Freitag, 15. Mai 2020

Wir Pfarrerinnen werden jetzt noch mehr gebraucht als sonst!

Pfrn. Simona Prosič Filip bei einem Online-Gottesdienst
Simona Prosič Filip ist Pfarrerin in Gornij Slaveči im Übermurgebiet in Slowenien und Verantwortliche für die Frauenarbeit in der Evangelischen Kirche in Slowenien. Sie erzählt: „Alle Aktivitäten der Frauenarbeit mussten wir absagen, z.B. das Frauenpicknick zum Muttertag mit der Segnung der schwangeren Frauen. Stattdessen haben die Frauen aus meiner Gemeinde geschaut, wo sie in diesen Zeiten gebraucht werden. Weil die üblichen OP-Masken nicht mehr bestellbar waren, haben sie zu Hause Masken genäht für die ganze Gemeinde und auch für das Krankenhaus in Murska Sobota. Außerdem haben wir Desinfektionsmittel gekauft und an die älteren Gemeindeglieder verteilt.


Dank-Geschenke
Jeden Sonntag wird ein Gottesdienst auf unserem Youtube-Kanal gestreamt. Zum Muttertag haben wir fünf Pfarrerinnen aus unserer Kirche gemeinsam den Gottesdienst gestaltet – jede jeweils aus ihrer Kirche und das wurde dann zusammengeschnitten: https://www.youtube.com/watch?v=0Y9dgqQ-ph0
Im Vorfeld des Muttertags haben die Frauen aus meiner Gemeinde 500 kleine Schokoladentäfeln hübsch verpackt. Diese Geschenke haben wir an die Mitarbeiter des Krankenhauses, der Polizei und des Militärs in Murska Sobota verteilt. In einem Begleitbrief dankten wir ihnen dafür, dass sie alle – Frauen und Männer! – sich um die ihnen anvertrauten Menschen kümmern wie Mütter um ihre Kinder: Fürsorglich, beschützend und, wenn nötig, Tag und Nacht wachend. 

Übergabe der Geschenke im Krankenhaus
Ich denke, dass in dieser Situation wir Pfarrerinnen noch wichtiger sind als sonst. Ich habe mit meinen Gemeindegliedern viel telefoniert, mit manchen eine Stunde lang. Viele Menschen sind jetzt sehr einsam. Ich habe gemerkt, dass mit jeder Woche, die sie allein zu Hause verbrachten, sich ihre Stimmen änderten. Am Anfang klangen sie noch zuversichtlich und kraftvoll, dann immer leiser und trauriger. 

Den Religionsunterricht habe ich auch per Internet gehalten. Für die Familien, die mehrere Kinder im Home-Schooling betreuen, aber nur einen Computer und schlechtes Internet haben, ist es nicht einfach. Manches ist aber auf dem Dorf auch leichter. Wir können rausgehen, Sonne tanken und uns bewegen. Darüber bin ich froh.

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