Freitag, 22. Februar 2019

Es braucht eine gute Theologie, um Kirche zu stärken! - Dace Balode über die Situation in Lettland

Dekanin Dace Balode (im Herbst 2016)
Die estnische Kirchenzeitung (Eesti Kirik, Januar 2019) interviewte im Januar 2019 Dekanin Dace Balode von der Theologischen Fakultät im lettischen Riga. Sie wurde im Sommer des vergangenen Jahres als Pfarrerin der Auslands-Lettischen Kirche ordiniert. 
Dace Balode berichtet, dass die Fakultät 1990 wiedereröffnet wurde und eigentlich als Ausbildungsstätte der lutherischen Pfarrer vorgesehen war. Leider seien aber die Kontakte zur lutherischen Kirche Lettlands nicht sehr intensiv. Die Studenten würden deshalb aus den verschiedensten Kontexten kommen. Die meisten studieren nicht mit dem Ziel, Pfarrer oder Priester zu werden. Für sie spiele Religion eine Rolle und die Wirkung in der Gesellschaft. Es bleibe aber die Frage, welche Rolle die Fakultät in Zukunft spielen werde und wie sich die Beziehung zur lutherischen Kirche entwickeln kann. Derzeit bleibt eine wichtige Aufgabe als Fakultät der ganzen Gesellschaft zu dienen - und dann hoffentlich auch der Kirche.
In der Pfarrerschaft gäbe es immer wieder Anfragen, ob es für die gemeindliche Praxis eine tiefere akademische Theologie bräuchte. Das würde als kirchenfern empfunden und letztlich den Glauben nicht stärken.
Hier würde auch die Entscheidung gegen die Frauenordination der lutherischen Kirche eine Rolle spielen. In der Gesellschaft Lettlands sei das sehr kritisch wahrgenommen worden. Leider sei die Frage der Frauenordination zu einer fundamental-theologischen Frage aufgeworfen worden. Für viele gilt, dass wenn Frauen ordiniert werden dann in der Folge andere schlimme Sachen akzeptiert werden würden. Dazu würde dann die Akzeptanz der Homosexualität zählen und in der Folge der Pädophilie Vorschub leisten. Das sei die Argumentation der sehr konservativen Kreise in der Kirche, die die Meinung wohl bestimmen würden. D.h., dass man über die Frage der Frauenordination biblisch-theologisch nicht sachgemäß diskutieren könne.
Und Balode führt weiter aus, dass sich die Beziehungen der lettischen lutherischen Kirche zu anderen lutherischen Kirchen durch die Entscheidung gegen die Frauenordination abgekühlt habe. Deshalb suche die Kirche auch andere Partner, die ein ähnlich konservatives Profil aufweisen. Bei der konservativen Missouri-Synode gäbe es da Anknüpfungspunkte. 
Leider gäbe es Pastoren in Lettland, die von dem Anspruch sich getragen fühlen, dass in Lettland die letzte Bastion der Wahrheit zu finden wäre. Wenn all gegen eine sind, dann wäre man doch wohl im Recht, denn man stünde zu den wahren christlichen Werten. Die Folge sei - so Balode -, dass die Kirche einsamer werden würde.

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