Dienstag, 4. Februar 2020

Diasporaexistenz ist ein permanenter Lernprozeß

Kerz am Alt in Rumänien
Der ehemalige siebenbürgisch-sächsische Bischof Christoph Klein (* 20. November 1937 in Hermannstadt; war bis Oktober 2010 Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien) beschrieb in einem Vortrag die Vision einer Kirche in der Diaspora folgendermaßen:

"Der Weg zur Kirche in der Diaspora ist mit einem schmerzhaften Lernprozess verbunden. Lernen meint hier nicht Wissenserweiterung, sondern existentiell verstanden als ein geistlicher Lebensvorgang, der sich in seinem Inhalt und dem Vollzug her bestimmt weiß durch die Nachfolge Christi, des Gekreuzigten und Auferstandenen. Der Typ des Lernenden ist der Jünger Jesu, als eigentlicher Gegentypus des pharisäisch befangenen Menschen, der die Wahrheit zu besitzen glaubt. (Dietrich von Oppen)." 

Und dann schildert er beispielhaft eine besondere Gemeinde in Siebenbürgen in Kerz am
Alt. Hier befindet sich eine alte Zisterzienser-Abtei. Die Wurzeln reichen zurück bis ins 12. Jahrhundert. Es muss ein großartiges Kloster gewesen sein. Aber: Irgendwann brach dieses Werk zusammen - symbolisch auch irgendwann das Kirchendach. Aus der Klosterkirche wurde eine Gemeindekirche. Die Gemeinde hatte gelernt mit der zerbrochenen Struktur umzugehen. Eine Restauration der großen Klosterkirche war in Rumänien nicht möglich. So konzentrierte sich die Gemeinde auf das Wesentliche: Ihren Kirchraum. Um den alten Altar herum entstand die kleiner Kirche. Im ehemaligen Mittelschiff mit dem nicht mehr vorhandenen Dach wurden Kriegsgefallene beerdigt. Nach 1989 ist die Gemeinde dann weiter geschrumpft. Eine ehemalige selbstbewusste evangelische Kirche der Siebenbürger Sachsen wurde eine kleine Diasporakirche von heute noch höchste 12.000 Gemeindemitgliedern. 

Klein sagte: "Die noch Wenigen werden beim Betreten ihres heutigen kleinen Gotteshauses an die vielen Gestorbenen und auch sonst Weggegangenen aus ihrer Mitte und aus der großen Kirche erinnert, die sie umgeben und mit denen sie zusammen die "Gemeinschaft der Heiligen" bilden. Das leere ehemalige Hauptschiff, das man heute zuerst betritt... ist offen gegen den Himmel, ohne Dach... Dies erinnert uns daran: wenn die Türen hier unten verschlossen sind, so nimmt uns Gott "oben" in seine Kirche hinein. - Das ist ein Bild für die Zukunft: die Kirche als "Gemeinschaft der Heiligen", verbunden mit den Toten und Weggegangenen, offen für das Eingreifen Gottes von "oben", gewiss seiner beschützenden und behütenden Hand, auch offen für die, die in diesen großen Raum eintreten wollen. Hier unter dem offenen Himmel Gottes gibt es keine Gäste und Fremdlinge mehr, sondern sie sind alle "Mitbürger der heiligen und Gottes Hausgenossen". Und insofern sind sie nicht "Zerstreute und Getrennte" in Ost und West, in Rumänien und Deutschland, nicht solche, die ihre Identität und Heimat verloren haben, hier und dort, sondern solche, denen sie Gott neu geschenkt hat... " (Chr. Klein, Ausschau nach Zukunft, S. 208f)

Ein sehr schönes Bild und ermutigend, dann zu bekennen: Gut dass wir Diaspora sind 8 nicht werden müssen - und das ist: Salz der Erde, Licht der Welt!

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