Donnerstag, 14. November 2019

Amazonien geht uns alle an

Das GAW ist derzeit Teil der Ökumensichen Kommission Lateinamerika (ÖLAK). Katholische und evangelische Hilfsorganisationen und Kirchen treffen sich hier zum Austausch und für gemeinsame Absprachen. 

Auf der jüngste Sitzung berichteten Vertreter der katholischen Hilfswerke Adveniat und Misereor von der im Oktober 2019 stattgefundenen Amazonas-Synode. Sie hatte den Titel: „Amazonien: Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“. In der katholischen Kirche wurde dieses Ereignis aufmerksam wahrgenommen - und teilweise von konservativer Seite stark kritisiert, weil es um Fragen der pastoralen Begleitung ging, die Einbindung verheirateter Männer ins Priesteramt und ein Diakonat der Frauen.

Für ökumenische Vertreter waren insbesondere die Herausforderung zur Bewahrung der Schöpfung von wichtiger Bedeutung. Dabei hieß es: "Wir müssen uns dringend mit der grenzenlosen Ausbeutung des gemeinsamen Hauses, des Amazonasgebiets und seiner Bewohner auseinandersetzen". Die Ursache für die Zerstörung des Regenwaldes und die Verschmutzung des Amazonas werden klar benannt: "eine räuberische Rohstoffausbeutung, die einer Logik der Habsucht" folge. Mit fatalen Folgen für die Menschen dort. Papst Franziskus forderte in seiner Abschlusspredigt auf der Synode die Kirche auf, sich den Hilfeschrei der indigenen Völker zu eigen zu machen. 

Die Amazonassynode nannte folgende Themenfelder, die den Amazonas bedrohen:
ÖLAK-Sitzung in Hamburg
"Aneignung und Privatisierung von Naturschätzen wie Wasser; (....) legale Holzkonzessionen und (....) das Recht auf das Territorium, auf Selbstbestimmung, auf Abgrenzung von Gebieten", Eintritt von illegalen Holzfirmen; (....) Raubjagd und Fischerei, (....) Megaprojekte: Wasserkraftwerke, Waldkonzessionen, Entwaldung zur Produktion von Monokulturen, Straßen und Eisenbahnen, Bergbau- und Ölprojekte; (....) Kontamination durch alle Rohstoffindustrien, die Probleme und Krankheiten verursachen, insbesondere für Kinder und Jugendliche“.

Es gab viel Zustimmung zu den angesprochenen Themen. Die neue brasilianische Regierung sah sich jedoch in der Kritik und versuchte Stimmung zu machen - insbesondere weil sie bestimmte Themen als Einmischung in die Souveränität Brasiliens sah. Das hat sich verschärft durch die Brände im Amazonasgebiet und der Forderung des französischen Präsidenten Macron über die Möglichkeit der Schaffung eines internationalen Status für den Amazonasraum nachzudenken. Das kam bei Bolsonaro nicht gut an. Seit Amtsantritt der neuen brasilianischen Regierung wird massiv an der Nutzung aller erdenklicher wirtschaftlicher Ressourcen gearbeitet und der Regenwald massiv beschädigt. Dabei ist der Amazonasregenwald existentiell wichtig für das gesamte Weltklima. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass schon in wenigen Jahren - manche sprechen vom Jahr 2022 - ein Kipp-Punkt erreicht ist, wo irreversible Schäden angerichtet sein werden und sich über kurz oder lang große Teile in eine Steppenregion verwandeln werden. Eine Katastrophe für die gesamte Welt!

Die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen und Themenstellungen der Amazonassynode hat erst begonnen. Zu wünschen ist, dass gerade in der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen für das Weltklima und den Schutz indigener Gemeinschaften es zu einer breiten ökumenische Beteiligung an den Herausforderungen kommt und sich auch evangelische Kirchen in der Amazonasregion einbringen. Die lutherische Kirche in Brasilien setzt sich mit dem Indianermissionsrat COMIN aktiv für den Schutz indigener Minderheiten auseinander. Selbst gibt es zahlreiche lutherische Gemeinden, deren Mitglieder in der Vergangenheit Regenwald gerodet haben, weil die brasilianische Regierung sie eingeladen hatte, Land urbar zu machen. Wie stark das Bewusstsein an der Zerstörung des Regenwaldes und der Bedrohung für all ist in den Gemeinden - das ist schwer zu sagen. Hier haben unsere Partner sicherlich eine Aufgabe und Herausforderung.

Montag, 11. November 2019

Diaspora und Mission in Brasilien

Pfr. Martin Volkmann, Brasilien
"Für uns als IECLB - und für die christlichen Kirchen im allgemeinen - bekommt Diaspora einen besonderen Sinn: Überall, selbst wenn sie keine Minderheitskirche, sondern "die starke, große Kirche" ist, lebt Kirche in der Diaspora, weil sie nicht von dieser Welt ist (Joh 17,14).

Kirche lebt von Mission. Anders ausgedrückt: Kirche ist missionarisch - oder aber sie ist nicht Kirche. Das bedeutet nicht unbedingt Aussendung von Missionaren in fremde Länder und unter nichtchristliche Völker, aber schließt dies auch nicht aus. Mission - so verstehen wir das in der IECLB (Lutherische Kirche in Brasilien), geschieht da, wo wir sind, und durch die Art, wie wir als Kirche leben. Das bedeutet einerseits, die eigenen Gemeindeglieder in ihrem Glauben zu stärken, Gemeinden aufzubauen und zu entwickeln. Aber es bedeutet andererseits auch, unbedingt offen zu sein für die, die nicht der Gemeinde angehören. Das heißt, ihnen gegenüber die eigene Kirche als Glaubensgemeinschaft anzubieten, wie es das Missionkonzept der IECLB darlegt." (Martin Volkmann)

aus: "Diaspora und Mission - Eine Verhältnisbestimmung, Leipzig 2011, S. 27f)

Das Buch ist zu bestellen im GAW: info@gustav-adolf-werk.de

Freitag, 8. November 2019

Dank des GAW konnte eine Kirche in Maracaju / Brasilien

Lutherische Kirche in Maracaju
Die lutherische Gemeinde in Maracaju hatte keine eigene Kirche. Die Hoffnung war aber immer da, irgendwann ein eigenes Kirchgebäude zu haben. Das ist jetzt gelungen! "Wir sind dem GAW sehr dankbar für die Unterstützung aus dem Projektkatalog 2017 in Höhe von 10.000 Euro," schreibt der Präsident der Gemeinde  Jovenal de Oliveira Dias.

43.000 Einwohner leben in der tropischen Stadt Maracaju, die an den Flüssen Rio Brilhante und Rio Santa Maria im Bundesstaat Mato Grosso gelegen ist. In den 1960er und -70er Jahren erlebte der Bundesstaat eine Zuwanderungswelle – auch von lutherischen Siedlern, die, aus dem Süden kommend, auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen waren. Zum Glück gab es in dieser Region schon Lutheraner, so dass die lutherischen Neusiedler leichter Anschluss fanden. 1974 gründete sich schließlich die lutherische Gemeinde. Die ersten Jahre waren schwierig. Die Gemeinde wuchs ständig, so dass bald Raumnot bestand. In dieser Anfangszeit konnte die Gemeinde für einige Jahre die katholische Kirche für ihre Gottesdienste mitnutzen. 1980 konnte ein eigenes Gemeindezentrum eingeweiht werden. 

Derzeit gehören 80 Familien der Gemeinde an, die sich regelmäßig zum Bibelstudium trifft. Neben dem Kindergottesdienstkreis gibt es einen Chor, Ehepaarkreis, Frauengruppe und Kinder- und Jugendgruppen. Auch diakonisch ist die Gemeinde tätig für Kinder aus der Nachbarschaft des Kirchenzentrums. Aufgrund der Geschichte der Gemeinde spielt die Ökumene eine wichtige Rolle. 

Die Obra Gustavo Adolfo dankt allen Spendern!

Freitag, 1. November 2019

Kleine Diasporakirchen können viel tun - so die IEE in Spanien

Alfredo Abad
"Unsere Aufgabe ist es zu ermöglichen, dass ALLE das Leben feiern können. Das wollen wir in der Iglesia Evangélica Española (IEE). Unsere Mission soll es sein, dass wir mit Enthusiasmus, Zusammenhalt und in Gemeinschaft Hoffnung verkünden - so wie es das Leitwort der 78. Synode aussagt: Proclamar Esperanza. Unsere Sorge darf nicht das Schauen auf das eigene Überleben sein, sondern dass wir Zeugnis geben von der Fülle des Evangeliums, das Jesu Christus ist," führt Pastor Alfredo Abad in seinem Rechenschaftsbericht auf der Synode 2019 in Alicante aus. "Wir sind eine kleine Kirche mit kleinen Gemeinden. Einige sind in ihrer Existenz bedroht. Es sind Gemeinden verschwunden, wie in Bilbao. Das "Presbiterium del Norte" hat aufgehört zu existieren. Manchmal schauen wir mit Sehnsucht auf unsere 150-jährige Geschichte. Der Blick ist deshalb manchmal von Hoffnungslosigkeit getrübt durch das, was fehlt und geschrumpft ist. Aber wir sind gerufen, unseren Blick zu ändern, wie wir unsere Wirklichkeit anschauen: selbstkritisch - aber getragen von der lebendigen Hoffnung, was wir durch die
Synode der IEE
Kirche an Lebendigkeit bekommen und wozu Gott uns ruft, nämlich an der Seite derer zu sein, die uns brauchen. Zudem braucht uns unsere Gesellschaft, in der Ungerechtigkeit und Ungleichheit wächst, in der viele Familien mit ökonomischen Problemen kämpfen, in der Menschen Zuflucht suchen, in der viele Menschen das Interesse an religiösen Fragen verlieren, in der der Populismus blüht, in der es in Katalonien heftige Auseinandersetzungen gibt. In dieser Situation sind wir gerufen wie es beim Propheten Jesaja heißt: Es ruft eine Stimme in der Wüste: bereitet dem HERRN den Weg!"

Damit beschreibt Alfredo Abad den Kontext, in der sich die IEE bewegt und die Mission der Kirche. Es ist schwierig für die IEE zahlenmäßig zu wachsen. Im Gegenteil: die Kirche ist leicht geschrumpft und zählt noch ca. 2300 Mitglieder. Bis vor Kurzem waren es 200 mehr. Die finanzielle Situation der Kirche ist eine permanente Herausforderung. Fast 40% des Haushaltes der IEE gehen nach wie vor in die Zahlung der Pensionen an die pensionierten Pastoren oder der Pastorenwitwen. Das ist ein Thema, das die Kirche schon lange begleitet und bis zum Straßburger Menschenrechtsgerichtshof gebracht hat. Eine komplette Lösung dieses Problems steht nach wie vor mit dem spanischen Staat aus, der sich weigert, diese Ungerechtigkeit aus der Zeit der Diktatur zu beenden. 

Israel Flores
Im Gespräch erläutert Pastor Israel Flores, Generalsekretär der IEE, weitere Themen, die die Comisión Permanente der Kirche bewegt: "Ziel der IEE muss es sein, eine Jugendpastoral aufzubauen. Wir müssen hier investieren und nicht auf die fehlenden Geldmittel schauen. Es geht um die Zukunft der IEE. Hier braucht es auch eine Pädagogik innerhalb der Kirche, die Menschen lockt und bindet. In gesellschaftlichen Fragen sind wir oft sehr gut und vertreten oft genug eine liberale Position. Das führt dennoch auch in unserer Kirche manchmal zu angespannten Situationen." Israel erläutert, dass es im Jahr 2015 nach der "Erklärung von Mamre" zu Genderfragen zu heftigen Diskussionen mit konservativen Gruppen kam. In Madrid traten aus einer Gemeinde z.B. 30-40 Mitglieder deshalb aus. "Das war schmerzhaft. Auf der anderen Seite aber auch befreiend für die Gemeinde, denn es kamen neue Leute plötzlich dazu," sagt Israel mit einem Lächeln. Eine weitere Aufgabe sieht er in der Integration der Migranten aus verschiedensten Ländern in den Gemeinden. Oft haben sie keine Arbeit und können kaum Beiträge errichten. Dennoch ist es wichtig, offen zu sein. "Das wollen wir als Kirche," betont er. Dazu gehört aber auch Klarheit. Das war auf der letzten Synode z.B. eine Herausforderung als es darum ging, sich klar gegen die Wiedertaufe abzugrenzen, die vereinzelt vorkam. "Das geht überhaupt nicht. Wir sind durch eine Taufe verbunden, die ein Geschenk ist," macht Israel klar. Und er schließt: "Wir haben als kleine protestantische Kirche die Aufgabe, Hoffnung zu verkünden und mit Leben zu füllen. Dafür stehen dann auch all die diakonischen Projekte wie die Flüchtlingshilfe in El Escorial oder Casa Mamre. Dafür stehen die Lebensmittelhilfen in Rubi oder Alicante."

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Hoffnung verkünden und mit Leben füllen in Spanien

Pastor David Manzanas aus Alicante
"Wir wollen Hoffnung verkündigen," sagt Pastor David Manzanas aus Alicante. Mit seiner Frau betreut er die vier Gemeinden im Presbiterium Levante der Iglesia Evangélica Espanola (IEE). Es ist das kleinste der sieben Presbiterien der IEE mit max 250 dazugehörenden Mitgliedern. "Das spüren Menschen - insbesondere wenn sie verletzt sind. Wir selbst sagen manchmal, dass unsere Kirche wie eine Gesundheitsstation ist. Es kommen die mit Verletzungen, die, die angewiesen sind auf Hilfe und die Heilung brauchen. Und wenn sie geheilt sind, dann gehen sie oft wieder..." Und er fährt fort: "Manchmal ist das enttäuschend für uns als kleine Diasporakirche, denn wir wachsen in Spanien kaum. Dennoch ist es unsere Aufgabe, Hoffnung zu verkündigen und zu leben. Zu uns kommen die, die in der Gesellschaft oft nicht wahrgenommen werden - oder sogar abgelehnt werden. Unter den "Evangelicos" in Spanien sind wir deshalb auch Aussenseiter, weil wir vielen zu liberal sind." Und dann erzählt er davon, wie die kleine 30-köpfige Gemeinden der IEE in Alicante mit der Kirche im Stadtzentrum eine für ihre Verhältnisse große diakonische Arbeit leistet. An zwei Tagen in der Woche kommen Menschen, um Lebensmittelpackete abzuholen. Es sind hauptsächlich Moslems z.B. aus Marokko und Algerien. Aber auch arme Spanier und Lationos kämen. 320 Familien werden versorgt. Die Lebensmittel werden von der "Banco de Alimentos" und der Europäischen Union gestellt. Die Verteilung und Registrierung erfolgt durch Freiwillige der Gemeinde. "Das wiederum stärkt unsere Gemeinde," sagt David. Eine enorme Kraftanstrengung, die die Gemeinde da leistet. "Für uns ist das ganz praktisch Hoffnung verkündigen! Wir verteilen die Lebensmittel in unserer Kirche. Auch der Raum verkündet den Empfangenden nicht nur durch die Gaben Hoffnung."

Derzeit findet in Alicante die 78. Synode der IEE statt. Dabei wird auch der 150-jährigen Existenz dieser kleinen aber hoch engagierten Kirche gefeiert. 

