Dienstag, 30. Juni 2020

Hunger bedroht weite Teile der Bevölkerung in Syrien

Verteilung von Brot in der armenisch-
evangelischen Bethelgemeinde in Aleppo.
Die Lebenssituation der Menschen in Syrien verschlechtert sich von Tag zu Tag dramatisch. Fast 10 Millionen Menschen in dem Land haben Schätzungen des Welternährungsprogrammes zufolge nicht genug zu essen. 

Zusätzlich zu den von der Corona-Pandemie verursachten Problemen wachsen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten für die Bevölkerung. Die Preise steigen stetig. Die ohnehin geringen Gehälter der Menschen, verlieren dramatisch an Wert. Viele Geschäfte schließen, weil sie aufgrund der Wechselkursschwankungen und der rasanten Inflation nicht mehr wirtschaftlich ein- und verkaufen können. Auf dem Schwarzmarkt gibt es alles, aber zu Preisen, die kaum einer bezahlen kann. 

Pfarrer Haroutune Selimian von der evangelischen Bethelgemeinde in Aleppo schreibt: „Der Preis eines typischen Warenkorbes mit Lebensmitteln ist um 200 % gestiegen. Aber auch die Preise für Medikamente und andere lebensnotwendige Dinge sind in eine Höhe geschnellt, die niemand mehr bezahlen kann. Ein Kilo Zitronen kostet im Moment beispielsweise 2,500 Syrische Pfund. Das ist ein Viertel des durchschnittlichen Monatsverdienstes eines Angestellten.“

Den Hintergrund der akuten Verschlechterung der Lage für die Bevölkerung bilden die seit dem 17. Juni in Kraft getretenen US-Sanktionen des sog. „Caesar Act“ (Caesar Syria Civilian Protection Act), die den Druck auf Assad erhöhen sollen, aber vor allem die einfache Bevölkerung in noch mehr Elend stürzen.
Mitglieder der armenisch-evangelischen
Bethelgemeinde in Aleppo besuchen regelmäßig
alte und kranke Menschen, die nicht zur Lebensmittel-
ausgabe kommen können, um auch sie zu versorgen.

Pfarrer Ibrahim Nseir von der Evangelisch-Presbyterianischen Kirche in Aleppo beschreibt im Juni in einer E-Mail die bedrückende Lage: „Ich bin ratlos, wie die Kirche den wirtschaftlichen Herausforderungen begegnen soll, die die Gesellschaft in Syrien im Allgemeinen und in Aleppo im Besonderen bedrohen. Schon im letzten Monat hat das syrische Pfund massiv an Wert verloren. Ein amerikanischer Dollar, der bis vor Kurzem 700 bis 1.000 Syrischen Pfund kostete, entspricht heute dem Wert von 2.500 bis 2.700 Syrischen Pfund. Das bedeutet, dass das Durchschnittseinkommen eines Arbeitnehmers nicht mehr als 20 bis 25 Dollar pro Monat beträgt. In den letzten Monaten hatten wir in Aleppo 51 registrierte Fälle von Selbstmorden aufgrund der wirtschaftlichen Situation. 81,5 % der Syrer leben mit weniger als einem Dollar pro Tag. Medikamente werden nicht in Apotheken verkauft. Die Läden sind geschlossen. Weil alle Waren im Vergleich zum amerikanischen Dollar bewertet werden, ist alles sehr teuer, selbst das, was in Syrien hergestellt wird. Die Menschen sind verzweifelt. Viele von denen, die das Land während des Krieges nicht verlassen haben, glauben, dass sie einen großen Fehler gemacht haben. Ich kenne Christen, die so resigniert sind, dass sie Gott in Frage stellen oder ihm die Schuld dafür geben, dass er sich nicht darum kümmert, was politische Großmächte hier mit uns tun. Das alles ist eine große Herausforderung für uns als Kirche. Die Menschen schauen auf uns und erwarten viel: spirituelle und psychologische Unterstützung, aber auch ganz praktische Hilfe. Ich bin täglich mit mindesten 15 bis 20 absolut akuten Fällen konfrontiert: Familien, die keinen Ausweg mehr wissen, weil sie nichts mehr zu essen kaufen können, weil sie keine Medikamente bekommen, weil sie ihre Miete nicht mehr bezahlen können und die Kündigung der Wohnung droht.“

Das GAW unterstützt evangelische Gemeinden in Syrien beim Verteilen von Lebensmitteln und anderer lebensnotwendiger Dinge. Ihre Spende hilft!

Spendenkonto:
KD-Bank - LKG Sachsen
BIC: GENO DE D1 DKD
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
Kennwort: Syrien

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