Donnerstag, 17. Mai 2018

Zur Notlage in Venezuela und den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen

Schulhof der lutherischen Schule - hier ist ein Wahllokal
am 20. Mai

„Unsere lutherische Schule in Valencia ist als Wahllokal für die Präsidentschaftswahlen Venezuelas am 20. Mai ausgewählt worden. Bis zum 21. Mai haben wir deshalb keinen Zugang zu unseren Büros in der Schule. Die Wahlen werden von kaum einer Nation als frei und fair anerkannt – von uns ebenso wenig. Die Lage ist nach wie vor sehr, sehr angespannt im Land!" schreibt heute Kirchenpräsident Gerardo Hands von der lutherischen Kirche Venezuelas. Und er endet seine Nachricht auf Facebook: „Ora por nosotros! Bete für uns!“ Und das ist wahrlich dringend notwendig! 

In einer anderen Mail hat er vor Kurzem die Dramatik der Situation im Land vor den Wahlen beschrieben:
- Es gibt kein Bargeld mehr an den Bankautomaten.
- Eine Person benötigt zum täglichen Lebensbedarf das Doppelte von dem, was sie verdient. Das Durchschnitteinkommen liegt bei 3 US-Dollar. Es gibt keine Lebensmittel zu einem entsprechenden angemessenen Preis.
- Medikamente sind nicht verfügbar. Auf dem Schwarzmarkt sind sie so teuer, dass man sie nicht kaufen kann.
- Es gibt inzwischen Flüchtlingslager an den Grenzen Venezuelas in Brasilien, Guayana und Kolumbien, die von UNHCR betreut werden. 30.000 Menschen passieren täglich die Grenze und verlassen das Land.
- Man rechnete mit einer Jahresinflation von 18 000%.
- Der öffentliche Personenverkehr ist zusammengebrochen. Der Flugverkehr ist um 95% zurückgegangen. Venezolanische Maschinen dürfen nicht mehr in Kolumbien, Panama und den karibischen Inseln landen.
- Die Infrastruktur des Landes bricht immer mehr zusammen.
- Die Versorgung mit Diesel und Benzin wird immer problematischer - und das in einem der erdölreichsten Länder der Welt.
- Die Wasserversorgung ist zusammengebrochen.
- Es scheint keinen Plan für einen Alternative zur Regierung zu geben oder eine Wechsel, der auf demokratische Weise zustande kommt.  Auch wenn 80% der Venezolaner sich das wünscht.
- Die Trennung der Staatsgewalten zwischen Legislative, Juridiktive und Exekutive gibt es faktisch nicht mehr. Der Willkür ist damit Tor und Tür geöffnet. Venezuela ist im Blick auf die Sicherheit eines der gefährlichsten Länder geworden.

2. v. rechts: Gerardo Hands mit zwei Lehrerinnen
der luth. Schule und Enno Haaks
Das sei die derzeitige Lage, so beschreibt es Hands. Permanent würden durch die Regierung und den Präsidenten die Menschenrechte missachtet. „Was wir als erstes für unsere diakonische Arbeit benötigen sind Lebensmittel. Diese bekommen wir immer noch über den Seeweg aus Florida über unsere kirchlichen Kontakte und über die, die geschäftliche Kontakte aus unserer Kirche unterhalten hatten. Das funktioniert noch. Dafür brauchen wir Unterstützung und Geldmittel. Insbesondere das Straßenkinderheim ist darauf angewiesen. Auch unsere Angestellten und Mitarbeiter sind auf Lebensmittelunterstützung angewiesen. Wir versuchen auch, notleidenden Menschen in unserer Nachbarschaft zu helfen. Wir danken allen, die uns unterstützen! Es ist dramatisch, was in Venezuela los ist! Wir brauchen eure Gebet und Eure Solidarität! Betet für uns!“ schreibt Hands.

Das GAW versucht Regelmäßig Geld zur Verfügung zu stellen, damit das Straßenkinderheim in Valencia Lebensmittel kaufen kann.
In Barquisimeto soll ein Kindergarten mit Hilfe des GAW errichtet werden. Auch sollen die Kinder versorgt werden.


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