Donnerstag, 14. November 2019

Amazonien geht uns alle an

Das GAW ist derzeit Teil der Ökumensichen Kommission Lateinamerika (ÖLAK). Katholische und evangelische Hilfsorganisationen und Kirchen treffen sich hier zum Austausch und für gemeinsame Absprachen. 

Auf der jüngste Sitzung berichteten Vertreter der katholischen Hilfswerke Adveniat und Misereor von der im Oktober 2019 stattgefundenen Amazonas-Synode. Sie hatte den Titel: „Amazonien: Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“. In der katholischen Kirche wurde dieses Ereignis aufmerksam wahrgenommen - und teilweise von konservativer Seite stark kritisiert, weil es um Fragen der pastoralen Begleitung ging, die Einbindung verheirateter Männer ins Priesteramt und ein Diakonat der Frauen.

Für ökumenische Vertreter waren insbesondere die Herausforderung zur Bewahrung der Schöpfung von wichtiger Bedeutung. Dabei hieß es: "Wir müssen uns dringend mit der grenzenlosen Ausbeutung des gemeinsamen Hauses, des Amazonasgebiets und seiner Bewohner auseinandersetzen". Die Ursache für die Zerstörung des Regenwaldes und die Verschmutzung des Amazonas werden klar benannt: "eine räuberische Rohstoffausbeutung, die einer Logik der Habsucht" folge. Mit fatalen Folgen für die Menschen dort. Papst Franziskus forderte in seiner Abschlusspredigt auf der Synode die Kirche auf, sich den Hilfeschrei der indigenen Völker zu eigen zu machen. 

Die Amazonassynode nannte folgende Themenfelder, die den Amazonas bedrohen:
ÖLAK-Sitzung in Hamburg
"Aneignung und Privatisierung von Naturschätzen wie Wasser; (....) legale Holzkonzessionen und (....) das Recht auf das Territorium, auf Selbstbestimmung, auf Abgrenzung von Gebieten", Eintritt von illegalen Holzfirmen; (....) Raubjagd und Fischerei, (....) Megaprojekte: Wasserkraftwerke, Waldkonzessionen, Entwaldung zur Produktion von Monokulturen, Straßen und Eisenbahnen, Bergbau- und Ölprojekte; (....) Kontamination durch alle Rohstoffindustrien, die Probleme und Krankheiten verursachen, insbesondere für Kinder und Jugendliche“.

Es gab viel Zustimmung zu den angesprochenen Themen. Die neue brasilianische Regierung sah sich jedoch in der Kritik und versuchte Stimmung zu machen - insbesondere weil sie bestimmte Themen als Einmischung in die Souveränität Brasiliens sah. Das hat sich verschärft durch die Brände im Amazonasgebiet und der Forderung des französischen Präsidenten Macron über die Möglichkeit der Schaffung eines internationalen Status für den Amazonasraum nachzudenken. Das kam bei Bolsonaro nicht gut an. Seit Amtsantritt der neuen brasilianischen Regierung wird massiv an der Nutzung aller erdenklicher wirtschaftlicher Ressourcen gearbeitet und der Regenwald massiv beschädigt. Dabei ist der Amazonasregenwald existentiell wichtig für das gesamte Weltklima. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass schon in wenigen Jahren - manche sprechen vom Jahr 2022 - ein Kipp-Punkt erreicht ist, wo irreversible Schäden angerichtet sein werden und sich über kurz oder lang große Teile in eine Steppenregion verwandeln werden. Eine Katastrophe für die gesamte Welt!

Die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen und Themenstellungen der Amazonassynode hat erst begonnen. Zu wünschen ist, dass gerade in der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen für das Weltklima und den Schutz indigener Gemeinschaften es zu einer breiten ökumenische Beteiligung an den Herausforderungen kommt und sich auch evangelische Kirchen in der Amazonasregion einbringen. Die lutherische Kirche in Brasilien setzt sich mit dem Indianermissionsrat COMIN aktiv für den Schutz indigener Minderheiten auseinander. Selbst gibt es zahlreiche lutherische Gemeinden, deren Mitglieder in der Vergangenheit Regenwald gerodet haben, weil die brasilianische Regierung sie eingeladen hatte, Land urbar zu machen. Wie stark das Bewusstsein an der Zerstörung des Regenwaldes und der Bedrohung für all ist in den Gemeinden - das ist schwer zu sagen. Hier haben unsere Partner sicherlich eine Aufgabe und Herausforderung.

Montag, 11. November 2019

Diaspora und Mission in Brasilien

Pfr. Martin Volkmann, Brasilien
"Für uns als IECLB - und für die christlichen Kirchen im allgemeinen - bekommt Diaspora einen besonderen Sinn: Überall, selbst wenn sie keine Minderheitskirche, sondern "die starke, große Kirche" ist, lebt Kirche in der Diaspora, weil sie nicht von dieser Welt ist (Joh 17,14).

Kirche lebt von Mission. Anders ausgedrückt: Kirche ist missionarisch - oder aber sie ist nicht Kirche. Das bedeutet nicht unbedingt Aussendung von Missionaren in fremde Länder und unter nichtchristliche Völker, aber schließt dies auch nicht aus. Mission - so verstehen wir das in der IECLB (Lutherische Kirche in Brasilien), geschieht da, wo wir sind, und durch die Art, wie wir als Kirche leben. Das bedeutet einerseits, die eigenen Gemeindeglieder in ihrem Glauben zu stärken, Gemeinden aufzubauen und zu entwickeln. Aber es bedeutet andererseits auch, unbedingt offen zu sein für die, die nicht der Gemeinde angehören. Das heißt, ihnen gegenüber die eigene Kirche als Glaubensgemeinschaft anzubieten, wie es das Missionkonzept der IECLB darlegt." (Martin Volkmann)

aus: "Diaspora und Mission - Eine Verhältnisbestimmung, Leipzig 2011, S. 27f)

Das Buch ist zu bestellen im GAW: info@gustav-adolf-werk.de

Freitag, 8. November 2019

Dank des GAW konnte eine Kirche in Maracaju / Brasilien

Lutherische Kirche in Maracaju
Die lutherische Gemeinde in Maracaju hatte keine eigene Kirche. Die Hoffnung war aber immer da, irgendwann ein eigenes Kirchgebäude zu haben. Das ist jetzt gelungen! "Wir sind dem GAW sehr dankbar für die Unterstützung aus dem Projektkatalog 2017 in Höhe von 10.000 Euro," schreibt der Präsident der Gemeinde  Jovenal de Oliveira Dias.

43.000 Einwohner leben in der tropischen Stadt Maracaju, die an den Flüssen Rio Brilhante und Rio Santa Maria im Bundesstaat Mato Grosso gelegen ist. In den 1960er und -70er Jahren erlebte der Bundesstaat eine Zuwanderungswelle – auch von lutherischen Siedlern, die, aus dem Süden kommend, auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen waren. Zum Glück gab es in dieser Region schon Lutheraner, so dass die lutherischen Neusiedler leichter Anschluss fanden. 1974 gründete sich schließlich die lutherische Gemeinde. Die ersten Jahre waren schwierig. Die Gemeinde wuchs ständig, so dass bald Raumnot bestand. In dieser Anfangszeit konnte die Gemeinde für einige Jahre die katholische Kirche für ihre Gottesdienste mitnutzen. 1980 konnte ein eigenes Gemeindezentrum eingeweiht werden. 

Derzeit gehören 80 Familien der Gemeinde an, die sich regelmäßig zum Bibelstudium trifft. Neben dem Kindergottesdienstkreis gibt es einen Chor, Ehepaarkreis, Frauengruppe und Kinder- und Jugendgruppen. Auch diakonisch ist die Gemeinde tätig für Kinder aus der Nachbarschaft des Kirchenzentrums. Aufgrund der Geschichte der Gemeinde spielt die Ökumene eine wichtige Rolle. 

Die Obra Gustavo Adolfo dankt allen Spendern!

Freitag, 1. November 2019

Kleine Diasporakirchen können viel tun - so die IEE in Spanien

Alfredo Abad
"Unsere Aufgabe ist es zu ermöglichen, dass ALLE das Leben feiern können. Das wollen wir in der Iglesia Evangélica Española (IEE). Unsere Mission soll es sein, dass wir mit Enthusiasmus, Zusammenhalt und in Gemeinschaft Hoffnung verkünden - so wie es das Leitwort der 78. Synode aussagt: Proclamar Esperanza. Unsere Sorge darf nicht das Schauen auf das eigene Überleben sein, sondern dass wir Zeugnis geben von der Fülle des Evangeliums, das Jesu Christus ist," führt Pastor Alfredo Abad in seinem Rechenschaftsbericht auf der Synode 2019 in Alicante aus. "Wir sind eine kleine Kirche mit kleinen Gemeinden. Einige sind in ihrer Existenz bedroht. Es sind Gemeinden verschwunden, wie in Bilbao. Das "Presbiterium del Norte" hat aufgehört zu existieren. Manchmal schauen wir mit Sehnsucht auf unsere 150-jährige Geschichte. Der Blick ist deshalb manchmal von Hoffnungslosigkeit getrübt durch das, was fehlt und geschrumpft ist. Aber wir sind gerufen, unseren Blick zu ändern, wie wir unsere Wirklichkeit anschauen: selbstkritisch - aber getragen von der lebendigen Hoffnung, was wir durch die
Synode der IEE
Kirche an Lebendigkeit bekommen und wozu Gott uns ruft, nämlich an der Seite derer zu sein, die uns brauchen. Zudem braucht uns unsere Gesellschaft, in der Ungerechtigkeit und Ungleichheit wächst, in der viele Familien mit ökonomischen Problemen kämpfen, in der Menschen Zuflucht suchen, in der viele Menschen das Interesse an religiösen Fragen verlieren, in der der Populismus blüht, in der es in Katalonien heftige Auseinandersetzungen gibt. In dieser Situation sind wir gerufen wie es beim Propheten Jesaja heißt: Es ruft eine Stimme in der Wüste: bereitet dem HERRN den Weg!"

Damit beschreibt Alfredo Abad den Kontext, in der sich die IEE bewegt und die Mission der Kirche. Es ist schwierig für die IEE zahlenmäßig zu wachsen. Im Gegenteil: die Kirche ist leicht geschrumpft und zählt noch ca. 2300 Mitglieder. Bis vor Kurzem waren es 200 mehr. Die finanzielle Situation der Kirche ist eine permanente Herausforderung. Fast 40% des Haushaltes der IEE gehen nach wie vor in die Zahlung der Pensionen an die pensionierten Pastoren oder der Pastorenwitwen. Das ist ein Thema, das die Kirche schon lange begleitet und bis zum Straßburger Menschenrechtsgerichtshof gebracht hat. Eine komplette Lösung dieses Problems steht nach wie vor mit dem spanischen Staat aus, der sich weigert, diese Ungerechtigkeit aus der Zeit der Diktatur zu beenden. 

Israel Flores
Im Gespräch erläutert Pastor Israel Flores, Generalsekretär der IEE, weitere Themen, die die Comisión Permanente der Kirche bewegt: "Ziel der IEE muss es sein, eine Jugendpastoral aufzubauen. Wir müssen hier investieren und nicht auf die fehlenden Geldmittel schauen. Es geht um die Zukunft der IEE. Hier braucht es auch eine Pädagogik innerhalb der Kirche, die Menschen lockt und bindet. In gesellschaftlichen Fragen sind wir oft sehr gut und vertreten oft genug eine liberale Position. Das führt dennoch auch in unserer Kirche manchmal zu angespannten Situationen." Israel erläutert, dass es im Jahr 2015 nach der "Erklärung von Mamre" zu Genderfragen zu heftigen Diskussionen mit konservativen Gruppen kam. In Madrid traten aus einer Gemeinde z.B. 30-40 Mitglieder deshalb aus. "Das war schmerzhaft. Auf der anderen Seite aber auch befreiend für die Gemeinde, denn es kamen neue Leute plötzlich dazu," sagt Israel mit einem Lächeln. Eine weitere Aufgabe sieht er in der Integration der Migranten aus verschiedensten Ländern in den Gemeinden. Oft haben sie keine Arbeit und können kaum Beiträge errichten. Dennoch ist es wichtig, offen zu sein. "Das wollen wir als Kirche," betont er. Dazu gehört aber auch Klarheit. Das war auf der letzten Synode z.B. eine Herausforderung als es darum ging, sich klar gegen die Wiedertaufe abzugrenzen, die vereinzelt vorkam. "Das geht überhaupt nicht. Wir sind durch eine Taufe verbunden, die ein Geschenk ist," macht Israel klar. Und er schließt: "Wir haben als kleine protestantische Kirche die Aufgabe, Hoffnung zu verkünden und mit Leben zu füllen. Dafür stehen dann auch all die diakonischen Projekte wie die Flüchtlingshilfe in El Escorial oder Casa Mamre. Dafür stehen die Lebensmittelhilfen in Rubi oder Alicante."