Freitag, 3. Dezember 2021

Diasporaverantwortung ist keine "Winkelsache" - es weitet den Horizont!

Prälat Dr. Eichele
Diasporaverantwortung - und damit die "Gustav-Adolf-Sache" - ist eine der kirchlichen Lebensäußerungen neben Mission, Ökumene und Diakonie. Das findet sich im Neuen Testament u.a. in Galater 6,10: "Lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist an des Glaubensgenossen!" 

Prälat Dr. Eichele betonte vor 60 Jahren:

"Die Gustav-Adolf-Sache ist keine Winkelsache, sondern nimmt sich in aller Welt der Diaspora und ihrer Not an, der nur ein weltweites Denken helfen kann, das sich über die Grenzen der eigenen Heimatkirche hinaus den Glaubensgeschwistern in aller Welt verpflichtet weiß und bereit ist, für sie Opfer zu bringen."

Dr. Eichele sagte diese Worte vor 60 Jahren auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin 1961 im Rhamen einer Begegnung des Kirchlichen Außenamtes und des GAW. Dr. Eichele war bis 1962 Prälat in Ulm; danach Landesbischof der Württembergischen Landekirche.

Dienstag, 30. November 2021

Als Kirche leben wir von den Rändern her - dort gilt es Glaube zur Sprache zu bringen

Präses Dr. Thorsten Latzel
"Als Kirche leben wir von den Rändern her - dort gilt es Glaube zur Sprache zu bringen," sagt Präses Dr. Thorsten Latzel im Interview mit "GAW Rheinland Kurier in der aktuellen Adventsausgabe 2/2021. Seit 2021 ist Latzel Präses der rheinischen Landeskirche (www2.ekir.de) 

Im September traf Latzel sich mit der Vorsitzenden des GAW Rheinland und dem Generalsekretär des GAW der EKD.

1. Warum schlägt Ihr Herz für das GAW?

Das GAW weitet den Blick auf die Vielfalt protestantischen Lebens in Europa und weltweit. Mit seiner Arbeit sensibilisiert es für die Situation von Minderheitenkirchen und fördert den ökumenischen Zusammenhalt. Und es hilft konkret mit diakonischen Projekten.

2. Welche Rolle hat Ihre Heimatgemeinde in Ihrem Leben? 

Ich bin in einer sehr aktiven, ländlichen Gemeinde in Wittgenstein groß geworden. Die Erfahrungen von Glauben, Gemeinschaft und aktivem Engagement, die ich hier machen durfte, haben mich bleibend geprägt.

3. Welche Erfahrungen von Christentum in der Diaspora haben Sie gemacht?

Ein Beispiel ist die „intellektuelle Diaspora“, die ich etwa in der Akademie-Arbeit erfahren habe. In vielen Feldern ist christlicher Glaube hier alles andere als selbstverständlich. Mir ist es wichtig, dass wir als Kirche gerade von den Rändern her leben, dort Gott und Glaube zur Sprache bringen, wo sie nicht selbstverständlich sind.

4. Welche Zukunft hat die evangelische Kirche?

Die Kirche ist ein Geschöpf von Gottes Wort. Deswegen wird es eine Kirche Jesu Christi geben, solange die Erde besteht. Unsere Aufgabe ist es, Gottes Geist dabei möglichst Hilfe und nicht Hindernis zu sein. Wir werden uns in Zukunft noch stärker an den Menschen statt an überlieferten Strukturen ausrichten. Dazu ist es gut, agil zu sein, vielfältige Formen gemeindlichen Lebens zu haben, sich stärker nach innen wie nach außen zu vernetzen, jungen Menschen Raum zu geben, digitale Kommunikationsmöglichkeit zu nutzen, mutige Schritte zu machen und uns nicht im Prozess des Kleinerwerdens zu stark mit uns selbst zu beschäftigen. In dem Papier E.K.I.R. 2030 haben wir als Kirchenleitung dies versucht zu beschreiben. 

5. Welche Bedeutung hat das Gebet für Ihren Alltag? 

Im Gebet greift Gottes Geist in mir Raum. „Du bist mein Atem, wenn ich zu Dir bete.“ (Huub Osterhuis). Ich unterbreche meinen Alltag, öffne mich in Klage, Lob, Bitte, Dank der Gegenwart Gottes – auch dann, wenn ich nichts von Gott spüre. Oft ist es eine sprechende Stille.

6. Welches ist Ihre Lieblingsgeschichte in der Bibel? 

Da gibt es viele: Mein Lieblingspsalm ist Ps. 121, weil ich gerne wandere. Ich bin fasziniert von Jakobs Kampf am Jabbok, wenn Gott ihn als hinkenden Sieger vom Platz gehen lässt. Mein liebstes Evangelium ist das nach Markus, weil es so archaisch ist und Christus mit dem Schrei der Gottverlassenheit stirbt.

7. Welches sind Ihr Lieblingsbuch und Ihr Lieblingsland?

Lieblingsbücher ändern sich. Eine aktuelle Empfehlung ist „Lincoln im Bardo“, ein beeindruckend erzählter Roman. Ich lebe gerne in Deutschland und liebe es in andere Länder zu reisen. Hier stehen im nächsten Jahr Begegnungen u.a. in Italien und Osteuropa an.

Den "GAW Rheinland Kurier" kann man abonnieren. Er erscheint 2 mal jährlich: 

Montag, 29. November 2021

Das Stipendienprogramm für ADL ermöglicht Ausbildung in Brasilien

Musikklasse von ADL
"Wir bedanken uns ganz herzlich für die Unterstützung der Stipendien für unsere Schüler:innen in der Associação Diacônica Luterana (ADL) in Brasilien", schreibt Emerson Lauvrs, einer der Verantwortlichen von ADL. "2021 haben wir  Kinder und Jugendliche im Alter von 13 bis 21 Jahren in unserem Internat. Der Großteil kommt von Bauernfamilien in Afonso Claudio, Laranja da Terra, Santa Maria und Itaguaçu. Viele haben Lernschwierigkeiten. Sie kommen aus schwierigen Familienverhältnissen und hatten kaum Zugang zu irgendwelchen kulturellen Bildunmgsangeboten. ADL ist in der Lage, 90 Kinder und Jugendliche zu betreuen. In diesem Jahr wurden wegen der Pandemie die vollen Aktivitäten erst aufgenommen, nachdem Staat- und Stadtregierung es gemehmigt haben. Wir mussten uns aber anpassen an die Hygieneauflagen.Trotz aller Schwierigkeitgen legen wir Wert darauf, alle Untrerrichtsthemen und –gänge mit den konkreten Lebensbedingungen der Schüler zu verbinden: Gerechtigkeit, Umweltschutz, Familie, Kinderschutz, Ackerbau, Rassismus, Gesundheit, um einige zu nennen. Die Grundausbildung in der ADL dauert drei Jahre. Im vierten Jahr werden spezifische
Weiterbildungen angeboten."

Die diakonische Ausbildung der Lutherischen Diakonischen Vereinigung ADL genießt seit über 60 Jahren ein hohes Ansehen in der lutherischen Kirche Brasiliens (EKLBB). Die Schule verknüpft Schulbildung mit diakonischer Ausbildung, praktischer Arbeit und gemeinschaftlichem Leben. Großen Wert wird auf eine musikalische Ausbildung gelegt. Ohne den Besuch der ADL würden es viele dieser jungen Menschen nicht schaffen, zu studieren. Auch für ein Studium der Theologie bietet ADL eine gute Vorbereitung.

"Die Jährlichen Stipendien des GAWs sind für unsere Arbeit ungemein wichtig, weil unsere Schüler:innen aus Familien kommen, die nicht in der Lage sind, finanziell zu helfen. Vielen Dank ganz herzlich im Namen der Associação Diacônica Luterana (ADL) dem GAW! ", schreibt Emerson Lauvrs.

Mehr: www.adl.org.br

Donnerstag, 25. November 2021

Drei Jugendzentren in der Ukraine saniert!

Jugendzentrum „Bethel“ in Balazsér
"Dank der Unterstützung des GAW konnten wir in unserer Reformierten Kirche in Transkarpatien in der Ukraine drei unserer Jugendzentren sanieren! 24.000€ haben wir vom GAW dafür erhalten. Das war eine enorm wichtige Hilfe. Nur so konnte das Projekt umgesetzt werden!" schreibt Bischof Zan Fabian.

Wie die meisten Länder im Osten Europas leidet die Ukraine stark an der Arbeitsmigration. Die Abwanderung setzt auch der Reformierten Kirche in Transkarpatien zu. Die Gemeindeglieder dieser Kirche gehören mehrheitlich der ungarischsprachigen Minderheit an. Das Land Ungarn liegt auf der anderen Seite der Theiß und bietet eine wesentlich höhere Lebensqualität. Durch die gemeinsame Sprache fällt es leichter, dort neu Fuß zu fassen. Der reformierte Bischof Sándor Zán Fábián berichtet, dass jedes dritte Kind, das in seiner Kirche getauft wurde, inzwischen im Ausland lebt. Nun soll die Kampagne „Kinder der Reformation“ junge Menschen dazu ermutigen, im Land zu bleiben und Familien zu gründen.

Eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt in der Kirche spielen die Kinder- und Jugendfreizeiten. Jeder der drei Kirchendistrikte der reformierten Kirche hat einen Ort für solche Freizeiten.

Jugendzentrum Aklihegy
In Aklihegy (Okli Hed) und in Rát (Ratiwzi) werden jedes Jahr 400-700 Kinder und Jugendliche begrüßt. Dazu kommen verschiedene Gemeindeprogramme und Familienveranstaltungen. Nach 20 bis 30 Jahren intensiver Nutzung sind die Gebäude und ihre Infrastrukturen abgenutzt und brauchten dringend eine Erneuerung. In Aklihegy (Okli Hed) waren die hölzernen Balkonabgrenzungen so schadhaft, dass Absturzgefahr bestand.

Das Konferenz- und Jugendzentrum „Bethel“ in Balazsér (Balazher) ist die größte der drei Einrichtungen. Jährlich nutzen es 1.200 Kinder und 5-6.000 Erwachsene für Freizeiten, Presbyterschulungen, Bibelwochenenden u.v.m. Das Gebäude wurde vor zwei Jahren saniert, aber das Abwassersystem des Zentrums stammt aus der Sowjetzeit. Es ist marode und bedeutet eine große Belastung für die Umwelt. Vor Ort gibt es kein Abwassernetz. Die Kirche hat in „Bethel“ ein neues Abwassersystem mit biologischer Reinigung errichten, das eine Weiterverwendung des Wassers z.B. für die Bewässerung ermöglicht.

Im GAW freuen wir uns, dass diese drei Zentren saniert werden konnten!

Mittwoch, 24. November 2021

Unterkünfte für Notleidende sind in Palmela/Portugal entstanden

"Die Stiftung Robert Kelly der Presbyterianischen Kirche in Portugal dankt dem GAW bei der Unterstützung der Sanierung eines Gebäudes der Kirche, um Notleidende in Palmela bei Setubal unterbringen zu können," schreibt die Vorstzende Dulce Cabete.

Die politischen und sozialen Veränderungen stellen Kirchen und soziale Organisationen vor besondere Herausforderungen. In Portugal – wie in allen anderen europäischen Ländern auch – ist die Frage der Migration und der vielen Asylsuchenden eine große Herausforderung, die auch die Aufmerksamkeit der presbyterianischen Kirche in Portugal fordert. Auf der anderen Seite hat durch die soziale Krise im Land die häusliche Gewalt zugenommen, die insbesondere Frauen betrifft. Diese Frauen brauchen eine zeitweise Unterkunft (im Durchschnitt stirbt pro Woche eine Frau an häuslicher Gewalt). Und schließlich ist die Situation der Obdachlosen gerade in den kalten Monaten fürchterlich. Es besteht ein großer Bedarf an vorübergehenden Unterkünften für Menschen in den unterschiedlichsten Notlagen, den die Presbyterianische Kirche durch die Errichtung von Notunterkünften in Palmela decken möchte.

Ein älteres, der Kirche gehörendes Gebäude in Palmela, bei Setúbal gelegen, konnte dank der Hilfe des
Saniertes Gebäude
GAW saniert werden. Im Erdgeschoss sind Unterkünfte für acht Asylsuchende und Flüchtlinge hergerichtet werden. Im 1. Stockwerk ist für einheimische Notleidende eine Unterkunft errichtet worden. Das Dach und die Außenfassade mussten ebsno hergerichtet werden.

Das GAW hat dieses Projekt im Projektkatalog 2018 mit 9.000€ unterstützt. Allen Spendern sei herzlich gedankt!

Insgesamt wurden 53.000€ benötigt. Eine weitere Unterstützung wurde von der Waldenserkirche in Italien gegeben.

Montag, 22. November 2021

Pflegebetten, Schränke, Tische …

Ulrich Hirsch (r.) packt beim Beladen von gespendeten Pflegebetten immer mit an. Foto: Gröh

Das GAW Württemberg vermittelt gebrauchtes Mobiliar an diakonische Einrichtungen
im Osten Europas

„So beglückend wie Weihnachten“ empfand eine Spenderin das Gefühl, ein Pflegebett an ein Altenheim in der Slowakei zu schenken. Anfang November brachte das GAW Württemberg die gut erhaltenen, nicht mehr benötigten Pflegebetten aus Einrichtungen in Herrenberg, Ludwigsburg und Gronau nach Prešov in der Ostslowakei. Am 17. November 2021 erfolgte ein weiterer Hilfstransport mit Pflegebetten aus dem Samariterstift in Geislingen. Derzeit wird in Prešov ein Alten- und Pflegeheim saniert und entsprechend den heutigen Anforderungen modernisiert. Im Diakoniezentrum „Elim“ der lutherischen Kirche sind neben 37 Alten- und Pflegeplätzen auch eine Sozialberatung, Büros, Küche, Speisesaal, Waschküchen, Essen auf Rädern und mobile Krankenpflegedienste geplant. Der Abschluss der Arbeiten ist für den Herbst 2022 geplant.

Projektleiter Ulrich Hirsch aus Sachsenheim war berührt von dem Weihnachtsgefühl der Bettenspenderin: „Normalerweise freuen sich Menschen, wenn sie Geschenke bekommen. Sie hat alles gegeben und doch sich beschenkt gefühlt.“ Hirsch, ein früherer Geschäftsführer des GAW Württemberg im Ruhestand, hatte bereits 2020 den Transport von mehr als 100 Pflegebetten aus diakonischen Einrichtungen Württembergs für die Diakonie in Slowenien organisiert. In diesem Jahr wird die Zahl der Transporte mit Pflegebetten, aber auch vielen  anderen Einrichtungsgegenständen wie Schränken, Stühlen, Tischen, Rollstühlen und Kleinmöbeln noch übertroffen.

Den Anfang machte ein Lkw mit mehr als fünf Tonnen gut erhaltenem Mobiliar aus dem nicht mehr benutzten Bestand der landeskirchlichen Verwaltung in der Stuttgarter Gänsheide. Diese erreichten Prešov schon im Juli 2021.

Die zweite und die dritte Sendung kamen aus Herrenberg. Von der Evangelischen Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal wurde ein Teil der Ausstattung des Wiedenhöfer-Stifts, die durch einen Neubau nicht mehr benötigt wird, gespendet. Ein Teil davon ging an eine Pflegeeinrichtung in Dzięgielów in Polen. Das polnische Diakonat „Eben-Ezer“ betreibt dort neben dem Diakonissenmutterhaus auch das Alten- und Pflegezentrum Emaus. Pfarrer Marek Londzin freute sich sehr über die Spende, die im September in Dzięgielów angekommen ist. Ein zweiter Teil der Möbel wurde im Oktober nach Litauen geschickt, wo der Diakoniepfarrer Mindaugas Kairys sie für das Familienzentrum in Jurbarkas gut gebrauchen konnte.

Die Transporte Nummer vier und fünf im November waren mit Pflegebetten für Prešov beladen.

Die sechste Sendung mit Tischen soll im Dezember wieder in die Slowakei gehen, an eine evangelische Schule in Prešov und an das kirchliche Freizeitzentrum in Liptovský Mikuláš.

Die Finanzierung der Transporte erfolgte durch die Kirchenleitung bzw. durch die Aktion „Hoffnung für Osteuropa“. Das GAW übernahm die organisatorische Aufgaben, die nicht geringzuschätzen sind. „Das ist genau die Brückenfunktion des GAW: Wir vermitteln zwischen den Spendern und den Empfängern“, sagt Ulrich Hirsch. „Und wir verantworten die Logistik, organisieren Helfer, Gabelstapler etc.“ Unter Leitung von Gerhard Groß und Ulrich Hirsch hatten bei dem ganzen Projekt bis Ende Oktober rund 20 ehrenamtlich Mitarbeitende bereits über 80 Arbeitsstunden geleistet. Die Arbeitsstunden von Ulrich Hirsch selbst sind da gar nicht mitgezählt. Und in seinem Kopf nimmt bereits der nächste Pflegebettentransport Gestalt an. Konkrete Gespräche laufen inzwischen mit der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien.

Freitag, 19. November 2021

Wenn Gott gesiezt wird...

Ruth Konvalinkovà
2019 hat die evangelische Schule in Brünn (Brno/Tschechien) ihre Tore geöffnet. In einerm schönen Stadtteil nicht weit vom Zentrum entfernt hat sie ein altes Schulgebäude von der Stadt zur Miete bekommen. Die Gründung der evangelischen Schule geht auf eine Elterninitiative aus der evangelischen Gemeinde in Brünn hervor. Sie suchten für ihre Kinder eine Alternative zur staatlichen Schulausbildung. Kleine Klassen sollten es sein und zudem sollte die Schule inklusiv arbeiten. 

Beides ist gelungen. Trotz der Coronapandemie hat die Schule es geschafft, ihr Konzept umzusetzen und die Schule in kurzer Zeit zu entwickeln. Von der ersten bis zur sechsten Klasse werden ca. 90 Kinder unterrichtet. Ein Viertel von ihnen bekommt eine besondere Förderung. In den Klassenräumen sind

immer zwei Lehrer:innen. Einmal in der Woche geht jede Klasse ins Freie, um dort Unterricht alternativ zu erfahren. Wöchentlich kommt ein Gemeindepfarrer, um biblische Geschichten zu erzählen. 

Die wenigsten Kinder gehören zur Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder. "Das sieht man an dem schönen Gebet im Essensraum, das die Kinder selbst geschrieben haben" sagt die Schulleiterin Ruth Konvalinková. "Wir danken Herrgott, dass Sie uns das Essen geben und es uns schenken!" - so heißt es auf dem bunt ausgemalten Tischgebetsplakat. "Gott wird gesiezt - das tut kein christliches Kind," sagt sie lachend. "Aber das ist ein Anfang der Begegnung mit dem Glauben. Und das wollen wir: Wir wollen eine offene und einladende evangelische Schule sein und Begegnung mit unserer Kirche möglich machen. Wenn das gelingt, dann sind wir sehr dankbar."

Das GAW hat mit der GEKE (Gemeinschaft Evangelische Kirchen in Europa) die evangelische Schule bei der technischen Ausstattung unterstützt. Laptops für den Informatikunterricht und Whiteboards  für meherer Klassenräume wurden angeschafft.

Liturgische Farben: Weiß - Licht und Freude

Weiß ist die Farbe der größten Feste im Kirchenjahr: Der Weihnachtszeit, der Ostern und einiger anderen Tage, darunter der Ewigkeitssonntag, auch als Totensonntag bezeichnet. Wie passt die helle, licht leuchtende Farbe zu diesem Trauertag? Weil er den Blick der Menschen nicht allein auf den Tod und das Ende des irdischen Lebens lenkt, sondern weiter auf Christus, der den Tod überwunden hat und das ewige Leben schenkt. Für die Textilkünstlerin Tiina Puhkan, die 2009-2017 die Antependien (Altar- und Kanzelbehänge) der Johanniskirche in Tallinn gestaltet hat, sind auch Schwarz und Weiß "bunte" Farben:

"Alle Farben haben die ganze Farbenskala in sich, auch Schwarz und Weiß. Die Farbe Weiß ist nicht oberflächlich, genauso wie die Schönheit nicht oberflächlich ist. Schönheit ist mit Ehrlichkeit verbunden. Kein Werk kann schön sein, wenn es nicht vom Herzen gekommen und nicht ehrlich ist. Mit Feiern und mit Weihnachten sind Licht, Freiheit, die Reinheit der Seele und die Freude verbunden – das alles sollte in den Antependien zu finden sein. Die Antependien in der Kirche haben eine praktische Aufgabe. Sie sind ein Bestandteil des Ritus und wenn Menschen sie während des Ritus wahrnehmen, helfen sie, Gedanken zu lenken." 

Die Klappkarte mit dem weißen Antependienmotiv kann hier bestellt werden: https://www.gustav-adolf-werk.de/postkarten-plakate.html#weiss


Dienstag, 16. November 2021

Liturgische Farben: Violett - Umkehr und Neuanfang

Der Buß und Bettag ist eines jener Tage im Kirchenjahr, an denen die violetten Antependien (Altar- und Kanzelbehänge) verwendet werden. 1878 wurden in 28 deutschen Ländern insgesamt 47 Bußtage an 24 unterschiedlichen Tagen gezählt. Im 20. Jahrhundert gab es den einheitlichen Buß- und Bettag am Mittwoch vor dem letzten Sonntag im Kirchenjahr - auch als gesetzlichen Feiertag. Dieser wurde 1995 zugunsten der Pflegeversicherung abgeschafft, außer in Sachsen. Die Farbe Violett begegnet uns in den Kirchen außerdem in der Adventszeit und in der Passionszeit.
Als die estnsiche Textilkünstlerin Tiina Puhkan die violetten Antependien für die Tallinner Johanniskirche (Jaani kirik) entwarf, war es für sie wichtig zu zeigen, dass auch diese Zeit nicht ohne Hoffnung ist.

"Violett ist eine komplizierte Farbe, darin befindet sich die ganze Welt. Am schwierigsten war es für mich, eine Symbolik zu finden, die direkt anspricht. Das ist nötig, um die Gemeinde anzusprechen. Dann sagte Pfarrer Tammsalu, vielleicht könnte es eine Dornenkrone am Pult geben. Und ich überlegte, dass die Zeit der Sühne und des Advents eine Zeit der Anspannung ist. Wie kann man es ausdrücken, dass es trotzdem nicht ohne Hoffnung ist? Auch in der Sühne sollte eine Hoffnung bleiben. Und so habe ich Blumen reingebracht. Am Altar sind nun Wildrosen, die Dornen haben, aber auch Blüten, die mit ihrer Farbe und ihrem Duft trösten und Kraft geben – weil es für die Sühne auch Kraft braucht."

 Die Klappkarte mit dem violetten Motiv kann hier bestellt werden: https://www.gustav-adolf-werk.de/postkarten-plakate.html#violett


Mittwoch, 10. November 2021

Venezuela: Der Alltag dreht sich nur noch ums Überleben

Lebensmittelhilfe durch die lutherische Gemeinde
in Valencia
Der ganze Alltag der Menschen in Venezuela dreht sich nur noch darum, das Überleben, die Gesundheit und die Arbeit zu sichern. Jeder Zweite ist arbeitslos und ohne soziale Absicherung. Der Internationale Währungsfonds schätzt die Inflation für 2021 auf 2 700 % - und für 2022 auf mindestens 2 000 %.

Armut und Auswanderung
Die katastrophale politische und ökonomische Situation hat die Bevölkerung in Armut gestürzt. Im September 2021 zählten 94,2 % der Menschen arm, 76 % sogar extrem arm. Die Zahlen ähneln sich denen in Länder, die sich in einem Kriegszustand befinden.
So entscheiden sich viele jüngere Menschen zur Flucht ins Ausland, um dort Arbeit und Auskommen zu finden. Doch so einfach ist es nicht. Weil es keine Ausweise gibt, reisen Menschen illegal aus und sind mit der Guerilla und anderen Gefahren konfrontiert. In den Zielländern ist es für sie wiederum schwierig, einen regulären Status zu bekommen. Nur wenige finden eine qualitativ gute Arbeit. Viele müssen Jobs akzeptieren, die sehr schlecht bezahlt sind, und werden ausgebeutet. Am Ende brauchen sie ihr ganzes Geld für das eigene Überleben, obwohl sie geplant hatten, ihre Familien daheim zu unterstützen.
Als Folge liegt in Venezuela in 60 % der Fälle der Hausvorstand in Händen von Frauen. Viele von ihnen sind Alleinerziehende. Sie können kaum Arbeit finden, weil sie sich um minderjährige Kinder kümmern müssen. Auch gibt es im Land inzwischen viele ältere Frauen, die für Enkelkinder im Schulalter sorgen. 2021 hatte nur 1/3 der venezolanischen Frauen Arbeit. Das sind noch einmal 10 % weniger als 2020.
Genaue Zahlen zur Auswanderung fehlen, denn die venezolanische Regierung informiert nicht über die Flucht vieler Einwohner. Schätzungsweise haben seit 2015 mehr als fünf Millionen Venezolaner das Land verlassen.

Pandemie
Die politische und institutionelle Krise beschleunigt die Coronapandemie. Es gibt auch in diesem Fall keine gesicherten Daten. Scheinbar wurden die Quarantänemaßnahmen auch dazu genutzt, die Bevölkerung zu kontrollieren und den Mangel an Benzin zu vertuschen.
Die Gesundheitsversorgung ist auf ein Minimum reduziert. Es gibt kein Impfprogramm. Trotzdem beschloss die Regierung, die Schulen wieder zu öffnen. Im November/Dezember sollen alle Beschränkungen aufgehoben werden. “Wir machen uns große Sorgen, dass uns Corona in den kommenden Wochen in eine totale humanitäre Katastrophe führt”, schreibt Pfarrer Gerardo Hands von der lutherischen Gemeinde in Valencia.

In der Backstube von Casa Hogar
Casa Hogar

Die Pandemie hat auch das Kinderheim Casa Hogar der lutherischen Gemeinde in Valencia von der Außenwelt isoliert. Trotzdem leben die Kinder und Jugendlichen nach wie vor beinahe ihren normalen Alltag. Der Unterricht fand lange nur digital statt, dennoch konnten auf dem Gelände Aktivitäten wie Musik, Sport und Lesestunden sowie die normalen täglichen Arbeiten durchgeführt werden.
“Gott sei Dank, werden wir durch unsere Freunde im Ausland unterstützt, die dafür sorgen, dass wir Lebensmittel, Kleidung und Gesundheitsversorgung haben. Derzeit sind elf Kinder bei uns. Sechs sind im Schulalter. Drei haben in diesem Jahr ihr Abitur gemacht, zwei studieren inzwischen am Konservatorium des Bundesstaates Carabobo Tuba und Cello. Die Hauseltern haben ihnen dafür ein Stipendium organisiert. Bisher hat sich kein Kind mit Corona angesteckt. Wir halten die Hygienemaßnahmen auch sehr sorgfältig ein”, beschreibt Elizabeth Pérez de Hands die Situation im Kinderheim. Sie kann der Situation etwas Gutes abgewinnen: „Wir hatten mehr Zeit für Bibelstudium und Gebet, christliche Filme und Ruhe.“ Die Ausbildung im Bäckereihandwerk in der Backstube des Kinderheims wurde fortgesetzt und verbindet das Nützliche mit dem Spaß.
Im Kindergarten Casa le Amistad hat die lutherische Gemeinde die Pandemiezeit genutzt, um Erhaltungsarbeiten am Gebäude durchzuführen. In der Regel werden 25 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren betreut.

Das pastorale Team
In der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Venezuela arbeiten gegenwärtig vier Pfarrer, eine Diakonin und eine Laienpredigerin. Von ihnen könnte der ehemalige Kirchenpräsident Akos von Puky nach 55 Dienstjahren eigentlich längst im Ruhestand sein. Auch andere arbeiten vielfach ehren- oder nebenamtlich.
Die Situation des pastoralen Teams ist prekär. Die Gemeindebeiträge reichen bei Weitem nicht aus, um die täglichen Kosten zu decken. Das monatliche Gehalt liegt zwischen 200 und 350 Dollar. Nur dank dem angebotenen Wohnraum und der regelmäßigen Unterstützung mit Lebensmitteln etc. können sie überleben. Diese prekäre Situation ist nicht hilfreich, um Pfarrnachwuchs zu gewinnen, betont Hands, der als Kirchenpräsident ehrenamtlich arbeitet und dafür monatlich einen Unkostenbeitrag erhält. “Ich danke Ihnen für Ihre Gebete und die sehr zeitnahe Solidarität, die das GAW und sein Team immer ausgezeichnet hat”, schreibt er.
 

Montag, 8. November 2021

Der Preis für ein Kilo Orangen

In der soeben erschienenen Ausgabe des GAW-Magazins Evangelisch Weltweit berichten wir über das Projekt „Faire Orangen aus Italien“ von Mediterranean Hope (MH). Mediterranean Hope ist das Programm der Föderation Evangelischer Kirchen in Italien (FCEI) zur Unterstützung von Migranten. Es setzt sich unter anderem für Migranten ein, die ohne Vertrag auf Orangenplantagen schuften. Die Orangen landen auch in deutschen Supermärkten. Hier lesen Sie ein Interview mit Fiona Kendell, der Beraterin für europäische und rechtliche Angelegenheiten bei Mediterranean Hope:

Wo leben die Erntearbeiter?

Die Erntehelfer wohnen in Containerlagern, selbsterrichteten Zeltstädten oder in verlassenen Bauernhäusern. Ihre Lebensbedingungen sind unwürdig: In der Regel haben sie weder fließend Wasser noch Strom. Es ist eng und die Gebäude sind weder wind- noch wasserdicht. Im Winter liegen die Durchschnittstemperaturen in Süditalien zwischen 9 und 16 Grad Celsius und es regnet häufig.

Wie unterstützt Mediterranean Hope die Erntearbeiter in ihrem täglichen Leben?

MH bietet in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die vor Ort tätig sind, eine Reihe von Dienstleistungen an. Dazu gehört unsere kleine "Hospitality School" am Rande eines Lagers, in der die Bewohner Italienisch lernen können. Außerdem stellen wir Desinfektionsmittel, Gesundheitsinformationen und kostenlose Schnelltests bereit. Für diejenigen, die mit dem Fahrrad zu und von den Obstfeldern fahren, stellt MH Fahrradlichter, Warnwesten und reflektierende Streifen zur Verfügung.

MH arbeitet an der Eröffnung eines "sozialen Wohnheims", das bis zu 25 Arbeitern eine Unterkunft zu einem subventionierten Preis bieten wird. Neben einer angemessenen Unterbringung sollen die Bewohner im Hinblick auf eine bessere Integration unterstützt werden. In Palmi läuft bereits ein Pilotprojekt für das Sozialwohnheim für drei Arbeitnehmer, von denen einer besonders schutzbedürftig ist.

Wie unterstützt Mediterranean Hope die politischen Forderungen der Erntehelfer?

Die Migranten fordern grundlegende Arbeitsrechte. Dazu gehören Verträge, Anrechnung der real geleisteten Arbeitsstunden und faire Löhne. Gegenwärtig genießen nur wenige Wanderarbeiter diese Privilegien. Wir unterstützen diese Forderungen auf mehreren Ebenen: durch Rechtsberatung für die Arbeiter, unser Engagement im Fair-Trade-Netzwerk "Etika", öffentliche Sensibilisierung, die Unterstützung von Protesten und durch Lobbyarbeit.

Das Magazin Evangelisch Weltweit 4/2021 können Sie hier bestellen: https://www.gustav-adolf-werk.de/evangelisch-weltweit-das-magazin-des-gaw.html


 

 

Liturgische Farben: Grün - Gedeihen und Hoffnung

Die Farbe Grün begleitet uns durch die Trinitatiszeit - also in der Zeit, in der die Sonntage als „1. Sonntag nach Trinitatis“, „2. Sonntag nach Trinitatis“ usw. bezeichnet werden, insgesamt 24 Mal. Und dann noch die meisten Wochen zwischen dem Epiphaniasfest und der Passionszeit. Wenn die Antependien aber so schön sind, wie diejenigen, die Tiina Puhkan für die Johanniskirche in Tallinn (Estland) gestaltet hat, kann sich die Auge sogar am Grün nicht satt sehen. Tiina Puhkan erzählt, warum sie sehr froh war, dass sie ihre Arbeiten ausgerechnet mit den grünen Antependien begann:

"Grün ist die Farbe der Hoffnung, der Entwicklung, des Wachsens. Ich verwende schon immer gern die Sprache von Pflanzen, Bäumen, Zweigen und Blättern in meinen Werken. Im alten Indien sagte man, in den Pflanzen verberge sich eine große Weisheit. Sie, ihr Duft, ihre Farbe seien eine Gabe Gottes an die Menschen. Aus meiner Sicht sind Pflanzen wie ein Alphabet: Mit ihnen kann man ganze Geschichten erzählen. Daher war es für mich auch sehr organisch, die Arbeit mit den grünen Antependien zu beginnen. Ich hatte bis dahin noch nie Kirchentextilien hergestellt, aber Pfarrer Jaan Tammsalu half mir und gab mir wichtige Hinweise. "

Die Klappkarte mit dem grünen Antependienmotiv kann hier bestellt werden: https://www.gustav-adolf-werk.de/postkarten-plakate.html