Montag, 17. Februar 2020

Förderung der Roma-Missionsarbeit der reformierten Kirche in Ungarn

Roma-Mission der Refomierten Kirche in Ungarn
„Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken“ lautet das Motto der Roma-Arbeit der Reformierten Kirche für dieses Jahr. Die Weiterbildungen für Ehrenamtliche sollen die Leitidee der inklusiven Gemeinschaft stärken und praktische Anleitung für ihre Umsetzung bieten. Außerdem soll eine landesweite Roma-Musikgruppe gegründet werden, weil die Erfahrung zeigt, dass die Musik eine wichtige Rolle in den inklusiven Gemeinden spielt, in denen Roma willkommen sind und im Gottesdienst mitwirken.


Die Fortbildung für Ehrenamtliche in der Roma-Arbeit der Reformierten Kirche in Ungarn soll in diesem Jahr mit 10 000 € unterstützt werden.

Sonntag, 16. Februar 2020

In Assureti/Elisabethtal ist es fraglich ob die lutherische Kirche "ihre" Kirche wieder nutzen darf...

Assureti - ehemalige luther. Kirche
In Assureti/Georgien wird durch die Kommune vor Ort die ehemals lutherische Kirche saniert. Eine Rückgabe an die lutherische Kirche in Georgien wird es wohl nicht geben. Bischof Schoch sagt: Leider dürfen wir die Kirche derzeit nicht nutzen, während die orthodoxe Kirche schon damit begonnen hat, eine Kapelle dort einzurichten."

Seit 2017 ist der württembergische Pfarrer Markus Schoch Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien  und dem Südlichen Kaukasus. 

Im Interview im GAW-Magazin "Evangelisch weltweit" (1/2020) berichtet er von der nicht einfachen Ökumene mit der georgisch-orthodoxen Kirche - insbesondere im Blick auf Kirchengebäude und Fragen der Restitution:

"Wir haben eine sehr gute ökumenische Zusammenarbeit mit Baptisten, Katholiken und den Armeniern in einem de facto Ökumenischen Rat.... Die Orthodoxe Kirche ist ebenfalls dazu eingeladen, kommt aber nicht. Auf der Leitungsebene besteht mit der orthodoxen Kirche ein respektvolles
"Die orthodoxe Kirche hat schon
damit begonnen hat,
eine Kapelle dort einzurichten..."
Verhältnis. Wir werden von dem Patriarchen als Geschwisterkirche wahrgenommen und gelegentlich eingeladen. Für den Alltag hat es aber kaum Auswirkungen. Je weiter herunter in der Hierarchie, desto schwieriger wird es. 
Der Umgang wird aggressiver, wir werden als Sekte bezeichnet. Als im Jahr 2000 in Rustawi ein lutherisches Gemeindehaus gebaut wurde, gab es zunächst große Ängste, bis dahin, dass die Nachbarn fürchteten, krank zu werden. Solche Ängste werden auch von Priestern geschürt. Das ist keine offizielle Politik, trotzdem ist der Alltag oft diskriminierend... 

Kircheninnenraum Assureti
Wir haben keine Unterdrückung und Verfolgung, aber das gesellschaftliche Klima ist nicht immer einfach. Assureti/ Elisabethtal ist ein gutes Beispiel dafür. Die Verwaltung saniert dort aktuell die einstige lutherische Kirche. Wir begrüßen es, wenn das Kirchengebäude von Bewohnern kulturell genutzt werden soll, würden dort aber gern auch Gottesdienste feiern dürfen. Der orthodoxe Priester vor Ort hat mir jedoch ins Gesicht gesagt: Hier wird nie ein lutherischer Gottesdienst stattfinden. Die Stadtverwaltung reagiert auf meine Anfragen und Briefe nicht. Sie hat Angst vor der Macht der orthodoxen Kirche. Inzwischen habe ich auf Umwegen erfahren, dass im Grundbuch bereits das Nutzungsrecht für die orthodoxe Kirche eingetragen worden ist. 

Ich habe das Problem im Patriarchat angesprochen, aber statt zu sagen: Ja, ihr dürft dort
feiern, ist doch eine ehemalige lutherische Kirche, gibt es nur Beschwichtigungen....

Als die georgische Botschaft in Berlin ein Gotteshaus für die georgische orthodoxe Kirche suchte, wandte sie sich an die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Ich habe den Berlinern über die Situation in Assureti berichtet. Daraufhin haben sie in einem Brief an die georgische Botschaft darauf hingewiesen, dass die selbstverständliche Geschwisterlichkeit zwischen den Kirchen in Deutschland auch auf Georgien zurückstrahlen sollte. Das GAW kann ebenfalls seine Kontakte nutzen."

Das vollständige Interview lesen Sie unter: 

Donnerstag, 13. Februar 2020

Kirche mit und für andere! - Ein neues Gemeindezentrum in Posadas / Argentinien

Einweihungsfest in Posadas / Missiones
„Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist!“ so schrieb Dietrich Bonhoeffer. Das will die evangelische Gemeinde in Posadas mit Leben füllen und für die Menschen da sein - in der 1-Millionen Einwohner zählenden Regionshauptstadt Misiones. Viele sind Migranten, die aus den ländlichen Regionen Misiones kommen, um Arbeit zu finden; viele sind Studierende, die an der großen Universität studieren; und dann sind da Kranke und deren Angehörige, die in dem besten Hospital der Region behandelt werden und keine bezahlbare Unterkunft finden. 

Die Gemeinde ist vor 20 Jahren mit diesen Menschen entstanden. Vorher gab es keine evangelische Gemeinde in Posadas. Jetzt hat sie schon 60 Gemeindeglieder. Zunächst trafen sie sich in einem kleinen Häuschen am Stadtrand, bis es ihr 2006 gelang, in unmittelbarer Nähe zum Hospital ein Haus zu kaufen, das als Gemeindezentrum dient. Hier will sie „Kirche für andere sein“. 

Und weil in Misiones die Gemeinde wächst, kümmert sich nun ein Vikar um den wichtigen Gemeindeaufbau in Posadas. Er baut zudem eine Krankenhaus- und Universitätsseelsorge aufbauen. Bisher gab es einen Gemeindesaal für alle Aktivitäten und drei einfache Gästezimmer. Hier fiel der Gemeinde die Begleitung der Menschen zu, die ihre Angehörigen im Hospital besuchen und sich einen längeren Aufenthalt in Posadas nicht leisten können. Das nahmen Gemeindeglieder wahr, als sie eine ganze Familie auf der Straße übernachten sahen. Die Gemeinde hatte beschlossen, sich hier stärker zu engagieren. 

Kirchenpräsident Leonardo Schindler bei der Einweihung
So wurden jetzt auch dank der Hilfe des GAW aus dem Projektkatalog 2017 das Gemeindezentrum saniert und insbesondere Gästezimmer erweitert. Das Zentrum bietet auch jetzt Studenten Zimmer an. Dafür musste das Gemeindezentrum aufgestockt werden. 

Alte baufällige Bausubstanz musste ersetzt werden. Die Arbeiten waren nicht einfach durchzuführen, da die wirtschaftliche Lage in Argentinien schlecht ist und die Arbeiter auf Grund eines zu geringen Lohnes nicht sehr motiviert waren. Trotzdem ist es nun gelungen, das Zentrum so auszubauen, dass es als Kirchengemeinde mit der ihr zugewachsenen diakonischen Arbeit als Kirche für und mit anderen existieren kann.

Das GAW hat 19.600 Euro zu diesem Projekt gegeben bei einer Summe von 88.600 Euro. Allen Spendern sei herzlich gedankt!

Dienstag, 11. Februar 2020

Auf evangelische Weise dem Evangelium Raum geben - das sind wir der Welt schuldig!

Dieter Knall
Vor 50 Jahren schrieb Dieter Knall folgende Worte in dem GAW-Jahrbuch "Die Evangelische Diaspora": 

"Diaspoarexistenz weist sehr verschiedene Gesichter auf. Innerhalb Deutschlands lebt sie in einer anderen Situation als jenseits der Grenzen, wie beispielsweise in Frankreich, Spanien, Griechenland, in Lateinamerika oder in Ländern der östlichen Welthälfte. Sofern wir erwarten, dass evangelische Diaspora in der sie umgebenden Welt die Stimme des Evangeliums zum Erklingen bringt, scheint mir eine Vernachlässigung oder gar Aufgabe evangelischer Diasporaarbeit schlechterdings ausgeschlossen und nach wie vor ein nicht aufzugebender Auftrag, den wahrzunehmen die ganze evangelische Kirche aufgerufen ist und bleibt. Andernfalls müsste rundweg gefragt werden, ob evangelisches Kirchentum selbst noch eine Lebensberechtigung, ja, ob Evangelischsein heute überhaupt noch eine Bedeutung hat und sinnvoll ist. Wenn ökumenische Bewegung und das in ihr vorhandene Suchen und Streben nach Einheit eine Zukunft und ein Ziel haben, dann nur im Suchen und Streben nach dem Evangelium, das Jesus Christus heißt. Diesen Beitrag sind wir als evangelische Menschen, ist unsere evangelische Kirche und ist unsere evangelische Diaspora der gesamten Christenheit und Welt schuldig. Von daher scheint mir eine echte, auf das Evangelium bezogene Diaspoararbeit auch des GAW nicht in Frage gestellt, vielmehr gerade im ökumenischen Zeitalter dringend notwendig, ja gefordert zu sein." 

(Dieter Knall, Ev Dia 40. Jg., 1970, S. 181)

Freitag, 7. Februar 2020

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein! - zu den Herausforderungen des GAW

Hermann Rieß
Vor 50 Jahren stellte der ehemalige Präsident des GAW Hermann Rieß (1914 - 1990; GAW-Präsident 1979-88) vier Punkte zur Diskussion im Blick auf die Weiterentwicklung der Arbeit des Diaspoarwerkes der EKD. Sie waren damals wichtig und spielen heute ebenso eine bleibende Rolle: 

1. Es genügt nicht mehr, wenn sich das GAW nur als Kirchbau-Verein versteht. Das GAW gehört eng mit denen zusammen, die sich in Entwicklungsländern engagieren. Das GAW hat dabei einen besonderen Akzent zu setzen. Brot für die Welt bliebt wichtig für notleidende Menschen. Was aber heißt es, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt?

2. Bei aller notwendigen sozialen Hilfe darf das Missionarische nicht vergessen werden. Wie können wir in den Sozial-Projekten zum Glauben an das Evangelium helfen und den Glauben stärken? 

3. Die lange Tradition des GAW ist wichtig, aber wir müssen auf die beiden genannten Punkte mit unsere Tradition Antworten finden. Wir müssen unseren Auftrag dabei in unsere Zeit und ihre Fragen hinein formulieren. Dazu gehört, dass wir die Situation unserer Partner in ihren Ländern immer besser verstehen. Partner raten: "Entwickelt euch selber so, dass ihr uns besser versteht!"

4. Notwendig sind gute und enge Kontakte zu ökumenischen Netzwerken, Partnerorganisationen und Missionswerken. Denn: Zeugnis und Dienst gehören in das Projekt-Denken hinein und zusammen. da hat das GAW seinen Anteil zu leisten und seine Aufgabe zu erfüllen. Wichtig ist, Partnern Hilfe zu geben, ohne ihnen unsere eigenen Modelle aufzuzwingen. 

(nach: GA-Blatt, 16.Jg., Okt 1970, Heft 4)

Donnerstag, 6. Februar 2020

Renovierung der lutherischen Kirche in Ramučiai in Litauen

Lutherische Kirche in Ramučiai nach der Dachsanierung
Das Dach der kleinen lutherischen Kirche in Ramučiai in Litauen war in einem katastrophalen Zustand. An einigen Stellen drohte die Decke des Kirchenschiffs einzustürzen. Die Gemeinde bemühte sich sehr um die Rettung der Kirche. Zugleich haben aktive Gemeindeglieder selbst Maßnahmen getroffen und die am stärksten beschädigten Stellen am Dach auf eigene Kosten repariert. Im Winter 2017 wurden die großen Bäume um die Kirche herum gefällt, damit sie keinen Schaden bei Unwetter anrichten können. 

Nachdem man das alte Dach abgedeckt hatte wurde der dramatische Zustand der Kirche sichtbar. Auf dem Gewölbe war  früher Torf aufgelegt worden, der durch die undichte Dacheindeckung Feuchtigkeit enthielt. Das zersetzte die Hauptdachkonstruktionen. Das
Während der Sanbierungsarbeiten
Dach war in einem Notzustand.

"Wir freuen uns, dass das Dach Ende 2019 komplett mit Regenrinnen und Fallrohren versehen wurde. Innenreparaturen, wie der Beginn der Elektroinstallationsarbeiten, sowie das Verputzen und Anstreichen der Schadstellen, werden im Frühjahr 2020 fortgesetzt, wenn das Wetter wärmer wird. Das Projekt soll bis Juli 2020 vollständig abgeschlossen sein," schreibt Pf. Remigijus Šemeklis. "Besonderer DANK gilt dem GAW. Ohne Eure Unterstützung hätten wir das Dach nicht sichern können und die Schäden hätten sich verschlimmert."

Erneuerung des Dachstuhls
Nach der Dacherneuerung und den weiteren Sanierungsarbeiten soll die Kirche auch dem Dorf als gemeinschaftlicher Raum für wichtige Ereignisse zur Verfügung stehen. 

Die evangelisch-lutherische Gemeinde Ramutten (jetzt litauisch: Ramučiai) im Memelland wurde 1895 gegründet. Sie war von Anfang an klein und auch ihre 1929 errichtete rote Backsteinkirche war kleiner als in anderen Gemeinden. 1944 flohen die meisten Memeldeutschen vor der heranrückenden Roten Armee. Während des Sozialismus ist es den wenigen verbliebenen Gemeindegliedern gelungen, die Kirche zu erhalten. Sie wurde weder verstaatlicht, noch als Speicher genutzt. Heute zählt die Gemeinde rund 40 Personen. Der Gottesdienst findet nur einmal im Monat statt, aber dann immer mit einem anschließenden gemeinsamen Kaffeetrinken im Pfarrhaus. Die Beziehungen zu der Kommune sind gut, obwohl die meisten Einwohner katholisch sind. Die Dorfgemeinde hat der Kirchengemeinde den Vorschlag unterbreitet, die lutherische Kirche gemeinsam zu nutzen. 

Das GAW hat das Projekt mit 13.500 Euro im Projektkatalog 2018 unterstützt! Allen Spendern sei gedankt!

"Die Unterstützung des GAW zeigt, dass wir zu einer großen evangelischen Familie gehören!" - Hilfe für ein Diakoniezentrum in Tschechien

Sanierung eines alten Pfarrhauses in Třinec
"Wir bedanken uns beim GAW für die 7.500 Euro aus dem Projektkatalog 2017 für die Instandsetzung des alten Pfarrhauses der lutherischen Gemeinde in Třinec. Dadurch konnten wir überhaupt unseren Eigenanteil bei der Sanierung aufbringen. Aber wichtiger für uns ist es, dass wir uns durch diese Unterstützung als zugehörig fühlen zu einer großen Familie evangelischer Kirchen. Dafür steht das GAW für uns! Für ist diese Hilfe eine moralische und geistliche Unterstützung!" schreibt Pfarrer Bohdan Taska aus Třinec.

Der Aufstieg von Třinec im schlesischen Teil Tschechiens von einem unbedeutenden Dorf zu einer Industriestadt begann mit dem Bau einer Eisenbahnstrecke. Waren die
Sanierungsarbeiten in Třinec
ursprünglichen Bewohner evangelische Polen gewesen, kamen nun evangelische und katholische Tschechen und Deutsche dazu. Noch heute werden in der lutherischen Kirche sonntags zwei Gottesdienste gefeiert, in tschechischer und in polnischer Sprache. Die Gemeinde ist stark geprägt durch neupietistische Frömmigkeit. Nach einer schmerzhaften Spaltung der Gemeinde in den 1990er Jahren steigt die Zahl der Gemeindeglieder wieder und beträgt derzeit 2.300 Personen. Die Gemeinde kaufte das ehemalige Kino Hutník und baute es 2010 zu einem Gemeindezentrum um, in dem es jetzt vielfältige Veranstaltungen
Umbau des alten Pfarrhauses in Třinec
für alle Altersgruppen gibt. 

2008 entstand in der Gemeinde das Projekt „Die Chance – die helfende Hand“, das sich um Menschen mit verschiedenen Abhängigkeiten (Drogen, Spielautomaten, Bulimie etc.) kümmert. Zurzeit werden die Dienste wie Beratung, Suppenküche etc. im Gemeindezentrum „Hutník“ angeboten. Die Räume reichten dafür jedoch nicht mehr aus, zudem ist das Nebeneinander der Kinder- und Jugendarbeit und der Klienten gelegentlich problematisch. Die Gemeinde hat nun das ehemalige Pfarrhaus, das aktuell als Frauenhaus dient, für das Projekt „Die Chance“ umgebaut. Das 1904 errichtete Gebäude musste wegen statischer Probleme von Grund auf saniert werden. Für das Frauenhaus hat die Stadt ein anderes Gebäude zur Verfügung gestellt.

"Dank eines großzügigen Zuschusses durch die EU und anderer Spenden - u.a. des MLB und des GAW - ist es uns gelungen, das Sanierungsprojekt ohne größere Schulden abzuschließen," schreibt Pfarrer Bohdan Taska.

Třinec gehört zu Schlesischen Evangelischen Kirche A.B. - 15.200 Gemeindegliedern werden in 21 Gemeinden von zwei Pfarrerinnen und 32 Pfarrern betreut.


Dienstag, 4. Februar 2020

Diasporaexistenz ist ein permanenter Lernprozeß

Kerz am Alt in Rumänien
Der ehemalige siebenbürgisch-sächsische Bischof Christoph Klein (* 20. November 1937 in Hermannstadt; war bis Oktober 2010 Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien) beschrieb in einem Vortrag die Vision einer Kirche in der Diaspora folgendermaßen:

"Der Weg zur Kirche in der Diaspora ist mit einem schmerzhaften Lernprozess verbunden. Lernen meint hier nicht Wissenserweiterung, sondern existentiell verstanden als ein geistlicher Lebensvorgang, der sich in seinem Inhalt und dem Vollzug her bestimmt weiß durch die Nachfolge Christi, des Gekreuzigten und Auferstandenen. Der Typ des Lernenden ist der Jünger Jesu, als eigentlicher Gegentypus des pharisäisch befangenen Menschen, der die Wahrheit zu besitzen glaubt. (Dietrich von Oppen)." 

Und dann schildert er beispielhaft eine besondere Gemeinde in Siebenbürgen in Kerz am
Alt. Hier befindet sich eine alte Zisterzienser-Abtei. Die Wurzeln reichen zurück bis ins 12. Jahrhundert. Es muss ein großartiges Kloster gewesen sein. Aber: Irgendwann brach dieses Werk zusammen - symbolisch auch irgendwann das Kirchendach. Aus der Klosterkirche wurde eine Gemeindekirche. Die Gemeinde hatte gelernt mit der zerbrochenen Struktur umzugehen. Eine Restauration der großen Klosterkirche war in Rumänien nicht möglich. So konzentrierte sich die Gemeinde auf das Wesentliche: Ihren Kirchraum. Um den alten Altar herum entstand die kleiner Kirche. Im ehemaligen Mittelschiff mit dem nicht mehr vorhandenen Dach wurden Kriegsgefallene beerdigt. Nach 1989 ist die Gemeinde dann weiter geschrumpft. Eine ehemalige selbstbewusste evangelische Kirche der Siebenbürger Sachsen wurde eine kleine Diasporakirche von heute noch höchste 12.000 Gemeindemitgliedern. 

Klein sagte: "Die noch Wenigen werden beim Betreten ihres heutigen kleinen Gotteshauses an die vielen Gestorbenen und auch sonst Weggegangenen aus ihrer Mitte und aus der großen Kirche erinnert, die sie umgeben und mit denen sie zusammen die "Gemeinschaft der Heiligen" bilden. Das leere ehemalige Hauptschiff, das man heute zuerst betritt... ist offen gegen den Himmel, ohne Dach... Dies erinnert uns daran: wenn die Türen hier unten verschlossen sind, so nimmt uns Gott "oben" in seine Kirche hinein. - Das ist ein Bild für die Zukunft: die Kirche als "Gemeinschaft der Heiligen", verbunden mit den Toten und Weggegangenen, offen für das Eingreifen Gottes von "oben", gewiss seiner beschützenden und behütenden Hand, auch offen für die, die in diesen großen Raum eintreten wollen. Hier unter dem offenen Himmel Gottes gibt es keine Gäste und Fremdlinge mehr, sondern sie sind alle "Mitbürger der heiligen und Gottes Hausgenossen". Und insofern sind sie nicht "Zerstreute und Getrennte" in Ost und West, in Rumänien und Deutschland, nicht solche, die ihre Identität und Heimat verloren haben, hier und dort, sondern solche, denen sie Gott neu geschenkt hat... " (Chr. Klein, Ausschau nach Zukunft, S. 208f)

Ein sehr schönes Bild und ermutigend, dann zu bekennen: Gut dass wir Diaspora sind 8 nicht werden müssen - und das ist: Salz der Erde, Licht der Welt!

Donnerstag, 30. Januar 2020

Musik gegen Kriegslärm - evangelisches Leben im Januar in Aleppo

Armenian Evangelical Armiss Conservatory's Semi -
Jährliches Konzert im Zentrum der
 Bethelkirche, Aleppo
Während in der evangelisch armenischen Bethelkirche Kinder und Jugendliche ein Konzert geben, hören die Anwesenden Konzertbesucher draußen Bomben - und Raketenlärm. Musik angesichts des Krieges...

Ende Januar haben sich die Kämpfe in Syrien um Aleppo und der Region Idlib intensiviert. 

Mit bewegenden Worten schildert der evangelische Pfarrer Haroutune Selimian, was derzeit in Aleppo in Syrien die erleben, die versuchen ihr Leben trotzdem zu leben und durchzuhalten. 
Er schreibt: "Das Leben ist erneut schwerer geworden. Die Versorgung ist schlecht. Die Sicherheitslage ist fragil. Bitte denkt an uns betet für uns! Vergesst uns nicht! Wir versuchen trotz allem dem Leben Raum zu geben, da zu sein und nicht zu gehen. Wir brauchen dringend Frieden!"
Pfr. Haroutune Selimian

Am 8. März 2020 wird Haroutune auf Einladung des Prälaten Martin Dutzmann im Berliner Dom am Gottesdienst zum Sonntag Reminiscere teilnehmen. Syrien steht in diesem Jahr im Fokus des Gedenktages für "Bedrängte und Verfolgte Christen". Die Materialien dazu finden sich hier: https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/reminiszere_2020_syrien.pdf

Haroutune Selimian wird vom 3.-7./14.-16. März in Stuttgart, Bad Homburg, Hanau, Hamburg, Berlin und Bonn von der Situation in Syrien als evangelischer armenischer Christ berichten. Das GAW organisiert diese Reise.

Das GAW hilft den syrischen evangelischen Christen, dass sie in ihrem Land leben können. Sie brauchen unsere Solidarität. 

Helfen sie mit:

Spendenkonto des GAW bei der KD-Bank 
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11  /   BIC: GENODED1DKD 
Stichwort: "Nothilfe Syrien"

Mittwoch, 29. Januar 2020

Die Kirche in Hodslavice (Tschechien) muss saniert werden

Kirche in Hodslavice
Die evangelische Gemeinde der EKBB ( Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder) in Hodslavice (www.hodslavice.evangnet.cz), in Ostmähren gelegen, entstand 1782. Erst im Jahr zuvor war mit dem Toleranzpatent die Gründung evangelischer Gemeinden erlaubt worden. 

Das 200 Jahre alte Kirchengebäude hat unter Feuchtigkeit und Holzwurmbefall gelitten. Die Elektroinstallationen sind veraltet und gefährden die Kirche zusätzlich. 

Nun soll sie schrittweise umfassend saniert werden. Erste Arbeiten, wie die Bekämpfung des Holzwurmbefalls, wurden bereits angegangen. Vieles geschieht in Eigenregie!

Das GAW sammelt in diesem Jahr 20 000 € für diese Sanierung!

Dienstag, 28. Januar 2020

Ein neuer Heizkessel für Zelów in Polen

Gebäudekomplex der ref. Gemeinde in Zelów
"Dank der Hilfe des GAW konnten wir für unseren Gebäudekomplex aus Pfarrhaus, Kindergarten und Gemeindehaus einen neuen Heizkessel der neuen Generation kaufen und einbauen. Der alte Kessel fiel aus. Dadurch wurde die Fortexistenz unseres wichtigen Kindergartens gefährdet. Insofern hat uns das GAW gerettet! Der neue Heizkessel erfüllt hohe ökologische Standards. Er ist effizient und wirtschaftlich. Wir freuen uns, dass wir so auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten konnten!" schreibt Tomasz Pieczko aus der reformierten Kirchengemeinde in Zelów.

Zur spannenden Geschichte der refomierten Gemeinde in Zelów:

Die evangelisch gesinnte Bevölkerung in Böhmen und Mähren litt noch im 18. Jahrhunder
Neuer Heizkessel
t unter den strengen Rekatholisierungsgesetzen im Habsburgischen Reich, die nach der verlorenen Schlacht am Weißen Berg im November 1620 und dann besonders nach dem westfälischen Frieden immer wieder erneuert und verschärft wurden. Wem es nicht gelang, seinen Glauben zu verheimlichen, setzte nicht nur sein eigenes Leben sondern auch das seiner ganzen Familie einer unberechenbaren Gefahr aus. Viele starben an den Folgen brutaler Verhöre, viele Familien wurden von ihrem Hof vertrieben und nicht selten wurden den Eltern auch die Kinder weggenommen. Wer sich zum Verlassen des Heimatlandes entschließen konnte, emigrierte. So fanden im 18. Jahrhundert mehr als 2000 Exulanten ihre Zuflucht u.a. in Berlin. Im preußische König fanden sie einen Fürsprecher, von dem sie sich erhofften, daß er ihnen einmal die Glaubensfreiheit sichern würde.
Anfang des 19. Jahrhunderts gab es für die Exulanten eine günstige Möglichkeiten im preußischen Anteil des geteilten Polens, wo das Land billiger zu bekommen war als in Schlesien, zu siedeln. Im Jahre 1803 gründeten so die letzten Exulanten, die allerdings schon 24 und mehr Jahre an mehreren Orten verstreut in Schlesien lebten, zusammen mit jüngeren Exulantensöhnen und -enkeln aus den älteren böhmischen Dörfern in Schlesien eine böhmische Kolonie in Zelów in Polen zu gründen. Berühmt wurden die Siedler durch die von ihnen dort initiierte Textilindustrie, die von hoher Qualität war. So wuchs die Siedlung und zog auch bald andere an - Deutsche, Polen und Juden. Die Tschechen besaßen das Land und blieben deutlich in der Überzahl. Alle vier Volksgruppen mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen lebten friedlich zusammen. Die Umgangssprache war Tschechisch, die Amtssprache war Polnisch und Russisch (ab 1815 lag Zelów im russischen Teil Polens).

Unwetter in Brasilien - Auswirkungen des Klimawandels?

Der Generalsekretär des GAW-Brasilien (OGA) schreibt uns im Hinblick auf die schlimmen Unwetter in Brasilien und die Auswirkungen auf die lutherischen Gemeinden der IECLB:

"Leider sind die Unwetter in der Gegend von Espírito Santo und Minas Gerais nicht zu Ende. Noch kennt man das Ausmass der (es sind immer neue Unwetter) Unwetter nicht. Ich habe die Aufstellung der betroffenen Orte angeschaut. In zehn von ihnen haben wir Kirchengemeinden. Wie diese punktuell betroffen sind kann ich noch nicht sagen, aber soeben schrieb mir Pastor Nilton Giese, dass das Centro de Integração Martinho (Belo Horizonte) verschiedene Stellen hat, an denen das Wasser durch die Wände eindringt und dass das Dach renoviert werden muss. Aber selbst wenn unsere Gemeindebauten nicht direkt betroffen sind, sind die Gemeindemitglieder, gemeinsam mit den Bewohner, betroffen. In den nächsten Tagen werden wir Näheres erfahren und ich teile es Euch mit. 

Während São Paulo, MinasGerais, Rio z.T., Espírito Santo zu viel Regen bekommt, haben wir in bald ganz Rio Grande do Sul eine grosse Dürre, die niemanden schlagartig trifft, aber auf die Dauer bald alle. Besonders unsere Kleinbauern haben schon viel von den jetzigen Ernten verloren, was sich wiederum auf Vieh-, Schweine- und Hühnerzucht niederschlägt. Eine nicht kleine Zahl der Kleinbauern zählt zu unseren Kirchengemeinden."

Keine guten Nachrichten aus Brasilien... - klimatische Veränderungen zeigen sich dort. Die Auswirkungen sind jetzt schon gravierend.

Sobald wir Nachrichten über Schäden an kirchlichen Gebäuden haben werden wir weiter informieren.