Dienstag, 9. Juni 2020

Corona war eine Krankheit der Reichen... - war... - ein Bericht aus Chile


Schulklasse in Belén O´Higgins
In diesem Jahr ist die Schule Belén in Villa O´Higgins in Santiago de Chile 20 Jahre alt geworden. Sie gehört zur diakonischen Bildungsarbeit der lutherischen Versöhnungsgemeinde der Iglesia Ev. Luterana de Chile (IELCH). Obwohl sich Chile in den letzten Jahren gut entwickelt hat, sind die Früchte des Aufschwungs vielerorts nicht angekommen. Zu den strukturellen Schwächen gehört dabei ein stark nach sozialen Schichten getrenntes Schulsystem. Seit dem Oktober vergangenen Jahres haben sich die ohnehin nicht leichten Lebensumstände der Familien der Schule nochmals erheblich verschärft. Erst waren es die sozialen Proteste im Land, die zu viel Verunsicherung, wochenlangem Unterrichtsausfall, aber auch zu drastischen wirtschaftlichen Problemen der Familien führten. Nun leben die Menschen seit März im Corona-Ausnahmezustand – mit abermals dramatischen gesundheitlichen und ökonomischen Folgen. Die Gemeinde hat einen Spendenaufruf gestartet und will den Familien der Schulkinder mit Lebensmittelpaketen helfen. 

traditionelles chilenisches Spielzeug
Als das Corona-Virus nach Chile kam, wurde es als „Krankheit der Reichen“ bespottet – wer die Infektion im Februar aus Europa oder Asien mitbrachte, gehört zum vermögendsten Teil der Gesellschaft, denn für die allermeisten im Land ist solch eine Reise nicht einmal im Traum vorstellbar. Mittlerweile ist die Epidemie aber auch und gerade bei den Armen angekommen. Im Süden von Chiles Hauptstadt Santiago beispielsweise, wo sich das Colegio Belén O´Higgins befindet. Hier leben alle dicht gedrängt – weder auf der Straße noch in den kleinen Wohnungen ist es möglich, soziale Abstandsregeln einzuhalten. Trotz offizieller Quarantäneregeln sind viele Menschen auf der Straße zu sehen, denn der wirtschaftliche Druck zwingt sie, auch bei offiziellen Verboten oder mit Corona-Symptomen ihrem Tagesgeschäft nachzugehen oder Arbeit zu suchen. Das viel zitierte Motto gilt auch für sie: „Lieber sterbe ich am Virus als am Hunger.“ Ungefähr die Hälfte der chilenischen Bevölkerung lebt „von der Hand in den Mund“, ist also auf ihre täglichen Einkünfte angewiesen, damit abends Essen auf dem Tisch steht. Gerade in den
Armenvierteln hat kaum einer einen festen Arbeitsvertrag – man putzt, schleppt auf dem Markt, ackert auf dem Bau, ... und bekommt cash auf die Hand. Das ist nicht als „Homeoffice“ möglich. Und viele Arbeitsstellen gibt es unter den aktuellen Bedingungen auch einfach nicht mehr. Dazu kommt natürlich die Sorge vor dem Virus, vor Leid und Tod. Und vor weiteren Kosten. Zwar gibt es in Chile weder Kurzarbeitergeld noch eine Arbeitslosenversicherung, aber immerhin eine Krankenversicherung. Die deckt jedoch nur die Grundleistungen ab – im Falle einer Betreuung auf der Intensivstation verlässt man das Krankenhaus hoffentlich lebend, aber mit vielen Tausend Euro Schulden. Diese soziale Misere betrifft die Familien im Colegio Belén O´Higgins sehr konkret und auch die weiterhin steigenden Fallzahlen haben Name und Adresse. Aktuell sind acht Familien betroffen und 30 weitere in Quarantäne, weil die Testergebnisse noch ausstehen. (Quelle: Spendenbrief der Versöhnungsgemeinde in Santiago de Chile; www.lareconciliacion.cl)

In diesem Jahr sammeln wir für das Colegio Belén O´Higgins in Santiago de Chile: https://gustav-adolf-werk.1kcloud.com/ep1Ezbrv/#40

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