Montag, 14. Juni 2021

Belgien: Die Protestantische Fakultät in Brüssel ist saniert und bereit für e-Learning


Aula der Fakultät vor nach der Sanierung

Das Gebäude der Protestantischen Theologische Fakultät befindet sich im Herzen Brüssels. Hier bildet die Vereinigte Protestantische Kirche in Belgien (VPKB) ihre Pfarrerinnen und Pfarrer aus. Im Grunde sind es sogar zwei Fakultäten in einem – die eine arbeitet auf Niederländisch, die andere auf Französisch. Und die beiden sind sehr verschieden: Die französischsprachigen Studierenden stammen weitgehend aus Afrika und bringen ihre Prägung und Kultur mit. Eine große Herausforderung für die Ausbildungsstätte, ist die kleine Zahl der Studierenden, so Dekan Johan Temmermann. In der niederländischen Abteilung gibt es höchstens ein, zwei Studierende pro Jahrgang, in der französischen Abteilung fünf bis zehn. Im e-Learning-Programm wiederum nimmt die Anzahl der Studierenden zu.

Das Fakultätsgebäude ist über die Jahre abgenutzt und schlecht ausgestattet. In der Aula saßen die Studierenden und Gäste auf dreißig Jahre alten ausrangierten Kirchenstühlen und die Küche im Aufenthaltsraum der Studierenden war unbrauchbar. Und für das e-Learning, das perspektivisch ausgebaut werden sollte, war die technische Ausstattung der Räume überhaupt nicht ausreichend.
Mit Unterstützung des GAW in Kooperation mit der Württembergischen Landeskirche konnte die dringend notwendige Sanierung in den Jahren 2017-2020 ausgeführt werden
Die Ergebnisse können sich sehen lassen. 

„Die mit Abstand meisten Arbeiten fielen auf die Renovierung des Kellers und des Erdgeschosses“, berichtet Professor Johann Temmermann, der auch der Dekan der Fakultät ist. „Die Küche im Aufenthaltsraum ist jetzt eine moderne und komfortabel ausgebaute Küchenzeile und der ganze Raum ist zugänglicher und angenehmer.“ Das Sekretariat zog in ein neu entstandenes Büro hinter der Aula um, die eine neue Garderobe und neue Möbeln erhielt. Zeitgleich mit der Renovierung des Gebäudes überarbeiteten die französisch- und niederländischsprachigen Abteilungen der Fakultät das Bildungsprogramm. Ein breiteres Online-Angebot soll internationale Studierende anziehen und es trotzdem ermöglichen, Theologie und Religionswissenschaften aus der Distanz zu studieren.“ 

Die Räume auf den höheren Etagen wurden mit modernen Möbeln und zeitgemäßen pädagogischen Hilfsmitteln (Video-Bildschirme, Internet-Möglichkeiten, etc.) ausgestattet. Eine notwendige Anpassung des Netzwerks im Gebäude vervollständigte diese Maßnahmen und die Renovierung.
„Wir sind sehr dankbar für die reibungslose und freundliche Unterstützung durch das Gustav-Adolf-Werk. Wir sind dankbar und sehen gleichzeitig die Herausforderungen, die vor uns liegen“, schreibt Professor Temmermann. 

Aufenthaltsraum der Studierenden vor und nach der Sanierung

Montag, 7. Juni 2021

Theologiestudium: Künftig nur noch digital?

Studierende im Gespräch an der Lutherisch-Theologischen Fakultät FLT in Mato Preto (Brasilien).
Digitalisierung hat gute Seiten, aber der direkte Austausch darft nicht auf der Strecke bleiben.

An den theologischen Fakultäten unserer Partnerkirchen in Europa und in Lateinamerika hat die Coronapandemie viel durcheinandergewirbelt. Zugleich haben die neuen digitalen Unterrichtsformen die Frage aufgeworfen: Können sie das bisher überwiegende Präsenzstudium ersetzen – und sollen sie es überhaupt? 

Zahlreiche evangelisch-theologischen Fakultäten freuen sich aktuell über den digitalen Zuwachs. Vorlesungen via Internet haben neuen Personengruppen einen Zugang zur evangelischen Theologie ermöglicht. „Wir sind im Frühjahr 2020 wegen der Pandemie ganz auf Fernunterricht umgestiegen“, so Professor Lothar Vogel, der an der Waldenser-Fakultät in Rom (Italien) die Geschichte des Christentums unterrichtet. „Das Online­Verfahren hat uns nochmals 20–30 interessierte Gasthörer gebracht, was wiederum beweist, dass die Theologie an sich mehr Anziehungskraft hat als das Pfarramt.“

An der Theologischen Fakultät Montpellier (Frankreich) wird die Fernausbildung mit rund 50–60 Studierenden schon länger angeboten und ist ein Erfolg. Für diese Studienform entscheiden sich oft Menschen, die berufstätig sind oder nach einem Sinn in ihrem Leben suchen. „15–20 % dieser Studierenden machen danach jedoch einen vollen theologischen Kurs, um Pfarrer zu werden“, betont Professor Gilles Vidal. „Das ist ziemlich ermutigend für uns und für die Kirche.“

Vor allem für ältere Studierende ist die Digitalisierung ein Segen. „Unsere Studierenden sind meist schon berufstätig. Damit haben sie mehr Zeit für ihre Familien“, sagt Daniel Codoy von der evangelisch-ökumenischen Hochschule CTE in Chile. Die Hochschule merke jedoch, dass das Fehlen persönlicher Kontakte auch Nachteile hat. „Bei allen Vorteilen, die die Technik bietet, lebt die Theologie vom direkten Austausch. Und wir müssen in Zukunft eine psychosoziale Begleitung der Studierenden anbieten, um etwas gegen Vereinsamung zu tun.“

„Eine reine digitale Theologieausbildung auf Distanz ist für junge Studierende nicht wirklich motivierend“, ist Pfarrer Daniel Beros, Koordinator der Lernplattform REET in der Evangelischen Kirche am La Plata überzeugt. „Die Mehrheit bevorzugt ein studentisches Leben und eine Gemeinschaft, die sie unterstützt.“ Deshalb soll nun ein neues Programm die akademische Ausbildung mit studentischen Gemeinschaften verbinden, die in Einrichtungen der Trägerkirchen von REET in verschiedenen Städten angesiedelt sein werden.

Für Pastor Carlos E. Ham vom Evangelischen Seminar für Theologie SET in Matanzas (Kuba) steht ebenfalls fest, dass das digitale Studieren nicht der einzige Weg werden kann: „Das Zusammenleben hat einen Wert an sich und ist notwendig für die Ausbildung zukünftiger leitender Verantwortlicher in der Kirche. Das kann die Digitalisierung nicht bieten.“ Und er weist noch auf ein weiteres Problem hin: „Der Internetzugang ist nicht für alle Menschen in allen Ländern und Regionen Lateinamerikas ein garantiertes Recht.“ 

In „Evangelisch weltweit“ 1/2021 und 2/2021 haben wir zwei Artikel über die aktuelle Lage an den Theologischen Fakultäten unserer Partnerkirchen in Europa und in Lateinamerika:
Europa: https://www.gustav-adolf-werk.de/files/gaw/ga-blatt-archiv-2/2021/2021-1_fakultaeten_EU.pdf
Lateinamerika: https://www.gustav-adolf-werk.de/files/gaw/ga-blatt-archiv-2/2021/2021-2_theol_ausbildung_la.pdf

Donnerstag, 3. Juni 2021

Gottesdienst zum Schulbeginn erschienen

Unser Gottesdienst zum Schulbeginn ist erschienen. Mit dem Entwurf können Sie einen ganzen Gottesdienst gestalten oder auch nur Teile entnehmen. Sie können eigene Ideen einbringen und kreativ mit dem Material umgehen. Die beiden für den Gottesdienst vorgeschlagenen Aktionen können unter Einhaltung der Abstandregeln gut durchgeführt werden.


Der Entwurf der Gottesdienstes stammt von Pfarrerin Elvira Hücklekemkes aus Berlin. Die können den Gottesdienst auf unserer Internetseite abrufen: https://www.gustav-adolf-werk.de/gottesdienste-zum-schulbeginn.html oder in Papierform bestellen: jugendarbeit@gustav-adolf-werk.de. 


Im Gottesdienst wird um eine Kollekte für die evangelische Luis-Siegel-Schule in Los Polvorines in Argentinien gebeten. Projektinformationen bietet das 8seitige Materialheft "Gut, dass wir einander haben", das sich mit kindgerechten Information zum Schulalltag in Argentinien, Ausmalbild, Geschichte und Bastelvorschlägen auch gut als Mitgebsel für die Familien im Gottesdienst eignet. Das Materialheft ist kostenlos und kann ebenfalls bestellt werden über jugendarbeit@gustav-adolf-werk.de. Auch ein Download ist möglich: www.gustav-adolf-werk.de/kindergabe.html

Freitag, 28. Mai 2021

Konfirmation woanders: Slowakei (2)

 
Ich will später einmal eine Patin werden

Ich heiße Rosana Katkinova. Ich bin 12 Jahre alt und besuche das erste Jahr des Konfirmandenunterrichts. Ich möchte mich unbedingt konfirmieren lassen und freue mich darauf, im Konfirmandenunterricht Gott und unseren Glauben näher kennenzulernen. Die Konfirmation ist auch deshalb für mich wichtig, weil ich später einmal das Amt einer Patin übernehmen möchte. Ich finde die Arbeit mit Kindern spannend. Zum Beispiel die Bibelcamps, die es in unserer Gemeinde gibt. Ich kann mir vorstellen, dass ich mich auch dort engagieren möchte.
Rosana Katkinova, Blatnica

Mittwoch, 26. Mai 2021

Theologie der Diaspora: "Wir sind ein Europa der Minderheiten"

Im Gespräch mit Professor Klaus Fitschen

Klaus Fitschen ist Professor für neuere und neueste Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig. Er ist Vorsitzender des Diasporawissenschaftlichen Vereins e.V. und zudem Vorstandsmitglied des GAW Braunschweig, Herausgeber des Jahrbuchs „Die evangelische Diaspora“ sowie des inzwischen vergriffenen Buchs „Graswurzel oder heiliger Rest. Auf dem Weg zu einer Theologie der Diaspora“, das auf dem Studiendokument „Theologie der Diaspora“ der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) aufbaut.
Vom 27. - 29. Mai 2021 leitet Professor Klaus Fitschen das Blockseminar "Diakonie und Diaspora", eine Online-Veranstaltung der Theologischen Fakultät Leipzig in Zusammenarbeit mit dem GAW. In unserem Magazin "Evangelisch weltweit" 2/2021 haben wir mit ihm über die Rolle und die Möglichkeiten der Theologie der Diaspora in Deutschland und in Europa gesprochen.

Der Studienprozess der GEKE zur Theologie der Diaspora ist inzwischen abgeschlossen. Das Thema sollte jedoch nicht in Schubladen verschwinden. Wie könnte die weitere Rezeption und Aufnahme des GEKE-Papiers über die Theologie der Diaspora erfolgen?

Fitschen: Ich hoffe erstmal, dass sich viele damit auseinandersetzen. Kirche wird sich in den kommenden 20-30 Jahren sehr stark verändern. Wir müssen uns auch in Deutschland auf eine Minderheitensituation einstellen, in der wir unsere theologischen Kräfte anders bündeln müssen: massive Investitionen in die Kinder- und Jugendarbeit und in eine Kirche, die den Menschen zugewandt ist.

Das würde jeder kirchenleitende Mensch auch sagen.

Fitschen: Da geschieht zu wenig. Natürlich gibt es bestimmte Initiativen. Aber was wir viel mehr brauchen, ist Personal an der Gemeindebasis. Wir wissen doch, dass der persönliche Kontakt immens wichtig ist.

Was kann man als evangelische Minderheit in Europa überhaupt bewirken? 

Fitschen: Der Protestantismus spielt je nach Land eine ganz unterschiedliche Rolle. In Deutschland hat der Protestantismus eine deutliche Stimme in die Politik hinein. Damit meine ich nicht die Kirchenleitungen etc., sondern die Politikerinnen und Politiker, die noch eine gewisse evangelische Prägung haben. Das merkt man vielleicht nicht immer, das ist nicht die hörbare Stimme der Kirche, sondern es ist das Handeln von Leuten, die sich dezidiert christlich oder evangelisch verstehen. In Frankreich ist es wiederum wahnsinnig schwierig, sich kirchlicherseits überhaupt zu politischen Fragen zu äußern. Und es gibt Länder wie Polen, wo der Protestantismus eine verschwindende Minderheit darstellt und sich überhaupt erst einmal hörbar machen muss gegen eine mas-siv auftretende katholische Mehrheitskirche.
Aber gesamteuropäisch, muss man sagen, ist es wichtig, diese Minderheitenstimme selbstbewusst ins Spiel zu bringen. Denn wir sind ein Europa der Minderheiten. Das gilt für geschlechtliche Identitäten - wenn man das vergleichen kann - bis zu religiösen Identitäten. Das, was man in unseren westlichen Gesellschaften an Diversität einfordert, muss auch für Religionen gelten, sofern sie sich auf dem Boden der für alle geltenden Gesetze bewegen. Religion muss sein können und Religion muss auch öffentlich sein können, wo sie mit dem Gesetz und dem Recht im Einklang steht.

Der österreichische Bischof i. R. Michael Bünker hat mal gesagt, dass wir als Kirche nicht dazu da sind, zu beklagen, dass wir immer weniger werden, sondern wir sollen Salz der Erde sein. Die Theologie der Diaspora soll im Grunde eine Hoffnungstheologie sein: Wir sind hier hingestellt. Nun lasst uns das Beste daraus machen!

Fitschen: Die Religion soll einfach deutlich sagen, was die Botschaft des Evangeliums ist. Sie ist zukunftsbezogen: Da kommt noch was und da gibt es auch etwas, was trägt. Salz der Erde ist ein schönes Bild. Das sollte man sein, überall, und zwar mit evangelischem Selbstbewusstsein. Das muss man stärken.

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Eine gute Gelegenheit, Professor Klaus Fitschen zu begegnen und mit ihm über die Theologie der Diaspora zu diskutieren, bietet in diesem Sommer eine Tagung am 3. Juli 2021 in Hanau:

Diaspora am Nebentisch - Auf dem Weg in eine Kirche der Diaspora – Erfahrungen und Impulse für eine evangelische Kirche der Zukunft (Präsenz + online)

Der Studientag ist eine Kooperationsveranstaltung des Gustav-Adolf-Werks der EKKW, des Zentrums Oekumene und des Evangelischen Forums Hanau.

Infos und Anmeldung https://kurzelinks.de/DiasporaAmNebentisch



Montag, 17. Mai 2021

SCHAUT HIN - es war ein besonderer Kirchentag

Abschlussgottesdienst 
„schaut hin“ – das war das Leitwort des 3. Ökumenischen Kirchentages in Frankfurt am Main. Auf analoge Begegnungen vom 13.-16. Mai in Frankfurt hatte ich mich lange gefreut, doch am Ende war das HINSCHAUEN diesmal reduziert - auf den Laptop. Aber war es wirklich reduziert?  Anfangs war ich eher skeptisch. Ein digitaler Kirchentag - wie soll das gehen? So ganz ohne direkte Begegnungen?
Jetzt nach vier intensiven Tagen vor dem Bildschirm gestehe ich: Es geht. Natürlich fehlten die Bilder und das Gefühl der Menge. Natürlich fehlte dieses direkte Erlebnis "Hey, wir sind viele!". Dennoch ist mein Fazit am Schluss: Es entstand trotz allem das Gefühl bei mir, dass jetzt Kirchentag ist. Und schön war es auch.

ZOOM-Gottesdienst aus Warschau mit Anna Wrzesinska
Ich hatte die Chance, zahlreiche Partner:innen und Freund:innen des GAW zu erleben: Prof. Dr. Dace Balode aus Lettland mit einem eindrücklichen Plädoyer für die Frauenordination; Pastorin Sybille Klumpp von der Vereinten Protestantischen Kirche in Frankreich mit einem Zeugnis, dass Diaspoarkirchen auch bei weniger Mitteln Wirkung zeigen können; Anna Wrzesinska von der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, die einen bewegenden Gottesdienst digital per ZOOM aus Warschau leitete. Dazu Prof. Volker Leppin aus Tübingen, der beim Thema "Gemeinsam am Tisch des HERRN", davon sprach dass das christliche Zeugnis die Polyphonie nötig hat und braucht. Wir können uns an den anderen Stimmen freuen. Die Pluralität des chrsitlichen Glaubens ist Gewinn und gehört zum christlichen Zeugnis!
 
Sehr bewegend war ein Workshop zur Situation der Christen in Berg-Karabach, das mehrheitlich
von Armenier:innen bewohnt ist. Sie sind in Not. das wissen wir als GAW von der evangelischen Gemeinde in Stepankert. Es gibt viele Flüchtlinge, denen das Nötigste fehlt. "Erzählt von den Schicksalen der Menschen in Berg-Karabach! Sie brauchen Hilfe und dass sie wahrgenommen werden. Die Not ist groß!", so der Appell, den ich aus dem Workshop mitgenommen habe.
Digitales Podium mit Bischof July (Württemberg)

Für eine "Theologie der Diaspora" konnte man viel vom Ökumenischen Kirchnetag mitnehmen - angefangen bei der Polyphonie des christlichen Zeugnisses (Leppin) über die Herausforderung, Unterschiedlichkeit als das Normale anzunehmen und als Bereicherung zu sehen, bis hin dazu, dass eben Vielfalt auch geduldig ertragen werden muss (Freré Alois, Taizé).

Insofern: Auch ein digitaler Kirchentag bietet die Chance genau hinzuschauen. Und vor allen Dingen gilt es, den Glauben zu stärken, der uns auf der einen Seite in ökumenischer Weite miteinander verbindet, als auch die zu stärken, die als Diaspoargeschwister mit uns in besonderer Weise verbunden sind. Denn: "Lasst uns Gutes tun an jedermann, allemeist an denen, mit denen wir im Glauben verbunden sind!" (Galater 6,10)

Glauben wurde gestärkt - das war dann auch beim Abschlußgottesdiesnt am Mainufer spürbar -, auch digital. Da geht was!

Freitag, 14. Mai 2021

Konfirmation woanders: Slowakei

Danach kann ich zum Abendmahl gehen

Ich heiße Klara, bin 12 Jahre alt und lebe in der Slowakei. Ich habe in diesem Jahr mit dem Konfirmandenunterricht begonnen. Die Konfirmation ist ein großes Ereignis. Danach kann ich zum Abendmahl gehen. Darauf freue ich mich schon, auch wenn ich jetzt noch eine Weile darauf warten muss.
Klára Ursínyová, Blatnica (Slowakei)

Montag, 10. Mai 2021

Zwischen Anpassung und Kampf um die eigene Identität des GAW im 3. Reich - ein neues GAW-Jahrbuch

"Die Geschichte der Evangelischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus ist eine Geschichte des Versagens und der Blindheit gegenüber den Nöten der damaligen Zeit," so beginnt das Vorwort von Klaus Fitschen und Wilhelm Hüffmeier zu der neuen Ausgabe des Jahrbuches des GAW „Die evangelische Diaspora“. Es setzt sich mit der Geschichte des GAW in dieser Zeit auseinander und zeigt, wie vielschichtig sie ist. Einerseits waren die Vertreter des GAW Teil der Kirche und ihres Versagens und somit auch eingebunden in den sog. "Kirchenkampf", der vor allem ein Kampf der Kirche um ihre Selbständigkeit gegenüber staatlichen Eingriffen war. Andererseits waren die Vertreter des GAW lavierend und agierend zwischen Anpassung, Mitmachen, Neutralität, Versagen und in einzelnen Fällen auch des Mutes, die Stimme zu erheben für die, denen Stimme gewaltsam genommen wurde. Überall in den regionalen verbänden ist auf unterschiedliche Weise zu sehen, wie versucht wurde, die eigenständigen Vereine in ihrer Selbständigkeit zu erhalten - bei aller Widersprüchlichkeit.

Um diese Geschichte - oder vielmehr Geschihcten - zu erforschen, gab es eine wissenschaftliche Tagung Ende 2019. Deutlich wurde dabei, dass mit diesem GAW-Jahrbuch nun ein beitrag zur Aufarbeitung der  Geschichte des deutschen Vereinsprotestantismus geleistet wird, den diese ist nur rudimentär erforscht.
Das GAW war/ist damals Teil des deutschen Verbandsprotestantismus. Diese Geschichte braucht noch der weiteren Aufarbeitung. 

Wir sind dankbar, dass wir zahlreiche Autorinnen und Autoren aus den GAW-Gruppen für dieses Projekt gewinnen konnten. Die Autorinnen und Autoren investierten viel Arbeit für Recherchen in Archiven und für das Ordnen und Einordnen von Rechercheergebnissen.

Die Auseinandersetzung des GAW mit seiner Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus ist – neben all den aktuellen Herausforderungen, denen wir uns täglich stellen – ein wichtiger Meilenstein. 

Gerade wurde am 8. Mai an den Tag der Befreiung erinnert. Pünktlich dazu ist nun dieses für die GAW-Geschihcte wichtige Buch erschienen, dem eine briete Leserschaft zu wünschen ist.

Freitag, 7. Mai 2021

Aus Cluj-Napoca nach Leipzig - ein GAW-Stipendiat berichtet

2013 bat mich unser damaliger Pastor, in  der  Kirche  das  Bibelwort  laut  vor­zulesen.  Ich  war  damals  erst  14,  aber  ich  hatte  bereits  das  Gefühl,  dass  ich  Pastor werden wollte. Deshalb begann ich nach dem Abitur mein Studium am Protestantisch­Theologischen  Institut  von  Cluj­-Napoca.  Doch  in  Cluj  ange­kommen,  befürchtete  ich  die  ersten  zwei Monate, es nicht zu schaffen. An­dererseits  wurde  mir  Kraft  gegeben  fortzufahren;  tief  in  meiner  Seele  hat­te ich das Gefühl, dies tun zu müssen. Es  war  vielleicht  eine  der  besten  Ent­scheidungen meines Lebens.

Heute,  im  Jahr  2021  studiere  ich  als  Sti­pendiat  an  der  Theologischen  Univer­sität  in  Leipzig.  Im  Februar  des  zweiten  Studienjahres  in  Cluj  bekam  ich  die  Möglichkeit,  mein  drittes  Studienjahr  in  Leipzig  abzuschließen.  Ich  freute  mich  darüber,  da  ich  sehr  gespannt  war,  wie  das Leben eines Theologen in Deutsch­land  aussieht,  und  wartete  sehnlich  auf  den  Tag,  an  dem  ich  hinfahren  konnte.  Doch als die Zeit kam, hatte das Corona­virus  auch  in  dieser  Geschichte  ein  Mit­spracherecht bekommen. Ich konnte ei­nen Test am Flughafen durchführen und musste zwei Tage unter Quarantäne auf das Ergebnis warten.

Meine  Mitbewohner  in  der  WG  in  Leip­zig  begrüßten  mich  mit  offenen  Ar­men,  worüber  ich  mich  sehr  freute.  Der  erste  Monat  verging  mit  einem  On­line­Sprachkurs,  obendrein  musste  ich  viel  Papierkram  erledigen,  also  hatte  ich viel zu tun. Noch vor dem Semester­beginn  reiste  der  Generalsekretär  des  GAW,  Enno  Haaks,  mit  mir  und  Andrej  –  ein  weiterer  Stipendiat  –  zu  einer  GAW­Veranstaltung  nach  Osnabrück.  Es war ein einzigartiges und besonde­res Erlebnis. Danach  sind  wir  in  das  Studienleben  eingestiegen,  was  sich  in  diesem  Jahr  etwas  seltsam  gestaltet,  aber  immer  noch gut läuft. Anfangs durften wir ein paar  Seminare  besuchen,  da  es  noch  keine  so  strengen  Einschränkungen  gab,  aber  inzwischen  finden  alle  Ver­anstaltungen online statt. Trotzdem ist es eine unglaublich gute Erfahrung, in Leipzig zu sein. Es  ist  eine  unvergessliche  und freudige Erfahrung, die ich jedem empfehlen würde. Vielen Dank an das GAW für diese Gelegenheit!

Levente Dinka, Stipendiat des GAW aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rumänien
(Magazin Evangelisch weltweit 1/2021)

Unterstützung für das Stipendienprogramm des GAW

Mittwoch, 5. Mai 2021

Evangelisch weltweit 2/2021 - Schwerpunkt theologische Ausbildung

Nach einem Jahr im Griff der Pandemie stellt sich immer öfter die Frage: Was macht das mit uns? Mit unseren Kirchen? Mit unserem Glauben? Wir streiten darüber, ob die Kirchen systemrelevant oder überhaupt irgendwie relevant sind. Professor Klaus Fitschen sagt in unserem Interview über die Theologie der Diaspora, über theologische Ausbildung, Säkularisierung und die Einflüsse von Corona: Es kommt auf die Menschen an, die in der Gemeindebasis wirken.
Solche Menschen, auf die es ankommt – zum Beispiel Pfarrerinnen und Pfarrer –, kommen auch aus theologischen Fakultäten. Dort sollen sie ihr Handwerk lernen. Allerdings: „In meinem Theologiestudium hatte ich das Gefühl, ich soll zu einem kleinen Professor erzogen werden, aber nicht zum Gemeindepfarrer“, gesteht Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des GAW, in dem Interview mit Professor Fitschen. Interwiev lesen

Auf die Qualität der theologischen Ausbildung kommt es also an. Wie gelingt es unseren Partnerkirchen in Lateinamerika, ihre Ausbildungsstätten zu halten und zu entwickeln, mit und trotz der Pandemie? Darüber berichten im zweiten Teil unserer Reihe über theologische Fakultäten Rektoren und Direktoren dieser Bildungsstätten. Bericht lesen

Weitere Themen sind das Hilfswerk Perichoresis in Griechenland, das sich unter der Schirmherrschaft der Griechisch-Evangelischen Kirche um Flüchtlinge und Roma kümmert (und mit der Konfigabe 2021 unterstützt werden soll) sowie Frauen in der Evangelischen Kirche in Syrien und im Libanon (deren Frauenarbeit mit dem Jahresprojekt der GAW-Frauenarbeit 2021 unterstützt wird).

Wir können unsere Glaubensgeschwister in den Partnerkirchen jetzt nicht besuchen. Aber wir können sie kennenlernen – durch Videokonferenzen oder durch die Berichte in diesem Magazin.

Magazin "Evangelisch weltweit": https://www.gustav-adolf-werk.de/evangelisch-weltweit-das-magazin-des-gaw.html

Montag, 3. Mai 2021

Ein neues Kirchendach in Horní Čermná (Tschechien)

Evangelische Kirche in Horní Čermná
"Herzlich bedanken wir und beim GAW und den Spendern für die Unterstützung bei der Sanierung des Daches unserer Kirche in Horní Čermná," schreibt Pfarrer Jakub Keller.

Die Gemeinde der Böhmischen Brüder in Horní Čermná wurde nach dem Toleranzpatent des Kaisers Josef II. im Jahr 1784 gegründet. Die Gemeinde zählt 420 Glieder. Dank ihrer Mitgliedsbeiträge sowie einiger Wald- und Feldgrundstücke, die gut bewirtschaftet werden, hat die Gemeinde einen ausgeglichenen Haushalt. 
„Allmählich gelingt es uns, das Kirchengebäude und das Pfarrhaus zu renovieren und deren Umgebung zu verschönern“, schreibt Pfarrer Jakub Keller. Mit Konzerten aber auch Reihen wie das „Offene Treffen“ im Pfarrhaus wendet sich die Gemeinde an eine breitere Öffentlichkeit. Die größte Veranstaltung des Jahres ist ein Gemeindefest am Ende des Sommers mit einem Festgottesdienst, einem Theater- oder Musikstück, einem karitativen Basar und einem Filmprojekt mit Klienten einer benachbarten Sozialeinrichtung.

