Samstag, 19. Oktober 2019

Arbeiten für den lieben Gott - Eindrücke aus Paraguay

Paraguay - Siedlungsgebiet der dt.-brasil.
Siedler in der Grenzegion

"Arbeiten - das mag ich an meiner Kirche," sagt Claudette aus der evangelischen Gemeinde der Iglesia Evangélica del Rio de la Plata aus der 6000 Einwohnerstadt Naranjito in Paraguay. Und arbeiten heißt für sie die Kirche in Ordnung halten, den Garten um die Kirche pflegen, die Gehwege säubern und bei den Veranstaltungen helfen, anpacken, mitarbeiten. "Denn für den lieben Gott macht alles Spaß!" Und sie fährt fort: "Wir kriegen ja auch so viel zurück an Kraft vom lieben Gott." Vielleicht ist die Aussage charakteristisch für das Leben der deutsch-brasilianischen Einwanderer in Paraguay. zu ihnen gehört Claudette.

In der brasilianischen Grenzregion Paraguays leben inzwischen etwa 500.000 portugiesischsprachige Siedler, davon sind 150.000 deutschstämmige Brasilianer aus den südlichen Bundesstaaten Brasiliens Sie werden auch Brasiguayos genannt. 

Ab 1970 begann die massive Einwanderung aus Brasilien. Im Jahre 1967 widerrief die Regierung Paraguays ein Gesetz, das Ausländern den Erwerb von Land innerhalb einer 150 km-Zone jenseits der Staatsgrenze untersagte. Gleichzeitig führte eine zunehmende Mechanisierung der Sojaproduktion im brasilianischen Bundesstaat Paraná zu einer Konzentration von landwirtschaftlichen Holdings in dieser Region. Das führte zu einer Abwanderung der kleineren Bauern in das Nachbarland Paraguay. Gegen Ende der 1970er Jahre war das Land auf paraguayischer Seite um das Achtfache billiger als in Brasilien. Das lockte vor allen Dingen deutsch-brasiliansiche Siedler, die es im laufe der Jahre dann zu 
Sojafelder
relativem Wohlstand gebracht haben - durch harte Arbeit. 

All das spiegelt sich in den evangelischen Gemeinden der IERP in Paraguay wieder. So gibt es Filialgemeinden der IERP in Paraguay, die teilweise geschlossen wurden oder dabei sind. 

Dass das auch zu Spannungen führen kann ist nahe liegend, So wird die Situation der Brasiguayos zurzeit wegen der ungleichen Verteilung des Grundbesitzes zu Gunsten der Brasiguayos während der Stroessnerschen Periode in den paraguayischen Medien diskutiert. Es gibt Ressentiments. Manchmal fallen Worte wie "Invasoren" über die Brasiguayos, die die Soja mitgebracht haben mit der das Land vergiftet wird. Auf der anderen Seite sehen sich viele der brasilianischen Siedler als Paraguayer, die es geschafft haben, das Land urbar zu machen. Die spürbare Polarisierung setzt allerdings zu. Gut ist das nicht.

Auch für die IERP ist das eine Herausforderung. Sie selbst ist Kirche in Argentinien, Uruguay und Paraguay und muss versuchen, alle verschiedenen Traditionen und Kulturen zu verbinden und in der Vielfalt Reichtum zu sehen, der fruchtbar gemacht werden kann. Dazu sieht sich die Kirche gerufen - bei allen Spannungen. Dafür arbeitet sie.

In einigen Gebieten der sog. "Kolonisten" musste der Regenwald weichen. Inzwischen sind riesige Flächen entstanden auf denen hauptsächlich Soja für den Weltmarkt produziert wird. Vor allem in die USA, China und Europa.

Stolz sind viele der deutsch-brasilianischen Siedler. Und sie zeigen gerne, was sie geschafft haben. Das sind jedoch nicht alle. Es sind auch immer wieder welche von ihnen zurück nach Brasilien gewandert - sei es, dass sie dort eine Rente bekommen oder die Gesundheitsversorgung besser ist. Einige von den Kolonisten hatten auch zu wenig Eigenkapital am Beginn, so dass sie nicht mehr mithalten konnten bei der zunehmenden industriell funktionierenden Landwirtschaft. 

In den barsilianisch geprägten Gemeinden spürt man die Traditionen, die sie mitgebracht haben. Zu jeder Kirchengemeinde gehört z.B. neben einer gut gepflegten Kirche ein großer Festsaal, in dem oft bis an 1000 Personen Platz haben. Große Grillstellen sind installiert für Mengen an Fleisch, das gegrillt wird.Viel wird in den Gemeinden in Eigenleistung erbracht. Auch darauf sind sie stolz.

Keine Kommentare: