Sieg Aserbaidschans endete. Sie ist Teil des Konflikts um die Region Bergkarabach, wo sich 1991 die Republik Artsakh für unabhängig erklärte und einen Krieg gegen Aserbaidschan 1994 mit armenischer Unterstützung gewann, international jedoch nicht anerkannt wurde. In dem Krieg wurde auch die Evangelische Kirche in Stepanakert stark beschädigt. Das Kirchenmobiliar wurde ebenso zerstört.

Derzeit ist die politische Lage in Armenien angespannt. Ca. 100.000 Menschen aus Bergkarabach sind geflohen. Sie fanden Unterkunft in Häusern der Regierung, in Hotels und privat bei Freunden und Verwandten. Dem relativ schnellen Handeln der Regierung und der enormen Solidarität unter den Armeniern ist es zu verdanken, dass sich die sozialen Folgen derzeit noch in Grenzen halten. Corona macht die Lage nicht einfacher. Und immer wieder gibt es ein Aufflammen von Gefechten. Wie es mit den Armeniern in Artsakh weitergehen wird ist ebenso unsicher und hängt von Verhandlungen und der Haltung und dem Engagements Russlands ab.

Freitag, 7. Januar 2022

Sanierung der Treppe in der lutherischen Kirche Venedigs

Treppe vorher und nachher
"Im Namen des Kirchenvorstandes der lutherischen Gemeinde Venedig-Abano Terme bedanke ich mich ganz herzlich für die Unterstützung der Sanierung der Treppe in unserer Kirche in Venedig," schreibt die Schatzmeisterin der Gemeinde Christiane Klengel. "Die Treppe, die zum Kirchsaal hinaufführt, war auch durch die Hochwasserschäden nicht mehr begehbar. - Wir danken dem GAW für die Unterstützung mit 8.000€ aus dem Projektkatalog 2021!"

Die evangelisch-lutherische Gemeinde Venedig ist die älteste lutherische Gemeinde Italiens und eine der ältesten außerhalb Deutschlands. Es gibt zwei Briefe Martin Luthers an die Evangelischen in Venedig und in Veneto. Heute zählt die Gemeinde rund 80 Glieder. Die lutherische Kirche – ein ehemaliges Handelshaus deutscher Kaufleute – stammt aus dem 18. Jahrhundert und liegt in der Nähe der Rialtobrücke. Nach dem Hochwasser im November 2019, das sich mehrfach wiederholte, war der Fußboden und die Treppe der Kirche stark durch das Salzwasser beschädigt und musste saniert werden. 

Infos zur Gemeinde: www.kirche-venedig.de

Donnerstag, 6. Januar 2022

Sanierung des Gemeindezentrums in Bebedouro geht voran

Es hat länger gedauert in Bebedouro in Portugal. Eigentlich wollte man schon längst die Küche und die sanitären Anlagen sanieren. Wirtschaftliche Probleme der Gemeinde und anschließend die Pandemie haben vieles verhindert. Aber nun ist man auf gutem Wege die Renovierung des Gemeindezentrums abzuschließen. 

Die Geschichte der Gemeinde begann in Brasilien. Zwei Brüder hatten 1926 beschlossen, nach Lateinamerika auszuwandern und kamen in die presbyterianische Gemeinde in Barretos, Brasilien. Weil ihre Arbeit dort nicht von Erfolg gekrönt war, kehrten sie nach Portugal zurück – allerdings mit neuem reformatorischen Glauben. In Bebedouro sammelten sie eine evangelische Gemeinde in der erzkatholischen Umgebung, zuerst in ihrer eigenen Wohnung. Obwohl sie schlecht behandelt und verfolgt wurden, ließen sie sich nicht entmutigen. 1940 gelang es mit Unterstützung der Presbyterianischen Kirchen in Portugal und Brasilien, eine erste Kirche einzuweihen. Die Gemeinde begann schnell zu wachsen, sodass ein Gemeindesaal für die verschiedenen Aktivitäten notwendig wurde. Trotz der aktuellen wirtschaftlichen Krise und der Emigration vieler junger Menschen ist die Gemeinde sehr aktiv und zählt ca. 200 Glieder unterschiedlichster Herkunft. Durchschnittlich kommen 110 Erwachsene und 35 Kinder und Jugendliche zu den Gottesdiensten. Es gibt gute ökumenische Kontakte zur katholischen Kirche mit gemeinsamen Aktivitäten.

Die Coronapandemie hat dem Gemeindeleben und der Entwicklung der Gemeinde zugesetzt. "Wir müssen lernen, mit Corona zu leben," sagt Kirchenpräsidentin Pfarrerin Sandra Reis. 

Im Projektkatalog 2014 wurde für dieses Projekt geworben.

Mittwoch, 5. Januar 2022

Kirche in Bohumín in Tschechien wird saniert

"Unsere Kirche der schlesischen evangelischen Kirche A.B. in Bohumin in Tschchien konnte Ende 2021 wiedereröffnet werden im 120. Jahr der Kircheweihe. Wir bedanken uns beim GAW für die gespendeten 15.000€ für dieses wichtige Projekt," schreibt Pfarrer Roman Brzezina. Die Sanierungsarbeiten waren schwierig, da im Untergrund der Kirche Schlacke und Bauschutt entdeckt wurden, die zu Problemen geführt haben. Diskussionen mit dem Denkmalschutz um die Bodenfliesen der Kirche führten ebenso zu Verzögerungen. Die vom GAW geförderte Sanierung des Fußbodens, mit Isolierungsmassnahmen und Malerarbeiten sind jetzt zu einem guten Ende gekommen.

Die Stadt Bohumín liegt im schlesischen Teil Tschechiens und hat ca. 22.000 Einwohner. Hier fließen die Flüsse Odra und Olše zusammen. Die lutherische Gemeinde besteht seit 1888 zählt heute rund 100 Glieder. Schon im Jahr 1901 konnte die Kirche geweiht werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche beschlagnahmt und erst 1974 im halb zerfallenen Zustand der Gemeinde zurückgegeben. Sie wurde - schon 2017 unterstützte das GAW die Kirchensanierung - und wird in mehreren Etappen instandgesetzt, damit sie einladen wirkt für Menschen, die eine geistliche Heimat suchen. 

Im Jahr 2023 steht als letzte Etappe die Reparatur und Reinigung des Mauerwerks einschließlich des Kirchturms an.

Mittwoch, 29. Dezember 2021

Diasporaexistenz als Brückenexistenz

Brücke in einem ev. Freizeitzentrum
in Paraguay (St. Rosa de Monday)
"Der Begriff des „Fremdseins“ kann als eine Dimension von diasporischer Existenz verstanden werden. Eine Kirche, die sich nicht nur ihrer Verstreuung und ihres Minoritätsdaseins, sondern auch ihres Fremdseins bewusst ist, macht sich klar, dass es immer auch darum gehen muss, eine Brücke zwischen der eigenen (kirchlichen) Sprache und der Sprache der jeweiligen Gesellschaft zu finden, um dem Auftrag der Kirche gerecht zu werden, das Evangelium öffentlich zu verkündigen. Der Begriff Brücke impliziert damit immer eine doppeldeutige Erfahrung, die sowohl Fremdheit im
Sinne von Getrenntsein als auch Verbundenheit impliziert. Zum Brückesein gehört, das Getrennte zu verbinden, ohne ihre Verschiedenheit aufzuheben. Damit wäre dann im konkreten Fall der Anfang eines relationalen Verständnisses der eigenen Minderheitensituation gemacht, das eben die konstruktive Deutung eines relational fokussierten Diasporakonzeptes ermöglicht. Aus der „Kirche in der Fremde“ wird so eine „Kirche in Beziehungen“. 

