Freitag, 26. Juni 2020

Der Kindergarten in Quilmes/Argentinien ist geschlossen, die Beratung der Mütter geht weiter

Lebensmittelpakete werden gepackt
Die Frauenarbeit des GAW unterstützte im vergangenen Jahr die Beratung von Frauen in Armutsvierteln in Buenos Aires. Wie wichtig diese Arbeit gerade jetzt ist, berichtet die Leiterin der Kindertagesstätten in Quilmes, Claudia Lohff-Blatezky: "In vielen Teilen Argentiniens gibt es allmähliche Lockerungen, mit den entsprechenden präventiven Auflagen, aber im Großraum Buenos Aires, mit seinen zahlreichen Elendsvierteln ist überhaupt nicht daran zu denken. Die Zahl der täglichen Neuansteckungen ist gleichbleibend hoch, und deshalb sind hier die Beschränkungen nach wie vor sehr umfassend.

Wo eine vielköpfige Familie in einer Hütte zusammengedrängt leben muss und die sanitären Einrichtungen völlig unzureichend sind, sind Infektionen ja auch kaum zu vermeiden. Die staatlichen Stellen versuchen so gut wie möglich, die Versorgung zu garantieren. Aber gerade jetzt kann man erkennen, bis zu welchem Grad das Bestehen und die Zustände in den Elendsvierteln über Jahrzehnte als gegeben, ja fast als "Lokalkolorit" hingenommen wurden. Kein politisches Programm der letzten Jahrzehnte setzte die Verbesserung der Lebensbedinungen der ärmsten Bürger ganz oben auf die Agenda.

An eine Wiederaufnahme der Betreuungsaktivitäten - wie insgesamt des Schul- und Kindergartenalltags ist nicht zu denken. Gerade in den staatlichen Schulen und Kindergärten sind die Räume in aller Regel überbelegt und die Sanitäreinrichtungen unzureichend; viele Einrichtungen haben regelmäßig Probleme mit der Wasserversorgung. Dazu kommt, dass der Großteil der Familien auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, weil der Besitz und die Unterhaltung eines Autos weit außerhalb ihrer finanziellen Möglichkeiten liegen. Und gerade ein überfüllter Bus oder Zug - zu „normalen“ Schulzeiten die Regel - ist ein besonders problematischer Ansteckungsfaktor.
Außerdem beginnt bei nun der Winter. Erkältungen, Katarrhe und grippale Infekte nehmen zu, besonders in den Familien, die in ungenügend isolierten und kaum heizbaren Hütten wohnen.

Mütter kommen, um Lebensmittelspenden abzuholen
Die Versorgung mit drei Mahlzeiten am Tag ist zwar bei Weitem nicht der einzige Aspekt unserer Arbeit mit den Kindern, aber ein elementar wichtiger. Deshalb verteilen wir seit Mitte März in regelmäßigen Abständen Lebensmittel an die Familien unserer Kindertagesstätten. Von einem zwei- sind wir zu einem dreiwöchigen Rhythmus übergegangen, denn für viele alleinerziehende Frauen ist der Weg zu uns mit großen Schwierigkeiten verbunden. Außer Lebensmitteln werden auch von der Schulbehörde erstellte Broschüren ausgegeben, zur Unterstützung der Aktivitäten, die die Erzieherinnen per Whatsapp an ihre Gruppen weiterleiten. Der Kontakt über dieses Medium wird immer wichtiger. Leider gibt es in den Armenvierteln wenig Internet-Zugang.

Viele Familien sind zurzeit gänzlich ohne Einkommen, weil die informellen Einkommensquellen wie fliegender Verkauf, Putzstunden oder Hilfsarbeiten auf dem Bau gänzlich weggefallen sind. Es gibt besondere Sozialhilfeprogramme, aber auch hier ist Beratung und Unterstützung bei der Beantragung notwendig. Wir sind unglaublich froh, dass wir das mit unserem Beratungsteam leisten können. Und natürlich umfasst die Begleitung noch viel mehr als die Beantragung eines Hilfsprogramms. Besonders komplex ist die Situation der Frauen, die in Beziehungen mit Gewaltproblemen leben. Und das ist nur eines von zahlreichen Problemsituationen, die durch die besonderen Umstände verschärft werden.

Die Unterstützung durch die Frauenarbeit hat in diesem Kontext für uns ebenso eine noch viel größere Bedeutung. Es ist tröstlich, dass wir durch sie im Stande sind, "unseren Familien" nahe zu sein. Dafür sind wir zutiefst dankbar!

Keine Kommentare: