Samstag, 15. August 2020

Der HERR behüte dich...

Pfr. H. Selimian
„Der HERR behüte Dich vor allem Übel, er behüte Deine Seele. Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“ - So heißt es in Psalm 121. Oft wird dieser Psalm bei Beerdigungen gesprochen. So wie heute in Aleppo. 

Beerdigung in der Emanuelkirche
Ein armenischer Arzt wurde heute in der evangelischen Emanuelkirche beerdigt von Pfr. Haroutune Selimian. Der Arzt hatte sich mit dem COVID-19 Virus infiziert in Ausübung seines Berufes. Nun ist er gestorben und fehlt. Denn das Virus verbreitet sich derzeit rasant in Aleppo. Fünf weitere Ärzte verstarben gestern am Virus - so berichtet Pfr. Selimian. Schutzausrüstung ist rar. Und diejenigen, die helfen, sind besonders bedroht.

Der Psalm spricht von dem großen Vertrauen, dass wir Menschen bewahrt werden, und dass unsere Seelen bis in alle Ewigkeit behütet wird. Unser Leben und unser Sterben stehen unter dem Schutz und Segen Gottes. Wir sind nicht gott-verlassen - auch wenn es bestimmt in Aleppo und an anderen Orten wo die Pandemie wütet oder Krieg und Gewalt herrschen, oft schwer zu erleben ist. 

Unsere Partner erzählen uns davon, dass in diesen Zeiten Menschen die Existenz Gottes in Frage stellen. Wie kann man von Hoffnung in hoffnungslosen Zeiten sprechen... - das ist die große Herausforderung. Und dass Gott bewahren mögen bei allem Übel, dass kann nur im Gebet erbeten werden.


Freitag, 14. August 2020

Der Wahrheit und dem Leben verpflichtet bleiben - aus dem Pastoralbrief der luther. Kirche Brasiliens

Silvia Genz; (Foto: LWB/A. Weyermüller)
Die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) Silvia Genz ruft zusammen mit den Synodalpfarrerinnen und –pfarrer auf, angesichts der Herausforderungen von COVID-19 der Wahrheit und dem Leben verpflichtet zu bleiben. Das sei der Ruf des Evangeliums an uns. Die Kirchenleitung zeigt sich besorgt angesichts der gravierenden Probleme des Landes, die durch COVID-19 sich verstärkt haben. 

"Die Pandemie hat den Abgrund vergrößert, der reiche und arme Menschen trennt. Milliardäre wurden noch reicher und die Armen noch ärmer... Mit über 100.000 Todesfällen infolge von COVID-19 in Brasilien stehen wir auf dem traurigen zweiten Platz weltweit," so der Brief. "Erschwerend kommt hinzu, dass bekanntlich zu wenige Infektionen erkannt werden. Wir beten und solidarisieren uns mit den Familien dieser 100.000 Menschen. Wer auch immer gestorben ist, hat einen Namen, eine Geschichte, eine Adresse und Verwandte. Es sind Menschen jeden Alters und aus allen brasilianischen Bundesstaaten, aber COVID-19 ist unter den älteren und verarmten Menschen am tödlichsten... Es kann nicht angehen, dass Regierende und gewählte Vertreter auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene die Schwere der Pandemie ignorieren. Noch schlimmer ist es, wenn sie sie ausnutzen, um Rechte zu beschneiden und die Kaufkraft der Bevölkerung zu verringern und nur bestimmte Gruppen zu begünstigen. Wer ein korruptes Herz hat, nutzt die Situation für illegale Praktiken aus, wie Berichte über irreguläre Käufe von Ausrüstung, Medikamenten und den Bau von Feldlazaretten zeigen." All diese Machenschaften werden von der Kirchenleitung der IECLB scharf verurteilt.

Positiv werden dann Zeichen der Verantwortung, der Solidarität und des Mitgefühls hervorgehoben, die es auch gibt. Insbesondere dort, wo man sich gegen die Verbreitung von COVID-19 stemmt und Leidenden zur Seite steht.Solidarisch zeigt sich die Kirche mit den Leidenden, Sterbenden und Trauernden. Verurteilt wird die Zunahme häuslicher Gewalt gegen Frauen, Kinder und ältere Menschen. 

Die Gemeinden der IECLB und alle ihre Mitglieder werden aufgerufen, zusammen zu stehen im Kampf gegen COVID-19, denn dieses Virus bedrohe alle. "Je mehr wir zusammenstehen, desto mehr Leben können bewahrt werden. Hilfe kommt von Gott, aber unsere Einheit ist unverzichtbar," heißt es. Das Evangelium sei dabei Hilfe, um gegen Lügen, Hass und Gewalt einzutreten und für die Wahrheit zu kämpfen. Ermutigt wird, diakonisch weiter sich einzusetzen.

Als IECLB wolle man den "Weg mit Beharrlichkeit und mit Engagement für das Leben fortsetzen." Den notwendigen Veränderungen und Neuerungen solle man sich stellen und darauf bauen, dass Gott hilft. 

Dieser Pastoralbrief wurde in Porto Alegre/Brasilien am 11. August 2020 veröffentlicht.

Donnerstag, 13. August 2020

Die lutherische Kirche in Grodno ist Zuflucht für Demonstranten

Absperrgitter vor der lutherischen Kirche in Grodno
Seit der umstrittenen Präsidentenwahl in Belarus geht die Polizei mit Gewalt gegen Demonstrierende vor. In Minsk stellten sich nun Hunderte Frauen den Beamten entgegen - und verurteilten die brutale Gewalt. Es gibt massenhaft Verhaftungen. Von Misshandlungen in den Gefängnissen spricht die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet. Sie verurteilt die Vorkommnisse scharf.

Nicht nur in der Hauptstadt Minsk gibt es Demonstrationen. Auch aus Grodno, wo es eine aktive lutherische Gemeinde gibt, wird von Protesten berichtet. Der Pfarrer der Gemeinde schreibt: 
"Liebe Brüder und Schwestern!
Ich grüße Euch aus Grodno in Belarus. Ich denke, Ihr habt von der Situation bei uns gehört. Es ist sehr schlimm. Seit vier Tagen gibt es kein Internet. Die Protestaktionen im ganzen Land und auch bei uns gehen weiter. Unsere lutherische Kirche ist permanent geöffnet für Menschen, die vor der Gewalt, die von Sicherheitskräften ausgeht, fliehen. Auch aus unserer Gemeinde sind junge Leute dabei, die für ihre Freiheit kämpfen und gegen das Wahlergebnis der Präsidentschaftswahl auf die Straße gehen. Belarus steht vor einer großen Wirtschaftskrise. Wir bitten um Eure Gebete und wünsche Euch Gottes Segen! Euer Wladimir"

Das GAW hat vor Kurzem gemeinsam mit dem Martin-Luther-Bund die Anschaffung eines Autos für die Gemeinde unterstützt. Zudem wurde das Pfarr- und Gemeindehaus mit Hilfe des GAW und der Ev. Kirche in Mitteldeutschland hergerichtet, so dass der Pfarrer endlich eine Pfarrwohnung hat. Die in der Sowjetzeit völlig heruntergekommene Kirche konnte dank der Hilfe des deutschen Staates wieder hergerichtet werden. All die Bemühungen und das Aufblühen der lutherischen Gemeinde im Westen des Landes nahe der polnischen Grenze ist der Umtriebigkeit und dem Engagement der Gemeinde und des Pfarrers zu verdanken.

Mittwoch, 12. August 2020

Alarmierende Nachrichten zu Corona aus Aleppo

Pastoralbesuche von H. Selimian
Gestern Abend bekam ich neue Nachrichten aus Aleppo von dem armenisch-evangelischen Pfarrer Haroutune Selimian. Er schrieb mir:

"Liebe Schwestern und Brüder im GAW, ich schreibe euch, um euch von der schrecklichen Situation in Aleppo zu erzählen. Seit letzter Woche haben wir in der Gemeinde viele Corona-Erkrankungen gehabt. Gerade den älteren Kranken geht es nicht gut, sie bekommen keine Luft und brauchen Sauerstoff. Soweit es mir möglich ist, besuche ich alle Erkrankten. Als Pfarrer ist es wichtig, die Menschen geistlich zu unterstützen und sie nicht allein zu lassen. Darüber hinaus kümmere ich mich um die erweiterte Nachbarschaft rund um die Bethelkirche. Ich besuche auch kranke Menschen, die nicht zur Gemeinde gehören, wenn sie es wollen. 

