Dienstag, 19. Mai 2020

In Litauen hat man schon viele andere Krisen erlebt

Wann ist "normales" Gemeindeleben
in Birzai in Litauen wieder möglich?  
"Litauen gehört bisher zu den von der Ausbreitung des Corona-Virus weniger stark betroffenen Ländern Europas. Andererseits hat kein anderes Land in Ostmitteleuropa so früh und mit so scharfen Maßnahmen auf die Pandemie reagiert. Noch vor dem Lockdown in Deutschland wurden in Litauen Bildungseinrichtungen geschlossen und Versammlungen verboten. Bald danach folgte ein allgemeines Ausgehverbot, das erst jetzt nach und nach vorsichtig gelockert wird. 

Besondere Sorgen machen vielen Menschen im Land Arbeitsmigranten, die wegen der Pandemie auf einen Schlag aus Westeuropa zurückkehren mussten - darunter auch einige mit dem Virus Infizierte. Dazu kommt als große Sorge die gemeinsame Grenze mit Weißrussland - dem einzigen Land Europas, dessen Regierung bisher fast keine Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus ergriffen hat. 

Natürlich beeinträchtigen die Maßnahmen gegen das Virus auch das Leben in den beiden evangelischen Partnerkirchen des GAW: Auch in den Kirchen Litauens fallen Gottesdienste aus, aber werden gestreamt meist über Facebook.
Generalsuperintendenten Raimondas Stankevicius li)
und Pfr. Frank Erichsmeier

Die diakonischen Einrichtungen wie das Rehabilitationszentrum „Gabrielius“ in Vyžiai und das Diakoniezentrum in Garliava arbeiten weiter - alle Tageseinrichtungen für Kinder mussten bis auf Weiteres geschlossen werden, so dass seitens der reformierten Kirche schon erwogen wurde, den kirchlichen Kindergarten in Vilnius, der im wesentlichen von Elternbeiträgen lebt, zu schließen. Allerdings haben sich auch viele Eltern bereiterklärt, zumindest einen Teil der jetzt ausfallenden Beitragszahlungen weiterhin als Spende zur Verfügung zu stellen, so dass eine Schließung vielleicht doch verhindert werden kann.

Eine wichtige Basisversorgung gerade der Älteren leisten jetzt die Diakoniestationen (in Šilute, Klaipėda etc.): Lebensmittel und Bekleidung werden verteilt, wo Not herrscht - und es ist absehbar, dass diese durch die wirtschaftlichen Folgen der Maßnahmen im Land wieder wachsen wird.
Auch für die Pfarrer ist die Lage schwieriger geworden. Da keine Gottesdienste mehr stattfinden, fehlt die sonntägliche Kollekte als Einnahmequelle - in Litauen noch immer ein wichtige Teil der Pfarrversorgung. Beide Kirchen zahlen nun ihren Pfarrern einen allerdings sehr niedrigen Basislohn. 

Trotz allem sind die GAW-Partner zuversichtlich. "Die ältere Generation hat in ihrem Leben schon ganz andere Krisen erlebt…," sagen sie. In dieser Krise erleben die evangelischen Christen Litauens nun zum ersten Mal einen Staat, dessen Maßnahmen sie mehrheitlich vertrauen - und sie wissen sich verbunden auch mit den Glaubensgeschwistern in ihren Partnerkirchen."

(Pfr. Frank Erichsmeier, Lippe -Detmold)

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