Montag, 30. Januar 2023

Slowakei: Ein altes Pfarrhaus in Sučany wurde zum Gemeindezentrum umgebaut

Sanierung des alten Pfarrhauses
"Im Namen unserer lutherischen Kirchengemeinde bedanken wir uns für die Unterstützung beim Umbau des alten Pfarrhauses in ein Gemeindezentrum," schreibt Pfarrer Daniel Benuch. "In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten war das eine nicht zu unterschätzende Hilfe. Dank des GAW sind wir unserem Ziel, Räume für alle Generationen der Gemeinde zur Verfügung zu stellen, erheblich näher gekommen."

Die Anfänge der lutherischen Gemeinde reichen bis in die Reformationszeit zurück. Der erste Pfarrer wurde in Wittenberg ordiniert. Sich entfalten konnte die Gemeinde erst nach dem Toleranzpatent. Aktuell
zählt sie 2 000 Glieder. Die jetzige Kirche wurde 1863 erbaut und in den letzten Jahren in Eigenleistung innen und außen renoviert.

Eigene Räume für die Gemeindearbeit waren bisher nicht vorhanden. Das denkmalgeschützte, leerstehendes Pfarrhaus wurde jetzt zu einem Gemeindezentrum ausgebaut. Zunächst wurde 2020 das Dach komplett erneuert, 2021 waren Wände und Fußböden an der Reihe. Dann folgten Wasser- und Abwasseranschluss sowie der Gasanschluss für die Heizung. 

Im Projektkatalog 2021 wurden dafür 15 000 € gesammelt.

Dienstag, 17. Januar 2023

Arzach/Bergkarabach steht vor einer humanitären Katastrophe

Betende ev. Gemeinde in Stepanakert
im Dezember 2022
Seit dem 12. Dezember 2022 blockiert Aserbaidschan den sogenannten Latschin-Korridor. Der nur wenige Kilometer breiter Streifen ist die einzige Verbindung zwischen Armenien und der Region Arzach/Bergkarabach. Die aserbaidschanische Seite behauptete anfangs, Umweltaktivisten hätten die Straße unterbrochen, um gegen vermeintliche Verstöße im Bergbau zu protestierten. Nur – keiner glaubt das dem autoritären Regime in Aserbaidschan. Inzwischen sind die "Aktivisten"  ausgetauscht gegen aserbeidschanische Soldaten.

120 000 Menschen sind von der Blockade betroffen. Sie sind abgeschnitten von Lebensmittellieferungen und medizinischer Hilfe. Das Benzin ist knapp. Die Versorgung mit Strom ist auch gekappt. Armenier kommen weder in die Enklave rein noch von dort raus. Das Land steht am Rande einer humanitären Katastrophe. Die Menschen hungern.

Auf seine einstige Schutzmacht Russland kann sich Armenien nicht verlassen. Sie tut nichts, um die Friedensvereinbarungen durchzusetzen. Obendrein ist das russische Militär auf den Krieg in der Ukraine konzentriert. Aserbeidschan nutzt diese Situation aus, um die eigenen politischen Interessen zu verfolgen und Arzach/Bergkarabach zu übernehmen.

„Es ist die Heimat so vieler armensicher Menschen, die dort leben wollen. Es ist derzeit ein Kampf ums Überleben. Die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer. Es ist kaum auszuhalten“, sagt Pfarrer Hovhannes Hovsepyan aus Jerewan. Er sorgt sich um die evangelische Gemeinde in Stepanakert. Über 100 Menschen halten sich an die Gemeinde. „Der Pfarrer versucht, den Menschen Kraft zu geben. Gottesdienste finden nach wie vor statt. Das kleine Gemeindezentrum ist wichtig für die Menschen, die hier Trost bekommen“, berichtet Hovsepyan am Telefon. „Wir müssen Kontakt zu den Menschen halten!“ Er berichtet, dass derzeit versucht wird, mit Hilfe des russischen Militärs humanitäre Hilfe nach Arzach/Bergkarabach zu bringen. „Leider ist das derzeit nicht einfach“, gesteht er.

Die Aussichten für die armenische Enklave in Aserbaidschan sind nicht gut. „Wenn der Westen nichts tut, wird sich Aserbeidschan nicht bewegen. Druck auf die Türkei und Aserbeidschan muss aus Brüssel und Berlin kommen“, sagt Pfarrer Hovsepjan. „Denn das Ziel von Aserbaidschan ist die völlige Kontrolle über Arzach.“

„Wenn ihr im GAW uns helfen könnt, humanitäre Hilfe zu leisten, dann sind wir euch von Herzen dankbar“, sagt er abschließend. "Und vor allen Dingen: erzählt von uns und betet für uns!"

Dienstag, 10. Januar 2023

Der Schaden für die Demokratie in Brasilien ist immens - Erklärung der Kirchenleitung der IECLB

Es ist erschreckend, was in Brasília am 8. Januar geschehen ist: Ein aufgeheizter Mob stürmte die wichtigsten Gebäude der brasilianischen Demokratie. Fassungslos lassen einen die Bilder zurück und erinnern an die Erstürmung des Kapitols
in Washington im Januar 2021. Die Demokratie ist gefährdet. Das wird einmal mehr deutlich – nicht nur in den USA und in Brasilien.

In Brasilien war schon die Amtsübergabe herausfordernd, weil der scheidende Präsident sich weigerte, sein Amt an den neu gewählten Präsidenten Lula da Silva zu übergeben. Er akzeptiert nicht, dass er nicht mehr Präsident ist. Inwieweit er dazu beigetragen hat, die Menschen aufzuwiegeln, wird untersucht werden. Aber es scheint offenkundig zu sein. Zu lange hat er mit Worten und über die sozialen Medien die Polarisierung im Land verschärft und das Wahlergebnis offen angezweifelt. Er hat die Aggressivität und den Hass im Land geschürt.

Die Kirchenleitung der Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB/IECLB) hat am 9. Januar 2023 eine Stellungnahme über die Ereignisse vom 8. Januar 2023 veröffentlicht. Über dem Text steht das biblische Losungswort des Tages: „Du sollst kein falsches Gerücht verbreiten; du sollst nicht Schuldigen Beistand leisten, indem du als Zeuge Gewalt deckst“ (2. Mose 23,1).

In der Erklärung heißt es: "Wir haben erlebt, wie eine große Gruppe von Menschen,
unzufrieden mit dem demokratischen Ergebnis der letzten Wahlen, und angeheizt durch Netzwerke des Hasses, in die drei Sitze der Republik Brasiliens eingedrungen ist und sie verwüstet hat. Sie zerstörten den. Der Schaden im Palácio do Planalto (Präsidentenpalast), Nationalkongress und Obersten Bundesgerichtshof ist immens - sowohl materiell als auch symbolisch. Die Ereignisse müssen untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Die EKLBB verteidigt die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit. Für eine Demokratie sind diese Werte absolut notwendig. Aber Meinungs- und Demonstrationsfreiheit berechtigen nicht Barbarei, Vandalismus und Zerstörung öffentlichen Eigentums." Und weiter heißt es: "Als Christen verteidigen wir die Demokratie als die schönste und fairste Form der Machtausübung. Wir dürfen nicht den Einsatz von Gewalt, Hass, Waffen, Invasion und Zerstörung öffentlichen Eigentums dulden. Das Präsidium der EKLBB, der Kirchenrat und das Kollegium der Synodalpastor:innen rufen die Kirche und die Gesellschaft auf, sich der Wahrung von Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung zu verpflichten. Wir wollen auf friedliche Weise das Zusammenleben in unserer Gesellschaft stärken, selbst wenn verschiedene Standpunkte vertreten werden. Gott in seiner Gnade wird diese Welt verändern. 'Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heiβen.' (Matthäus 5,9)."


Donnerstag, 5. Januar 2023

Hilfslieferungen 2022: Zwölf Trucks für die Ukraine, sechs für weitere Länder

Präzisionsarbeit beim Beladen eines Trucks
Schon bald nach dem Wiederaufflammen des Ukraine-Krieges im Februar konnte das GAW Württemberg mit Hilfstransporten die Not der Menschen in der Ukraine lindern helfen.
Ulrich Hirsch, langjähriger Geschäftsführer des GAW Württemberg und aktuell Koordinator der Hilfstransporte, berichtet, dass von März bis Dezember 2022 insgesamt zwölf 40-Tonner mit notwendigen Hilfsgütern für die Ukraine beladen wurden. Waren es zu Beginn der russischen Offensive vor allem Lebensmittel und Hygieneartikel, brachten weiteren Transporte auch Maschinen und technische Geräte nach Bedarf. Neben drei Gabelstaplern, mehreren Tonnen Saatmais und Saatkartoffeln sowie einer Fülle von Lebensmitteln haben Firmen auch unzählige Paletten Mineralwasser gespendet. Brackenheimer Landwirt Albrecht Döbler half in einem beispiellosen Einsatz im Frühjahr 2022 bei der Einbringung von Saatmais und Kartoffeln in die ukrainischen Felder.
Die Eskalation des Krieges mit den drastischen Stromausfällen im Spätherbst und Winter erforderte es, Stromgeneratoren und Schneeräumgeräte zu besorgen. Direkt vor Weihnachten konnte auch ein Großgenerator zum Betrieb in einer kirchlichen Schule in die Ukraine geliefert werden.

Péter Szeghljánik, Pfarrer der Reformierten Kirche in Transkarpatien, organisierte die Verteilung der Hilfsgüter in familiengerechte Einheiten. Bis zum Heiligen Abend brachte er persönlich Hilfe und Geschenke bis nach Odessa im Osten der Ukraine.
Finanziert wurden die Transportkosten sowohl von Einzelspendern als auch durch die Aktion „Menschen in Not“, die Stadt Stuttgart, den Ukraine-Hilfsfonds des GAW, sowie die Schulstiftung der Landeskirche. Den Wert der Hilfsgüter einschließlich aller Sachspenden für die Ukraine beziffert Ulrich Hirsch auf 627 000 €. Neben den zwölf Transporten in die Ukraine wurden im abgelaufenen Jahr unter seiner Leitung von Hirsch weitere sechs Transporte mit Pflegebetten, Möbeln, Kleidern u.a. für die Länder Tschechien, Slowakei, Polen, Kroatien und Rumänien beladen. Auch dort kam ein Teil der Hilfslieferungen den aus der Ukraine geflohenen Familien zugute.

Das alles wäre ohne das Team der Ehrenamliche undenkbar gewesen. 320 Ehrenamtliche haben für das Beladen der Trucks 1800 Stunden Arbeit geleistet, ohne Berücksichtigung von Vorbereitungszeiten allein bei den Ladetagen. Die gefahrenen Kilometer für die Lkws summiert sich für alle 18 Transporte auf über 38 000.
Die Spenden für die 18 Trucks kamen zwar vorwiegend aus Württemberg, aber auch aus Sachsen, Bayern und Berlin. „Herzlichen Dank für Informieren und Weitersagen, Kollektieren, Opfern und Spenden!”, sagt Ulrich Hirsch, der inzwischen mit der Vorbereitung des nächsten Hilfstransports beschäftig ist. “Sie brachten Licht, Wärme und Hoffnung in die verschiedene Dunkelheiten der Menschen dort.“

Ein Teil des Freiwilligenteams um Ulrich Hirsch (hockend links): E. Kammerer, F.J.Stein, D. Baum, A. Hauber, A.Glenk, T. Möhler und U. Wild (vorne unten rechts) mit Weihnachtsgeschenken für Kiew und Odessa am 14. Dezember 2022 in Sachsenheim - Fotos: Kurt Rapp

 

Spenden: Licht und Wärme für den Kriegswinter

Mittwoch, 4. Januar 2023

Wir wollen 2 Millionen Euro 2023 sammeln!

2 Millionen Euro will das GAW in diesem Jahr sammeln, um weltweit evangelischen Kirchen in ihren Herausforderungen und besonderen Situationen zu helfen.

GAW-Präsident Dr. Martin Dutzmann stellt im Vorwort zum diesjährigen Projektkatalog 2023 die 119 Projekte von den 50 GAW-Partnerkirchen in 40 Ländern mit einem Blick auf die Jahreslosung vor:

„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ (1. Mose 16,13 – Jahreslosung 2023) Hagar ist schwanger. Und auf der Flucht. Allein schleppt sie sich durch die Wüste. Als sie eine Oase mit einem Brunnen erreicht, erscheint ihr ein Engel, ein Gottesbote. Und Hagar seufzt erleichtert: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Dieses Bekenntnis ist die Jahreslosung für das Jahr 2023. Engel. Davon gibt es mehr, als man meint. In den Partnerkirchen des Gustav-Adolf-Werks zum Beispiel. Im Auftrag Gottes sehen sie, wo andere Menschen Not leiden und was sie brauchen. Sie nehmen zum Beispiel Flüchtlinge auf, helfen ihnen weiter, packen an, machen Mut. Aber auch Engel wollen gesehen werden. 

In den 50 GAW-Partnerkirchen in 40 Ländern Europas, Mittelasiens und Südamerikas arbeiten Menschen unter schwierigen und manchmal extremen Bedingungen. Viele erleben selbst Krieg, Flucht und Vertreibung oder nehmen sich der Menschen an, die geschunden und entwurzelt sind. Die Gemeinden leisten Großes, gehen oft an die Grenzen ihrer Kraft oder sogar darüber hinaus. Um nicht
GAW-Präsident Dr. Martin Dutzmann
müde und entmutigt zu werden, brauchen sie einen aufmunternden und liebevollen Blick.
Von der chilenischen Dichterin und Nobelpreisträgerin Gabriela Mistral stammt das Gedicht „Scham“. Darin heißt es: "Wenn du mich anblickst, werd' ich schön". Wer gesehen und erkannt wird, der verändert sich. Er oder sie fühlt sich nicht mehr allein und schwach, sondern spürt neue Kraft. 

Die in dem vorliegenden Projektkatalog beschriebenen Projekte spiegeln zum einen den Wunsch unserer Partnerkirchen, gesehen zu werden. Hinter jedem Projekt steht eine Geschichte. Jede Kirche, jedes Pfarrhaus, jedes diakonische Projekt erzählt davon, wie Menschen zeigen, dass evangelischer Glaube schön ist und in die Welt ausstrahlt. Projekte aus Belarus, aus der Ukraine, aus Venezuela und aus Syrien zeugen davon, dass unsere Partner selbst unter extremen Bedingungen wie Verfolgung und Krieg nicht aufhören, die frohe Botschaft zu verkünden und die in den Blick zu nehmen, die sonst keiner sieht. 

Die Projekte bieten zum andern uns die Gelegenheit, hinzuschauen und zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Machen Sie von dieser Möglichkeit Gebrauch! Ich bin davon überzeugt, dass auch Gott das gerne sieht.
Dr. Martin Dutzmann
Präsident des GAW

In folgender Pressemitteilung wird auf den Start der GAW-Sammlungen 2023 verwiesen:

https://www.gustav-adolf-werk.de/nachrichten/deutschland-gaw-plant-2023-unterstuetzung-fuer-119-projekte.html

Hier geht es zu den aktuellen Projekten 2023: https://gustav-adolf-werk.1kcloud.com/ep1Ezbrv/#0

Samstag, 31. Dezember 2022

Zwei Stromgeneratoren für die Ukraine

Bischof Nowak bei der Auslieferung
der Generatoren
Wegen der russischen Angriffe auf das Energienetz sind die Menschen in der Ukraine immer wieder mit Stromabschaltungen konfrontiert. Russland will das Land und die Menschen zermürben. Es ist brutal – gerade jetzt im Winter.

Kurz vor dem Jahreswechsel ist es Bischof Leon Nowak von der Evangelischen Kirche A.B. in Slowenien gelungen, zwei Hyundai-Dieselgenerator (10 kW dreiphasige Vollversorgung) nach Uzhgorod in die Ukraine zu bringen. „Beide Generatoren werden  von da aus Anfang des Jahres an die lutherische Paulusgemeinde in Odessa ausgeliefert,“ schreibt Nowak. „Ich bin dafür am 29. Dezember frühmorgens um 2 Uhr nach 17 Stunden Fahrt wieder zu Hause angekommen. Danke für die Spende und das entgegengebrachte Vertrauen und die Unterstützung dieses Projektes.“ Beide Generatoren haben zusammen ca. 13.000 € gekostet. Das GAW hat die Kosten übernommen.

Pfarrer Alexander Gross aus Odessa erwartet die Generatoren. Er schreibt: „Wir planen, am 10. Januar einen Generator in die Nähe Chersons zu bringen in das Dorf Smeevka zusammen mit humanitärer Hilfe. Die Gemeinde hat ein Kirchengebäude mit Elektroheizung und ein Gemeindehaus. Seit Oktober gibt es dort keinen Strom. Am 30. Dezember wurde gerade hier ein Lagerraum der Gemeinde von einer Rakete zerstört. Völlig sinnlos! In der Region ist es nicht ungefährlich. Der Generator wird gute Dienste leisten. Für die Gemeinde ist das ein Hoffungszeichen!“ Der zweite Generator wird in das Gebiet Charkiw gebracht.
Zerstörter Lagerraum 
in Smeevka

Wir brauchen solche Geschichten der gelebten Solidarität in Europa! Als GAW sind wir dankbar für die erhaltenen Spenden in dem zu Ende gehenden Jahr. Und gerade jetzt im Winter konnten wir evangelischen Gemeinden der reformierten und der lutherischen Kirche über 30 Generatoren übergeben. Sie sind Hilfe, dass die Menschen die Chance haben zu bleiben.

Mehr zur GAW-Winterhilfe für die Ukraine finden Sie hier mit der Möglichkeit zu spenden:

Donnerstag, 22. Dezember 2022

Diese Geburt in Bethlehem ändert alles! - Weihnachtsgrüße aus der Diaspora

Weihnachtsbaum in der lutherischen
Kirche in Odessa
Mit 50 evangelischen Partnerkirchen weltweit in 40 Ländern sind wir in unserem Glauben verbunden. Wir helfen weltweit, dass evangelischer Glaube hör- und sichtbar bleibt. Immer wieder ist das eine große Herausforderung. In den Tagen vor Weihnachten haben uns zahlreiche Weihnachtgrüße erreicht, die das unterstreichen. In vielen von ihnen klingt die Not mit, die das Jahr 2022 gebracht hat.

Pfarrer Mindaugas Kairys von der lutherischen Kirche in Litauen schreibt: „Diese Weihnachtszeit ist überschattet von vielen Krisen, die nach den Jahren der Pandemie unerwartet das Leben vieler Menschen beschweren und die niemanden gleichgültig lassen können … Wir spüren deutlich, dass die Wirtschaftskrise immer mehr Menschen in Not bringt, aber wir tun, was immer wir können, um zu helfen. Auch die steigenden Energiepreise machen uns in unseren diakonischen Einrichtungen und Gemeindehäusern zu schaffen.“

Pröpstin Olga Termibulatowa aus Samara von der Ev.-Luth. Kirche im Europäischen Russland stimmt dem zu: „Das Jahr 2022 war mit vielen dramatischen Ereignissen gefüllt, die uns gelehrt haben, Gottes Gnade und Barmherzigkeit neu zu schätzen. Frieden ist nicht selbstverständlich, sowie auch ein Dach über dem Kopf und gutes Essen und gutes Einkommen – alles kann in einem Augenblick zerstört sein. Und das Leben auch …“ 

Sie schreibt diese Worte aus dem Russland, das mit seinem brutalen Vernichtungskrieg so viel Leid verursacht hat. 

Der stellvertretende Erzbischof der Ev.-Lutherischen Kirche in Russland Anton Tikomirov hofft, „dass das rettende Licht von Gottes Wahrheit aufscheinen kann in den verhärteten Herzen, die im Finstern sind.“ Die Namen derer mit verhärteten Herzen sind bekannt…

Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sind auch in Griechenland zu spüren. Der Präsident der evangelischen Diakoniestiftung Perichoresis in Katherini, Paris Papageorgiou, betont das und lenkt den Blick weiter: „Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika ertrinken immer noch im Mittelmeer, um in Europa Zuflucht zu finden. Der Krieg in der Ukraine hat viele weitere Millionen Menschen zur Flucht in den Westen veranlasst, die Europäer selbst sind von der Energiekrise und der hohen Inflation betroffen.“ Er setzt dem den Trotz der Weihnachtsbotschaft entgegen: „Dennoch gibt es Hoffnung, wenn wir bewusst die Geburt des Messias feiern, der der ganzen Menschheit eine gute Nachricht bringt durch die Verheißung seines kommenden Reiches für alle, die an ihn glauben. Liebe und Frieden schenkt er, Liebe und Frieden soll auch sein Volk auf der Erde verbreiten.“

Weihnachtsmotiv
aus Argentinien
Das betont auch Pastorin Sandra Reis, Kirchenpräsidentin der Presbyterianischen Kirche in Portugal: „In Zeiten wie diesen, in denen Menschen im Finstern sind, und viele Menschen in Ländern totaler Dunkelheit leben, brauchen wir den Zuspruch, dass das Licht in der Finsternis aufscheint.“

Denn – so schreibt es der Präsident der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL) Joseph Kassab: „Die Geburt, der Tod und die Auferstehung von Jesus haben die Welt für immer verändert. Die christliche Hoffnung auf einen Neuanfang mit Gott ist eine der vielen Segnungen, die die Geburt Christi begleitet haben.“

Gerade von dieser Hoffnung spricht auch Synodalsenior Pavel Pokorný aus der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in Tschechien: „Hoffnung wurde damals geboren, als es niemand erwartet hat. Hoffnung wurde dort geboren, wo sie niemand gesucht hat. Vielleicht ist jetzt gerade so eine Zeit und so ein Ort …“ 

Denn: „Diese Geburt in Bethlehem ändert alles! Krieg, Hunger, Gewalt, Angst und Verzweiflung, die die ganze Welt und Millionen von Menschen beherrschen, treten zurück. Für einen kurzen Moment werden die ohrenbetäubenden Schreie des Terrors durch das Weinen des in der Krippe geborenen Kindes zum Schweigen gebracht. In den Augen der Welt ist er klein, aber seine Liebe ist so groß, dass sie die ganze Erde erfüllen wird,“ davon ist Kirchenpräsident Leonardo Schindler aus Argentinien überzeugt.

Wir wünschen allen, die sich für die evangelischen Partnerkirchen weltweit einsetzen Gottes Segen für diese Weihnachtszeit! 

Dienstag, 20. Dezember 2022

Ukraine: Die Geschichte hinter einer Weihnachtsbriefmarke

2020 präsentierte die ukrainische Post vier Briefmarken der Reihe „Nationale Minderheiten der Ukraine: Deutsche“. Gestaltet hatte sie der berühmte ukrainische Künstler Mykolaj Kotschubej. Der Tag und der Ort waren wohlgewählt: im Rahmen der Veranstaltungen zum 79. Jahrestag der Deportation der Deutschen aus der Ukraine vor dem Gebäude der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche St. Katharina in Kiew.

Eine der Briefmarken zeigt ein idyllisches, etwas kitschiges Weihnachtsmotiv: Ein Mann an der Orgel, drei singende Kinder und ein Weihnachtsbaum. Die Geschichte hinter diesem Bild hat aber tragische Bezüge. Der Mann auf der Briefmarke ist unverkennbar Theophil Richter, ein Musiker, Pädagoge und Komponist deutscher Abstammung. Er wurde 1872 in Schytomyr geboren, einer Stadt westlich von Kiew, studierte in Wien Klavier und Komposition. Mitten im Ersten Weltkrieg 1916 zog Theophil Richter nach Odessa, wo er Organist an der lutherischen St.-Pauls-Kirche wurde. Ein Jahr zuvor war in seiner Familie der Sohn Swjatoslaw Richter geboren, der spätere weltberühmte sowjetische Pianist.

In Odessa erlebte die Familie Richter die dramatischen Ereignisse von Revolution und dem Bürgerkrieg. Parallel unterrichtete Theophil Richter Klavier am Odessaer Konservatorium. Die Arbeit in der Kirche musste er aufgeben, nachdem ihm 1925/26 vorgeworfen wurde, dass er als kirchlicher Mitarbeiter ungeeignet sei, sowjetische Jugend zu unterrichten. Anschließend spielte er im Orchester der Oper, wurde aber auch in den 1930er Jahren nicht vom NKWD in Ruhe gelassen.


Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurde der inzwischen fast 70-jährige Theophil Richter im August 1941 denunziert, vom NKWD verhaftet, wegen angeblicher Kollaboration mit den Deutschen zum Tode verurteilt und am 6. oder 7. Oktober erschossen. Mit ihm starben in dieser Nacht weitere 23 Personen, darunter sechs Deutsche. Swjatoslaw Richter, der damals in Moskau studierte, erfuhr erst Jahre später, was mit seinem Vater geschehen war. In den Jahren 1961/62 wurde Theophil Richter schließlich rehabilitiert. 

Heute erinnert an Theophil Richter ein Denkmal an der St.-Pauls-Kirche, die 2013 eröffnete internationale Theophil-Richter-Schule in Odessa – und die Weihnachtsbriefmarke der Ukraine aus dem Jahr 2020.

Bildquellen:Ukrposhta; Сарапулов - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=82714884

Dienstag, 6. Dezember 2022

Hilfe aus dem GAW Pfalz für ukrainische Flüchtlinge in Polen

Logo der Ukrainehilfe der Diakonie Polen

Seit der Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1983/1983 besteht zwischen dem GAW Pfalz und der Bratnia Pomoc, dem Gustav-Adolf-Werk in Polen, eine Partnerschaft, vertraglich bestätigt im Jahr 2015. Friedhelm Hans aus Bad Bergzabern, stellvertretender Vorsitzender des GAW Pfalz, hat kürzlich die dortigen Partner besucht. Er berichtet:

„Seit Ausbruch des Russisch-Ukrainischen Krieges am 24. Februar 2022 nehmen die Gemeinden der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen Flüchtlinge aus der Ukraine auf und leisten alle erdenkliche Hilfe.

GAW Pfalz unterstützt diese Arbeit mit Geldspenden.
Den gut besuchten Gottesdienst am Ersten Advent in Golasowice mit Bischof Marian Niemiec aus Kattowitz/Katowice und Pfarrer Marcin Makula verfolgten per Video und simultaner Übersetzung auch 15 Personen aus der Ukraine in der Sakristei. 

Die ersten Flüchtlinge trafen zwei Tage nach Kriegsbeginn ein. Im Dorf sind insgesamt 57 Flüchtlinge untergebracht, die meisten privat. Einige Familien wohnen im Gemeindehaus. Zwischenzeitlich waren es 30 Personen, inzwischen sind es 15. Zwei Wohnungen wurden den Flüchtlingen von katholischen Christen überlassen, ein gutes Beispiel praktizierter Ökumene. Die Kinder besuchen die regulären Schulen oder Kindergärten. Die Gemeinden weisen jedoch darauf hin, dass viele von ihnen traumatisiert sind. Sie wirken verschüchtert und erschrecken bei jedem lauten Geräusch in Erinnerungen an die Raketeneinschläge in ihrer Heimat.

Sorgen bereiten die hohen Energiekosten. Die Gemeinde erhält keine staatlichen Mittel, mit nur 700 Gemeindegliedern ist die Gemeinde dringend auf Hilfe von außen angewiesen. Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist zum Glück groß.“
GAW Pfalz sammelt Spenden zur Finanzierung der Strom- und Heizungskosten der Flüchtlinge: https://www.gaw-pfalz.de/