Montag, 22. Juni 2020

Die direkte Begegnung fehlt...

Pause in der Schule in Belén - vor der Coronakrise
Lateinamerika entwickelt sich immer mehr zum Brennpunkt der Corona-Pandemie. Neben Brasilien ist auch Chile sehr betroffen. Bis zum 21. Juni wurden 242.355 Infizierte und 4.479 Todesfälle gemeldet. Das Krisenmanagement in Chile gerät unter Druck. Die ansteigenden Zahlen der Infizierten führten letztlich zur Entlassung des Gesundheitsministers.

Pastor Meckel von der lutherischen Versöhnungsgemeinde in Santiago de Chile schreibt:

"Die Zahlen der mit dem Coronavirus Infizierten in Chile sind nach wie vor besorgniserregend.  Am vergangenen Wochenende wurde der Gesundheitsminister ausgewechselt. Ob das Hilfe bringen wird?
Jedenfalls ist auch unser privater Eindruck, dass die Quarantäne immer weniger eingehalten wird - auch hier in Las Condes (einem "besseren" Stadtteil von Santiago): Beim Bäcker meinten sie gestern, das Geschäft laufe eigentlich "wie immer".
Für die Familien in Belén im Armenviertel in Villa O´Higgins in Santiago liegen natürlich die wirtschaftlichen Sorgen obenauf. 
Mit 300 Lebensmittel-Cajas wollen wir nun als Versöhnungsgemeinde etwas Linderung schaffen. Die Spendenaktion dafür läuft sehr gut.
Den meisten in der Versöhnungsgemeinde geht es wirtschaftlich (noch) ganz ok, aber die nun schon seit Monaten bestehende Ausgangs- und Kontaktsperre macht vielen zu schaffen. Ab nächster Woche darf man nur noch zweimal aller acht Tage das Haus bzw. das Grundstück verlassen. Das ist sehr streng.
Hinzu kommen das Beschulen der Kinder neben der eignen Arbeit, das Fehlen einer Perspektive, wann es einmal zu Ende ist und weitere Sorgen...Trotzdem sind die meisten von uns im Großen und Ganzen natürlich sehr privilegiert - das ist wirklich anders als in Belén! 
In der Gemeinde gibt es viele Kontakt über Telefon und die neuen Medien. Aber die direkte Begegnung fehlt allen!"

In Ländern wie Chile werden durch die massiven Unterschiede zwischen Arm und Reich die Auswirkungen der Coronakrise besonders deutlich. Corona galt anfangs als Krankheit der Reichen. Nun ist sie in den Armenviertel angekommen und die Folgen dort sind noch gravierender für die Menschen.

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