Donnerstag, 23. September 2021

Konfirmation woanders: Ungarn

Ich glaube jetzt bewusster

Bei uns ist die Zugehörigkeit zur evangelisch-lutherischen Kirche eine Familientradition. Wir gehen regelmäßig in den Gottesdienst und nehmen auch an anderen Gemeindeveranstaltungen teil. Meine älteren Brüder sind konfirmiert. Es war für mich keine Frage, dass auch ich mich konfirmieren lassen werde. Ich konnte es kaum erwarten, mit dem Konfirmandenunterricht anzufangen. Der Konfirmandenunterricht ist für mich eine große Bereicherung. Ich lerne viel Neues und sehe viele Dinge jetzt in einem größeren Zusammenhang. Ich kann sagen: Ich glaube jetzt bewusster.
Róza Taba, Konfirmandin der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde am Deák tér (Deák Platz) in Budapest, Ungarn

Dienstag, 7. September 2021

Sanierung der Jugendstilfenster der Waldenserkirche in Rom gehen gut voran

An der Piazza Cavour mittem im Herzen Roms findet sich eine der repräsentativsten Kirchengebäude der Waldenserkirche. Unmittelbar an ihre grenzt die Fakultät der Waldenserkirche an. Nur einen Kilometer entfernt befindet sich der Petersdom. Die Enweihung der Kirche 1883 wurde von der englischen, deutschen und nordamerikanischen Öffentlichkeit als Wunder der “kleinen” Waldenser begrüßt. Sie ist ein gut sichtbares und repräsentatives Zeichen für die Präsenz des Protestantismus in der Stadt.

Zur Kirchengemeinde gehören viele Einzelpersonen, die sich zum Protestantismus bekehrt haben und weit über die Stadt verstreut leben (ca. 300 Mitglieder). Heute finden in der Waldenserkirche Gottesdienste auf Italienisch, Französisch, Chinesisch, Malagasy und Spanisch, sowie Konzerte und kulturelle Veranstaltungen statt. Die Vielfalt der Kulturen zeichnet viele Waldensergemeinden inzwischen aus. 

Die Kirche ist denkmalgeschützt.
Besonders kostbar sind
die Buntglasfenster, die in der Bildsprache des Jugendstils vom Glauben zwischen der Offenbarung Gottes und dem Versprechen des ewigen Lebens erzählen. Sie mussten gereinigt und teilweise auch repariert werden. 40.000 € wurden dafür im PK 2021 gesammelt. Diese Arbeit konnte weitgehend beendet werden. Man spürt den Verantwortlichen der Gemeinde den Stolz ab, dass diese Arbeiten so gut vorangegangen sind. Es fehlt noch ein weiterer Schritt zur vollständigen Sanierung. Das soll dann bis April 2022 abgeschlossen sein. 

Weiter muß das Regenwasserablaufsystem, Dachausbesserungen und Gesimse saniert werden. Diese Arbeiten sind in vollem Gange. Das GAW hat dieses Projekt mit 10.000 Euro gefördert.

Samstag, 4. September 2021

Gibt es Zukunft für das Protestantische Zentrum in Nessonvaux nach der Flut...?

Protest. Zentrum in Nessonvaux
"Man hat es sich nicht vorstellen können, dass die Vesdre (Weser) einmal so extrem ansteigen würde," sagt Steven Fuite, Synodalpräsident der Vereinigten Protestantischen Kirche in Belgien (VPKB). "Sogar ein Container wurde über der Brücke am Protestantischen Zentrum gespült." 

Nessonvaux ist ein idyllischer wallonischer Ort in der Provinz Lüttich an der Vesdre.

Das Protestantische Zentrum hat hier eine lange Tradition. Vor 50 Jahren entstand es aus der damals schrumpfenden protestantischen Gemeinde und hat sich zu einem beliebten Freizeitheim entwickelt. Es liegt direkt an der Vesdre, die hier normalerweise friedlich entlangfließt und 3 Meter breit war. Jetzt hat der Fluß eine Breite von 8 Meter. Er hat alles mitgerissen, was irgendwie im Weg war. Die Kapelle des Protestantischen Zentrums wurde zur Hälfte zerstört. Die Mauerreste liegen im Fluß. Nur das Kreuz der Kapelle leuchtet einem entgegen. 
Kreuz in der zerstörten Kapelle

"Für die Menschen ist das derzeit ein tröstliches Zeichen, dieses Kreuz zu sehen, auch wenn kaum jemand aus dem Ort noch zur protestantischen Kirche gehört", sagte Fuite. "Sie brauchen Trost. Dafür steht das Kreuz. Es gibt immer noch kein Strom und fließend Wasser. Geschweige denn Gas. Viele sind inzwischen mutlos und haben keine Kraft mehr.  Unklar ist es für alle, die am Fluß leben, wie es weitergeht. Eine ganze Strasse gibt es nicht mehr am Fluß gegenüber vom Zentrum." 

In Nessonvaux wird aufgeräumt. Freiwllige aus anderen Regionen helfen mit. Bagger fahren durch die Strassen. Fenster und Türen stehen weit auf zum Trocknen der Häuser. Auch im Protestantischen Zentrum. Hier waren gerade Renovierungsarbeiten abgeschlossen. Als die Flut kam, da hat die Leiterin gerade noch rechtzeitig eine Jugendgruppe in Sicherheit bringen können. "Zum Glück ist kein Jugendlicher zu Schaden gekommen."

Steven Fuite zeigt den Pegelstand
der Vesdre im Zentrum
Es ist unklar, wie es mit dem Zentrum weitergehen soll und ob der Wiederaufbau lohnt. "Das Zentrum entspricht nicht mehr den Normen. Man dürfte es im alten Zustand nicht wieder herstellen, sondern man müsste es den neuen Standards anpassen. Ob das lohnt..." - fragt die Leiterin. "Drei Optionen gibt es, die evaluiert werden müssen und abhängig sind von den neuen Bestimmungen zum Hochwasserschutz. Die gibt es nicht. Derzeit weiß keiner, was das bedeutet."

"Wir überlegen, es entweder wieder aufzubauen, an anderer Stelle ein Zentrum zu eröffnen oder diese Arbeit ganz einzustellen", sagt Fuite. "Nur - an diesem Zentrum hängen viele Emotionen. Generationen an Jugendlichen verbinden etwas mit diesem Zentrum. Sie haben ihre Geschichten - auch die ganz persönlichen. Auch der Synodalrat kam jedes Jahr hierher."

"Es war das schlimmste Hochwasser, das Belgien je erlebt habe", sagt Fuite am Ende des Besuchs. Wir stehen gemeinsam auf der Brücke, als er das sagt und schauen auf das Kreuz. Und Steven betet.

P.S.: Das GAW hat der Vereinigten Protestantischen Kirche mit einer Nothilfe für das Zentrum geholfen. Wenigstens ein kleines solidarisches Zeichen - egal, wie es da weitergehen wird...

Freitag, 3. September 2021

Wenn evangelische Kirchen mehr als ein zu Hause werden...

 

Protestant. Kirche in Liége
Durch den guten Kontakt zur Heilsarmee kam ein ehemaliger Gewerkschafter aus dem Kongo mit seinen vier Kindern zur protestantischen Gemeinde Liège-Lambert-le-Bègue. Hier bewohnt er ein Appartment. Seine Geschichte der Flucht aus dem Kongo ist abenteuerlich. Er verlor dabei den Kontakt zu seinen Kindern und seiner Frau. Seine Kinder fand er dank des belgischen Roten Kreuzes in einem südafrikanischen Flüchtlingslager wieder. Seine Frau blieb verschwunden. Bis heute... "Die protestantische Gemeinde hat mir in Liége ein zu Hause gegeben. Der Pastor und die Gemeinde sind meine neue Familie!" sagt er. 

Viele Migranten und Flüchtlinge wie der kongolesische Gewerkschafter finden in dem Gemeindezentrum Hilfe. Sieben Sozialarbeiter kümmern sich während der Woche um sie. Dabei geht es um juristische Hilfe, Sprachkuruse, Integrationshilfe, warme Mahlzeiten, Kleidung. "Wir übernehmen Aufgaben der Kommune," sagt der Pastor der Gemeinde. 2500 Anfragen erreichen die Sozialarbeiter pro Jahr, wo Hilfe notwendig ist.


"In der Gemeinde gibt es eine große Hilfsbereitschaft," berichtet der Pfarrer. "Die Aktivitäten wirken sich positiv aus. Die Gemeinde ist lebenig, verjüngt sich und ist sehr bunt und vielfältig."

Im Jahr 1831 verkündet eine liberale Verfassung Religionsfreiheit in Belgien. Wenige Jahre später

entstand in Liége (Lüttich) eine protestantische Gemeinde, die heute nach der anliegenden Straße Liège-Lambert-le-Bègue heißt. In der Stadt gibt es noch zwei weitere Gemeinden der Vereinigten Protestantischen Kirche. Die Gemeinde Liège-Lambert-le-Bègue zählt 300 Glieder.  

Sehr gute ökumenische Beziehungen unterhält die Gemeinde zur Salesianergemeinde in Laveu. Gemeinsam werden ökumenische Gottesdienste gefeiert und Solidaritätsaktionen veranstaltet. 

1860 wurde die Kirche in der Straße Lambert-le-Bègue, 1862 der Anbau „Foyer“ fertig. 1965 wurde der Anbau komplett erneuert, mit Ausnahme des Dachs und des Rondells. Bei einer Inspektion wurde festgestellt, dass der Zustand des Dachs Besorgnis erregend ist. Die Gemeinde hat inzwischen dank der Hilfe des GAW das Dach erneuern können. Nun stehen wietere Sanierungsarbeiten an. Fenster müssen erneuert werden. Dadurch sollen Heizungskosten gespart werden.

Konfirmation woanders: Rumänien (2)

Heute bin ich in unserer Gemeinde aktiv

Ich bin Mark Péchy. Ich lebe in Rumänien. Ich bin 2016 konfirmiert worden. Ich kann euch sagen, dass es sich lohnt, sich konfirmieren zu lassen. Ich erinnere mich gerne an die Gemeinschaft, die wir im Konfirmandenunterricht hatten. Gemeinsam haben wir viel erlebt und die Liebe Gottes kennengelernt. Heute bin ich in unserer Gemeinde aktiv. Dort gibt es Menschen, mit denen ich mich gut verstehe. Wir helfen einander. Natürlich ist nicht alles perfekt. Aber es ist unsere Aufgabe daran zu arbeiten, dass unsere Gemeinden ein Ort des Glaubens an Gott sind und dass wir uns dort wohl fühlen.  
Mark Péchy, Oradea

Donnerstag, 2. September 2021

Denis - die gute Seele von Herstal

Pastor Paolo und Denis
"Darf ich dir Denis vorstellen?" fragt Pastor Paolo beim Besuch der Protestantischen Gemeinde Herstal. Herstal liegt in der Nähe von Lüttich. Die  Gemeinde ist bunt gemischt. Menschen aus Kamerun, dem Kongo, Italiener, Polen und Syrer gehören ihr mittlerweile an. Noch bunter geht es in der großen Pfadfinderarbeit zu. Bis an die 100 Kinder und Jugendliche treffen sich hier wöchentlich aus veielen weiteren Nationen - so jedenfalls hofft man bald auch wieder weitermachen zu können. Die wenigsten von ihnen sind noch evangelisch. "Aber diese Arbeit hilft uns, bekannt zu bleiben und Menschen neugierig zu machen!" sagt Paolo. "Denis hat ein gutes Händchen mit den Kindern und Jugendlichen," sagt er. "Er motiviert sie, spricht mit ihnen, zeigt ihnen seine Gartenarbeit. Ohne Denis würde hier vieles nicht so gut laufen: er ist Hausmeister, "Mädchen für alles", Ansprechpartner, Gärtner, Mitglied im Kirchenvorstand und auch Prediger."

Seit 15 Jahren lebt Denis in Herstal. Seine Geschichte ist abenteuerlich. In den 80er Jahren kam er  aus dem Kongo nach Europa. Zunächst nach Griechenland. Hier ging er zur Ersten Gemeinde der Griechischen Evangelischen Kirche, studierte zunächst Ökonomie. Bald ermutigte ihn der Pastor der Gemeinde, die Bibelschule der Kirche zu besuchen. Drei Jahre tat er das. Seine Kirche schickte ihn dann nach Amsterdam zum weiterführenden Theologiestudium. Weitere drei Jahre studierte er dort. Nun konnte er

Denis Garten im Gemeindezentrum Herstal
neben Griechisch auch noch Holländisch. Dann schickte man ihn nach Löwen, um hier seinen Master zu machen. Das gelang nicht. Er verlor seinen Studentenstatus und musste sehen, wie er klarkam. So kam er schließlich nach Herstal. Die Region gehörte durch Kohlebergbau und florierende Industrie zu den reicheren Regionen Europas. Das ist schon länger vorbei. Inzwischen gehören Kommunen wie Herstal zu den ärmeren in Belgien. 

Wenn Paolo nicht gewesen wäre... - Paolo half Denis. Er brachte ihn im protestantischen Gemeindezenztrum Le Foyer unter. Hier bekam er ein kleines Appartment mit

Vor Le Foyer in Herstal

seiner Frau und kümmert sich seitdem um vieles in der Gemeinde. 

Schicksale wie die von Denis sind kein Einzelfall in Herstal. Le Foyer ist zum Anlaufpunkt für Bedürftige geworden. Hier wird für etliche Familien gekocht, Lebensmittelpakete verteilt, Kleider ausgegeben, Möbel besorgt, Wäsche gewaschen, Sprachkusre gegeben, Workshops veranstaltet und zugehört. Wie der Name sagt: Le Foyer ist wie ein zu Hause. Das will die Gemeinde anbieten. "Uns ist es als evangelische Christen nicht egal, wie es den Menschen um uns herum geht. Wir wollen für sie da sein und ihnen helfen!" sagt Paolo.

Das Zentrum Le Foyer ist in die Jahre gekommen. Um die Arbeit fortsetzen zu können, sind dringende Renovierungsmassnahmen durchzuführen. Am Brandschutz muss ebenso etwas getan werden, sonst droht die Schließung. Im kommenden Projektkatalog 2022 soll für Le Foyer gesammelt werden, damit die evangelische Gemeinde bei den Menschen bleiben kann.

Dienstag, 31. August 2021

Die Sanierung des Pfarr- und Gemeindehauses in Karviná in Tschechien ist gelungen

Pfarr-und Gemeindehaus in Karviná
"15.000€ haben wir aus dem Projektkatalog 2019 für unsere Schlesische Evangelische Kirchengemeinde A.B. in Karviná erhalten. Damit sollte ursprünglich vor allem die Fassade des großen Pfarrhauses saniert werden," schreibt Pfarrer Emil Macura. "Dank weiterer Hilfen konnten wir jetzt nicht nur die Fassade renovieren, sondern haben die Mittel auch für die Herrichtung von drei Mietwohnungen und einem Raum für die Jugendarbeit der Gemeinde nutzen können."

Inzwischen erstrahlt das große Gebäude im Stadtzentrum in neuem Glanz und wirkt hoffentlich für viele Menschen
einladend.Zudem helfen die Mietwohnungen Einnahmen für die aktive Gemeinde zu generieren.

Karviná ist eine wichtige Industriestadt an der Grenze zu Polen. Die evangelisch-augsburgische Gemeinde ist eine tschechisch- und polnischsprachige Gemeinde. Die Gemeindekartei verzeichnet rund 1.000 Gemeindeglieder, zu den sonntäglichen Gottesdiensten kommen 60-80. Bibelstunden gibt es an sechs verschiedenen Orten. Sehr wichtig ist der Gemeinde die Arbeit mit Familien. Es gibt Aktivitäten für Mütter mit Kindern und für Väter mit Kindern. Eine aktive Jugendgruppe organisiert Veranstaltungen, mit denen sie Gleichaltrige aus der Stadt ansprechen und für den Glauben begeistern wollen. Zudem ist sie aktiv in der Roma-Seelsorge.

Dienstag, 24. August 2021

Lettische Theologinnen vernetzen und unterstützen sich weltweit

Bei ihrer Synode im August 2021 entschied die Lettische Evangelisch-Lutherische Kirche (LELK), aus der Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa (GEKE) auszutreten. Als einer der Gründe für den Austritt wurden die unterschiedlichen Haltungen der lettischen Kirche und der GEKE zur Frauenordination angegeben.

Wegen der Ablehnung der Frauenordination arbeitet die Mehrheit der lettischen Theologinnen inzwischen in der Letischen Evangelisch-Lutherischen Kirche Weltweit, die aus der Auslandskirche in der Sowjetzeit hervorgegangen ist. Sie hat Gemeinden u.a. in Lettland, Schweden, Deutschland, Großbritannien, den USA, Kanada und Venezuela. In Lettland sind es fünf Gemeinden.
In der Vereinigung Lutherischer Theologinnen in Lettland haben sich schon vor einigen Jahren Pfarrerinnen und Evangelistinnen der beiden Kirchen zusammengeschlossen. Es ist eine Gruppe von Frauen, die sich weltweit vernetzt und nicht aufgibt; die an die Öffentlichkeit tritt und für ihre Anliegen wirbt. Die Vereinigung hat einen Sozialfonds, der Theologinnen im Winter mit Brennmaterial und Heizkosten unterstützt, aber auch medizinische Kosten trägt. Außerdem gibt es einen Forschungsfonds, aus dem herausragende wissenschaftliche Arbeiten von lettischsprachigen Theologinnen gefördert werden. Die Vereinigung konnte jetzt mit Hilfe einer Unterstützung der Nordkirche sogar eigene Büroräume in Riga beziehen.

Der Rundbrief der Theologinnen schließt mit Dankesworten: "Wir sind dankbar für jedes Gebet, jeden Gedanken, jedes Wort, sowie für all die großzügige finanzielle Unterstützung, die wir über die Jahre erhalten haben. Ohne all das wäre es nicht möglich, unsere Aktivitäten aufrechtzuerhalten, die lebenswichtig sind, um bedrängte Theologinnen zu unterstützen, sowie für den Dienst von Frauen einzutreten und Theologie rund um Geschlechtergerechtigkeit und die Rolle der Frauen in der Kirche zu betreiben. Danke, und möge Gott Ihre großzügigen Herzen segnen!"

Die GAW-Frauenarbeit hat bereits ein Treffen und ein Filmprojekt der lettischen Theologinnen unterstützt.

Website: https://sieviesuordinacija.lv/index.php?langs=1603

Donnerstag, 19. August 2021

Diaspora und Sendung

"Diaspora und Sendung" - unter diesem Motto findet am 19. September auf der diesjährigen Vertreterversammlung des GAW der EKD  ein Podiumsgespräch statt. GAW-Präsidentin Prälatin Gabriele Wulz ist im Gespräch mit dem Ratsvorsitzenden der EKD Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm und dem Bevollmächtigten des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union Prälat Dr. Martin Dutzmann.

Den Diasporabegriff theologisch zu füllen und über den Auftrag von Diaspoarkirchen in ihren Gesellschaften nachzudenken, gehört schon immer zu den Aufgaben des Diaporawerkes der EKD. 

Das soll auf der Vertreterversammlung fortgeführt werden.

Zur Erinnerung:

Die Grundlagen für einen theologisch weiter gefassten Diaspoarbegriff entfaltete Prof. René Krüger (Evangelische Kirche am La Plata) mit dem Buch "Diaspora". Sein Statement: Wir alle sind Diaspora, nämlich Salz der Erde und Licht der Welt. 

Ebenso hat sich das GAW mit der Frage auseinandergesetzt, wie sich Diaspora und Mission zueinander verhalten. Denn, wenn man Salz der Erde sein will, dann setzt man sich für die Erde ein, dann hat man eine Mission, nämlich nach außen in Wort und Tat zu zeigen, was man innen glaubt. Das ist Mission, das ist Sendung.

Im GAW haben wir in den letzten Jahren das Studiendokument der GEKE zum Thema „Theologie der Diaspora“ breit rezipiert. An der Erarbeitung des Dokuments hatte sich das GAW engagierte. Zu finden ist dies - neben weiteren Diasporatexten - in dem Buch „Graswurzel oder heiliger Rest?“, das inzwischen ausverkauft ist.
 

GAW-Präsidentin Gabriele Wulz nimmt die Impulse auf  und stellt fest, dass "die theologische Debatte hierzulande profitieren kann, wenn sie das Thema Diaspora bewusst aufgreift. Die soziologischen Implikationen dieses Begriffs und die sozialwissenschaftliche Forschung zum Thema können unsere Diskurse um eine kleiner werdende Kirche befruchten. Diaspora ist nicht eine Kategorie des Mangels, sondern ein relationaler Begriff – 'als Gestaltung von Beziehungsfülle im Sinne der Nachfolge Christi'. In einem solchen 'relational akzentuierten Diasporabegriff' lässt sich die Polyphonie der Lebensbezüge von Gemeinden in der Diaspora erkennen. So wird mit dem Begriff Diaspora eine wesentliche Gestaltungsaufgabe von Kirche in der Welt zum Ausdruck gebracht."

In einem kürzlich in der Evangelischen Verlagsanstalt unter dem Titel "Diaspora und Sendung"erschienen Buch heißt es nun: "Die Begriffe 'Diaspora und Sendung' gehören zusammen, auch wenn sie im Sprachgebruach der meisten Kirchen in unterschiedlichem Kontext verwendet werden. Die 'Fremdheit' der Christinnen und Christen in der Welt ist untrennbar mit der universalen Sendung der Kirche zu allen Völkern verbunden." (S. 82) Und so wird erläutert, wie Diaspoar zu verstehen sei. Es bedeute eigentlich "Zerstreuung" oder "Verstreuung". Im Gebrauch zeige sich eine Vielfältigkeit, je nachdem, wie der Begriff in Soziologie, in Kulturwissenschaften oder in Theologie verwendet wird. In einem theologischen Sinne will man den Begriff verstanden wissen als "Fremdheit" und "Vorläufigkeit" der Existenz von Christinnen und Christen in der Welt. So verstanden sei Christsein grundsätzlich von einer Existenz in der Diaspora gekennzeichnet. Dazu wird der Begriff "Sendung" gestellt, denn zu allen Kirchen gehört der Auftrag, allen Menschen das Evangelium zu verkünden durch das Zeugnis für den Glauben, die Feier des Gottesdienstes und den Dienst am Nächsten. Diese Sendung gelte für alle Christinnen und Christen in Raum und Zeit. (ebd. S. 82)
In einem multilateralen ökumenischen Kontext reiche es nicht, den Diasporabegriff theologisch für das Selbstverständnis von Minderheitskirchen zu verwenden. Es gelte, "den Blick für das religiöse Selbstverständnis der Kirchen insgesamt zu weiten, sowohl für die Beziehung zur "Welt" bzw. für ihre Positionierung in der Gesellschaft als auch für ihr Verhältnis zu weltlicher Zeit und eschatologischer Zukunft. In diesem Sinne kann Diaspora, in Anknüpfung an die GEKE-Studie, als ein relationaler Begriff verstanden werden." (S. 27)

Wie sind und werden wir Diaspora und bleiben dabei freudig Salz der Erde? Dazu sind wir immer wieder berufen - egal wie groß oder klein? Der Diaspoarbegriff gewinnt für unsere Gegenwart spürbar an Bedeutung.


Buchtipps:
- Rene Krüger, Die Diaspora.Von traumatischer Erfahrung zum ekklesiologischen Paradigma, Verlag des GAW, Leipzig 2011
- Diaspora und Mission.Eine Verhältnisbestimmung, Verlag des GAW, Leipzig 2011
- Evangelisch glauben - nüchtern hoffen. Beiträge zu einer Theologie der Diaspora, Verlag des GAW, Leipzig 2015
- Katharina Bracht, Thomas Söding (Hrsg.), Diaspora und Sendung. Erfahrungen und Auftrag christlicher Kirchen im pluralen Deutschland, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2021

Mittwoch, 18. August 2021

Brasilien: Haus der Hoffnung konnte auch während der Pandemie Familien helfen

Das Haus der Hoffnung in  Ceilândia
Ceilândia ist eine Satellitenstadt westlich der Hauptstadt Brasilia. In Ceilândia befindet sich mit Sol Nascente die zweitgrößte Favela Brasiliens. Sehr viele Familien in der Stadt sind auf soziale Hilfsprogramme angewiesen, denn sowohl die Arbeitslosigkeit als auch die Analphabetenquote sind sehr hoch. Die lutherische Kirche hat in der Stadt zwei Sozialwerke.

Im Freundesbrief, den wir jetzt aus "Casa da Esperança" (Haus der Hoffnung) erhalten haben, schreibt die Diakonin und Leiterin Elli E. Stoef von der aktuellen Situation.
"Das Jahr 2021 hat für uns mit der durch die COVID19-Pandemie bedingten Krisensituation begonnen. Die Arbeitslosenzahlen stiegen kontinuierlich, weshalb viele Menschen darauf angewiesen waren, sich ihr tägliches Brot auf dem informellen Arbeitsmarkt mit einem unsicheren und zum Überleben nicht ausreichenden Einkommen zu verdienen." Dank Spenden konnte das Haus der Hoffnung die betreuten Familien mit Lebensmittelpaketen, Hygieneartikeln etc. unterstützen. "Trotz der vielen Schwierigkeiten, wie z.B. fehlende Computer und unzureichende Internetzugänge, konnten in diesen Familien alle Schüler auch während des Lockdowns von zu Hause aus weiter lernen.
Unsere Kurse und die Sportgruppen durften wir leider auch im ersten Halbjahr nicht durchführen. Wir hoffen, dass der Präsenzunterricht mit unseren Schülern bald wieder erlaubt wird. Und wir bereiten uns jetzt schon darauf vor. Mit dem Fortgang der COVID-Impfungen und dadurch, dass bereits viele Menschen immunisiert sind, kehren die täglichen Abläufe langsam zurück und das Leben normalisiert sich allmählich."
Das Halbjahr konnte glücklicherweise dafür genutzt werden, Instandsetzungsarbeiten an den Anlagen durchzuführen, die für die Schulkinder vorgesehen sind. Besonders Stolz ist die Leiterin auf den Garten: "Auch in unserem Garten hat sich einiges getan, denn mit neuen Pflanzen verschönerten wir die Umgebung und können jetzt den Teilnehmern einen gemüticheren Platz für die Pausen bieten. Im Gemüsegarten produzieren wir Bio-Gemüse und Setzlinge zum Verkauf, was uns hilft, die Kosten für das Haus der Hoffnung zu decken." Die Frauenarbeit des GAW hat die Arbeit des Hauses immer wieder unterstützt, zuletzt im Jahr 2018.

Mit dem Projektkatalog 2015 half das GAW auch einem weiteren lutherischen Sozialwerk in Ceilândia, "Cantinho do Girassol“ (Sonnenblumenecke) bei der dringend notwendigen Modernisierung der Küche, wo in normalen Zeite" pro Tag 2.000 Mahlzeiten zubereitet werden.

Dienstag, 17. August 2021

"Evangelisch weltweit" 3/2021 erschienen

Redakteurin Maaja Pauska
mit "Evangelisch weltweit"
Unsere Interviewpartnerin in der aktuellen Ausgabe von "Evangelisch weltweit" ist die Präsidentin des GAW, Prälatin Gabriele Wulz. Das hat einen besonderen Grund: Nach zwölf Jahren im GAW-Vorstand und sechs Jahren als erste GAW-Präsidentin kandidiert sie auf der kommenden Jahresversammlung nicht mehr für dieses Amt. In unserem Interview blickt sie auf diese Zeit zurück. Dem GAW und der evangelischen Diaspora bleibt sie als Vorsitzende des GAW Württemberg trotzdem erhalten. Prälatin Wulz hat auch die Predigtmeditation zum Reformationsfest 2021 geschrieben: „Christliche Freiheit ist kein Standpunkt, sondern ein Weg.“ (Download unter https://www.gustav-adolf-werk.de/predigten-und-predigthilfen.html)