In diesem Jahr unterstützt das GAW die Sanierung der Ökumensichen Zentrum Los Rubios bei Malaga: http://gustav-adolf-werk.1kcloud.com/ep1Ezbrv/#188

Dienstag, 29. Oktober 2019

Eine Überdachung für einen Sportplatz in Santiago

Vom GAW gefördertes Dach für Sport- und Schulplatz
Heute war der erste Schultag im Colegio Belén Villa O'Higgins in Santiago de Chile. Höchsten 1/2 der Schüler war zum Unterricht erschienen. Noch hat sich nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen in Chile die Situation nicht normalisiert. Mercedes, Erzieherin aus einer Kindergartengruppe der Schule, erzählte, dass sie große Schwierigkeiten hatte, jetzt die Schule zu erreichen. Mit der Metro ist das eigentlich kein Problem. Nur die Linie, die sie benutzt ist seit den heftigen Ausschreitungen nicht im Einsatz. Metrostationen brannten. Züge wurden abgefackelt. Es braucht noch Zeit bis die Linie wieder normal fahren kann. Es trifft die, die sowieso schon nicht viel haben. Auch in der Belén-Schule sind bei den Lehrern und unter den Schülern die Demonstrationen und die berechtigten politischen Forderungen ein Thema. Nur wie sie durchsetzen? Die pädagogische Leiterin berichtet auch von ihrer Wut auf das Rentensystem. Bald geht sie in den Ruhestand. Ihr bleiben 180.000 Pesos monatlich (220 Euro). Das ist viel zu wenig nach einem langen Berufsleben als Lehrerin. Aber nicht nur das Rentensystem müsste dringend verändert werden. Auch das Bildungssystem braucht eine grundlegende Reform. Das beginnt beim Curriculum, das nicht auf die Anforderungen einer modernen Gesellschaft ausgerichtet ist, sondern weitgehend noch aufs Wiederholen auswendig gelernter Inhalte setzt. Und - wenn wie im Falle der evangelischen Versöhnungsgemeinde ein sog. privater Träger eine Schule trägt, dann ist er, wenn er kein Schulgeld erheben kann, angewiesen auf die staatlichen Subventionen. Diese richten sich aber nach der Anzahl der Schüler*innen und ihrer Anwesenheitstage. Ein System, dass letztlich auffordert, Wege zu finden, die Angaben an die Behörden nicht 100%-ig genau zu machen. Und: Investitionen sind damit gar nicht durchführbar.

Das GAW hat deshalb gerne die Konstruktion einer Überdachung für den Schul- und Sportplatz des Colegio Belén unterstützt. Dringend notwendig im Sommer bei der Hitze und im Winter, wenn es ab und an regnet.

Mit der GAW-Kindergabe wurden für dieses Projekt 2018 die entsprechenden Gelder gesammelt.

Die Kindergabe 2019 wird für Litauen gesammelt: https://www.gustav-adolf-werk.de/kindergabe-material.html

Sonntag, 27. Oktober 2019

Zum Glück gibt´s den Segen...

Segen
... so war am 27. Oktober der Konfirmationsgottesdienst in der lutherischen Versöhnungsgemeinde in Santiago de Chile überschrieben. Wie wichtig ist das in der derzeitigen Lage im Land. Seit über einer Woche befindet sich das Land im Ausnahmezustand. Vor Kurzem demonstrierten mehr als 1,2 Millionen Menschen in der Innenstadt um Veränderungen im Land. Bis vor Kurzem war es kaum vorstellbar, dass in Chile so viele Menschen aufstehen, um für dringend notwendige Veränderungen einzutreten.

Pastor Johannes Meckel von der Versöhnungsgemeinde beschreibt die Situation so:

"Mitte Oktober sprach der chilenische Präsident Sebastián Piñera noch davon, dass sein Land eine „Oase“ inmitten eines (Krisen)geschüttelten Lateinamerikas sei. Und das konnte man nachvollziehen – nicht nur mit Blick auf die abschreckende Lage in Argentinien, Brasilien, Ecuador oder Venezuela. Nein, Chile hat in den letzten Jahren tatsächlich eine beachtenswerte wirtschaftliche Entwicklung genommen und auch die Demokratie wirkt 30 Jahre nach Ende der Diktatur gefestigt und stabil.
Dazu half nicht nur kluge Politik, sondern auch ein beispielloses Wachstum. Der unter Augusto Pinochet eingeschlagene Kurs der strikten Privatisierungen und möglichst geringen staatlichen Einmischung in wirtschaftliche Belange, hat neben den großen Gewinnen aus der Kupferförderung nach Meinung vieler, diese Entwicklung ermöglicht.
Die Schattenseiten dieses Modells haben nun aber Proteste heraufbeschworen, die nicht nur zur Ausrufung des Ausnahmezustands in weiten Teilen des Landes führten, sondern Präsident Piñera höchst selbst sprach plötzlich nicht mehr von „Oase“, sondern von „Krieg“.
 Die Erhöhung der Metropreise in Chiles Hauptstadt Santiago in der letzten Woche war dabei der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Der wirtschaftliche Kurs und die konsequente Privatisierung aller Güter von der Bildung bis zum Wasser, von der Rentenvorsorge bis zur Autobahn, führte nicht nur zu vielen Aufstiegsmöglichkeiten, sondern auch zur immer größeren Ungleichverteilung der Einkommen. So liegt das monatliche Einkommen von mehr als der Hälfte der Chileninnen und Chilenen unter 530€ - und das bei Lebenserhaltungskosten, die in Vielem mit europäischem Niveau vergleichbar sind.
Militär in den Strassen Santiagos
Die hohen Ausgaben für Bildung oder Kredittilgung, kürzlich 10% gestiegene Stromkosten: selbst in der Mittelschicht reicht bei vielen das Gehalt nicht bis zum Ende des Monats und der mit der Wahl des amtierenden Präsidenten erhoffte wirtschaftliche Aufschwung ist ausgeblieben. Stattdessen haben große Korruptionsfälle in Politik, Polizei und Militär das Vertrauen in den Staat erschüttert und die oft milden Gerichtsurteile dazu das Gefühl verstärkt: „die da oben bedienen sich und wir hier unten müssen zahlen, zahlen, zahlen.“ Schon seit langem wuchsen Frust und Wut, bei manchen auch einfach die Verzweiflung oder das Gefühl von Ausweglosigkeit.
Seit der von außen betrachtet geringen Fahrpreiserhöhung der Metro bricht sich all das Bahn. Und nicht nur in Santiago! Die Plätze der größeren Städte im ganzen Land füllen sich mit größtenteils friedlichen Demonstranten. Selbst die gut verdienenden Minenarbeiter solidarisieren sich und wollen in den Streik treten. Beides gibt es selten in Chile: dass Proteste weithin gewaltfrei ablaufen und dass sich über eine lokal oder sozial beschränkte Gruppe hinaus viele Menschen beteiligen. 
 Leider ist aber auch ein hässliches Gesicht der Proteste sehr präsent, wobei niemand sagen kann, ob dies wirklich einen inhaltlichen Bezug hat oder hier vielmehr gezielt die Situation genutzt wird, um ganz andere Ziele zu verfolgen: Am vergangenen Freitag brannten zahlreiche Metrostationen in Santiago, so dass bis auf weiteres nur noch eine der für das Funktionieren des Nahverkehrs zentralen Linien in Betrieb ist. Seit dem kommt es trotz nächtlicher Ausgangssperre immer wieder zu Plünderungen und Verwüstungen durch gezielt gelegte Brände. Dabei sind bisher schon über zehn Menschen ums Leben gekommen. Und auch der Einsatz von Polizei und Militär lief nicht immer glimpflich ab, sondern es gab dabei Verletzte und Tote, Menschenrechtsaktivisten berichten von Misshandlungen und ungerechtfertigter Brutalität.
Das weckt natürlich bittere Erinnerungen an die Militärdiktatur, in denen die Militärpräsenz auf den Straßen genauso normal war, wie die häufig verhängten Ausgangssperren. Allein die Worte „toque de queda“ (Ausgangssperre) rufen bei Manchen körperliche Reaktionen hervor, so tief sitzt der Schrecken der Vergangenheit.
Und wer tagsüber gepanzerte Fahrzeuge und Soldaten auf den Straßen und nachts riesige brennende Lager sieht, könnte tatsächlich an Krieg denken. Aber dieses Wort trifft angesichts der überwiegend friedlichen Proteste doch wohl kaum zu und so ist Präsident Piñera auch kräftig für seine Aussage kritisiert worden.
Überhaupt spielt die Politik bisher keine gute Rolle. Die pauschale Kriminalisierung der Proteste ist natürlich wenig hilfreich und wird zum Glück langsam differenziert. Aber nach wie vor mangelt es an deutlichen Signalen, die Fragen anzupacken, die die Protestierenden umtreiben.
Das wird auch nicht einfach werden, den Reformen werden schwierig und eigentlich ist für Reformen wie die jüngst diskutiert Reduzierung der Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden weder im Staatshaushalt Geld vorhanden noch bei den Unternehmen eine entsprechende Steigerung der Produktivität zu erwarten.
Aber Chile hat in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht und gerade die Regionen und soziale Schichten überspannenden Demonstrationen zeigen, das ein breiter gesellschaftlicher Konsens besteht, dass Änderungen nötig (und in der Akzeptanz von vielleicht auch persönlich negativen Auswirkungen möglich) sind. Man kann nur hoffen, dass diese Tage im Nachhinein nicht als sinnlos oder gar mit kriegerischem Ende in der Erinnerung bleiben werden. Sondern als eine Oase, in der das Land letztlich mehr zu sich selbst gefunden und Kraft getankt hat: für den schwierigen Weg in eine bessere Zukunft."

Wie sich Chile weiterentwickelt... das bleibt abzuwarten. Der Präsident hat jetzt umfangreiche Kabinettsumbildungen angekündigt. Die wesentlichen Reformen, für die die Menschen demonstrieren brauchen aber Zeit. Ob diese da ist...?

Zum Glück gibt´s den Segen! - Genau das ist es, was notwendig ist: im Spanischen heißt Segen Gutes sagen. Hoffentlich greift das Gute Raum, dass Frieden und Gerechtigkeit wachsen.

Freitag, 25. Oktober 2019

A mi nada me quita la coca! - Auf dem Weg zur lutherischen Kirche in Bolivien

Kirchenpräsident Germán Loayza
"A mi nada me quita la coca! (Mir nimmt keiner meine Koka weg!) - das sagte mein Vater, als Ende der 1960er/ Anfang der 1970er Jahre sich langsam Widerstände gegen nordamerikanische Missionare regten," erzählt Germán Loayza, der seit diesem Jahr als Kirchenpräsident die Iglesia Evangélica Luterana en Bolivia (IELB) leitet. Es ging dabei um die Auseinandersetzung, worauf die indigenen Mitglieder der von den Missionaren gegründeten Gemeinden verzichten müssten, um "richtig" Christ zu sein. Koka stand für die Missionare an erster Stelle ihrer "schwarzen Liste". "Für Aymara ist Koka aber Leben," erklärt Germán. 

Koka ist das heilige Produkt von Pachamama, der Mutter Erde, und von zentraler Bedeutung für die andine
Im haus der Kirchenleitung der IELB
Kultur und Religion. Seit Jahrtausenden wird auf diesen Terrassenplantagen Koka gesät. Vermengt mit Speichel und Kalk oder Kalium setzen die Blätter im Mund ein Alkaloid frei, das Hunger betäubt, Erschöpfung lähmt, leicht berauscht. Kein Wunder, dass die Missionare das nicht mochten. Auch die traditionellen indigenen Musikinstrumente wurden verboten, von indigenen Ritualen ganz zu schweigen. Wer da nicht mitmachte, schloss sich aus der Gemeinschaft aus. Aber kann man Menschen ihre Identität rauben und sie zwingen, anders zu sein?

Kirchenleitungsgebäude der IELB in la Paz
Die Auseinandersetzung, was mit dem christlichen Glauben vereinbar ist und was nicht, ist nach wie vor eine Herausforderung zum Dialog in der Kirche. "Der steht immer wieder an!" sagt Germán, "denn unsere Pastoren sollen ja für das Volk da sein und nicht für ihre Gemeindemitglieder alleine. Sensibel diese kulturell jahrtausende geprägten Dinge wahrzunehmen, zu hinterfragen und die Frage des Möglichen zu ergründen - dazu sind wir gerufen." Nicht einfach. Für die Missionare war klar, dass es keine Kompromisse gibt. Nur - sie hinterfragten eben so wenig ihre Missionsstrategie, dass sie mit ihrem Glauben auch ihr kulturelles Denken, Überlegenheitsgefühl und auch ihr ökonomisches Denken mitbrachten. Dialogfähig waren sie nicht.

"Als wir 1971 unsere lutherische Kirche als Kirche in Bolivien gegründet haben, hatten wir nichts. Die Missionare ließen uns keine andere Wahl", erzählt Germán. "Die Gottesdienste und Bibelstunden haben wir auf den Strassen oder in Häusern von Mitgliedern gefeiert. Mühsam haben wir nach und nach Kirchen und Gemeindehäuser errichtet. Die Missionare sind mit ihrem Besitz geblieben. Nichts wurde uns überlassen." So war die IELB auf Spenden und Stiftungen der Gemeindemitglieder angewiesen. Nur - die Grundstücke wurden nicht auf den Namen der Kirche überschrieben, sondern blieben im Besitz der schenkenden Familie. "Wir hoffen nicht, dass das in Zukunft Probleme bringen wird, dass Enkelkinder z.B. die Kirche einfach übernehmen ..." Germán erzählt noch, dass sie als Indigene mühsam lernen mussten, die Missionare zu hinterfragen und nicht alles hinzunehmen. "Das schätze ich an der lutherischen Kirche, dass sie das Gewissen schärfen will. Die Missionare haben das jedenfalls bei uns erreicht", sagt Germán lächelnd.

Die IELB hat 120 Gemeinden und 10 Predigtstellen. Ca. 15.000 Gemeindemitglieder gehören zur Kirche. Die Pastoren arbeiten ehrenamtlich und bekommen keinen Lohn. Es gibt inzwischen zwei ordinierte Pastorinnen und fünf ausgebildete Theologinnen. "An der Frage der gleichberechtigten Beteiligung der Frauen müssen wir weiter arbeiten", sagt Germán. "Da haben wir noch einiges zu tun, denn die Frauen sind die aktivsten. Die Männer sind aber dann mehrheitlich in den Gremien ..."




Donnerstag, 24. Oktober 2019

In einem Handyladen in La Paz...

Franziskus-Kathedrale in La Paz
Andrea steht in einem kleinen Handyladen eine Quadra entfernt von der Kathedrale San Francisco in La Paz. Sie läßt ihr Handy checken. Auf die Frage, wo sie herkomme, sagt sie Venezuela. Seit vier Monaten lebe sie in La Paz. Wovon lebst du? "Ich habe bis vor Kurzem venezolanische Gerichte gekocht und auf den Straßen rund um die Kathedrale verkauft. Das lief gut. Nur - wir dürfen dort nicht mehr kochen, wo mein Mann und ich es getan haben. Das hat die Leute im nahen Hostel gestört... - jetzt habe ich keine Chance, Geld zu verdienen," sagt sie. Aufmerksam hören die bolivianischen Besitzer des Handyladens zu. Es entsteht ein Gespräch zwischen Venezolanerin, Bolivianern und einem Deutschen. Auf Nachfrage sagt sie: "Es ging nicht mehr in Maracaibo. Vor Kurzem ist der Onkel im Krankenhaus verstorben. Es fehlten Ärzte und Medikamente. Er könnte noch leben. Das kleine Kind haben wir bei der Oma zurückgelassen...," erzählt sie - und stockt. Tränen fließen über ihr Gesicht. "Wir müssen Geld verdienen, um unser Kind nachzuholen..."