Die Epidemie breitet sich in Aleppo furchtbar und sehr schnell aus. Es gibt mindestens eine Infektion in fast jeder Familie. Das ist schrecklich für alle und ein großes Elend. Täglich sterben Menschen bei uns in der Nachbarschaft, die wir kennen. Die Ärzte und Pfleger in unserer Bethel-Poliklinik haben alle Hände voll zu tun. Wir versuchen mit allen Kräften, die Mitarbeiter dort zu unterstützen. Aber alle sind überfordert, da die erforderlichen Medikamente und Schutzausstattungen fehlen. Möge Gott dem syrischen Volk gnädig sein. Betet für uns und vergeßt uns nicht!"

Im Chat erzählte er mir dann noch, dass er sich Sorgen um das medizinische Personal macht, das die rasant anwachsende Zahl an Coronapatienten versorgen muss und gerade dafür kaum die nötige Schutzausstattung hat. 

Gleichzeitig bat ich ihn, aufzupassen, sich zu schützen, so gut es geht... - Es gibt derzeit keine Klarheit über die Ausbreitung des Virus in Syrien. Solche Nachrichten sind alarmierend.

(Pfr. Enno Haaks)

Dienstag, 11. August 2020

Corona breitet sich in Aleppo aus

In der armenisch-evangelischen Bethel-Gemeinde in Aleppo gibt es seit der vergangenen Woche mehrere Covid19-Erkrankungen. Pfarrer Haroutune Selimian berichtet, dass drei Gemeindeglieder im Krankenhaus behandelt würden. Ein Mitglied des Presbyteriums sei am Sonntag an dem Virus verstorben.
Die Erkrankungen nähmen immer mehr zu, so Pfarrer Selimian: "Die Situation wird immer schlimmer. Das Virus breitet sich weiter aus. Die Menschen sind in Panik deswegen. Die Krankenhäuser in Aleppo und Syrien sind auf Corona nicht vorbereitet. Es gibt keine Medikamente zur Behandlung." 

Er bittet, für Aleppo und die Gemeinde zu beten: Dass das Virus gestoppt wird und die Kranken bald wieder genesen.

Im April traten offiziell die ersten Corona-Fälle in Syrien auf. Trotz der geringen Testkapazitäten - es gibt nur fünf Testzentren im ganzen Land - gibt es 1.188 bestätigte Fälle (Stand 10.08., John Hopkins University). In Aleppo wurden Straßen, Busse, Schul- und Kirchengebäude mit Desinfektionsmittel abgesprüht. "Wir haben unsere Leute angewiesen, vorsichtig zu sein, die Pandemie nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und den nationalen Vorschriften zur Prävention Folge zu leisten", sagt Pfarrer Selimian. Mehr als drei Monate lang fanden keine Gottesdienste statt. Inzwischen sind Universitäten, Schulen und Geschäfte in Syrien wieder geöffnet. Seit Anfang August steigt die Infektionskurve steil an.


Viele Menschen haben durch die Krise ihre Arbeit verloren. Der Staat leistet wenig Unterstützung. Die Bethel-Gemeinde verteilt seit Jahren regelmäßig Lebensmittel an die Bevölkerung, so auch jetzt in der Corona-Krise. Zusätzlich werden Handschuhe und Masken ausgegeben. Die Bevölkerung leidet nicht nur unter den Folgen des Krieges, sondern auch unter einem seit einigen Monaten geltenden US-Embargo. Es richtet sich eigentlich gegen die Regierung, treffe aber vor allem die Bevölkerung, wie die Partnerkirchen in Syrien berichten.

Montag, 10. August 2020

Die Sanierung der reformierten Kirche in Tureni/Rumänien ist gelungen

Sanierte Reformierte Kirche in Tureni 2020
Kirche in Tureni 2016
Die reformierte Kirche in Tureni rund 20 Kilometer von Cluj (Klausenburg) entfernt war dringend sanierungsbedürftig. Die Gottesdienste mussten im Gemeindesaal gefeiert werden. Die Sanierungsarbeiten begannen schrittweise schon 2016. Erste Arbeiten waren die Trockenlegung der Kirche und ein Austausch der Fenster und Türen. Im Projektkatalog 2018 wurde dann um eine Unterstützung von 12.500 Euro gebeten. Nun hat uns die Abrechnung und das Dankesschreiben der Gemeinde erreicht.

Die Kommune Tureni (Tordatúr) liegt am Rand des Apuseni-Gebirges. In fünf Ortschaften gibt es rund 2.200 Einwohner und acht Kirchen verschiedener Konfessionen: rumänisch-orthodoxe, unitarische, katholische und reformierte Kirchen. Die reformierte Kirche stammt aus dem Jahr 1727 und beeindruckt mit ihrer imposanten Architektur. Die ungarischsprachige reformierte Gemeinde zählt 201 erwachsene Mitglieder. 

Kircheninnenraum
„Wir haben ein aktives Gemeindeleben. Deshalb ist ein würdiger Platz für die Gottesdienste sehr wichtig!“ schreibt Pfarrer Endre Székely Szabolcs. 

„Der Zustand einer Kirche wirkt sich auf die Gemeinde aus. Deshalb sind wir dankbar für die Hilfe, die wir vom GAW erhalten haben. Die Mitglieder sind neu motiviert. Die frisch sanierte Kirche stärkt das Glaubensleben unserer Gemeinde.“

Sonntag, 9. August 2020

Fürbitte für den Libanon

Ewiger und barmherziger Gott, heute bitten wir dich besonders für die Menschen im Libanon, die von einem so schlimmen Unglück betroffen sind. 

Libanon – das kleine Land, ein Urbild der Schönheit seit biblischer Zeit: 
seine Berge, die Früchte des Landes, der Wein, die legendären „Zedern des Libanon“. 

Seit biblischer Zeit aber auch ein gefährdetes Land: vielfach missbraucht durch konkurrierende Mächte der Region, geschunden durch Terror und Bürgerkriege bis heute, aber auch gefährdet von innen: durch Egoismus und Zwietracht. 

Wir bitten für die Menschen im Libanon, für Einheimische und Flüchtlinge, für Christen und Muslime verschiedener Konfessionen. 

Wir bitten besonders für die Menschen, die ohnehin am Rand der Gesellschaft standen und die jetzt doppelt von den Folgen des Unglücks betroffen sind: für die, die einen Angehörigen verloren haben, für die vielen Verletzten und ihre Helfer, für die Menschen ohne Obdach und ohne Arbeit, besonders für die vielen Flüchtlinge, deren Situation nun noch schwieriger und deren Zukunft nun noch unsicherer geworden ist: 
Gib ihnen Hilfe, gib ihnen Kraft, gib ihnen Hoffnung. 

Wir bitten für die politisch und wirtschaftlich verantwortlichen Menschen im Libanon und
in den Nachbarländern: Gib ihnen Einsicht und Klugheit, jetzt endlich zu tun, was notwendig ist und den Menschen dient und den Frieden in diesem Land fördert. 

Wir bitten insbesondere für die vielen jungen Leute: Schenke ihnen Mut statt Angst, Entschlossenheit statt Resignation. 

Insbesondere bitten wir für die Christen und die Kirchen im Libanon, für unsere Schwesterkirche, die evangelische Synode: Stärke sie in ihrem Zeugnis für Frieden und Zukunft. Lass sie nicht müde werden in ihrem Einsatz für die Armen, für die Flüchtlinge – dafür dass Kinder Brot bekommen und Bildung. Bewahre ihre Kirchenglieder an Leib und Seele und gib ihnen die Kraft deines Heiligen Geistes, Liebe und Besonnenheit. 

Und auch für uns bitten wir: Öffne Herzen und Verstand - und hilf uns, zu helfen. 

Amen.

(Kirchenpräsident Dr. Martin Heimbucher, Evangelisch Reformierte Kirche in Deutschland)

Spendenaufruf für die beiden evangelischen Partnerkirchen des GAW im Libanon: 

Samstag, 8. August 2020

Nicht auszudenken, wenn die Explosion am Hafen sich mitten in Beirut ereignet hätte...

Rev. Joseph Kassab
"In den vergangenen Tagen habe ich viele Telefonate geführt und E-Mails erhalten, in denen uns unsere protestantischen Partner uns ihre Solidarität ausdrücken. Das berührt mich sehr und ist für unsere Kirchenmitglieder ein wichtiges Zeichen, dass sie nich verlassen sind", sagt im Telefonat der Generalsekretär Joseph Kassab von der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL).

Er berichtet von den Auswirkungen der fürchterlichen Explosion, die ein Fünftel der Stärke der Detonation von Hiroshima gehabt haben soll. "Wäre die Explosion mitten in der Stadt gewesen... nicht auszudenken! So entlud sich die Hälfte der zerstörerischen Kraft auf dem Meer. Trotzdem: Eine weitere Katastrophe für unser gebeuteltes kleines Land..." sagt Kassab.

