Donnerstag, 7. Mai 2020

"Wir freuen uns darauf, wenn wir ab dem 15. Mai wieder raus gehen dürfen..."


Neubauviertel in Cluj/Rumänien
In Rumänien gibt es bisher 13.837 bestätigte Infektionsfälle und 827 Covid19-Todesfälle. Die Wohnung darf derzeit nur zum Einkaufen im nächstgelegenen Markt und für Arztbesuche mit einer eidesstattlichen Erklärung verlassen werden. Senioren haben tagsüber Ausgangssperre. Kinder dürfen nur in besonderen Fällen in Begleitung eines Erwachsenen raus. Parks und Spielplätze sind geschlossen. Wer einen Garten besitzt, ist privilegiert; wer aber in einer kleinen Blockwohnung wohnt, hat schon einen Lagerkoller. Die Schulen bleiben bis September geschlossen. Inzwischen wurden LehrerInnen und SchülerInnen zum Online-Unterricht verpflichtet. Die Regierung hat die Bürger aufgerufen, unbenutzte PCs, Laptops und Tablets an bedürftige Kinder zu spenden und staatliche Fördermittel für die technische Ausstattung versprochen.

Margit Kézdi
Margit Kézdi, Referentin der Frauenarbeit der Evangelischen Kirche in Rumänien, berichtet von den geplanten ersten Schritten auf dem Weg zurück zur Normalität: „Gestern gab der Präsident bekannt, dass der Notstand am 14. Mai enden wird.Wir dürfen dann die Wohnung wieder ohne eidesstattliche Erklärung verlassen. Das Verlassen der Ortschaft ist bei wichtigen Gründen wieder erlaubt, so auch wandern und Fahrrad fahren. Es werden Friseursalons und Zahnarztpraxen, Museen und Läden unter strengen Auflagen wieder öffnen dürfen, nicht jedoch große Einkaufszentren. Dennoch dürfen nicht mehr als drei Personen gemeinsam unterwegs sein. Es wird weiterhin von unnötigen Fahrten und Reisen abgeraten, empfohlen sind weiterhin Distanz halten, Hände waschen, Schuhsohlen, Schlüssel, Türklinken etc. zu desinfizieren. Die gute Nachricht ist, dass SeniorInnen wieder zu jeder Uhrzeit ihre Wohnung verlassen dürfen. Das Tragen von Atemschutzmasken ist nicht verpflichtend, nur empfohlen.

Kirchenburg in Heltau
Ob regelmäßige Arztbesuche und notwendige Krankenhausaufenthalte nach dem 15. Mai wieder erlaubt werden, ist noch unklar. Viele Menschen, die an chronischen Erkrankungen leiden oder Notfälle hatten, durften nicht ins Krankenhaus und haben viel gelitten. Positiv ist, dass die Covid19-Kranken offensichtlich gut versorgt werden. Einige Nachbarn und Freunde wurden nach einem größeren Ausbruch in einer Firma für medizinische Produkte in Heltau ins Krankenhaus eingeliefert. Ihnen geht es soweit gut. Das Personal behandelt sie achtsam und freundlich und sie erhalten gesundes Essen, u.a. viel Obst. Das Hermannstädter Kreiskrankenhaus hat Spenden von Einzelpersonen und Firmen zur Anschaffung wichtiger Testapparate erhalten.

Unser Bischofshaus ist seit Mitte März geschlossen. Wir dürfen Gott sei Dank Home-Office machen. Die Mitarbeiterbesprechungen per Video-Konferenz machen richtig Spaß. Landesweit wird jedoch von wachsenden Problemen wegen Alkohol und Gewalt in den Familien berichtet. Die wenigen Anlaufstellen für Frauen, die vor Gewalt flüchten, kämpfen mit Personal- und Geldmangel. Frauen haben es allgemein schwerer als sonst: Da empfohlen wird, seltener einzukaufen und die Einkäufe abzuwischen, bedarf es mehr Zeit und Kraft, Essen vorzubereiten. Aus den vielen Telefonaten, Mails und Nachrichten unserer Frauen erfahre ich aber immer wieder, dass alle wohlauf und zuversichtlich sind. Jede sucht das Positive heraus, sieht die Notwendigkeit der Einschränkungen ein und geht mit Gottvertrauen in jeden Tag. Wir schöpfen Kraft aus Telefonaten und Online-Andachten und freuen uns auf die zukünftigen Begegnungen. Alle blicken hoffnungsvoll dem 15. Mai entgegen. Hoffentlich handeln auch alle vernünftig und verantwortungsvoll und wir erleben keinen Rückschlag."

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