Andrea ist eine von Millionen venezolanischer Flüchtlinge. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) befürchtet, dass die Zahl der Flüchtlinge aus Venezuela bis Ende des Jahres auf 8 Millionen Menschen steigen könnte. Wenn die politische und wirtschaftliche Krise anhalte, werde die Zahl der Flüchtlinge weiter steigen. Andrea ist dieser Meinung, dass es jetzt schon so viele sind. Gesichert ist, dass mehr als vier Millionen Venezolaner ihrem Land den Rücken gekehrt haben. Es handelt sich dabei um die größte Flüchtlingskrise in der jüngeren Geschichte Lateinamerikas. Venezuela hatte einmal 32 Millionen Einwohner. Vor allem fehlende Nahrungsmittel und medizinische Versorgung sowie die schlechte Sicherheitslage sind entscheidend, dass die Menschen
Irgendwo hier in La Paz lebt Andrea mit ihrem Mann -
und bestimmt noch viel mehr Venezolaner
fliehen. In fast allen lateinamerikanischen Ländern haben sie Zuflucht gesucht. Kolumbien, Chile, Peru und Ecuador sind dabei die Hauptaufnahmeländer - mit all den Folgen und Konsequenzen in den Aufnahmeländern.

Aber auch nach Bolivien kommen sie. Waren es im Januar 10-15 Venezolaner täglich, die ankommen, so sind es im Oktober schon 50 pro Tag. Die Mehrheit von ihnen sucht kurz zu bleiben, etwas Geld zu verdienen, um dann weiterzureisen nach Ecuador, Peru, Chile, Paraguay, Argentinien oder Uruguay. 5% von ihnen wollen lediglich in Bolivien bleiben.

Wie es mit Andrea weitergeht...? Die freundlichen Bolivianer im Handyladen fingen an, zu überlegen, wie sie Andrea helfen könnten. "Komm morgen Nachmittag mit deinem Mann. wir finden einen Weg. Mein Cousin will einen Laden für Hamburger aufmachen. venezolanische Spezialitäten passen dazu. Und wegen einer Unterkunft reden wir mit unseren Eltern!"

Ob es für Andrea eine kleine Perspektive...  

Das GAW hat gerade wieder einer Hilfe für das Straßenkinderheim in Valencia auf den Weg gebracht. Mit Hilfe des Ökumenischen Netzwerkes Venezuela beteiligte sich das GAW an einer Medikamentenlieferung ins Land. Keine leichte Geschichte - aber hilfreich für Acción Ecumenica, ein Altersheim in Caracas und Hilfsbedürftigen in Valencia.

Helfen Sie mit: https://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html  Stichwort: Venzuela

Dienstag, 22. Oktober 2019

Kinder haben Rechte - und zwar ganz Gerechte! Das lernt Ricardo

Schuputzer in Asución
Ricardo (Name geändert) putzt Schule am Terminal de Buses in Asunción, der Hauptstadt Paraguays. Er tut das, um ein bisschen Geld zu verdienen für Schulmaterialien und seine Schuluniform. Das kann seine Großmutter nicht bezahlen. Seine Mutter ließ ihn einfach bei ihrer Mutter. Der Vater war schon lange fort. Ricardo arbeitet täglich 3-5 Stunden und putzt Schuhe. Der Verdienst ist beschieden. Umgerechnet 50 Cent verdient er pro Schuhputz. Wenn es einigermaßen läuft hat er an einem Tag 5-7 Euro verdient. Aber dann muss es wirklich gut laufen.

Sergio kümmert sich um Kinder wie Ricardo, die schnell lernen müssen, sich in der Welt zu behaupten. Ungefährlich ist es nicht. Die Kinder werden geschlagen und vertrieben. In der Nähe gibt es eine "zona roja", in der Prostitution jeglicher Art blüht. Auch Drogen zu verfallen ist eine ständige Versuchung. Sergio versucht die Kinder zu stärken und sie zu stützen, dass sie Widerstandskraft entwickeln und lernen, welche Rechte sie haben und
Container am terminal in Asunción
wie man sich vor den Gefährdungen der Straße schützt. Dafür gibt es neben dem Terminal einen Container, der klimatisiert ist. Hier können sie sich ausruhen, spielen und fortbilden. Hier erhalten sie Hausaufgabenhilfe - derzeit u.a. von dem GAW-Freiwilligen Jannes aus Waiblingen. Eine sehr wertvolle Arbeit leistet Jannes für die Kinder und wird von ihnen geliebt.

Sergio und Jannes arbeiten für die NGO "Calle Escuela". Sie sorgt sich um diese Kinder, die Not leiden und auf der Strasse leben oder in gefährdeten und zerrütteten Familien. An zweit Orten macht sie es in Asunsción - am Terminal und am Mercado. Dort werden die Kinder aufgesucht. Sie werden eingeladen in die beiden Zentren. Das sind Orte des Friedens und des Zusammenseins. Hier gibt es etwas zu essen, Menschen, die sich sorgen und wie eine Familie für sie sind.

Eine wertvolle Arbeit! Schaut man hinter die Probleme, denen sich die Mitarbeiter stellen, dann werden einem all die Probleme Paraguays gewahr. Das zentrale Thema dreht sich um Land und wer Recht auf Land hat. Dahinter steht das Ringen der großen Landwirte, der Rinderbarone und der Drogenkartelle. Häufig sind es indigene Gruppen die vertrieben werden und dann in den Städten landen in den Armenvierteln oder eben auf der Strasse. Kinder leiden am meisten. Hier setzt die Arbeit von "Calle Escuela" an. Sie wollen die Kinder nicht alleine lassen. Aber sie wollen auch politisch aktiv sein und in der Gesellschaft die dahinterstehenden Probleme ansprechen und Veränderungen bewirken. Und vor allen Dingen wollen sie erreichen, dass der Staat mehr tut für die rechte der Kinder.

Kinder wie Ricardo brauchen solche Menschen, die sich für sie einsetzen.

In Paraguay leben ca. 7,5 Millionen Einwohner. 2 Millionen gelten asl arm. 1 Milllion davon als extrem arm.

An der Seite der Indigenen in Paraguay

Baumstamm - ehemals Regenwald 
Ein großer Baumstamm aus dem Regenwald, der einst hier stand, liegt wie ein Mahnmal am Eingang des Centro Mbarigui in der Nähe der Stadt Campo 9. Hier – inmitten eines riesigen von Mennoniten bewirtschafteten Gebietes – hat eine indigene Gruppe der Mbya Guarani es erreicht, dass sie 1250 ha Land zurückbekommen hat. Davon sind ihnen letztlich 400 ha geblieben, denn es gibt derzeit einen Rechtsstreit mit einem mennonitischen Großgrundbesitzer, der sukzessive seinen Landbesitz erweitert hat – auf Kosten der Indigenen.

Auf dem Landstück der Mbya hat sich vor 23 Jahren das Centro Mbarigui angesiedelt. Getragen wird es von der ökumenischen Organisation OGUASU, das sich vor 25 Jahren mit dem Ziel gegründet hat, die indigene Gemeinschaft der Mbya zu stärken, durch Rechtsberatung besonders in Landfragen die Eigenversorgung ihre Art der Landwirtschaft zu unterstützen, Alphabetisierung und Ausbildung zu fördern und die Gesundheitsversorgung zu sichern. Die Evangelische Kirche am La Plata (IERP) ist Mitglied der Organisation und im Vorstand vertreten.

