Mittwoch, 30. November 2022

Evangelische Kirche in Ioannina saniert

"Wir danken dem GAW ganz herzlich für die großzügige Unterstützung bei der Sanierung unserer evangelischen Kirche in Ioannina (Griechenland). Wir haben im Juni 2020 mit den Arbeiten begonnen. Die Kirche ist jetzt fertig. Insbesondere das Dach hatte uns Sorgen gemacht. Es war undicht, und es war nur eine Frage der Zeit, bis das Dach noch schlimmere Schäden davongetragen hätte. Ebenso konnten wir die Kirche isolieren und sparen so Energiekosten. Auch die Beleuchtung wurde verbessert," berichtet Pfarrer Leonidas Kollaros.

Die Gründer der evangelischen Gemeinde in Ioannina waren griechische Flüchtlinge, die in Sizilien Schutz vor der osmanischen Verfolgung gefunden hatten und als evangelische Christen zurückkehrten. 1896 schloss sich die Gemeindegruppe der Griechisch-Evangelischen Kirche an. Der Gemeinde gehören heute etwa 50 Personen an, darunter Familien mit Kindern. Ein Schwerpunkt der Gemeindearbeit ist es, evangelischen Studierenden an der örtlichen Universität für die Zeit ihres Studiums eine geistige Heimat zu bieten. Jede Woche trifft sich eine Studenten- und Jugendgruppe in der Kirche. Die Studierenden bereiten jährlich einen besonderen Gottesdienst vor, zu dem sie auch ihre Studienfreunde einladen. „Da es weit und breit keine andere christliche Kirche gibt, bieten wir sogar Studierenden aus anderen Konfessionen an, in unserer Kirche Andachten zu halten“, berichtet Pfarrer Leonidas Kollaros. „So entstehen lange anhaltende Beziehungen zu Studierenden und ihren Familien.“

18.000 € wurden im Projektkatalog 2018 für die Gemeinde gesammelt. Insgesamt hat die Sanierung 54.000 € gekostet.

Dienstag, 29. November 2022

Sozialzentrum in Portugal kämpft mit hohen Lebensmittelpreisen

Pfarrerin Sandra Reis
Heute erreichte uns ein Hilferuf aus Portugal. Pfarrerin Sandra Reis, Leiterin des Sozialzentrums Cova Gala, schreibt: 

"Wir befinden uns in einer sehr heiklen Situation. Wir verwenden unsere Reparaturfonds, um die täglichen Rechnungen für Benzin und Lebensmittel zu bezahlen. Aber bald wird uns das Geld ausgehen, und die Regierung hilft uns nicht."

Das Sozialzentrum am Stadtrand von Figueira da Foz betreibt einen Kinergarten, eine Sozialkantine für bedürftige Menschen und einen Pflegedienst mit Essen auf Rädern. Es gehört zur Presbyterianischen Kirche in Portugal. 2022 feierte das Zentrum sein 50-jähriges Bestehen.

Auch in Portugal sind die Lebensmittelpreise sehr stark gestiegen. Da die Menschen dort im Schnitt niedrigere Einkommen haben und über weniger Gespartes verfügen als hierzulande, spüren sie die Inflations- und Energiekrise stärker. Pfarrerin Sandra Reis schreibt: 

"Die Preise für Lebensmittel und Energie sind seit Februar um 20 Prozent gestiegen. Für das Sozialzentrum ist das ein wahrer Albtraum. Die Zahl der Menschen, denen wir helfen, ist seit der Pandemie gestiegen, die Unterstützung durch die Regierung hat sich jedoch nicht entsprechend erhöht. Einige soziale Einrichtungen in Portugal werden bald schließen müssen, weil sie die Inflationsrate nicht mehr auffangen können."

Die Köchinnen des Sozialzentrums
Ganz konkret kann das Sozialzentrum momentan das gesetzlich verpflichtende Weihnachtsgeld für die 46 Angestellten nicht auszahlen. "Das ist eine sehr kritische Situation für Familien, denn normalerweise verwenden sie das Geld, um Steuern, Versicherungen, Autoreparaturen usw. zu bezahlen; wenn wir aber dieses Weihnachtsgeld zahlen, können wir keine Lebensmittelrechnungen mehr bezahlen. Das ist eine unmögliche Entscheidung." 

Das GAW wird versuchen, hier zu helfen, damit die wichtige soziale Arbeit in Figueira da Foz weitergehen kann.

Die GAW-Frauenarbeit unterstützt mit ihrem laufenden Jahresprojekt einen neuen Herd und neue Schränke für die Küche des Sozialzentrums: https://www.gustav-adolf-werk.de/frauen.html 

Einen aktuellen Bericht über die Arbeit des Zentrums finden Sie hier: https://www.gustav-adolf-werk.de/files/gaw/ga-blatt-archiv-2/2022/2022-3_portugal.pdf

Ukraine: "Bleib bei uns durch die langen Nächte, Herr!"

