Dienstag, 12. Mai 2020

Seit Anfang April beten wir in St. Petersburg den Psalter zusammen - jeden Tag ein Psalm!

Aus der lutherischen Petrikirche St. Petersburg
In Russland ist die Zahl der am Coronavirus Infizierten rasant angestiegen. Heute wurden über 220.000 Infizierte gezählt. Die genaue Zahl der Verstorbenen ist unklar. Über den Umgang mit den Zahlen gibt es widersprüchliche Nachrichten. Das öffentliche Leben wurde aber auch in Russland stark eingeschränkt.

Propst Michael Schwarzkopf von der Ev. Lutherischen Kirche im Europäischen Rußland (ELKER) berichtet aus St. Petersburg: 

"In St. Petersburg hat die offizielle Reaktion auf die Coronakrise am 17. März 2020 mit einer Beratung im Smolny (der Stadtregierung) begonnen, zu der auch die Kirchenvertreter eingeladen waren. Es wurde eine Obergrenze für Besucherzahlen öffentlicher Veranstaltungen, darunter Gottesdienste, auf 50 Personen festgelegt. Damit haben wir am 22. März einen letzten Gottesdienst gemeinsam in der Petrikirche gefeiert - von den älteren Gemeindegliedern kam dazu nur noch wenige.

Seit dem 28. März sind nun alle öffentlichen Institutionen geschlossen, auch die Kirchen. Kirchen und kirchliche Gebäude, dazu alle Außenanlagen, dürfen nur noch von Pfarrern und Personal betreten werden. Also finden unsere Gottesdienste seit dem 29. März online statt. Die Online-Übertragung geschieht über die Website der Gemeinde (www.petrikirche.ru); die Gottesdienste stehen dort auch als Aufzeichnungen zur Verfügung.

Kreuz aus der Petrikirche in den Katakomben
Alle Begegnungen in der Gemeinde, insbesondere wöchentlich Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst, Bibelstunde, Taizégebet, Familiengottesdienst, finden virtuell statt. Beim Familientreffen und beim Gebet bin ich als Pastor am Altar, neben dem Altar steht mein Computer, und wir singen und beten gemeinsam, führen die zu Gebet und Segen, gerade im Familiengottesdienst üblichen Bewegungen gemeinsam aus - und dann wird mit den Kindern gebastelt, Ehrenamtliche bereiten auch das vor, führen es im zoom vor.

Für alle, die sich der Petrikirche verbunden fühlen, haben wir ein Gebet am Altar eingeführt - jeden Tag 16 Uhr lesen wir einen Psalm; Anfang April haben wir mit Psalm 1 angefangen in der Hoffnung, dass wir die Psalmen nach dem 91. (er spielt in Russland eine besondere Rolle als Schutzpsalm gegen Krankheit) schon wieder gemeinsam in der Petrikirche beten können.

Schwerer ist die diakonische Tätigkeit der Gemeinde zu organisieren - hier ist ja auch materielle Hilfe, insbesondere der Einkauf und das Bringen von Lebensmitteln nötig. Alleinstehende Mütter, ältere Menschen haben es schwer - die meisten Möglichkeiten für einen Nebenverdienst, um die geringe Rente oder Sozialhilfe aufzubessern, entfallen durch die Schließungen aller öffentlichen Einrichtungen, Restaurants, Parks u.ä. Hier engagiert sich eine Gruppe von jüngeren Leuten zusammen mit KV-Mitgliedern - sie rufen regelmäßig alle älteren Gemeindeglieder, aber auch Familien, die es schwer haben, an und fragen, was gebraucht wird. Dann besuchen sie die, die Besuch wünschen, oder bringen einfach Lebensmittel, die sie vor die Tür stellen. Hier arbeite ich auch mit, bei Besuchen oder bei seelsorgerlichen Anrufen, je nachdem, was nötig ist.

Ganz besonders schwer ist die Lage der Obdachlosen. Wir teilen ihnen zweimal in der Woche Essen aus. Aber dies kann nun nicht mehr in oder bei den Räumen der Petrikirche geschehen. Also bereitet das Team, das dieses Projekt ins Leben rief und seit zwei Jahren ehrenamtlich führt, Lebensmittelpäckchen vor, die sich die Obdachlosen am vereinbarten Ort abholen.

Wie die ganze Kirche haben auch wir unsere vielfältigen Aktivitäten in schwerer Zeit unter die Worte aus dem 8. Kapitel des Römerbriefs gestellt: Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen."

1 Kommentar:

Unknown hat gesagt…

Ik ben dankbaar hier te kunnen lezen hoe de kerk in St. Petersburg actief een daad stelt om samen dagelijks in gebed bijeen te komen, als bemoediging in deze dagen.