Freitag, 31. Juli 2020

Bischof Markus Schoch sagt: Unsere Kirchen sollten mehr voneinander wissen!

Versöhnungsgemeinde in Tbilissi
Markus Schoch ist Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien und dem südlichen Kauskasus. Er schreibt an die anderen Bischöfe im Verbund der ELKRAS (Evangelisch-Lutherische Kirchen in Russland, der Ukraine, in Kasachstan und Mittelasien):

"Liebe Brüder im Bischofsrat der ELKRAS, über das Gustav-Adolf-Werk in Leipzig habe ich erfahren, dass die Lutherische Kirche in Kirgisien schwer von der Corona-Pandemie betroffen ist und dort schon zehn Gemeindeglieder gestorben sind. Diese Nachricht hat mich sehr betroffen gemacht und ich habe bemerkt, wie wenig wir in unserem Kirchenbund der ELKRAS voneinander wissen, wie es uns gerade in dieser schwierigen Zeit geht.

Ich möchte euch daher kurz etwas über unsere Situation im Südkaukasus berichten. Gott sei Dank sind bei uns, soweit mir das bekannt ist, keine Gemeindeglieder unserer Kirche an Corona erkrankt und wir haben auch keine Todesfälle in diesem Zusammenhang zu beklagen. Unsere Länder sind unterschiedlich stark von der Pandemie betroffen: Am schlimmsten ist es in Armenien, wo es immer täglich 400 bis 500 neue Infektionen gibt - bei einer Gesamtbevölkerung von knapp 3 Mio. Menschen.

Bischf Schoch beim Kindergottesdienst
In Aserbaidschan sind es täglich fast ebenso viele neue Infektionen, allerdings bei einer Bevölkerung von fast 10 Mio. Menschen. Dort gibt es jetzt wieder eine sehr strenge Ausgangssperre und man darf nur mit vorheriger Genehmigung per Telefoncode die Wohnung für zwei Stunden verlassen. In Armenien und Aserbaidschan sind derzeit keine öffentlichen Veranstaltungen und Versammlungen möglich, auch keine Gottesdienste.

Am besten ist die Situation in Georgien: Hier gab es insgesamt nur etwas mehr als 1.000 Infektionen und 17 Todesfälle. Seit Ende Mai können wir auch wieder mit Hygienemaßnahme Gottesdienste feiern. Auch andere Veranstaltungen wie Sonntagsschule, Bibelstunden, Frauenkreise können langsam wieder stattfinden, meist jedoch im Garten an der frischen Luft und noch nicht in geschlossenen Räumen.

Wenn ihr möchtet, dürft Ihr auch gerne uns berichten, wie es Euch gerade in Euren Kirchen geht. Wir sind mit unseren Gedanken und Gebeten besonders bei den Brüdern und Schwestern in Kirgisien, die besonders schwer betroffen sind."

Neben der Versöhnungsgemeinde in Tiflis/Georgien gehören weitere fünf georgische Gemeinden zur Kirche, sowie je eine Gemeinde in Baku (Aserbaidschan), in Suchumi (Abchasien) und eine bisher staatlich noch nicht registrierte Gemeindegruppe in Eriwan (Armenien). Es gibt ca. 800 konfirmierte eingeschriebene Gemeindeglieder, dazu kommen weitere Personen im Umfeld der Gemeinde (beonders in der Kinder- und Jugendarbeit), die (noch) nicht konfirmiert sind.


Donnerstag, 30. Juli 2020

In San Fernando (Spanien) ist die Sanierung des Kirchenzentrums einen großen Schritt vorangekommen

Das Dach musste dringend saniert werden
"Auf Grund der ökonomischen Krise, der fehlenden finanziellen Mittel der Gemeinde und insbesondere wegen der Coronakrise haben wir nicht alle Arbeiten bei der Sanierung unseres Kirchen- und Gemeindezentrums in San Fernando geschafft," schreib Alfredo Abad, Vorsitzender der Comisión Permanente der Iglesia Evangélica Española (IEE). 

"Bisher haben wir 50.000 Euro investiert. Davon kamen 15.000 Euro vom GAW aus dem Projektkatalog 2018. Den Rest hat die Gemeinde aufgebracht. Wir sind euch sehr dankbar für die erhaltene Hilfe!"

San Fernando liegt in der Nähe von Cádiz  in Andalusien an der Atlantikküste. Das Kirchen- und Gemeindezentrum befindet sich an einem zentralen Ort der Stadt und ist gut erreichbar. Es war in die Jahre gekommen. Durch das Meeresklima waren Schäden aufgetreten, die dringend beseitigt werden mussten, um das Gebäude zu erhalten. Insbesondere das Dach war im Laufe der Jahre gelitten undicht geworden. Dazu kamen die Schäden an den Außenmauern der Kirche. Für eine kontinuierliche und gute Gemeindearbeit war die Sanierung dringend geboten. 

Seit 1872 gibt es in San Fernando eine evangelische Kirchengemeinde. Sie konnte sich gegen den katholischen Widerstand in der sechsjährigen Periode des Liberalismus in Spanien (1868-1874) etablieren und überstand sogar die Verfolgung während des Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur. Heute gehören der Gemeinde 45 Glieder an. Dazu kommen noch etliche Sympathisanten. 

Neben den Gottesdiensten, Bibelstunden und der Frauengruppe veranstaltet die Gemeinde regelmäßige Konzerte, mit denen sie sich der Stadtgesellschaft öffnet. Zudem engagiert sie sich in der Ökumene. Ihre Glieder gehören verschiedenen Nationalitäten an – neben Spaniern, Holländern und Deutschen gibt es Lateinamerikaner, die aus Arbeitsgründen nach Spanien gekommen sind. 

Den Dank aus Spanien geben wir gerne an unsere Spenderinnen und Spender weiter! Und wir hoffen sehr, dass es der Gemeinde gelingt, die Arbeiten am Gemeindezentrum bald zu vollenden.

Mittwoch, 29. Juli 2020

"Wir haben viel Gutes gesehen und sind geistlich gewachsen!"


Alzbeta Matejovská ist Pfarrerin der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in der Tschechischen Republik und ehemalige GAW-Stipendiatin. Sie berichtet uns von der Arbeit in ihrer Gemeinde in der Zeit der Corona-Pandemie:

„Ich habe mich gefreut zu sehen, wie viele Menschen in den letzten Monaten Mundschutze genäht haben für andere, die das nicht können. Ich habe mit meinem Mann und meiner 2-jährigen Tochter auch viel genäht: für das Hospiz, das Krankenhaus, die Leute in unserem Dorf und in unserer Gemeinde. Das war eine erste wichtige Sache, die wir tun konnten.

Außerdem habe ich zwei Monate lang die Gottesdienste über YouTube gesendet. Für Gründonnerstag habe ich mit der Jugend eine Passionslesung vorbereitet. Die Jugendlichen haben zu Hause jeweils eine Passage eingelesen und mir geschickt. Danach habe ich alles zusammen mit Musik geschnitten.

Unsere Gemeinde hat die Sozialkontakte vermisst. Das konnte ich am 25.5. gut sehen, als die Präsenz-Gottesdienste wieder anfingen. Trotz der Beschränkungen wollten viele sich treffen. Seit 1. Juli können wir uns wieder ohne Mundschutz treffen. Das finde ich gerade für die Gottesdienste sehr wichtig. Man kann gut singen, sprechen, die Schwerhörigen können vom Mund ablesen, was ich sage usw. Trotzdem gibt es viele, die ich nach den Lockerungen noch nicht gesehen habe – die immer noch Angst haben sich zu treffen. Deshalb suche ich immer neue Wege, wie ich gerade auch diese Menschen ansprechen kann und für sie da sein kann. 

Das einzige ungelöste Problem ist die Frage des Abendmahls. Wir trinken das Abendmahl aus einem Kelch – so was kann man momentan nicht praktizieren. Viele Gemeinden suchen jetzt nach einer Alternative, mit der sich die Gemeindeglieder identifizieren können. 

Unsere Kirche hat währenddessen ein tolles digitales Angebot aufgebaut: Jeden Tag postet eine Pfarrerin/ein Pfarrer eine Andacht und ein Laie schreibt ein Gebet. In geistlicher Hinsicht war es eine sehr lohnenswerte Zeit. Ich muss aber bei solchen Überlegungen immer an die denken, die die Krankheit eingeschränkt hat, die gestorben sind oder bei denen jemand gestorben ist. Ich bete für sie und wünsche ihnen Gottes Beistand.“


Dienstag, 28. Juli 2020

Die sozialen Folgen der Pandemie macht uns große Sorgen in Chile

Pastor Hugo E. Silva
Pastor Hugo E. Silva aus dem Süden Chiles von der Iglesia Luterana de Chile (ILCH) berichtet aus seinen pastoralen Erfahrungen der letzten Monate, seinen Beobachtungen und seinen Sorgen im Blick auf die Folgen der Coronakrise in seinem Land:

"Seltsame Zeiten sind das derzeit. Wie in einem Science-Fiction-Film – nur: die Fiktion ist durch die Realität übertroffen worden. Als ich selbst im Dezember von der Existenz des Cornavirus in China erfuhr, da dachte ich es wäre sehr weit weg von unserem Leben im Süden Chiles. 

Im Januar und Februar war es noch ruhig. Aber wir spürten, dass die Krankheit immer näher an Chile heranrückte. Die Welt ist in den vergangenen Jahren enger zusammengerückt – in allem, eben auch in der Bedrohung. Im März wurde dann in Chile der erste Fall bekannt… Ab Mitte März begann dann die Quarantäne mit allen Auflagen, Einschränkungen und Eingriffen in das täglich gewohnte Leben. Anfangs dachten wir, es wäre ein willkommener Kurzurlaub. Viele nutzten die Zeit, um z.B. ihre Häuser zu renovieren. In den Baumärkten wurden sehr gute Umsätze in der Zeit gemacht. Dann nahmen die Infektionen zu. Es gab die ersten Toten. Menschen verloren ihre Arbeit und bangten um ihre Existenz. Im Mai verschlechterte sich dann in Chile die wirtschaftliche Situation. Da wurde uns allen bewusst, dass es nicht mehr so werden würde wie vorher. 

Parallel gab es dazu ein Phänomen, dass Menschen die Heftigkeit des Coronavirus bestritten, in kleinen oder größeren Gruppen feierten und den Hygieneanordnungen nicht folgten. Das verschlimmerte zusätzlich die Situation im Land. 

In meiner Gemeinde (Llanquihue und Nueva Braunau) im Süden Chiles, die landwirtschaftlich geprägt ist, ging das Leben einigermaßen weiter. Die Landwirtschaft wird von den Behörden als systemrelevant eingestuft. Man muss weiterarbeiten. Die Arbeit nahm nun eher zu. Gleichzeitig sind die Menschen meiner Gemeinde sehr diszipliniert gewesen und sind es noch. Nur: Das kirchliche Leben konnten wir nicht aufrecht erhalten. Wir mussten uns anpassen. Predigten haben wir sonntags per WhatsApp und E-Mail an die Mitglieder verschickt, vermehrt haben wir auch telefoniert. Ich hatte zum Glück bisher nur eine Beerdigung unter strengen sanitären Sicherheitsmaßnahmen. 

Im Juni und Juli haben sich dann die Probleme verschärft. Ohnmächtig fühlen sich viele bei uns, weil es so schwer ist, die Pandemie zu bekämpfen. Es gab nun viele Entlassungen im Land. Man spricht von 600 bis 800.000 Menschen, die ihre Arbeit verloren haben. Es werden wohl bald zwei Millionen Arbeitslose geben. Wie sollen viele von ihnen leben und überleben? Denn viele sind auf Hilfe angewiesen. 

Unsere Gemeinde sammelt, um Lebensmittelpakete in Armenvierteln zu verteilen. Als Pfarrer kümmere ich mich mit um die Verteilung. Sorge bereitet uns in Chile, die sozialen Folgen der Pandemie. Sorgen bereiten mir die Folgen der Quarantäne. Es gibt eine Zunahme der Gewalt gegen Frauen, Kinder und ältere Menschen. 

Wir hoffen, dass der Glaube den Menschen hilft, diese Zeit zu überstehen, dass die Menschen umkehren und auch die Zeit vor der Pandemie kritisch reflektieren und Konsequenzen ziehen zum Guten hin. 

Euch im GAW grüße ich ganz herzlich aus dem Süden Chiles und danke für eure Solidarität! Ich erinnere mich sehr gerne an die schöne Zeit in Leipzig 2009/2010!"

Montag, 27. Juli 2020

Rumänien: Die Arbeit in der Kirche ist schwerer geworden

Gruppenfoto während der Pandemie: Abstand halten. Vikar
Zsolt Ersze organisiert Jugendveranstaltungen in seiner Kirche.
Zsolt Erzse ist Vikar im Kirchenkreis Kronstadt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rumänien. 2016/2017 war er Stipendiat des GAW und hat zwei Semester an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig studiert. Er schreibt über die Erfahrungen, die er in seiner Arbeit während der Corona-Pandemie macht: 

"Ich habe mir nie vorstellen können, wie es ist, in solch einer Situation zu leben. Mir persönlich geht es gut, aber die Arbeit in der Kirche ist schwerer geworden. Auch in Rumänien gab es einen strengen Lockdown und die Kirchen waren einige Zeit geschlossen. Inzwischen sind sie wieder geöffnet, aber viele Gemeindemitglieder haben Angst, in die Kirche oder zu Gemeindeveranstaltungen zu kommen. Sie haben Angst, sich anzustecken. Ich kann das verstehen. Umso wichtiger ist es, in Kontakt mit den Menschen zu bleiben, zu glauben und zu beten.

Ich arbeite als Vikar sehr viel mit Jugendlichen. Während des Lockdowns haben wir viele Veranstaltungen und Andachten online gemacht. Jetzt, wo wir wieder richtige Veranstaltungen organisieren dürfen, merke ich, dass das gar nicht so einfach ist. Die Zahl der Teilnehmer ist begrenzt und wir müssen uns an bestimmte Auflagen halten. Ich finde die persönliche Begegnung aber sehr wichtig. Deshalb nehme ich das in Kauf und habe schon einige Veranstaltungen für Jugendliche organisiert und habe einige in Planung.
Schwierig ist auch die finanzielle Situation. Bei uns gibt es keine Kirchensteuer. Unsere Kirche lebt von den Spenden ihrer Mitglieder. Doch viele sind arbeitslos geworden und haben selbst nicht mehr genug Geld. Das ist auch ein Problem bei der Finanzierung unserer Veranstaltungen für Jugendliche - gerade, wenn sie jetzt in den Ferien mehrere Tage gehen sollen. Viele Jugendliche können keine Beiträge für ihre Teilnahme bezahlen. Bisher haben wir aber immer eine Lösung gefunden. Wir helfen einander. 'Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir, die vielen , ein Leib in Christus, aber untereinander ist eines des andern Glied.' (Römer 12,4-5)"

Sonntag, 26. Juli 2020

Zu Dir Gott des Lebens beten wir

Gott des Lebens, Vater unseres HERRN Jesus Christus, 
in Zeiten der Sorge um unsere Gesundheit bist Du unsere Hoffnung.

In Zeiten bedrohlicher Berichte bist Du unsere Zuversicht.

In Zeiten der Corona-Pandemie bist du unsere Stärke.

Wir beten in dieser Zeit, die verunsichert und Angst macht:

Um Vertrauen in all den Ohnmachtserfahrungen,

um Gesundheit für uns und unsere Familien,

um die Erfahrung, dass die Solidarität uns stark macht,

um Hoffnung und Zuversicht in Zeiten der Corona-Krise,

um den Glauben, dass Du auch in schwierigen Tagen bei uns bist,

um die Liebe, die uns mit den Menschen weltweit verbindet

und um das unendliche Vertrauen, dass Du ein Gott des Lebens bist.

Amen.

Samstag, 25. Juli 2020

Wir kämpfen gegen Corona in Brasilien

Pfarrerin Anelise Knuppe
Anelise Knuppe war GAW-Stipendiatin und ist seit wenigen Jahren Pfarrerin der brasilianischen lutherischen Kirche (IECLB) in einer Gemeinde im Norden des Landes. Sie schreibt uns:

"Genau wie auf der ganzen Welt kämpfen wir hier gegen die Coronavirus-Pandemie. Wir sind alle sehr besorgt über die Situation. Ich arbeite seit vier Jahren als Pastorin der Evangelische Kirche des Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) im Amazonasgebiet Brasiliens. 

Seit März gibt es keine persönlichen Aktivitäten mehr in unseren zehn Gemeinden. Die Gemeindeglieder treffen sich nicht mehr persönlich! Gottesdienste und Bibelstunden finden online statt. Obwohl die Landesregierung bereits wieder persönliche Aktivitäten in den Kirchen erlaubt hat, achten wir immer noch darauf, denn wir sind der Meinung, dass die Sorge um das menschliche Leben zuerst kommt. Unsere Hoffnung ist fest in Gott, in der Gewissheit, dass all dies bald vergehen wird, und dass wir bald wieder Gemeinschaft miteinander erleben können."


Am 25. Juli haben sich nach offiziellen Angaben der Regierung 2,34 Millionen Menschen  in Brasilien mit dem Virus infiziert, 85.400 Menschen sind verstorben. Die tatsächlichen Zahlen dürften aber sehr viel höher liegen.


Besonders gefährdet sind die indigenen Völker Brasiliens. Immer wieder haben seit Eroberung des lateinamerikanischen Kontinents eingeschleppte Krankheiten sie bedroht und getötet. Nun melden dutzende Gemeinschaften einen Ausbruch des Coronavirus. Expert*innen befürchten das Aussterben ganzer Völker. Renate Gierus ist Leiterin von Comin, der missionarischen Arbeit der lutherischen Kirche mit den indigenen Gemeinschaften. Sie schreibt: "Insgesamt 78 indigene Gruppen des brasilianischen Amazonas sind von Covid-19 betroffen, unter ihnen auch das Apurinã Volk, mit dem wir zusammenarbeiten. In einem der Apurinã Dörfer wurden 45 positive Fälle registriert."

Immer wieder hat das GAW in der Vergangenheit Projekte von Comin unterstützt. Neben Corona sind die indigenen Völker Brasiliens besonders durch die Vernichtung des Regenwaldes, durch Holzfäller, durch Raubbau und illegale Goldsucher bedroht. Die Regierung des derzeitigen Präsidenten trägt hier einen Hauptteil der Verantwortung.

Freitag, 24. Juli 2020

Digitale Kirche am La Plata und steigende Coronafälle - das heißt viel Stress und Arbeit für die Diakonie

Unsere Partnerkirche am La Plata (IERP) hat ein Buch aus dem Englischen übersetzt und ihren Mitgliedern zur Verfügung gestellt mit dem Titel: „Die Kirche ist nicht leer, die Kirche hat sich erweitert: Reflexionen über die Herausforderungen digitaler Kirche". 
Es enthält Texte zu den Erfahrungen, die Kirchen in Zeiten von Corona machen. Wie kann man Kirche in Zeiten sozialer Isolation sein? 

Das Buch ist kostenlos im Internet verfügbar. Es wurde vom emeritierten Pastor Bruno Knoblauch aus dem Englischen übersetzt: „The Distanced Church: Reflections on Doing Church Online“.

Der erste Abschnitt des Buches trägt den Titel „Lehren aus den Online-Gräben: Geschichten von Kirchenleitenden, die online arbeiten müssen." Die Kirchenleitenden steuern Überlegungen bei, wie es war, neue Wege zu gehen, um digitale Kirche zu sein/zu werden. Einige dieser Leitenden erleben die Kirche zum ersten Mal online, während andere bereits seit langem digitale Medien nutzen und in ihre kirchlichen Einrichtungen integrieren.

In einem zweiten Abschnitt reflektieren Theologen und Medienwissenschaftler aus den Bereichen digitale Religion und Theologie über den Nutzen digitaler Medien für ihre Anliegen.

Über diesen Link ist die spanische Übersetzung zugänglich:

Die IERP bietet weiterhin reichlich online-Materialien an und versucht, den Kontakt mit den Gemeindegliedern zu halten. Die Diakonie der Kirche hat mit großen Herausforderungen zu kämpfen: Wie können die sozial-diakonischen Projekte offen gehalten werden? Wie kann den Menschen geholfen werden? Woher sollen die Ressourcen dafür kommen? 

"Wir haben in den letzten Wochen praktisch unseren ganzen Altersheimfond aufgebraucht, um Hygieneartikel und Schutzausrüstung zu kaufen. Und es werden mehr Mittel benötigt, weil es gerade diese Altersgruppe ist, die am meisten gefährdet ist," schreibt der Diakoniedirektor der IERP Nicolás Rosenthal. "Leider wird hier die Situation immer schlechter, mit steigenden Ansteckungs- und Sterbezahlen. 148.000 Infizierte sind am 24. Juli offiziell gemeldet. 2.700 Menschen sind verstorben in Argentinien. Wir sind seit über 120 Tagen in strikter Quarantäne. Dass bedeutet viel Arbeit und Stress."

Donnerstag, 23. Juli 2020

Bulgarien: Einander annehmen in der Krise

Vor der Pandemie: Familiencamp im Freizeitzentrum der
Union Evangelischer Kirchen in Bulgarien.
Auch für die evangelischen Gemeinden in Bulgarien sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie eine große Herausforderung. Pfarrer Georgi Jelev ist Vorsitzender der Union der Evangelisch-Kongregationalistischen Kirchen in Bulgarien. Er schreibt: 

"Diese Pandemie hat alle überrascht und getroffen - auch uns Kirchen in Bulgarien. Die Reaktionen unserer Gemeinden reichen vom einen Extrem zum anderen: Einige Gemeinden lehnen alle Schutzmaßnahmen ab, andere wiederum haben aus Angst vor Ansteckung jegliche gemeindliche Aktivitäten eingestellt. Dieser unterschiedliche Umgang hat Spannungen zwischen Menschen und Gemeinden hervorgerufen.

Hinzu kommt die aus der Pandemie resultierende Wirtschaftskrise, die zu einem starken Rückgang der Einnahmen unserer Gemeinden geführt hat. Das bedeutet, dass viele Projekte nicht weiter durchgeführt werden können. Viele unserer Gemeinden können auch ihre Mitarbeitenden nicht mehr bezahlen. Das ist existenzbedrohend.

Doch an vielen Stellen haben es unsere Gemeinden auch geschafft, mit neuen und positiven Impulsen auf die Auswirkungen der Pandemie zu reagieren. So haben wir das Internet für uns entdeckt und damit begonnen, unsere Gottesdienste online zu feiern. Vor der Pandemie gab es so etwas nicht. Außerdem sind viele von uns Gott in der Pandemie wieder näher gekommen. Gott sei Dank gab es bisher in unseren Gemeinden keine Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben oder daran gestorben sind.
Beten Sie für uns, dass wir uns in dieser Krise gegenseitig annehmen können und dass wir kreative Wege finden, unseren Dienst an den Menschen weiterhin zu tun."

Die Union Evangelisch-Kongregationalistischer Kirchen in Bulgarien ist seit 2017 Partnerkirche des GAW. Sie geht auf das Wirken kongregationalistischer Missionare aus den USA im 19. Jahrhundert zurück. Der Kongregationalismus ist eine aus England und den USA stammende protestantisch-reformierte Bewegung, deren theologisches Hauptmerkmal die hohe Autonomie der Einzelgemeinden ist. Die Selbstbestimmtheit der Gemeinden ist eine große Stärke der Kirche, stellt aber auch immer wieder eine Herausforderung für den Zusammenhalt und das gemeinsame Handeln der Gemeinden dar.

Mittwoch, 22. Juli 2020

Corona macht keine Ferien - neue Hotspots in Tschechien

Evangelische Kirche in Mělník
"Bei uns in Tschechien und in der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder ist Ferienzeit. Dadurch ist alles ruhiger. Corona freilich macht keine Ferien. Es gibt neue Hotspots und so viele Neuinfektionen wie schon lange nicht mehr – auch in der Gegend um Mělník, wo das GAW die Sanierung der evangelischen Kirche unterstützt hat! Doch vor allem im Mährisch-Schlesischen Kreis, wo nun erneut allgemeine Maskenpflicht herrscht … Hoffen wir, dass es nicht zu schlimm wird. In Prag ist das Virus nicht so schlimm!" schreibt Pfarrer Gerhard Frey-Reinignhaus.

Offiziell sind in Tschechien 14.324 Infektionsfälle gemeldet. 360 Menschen sind an Corona verstorben.

Dienstag, 21. Juli 2020

Aus der Erlösergemeinde in Baku

Erlöserkirche in Baku
Pfarrer Gotthard Lemke aus Baku (Aserbaidschan) berichtet im Kirchenboten der lutherischen Kirche Georgiens und Aserbaidschans aus der Erlösergemeinde. In Aserbeidschan sind inzwischen offiziell rund 29.000 mit dem Coronavirus infizierte Menschen gemeldet. Mehr als 300 Menschen sind an dem Virus gestorben.

Die Erlöserkirche in Baku wurde mit Spenden des kaukasiendeutschen Gemeindemitglieds Adolf Eichler aufgebaut und am 14. März 1899 eingeweiht. Sie wird  heute als Konzerthalle des aserbaidschanischen Ministeriums für Kultur und Tourismus genutzt. Die lutherische Gemeinde mietet ihre alte Kirche für ihre Gottesdienste.

Lemke schreibt: 

"Wie war die zurückliegende Zeit in der Erlösergemeinde in Baku? So, wie überall auf der Welt: bestimmt von der Ausbreitung des Coronavirus. Das ist schon etwas Einschneidendes, diese Pandemie. Sie hat unser Leben grundlegend verändert, auch unser Gemeindeleben in Baku, das praktisch zum Erliegen gekommen ist. Unseren letzten Gottesdienst feierten wir am 15. März. Seitdem ist unsere Kirche geschlossen. Es folgte eine Quarantäne für Menschen ab 65 Jahre. Dann wurde eine Quarantäne für alle verhängt, die noch andauert, aber inzwischen gelockert wurde. Die Ausgangssperre wurde zwischenzeitlich ganz aufgehoben. Da sich aber wieder mehr Menschen angesteckt haben, ist jetzt eine strenge Ausgangssperre für die Wochenenden verfügt: Man darf dann seine Wohnung gar nicht mehr verlassen, auch nicht zum Einkaufen, für Arztbesuche etc. So wird es noch dauern, bis wir als Gemeinde wieder zusammenkommen können. Ich verschicke meine Predigten per E-Mail, sodass es eine „Predigtlesergemeinde“ gibt. Auch die Videoandachten aus Tiflis mit ihren geistlichen Impulsen waren hilfreich und sind uns sehr willkommen gewesen. Aber nicht alle sind über die elektronischen Medien zu erreichen. Die persönliche Begegnung fehlt. 
Vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland war Geld für die Auslandsgemeinden in der Zeit der Corona-Krise zur Verfügung gestellt worden. So haben wir gemeinsam mit der Deutschen Botschaft Lebensmittelpakete zu unseren Gemeindemitgliedern bringen können, dazu Geld für Medikamente. Der Deutsche Botschafter war selbst mit dabei. Hier gab es berührende Begegnungen und ich habe mich auch gefreut, meine Gemeindemitglieder wiederzusehen. 
Inzwischen gibt es ja unter der Woche die Möglichkeit sich zu sehen, auch wenn wir uns nicht als Gemeinde versammeln können. Für viele ist es jetzt schwer. Zum einen das Alleinsein und hinzu kommen finanzielle Probleme, keine Arbeit, sodass es manchmal am Nötigsten fehlt. Da war die Lebensmittel-Aktion eine willkommene Hilfe und ein Zeichen für die Menschen, dass sie nicht vergessen sind. 
Wir hoffen, dass möglichst bald Kirchen und Moscheen wieder geöffnet werden und wir in unserer schönen Kirche wieder zusammen Gottesdienst feiern können."

Montag, 20. Juli 2020

Ein Fahrstuhl für das Kirchenzentrum in Barcelona

Ein Fahrstuhl für Barcelona
"Dank der Hilfe des GAW war es möglich, das dringend notwendige Projekt des Einbaus eines Fahrstuhls im Kirchen- und Gemeindezentrum in Barcelona zu verwirklichen," schreibt die Pastorin Marta López aus der Gemeinde der IEE, die im Stadtviertel Raval liegt. 

15.000 € wurden mit dem Projektkatalog 2017 dafür gesammelt. Insgesamt hat das Projekt 53.500€ gekostet.

Das Kirchenzentrum hat zwei Etagen. Diese waren bisher nur über eine Treppe erreichbar! Im ersten Stock des Zentrums befinden sich die Sonntagsschule sowie ein Gemeindesaal, der für verschiedene Aktivitäten genutzt wird. Im zweiten Stock – ursprünglich die Pfarrwohnung – befinden sich die Bibliothek und das Archiv zur Geschichte des Protestantismus in Spanien, entstanden durch das Zusammentragen des Bücherbestandes mehrerer Gemeinden und privater Bücherspenden. Nun ist endlich ein Aufzug eingebaut, damit Menschen mit Einschränkungen das gesamte Gebäude nutzen können. Welch ein Segen!

Mit 160 Gemeindegliedern gehört die evangelische Gemeinde im Zentrum Barcelonas zu den größten Gemeinden der Evangelischen Kirche in Spanien. Das Kirchenzentrum liegt mitten in der belebten Altstadt. In den 1950er Jahren wurde das Gebäude, eine ehemalige Kofferfabrik, unter dem Namen eines Privatmanns gekauft. Anders war es in der Zeit der Franco-Diktatur nicht möglich, evangelisches Kircheneigentum zu erwerben. Aufgrund der zentralen Lage der belebten Hauptstadt Kataloniens hat die Gemeinde vor einigen Jahren im Eingangsbereich einen „Weltladen“ eröffnet. Er bietet die Chance, solidarisch zu handeln, sich als Gemeinde zu zeigen und Passanten über die evangelische Kirche und ihr gesellschaftliches Engagement zu informieren. 

Gemeindeglieder nach dem Gottesdienst
Der Kirchraum bietet Platz für ca. 150 Personen. Er befindet sich im Innenhof des Zentrums. 40 bis 80 Gottesdienstbesucher kommen sonntäglich zum Gottesdienst. Die Gemeinde ist sozial engagiert: Es gibt ein Beratungsbüro, das Menschen in den unterschiedlichsten Notlagen hilft. Daneben werden Lebensmittel und Kleiderspenden verteilt. Eine große Herausforderung ist es, die jüngere Generation intensiver in die Gemeinde zu integrieren und werbend nach außen zu kommunizieren, welchen „Glaubensschatz“ die IEE in der Gesellschaft weitergeben kann. 

Sonntag, 19. Juli 2020

Mit dir - Gott - neue Wege gehen

Guter Gott,
mit Dir neue Wege gehen, das wär´s - gerade in Zeiten wie diesen.

So beten wir für Deine Kirche und bitten dich, dass sie ein Ort ist,
wo Glauben und Vertrauen gestärkt und genährt wird - nicht nur in Zeiten der Sorgen und Angst, nicht nur in Coronazeiten.

Wir beten für die Verantwortlichen, für Klar-Sein und Maßhalten,
Schutz, Abstand und Nähe. Und wir bitten dich um Vertrauen in die, die mit ihrer Macht sorgsam umgehen.
Gott - Dein Weg ist dunkel manchmal, eckig und verdunkelt.
Zeig´ dich, Gott, mitten im Chaos, immer wieder.

Wir beten für all die Menschen aus unseren Partnerkirchen, die an Corona infiziert sind,
wie jetzt in Brasilien, für all die, die in ihrem Land kaum noch Lebensgrundlagen sehen, wie in Syrien und Venezuela, für all die, die sich der Sorgen der fernen Nächsten annehmen.

Und für die unruhigen Herzen bitten wir Dich, Gott.
Für all das, was wir noch mehr machen wollten,
für all das, wo wir hinter Erwartungen zurückgeblieben sind.

Mit Dir zu sein, Gott, ist Leben, ist Atem, ist Glück.
Sei lebendig in uns und stärke unseren Glauben.
Amen.

Samstag, 18. Juli 2020

Betet für Brasilien!

Ismael Richer Dahm
Ismael Richter Dahm war vor wenigen Jahren GAW-Stipendiat. Inzwischen hat er sein Studium an der EST in Sao Leopoldo abgeschlossen. Er schreibt uns: 

"Mein Familie und ich sind zum Glück gesund. Das können nicht viele Brasilianer jetzt sagen. Corona ist zu einer großen Gefahr geworden. Zudem: Viele haben ihre Arbeit verloren und haben Schwierigkeiten Lebensmittel zu kaufen. Brasilien wird zu einem Entwicklungsland. 

Die Lage ist kompliziert, weil es zudem Falschmeldungen gibt und die Gefährlichkeit der Pandemie heruntergespielt wird. Zudem werden Verschwörungstheorien verbreitet. Bis zum 18. Juli ist in Brasilien die Zahl der Corona-Infektionen auf mehr als 2 Millionen gestiegen. Mehr als 78.000 Menschen sind an dem Virus gestorben. 
Sobradinho

Seit Dezember 2019 arbeite ich als Theologe in einer Gemeinde im Zentrum des Bundeslandes Rio Grande do Sul, in der Stadt Sobradinho. Es sollte eine Urlaubsvertretung werden von Dezember bis Februar. Aber wegen der Pandemie und weil ich mein Studium beendet habe, bin ich noch da, um die Menschen in der Gemeinde in Anbetracht der schwierigen Situation zu begleiten. 

Als Christen haben wir die Aufgabe, aufeinander zu achten und achtsam miteinander umzugehen. So können wir Gottes Liebe bezeugen.

Und ich bitte euch: Betet für Brasilien!"

Freitag, 17. Juli 2020

Die zweite Corona-Welle hat Kirgistan erreicht - mindestens 10 Tote aus der lutherischen Kirche

Bethaus in Ananjewo
"In dieser Woche wurde eine 57-jährige Frau aus unsere Kirche beerdigt, die an COVID-19 erkrankt war und nun gestorben ist," berichtet Bischof Alfred Eichholz von der lutherischen Kirche in Kirgistan. Seit Ende März sitzt er in Deutschland fest. Mit dem letzten möglichen Flieger verließ er noch Kirgistan. Eigentlich wollte er schon längst wieder bei seiner Kirche sein in dieser schwierigen und unsicheren Situation. 

"Inzwischen hat die zweite Coronawelle Kirgistan erreicht", sagt er. Offiziell sind 13.100 Infizierte gemeldet. 173 Menschen sollen gestorben sein. "Aber das sind nur die offiziellen Zahlen. Experten gehen davon aus, dass die Zahlen 20 bis 30 Mal höher liegen," sagt Eichholz. 

"Der Sohn, der in der Leichenhalle seine Mutter abholte, berichtet davon, dass die Halle völlig überfüllt war mit Toten. Auch ins Krankenhaus kommt man nicht mehr. Sie sind völlig überlastet. Und zudem gibt gibt es zu wenige Ärzte und Krankenpfleger*innen. Die medizinische Versorgung ist sehr schlecht und das System ist auf so etwas wie Corona nicht vorbereitet." Und weiter berichtet er: "Die lutherische Kirche erlebt die Coronapandemie intensiv. Mindestens zehn Menschen aus der Kirche sind gestorben. Auch aus dem Altersheim "Haus der Barmherzigkeit" in Winogradnoje sind zwei ältere Frauen und die 59-jährige Köchin verstorben. Etliche aus der Kirche haben sich infiziert, wie die Buchhalterin und ihre Mutter." 

Die gottesdienstlichen Feiern und gemeindlichen Veranstaltungen sind wieder abgesagt. Alles Notwendige findet digital statt. Die Menschen versuchen soweit es geht, zu Hause zu bleiben, sagt Bischof Eichholz.

Er bittet darum, dass wir für unsere Glaubensgeschwister in Kirgistan beten und sie nicht vergessen. "Euer Gebet hilft!" sagt er.

Das GAW unterstützt mit der Corona-Nothilfe die evangelischen Partnerkirchen weltweit.

Ihre Spende hilft!

Spendenkonto:
KD-Bank - LKG Sachsen
BIC: GENO DE D1 DKD
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11

Kennwort: Coronanothilfe