Die von der Explosion am stärksten betroffenen ärmeren Stadtviertel von Beirut, nahe des Hafens, sind mehrheitlich von Angehörigen der christlichen Minderheit bewohnt; aber auch in den benachbarten muslimischen Vierteln sind die Schäden groß. Die große Zahl der Verletzten überfordert die schon durch Covid-19 überlasteten Krankenhäuser vollends. Zugleich berichten viele Betroffene von einer an Wunder grenzenden Bewahrung ihres Lebens bei der Zerstörung ihrer Wohnungen. Von nur 150 Toten wird berichtet. 4.000 Verletzte gibt es. Noch gibt es Vermisste. 

Eingang zur armenischen Kirche
Tausende Menschen stehen jetzt buchstäblich auf der Straße. Durch die Zerstörung des Hafens ist aber auch die lebenswichtige Versorgung des ganzen Landes mit Nahrungsmitteln unterbrochen. Hoffnung machten in den Nachrichten Bilder von jungen Leuten, die sich aus freien Stücken um Aufräumarbeiten und um die Versorgung Notleidender kümmern: „Wir übernehmen jetzt die Aufgaben, denen der Staat nicht nachkommt“, sagen sie.

Doppelt schwer ist die Lage für die vielen Flüchtlinge im Land; es sind weit über eine Million Menschen, vor allem aus Syrien. Bei sechs Millionen Einwohnern hat gegenwärtig kein Staat im Verhältnis zur Einwohnerzahl mehr Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon. Es gibt mehr syrische Kinder im Schulalter im Land als libanesische. In der Arbeit für Flüchtlinge, insbesondere der Beschulung der Kinder, sieht die NESSL ihre vorrangige diakonische Aufgabe.

Wie andere Kirchen im Land, so hat auch die NESSL in den letzten Monaten ihre Kritik an der Regierung verstärkt, die Misswirtschaft und Korruption angeklagt und sich mit den mehrheitlich jungen Demonstrant*innen solidarisiert. Es ist zu vermuten, dass die Explosion im Hafen - allem Anschein nach durch ein System notorischer Verantwortungslosigkeit verursacht - ein historischer Wendepunkt für den Libanon werden wird. Aber wie wird die Zukunft dieses ebenso schönen wie malträtierten Landes aussehen? Allzu lange haben es die um die Vorherrschaft in der Region kämpfenden Mächte zum Spielfeld ihrer mörderischen Konkurrenz gemacht. Tritt nun ein, was Joseph Kassab als Schreckensvision vor Augen steht: Wir sind ein bankrottes Land, auf dem Weg zu einem gescheiterten Staat. Oder kann von diesem absoluten Tiefpunkt her im Libanon ein politischer Neuanfang gelingen?

Zunächst wird es schlicht darum gehen, genug finanzielle und logistische internationale Hilfe zum Überleben der Geschädigten und der Armen im Land zu mobilisieren: „Wir brauchen Geld für die Reparatur von Gebäuden, für medizinische Hilfe und für Lebensmittelhilfe“, sagte Joseph Kassab gestern in einem Interview mit dem amerikanischen Portal „Christianity Today“. Und im Blick auf die politische Perspektiven fügte er hinzu: „Was wir überhaupt nicht brauchen können, wären Auseinandersetzungen, die sich zu einem neuen Bürgerkrieg auswachsen könnten wie in Syrien. Mit allem, was von außen kommen mag, werden wir fertig. Aber interne Konflikte würden das Land zerstören.“ Wörtlich: „The most important thing is for Lebanon to have peace with itself.“ ("Für den Libanon ist es am wichtigsten, Frieden mit sich selbst zu haben")

Zerstörtes Altarfenster in armenischer Kirche
Joseph Kassab bekräftigt, dass seine Kirche ihrer historischen Mission treu bleiben wolle: Mit ihrem Zeugnis und ihrer Praxis möchte sie Ferment einer besseren Zukunft für das ganze Land sein, in der es Bildung für alle gibt und ein respektvolles Zusammenleben der verschiedenen Konfessionen und Religionen geübt wird:

„Dafür wir wollen wir das Bewusstsein unserer Brüder und Schwestern im Westen schärfen“, sagt Joseph Kassab: „Wir haben in diesem Land eine gemeinsame Mission, die vor 200 Jahren begann, ein gemeinsames geistliches Erbe. Steht auch Ihr jetzt dazu?“ Gegen die Befürchtung, dass diese Katastrophe zu einem verstärkten Exodus gerade der Christen aus dem Libanon führen könnte, appelliert er an die Gemeinden der NESSL: „Inmitten dieses Schmerzes müssen wir eine bessere Kirche werden. Wir sind nicht dazu berufen, in den Kirchenbänken zu sitzen, sondern für Christus Zeugnis abzulegen und für das Reich Gottes zu arbeiten.

(Quelle: Brief von Kirchenpräsident Dr. Martin Heimbucher von der Reformierten Kirche ergänzt durch Notizen aus einem Telefonat des GAW-Generalsekretärs Pfr. Enno Haaks mit Joseph Kassab)

Das GAW unterstützt die beiden evangelischen Kirchen im Libanon, damit sie ihre Gebäude wieder herrichten können. Das ist ein Zeichen: Sie wollen im Land bleiben!

Wir bitten dabei um Unterstützung: 
 https://www.gustav-adolf-werk.de/spendenaufruf.html

Freitag, 7. August 2020

Vikarin Almut Klose für zwei Monate in der GAW Zentrale

Vikarin Almut Klose
Eigentlich macht Almut Klose ihr Vikariat in der Kirchengemeinde Lorch und Weitmars in Württemberg. Im August und im September arbeitet sie in der GAW Zentrale in Leipzig mit. Wie es dazu kommt, erklärt sie so: 

"Ergänzung und Vertiefung. So heißt eine Ausbildungsphase für uns Vikarinnen und Vikare in der Landeskirche Württemberg. Nach zwei Jahren in der Gemeinde werden wir für unseren Weg ins Pfarramt „in die Welt“ geschickt, um außerhalb der Gemeinde Erfahrungen zu sammeln. „In die Welt“ zu Corona-Zeiten? Sämtliche Betriebe sind im Homeoffice und ein Einsatzort außerhalb von Europa, wie ich ihn eigentlich in Chile geplant hatte, unerreichbar. Also suchte ich einen Weg, wie ich unter Reise-Beschränkungen Einblicke in die Kirche weltweit bekommen kann. 

Das Gustav-Adolf-Werk, das evangelische Kirchen rund um den Globus vernetzt und unterstützt, ist für mich die richtige Adresse! Als Studentin habe ich ein Jahr in Prag verbracht und an der dortigen Evangelischen Fakultät studiert. Die Lebendigkeit und die Kreativität in den evangelischen Gemeinden, die in Tschechien in der Minderheit sind, begeisterten mich. Besonders an das Jan-Hus-Fest im Juli 2015, das die tschechische Hauptstadt in einen bunten Kirchentag verwandelte, erinnere ich mich gern: das waren große ökumenische Feiertage mit Gästen aus aller Welt! 

Im August und September arbeite ich in der Geschäftsstelle in Leipzig mit. Die Erfahrung, dass das GAW wie ein Fenster in die Welt ist, habe ich schon in diesen ersten Tagen gemacht: täglich kommen Nachrichten aus den Partnerkirchen. Ich finde es wichtig – gerade in diesen Zeiten, in denen die Krise vor keinem Land Halt macht – dass die Kirchen in enger Verbindung stehen. Gespannt blicke ich darauf, die Arbeit des GAW in diesen zwei Monaten näher kennenzulernen und Impulse für meine spätere Praxis als Pfarrerin zu bekommen."

Donnerstag, 6. August 2020

Corona behindert die Fertigstellung von Bauprojekten in Brasilien

Lutherische Kirche in Baixo Guandu
Im Projektkatalog 2019 des GAW wurden für die beiden Kirchen in Morro Caixa d'Água und Itueta der lutherischen Kirchengemeinde Baixo Guandu (Brasilien - Espírito Santo) insgesamt 20.000 Euro gesammelt. Die Gelder des GAW wurden überwiesen. Durch die Coronakrise hat sich allerdings die Fertigstellung der Bauten verzögert. 

"Wir haben uns strikt an die Richtlinien der IECLB, der Espírito Santo in Belém Synode sowie an staatlichen und kommunalen Regeln im Kontext der Coronakrise gehalten, um uns gegen die Verbreitung des Virus einzusetzen," schreiben die beiden Pastoren Carlos R. Stur und Ronei Odai Ponath. "Derzeit gibt es einige Lockerungen in Espírito Santo, sodass Gottesdienste ab Mitte August wieder möglich sind und die Bauarbeiten fortgesetzt werden können. Wir haben durch die Quarantäne und das Aussetzen des Gemeindelebens erhebliche finanzielle Einbußen, so dass auch die Mittel für die Kirchenbauten nicht in der
Lutherische Kirche in Itueta
Höhe zusammenkamen wie erhofft. Bei uns ist es Tradition, die Beiträge und Spenden zu den Gottesdiensten mitzubringen." 

Und weiter schreiben sie: "Viele digitale Angebote haben wir in der Quarantänezeit gemacht." Und dann schreiben sie zu den Bauten: "Obwohl uns jetzt Gelder zur Fertigstellung fehlen, so haben wir dennoch als Kirchenvorstand beschlossen, dass die Arbeiten ab Anfang August wieder aufgenommen werden sollen. Eure Gelder vom GAW sind uns eine große Hilfe. Ohne das würde es nicht gehen! - Wir werden jede Woche neu schauen, ob wie weiterbauen können und die Entwicklung der Pandemie aufmerksam beachten. Hoffentlich können wir ohne neue Störungen weiterbauen! Wir beten zu Gott um bessere und sicherere Tage!"

2,8 Millionen menschen haben sich in Brasilien infiziert. Bald werden 100.000 Menschen am Coronavirus gestorben sein. "Wir haben fast täglich 1.100 Tote im Land zu beklagen," schreibt Pfr. H. Malschitzky, Generalsekretär des brasilianischen GAW (OGA). - Der Brief aus der lutherischen Gemeinde in Brasilien führt vor Augen, welche Auswirkungen die Coronakrise auf das Gemeindeleben hat und auf die vom GAW geförderten Projekte.

Mittwoch, 5. August 2020

Die Kirche soll da sein, wo sie gebraucht wird!

Sophie Langeneck ist Pfarrerin in der Waldenserkirche in Italien. Ihre Gemeinde liegt in Turin. Hierhin, in die undurchdringlichen Täler des Piemont, flohen die Waldenser, als die Kirche sie im Mittelalter als Ketzer verfolgte. Aber auch von dort wurden sie immer wieder vertrieben. Es ist also ein Wunder, dass es die Glaubensgemeinschaft der Waldenser noch gibt.

Die Kirche geht zurück auf den Kaufmann Petrus Valdes, der 1176 nach einem Bekehrungserlebnis sein Vermögen aufgab und Wanderprediger wurde. Auch seine Anhänger, Männer wie Frauen, lebten in freiwilliger Armut. Erst 1848 wurde den Waldensern die Glaubensfreiheit zugestanden. Seitdem sind zahlreiche neue Gemeinden in allen größeren Städten Italiens entstanden. Das geografische Zentrum der Waldenser bilden jedoch weiterhin die sogenannten Waldensertäler in den Cottischen Alpen westlich von Turin. Die Kirche zeichnet ein großes diakonisches Engagement aus - in Italien und durch die Weitergabe der Kultursteuer auch im Ausland.

Pfarrerin Langeneck schreibt uns aus ihrer Gemeinde: "Zwei Monate lang durften wir keine Gottesdienste zusammen feiern, keine Gemeindekreise und Kathechismen abhalten und uns nicht im Gemeindesaal versammeln. In dieser Zeit haben wir versucht, die Essenz unseres gemeinsamen Glaubens anders zu leben und an den Beziehungen trotz Abstand auf anderen Wegen festzuhalten. So haben wir viel über Internet und Telefon kommuniziert. 

Ich habe z.B. mit meinen zwei Kollegen ein Krabbelgottesdienst-Video für die Kinder aufgenommen. Wir haben mit den Laienpredigern unserer Gemeinden der Waldenser-Täler tägliche Andachten für den waldensischen Radiosender "Radio Beckwith Evangelica" aufgenommen und die Audiodateien auch über WhatsApp verbreitet. Die vielen Menschen, die in der Coronakrise ihren Job verloren haben oder wirtschaftliche Einbußen hinnehmen müssen, hilft die diakonische Arbeit unserer Gemeinde durch Lebensmittelverteilung. Wir haben einfach versucht, anders Kirche zu sein, nämlich eine Kirche, die zu den Gläubigen nach Hause kommt und eine Kirche, die da ist, wo sie gerade gebraucht wird."