Mittwoch, 27. Mai 2020

Pflegende haben Angst, das Virus in das Altenheim einzuschleppen


Altenheim in Schweischer
In diesem Jahr sammelt die GAW-Frauenarbeit innerhalb ihres Jahresprojekts auch für das Altenheim in Schweischer / Rumänien. Heike Orian, die Projektbearbeiterin des Landeskonsistoriums in Sibiu/Hermannstadt, schreibt uns über die derzeitige Situation im Heim: 

"Während des "Ausnahmezustands" leistete jeweils ein Team in zweiwöchigem Turnus seinen Dienst in "Arbeitsplatz-Isolation". D.h. in der jeweiligen Dienstphase lebte das Pflegeteam unter strengen Hygieneregeln ausschließlich in den Dienstgebäuden und wohnte in den Gästezimmern des Altenheims, um jegliche Kontakte zur Außenwelt auszuschließen. Diese Mitarbeitenden blieben danach zwei Wochen in Heimisolation (also zu Hause isoliert). 

Mit den neuen Bestimmungen im "Alarmzustand" seit dem 15. Mai fällt nun die Isolation am Dienstort - zur Erleichterung der Betroffenen - weg. Alle anderen Schutzmaßnahmen sind natürlich weiterhin in höchstem Maße zu beachten z.B. das Tragen von Schutzkleidung, die Desinfektion der angelieferten Waren und die Vorsicht beim Austeilen des Essens.

Ein Schwatz im Freien ist 
derzeit leider nicht möglich
Schön für die Bewohner*innen ist, dass sie nun wieder Besucher empfangen dürfen. Kein Besuch, kaum Ablenkung, wenig Körperkontakt, darunter leiden die Menschen im Altenheim (wie auch viele andere) zurzeit sehr. Nun hat sich das Besuchsverbot etwas gelockert, ist aber immer noch sehr eingeschränkt – nur zu bestimmten Zeiten, keine Umarmungen, kein Händehalten und schon gar keine Küsschen, aber immerhin, man sieht sich mal wieder und kann mit miteinander reden. 

Das Pflegepersonal ist damit vor neue Herausforderungen gestellt. Besuche dürfen nur nach vorheriger Anmeldung, unter ganz strengen Sicherheitsbedingungen und in einem extra dafür vorgesehenen desinfizierten Raum stattfinden. 

Es gibt momentan so viele Umstände, die den Mitarbeitenden den Tagesablauf erschweren. Zu dem großen organisatorischen Aufwand kommt noch psychischer Stress durch die ständigen Überwachungen des allgemeinen Gesundheitszustandes (Temperatur- und Blutdruckmessungen, regelmäßige Blutanalysen). Und die Angst bleibt, das Virus doch noch ins Heim zu schleppen... Das bedeutet, weiterhin besondere Vorsichtsmaßnahmen auch im Privatleben einzuhalten. Momentan bedarf es also unbedingt auch emotionaler Unterstützung der Pflegenden, denn es ist - heute mehr denn je - eine sehr starke Belastung für alle, die im medizinisch-diakonischen Bereich tätig sind. Die Betreuer*innen im Altenheim Schweischer nehmen diese auf sich, um die alten Menschen so gesund wie möglich zu erhalten.

Kurz gesagt: die neue "Lockerungslogistik" bedeutet für das Heimpersonal viel Mehrarbeit in sehr kurzer Zeit. Das Sicherheitskonzept zu erstellen und alles zu koordinieren, ist sehr anspruchsvoll. Was sicher einen zusätzlichen Stressfaktor darstellt, ist die Ungewissheit über die Dauer der neuen Regelung."

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