Freitag, 22. Mai 2020

Zwangsurlaub in Russland bewirkt soziale Krise


Lange schien Russland vom Coronavirus relativ verschont zu bleiben. Das hat sich radikal verändert. Die Zahl der Infizierten ist rasant gestiegen. Auffällig: Die Zahl der Toten bleibt auffällig niedrig. Das Gesundheitssystem ist unter Druck.

Die Pröpstin Elena Bondarenko aus der Evangelischen Kirche im Europäischen Russland (ELKER) und Frauenbeauftragte ihrer Kirche schreibt uns aus Moskau: 

„Der staatlich verordnete Zwangsurlaub in Russland dauert noch an und hat viele negative Folgen für die Menschen. Die Zahlen der Covid-Kranken sind immer noch sehr hoch. In Moskau wurde daher die Selbstisolierung bis zum 31. Mai verlängert. Die Hauptschwierigkeit ist die Arbeit. Ich möchte ihnen ein Beispiel geben von einer Frau, die bei uns mitarbeitet. Sie ist normalerweise in einem Café mit deutscher und österreichischen Küche angestellt. Sie hilft uns, obwohl sie kein Gemeindeglied ist. Sie und ihr Mann wurden nun in unbezahlten Urlaub geschickt. Sie sind nicht aus Moskau und haben deshalb eine Hypothek und einen Kredit für ihre Wohnung aufgenommen. Es gibt keine soziale Unterstützung für sie in dieser schwierigen Zeit. Es ist überhaupt nicht klar, was sie tun können. Sie suchen jetzt nach Arbeit. 

Es gibt auch mehr echte Arbeitslose, weil einige Unternehmen bankrott sind. Wir in der lutherischen Gemeinde helfen den Menschen, die sozial nicht geschützt sind, mit Lebensmitteln und Geld von der Kirche. Aber die ökonomische Situation wird schwieriger, die Preise noch höher, und es gibt eine große Unsicherheit.“

Der Erzbischof der ELKER Dietrich Brauer ist inzwischen durch die Coronazeit auch als Orgelspieler bekannt: Nun komm` der Heiden Heiland
 
Die Coronanothilfe des GAW geht weiter: https://www.gustav-adolf-werk.de/projekt-des-monats.html

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