Krisztina Badó aus dem Bischofsbüro der Reformierten Kirche in Transkarpatien/Ukraine schrieb uns eine bewegende Mail:

"Seit einer Woche versuche ich, Ihnen eine Mail zu schicken, aber die Stromausfälle
haben es leider unmöglich gemacht ... Es ist uns nun gelungen, einen Generator für das Bischofsbüro zu besorgen. Die Häuser in den Dörfern sind dunkel, kalt und ohne Wasser. Es gibt keine Straßenbeleuchtung. Das sind wir nicht gewohnt. Bei allem sind wir dankbar, dass es in unserer Gegend keine Bombenangriffe gibt. Alle Pastoren sind nach wie vor bei ihren Gemeinden. Auch die meisten Mitarbeiter sind geblieben und tun ihre Arbeit.
 
Das ukrainische Energiesystem hat schwere Schäden erlitten. Kiew und die dortige
Energieversorgung sind durch die Angriffe besonders stark betroffen. Es gibt drastische Notfallbeschränkungen, um einen totalen Stromausfall zu verhindern. Die Regierung stimmt die Bevölkerung auf längere Abschaltungen ein. Die Verantwortlichen setzen alles Mögliche in Bewegung, um die Situation so schnell wie möglich zu stabilisieren, heißt es in einer Stellungnahmen.

Allerdings machen der Krieg, die lückenhafte Energie- und die Lebensmittelversorgung und dazu die alltäglichen Probleme allen Gemeinden und diakonischen Einrichtungen der Reformierten Kirche in Transkarpatien zu schaffen. Die Aufrechterhaltung des Betriebes der Schulen, Kindergärten und der Heime ist gefährdet. Der Gründe sind nicht allein die hohen Lebensmittel- und Energiepreise, sondern auch die zunehmende Abwanderung unserer Gemeindemitglieder.

Wir hoffen, dass bald Frieden einkehrt und diese schreckliche Zeit ein Ende hat. Ich lege Ihnen ein Gebet eines unserer Pastoren bei. Dieses Gebet zeigt unser tägliches Leben und unsere Schwierigkeiten, aber auch unsere Hoffnung.

Bitte betet für uns und besonders betet um Frieden in dieser Adventszeit!"


Gebet
(von Pfarrer Zoltán Laskoti)

Bleib bei uns durch die langen Nächte, Herr, und erleuchte uns mit deiner Gnade!

Unsere Kerzen sind verbrannt und verglüht, unsere Batterien sind leer, wir haben keinen Empfang und kein Internet - wir beten, bis die Dunkelheit uns einhüllt. 
Wir erinnern uns an die Zeiten, als das Wasser noch verlässlich aus dem Hahn floss, Licht die Zimmern erhellte und die Heizung funktionierte und wir nicht in ständiger Sorge aufwachten. 

Unser Leben ist voll von Klagen und Spannungen, Herr. Viele von uns sind gestresst. Man sieht es ihnen an. Einige suchen Trost im Alkohol. Viele Männer sind verzweifelt. Ihre Frauen leben in Angst. 
Bleib bei uns in den langen Nächten, Herr, finde die Verlorenen und Verlassenen und führe sie zurück.

Unsere Kinder sitzen in feuchten, dunklen Kellern während der Luftangriffe. In unseren Kirchen zünden wir Kerzen an und wärmen unsere Hände an ihren Flammen. Wenn wir singen, haben viele feuchte Augen. Unsere Augen und Seelen sind müde von den Strapazen. Wir hören oft leichtgläubig den düsteren Nachrichten zu. Wir haben Angst vor dem Winter und der Kälte. 
Bleib bei uns durch die langen Nächte, Herr, denn der Winter kommt!

Wir warten auf dich, Herr, wie die Wächter auf den Morgen warten, wie die, die im Dunkeln sitzen, auf die ersten Lichtstrahlen. Wir warten darauf, dass du sprichst, dass du handelst, dass du uns leitest.

Wir hoffen auf deine Verheißungen und dass sie nichts von ihrer Kraft verlieren. Wir vertrauen auf Dich.

Wir danken dir für die Familien, die zusammengeführt werden, Herr, gib, dass diese Not die Menschen einander näher bringt und nicht auseinander!

Danke, dass unsere Zeit in deinen Händen liegt und nichts - weder Mächtige noch Gewalten - uns trennen kann von dir. Auf dich vertrauen wir, denn du schenkst uns Gnade und Erlösung.

Bleib bei uns durch die langen Nächte, Herr, und die Nacht wird enden, sie wird sicher enden. Amen
 

Mittwoch, 23. November 2022

Preis an Mathilde Sabbagh aus Syrien verliehen

Superintendentin Susanne Beuth

Pfarrerin Mathilde Sabbagh aus Hassakeh in Nordostsyrien erhielt am 12. November die Georg-Fritze-Gedächtnisgabe des Kirchenkreises Köln Mitte. An der Preisverleihung durch Superintendentin Susanne Beuth nahm Mathilde Sabbagh via Zoom teil. Die 32-jährige Seelsorgerin macht sie sich seit sieben Jahren für Kinder und Jugendliche stark und sorgt für humanitäre Hilfe in einer Region, in der es tagtäglichen Mangel an Wasser, Strom und Lebensmitteln gibt. Als erste Frau überhaupt in Syrien wurde sie am 3. April 2022 offiziell ordiniert. 

Die GAW-Frauenarbeit hatte die Arbeit von Mathilde Sabbagh mit ihrem Jahresprojekt 2021 stark unterstützt.

In ihrer Laudatio schilderte M. Khalaf, die selbst aus Syrien stammt, den Werdegang der Pfarrerin, nachdem sie die Zuhörer mit persönlichen Worten berührt hatte: "Ich muss Ihnen sagen, dass ich gerade Tränen in den Augen habe. Diese Auszeichnung gibt mir Hoffnung auf eine Zukunft für mein Land, das ich sehr vermisse." Sie beschrieb Mathilde Sabbagh als eine Frau, "deren Herz für Theologie brennt". 

Kinder in der Kirche in Hassakeh im Winter

Danach bedankte sich Mathilde Sabbagh für den mit 10.000 Euro dotierten Preis: "Dieser Preis ist ein Zeichen der Hoffnung, das unsere Kirche weltweit verbunden ist." Um trotz der Entfernung ins Gespräch zu kommen, forderte sie die Zuhörerinnen weit weg in Köln auf, ihr Fragen zu stellen. Die Frage, ob sie nicht ständig in Angst lebe, beantwortete sie so: "Am ersten Tag meiner Rückkehr nach Hassakeh als Pfarrerin entkamen meine Familie und ich nur knapp einem Raketenangriff auf unser Haus. Da dachte ich, entweder gehe ich gleich wieder weg oder ich bleibe und mache mit aller Kraft weiter." Zu der allgegenwärtigen humanitären Notlage kämen noch Anfeindungen orthodoxer Kollegen hinzu, die ihr das Leben schwer machen.

Seit dem Jahr 1981 zeichnet der Kirchenkreis Köln-Mitte alle zwei Jahre Menschen oder Institutionen mit der Pfarrer-Georg-Fritze-Gedächtnisgabe aus, die sich in besonderer Weise für Opfer von Diktatur, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen einsetzen oder selbst Opfer von Gewalt sind. Der Kölner Pfarrer Georg Fritze war überzeugter Pazifist, Antifaschist und Mitbegründer der Bekennenden Kirche. Schon Ende der 1920er Jahre warnte er vor dem Faschismus und verweigerte 1938 den Treueeid auf Adolf Hitler.


Montag, 21. November 2022

Ukraine: Lichtblicke für den Kriegswinter

Hilfstransport des GAW Württemberg unterwegs nach Charkiw

Auch in der lutherischen Gemeinde in Charkiw gibt es Hilfe

Am 24. November startet ein weiterer Hilfstransport des GAW in die unter den Folgen des Krieges leidende Ukraine. Im Auftrag der Stadt Stuttgart hat der GAW-Projektleiter Ulrich Hirsch zusammen mit seinem Helferteam aus dem Raum Vaihingen/Sachsenheim einen Teil der umfangreichen Bedarfsliste aus Charkiw organisiert. Neben dringend benötigten Maschinen und Geräten zur Bewältigung der winterlichen Verhältnisse und der Stromversorgung gehen diesmal auch Lebensmittel, Mineralwasser aus Ensingen, Hilfsgüter zur Pflege und Medizin, Babynahrung, Kleidung und Hygieneartikel sowie Roll- und Toilettenstühle auf die 2400 km lange Reise.

Der Hilfstransport ist eine Zusammenarbeit der Partnerstädte Brno/Brünn (Slowakei) und Stuttgart. Frederic Stephan, den Partnerschaftsbeauftragten von Stuttgart, hat – wie bereits im Frühjahr 2022 – das GAW gebeten, seine Erfahrung in Logistik und Organisation einzusetzen.

Charkiw war vor dem Krieg mit 1,5 Millionen Einwohnern und 42 Hochschulen nach Kiew die zweitgrößte Stadt der Ukraine. Der aktuelle Transport erfüllt zwar nur ein Teil der Bedarfsliste des in Charkiw tätigen Netzwerks „Kharkiv Heating Networks“, trotzdem lindern die 25 Tonnen Hilfsgüter, Lebensmittel und medizinischen Produkte die Not der Mensch in Notunterkünften. Die Kosten für den 12. GAW-Hilfstransport in diesem Jahr betragen über 33 000 Euro. Diese werden aus Spenden, einer Unterstützung durch den GAW-Ukrainehilfsfond sowie von der Stadt Stuttgart getragen.

In Charkiw besteht auch eine Gemeinde der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU). Sie wird geleitet von Pfarrer Pawlo Schwarz, der seit 2021 zugleich der Bischof der DELKU ist. Schwarz engagiert sich seit dem 24. Februar neben der Seelsorge auch für Hilfslieferungen, die sowohl für Gemeindeglieder als auch für andere Hilfsbedürftige bestimmt sind. 

Péter Szeghljánik und Ulrich Hirsch
Bereits am 18. November übergab Ulrich Hirsch einige Stromgeneratoren an Pfarrer Péter Szeghljánik von der Reformierten Kirche in Transkarpatien. In diesem Gebiet in der Westukraine gibt es ebenfalls massive Stromausfälle – wie im ganzen Land. Der nächste GAW-Transport, der noch vor Weinachten geplant ist, wird wichtige Hilfsgüter nach Transkarpatien bringen.

Freitag, 11. November 2022

Wir haben in Brasilien derzeit eher einen christlichen Glauben ohne Christus (Friedrich)

Auto eines Bolsonaro-Wählers vor einer
luther. Kirche in Brasilien
Der ehemalige Kirchenpräsident der lutherischen Kirche Brasilien (IECLB) Nestor Friedrich wurde im Interview des Lutherischen Weltbundes (LWB) aktuell zur Situation Brasiliens nach der Wahl Lulas zum neuen Präsidenten gefragt:

"Welche Hoffnungen haben die Menschen und die Kirche nach der jüngsten polarisierenden Präsidentschaftswahl in Brasilien?

Nestor Friedrich: Wir sind in diese Wahl in Brasilien als polarisiertes Volk hineingegangen und auch als polarisiertes Volk herausgekommen –und natürlich zeigt sich diese gesellschaftliche Polarisierung auch in den Kirchen. In der Politik gibt es viele Monologe, es werden Urteile gefällt und es wird verurteilt, es gibt viel Intoleranz und Hetze. Es gibt keinen Dialog zwischen den Parteien. Die Kirche war schon immer mit Herausforderungen und Krisen konfrontiert, aber die Heftigkeit der Krise heute ist beängstigend.
Lulas Wahl hat bei den Menschen, die sich von dem autoritären Gebaren und der Hetze des scheidenden Präsidenten Jair Bolsonaro und seinen Sympathisierenden eingezwängt und eingeschüchtert gefühlt haben, für ein Gefühl von Erleichterung, von Freiheit gesorgt. Aber Lula und alle, die der nächsten Regierung angehören, haben eine riesengroße Aufgabe vor sich: Sie müssen die öffentliche Ordnung wiederherstellen und für Versöhnung sorgen. Die Erwartungen sind groß und die Probleme immens! Rund 9,5 Millionen Menschen in Brasilien sind arbeitslos und 49 Millionen Menschen leben in gesellschaftlich und wirtschaftlich prekären Lebensumständen. Hinzu kommt noch der Schutz der indigenen Völker, die Beendigung der Abholzung des Amazonasregenwaldes, Abrüstung und Investitionen in Bildung und Forschung, um nur einige wenige zu nennen.
Als Kirche müssen wir uns um des christlichen Glaubens in Brasilien wegen an den gekreuzigten Christus erinnern. Wir haben hier heute eher einen christlichen Glauben ohne Christus, und das ist Götzendienst. Wir brauchen einen christlichen Glauben, der Hass und Gewalt in keiner Form duldet, einen christlichen Glauben, der nach Versöhnung und Vergebung strebt. Als Kirche müssen wir in Brasilien wieder Vertrauen in einen gemeinsamen Weg schaffen, bei dem es kein „wir und die anderen“ gibt, sondern wir uns alle als Volk Gottes auf dem Weg zum Gottesreich verstehen."

Ähnlich haben wir es auf der Reise des GAW im Oktober diesen Jahres erlebt. So beschrieb ein Synodalpfarrer, dass seine Hauptaufgabe derzeit ist, Konflikte zu bearbeiten, Streitigkeiten zu schlichten, Pfarrer zu schützen vor ungerechtfertigten Angriffen.

Wesentlich sei es derzeit, dass die Kirche hilft, dass Menschen wieder in den Dialog kommen - so der Synodalpfarrer.

In der lutherischen Kirche gibt zu dem allen zwei extrem rechtslastige Gruppierungen: die Alianza Luterana und die Herederos de Worms. Mit ihnen sei Dialog faktisch nicht mehr möglich. Fake News und Diffamierungen würden vor allem von der Alianza verbreitet. Wer hinter dieser Gruppierung steht, sei unklar. 

Montag, 7. November 2022

Die griechische evangelische Kirche auf Korfu

Griechische Ev. Kirche auf Korfu
Seit 1989 ist Pastor Miltiades Pantelios Seelsorger der evangelischen Gemeinde auf Korfu. "Damals hatten wir 15 Mitglieder," berichtet er, "Inzwischen sind es 25 - aber zu den sonntäglichen Gottesdiensten kommen regelmäßig 45-60 Personen." Die Kirche befindet sich in Korfu-Stadt - unmittelbar in Zentrumsnähe. Eine super Lage in dieser Touristenhochburg. 

Insgesamt leben 110.000 Menschen auf der Insel - davon dauerhaft ca. 15.000 Ausländer:innen. Fast 85-90% von ihnen leben vom und mit dem Tourismus. "In der Hochsaison können schon mal ca. 400.000 Menschen auf der Insel sein," so Miltiadis. "Auch in die Gottesdienste, die alle auf Englisch übersetzt werden, kommen Touristen.

Ca. 7 km von der Kirche entfernt befindet sich das "Light-House" der Kirchengemeinde. Die Gemeinde hat es in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts gebaut. Hier soll ein Ort sein, um sich zu begegnen, Gemeinschaft zu erleben, für ältere Menschen da zu sein, einer Mutter-Kind-Gruppe Raum zu geben - und das über alle Glaubensgrenzen hinweg. "Für uns ist dieser diakonische Dienst in dem orthodoxen Land ein ganz wichtiger Ort, um uns zu zeigen und Begegnung zu ermöglichen," sagt Miltiades. "Immer wieder kommt jemand und fragt nach unserem evangelischen Glauben. Und manche werden auch Mitglieder."

Lighthouse Korfu - 1993/4 vom GAW unterstützt
Das GAW hat den Bau dieses Zentrums in den Projektkatalogen 1993/4 mit insgesamt 100.000 DM unterstützt.

Eine Besonderheit der evangelischen Gemeinde in Korfu ist die von hier aus aufgebaute Aufbauarbeit zweier albanischer Gemeinden in Albanien.

Über 600.000 Albaner sind in den 1990er-Jahren nach dem Fall des Kommunismus nach Griechenland gekommen. Arbeit gefunden haben viele damals im Tourismus. Inzwischen ist die albanische Gemeinschaft ein fester Bestandteil der griechischen Gesellschaft. Militiades hat in seiner Gemeinden mehrere Albaner. Ein besonders Begabter studierte an der Athener Bibelschule und ging dann mit Miltiadis Unterstützung nach Albanien zurück und baute hier zwei evangelische Gemeinden auf. Inzwischen wird diese Arbeit von der gesamten Kirche unterstützt und begleitet. Regelmäßig fährt Militiades mit der Fähre nach Albanien. "Wir können sie nicht allein lassen," sagt er.

Dienstag, 1. November 2022

Ein abwechslungsreiches Praktikum

In den letzten zwei Monaten habe ich im Rahmen meines Politikstudiums ein Praktikum in der GAW-Zentrale gemacht. Dabei war mir wichtig, Einblicke in die Strukturen und Arbeitsabläufe eines Hilfswerks zu bekommen.

Charlotte Schwesig beim Übersetzen mit Meletis Meletiadis
Am Ende dieser Zeit blicke ich auf ein abwechslungsreiches Praktikum zurück. Es gab nur wenige Tage, an denen ich den ganzen Tag an meinem Schreibtisch vor dem Laptop saß. Mal gab es Anrufe von Studierenden aus dem Ausland, die übersetzt werden mussten, mal musste ein Werbefilm für ein Projekt geschnitten werden. Schön war für mich, dass meine Arbeit von allen in der Zentrale geschätzt wurde und mir wichtige Aufgaben wie das Erstellen von Artikeln für die Website und die Social-Media-Kanäle anvertraut wurden. Auch an der Redaktionssitzung für das GAW-Magazin durfte ich teilnehmen. Dabei waren meine Ideen und Anregungen gefragt und geschätzt. Mein Dank gilt allen Mitarbeiterinnen der GAW-Zentrale, die mich so herzlich aufgenommen haben und sich viel Zeit für mich genommen haben!

Pause in Wien
Besonders eindrücklich während des GAW-Praktikums waren die Reisen nach Goslar und Wien. 
Die Delegiertenversammlung in Goslar durfte ich vor- und nachbereiten sowie mit begleiten. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, die nicht ganz unkomplizierten Strukturen des Gustav-Adolf-Werks mit seinen Haupt- und Frauengruppen zu verstehen. Gut gefallen hat mir auch die Aufgabe des Übersetzen ins Englische für die Gäste aus den Partnergemeinden. Dabei kam ich mit Partnern ins Gespräch und lernte viel über die Gemeindearbeit in der Diaspora. 
Auch die Studienreise mit Theologiestudierenden aus ganz Deutschland durfte ich begleiten. Dabei versuchte ich, die Gruppe durch Wien von Termin zu Termin zu leiten, was in einer 1,8-Millionenstadt eine ganz schöne Herausforderung war ... Besonders eindrücklich waren hier die Projektbesuche wie in der Suppenküche „s’Häferl“ oder der evangelischen Gemeinde in Floridsdorf. Ich war beeindruckt von der diakonischen Arbeit, die das GAW unterstützt.

Am Ende fühle ich mich erfüllt und bin dankbar für all die interessanten Begegnungen und Gespräche. Sie haben meinen Horizont erweitert und werden mir im Gedächtnis bleiben, wenn ich an das GAW denke!

Charlotte Schwesig

Freitag, 21. Oktober 2022

XXXIII. Konzil der IECLB in Cacoal

Grußwort von Dr. Dutzmann
auf dem Konzil der IECLB 
10 Tage vor der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien fand in Cacoal das 33. Konzil der Ev.-Luth. Kirche in Brasilien (IECLB) statt. Jede der 18 Synoden (so etwas wie Kirchenkreise hierzulande) der IECLB hatte im Vorfeld vier Delegierte in das alle zwei Jahre stattfindende Konzil entstandt. In diesem Jahr tagt das Konzil erstmalig in der Amazonassynode, was für sie meisten Delegierten eine Anreise von mehreren tausend Kilometern bedeutet, aber von der Kirchenleitung im Interesse des Zusammenhaltes der Kirche für notwendig gehalten wurde. Viele Delegierte waren noch nie in dieser Region des weiten Landes.

Die Einheit der Kirche angesichts der aktuellen politischen Polarisierungen in Brasilien betonten auch die Synodalberichte. Sie spiegeln die vielfältige Arbeit der IECLB und die große Anzahl an ökumenischen Beziehungen und Vernetzungen in der brasilianischen Gesellschaft wider. Konflikte, auch innerkirchliche, tauchen nur am Rande auf. Sowohl die Kirchenpräsidentin Sylvia Genz als auch ihr Stellvertreter Odaír Braun thematisieren ein schwieriges Thema: In den sozialen Medien gibt es immer wieder Äußerungen, die die Kirche und ihre Leitung beschädigen. Dahinter steht eine Facebookseite mit dem Namen „Alianza Luterana“ (AL), die regelmäßig gegen die Kirchenleitung polemisiert und Falschmeldungen verbreitet. Wer wirklich hinter dieser Seite steht, ist nicht klar. Die Berichte der Kirchenleitung wurden von der Synode zur Kenntnis genommen; eine kontroverse Diskussion fand nicht statt.
Von der EKD war Oberkirchenrat war Frank Kopania
, Leiter der Abteilung Auslandsarbeit, zu dem Konzil entsandt worden. Er predigte in der Andacht, die von den ökumenischen Partnern verantwortet wurde. Dabei wies er auf die politische Dimension des Evangeliums hin.

GAW-Präsident Dr. Martin Dutzmann ging in seinem Grußwort auf gemeinsame Herausforderungen ein, die sowohl die IECLB als auch die EKD betreffen. Hier die Worte von Dr. Dutzmann:

"Hohes Konzil, sehr geehrte Kirchenpräsidentin Sylvia Genz, liebe Schwestern und Brüder!

Es ist für mich als Präsident des Gustav-Adolf-Werks, der Obra Gustavo Adolfo, eine große Ehre, auf dem 33. Konzil der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) dabei zu sein und zu Ihnen sprechen zu dürfen und ich danke Ihnen auch im Namen des Generalsekretärs des GAW, Pfarrer Enno Haaks, für die Einladung.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts – genauer gesagt seit 1853 – ist das GAW mit Ihrer Kirche verbunden. Die erste Hilfe aus Deutschland ging damals nach Sao Leopoldo. Seitdem verbindet die IECLB und das GAW eine enge Freundschaft, die insbesondere in der Obra Gustavo Adolfo mit Sitz in Sao Leopoldo einen lebendigen Ausdruck findet. Wir sind sehr dankbar, dass wir mit Rui Bernhard und Harald Malschitzky verlässliche Ansprechpartner haben.

Das Jahresmotto der IECLB für das Jahr 2022 lautet: "Liebe Gott und die Menschen!" Zur Präzisierung haben Sie das Bibelwort 1. Johannes 3,18 ausgewählt: "Lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit". Wie das mit der Tat und Wahrheit konkret aussehen kann, das erläutern die fünf Worte des Logos: annehmen – dienen – bilden – Frieden stiften – im Dialog sein. Dass das alles in Ihrer Kirche gelingen möge, das wünschen wir Ihnen von Herzen und wo wir können, wollen wir uns gerne beteiligen.

Ich greife drei der fünf Punkte heraus:

Bilden. Zurzeit sind vier Theologiestudierende aus der IECLB bei uns in Leipzig. Drei aus der FLT und ein Student aus der EST. Wir freuen uns, dass diese vier Studierenden bei uns sind, die Sprache lernen/gelernt haben, den Weg auf sich genommen haben, über den brasilianischen Tellerrand schauen, sich mit anderen Studierenden austauschen und dabei einen weiten Horizont bekommen. Diese Zusammenarbeit wollen wir fortführen. Das wollen wir auch deshalb, weil die Studierenden aus Ihrer Kirche auch uns über den Tellerrand schauen lassen. Von ihnen erfahren wir, vor welchen Herausforderungen Sie als evangelische Kirche in Brasilien stehen und welche Lösungen Sie dafür finden. Daraus ergeben sich Impulse für die Gestaltung bzw. Umgestaltung unseres kirchlichen Lebens in Deutschland.

Im Dialog sein. In unseren Kirchen brauchen wir gut ausgebildete Theologen und Theologinnen, die sprach- und dialogfähig sind. Reformatorische Theologie lädt dazu ein, zu differenzieren und nicht zu polarisieren. Letzteres geschieht jedoch zunehmend in unseren Ländern. Wir erleben das in Deutschland und hörten, dass in Ihrem soeben beendeten Wahlkampf heftig polarisiert und polemisiert wurde. Wir hoffen, dass Ihre Kirche wenigstens punktuell zu Dialog und Verständigung beitragen konnte. Ich bin jedenfalls gespannt, was Sie dazu berichten werden, denn auch die evangelische Kirche in Deutschland sieht sich Vereinfachern und Populisten gegenüber. Da hoffen wir, von Ihnen lernen zu können.

Frieden stiften. In Europa treibt uns der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine besonders um. Unsere reformierten und lutherischen Partner berichten uns von der Not, den Opfern, den vielen Geflüchteten. Wir sind sehr dankbar, dass Sie unsere Ukrainenothilfe unterstützt haben. Das ist alles andere als selbstverständlich. Gemeinsam hoffen wir auf ein baldiges Ende dieses Krieges und auf einen nachhaltigen gerechten Frieden. 

"Liebe Gott und die Menschen!" Wir sind, liebe Schwestern und Brüder gespannt, welche Konkretionen Sie für Ihr Jahresthema bereits gefunden haben und noch finden werden und hoffen auf Anregungen für unser eigenes kirchliches Leben. Gerne unterstützen wir Sie mit den Möglichkeiten, die wir haben.

Gott segne Ihr Konzil, Ihre Kirche und das Zusammenleben der Menschen in Ihrem wunderschönen Land."

Mittwoch, 19. Oktober 2022

Blühen, Morgendämmerung, Hoffnung, Neue Brücke - das sind tolle Namen für Kirchengemeinden in Brasilien

GAW-Präsident Dr. Dutzmann
in der Kirche "Florecer"
„Es ist so vieles anders als bei uns in Deutschland", beginnt GAW-Präsident Dr. Martin Dutzmann sein Grußwort in der lutherischen Gemeinde „Florecer“ (Aufblühen) in Santa Rosa/Rondônia. Sie gehört zur Parochie „Esperanza“ (Hoffnung), zu der sieben Gemeinden und 4 Predigstätten gehören. Pastor Carlos Wuttke begleitet die Gemeinde seit einem Jahr. Er legt im Monat allein ca. 2.000 km zurück – meist auf Schotterpisten -, um Gottesdienste zu feiern und die 570 Gemeindemitglieder zu besuchen.

Aus den einzelnen Teilgemeinden waren verschiedene Menschen gekommen, um ihre einzelnen Gemeinden vorzustellen, etwas zur Geschichte zu erzählen und Namen zu nennen, die untrennbar mit dem jeweiligen Beginn der Gemeinden verbunden sind. Es sind Gemeinden, die in den vergangenen Jahren langsam gewachsen sind.

„Es sind so viele Gemeinden mit so schönen Namen", fährt Dr. Dutzmann fort. „Hoffnung, Blühen, Morgendämmerung, Klarer Fluß, Gute Brücke, Neue Brücke. Das sind hoffnungsvolle Namen, die die geistliche


Aufbruchstimmung der christlichen Gemeinschaft widerspiegeln. Auch wenn das Leben hart ist. Wir leben aus dieser Hoffnung. Wir teilen sie gemeinsam. Dafür brauchen wir die Kirchen. Das macht mir Mut, wenn ich nach Deutschland zurückkehre. Und davon will ich erzählen, denn bei uns nehmen die Kirchenmitgliederzahlen ab und die Stimmung ist manchmal eingetrübt", sagt Dutzmann. "Mir tut die Aufbruchstimmung bei euch gut. Das zeigt sich an dem Pfarrhausprojekt, das wir im GAW von euch erhalten haben, und das wir gerne im kommenden Jahr unterstützen werden. Hier zeigt sich, dass ihr von der Kirche noch etwas erwartet. Mit der Kirche ist es eben nicht zu Ende. Und: Wir brauchen uns neben der materiellen Hilfe auch geistlich. Deshalb bitte ich euch hier in Santa Rosa: Betet für uns! Wir brauchen das. Wir tun es ebenso für euch.“

Im Rohbau des neuen Pfarrhauses
In Florecer wird für die Gesamtgemeinde das Pfarrhaus entstehen. Der Rohbau steht schon. Für die Beendigung des Baus braucht es die Hilfe des GAW. 

Zu der Gemeinde Florecer gehören ca. 38 Familien, die in den 1970er Jahren als Siedler in die Region kamen. Heute bauen sie Kaffee und Mais an, halten Rinder und produzieren Milch. Es ist kein leichtes Leben in der Hitze der Region. Und wenn die Regenzeit im Oktober beginnt, dann werden die Straßen teilweise unpassierbar.

Die Gemeinde ist Zufluchts- und Trostort. Sie gibt Orientierung und führt die Menschen zusammen, damit sie nicht vereinsamen. Sie ist ein Ort, wo man gemeinsam auf Gottes Wort hört, das die Welt so nötig hat. „Der Gerechte wird aus Glauben leben (Röm1,17)“ – dieses Wort steht über dem Kircheneingang.

Montag, 17. Oktober 2022

Cristo vive - eine Kapelle in Rondônia

Kaffeeplantage, dahinter die Kapelle Cristo Vive
Pastor Lauro Elói Fleck ist schon pensioniert. Nun ist er aber für sieben Monate nach Rondônia gekommen, um eine Schwangerschaftsvertretung zu übernehmen. "Ich habe früher in Mato Grosso gearbeitet", sagt er. "Die Leute in der Region sind mir ans Herz gewachsen. Sie brauchen pastorale Begleitung", so Lauro. "Ich bin in der Woche den ganzen Tag unterwegs und besuche die weit auseinander wohnenden Gemeindemitglieder", erläutert er vor einer Karte, auf der die Häuser der Mitglieder zu sehen sind.
Lauro hört bei den Besuchen viel. Das merken wir, als wir ihn begleiten.

Sechs Predigtstätten hat die Parochie Martin Luther. 220 Familien gehören ihr an. Das sind ca. 720 Personen. Eine der Predigtstätten ist die Kapelle "Cristo vive". Die Menschen hier leben von Viehzucht, Milchproduktion und Kaffeeanbau. Lauro ist es wichtig, ihnen nahe zu sein, denn sie kommen in großer Zahl zu den Gottesdiensten. Zwei bis drei Gottesdienste bietet er pro Sonntag an, zu denen ungefähr die Hälfte der Mitglieder kommen. Der Zusammenhalt und die Gemeinschaft ist ihnen wichtig.

Präsident Dr. Dutzmann im Gespräch
mit dem Spender des Kirchengrundstücks
Erst Mitte 2021 wurde die neue Kirche eingeweiht. Sie hat eine alte, langsam verfallende Holzkirche ersetzt. Das Grundstück hat ein Gemeindemitglied der Gemeinde geschenkt. Er selbst bewirtschaftet einen Hof mit 85 ha. Ihm ist es wichtig, dass das Evangelium rein gepredigt wird. "Der Pastor darf die Verkündigung des Evangeliums nicht verlassen!" sagt er sehr deutlich beim Mittagessen auf seinem Hof. "Die reine Verkündigung des Evangelium ist wichtig. Wir müssen bei Christus bleiben." Auf die Frage, wie das geschieht und bei welchen Themen diese Frage überhaupt aufkommt, ist er schnell bei politischen Themen. 

Das ist in der polarisierten brasilianischen Gesellschaft nicht verwunderlich. Gerade in dem derzeitigen Wahlkampf geht es nur um die Frage, wen man untersützt - Bolsonaro oder Lula. Je nachdem, ob man sich einig ist oder nicht, kann es zu Konflikten kommen. "Da ist es meine Aufgabe, die Gemeinde zusammen zu halten und im Dialog zu bleiben", so Lauro. Die Angst vor einem möglichen Auseinanderbrechen der Gemeinde an diesen Fragen beschäftigt derzeit viele Gemeindeglieder, das merkt Lauro bei seinen Besuchen.
Kircheninnenraum mit Bibelvers aus Römer 1,17

Der Name der Kirche "Cristo Vive" ist ein gutes Programm, um gemeinsam Kirche zu sein. Wie schafft man es, Jesus lebendig zu halten und ihn nicht zu vereinnahmen? Wie schafft man es, dass man trotz unterschiedlicher Auffassungen in Fragen der Gerechtigkeit füreinander, für das Miteinander, für die Schöpfung zusammenbleibt? Lebt Jesus unter uns? Ihn können wir nicht besitzen, aber er will uns frei machen, dass wir miteinander das Leben zum Wohle aller gestalten.

Es ist gut, dass das GAW in dieser aufgeheizten Atmosphäre in Brasilien diesen Kirchenbau unterstützt hat. 9.000 € wurden dafür gesammelt.

Kirchenräume sind dazu da, dass verkündet wird, dass Jesus lebt und wir mit ihm. Das muss Folgen haben und sich im Alltag bewähren! 

Ein Raum der Hoffnung für die Kinder in Hassakeh

Im Mai letzten Jahres bat das evangelische Magazin Chrismon um Spenden für die Jugendarbeit der presbyterianischen Gemeinde in Hassakeh. Dieses Anliegen war ein Teil des Jahresprojektes der GAW-Frauenarbeit 2021. Damals schrieb Chrismon:

Die Kinder in dem frisch renovierten Raum
"Die 32-jährige Mathilde Sabbagh ist evangelische Pfarrerin in Hassakeh, einer Stadt im kurdischen Selbstverwaltungsgebiet Rojava. (...) Wer kann, der geht. Sabbagh hat sich entschieden zu bleiben. Weil es ihre Berufung ist, sagt sie. (...) Nach ihrem Theologiestudium in Beirut kehrte sie 2016 als neue Pastorin zurück. Eine Frau und so jung – das war schon ein halber Skandal. Aber es war Krieg, der alte Pfarrer war ins Ausland geflohen, und Sabbagh legte einfach los. Von der ursprünglichen Gemeinde, zu der früher 50 Familien gehörten, waren nur noch ein paar Dutzend ältere Leute übrig (...). Und dann waren da eben die vielen Kinder und Jugendlichen, die nachmittags vor der Kirche herumlungerten. Sie besuchen die evangelische Schule der Gemeinde, die meisten stammen aus katholischen oder orthodoxen Familien. Während ihre Eltern mühsam versuchten, den Lebensunterhalt zu verdienen oder im Krieg verschollen waren, bleiben sie alleine draußen. Sabbagh begann, sie zu Kindergottesdiensten, Bibelstunden und Jugendgruppen einzuladen. (...) Sabbagh will die Kriegskinder nicht verloren geben."

So sah der Raum vorher aus
Viele Leserinnen und Leser spendeten. Es gab eine Welle der Hilfsbereitschaft für die kleine, aber lebendige Gemeinde im Nordosten Syriens und ihre Pfarrerin, die die Hoffnung nicht aufgeben wollte. 

Nun hat Pfarrerin Mathilde Sabbagh es geschafft, mit Hilfe der Spenden einen Raum in der Kirche zu renovieren und mit Laptop, Beamer und Klimaanlage auszustatten. Hier sollen die Kinderaktivitäten und Nachhilfekurse für die Jugendlichen stattfinden. Mit seiner hellen Atmosphäre und den bunten Bänken haben die Kinder den Raum sofort lieb geworden. 

Die Freiwillige Ahed spielt mit den Kindern
"Sie sind es nicht gewohnt, so schöne Räume zu sehen", sagt Mathilde Sabbagh. Das Gebäude, in dem Schule und Kirche untergebracht sind, ist alt und auch wegen der Kriegsschäden dringend renovierungsbedürftig. "Wegen des Kriegs kommen immer mehr Kinder zu uns. Die Räume sind dafür zu klein und werden immer überfüllter. Es ist gut, dass wir jetzt wenigstens einen gut ausgestatteten, neuen Raum zur Verfügung haben! Es ist ein Raum der Hoffnung für unsere Kinder."

Facebook-Seite der Gemeinde: https://www.facebook.com
/thenationalevangelicalpresbyterianchurchalhassakeh