Mit einem weiteren Text über theologische Ausbildung in unseren Partnerkirchen (Magazin 1/2021: Europa, Magazin 2/2021: Lateinamerika) schließen wir vorerst diese Artikelreihe. In Kasachstan, Russland und der Ukraine ist vieles im Aufbau und Bewegung. Weil es nicht so einfach ist, neue Pfarrerinnen und Pfarrer zu gewinnen und auszubilden, ist es enorm wichtig, auch alle anderen Mitarbeitenden in den Kirchen theologisch und fachlich weiterzubilden, betonen die Verantwortlichen in den Kirchen unisono. Denn auch Predigerinnen und Prediger können einer Gemeinde Leben einhauchen, genauso wie ehrenamtlich Mitarbeitende im Jugendbereich. Oder mit den Worten unserer Präsidentin Gabriele Wulz aus ihrem Interview ausgedrückt: „Wenn wir etwas aus den Kontakten in und mit der Diaspora lernen können, dann doch dieses: Dass es Einzelne sind, die den Unterschied machen – oder machen können.“
Interessante Einblicke bietet das Magazin in die Arbeit mit Roma in der Union der Kongregationalistischen Kirchen in Bulgarien. Das GAW will in diesem Jahr die Bildungsarbeit für Roma in der Gemeinde Parvomay unterstützen. Im Projektkatalog 2021 gibt es übrigens insgesamt acht Projekte von Partnerkirchen in Bulgarien, Rumänien, Serbien und Ungarn, die ganz oder zu einem großen Teil Roma in diesen Ländern zugutekommen.
Weitere Themen in diesem Magazin sind die Krankenhausseelsorge in Brasilien, Estland und Österreich sowie die Lage der lutherischen Kirchen in Chile.

Eine Auswahl an Artikeln aus dem neuen Magazin finden Sie zum Nachlesen auf unserer Internetseite https://www.gustav-adolf-werk.de/evangelisch-weltweit-das-magazin-des-gaw.html

Donnerstag, 5. August 2021

Das Jugendtreffen „Le Grand Kiff“ konnte 2021 endlich durchgeführt werden

Das evangelische Jugendtreffen "Le Grand KIFF" fand
vom 29. Juli bis 2. August in Albi bei Toulouse in Frankreich statt, nachdem es im vergangenen Jahr coronabedingt verschoben werden musste. Es nahmen 400 Jugendliche zwischen 15 und 20 und 150 Erwachsene zwischen 20 und 30 Jahren teil.

Die Idee zu diesem Treffen entstand 2005 bei einer Jugendkonferenz. „Warum gibt es kein großes Fest, wo protestantische Jugendliche aus allen Regionen sich treffen können?“, fragten die Teilnehmer. Das erste Treffen 2009 war als Einzelereignis gedacht, doch es wurde ein großer Erfolg und verlangte nach einer Fortsetzung. Am Grand Kiff 2016 nahmen  1.400 junge Menschen im Alter von 15 bis 30 teil. Das nächste Treffen war für das Jahr 2020 geplant. Dankbar sind die Organisatoren, dass es dieses Jahr trotz aller Beschränkungen, Begrenzung der Teinehmendenzahl, Hygienemaßnahmen etc. stattfinden konnte. 
 
Das fünftägige Treffen
stand unter dem Motto „Die Erde teilen“. Gottesdienste, Bibelstunden, Workshops, Spiele und Konzerte drehten sich ganz um die Themen
Klimaschutz und zukunftsfähiges, nachhaltiges
Leben. Auch bei der Durchführung des Treffens wurde auf Ressourcenschonung geachtet - auch um zu zeigen, dass das nicht mit Verzicht einhergehen muss.

Die Verantwortlichen des großen Jugendtreffen sind dem GAW dankbar für die erhaltene Unterstützung!

Mehr:
www.legrandkiff.org 
https://www.facebook.com/legrandkiff/
https://www.youtube.com/watch?v=jB3ne2iKkQA