aus: "Theologie der Diaspora - Studiendokument der GEKE zur Standortbestimmung der evangelischen Kirchen im pluralen Europa": file:///C:/Users/m0eh/Downloads/Theologie%20der%20Diaspora%20(2).pdf - Abschnitt 9.3., S. 52

Donnerstag, 23. Dezember 2021

Christen bringen einen anderen Ton in die Welt

Präses Anette Kurschus,
Ratsvorsitzende der EKD
In einem aktuellen WELT-Interview wurde die neue EKD-Ratsvorsitzende Präses Anette Kurschus nach der Nutzung des Gottesbezuges bei der Vereidigung der neuen Bundesminister:innen gefragt und was der Verzicht bei einigen von ihnen für die Relevanz der Kirche in unserer Gesellschaft bedeutet. Sie antwortete:

"Der Gebrauch des Gottesbezugs bei der Vereidigung taugt weder zur Gesellschaftsanalyse noch zur Bewertung kirchlicher Relevanz, er ist etwas ganz und gar Persönliches." Und weiter: "Ehrlich gesagt: Mein Fokus liegt nicht auf der Relevanz-Frage. Es hat etwas von kirchlicher Nabelschau, wenn wir uns immerzu fragen, welche gesellschaftliche Bedeutung und Resonanz wir haben und wie wir „ankommen“. Wenn Jesus dauernd danach gefragt hätte, welche Wichtigkeit er hat, wäre wenig passiert. Mir geht es vielmehr darum, wie wir das, wovon wir Christen leben und was uns trägt, in die Welt tragen – so, dass es Menschen erreicht und berührt.Wir bringen einen eigenen Ton in die Welt. Dieser Ton speist sich aus der Verheißung: Gott, der die Welt ins Leben rief, wird sie auch zu einem guten Ziel führen. Solche Gewissheit hilft uns zu einem anderen Blick, der nicht von Angst getrieben ist, sondern von Hoffnung beflügelt. Dass Gott es am Ende gut machen wird, gibt uns keine Narrenfreiheit. Im Gegenteil, wir sind in Gottes Spur gerufen. Nichts, was wir in seiner Nachfolge tun, wird vergeblich sein. Gegründete Hoffnung ist eine völlig andere Motivation als die ängstliche Sorge vor dem Weltuntergang."

Nicht, was wir tun aus unserem evangelischen Glauben heraus wird vergeblich sein! Da geht es nicht um eine besondere Größe, der Anzahl der Mitglieder. Nein - auch kleine evangelische Diasporakirche oder kleiner werdende Kirchen haben einen Auftrag, das Evangelium zu verkünden. Das ist gelebte Diaspoarexistenz. 

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Weihnachtsgrüße 2021 aus der weltweiten Diaspora

Weihnachtsbild von Isabel Graf
aus Argentinien

Erneut feiern wir in diesem Jahr Weihnachten unter Coronabedingungen. Kontakte sind eingeschränkt. Begegnungen nicht oder nur eingeschränkt möglich – gerade auch mit unseren evangelischen Partnern weltweit.  „Man kann sich kaum treffen. Dennoch gilt die Botschaft der Engel: ‚Fürchtet euch nicht!‘ Euch allen und euern Familien wünsche ich Gesundheit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein frohes neues Jahr 2022,“ schreibt der Leiter der Diakonie Kosovo Bernd Baumgarten.

Dass Furcht nicht unser Leben bestimmen möge, dass betont auch Bischof Alfred Eichholz von der lutherischen Kirche in Kirgistan.

Von Zuversicht spricht der Weihnachtsgruß aus dem Zentrum Evangelische Theologie Ost (ZETO) in Sibiu/Hermannsatdt in Rumänien, und dass Weihnachten Mut macht, diese Zuversicht in diesen herausfordernden Zeiten nicht zu verlieren.

Samule Misko – ehemaliger GAW-Stipendiat und Leiter der Diakonie in der Ostslowakei nimmt das auf und zitiert Martin Luther: „Wenn Christus zwanzigmal geboren wäre, so wäre es doch vergebens gewesen, wenn wir nichts davon wüssten.“ Dass Christus in uns geboren werde gerade „in diesen beschwerlichen Zeiten der Pandemie“ – das wünscht er uns allen. Und er schreibt: „Möge die Weihnachtsbotschaft Ihnen in Ihr Herz die Freude, Liebe und Sicherheit bringen, dass sich Gott von seiner Schöpfung nicht abgewendet hat und sein Sohn der Beweis seiner Liebe und Treue zum Mensch jederzeit ist.“

Bischof Scheiermann aus Omsk in Russland von der Evangelischen Kirche Ural, Sibirien und Ferner Osten (ELKUSFO) spricht dann von diesem Sohn Gottes als dem Licht, das Christus für uns alle in dunklen Zeiten sein möge. Und er kommt von diesem Wunsch zum Dank für die Verbundenheit im Glauben – sowohl geistlich als auch materiell.

Wie wichtig es ist, immer wieder an das Licht zu erinnern, das Christus für uns ist, das wird einmal mehr deutlich aus dem Weihnachtsgruß der Diakonie „Hora de Obrar“ der Iglesia Evangélica del Rio de la Plata (IERP):  „Ein herausforderndes Jahr geht zu Ende… Wir haben tiefgreifende Veränderungen erlebt, aber wir haben auch gesehen, wie Ungerechtigkeiten, Ungleichheiten und die Zerstörung unseres gemeinsamen Hauses fortbestehen. Und doch wird Jesus geboren und er lädt uns ein, wiedergeboren zu werden,“ so schreiben sie aus Buenos Aires. Und das sei die Möglichkeit, nachzudenken, was wir verändern können und die zu würdigen, die Solidarität leben. Weihnachten mache Mut, „für eine bessere Welt zu arbeiten.“

Aus Aleppo von der evangelischen Bethelkirche schreibt Pfarrer Haroutune Selimian und fragt, wie man unter den Bedingungen der Coronapandemie, der ökonomischen Krise und der Gewalt Weihnachten feiern kann. „Gottes Wort sollte uns ausrichten und Orientierung geben, auch wenn wir nur sehr eingeschränkt Weihnachten feiern können. Wir sind müde und entmutigt, dass wir uns nicht treffen können und immer auf den gegenseitigen Schutz bedacht sein müssen. All das, was wir mal gewohnt waren zum Weihnachtsfest – erneut müssen wir darauf verzichten. Bei all der getrübten Weihnachtsstimmung durch die Pandemie und die wirtschaftlichen Katastrophen – lasst uns umso mehr von Hoffnung, Frieden, Freude und Liebe sprechen, die von der Geburt Christi ausgeht! Gott verlässt uns nicht!“ – Das schreibt ein evangelischer Pfarrer der unter extremen Bedingungen Weihnachten zum wiederholten Male erlebt. Das lehrt Demut.

Weihnachten erneuert uns – gerade in schwierigen Zeiten. Hier bekommen wir „Hoffnung und die Verpflichtung, uns für eine menschliche und ökologische Welt einzusetzen, denn Gott ist mit uns!“ das schreibt Kirchenpräsident Leonardo Schindler von der IERP (Evangelische Kirche am La Plata).

Immanuel – Gott mit uns – das ist die Weihnachtsverheißung aus dem Jesajabuch. Dass sei unser Gebet zu Weihnachten.

Mit diesen ausgewählten Weihnachtsgrüßen unserer GAW-Partnerkirchen grüßen wir Sie alle von Herzen zum Weihnachtsfest und wünschen Ihnen Gesundheit, Zuversicht und den Segen Gottes, der alles umfasst, was wir zum Leben brauchen!

Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär

Montag, 13. Dezember 2021

Die Marienkirche in Tartu wird saniert

St. Marienkirche Tartu
Tartu (Dorpat) ist die zweitgrößte Stadt Estlands. Tartu ist eine Wissenschafts- und Universitätsstadt und einstige Hansestadt mit viel historischem Flair. Die lutherische Mariengemeinde wurde im Zweiten Weltkrieg 1941 zerbombt, und nach dem Krieg durch die sowjetischen Machthaber 1961 in eine Sporthalle verwandelt. Für den Bau der Turnhalle wurde damlas der Kirchturm abgerissen. Erst 2009 erhielt die Gemeinde ihre Kirche wieder zurück, jedoch ohne Gemeinderäume. 2017 wurde die Haupttreppe saniert. Seit Beginn 2021 finden Arbeiten zur Wiedererrichtung des Kirchturmes statt, der Mitte 2022 fertiggestellt werden soll.

Die Maarjakirche in Tartu ist ein kulturhistorisch bedeutender Ort. Hier wurde das erste gesamtestnische Gesangsfest von 1869 mit vorbereitet. Unter dem Slogan „Bauen wir die Wiege der estnischen Gesangsfeste wieder auf!“ hat die Gemeinde im ganzen Land um Spenden gebeten. 

Das GAW wurde gebeten, die Arbeiten an den Grundmauern zu unterstützen.

"Bei einem solchen Vorhaben sind wir auf verläßliche Wegbegleiter angewiesen wie dem GAW! Wir sind dankbar für die Förderung. Ihr im GAW seid wirkliche Freunde! Danke für die Unterstützung!" schreibt Silvia Leiaru, Leiterin der Stiftung St. Marienkirche Tartu. "Ihr seid bei uns jederzeit herzlich willkommen!"


Freitag, 10. Dezember 2021

Glaubensfreiheit für die Welt! - Tag der Menschenrechte

Gedenkstein in Breitenfeld
„Glaubensfreiheit für die Welt“ - diese Worte finden sich auf einem Gedenkstein vor den Toren Leipzigs in Breitenfeld. Er steht ein Stück außerhalb, umgrenzt von ein paar Bäumen mit weitem Blick hinüber nach Leipzig. Der Gedenkstein erinnert daran, dass Glaubensfreiheit durch schwere Zeiten hindurch errungen wurde. Er erinnert an eine Schlacht im 30-jährigen Krieg. 

Man hat mühsam gebraucht zu lernen, dass in einem Land nicht alle Menschen gleich glauben müssen. Sie haben das Recht anders oder gar nicht zu glauben. Das darf das Zusammenleben nicht gefährden. Im Gegenteil: Es bereichert es. Glaubensfreiheit ist ein Menschenrecht. 

In der Charta der Menschenrechte ist es quasi das Herzstück, denn an diesem Recht hängen andere Rechte wie die Gewissens- und Meinungsfreiheit. 

Glaubens- und Religionsfreiheit ist in vielen Ländern dieser Welt keine Selbtsverständlichkeit. Daran erinnert das Gustav-Adolf-Werk - Diaspoarwerk der Evangelischen Kirche in Deutschland - mit seiner Arbeit immer wieder.

So gibt es in bestimmten Regionen Syriens – dem Ursprungsland des christlichen Glaubens - gar keine Christen mehr. Radikale Islamisten und der lange Krieg verhindern es. In Aleppo, Homs, Latakia, Damaskus oder Qamishli kann man seinen Glauben frei leben - wenn man sich denn politisch zurückhält. Wir müssen an sie erinnern, denn der christliche Glaube ist in der ganzen Region bedroht. 

Es darf uns nichtegal sein, wenn an anderen Orten dieser Welt Christen bedrängt sind. Sie dürfen nicht vergessen werden. Daran zu erinnern: Das gehört zum Wesen unseres Glaubens.

Der Tag der Menschenrechte  wird am 10. Dezember gefeiert und ist der Gedenktag zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde.