Montag, 11. Mai 2020

14 Tage Quarantäne und häusliche Isolation: Pflegeheime in Rumänien in der Coronakrise


Seniorenpflegeheime arbeiten in Rumänien derzeit unter besonders schwierigen Bedingungen. Die Pflegekräfte wechseln sich in zwei Schichten von jeweils 14 Tagen ab - alles, um die Bewohner zu schützen: Für zwei Wochen ziehen sie ins Heim ein, arbeiten und leben dort zusammen mit den Bewohnern. Dann kehren sie nach Hause zurück und verbleiben dort 14 Tage lang in häuslicher Quarantäne, während die nächste Schicht ins Heim einzieht.

Die Leiterinnen zweier kirchlicher Pflegeheime beschreiben, was dieses Verfahren für die Angestellten bedeutet. Anna Kozma leitet das reformierte Seniorenpflegeheim in Cluj (Klausenburg). Erst Ende 2019 wurde das Heim mit 68 Plätzen eröffnet und in der Corona-Krise gleich vor die erste Herausforderung gestellt. Anna Kozma schreibt: "Wir mussten Besuche verbieten, was viele Schwierigkeiten mit sich brachte. Es war nicht einfach, den Bewohnern zu erklären, wieso sie keine Besucher empfangen können. Gleichzeitig war es auch schwer für die Mitarbeiterinnen, ihre Familien, Kinder und Eltern für zwei Wochen zu Hause zu lassen.

Wir wurden zu einer kleinen Gemeinschaft, die Truppe wuchs sehr eng zusammen. Wir feierten Ostern und Geburtstage zusammen, nahmen zusammen das Abendmahl, wir waren zusammen, als jemand von uns ging und auch als sich die Mitarbeiter um die Zuhausegebliebenen sorgten. Die Älteren wurden verständnisvoller und die Mitarbeiter einfühlsamer der Situation und den damit verbundenen Stimmungslagen der Einwohner gegenüber. Es gab gemeinsame Tänze und Gesänge; das ganze brachte uns näher zueinander. Am vorletzten Tag bereiteten die Bewohner ein Geschenk für die Mitarbeiter vor, die vor der Heimkehr standen. Dabei entstand auch ein Brief, den wir später für alle Mitarbeiter vervielfältigten.

Für das Management und die Sozialarbeiter ist dies nun die vierte Woche eingeschlossen im Heim. Die Unterbringung, Verpflegung und Organisation der notwendigen Einkäufe war und ist eine ziemliche Herausforderung. Eine weitere wirtschaftliche Herausforderung besteht darin, freie Stellen zu erhalten, bis wir neue Bewohner aufnehmen dürfen. Der Staat verspricht zwar finanzielle Unterstützung und Tests für das Personal, aber von der Umsetzung haben wir leider noch nichts gesehen. Neben körperlicher Erschöpfung kommt noch die tägliche Belastung durch Angst und schwierige Entscheidungen. Bisher ist mit Gottes Hilfe alles gut gegangen. Zusammen mit meiner Kollegin versuchen wir die Normalität so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. Unter Berücksichtigung der Sicherheitsbestimmungen halten wir Gruppensitzungen ab, gehen an die frische Luft im Hof und organisieren Videogespräche mit Verwandten, damit sie die Abschottung so wenig wie möglich zu spüren bekommen.

Ich würde gerne glauben, dass diese Zeit nicht nur unsere Bewohner sicher und gesund hält, sondern auch andere positive Wirkungen hat. Es hat uns zu einer anderen Gemeinschaft gemacht und tut es immer noch und dass wir uns helfen die alltäglichen Schwierigkeiten besser überwinden zu können."

Auch das Pflegeheim der Evangelischen Kirche A.B. in Sibiu (Hermannstadt) ist von diesem Verfahren betroffen. Zum Glück sind bisher sowohl das Pflegeheim als auch die beiden Hospize virusfrei. Das Personal wird alle 14 Tage getestet. Der 14-tägige Schichtdienst belastet vor allem die Mitarbeiterinnen mit Kindern, denn die Schulen und Kindergärten sind ja auch geschlossen. Die Leiterin Ortrun Rhein berichtet, wie knapp und teuer die Schutzmaterialien geworden sind:

"Die Preise für Mundschutz, Einweghandschuhe und Desinfektionsmittel sind in der Krise in die Höhe geschnellt. Aber wenn wir wollen, dass die Mitarbeiter geschützt sind - besonders auch im Hospiz, wo wir täglich Patienten aufnehmen - müssen wir genügend Schutz anbieten und das geht tief in unser Budget. Aber so wie fast alles immer auch eine positive Seite hat, machen wir mehr Teambuilding als je zuvor! Wäre da nur nicht dieses Virus..."

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