Die heutige evangelische Kirche in Horní Čermná wurde 1838 errichtet. Das Dach wurde zuletzt in den 1960er Jahren renoviert - allerdings wurden bei den Arbeiten Asbestplatten benutzt. Diese Platten mussten jetzt erneuert werden, weil sie nicht mehr dicht hielten. Sie wurden als Sondermüll entsorgt. Über der Apsis waren die Beschädigungen bereits so fortgeschritten, dass das Dach in diesem Bereich im Jahr 2015 erneuert werden musste. Für die neue Dachbedeckung wurden jetzt Dachplatten aus Aluminium verwendet.

"Wir sind froh über das neue Dach der Kirche! Unsere Kirche ist und bleibt zentraler Sammlungsort der Gemeinde. Dank an das GAW!" schreibt Pfarrer Keller.

Im Projektkatalog 2019 wurden 14.000€ für dieses Projekt gesammelt.

Montag, 26. April 2021

Mit Konfigabe und Nothilfe - das GAW unterstützt das Freizeitcamp in Kalamos seit 50 Jahren

Im Jahr 2017 ereignete sich in der beliebten Touristenregion Kalamos in Griechenland eine Brandkatastrophe. In der dicht mit Pinien bewaldeten Gegend geriet das Feuer wegen des starken Windes außer Kontrolle. Durch den Brand wurde auch das Feriencamp der Griechisch-Evangelischen Kirche zerstört. Das GAW unterstützte den Wiederaufbau mit einer Soforthilfe und nochmals mit dem Projektkatalog 2019.
Doch mit dem Camp selbst verbindet das GAW schon eine längere Geschichte.

Der Küsten- und Touristenort Kalamos liegt etwa 50 Kilometer von Athen. Hier besteht das Ferienzentrum der Griechisch-Evangelischen Kirche schon seit dem Jahr 1955. Im Jahr 1972 beschreibt das Faltblatt der Jugendgabe (Konfigabe) die Situation im Camp so: „Bis jetzt steht ein einfacher Flachbau mit Wirtschaftsräumen, der Küche und dem Speisesaal. Die Unterkünfte bestehen aus Betonfundament, das ein paar Eisenträger hält, und einem Dach darüber. Und die Wände? Die Jungen ziehen Segeltücher von Pfosten zu Pfosten. Das wär’s!“ Mithilfe der Konfigabe sollen noch einige feste Bauten errichtet werden.

1979 berichtet das Faltblatt der Jugendgabe vom Erfolg: „Im vergangenen Jahr wurde in Kalamos ein Haus fertig, in dem es zwölf Fünfbettzimmer und einen großen Speisesaal gibt, der auch als Aufenthaltsraum benutzt werden kann. Natürlich ist auch eine große Küche in dem Haus untergebracht worden. Es gibt Duschen und Waschräume, die auch von den Campern benutzt werden können.“
Doch es fehlte noch die gesamte Einrichtung: Es gab keinen Tisch, keinen Stuhl, kein Bett, keinen Schrank. Auch die Töpfe für die Küche und das Geschirr fehlten. So wurden die Konfirmandinnen und Konfirmanden mit der Jugendgabe des GAW wieder um Hilfe gebeten.

Kalamos ist ein Ort, wo jedes Jahr rund 700 Personen – Kinder, Jugendliche und Familien – an verschiedenen Angeboten teilnehmen. Darunter sind nicht nur Kirchenmitglieder, sondern u. a. auch Kinder aus bedürftigen Familien sowie Beteiligte eines Programms gegen Drogenabhängigkeit. In den letzten Jahren, als die Zahl der Flüchtlinge in Griechenland anstieg, wurde dieser diakonische Ansatz der Arbeit verstärkt ausgebaut. Das Freizeitzentrum in Kalamos ist sehr wichtig für die kleine Griechisch-Evangelische Kirche. Es schafft Verbindungen zwischen jungen Menschen, die sonst weit auseinander in der Diaspora leben. Auf das GAW ist Verlass, wenn es darum geht, diesen Ort zu stärken – das zeigt auch die gemeinsame Geschichte der letzten 50 Jahre.