Das alles ist dringend notwendig, denn – so Andrés Ramirez,
Andrés Ramires vor einem Gebäude vom GAW gefördert
Mitbegründer und Leiter von OGUASU – die Indigenen leben in Paraguay am Rande der Gesellschaft. Sie werden diskriminiert und ihr Lebensstil und ihre Kultur werden abgewertet. „Dabei gehört ihnen doch das Land! Sie waren vor den Mennoniten und den deutsch-brasilianischen Siedlern da!“ OGUASU versucht ihnen zu helfen, ihre Rechte zu stärken. „Durch die industrielle Landwirtschaft und die Bedeutung Paraguays für die Versorgung der Welt mit Soja ist den Indigenen sukzessive ihr Lebensraum genommen worden. Der Baumstamm am Eingang unseres Zentrums soll daran erinnern. Für die ausländischen Siedler war der Regenwald der Feind, der besiegt werden musste. Für die Indigenen ist er in ihrer Religion wie ein Gott. Er hat die Familien versorgt“, erklärt
Guaranimädchen
Andrés.

Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre gab es noch genügend Regenwald. Der Landhunger und der Druck auf die Landwirte, mehr zu produzieren und zu wachsen, führte dazu, dass indigene Gruppen immer weiter verdrängt wurden. Inzwischen gibt es teilweise schon gewaltsame Auseinandersetzung um eine gerechtere Aufteilung des Landes. Kleinbauern fordern ein, Land zu bekommen. Indigene Gruppen pochen auf ihr Recht, Land zurückzubekommen. Das ist gar nicht so einfach in Paraguay, wo es kein Grundbuchamt gibt. Gelegentlich wurden Landbesitzurkunden doppelt ausgegeben, um an Land zu kommen. Deshalb muss oft die Rechtsfrage geklärt werden, was mühsam ist und sich hinziehen kann. Mit Recht weisen auch die Siedler darauf hin, dass sie ihr Land rechtmäßig erworben haben. 
Für indigene Gemeinschaften, in denen auf andere Weise gelebt wird, hat die Gemeinschaft einen hohen Stellenwert. Das Streben nach mehr materiellem Besitz spielt in ihrer Kultur keine Rolle. Deshalb ist das Überleben für sie unter diesen Bedingungen schwierig. Wie soll man leben, wenn der eigene Lebensraum anderen gehört und deshalb kein Leben ermöglicht?
Das Centro Mbarigui hat all die Überlebens- und Zukunftsfragen der Guarani im Blick,  versucht sie zu begleiten auf ihrem Weg und für ihre Rechte zu kämpfen. Das kann leider gefährlich werden. Andrés wurde schon oft bedroht, bis hin zu Morddrohungen. „Ich höre nicht auf, für sie zu kämpfen. Sie sind es wert und Kinder Gottes, genau wie alle anderen auch!“, bekennt Andrés.
In seinem Zentrum werden 105 Schüler*innen bis zur Hochschulreife unterrichtet. Auch wenn ca. 35 % die Ausbildung aus verschiedenen Gründen vorzeitig beenden, gibt es gute Erfahrungen mit der Arbeit. Über 80 ehemalige Schüler*innen haben Arbeit im Staatsdienst  gefunden. Die Schüler*innen leben 15 Tage im Monat im Zentrum. Oft müssen sie an die 100 km zurücklegen, um die Schule zu erreichen. Gleichzeitig dient Centro Mbarigui als Schulungs- und Bildungszentrum für die indigenen Gemeinschaften.
Das GAW Baden hat mit ihrer Konfidanksammlung 2015 für dieses Zentrum gesammelt und damit den Bau zweier Sanitärgebäude und zweier Schulungsäume ermöglicht. Das war eine großartige Hilfe, denn das Zentrum erhält keine staatliche Förderung und ist immer auf Hilfe angewiesen. Brot für die Welt unterstützt regelmäßig die Arbeit von OGUASU. Auch die GAW Frauenarbeit hat sich hier schon engagiert.

Sonntag, 20. Oktober 2019

Talare für die Diaspora - z.B. in Paraguay


"Den Talar habe ich aus Deutschland bekommen vom GAW!" sagt stolz Vikarin Rufina Rapp aus Nueva Toledo in Paraguay. Sie erhielt ihn am Beginn ihres Vikariats im November 2016. Im kommenden Monat wird sie ordiniert.
Immer wieder gibt es Anfragen aus den Partnerkirchen des GAW, ob angehende Pastor*innen einen Talar über das GAW erhalten können. Das tun wir gerne!

Das GAW nimmt gebrauchte und gut erhaltene Talare entgegen und vermittelt sie in die evangelische Diaspora weltweit - und schön ist es vor Ort dann zu sehen, dass die Talare dankbar angenommen werden!

Ohne Gemeindesaal geht es in Nueva Toledo nicht

Rufina Rapp empfängt Gottesdienstbesucher
"Im November ist es endlich soweit", sagt Vikarin Rufina Rapp aus Nueva Toledo in Paraguay, als sie bei den Abkündigungen für ihren Ordinationsgottesdienst einlädt. Sie gehört zum letzten Jahrgang der berühmten ökumenischen theologischen Ausbildungsstätte ISEDET, die 2016 endgültig geschlossen wurde. Zuvor hatte die Igleisa Evangélica del Rio de la Plata (IERP) schnell noch ein Programm entwickelt, das neun Studierenden ermöglichte, Ihre Ausbildung noch mit Examen abzuschließen. So hatte  die Kirche auf einmal neun Vikare, die in Gemeinden gesandt werden konnten. Viele übernahmen vakante Stellen, die schwer zu besetzen waren. So sind  einige wie auch Rufina nach Paraguay gegangen.

"Nach einer kleinen Eingewöhnungsphase habe ich mich schnell an Paraguay und das etwas andere kirchliche Leben gewöhnt", sagt Rufina. Inzwischen kann sie auch etwas Portugiesisch. Das wird hier in Nueva Toledo benötigt, denn die meisten Gemeindemitglieder sind Deutsch-Brasilianer, die sich hier, ca. 200 km westlich von der Hauptstadt Asunción, angesiedelt haben. Sie machten das Land urbar - was auch heißt, dass der Regenwald weichen musste. Inzwischen haben es die Kolonisten zu beschiedenem Wohlstand gebracht. Für sie gehört zu ihrem leben eine gute Kirchengemeinde dazu - und
Evangelische Kirche in Nueva Toledo
natürlich der obligatorische Gemeindesaal, der eher an eine große Turnhalle erinnert. Diese Tradition der großen Säle haben sie aus Brasilien mitgebracht. Die Feste, die hier gefeiert werden, sind beliebt in der ganzen Umgebung. Zudem wird mit den Festen auch ein guter Teil des Gemeindehaushaltes finanziert.

80 Familien gehören zur Gemeinde in Nueva Toeldo. Insgesamt gibt es vier Predigtorte der Gemeinde: Nueva Toledo, Capi'i veve, Guajhory und Campo 9.

Gemeinde- und Festsaal in Nueva Toledo
Die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen auf sich genommen, um ihre Gemeindezentren zu stärken. Auch ein Auto für den Pfarrer wurde angeschafft. „Die Gemeinde hat Chancen, weiter zu wachsen”, sagt Ruffina, die an jedem Wochenende ca. 240 km zurücklegen muss für ihre Gemeindearbeit - und das auf Schotter- und Sandpisten. Wenn es regnet, sind einige Orte nicht zu erreichen.


Um die Gemeinde in Nueva Toledo zu stärken, sollte das Gemeindehaus fertiggestellt werden. Mit eigenen Mitteln konnte ein Rohbau errichtet werden. Es fehlen jedoch die abschließenden Arbeiten wie das Verputzen der Wände und das Fliesen des Fußbodens. Zudem mussten Tore und Fensterläden eingebaut werden, um den Saal zu sichern. dafür wurden insbesondere die Mittel des GAW aus dem Projektkatalog 2015 in Höhe von 9.000 Euro verwendet.

Die Gemeinde bedankt sich sehr für die erhaltene Unterstützung. „Für uns ist dieses Gemeindehaus sehr wichtig, damit sich alle Familien treffen können”, sagt Ruffina

Samstag, 19. Oktober 2019

Arbeiten für den lieben Gott - Eindrücke aus Paraguay

Paraguay - Siedlungsgebiet der dt.-brasil.
Siedler in der Grenzegion

"Arbeiten - das mag ich an meiner Kirche," sagt Claudette aus der evangelischen Gemeinde der Iglesia Evangélica del Rio de la Plata aus der 6000 Einwohnerstadt Naranjito in Paraguay. Und arbeiten heißt für sie die Kirche in Ordnung halten, den Garten um die Kirche pflegen, die Gehwege säubern und bei den Veranstaltungen helfen, anpacken, mitarbeiten. "Denn für den lieben Gott macht alles Spaß!" Und sie fährt fort: "Wir kriegen ja auch so viel zurück an Kraft vom lieben Gott." Vielleicht ist die Aussage charakteristisch für das Leben der deutsch-brasilianischen Einwanderer in Paraguay. zu ihnen gehört Claudette.

In der brasilianischen Grenzregion Paraguays leben inzwischen etwa 500.000 portugiesischsprachige Siedler, davon sind 150.000 deutschstämmige Brasilianer aus den südlichen Bundesstaaten Brasiliens Sie werden auch Brasiguayos genannt. 

Ab 1970 begann die massive Einwanderung aus Brasilien. Im Jahre 1967 widerrief die Regierung Paraguays ein Gesetz, das Ausländern den Erwerb von Land innerhalb einer 150 km-Zone jenseits der Staatsgrenze untersagte. Gleichzeitig führte eine zunehmende Mechanisierung der Sojaproduktion im brasilianischen Bundesstaat Paraná zu einer Konzentration von landwirtschaftlichen Holdings in dieser Region. Das führte zu einer Abwanderung der kleineren Bauern in das Nachbarland Paraguay. Gegen Ende der 1970er Jahre war das Land auf paraguayischer Seite um das Achtfache billiger als in Brasilien. Das lockte vor allen Dingen deutsch-brasiliansiche Siedler, die es im laufe der Jahre dann zu 
Sojafelder
relativem Wohlstand gebracht haben - durch harte Arbeit. 

All das spiegelt sich in den evangelischen Gemeinden der IERP in Paraguay wieder. So gibt es Filialgemeinden der IERP in Paraguay, die teilweise geschlossen wurden oder dabei sind. 

Dass das auch zu Spannungen führen kann ist nahe liegend, So wird die Situation der Brasiguayos zurzeit wegen der ungleichen Verteilung des Grundbesitzes zu Gunsten der Brasiguayos während der Stroessnerschen Periode in den paraguayischen Medien diskutiert. Es gibt Ressentiments. Manchmal fallen Worte wie "Invasoren" über die Brasiguayos, die die Soja mitgebracht haben mit der das Land vergiftet wird. Auf der anderen Seite sehen sich viele der brasilianischen Siedler als Paraguayer, die es geschafft haben, das Land urbar zu machen. Die spürbare Polarisierung setzt allerdings zu. Gut ist das nicht.

Auch für die IERP ist das eine Herausforderung. Sie selbst ist Kirche in Argentinien, Uruguay und Paraguay und muss versuchen, alle verschiedenen Traditionen und Kulturen zu verbinden und in der Vielfalt Reichtum zu sehen, der fruchtbar gemacht werden kann. Dazu sieht sich die Kirche gerufen - bei allen Spannungen. Dafür arbeitet sie.

In einigen Gebieten der sog. "Kolonisten" musste der Regenwald weichen. Inzwischen sind riesige Flächen entstanden auf denen hauptsächlich Soja für den Weltmarkt produziert wird. Vor allem in die USA, China und Europa.

Stolz sind viele der deutsch-brasilianischen Siedler. Und sie zeigen gerne, was sie geschafft haben. Das sind jedoch nicht alle. Es sind auch immer wieder welche von ihnen zurück nach Brasilien gewandert - sei es, dass sie dort eine Rente bekommen oder die Gesundheitsversorgung besser ist. Einige von den Kolonisten hatten auch zu wenig Eigenkapital am Beginn, so dass sie nicht mehr mithalten konnten bei der zunehmenden industriell funktionierenden Landwirtschaft. 

In den barsilianisch geprägten Gemeinden spürt man die Traditionen, die sie mitgebracht haben. Zu jeder Kirchengemeinde gehört z.B. neben einer gut gepflegten Kirche ein großer Festsaal, in dem oft bis an 1000 Personen Platz haben. Große Grillstellen sind installiert für Mengen an Fleisch, das gegrillt wird.Viel wird in den Gemeinden in Eigenleistung erbracht. Auch darauf sind sie stolz.

Freitag, 18. Oktober 2019

Hühnerställe sorgen für ein bescheidenes Einkommen – Diakonie in Paraguay

Carlas Hühnerstall

Carla (Name ist geändert) hat seit gut zwei Jahren zusätzliche Einnahmen: Sie hat 30 Hühner. Sie hat für den Eigenbedarf Eier und kann zudem welche verkaufen. Zudem werden Hühner zum Verkauf angeboten. Das bedeutet ca. 45 Euro Reingewinn im Monat. Das hilft ihr schon sehr. Carla gehört zu den Ärmsten in einem Dorf in der Nähe von Raul Pena. Sie bewohnt mit ihrer Familie eine ganz einfache Holzhütte und sie kommen mal gerade so über die Runden.

Von der paraguayischen Regierung gab es ein Programm für Hühnerställe, das für solche Menschen wie Carla ausgearbeitet worden war. Frauenkommitees in den Armenvierteln wurden gebildet. Die Frauen wurden ausgebildet und gewonnen sich gegenseitig zu begleiten. Es war gut angelaufen, doch dann blieben die Gelder aus. 

Sebaldt, Lektor der Gemeinde in Raul Pena, bekam das mit und setzte sich sofort mit SEDI
Carlas Haus
(Servicio Evangélico de Diaconia) der IERP in Verbindung. Diese diakonische Organisation, getragen von der IERP und der IELU fördert diakonische Kleinstprojekte in ihren Gemeinden, die helfen, als Kirche in der Gesellschaft sich zu zeigen. Die Türen waren für diese Idee weit offen. Mit Hilfe von Brot für die Welt konnte es umgesetzt werden. 

Inzwischen konnte Sebaldt 60 Hühnerställe finanzieren und installieren. In Eigenarbeit müssen die Familien die Ställe bauen. Das Material wird zur Verfügung gestellt. Die Anschaffung der Hühner wird finanziert. In der Pflege und Erhalt werden die Frauen begleitet und in Workshops durch SEDI weiter geschult. Ein gelungenes diakonisches Engagement, das durchaus ausgebaut werden kann. In den Gemeinden der IERP in Paraguay kann da sicherlich noch einiges getan werden.

Zeigen außen, was du innen glaubst – ein neues Gemeindezentrum in Irunha

Neues evangelisches Gemeindezentrum in Irunha

Zeigen außen, was du innen glaubst – das ist ein wichtiges Motto für evangelische Diasporakirchengemeinden. Sichtbar sein, sich einbringen und sich nicht verstecken – das ist wichtig, um die Vielfalt einer Gesellschaft zu bereichern und das gemeinsame Zusammenleben zu stärken.

In Irunha kann da noch einiges getan werden. Innen ist die kleine Kirche schön geworden dank einer Unterstützung des GAW aus dem Jahr 2013 in Höhe von 6.000 Euro.

In Inrunha in Paraguay gibt es eine kleine Filialgemeinde der Iglesia Evangélica del Rio de la Plata (IERP). 12 Familien gehören der Gemeinde an. Zwei Mal im Monat findet Gottesdienst statt. Ansonsten trifft sich die
Frauengruppe. Die Gemeinde gehört zum Gemeindeverband von Raul Pena.
Angefangen hatte alles mit einer kleinen Holzhütte, die auf einem Grundstück erbaut wurde, das ein Gemeindemitglied gespendet hatte. Jetzt konnte es erweitert werden.

Der Großteil der Gemeindemitglieder hat deutsch-brasilianische Wurzeln. Die kleine Stadt Irunha mit derzeit 5000 Einwohnern wächst. Davon hofft die Gemeinde zu profitieren.

Dafür muss dringend die Fassade der Kirche entsprechend schön hergerichtet werden. Dafür stellt das GAW noch einmal 400 Euro zur Verfügung. Den Rest der Mittel bringt die Gemeinde auf, so dass vor Weihnachten die Kirche einladend ihre Türen für alle öffnen kann.

Glaube braucht Begegnung und Gemeinschaft - ein Freizeitzentrum der IERP

Sanierung der Schlafräume in Santa Rosa del Monday
Glaube braucht Begegnung und Gemeinschaft - das ist das Motto der Begegnungsstätte in Santa Rosa del Monday. Die Gemeinde nutzt die Räume für ihre Kinder- und Jugendarbeit und Familientage, um die Gemeinschaft untereinander zu stärken. 

Das Gelände etwas außerhalb der Stadt wurde der Gemeinde von einer Familie geschenkt. In verschiedenen Etappen wurden ein großer Saal und verschiedene Gebäude zum Übernachten errichtet. Die wurden mit Hilfe des GAW aus dem Projektkatalog 2012 fertiggestellt. jetzt können 100 Personen an Freizeiten teilnehmen. "Und wenn wir zusammenrücken und noch an allen denkbaren Orten Matratzen hinlegen, dann können es auch 120 Personen werden," sagt Pastorin Mariella, die mit ihrem Mann die Gemeinde, zu der vier Filialgemeinden gehören betreut.

Die Gemeinde in Santa Rosa del Monday geht zurück auf die Einwanderung von Deutschbrasilianern aus dem Süden Brasiliens. Es wurde nach neuen Lebensgrundlagen gesucht, die man in Paraguay erwartete. Die Wahrung der lutherischen Identität spielte für sie eine große Rolle. Deshalb besuchte zunächst ein brasilianischer Pfarrer die Gemeinde. Bald kamen aber Vetreter der IECLB und der IERP überein, dass die Betreuung der Siedler von der IERP aus geschehen muss. Seit 1979 ist die Gemeinde offiziell registriert und Teil der Evangelischen Kirche am La Plate (IERP). Es Zentrum für die Protestanten der Region. Insgesamt gehören 350 Familien dazu.

Inzwischen wird das Zentrum auch an andere christliche Gemeinden vermietet, so dass die Gemeinde dringend notwendige Einnahmen zum Erhalt des Zentrums hat.

Allen Spendern sei gedankt im Namen der Gemeinde.

Donnerstag, 17. Oktober 2019

Ohne Fußball geht es nicht

Evangelisches Fußballfeld
Das gilt für die evangelische Gemeinde der IERP in Santa Rita Paraguay auf jeden Fall. Direkt an die Kirche ist ein überdachtes Fußballfeld vor einigen Jahren gebaut worden. Mindestens vier Mal in der Woche wird hier Fußball gespielt. So kommen Menschen aus der Umgebung, um hier gemeinsam Sport zu machen - und nebenbei lernen sie die Kirche kennen. Ein Gemeindemitglied kümmert sich darum. Er zahlt der Gemeinde dafür monatlich 300 Euro. Eine willkommene Einnahmequelle für die Gemeinde Dies ist um so wichtiger, als die Gemeinde einiges vorhat. Ohne Fußball geht es jedenfalls nicht so gut.

"Unsere Filialgemeinde ist in den vergangenen 10 Jahren von 60 Familien auf 120 Familien
angewachsen. Wir brauchen deshalb mehr Platz. Insbesondere für unseren Kindergottesdienst. Da kommen mindestens 15-20 Kinder zusammen!" sagt Pastorin Mariella, die mit ihrem Mann Armando Weiß die aus fünf Filialgemeinden bestehende Gemeinde Santa Rosa del Monday betreut. Santa Rita ist eine dieser Gemeinden.

Santa Rita ist eine wachsende Stadt und interessant für junge Familien. Das wirkt sich positiv auf das Gemeindeleben aus. 

Wie in den IERP-Gemeinden der Region stammen die meisten der Gemeindemitglieder aus Brasilien. Ab den 70er Jahren wanderten vermehrt Brasilianer nach Paraguay ein. Hier wurde ihnen Land angeboten. Viele haben es durch viel Arbeit zu einem guten Auskommen gebracht. Die Kirchengemeinden spielen für viele von ihnen eine wichtige gemeinschaftsstiftende Rolle. "Glaube ohne Gemeinschaft - das geht nicht!" betont Mariella.

Und wenn dann noch der Fußball das Seine leistet...

Aus einer Pfingstkirche wird eine IERP-Kirche

Mario Gerhardt aus Los Cedrales
Was wären Kirchengemeinden der Iglesia Evangélica del Rio de la Plata (IERP) ohne Menschen wie Mario Gerhardt? 2001 hat er seiner Kirchengemeinde in der 10.000 Einwohnerstädtchen Los Cedrales einfach eine Kirche geschenkt. Eine Pfingstgemeinde hatte die Kirche ihm zum Kauf angeboten, denn die Mitglieder dieser Gemeinde wanderten nach Brasilien zurück. Viele Brasilianer aus Südbrasilien hatte es seit den 1960er Jahren nach Paraguay gezogen, weil es in Brasilien nicht mehr genügend Land in den Familien gab. Alto Parana, die Region nahe der brasilianischer Grenze, ist inzwischen von ihnen geprägt. Auch Mario Gerhardt kommt aus Brasilien, dem  südlichsten Bundesstaat Rio Grande do Sul. Man wusste, dass er ein engagiertes Kirchenmitglied der IERP war.
Vor der IERP-Kirche in Los Cedrales
Mit Landwirtschaft hat er es zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht. 150 Hektar land bewirtschaftet er. Neben Soja baut er Weizen und Mais an und betreibt auch noch Viehzucht. Nach und nach ist sein Betrieb größer geworden.

Mario engagiert sich sehr für seine Kirche. Lange Jahre war er Gemeindepräsident der Gesamtgemeinde Santa Rosa de Monday mit sieben Filialgemeinden. Ihm ist es wichtig, die Gemeinde zusammen zu halten. Sieben Familien gehören zur Filialgemeinde in Los Cedrales. Zwei Mal im Monat kommt der Pfarrer oder die Pfarrerin zum Gottesdienst. Dazu gibt es regelmäßig Bibelstunden. Das Angebot, die Kirche zu erwerben kam wie gerufen. Nun gibt es einen sichtbaren Ort für die Evangelischen der IERP. Und man spürt Mario ab, wie sehr im wichtig ist, dass die kleine Gemeinde in Los Cedrales einen Kirchraum hat.