Freitag, 1. Mai 2020

Per WhatsApp teilt man sich auf Kuba mit, wo es Lebensmittel gibt

Santa Clara / Kuba - Monumento Memorial Che Guevara
Für unsere Glaubensgeschwister auf Kuba ist die Coronapandemie mehr als nur eine gesundheitliche Krise. Nach offiziellen Angaben gibt es über 1500 Infizierte und täglich 50 neue Fälle. 61 Menschen sind an der Krankheit gestorben (1. Mai 2020). La Habana und die Provinz Villa Clara sind die Zentren der Krankheit auf Kuba. 

Dass das ländliche Villa Clara betroffen ist, kann damit zu tun haben, dass Mitte März zumindest in Camajuaní das jährliche Stadtfest "Parranda" stattfinden sollte, wo immer ausländische Touristen hinkommen. Auch kommen Kubaner*innen aus Spanien, die den Virus mitgebracht haben könnten. Die Parranda, ein tolles, lautes, fröhliches, friedliches und kreatives Fest, musste dann kurzfristig abgesagt werden. Inzwischen ist ein Teil von Camajuaní, wo es mehrere Kranke gibt, ganz abgeriegelt und die Bewohner dürfen den Stadtteil nicht verlassen. Auch alle Märkte sind verboten. 

Damit wird die Ernährungssituation, die nun ganz von der staatlichen Versorgung abhängt, noch schwieriger. Zunächst konnten die Menschen noch etwas von den Vorräten leben, die sie angelegt hatten, aber die werden auch weniger. 

Unter den gegebenen Bedingungen musste die presbyterianische Gemeinde aus hygienischen Gründen das Mittagessen für Senioren absagen. Um die Betroffenen zu unterstützen, geben sie nun den Senior*innen eine finanzielle Unterstützung in "moneda nacional", der nicht-konvertiblen Landeswährung, damit sie nach Möglichkeit selbst noch etwas kaufen können. Besonders versucht die Gemeinde die im Blick zu haben, die alleine leben. 

In Kuba sind die Familien ein wichtiges wirtschaftliches Unterstützungssystem, so dass es die Alleinlebenden jetzt besonders schwer haben. Zu den Diensten, die die Gemeinde weiterhin leistet, gehört auch die Abgabe von gereinigtem Wasser. 

Zur Coronakrise kommt jetzt auch noch eine große Trockenheit dazu, so dass die Versorgung mit Wasser und zumal mit sauberem schwierig ist. 

Die staatliche Unterdrückung hat sich verschärft: Wer bei Zuwiderhandlungen wie beim Schwarzmarkthandel erwischt wird, der teilweise lebensnotwendig sind, muss mit Strafen bis hin zur Haft rechnen. Im Übrigen sind auch Reisen von einer Provinz in die andere aktuell untersagt. 

Für die Gemeindeglieder ist schwierig, sich zu sehen. Sie halten mit einer What's-App-Gruppe Kontakt und informieren sich auch, wo es Lebensmittel gibt usw. 

Superintendent Frank Schürer-Behrmann (Kirchenkreis Oderland-Spree der EKBO)

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