Donnerstag, 2. April 2020

"Wir fühlen uns privilegiert, denn wir können helfen!" - Pastorin Esther aus Madrid

Lebensmittelausgabe am 1. April bei ASP
in Madrid
Nach Italien ist Spanien das vom Coronavirus am schwersten betroffene Land Europas. Die Regierung beschloss deshalb eine Verschärfung des strikten Ausgangsverbots, die am 1. April in Kraft trat. Der sogenannte Alarmzustand, die dritthöchste Notstandsstufe des Landes, gilt bis zum 11. April. Madrid ist vom Coronavirus am Schlimmsten betroffen. Die Situation auf den Intensivstationen der Krankenhäuser wird sich wohl diese Woche weiter verschärfen. 

In Madrid versucht die evangelische Gemeinde "El Salvador" der Iglesia Evangélica Española" ihr diakonisches Engagement unter den verschärften Bedingungen der Ausgangssperre irgendwie aufrecht zu erhalten. 

Pastorin Esther Ruíz de Miguel schreibt: "Die Acción Social Protestante" (ASP) konnte heute - Gott sei Dank - Lebensmittel an 25 Familien in Not für einen ganzen Monat verteilen. Wir versuchen die Arbeit aufrecht zu erhalten und fühlen uns bei allem privilegiert, dass wir trotz allem etwas tun und helfen können!"

In der Kirche und in den Gemeinderäumen hilft ASP seit Jahren Flüchtlingen und armen spanischen Familien durch eine Lebensmittelbank und eine Kleiderkammer. Des weiteren gibt es verschiedene Aktivitäten und Fortbildungen zur Unterstützung gerade für Migranten, um sich in die spanische Gesellschaft zu integrieren. All diese Arbeit mit den Bedürftigen und Armen muss derzeit ruhen. Distanz halten ist Gebot der Stunde - und dennoch gibt es einen großen Bedarf, die lebensmittelhilfe einigermassen aufrecht zu erhalten.

Die Gottesdienste ruhen. Andachten werden digital ins Netz gestellt. WhatsApp spielt eine wichtige Rolle, sich zu vernetzen. Die Pastoren halten Kontakt zu den älteren Gemeindemitgliedern per Telefon.


Im Jahr 2015 hat die GAW-Frauenarbeit ASP durch ihre Jahressammlung ASP unterstützt. 

Wir wollen weiter helfen: 
Stichwort: Nothilfe


Mittwoch, 1. April 2020

Täglich kommen Flüchtlinge über das Meer nach Griechenland - die Griechische Ev. Kirche in Coronazeiten

rechts im Bild: Meletis Melitiadis
Pfarrer Meletis Melitiadis von der evangelischen Kirchengemeinde in Volos und Ansprechpartner des GAW in Griechenland beschreibt die Situation in der Griechischen Evangelischen Kirche in Corona-Zeiten: "

"Seit Mitte März haben wir Gottesdienste und Gemeindaktivitäten wegen der Bedrohung durch das Corona-Virus eingestellt. Wir halten jedoch alle Gottesdienste per Live-Streaming ab, damit die Menschen folgen und teilnehmen können. Die Bibel- und Gebetstreffen finden per Zoom statt. 

Wenn diese Situation zu lange anhält, haben wir natürlich ernsthafte finanzielle Probleme, da die Kirche auf die finanzielle Hilfe der Menschen angewiesen ist. Die meisten Einnahmen der Kirche kommen aus den sonntäglichen Spenden und Kollekten. Die evangelische Kirche erhält kein Geld vom Staat - anders die orthodoxe Kirche.

In die Flüchtlingslager wie z.B. in Volos dürfen wir wieder. Wir verteilen Kleidung und Lebensmittel. Auch schauen wir die medizinische Versorgung in den Lagern zu unterstützen. Obwohl wir die Lager nach längerer Zeit jetzt wieder betreten dürfen, können wir nicht tun, was wir wollen. Wir sind sehr auf das Wohlwollen der Lagerleitung angewiesen. Viele andere Organisationen und auch andere Kirchen haben nicht mehr so viel Kraft, den Flüchtlingen zu helfen. Sie sind schlicht und einfach müde nach den viele Jahren der Hilfe. 

In der Griechischen Evangelischen Kirche machen wir aber weiter mit unseren Gemeinden an den unterschiedliche Orten: In Katerini arbeitet unsere NGO Perichoresis mit den meisten Flüchtlingen. Die Kirche in Glyfada mit ihrem At Home-Projekt, Milotopos mit den Familien, die sie haben, und Serres mit ihrer Diakonie. Thessaloniki hat weiterhin das Steki-Zentrum, die Exarcheia-Kirche in Athen ihr Pharos-Zentrum für unbegleitete Minderjährige und die Erste Kirche in Athen mit ihrem Tageszentrum für Flüchtlinge.

Die Situation der Flüchtlinge auf den Inseln ist nicht gut, obwohl die Regierung versucht, neue Lager auf dem Festland zu errichten. Schlimm ist, wie die Türkei die Flüchtlinge als Waffe gegen Europa benutzt. Es kommen weiterhin Flüchtlinge ins Land - täglich kommen zwischen 30 und 50 Menschen über das Meer."

Dienstag, 31. März 2020

Von der Hauskirche der Bibelschmuggler zur Zeit der Gegenreformation zur Hauskirche am Fernseher in Zeiten der Coronakrise

Evangelische Kirche in Feld am See in Kärnten
Am Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde in den Ländern des habsburgischen Reiches das Leben für die Protestanten zunehmend gefährlicher und bedrohter. In den österreichischen Gebieten waren bis zu 90 % der Bevölkerung Ende des 16. Jahrhunderts evangelisch. Evangelischer Glaube wurde Schritt um Schritt verbannt, verfolgt und verschwand aus dem öffentlichen Leben. Nur - es blieben die übrig, die im Geheimen sich an den evangelischen Glauben hielten. Sie feierten Hausandachten in den Bauernhäusern. In dieser Zeit wurden Bibeln und Andachtsbücher dafür aus Süddeutschland  nach Österreich geschmuggelt. Der sog. Weg des Buches erinnert daran: http://www.wegdesbuches.eu. In den Bauernhäusern z.B. in Gemeinden wie Feld am See in Kärnten werden die Lutherbibeln – einst Schmugglerware – wie Schätze bis heute gehütet.

Pfarrer Michael Guttner (Obmann des GAW in Österreich) schreibt nun:

"In Zeiten der Corona Krise versammeln wir uns zu Haus um den Bildschirm um den Gottesdienst zu feiern und unseren Glauben zu leben - es erinnert auch an die Zeit des Geheimprotestantismus." 

Derzeit können wir uns alle nicht in unseren Kirchen versammeln. Die Andachten zu Haus erinnern die österreichischen evangelischen Christen an die Hausandachten zu Hause - damals geheim, heute gezwungen durch die Corona-Pandemie.

Die Evangelische Kirche A.B. in Österreich bietet täglich Andachten an, die zu Hause mitgefeiert werden können:

Unter diesem Link: https://evang.at/evangelisches-mittagsgebet-auf-youtube/ findet man die Andachten aus Österreich.

Montag, 30. März 2020

Was ist, wenn es keine Kollekten gibt... - in Italien sind die Auswirkungen der Coronakrise spürbar schon jetzt

Pfr. Jens Hansen und Moderatorin Alessandra Trotta
(Waldenserkirche Italien)
Die Coronakrise wird alle Kirchen treffen - auch in finanzieller Hinsicht. Wie entwickeln sich die Kollekten? Was bedeutet es, dass so viele Gottesdienste ausfallen werden und nicht gesammelt werden kann? In Deutschland betrifft das Gemeindeaktivitäten, die sich aus Kollekten finanzieren, dann aber insbesondere Hilfsprojekte - auch das GAW ist auf Kollekten angewiesen.

In den Diasporakirchen ist das noch einmal verschärfend spürbar, denn hier helfen die Kollekten oft, das Gemeindeleben überhaupt mit allem drum und dran zu finanzieren.

In Italien z.B.:

"Finanziell kommt da Einiges auf uns zu", schreibt besorgt der Waldenserpfarrer Jens Hansen aus dem Süden Italiens. "In unseren kleinen Gemeinden sehen wir es jetzt schon. Der totale Ausfall der Kollekten, die bei uns der Gemeindearbeit zukommen, zeigt schon Wirkung. Strom, Gas, Wasser ... das muss ja weiter bezahlt werden. Meine Kirchenvorstände sind da schon aktiv geworden, und haben einen Brief geschrieben, in dem wir die Gemeindeglieder einladen, eine virtuelle Kollekte zu machen, d. h. einen Umschlag bereit zu stellen, und jeden Sonntag die Kollekte dort einzuwerfen. Der Umschlage wird dann am Ende der Krise in den Kollektenbeutel gelegt. Einige Mitglieder haben bereits Kollekten auf das Konto überweisen. Dasselbe Problem gibt es für die Contribuzione, d.h. den Gemeindebeitrag für die Waldenserkirche, die an die Tavola geht.

Otto per mille (OPM - 8 Promille-Kultursteuer) ist für uns ja ein Mittel, Zeichen zu setzen, die Tavola hat gerade beschlossen, 8 Millionen aus den laufenden Mitteln für die Corona-Virus-Krise zur Verfügung zu stellen. OPM läuft auf jeden Fall weiter, wenn der Staat aus Finanzproblemen nicht dieses System ändert. Das liegt auch sehr daran, wie Europa sich verhalten wird - und ob die Krise begreifen hilft, dass Austerity nicht das Rezept ist, um Europa zu gestalten."


Helfen Sie dem GAW durch eine online-Spende, damit unsere evangelischen Diaspoarkirchen unterstützt werden können: https://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html

Sonntag, 29. März 2020

Die lutherische Kirche in Slowenien in "Coronazeiten"


Pfarrerin Simona Prosič
Pfarrerin Simona Prosič aus Slowenien schreibt über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihre lutherische Kirche:

"Der erste Fall einer Coronavirus-Infektion in Slowenien wurde am 4. März 2020 registriert. Bisher hat die Regierung offenbar rechtzeitig reagiert und Maßnahmen ergriffen, die die Ausbreitungen des Virus verlangsamen konnten. Bis zum ersten registrierten Fall hatten wir Gelegenheit, bei unseren italienischen Nachbarn zu beobachten, wie schnell sich das Virus ausbreiten kann und welche Folgen es hat. 
An dem Tag, an dem die Epidemie in Slowenien ausgerufen wurde, erließ unsere Kirche auch Maßnahmen, dass alle Gottesdienste, Versammlungen, Religionsunterricht, Treffen, Sitzungen usw bis auf Weiteres abgesagt sind! Alle großen Kirchen in Slowenien - einschließlich Evangelische - haben die Regierung bei allen Maßnahmen öffentlich unterstützt. Gleichzeitig fordern wir die Gläubigen auf, sich strikt an sie zu halten.

Wie alle anderen Kirchen sind auch wir mit einer Situation konfrontiert, mit der wir nie gerechnet haben. Sie kam ganz plötzlich, was die Situation noch schwieriger machte. Trotzdem bemühen wir uns, die Gläubigen mit moderner Technologie zu erreichen. Über Internet (https://www.evang-cerkev.si/), Radio, Fernsehen, Facebook, Twitter, Messenger, E-Mail, .... Bei älteren Menschen, insbesondere bei Menschen, die alleine leben und die Techniken nicht beherrschen, setzen wir uns telefonisch mit ihnen in Verbindung. Dies ist eine sehr wichtige Aufgabe, da wir uns auch um ihren mentalen Zustand kümmern. Die Einsamkeit setzt ihnen zu. Natürlich helfen wir ihnen auch beim Einkauf in Geschäften und Apotheken. Darum kümmern sich die Mitarbeiter und Freiwilligen von EHO-Podpornica - unserer Diakonie. Vielen älteren und kranken Menschen wird täglich das Mittagessen gebracht. Während der Epidemie nahm die Anzahl der Nutzer stark zu. Unsere Mitarbeiter haben noch Schutzmasken, aber die werden weniger. Wir hoffen, dass wir durch den „Katastrophenschutz“ die notwendigen Dinge bekommen.

Unser Diakoniefest, das immer Anfang Mai stattfindet, haben wir erst einmal auf den 14. Juni verschoben. Ob es dann stattfinden kann ist offen.

Wir bereiten uns jetzt auf Ostern vor. Wir planen einen online-Gottesdienst mit allen Pfarrer*innen. Jeder nimmt eine Sequenz auf. daraus wird dann der Gottesdienst zusammengeschnitten und auf Youtube-Kanal und Facebook hochgeladen. Wir versuchen noch einen lokalen Fernsehsender zu finden, der bereit ist, Gottesdienst zu übertragen. Auch bisher haben wir Gottesdienste vorbereitet, die die Gläubigen auch auf dem Youtube-Kanal oder FB folgen konnten. (https://www.facebook.com/499947536694901/posts/2991542440868719/; https://www.youtube.com/watch?v=inZTYEBpuyY&feature=youtu.be
Jeden Tag um 12.00 Uhr nehmen wir an den Gebeten teil, die vom LWB vorbereitet war Verschiedene Andachten, Predigten, Gebete und Liedern werden auf den FB-Seiten anderer Farrer*innenveröffentlicht, wie von Judit Andrejek, Mitja Andrejek - den ehemaligen GAW-Stipnediaten.

Die meisten Evangelischen in Slowenien leben im Nordosten im Übermurgebiet. Es ist der am wenigsten entwickelte und die ärmste Teil des Landes. Es ist hauptsächlich ein ländliches Gebiet mit einer großeren Stadt - Murska Sobota (mit etwas mehr als 11.000 Einwohnern). In der gegenwärtigen Situation ist dies für mich jedoch der beste Teil Sloweniens. Quarantäne ist im Land viel einfacher zu verbringen als in den großen Städten, und dafür sind wir Gott dankbar."

Samstag, 28. März 2020

Die Kirche geht auf einmal neue Wege! - Aus Posen in Polen im Kontext von Corona

Philipp Lipinski aus Posen / Polen
Philipp Lipinski, ehemaliger GAW-Stipendiat, schreibt uns aus Polen über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das kirchliche Leben:

"Am 11.03 wurden in Polen alle Schulen, Kulturelle Institutionen, Kinos und Sportanlagen geschlossen. Alle Versammlungen für über 50 Menschen (auch religiöse Gottesdienste) sind dann verboten geworden. Am Freitag 13.03. hat die Regierung den epidemischen Notzustantt eingeführt, die Grenzen wurden geschlossen für alle Ausländer, die in Polen nicht leben. Alle Einreisende, auch Polen, müssen zwei Wochen in Quarantäne bleiben. Alle Einkaufszentren, außer den Lebensmittelläden, Supermärkte und Apotheken wurden geschlossen. Am 24.03. hat die Regierung weitere Beschränkungen eingesetzt - öffentliche Treffen für mehr als 2 Personen sind jetzt verboten und die maximale Zahl der Kirchengänger ist jetzt 5.

Schon am 11.03. hat die Kirchenleitung der lutherischen Kirche alle Gemeinden angewiesen Sicherheitsmaßnahmen in den Kirchen einzuführen, die Vorschriften des Gesundheitsministeriums zu folgen, und wenn notwendig Gottesdienste abzusagen. Die Mehrheit der evangelischen Gemeinden hat schon in der ersten Woche öffentliche Gottesdienste abgesagt und feiert sie nur online. Der Religionsunterricht und alle alltägliche kirchliche Treffen wurden verboten.

Unsere Gemeinde in Posen hat die Gottesdienste mit besonderen Maßnahmen, d.h. Hygienemasken, Desinfektionsmittel, usw. fortgesetzt, die auch im Internet ausgestrahlt wurden. Die Zahl der Kirchengänger haben wir zu 20 Personen reduziert, weil nur so wir den 3 Meter Abstand von einander halten könnten. Den Senioren haben wir gesagt, dass sie nicht in die Kirche kommen und im Fernsehen oder im Internet an den Gottesdiensten teilnehmen sollen. 

Die Mehrheit der reformierten Gemeinden, die methodistische Kirche und andere protestantische Freikirchen haben alle öffentliche Gottesdienste abgesagt.

Nach dem Entwurf der Regierung vom 24.03. wurden die öffentliche Gottesdienste in allen evangelischen Kirchengemeinden nicht mehr fortgesetzt. Wir feiern sie jetzt nur online.
Die katholische Kirche hat auch besondere Maßnahmen eingeführt. Den katholischen Christen hat das Episkopat eine Dispensation von der Teilnahme und den Messen gewährt. Die Orthodoxe Kirche hat in einer Erklärung der Bischöfe verfasst, dass der Sakrament der Eucharistie keine Krankheiten überträgt und feierte normale Liturgien. In einem Fall ist die orthodoxe Liturgie in Bialystok polizeilich berichtet geworden, weil in der Kirche sich mehr als 70 Menschen befanden.

Die Diakonie Polen organisiert Hilfe für die Senioren und andere Hilfsbedürftige bei den Einkäufen, usw.

Was positiv für die Kirche ist? Ich denke, dass unsere Kirche neue Wege der Kommunikation gefunden hat. Die Gäubigen sind z.B. an den Hausgottesdiensten beteiligt. Was ich persönlich positiv gefunden habe, ist dass diese Zeit hat auch eine Plattform für die Familien geschafft, um über den Glaube und die Religiosität zu sprechen."

Freitag, 27. März 2020

Diakonie in Rumänien: Hilfe für Schwache unter erschwerten Bedingungen

Häusliche Pflege in Vor-Corona-Zeiten
Die Diakonie der Reformierten Kirche in Cluj/Rumänien hat auf Grund der Corona-Krise mit Einschränkungen und Unsicherheit zu kämpfen:

Häusliche Pflege

Das häusliche Pflegeteam arbeitet weiter, schreibt die Diakonie. Da die Schutzmasken knapp sind, werden sie täglich desinfiziert und dann wieder benutzt. Manche Patienten haben sich entschieden, den Dienst der Diakonie nicht mehr in Anspruch zu nehmen, weil sie Sorgen haben, sich bei den Pflegekräften anzustecken. Gleichzeitig sind neue Patienten aus den lokalen Krankenhäusern hinzugekommen, die nach Hause geschickt wurden, um Platz zu schaffen für den erwarteten Anstieg an Corona-Patienten. Einige Kommunen haben die Diakonie gebeten, sich in dieser Zeit um weitere alte und gefährdete Personen zu kümmern und sie zu besuchen.

Hausaufgabenhilfe für sozial benachteiligte Kinder

Für arme Kinder ist die Nachmittagsbetreuung der Diakonie essentiell wichtig für ihren schulischen Fortschritt und als Ausgleich für das Leben zu Hause. Die Arbeit mit Kindern ist seit dem 11. März aber unterbrochen. Die Angestellten sind zu Hause und können größtenteils in dieser Zeit nicht bezahlt werden. Es ist unklar, wie viele Einrichtungen der Hausaufgabenhilfe nach der Krise wieder öffnen können und wieviele aus Mangel an finanziellen Mitteln geschlossen werden müssen. Einige wenige Kinder haben Internet zu Hause und können auf diese Art unterstützt werden, die meisten allerdings nicht. Damit haben es die Kinder noch schwerer, später den Anschluss in der Schule wieder zu bekommen.

Viele Kinder aus armseligen Unterkünften haben keinen Zugang zu fließendem Wasser, um sich regelmäßig die Hände zu waschen. Die Hütten sind eng und es leben viele Menschen auf kleinem Raum zusammen.

Die Diakonie Cluj bittet uns, für ältere Menschen und sozial benachteiligte Familien zu beten, die von der Krise doppelt hart getroffen werden!

Das kirchliche Leben ist in Rumänien auf den Kopf gestellt!

Kirchenburg in Schäßburg / Rumänien
Aus Rumänien erreichen uns von Vikarin Angelika Beer folgende Nachrichten: 

"Hier in Rumänien gilt auch tagsüber Ausgangssperre. - Wie bei Ihnen und Euch ist auch hier in Rumänien das kirchliche Leben auf den Kopf gestellt und wir suchen und finden neue Wege und Formate geistlichen Lebens, Tag für Tag. Ein Überblick ist unter https://www.evang.ro/sonderberichterstattung-covid-19/ zu finden - geistliche Impulse zum Lesen, zum Hören und zum Sehen sowie die Nummer unserer Telefonseelsorge. 


Für diesen Abend und die nächsten Tage noch ein Gebet aus der orthodoxen Tradition, das der Dechant des Kirchenbezirks Schäßburg, Stadtpfarrer Dr. Bruno Fröhlich übersetzt hat - in meiner Vikariatsgemeinde hängt es an den beiden Flügeln der offenen Kirchentür zum Mitnehmen: 

Herr unser Gott, der Du reich bist an Barmherzigkeit und Gnade, 
und mit Deiner väterlichen Fürsorge unser Leben führst und leitest; 
höre unser Gebet und siehe gnädig herab auf unsere Bußfertigkeit. 

Gebiete Einhalt dieser über die Menschheit hereingebrochenen Epidemie. 
Du bist der Arzt unserer Seele und unseres Leibes. 
Verhilf zur Genesung denen, die krank sind, damit sie Dich mit neuen Zungen loben und preisen. 

Die Gesunden bewahre vor Ansteckung und Panikmache. 
Und alle Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal, die sich aus Menschenliebe opfern und Kranke behandeln, stärke und behüte mit Deiner Gnade.
Entferne alle Krankheit und alles Leid aus Deinem Volk und lehre uns das Leben und die Gesundheit als Deine guten Gaben neu schätzen zu lernen. 

Gib uns Deinen Frieden und erfülle unsere Herzen mit einem starken Glauben an Deine väterliche Fürsorge, mit Hoffnung auf Deine Hilfe und mit Liebe zu Dir und unserem Nächsten. 

Du allein kannst an Leib und Seele heilen und Dich - den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist - preisen wir jetzt und in Ewigkeit.
Amen."


Donnerstag, 26. März 2020

Kreativität in den Kirchen angesichts der weltweiten Not wächst

Pfarrer Marc Seiwert

Pfarrer Marc Seiwert aus dem Elsass schreibt: "Für mich ist die Situation komplex und doch klar. Ich lebe in Bobenthal in einem kleinen Dorf in der Pfalz, 90 Km von Straßburg entfernt. Hier arbeite ich eigentlich. Nun war ich schon 14 Tage nicht mehr im Büro. Die Kirchenleitung der Vereinigten Protestantischen Kirche in Elsaß-Lothringen (UEPAL) ist geschlossen. Alle sind im Homeoffice. Seit über einer Woche finden keine Gottesdienste mehr in den Kirchen statt. Es wird aber sehr viel über das Netz angeboten: Gottesdienste, Andachten… Die Kollegen sind sehr kreativ! Bestattungen können nur am Grab und im kleinen Kreis der Familie durchgeführt werden."

Eine Fürbitte aus Montpellier aus der Krankenhaisseelsorge der ev. Kirche in Coronazeiten


Pfarrerin Christine Mielke von der Vereinigten Protestantischen Kirche in Frankreich (EPUdF) sendet ein Fürbittengebet der Krankenhausseelsorger aus Montpellier in der Zeit der Coronakrise:

"HERR, hier sind wir vor Dir - verstört und ängstlich, aber trotz allem auch zuversichtlich - in dieser Zeit der globalen Gesundheitskrise. 
HERR, all die Pfleger und Pflegerinnen wollen mit aller Kraft unseres Gebets unterstützen. Gib ihnen Kraft , wenn sie vor Erschöpfung und Verzweiflung verzagen. Möge unsere Dankbarkeit sie ermutigen!

HERR, wir beten für diejenigen, die in Krankenhäusern und anderswo Krisen- und Notfallpläne organisieren. Gib ihnen Klarheit und Nüchternheit bei der Festlegung und Umsetzung der richtigen Maßnahmen.

HERR, lass uns die nicht vergessen, die in Krankenhäuser eingeliefert werden und in Pflegeheimen leben, die ihre Zerbrechlichkeit angesichts der Bedrohung durch das Virus noch mehr spüren, die sich gefangen und hilflos fühlen. Lass sie leben!

HERR, wir beten für diejenigen, die mit COVID-19 infiziert sind. Gib jedem und jeder Kraft! Lass sie auf dein Wort des Lebens hören! Gib ihnen und uns die Gewissheit deiner Nähe zu jeder Zeit. 

HERR, wir beten für uns alle - in Frankreich, in Europa, in der Welt. Hilf uns, Solidarität und Verantwortung zu leben, als Kinder Gottes, als Brüder und Schwestern. Aus und in dir wollen wir leben!

HERR, erbarme Dich! Amen"

Und weiter schreibt Pfarrerin Mielke:

"In unserer EPUdF finden keine Gottesdienste, Versammlungen oder Bibelarbeiten mehr statt. Wie lange noch, wissen wir nicht. Uns ist es wichtig, weiterhin für andere dazusein, die Hilfe brauchen. Wir wollen Kontakte halten, Menschen zuhören (das geht ja auch am Telefon …) Die Beerdigungen finden momentan nur im kleinen familiären Rahmen auf dem Friedhof statt.

Die Gemeinden bieten Alternativen über das Internet an. Wir machen Videokonferenzen, Gottesdienste über Internet, Facebook, youtube. Die Gemeinden sind dabei sehr kreativ. 

Ich wünsche Euch im GAW alles Gute und bin in Gedanken und im Gebet mit Euch verbunden."


Mittwoch, 25. März 2020

Gemeindeleben der lutherischen Kirche in Georgien in Zeiten der Coronakrise

Bischof Markus Schoch in seiner Videobotschaft
Bischof Markus Schoch schreibt, wie sich in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien das gemeindliche Leben und die diakonische Arbeit in Zeiten der Coronakrise verändern:

"Die Lage in Georgien ist, zumindest was die offiziellen Zahlen der Infektionen angeht, derzeit noch nicht so dramatisch wie in Deutschland und in Europa. Die Zahlen werden aber auch in Georgien weiter ansteigen. Früh gab es Maßnahmen. So sind schon seit Anfang März alle Kindergärten, Schulen, Kinos, Theater und Museen geschlossen. Das öffentliche Leben lief aber trotzdem weitgehend normal weiter. Zug um Zug wurden Reisebeschränkungen erlassen.Inzwischen sind alle Landgrenzen zu sämtlichen Nachbarländern geschlossen, auch der Luftverkehr ist komplett eingestellt. Inzwischen ist der Notstand ausgerufen, was das Leben massiv einschränkt.

Als Kirche haben wir versucht, unsere Gemeindemitglieder zu informieren über die Hygieneregeln und sie gebeten, diese auch beim Besuch unserer Veranstaltungen und auch in unseren Suppenküchen einzuhalten. Alle unsere Veranstaltungen auch die Gottesdienste sind abgesagt. Die Suppenküchen sind inzwischen geschlossen. Es war eine merkwürdige Stimmung, als die Leute am Mittwoch, den 18. März vorläufig zum letzten mal in die Suppenküche gekommen sind. 
Der öffentliche Nahverkehr wurde erheblich eingeschränkt: es durften keine „Marschrutkas“ (Minibusse) mehr fahren, die das eigentliche Rückgrat des Nahverkehrs in Tiflis, aber auch in den Regionen ist. Es dürfen nur noch Busse fahren und die Metro funktioniert auch noch uneingeschränkt. Alle Geschäfte (außer Lebensmittel und Apotheken), Restaurants und Bars mussten schließen. 

Die Einschränkung der Mobilität stellt die Mitarbeiterinnen unseres Häuslichen Pflegedienstes vor große Herausforderungen, da sie auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind, um zu unseren Patienten zu kommen. Wir haben einen Notfallplan erarbeitet um, falls erforderlich, Prioritäten in der Versorgung unserer Patienten setzen zu können: welche Patienten sind absolut auf unsere Hilfe angewiesen und welche könnten zur Not auch durch Verwandte, Nachbarn oder Bekannte versorgt werden? Damit wollen wir uns darauf vorbereiten, falls die Bewegungsmöglichkeiten in der Stadt noch weiter eingeschränkt werden, oder falls einige unserer Schwestern selbst durch Krankheit oder Quarantäne ausfallen sollten.

Nach der Ankündigung des Notstandes haben wir die monatlichen Lebensmittelpakete in die Gemeinden zu fahren, solange das noch möglich ist. So bin ich zusammen mit unserem Fahrer sofort in unsere Gemeinden nach Rustavi, Gardabani und Bolnisi gefahren und habe dabei den Gemeindeleiterinnen in bar auch das vorgesehene Budget der Gemeinden für den Monat April (incl. der Hilfen für soziale Härtefälle) übergeben. 

In der Versöhnungskirche in Tbilissi haben wir am vergangenen Sonntag in kleiner Gruppe Lieder aus dem Gesangbuch gesungen, einen Psalm aus der Bibel gelesen und gebetet. Wir haben einen kleinen Video-Gruß aufgenommen, den wir über facebook und eine neu gegründete Whatsapp-Gruppe der Ev. Lutherischen Kirche Georgiens verbreitet haben: www.youtube.com/watch?v=FdOIyqQvs7s

Über diese Kanäle wollen wir versuchen, mit möglichst vielen Gemeindegliedern in Kontakt zu bleiben und planen, auch zum kommenden Sonntag eine Videobotschaft aufzunehmen und zu verbreiten. Außerdem will die Sonntagsschule in Tbilissi einen Film aufnehmen und an die Kinder schicken, um so mit ihnen verbunden zu bleiben. Wer über diese Whatsapp-Gruppe über die weiteren Entwicklungen informiert werden möchte, kann sich gerne bei uns melden, wir können ihn dann mit in den Verteiler aufnehmen. 

So leben wir nun von Tag zu Tag und warten die weiteren Entwicklungen ab. 

Wir danken allen, die mit uns in Gedanken und im Gebet verbunden sind, so wie wir mit den Menschen in Deutschland und in Europa in Gedanken und im Gebet verbunden sind. Ich grüße Sie mit dem Lehrtext für den morgigen Tag: „Darum lassen auch wir nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht“ (Kol. 1,9)."

Das GAW versucht unseren Partnerkirchen weltweit durch Gebet, solidarisches Handeln und Spenden zu helfen. BITTE helfen Sie uns dabei: https://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html

Dienstag, 24. März 2020

"Lieber sterbe ich an Corona als an Hunger!" - die Pandemie in Venezuela

Die Grenze zu Kolumbien ist zu! Die Not in Venezuela wächst
Medikamente und Lebensmittel kauften sich Venezolaner bis vor Kurzem in Kolumbien. Nun ist die Grenze dicht auf Grund der Corona-Pandemie. Das verschärft weiter die Krise und den Mangel an allem im Land. Mundschutze basteln sich die Menschen selbst. Regelmäßiges Händewaschen, wozu die Regierung riet, geht bei weitem nicht überall. Es herrscht Wassermangel. Selbst in Krankenhäusern fehlt oft fließend Wasser. Tests auf den Coronavirus und Schutzkleidung für Ärzte und Pfleger - absolute Mangelware... Das ganze Land wurde jetzt bis zum 15. April unter Quarantäne gestellt. Politische Demonstrationen sind derzeit zum Erliegen gekommen. Es gibt kein Benzin. Transportmöglichkeiten sind so gut wie ausgeschlossen.Nur - was geschieht, wenn die brisanten Versorgungsengpässen die Menschen vor Hunger auf die Strasse treibt... Wie lange reichen die Lebensmittel? Wie sollen die Menschen versorgt werden - mit einer Wirtschaft in Intensivtherapie?

Helfen Sie mit einer Spende!
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Diese Fragen treibt den Kirchenpräsidenten der lutherischen Kirche Pfarrer Gerardo Hands um. Er sorgt sich um seine sowieso schon sehr zusammengeschrumpfte Kirche. Über 5 Millionen Menschen haben das Land inzwischen verlassen (2015 lebten ca. 30 Millionen Menschen in Venezuela).

"Unsere lutherische Schule und unser Kindergarten sind geschlossen. Gottesdienste sind abgesagt. Wir bieten digital Predigten und Andachten an und laden ein zu Hausandachten ein. Wir brauchen Lebensmittel und Hilfe bei der Unterstützung unsere älteren Gemeindemitglieder. Ebenso brauchen wir Hilfe bei der Versorgung unseres Strassenkinderheimes in Valencia," sagt Gerardo Hands. "Die Menschen hier in Venezuela sagen derzeit: Lieber am Virus sterben als am Hunger..." - Das beschreibt das große Drama im Land!

Helfen Sie mit einer Spende für die Arbeit der lutherischen Kirche in Venezuela: https://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html