Montag, 31. August 2020

Pfarrer Kalmbach berichtet aus Patagonien

Pfarrer Reiner Kalmbach
Argentinien steht immer noch still - wir berichteten auf diesem Blog bereits aus dem südamerikanischen Land. Nun erreicht uns ein Rundbrief von Reiner Kalmbach aus Patagonien. Er ist Pfarrer der südlichsten Gemeinde der Evangelischen Kirche am La Plata, zuständig für zwei ganze Provinzen, Río Negro und Neuquén. Das ist Diaspora!

Er berichtet, dass die wirtschaftliche Lage Argentiniens durch die Corona-Krise und den strengen Lockdown katastrophal geworden ist. "Wir haben schon viele Krisen erlebt, aber das, was jetzt geschieht, stellt alles andere in den Schatten." Die Tourismus-Branche sei zusammengebrochen, dabei war das die einzige Industrie Argentiniens, die in den letzten Jahren einen Boom erlebt hat. In Argentinien herrscht gerade strenger Winter. In San Martín de Los Andes, wo Pfarrer Kalmbach wohnt, liegt so viel Schnee wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Doch die Skitouristen dürfen nicht kommen. 

Pfarrer Kalmbach berichtet besorgt, dass er bei der Regierung zunehmend diktatorische Züge beobachtet. Seit März ist das Parlament nicht mehr zusammengekommen. Der Präsident regiert nur noch per Dekret, seit März waren es 84 Dekrete. Auch die Polizeiwillkür und -gewalt haben zugenommen. Vergangenes Wochenende sind die Menschen zu Tausenden auf die Straße gegangen, um gegen diese Zustände zu demonstrieren.

Wegen der hohen Infektionszahlen herrschen in Buenos Aires die strengsten Einschränkungen. In den Provinzen darf man immerhin wieder auf die Straße gehen. Treffen von bis zu 10 Personen sind wieder erlaubt. Aber man darf die eigene Provinz (so etwas wie ein Bundesland) immer noch nicht verlassen. Als Pfarrer hat Reiner Kalmbach zwar eine Sondergenehmigung und kann sich relativ frei bewegen. "Trotzdem bricht mir der Schweiß aus, wenn ich mich einer Polizeikontrolle nähere", sagt er.

Die Alleinlebenden und Alten in der Gemeinde haben es in dieser Zeit besonders schwer. Sämtliche Kontakte laufen über Whatsapp oder Zoom, aber das kann die persönlichen Begegnungen nicht ersetzen. 

Die Gemeinde hat ein eigenes Altenheim in der Stadt Allen. So wie in anderen Ländern, dürfen auch hier zurzeit keine neuen Bewohner aufgenommen werden. "Acht Betten stehen leer, das ist eine finanzielle Katastrophe für uns", schreibt Pfarrer Kalmbach. Und: "Ob wir das Heim noch lange halten können, ist ungewiss." Seit März erhalten die Pfarrer teilweise weniger Gehalt.* Ein Hoffnungszeichen in dieser schwierigen Zeit ist der Freundeskreis der Gemeinde in Blaubeuren/Württemberg. Er unterstützt die Gemeinde und das Altenheim schon seit vielen Jahren!

Pfarrer Kalmbach schreibt: "Aber wir haben unseren Glauben!, er hat in unserem Leben das erste und letzte Wort. Wenn alles vergeht, wenn alles zerbricht, der Glaube bleibt! Was den „Freundeskreis“ trägt und hält, ist unser Glaube: ein weiter Bogen spannt sich von einem Kontinent zum anderen. Gott sei Dank! Herzlichen Dank für die Gebete, die materielle Hilfe, für die Treue und das Vertrauen in unsere Arbeit."

*In einer ersten Version des Blogeintrags schrieben wir, dass alle Pfarrer der IERP 30 Prozent weniger Gehalt bekommen. Das ist nach Auskunft der Kirchenleitung jedoch nicht der Fall.

Samstag, 29. August 2020

Du Gott des Lebens: schau auf uns!

Pastor G. Hands aus Venezuela mit einer genesenen Frau
seiner Gemeinde
Du Gott des Lebens, schau auf uns und verlass uns nicht, denn die Corona-Krise macht uns Angst - besonders, weil sich so viele Menschen neu infizieren.

Seit Monaten müssen wir mit diesem Virus leben lernen. Wir  sehen es nicht und doch bestimmt es unser Leben. Solch eine Situation hatten wir noch nie.

Auf der ganzen Welt werden Menschen deswegen krank. Die Zahlen der Infizierten nehmen so stark zu. Und gleichzeitig leugnen Menschen die Gefährlichkeit und Existenz des Virus.

Wir bitten dich: Steh uns bei in dieser Situation. Sei bei den Kranken und den Risikopatienten und bei allen, die sich um sie kümmern.

Hilf uns, dennoch gelassen zu bleiben und nicht in Hysterie zu verfallen oder im Leugnen der Gefährlichkeit des Virus.

Hilf uns, Solidarität zu zeigen mit denjenigen, die wir jetzt besonders schützen müssen. 

Lass uns die nicht vergessen, die im Glauben mit uns verbunden sind und ungleich stärker mit diesem Feind des Lebens zu kämpfen haben. Besonders bete wir für unsere Glaubensgeschwister in Syrien und Venezuela.

Guter Gott, lass diese Corona-Krise vorübergehen. Und schenke uns jetzt Mut und Zuversicht und einen starken Glauben.

Amen.

Freitag, 28. August 2020

In Rumänien wurden Patienten wegen Corona vorzeitig aus dem Krankenhaus entlassen

Der Pflegedienst der reformierten Diakonie in Cluj/Rumänien wurde während der Corona-Pandemie noch dringender gebraucht als vorher. Das rumänische Gesundheitssystem gilt als eines der schwächsten in der EU. Zahlreiche Krankenhäuser entließen ihre Patienten vorzeitig, um Betten für Corona-Kranke freizumachen.

Kinga Lakatos (Name geändert) war eine von ihnen. In der Neujahrsnacht zog sie sich schwere Verbrennungen 3. Grades zu, als ihr bei einem Schwächeanfall ein Topf mit kochender Suppe aus der Hand rutschte. Ein Viertel ihrer Haut war verbrüht. Seitdem befand sie sich in Behandlung im Krankenhaus. Als nach zweieinhalb Monaten das Krankenhaus wegen der Corona-Pandemie plötzlich alle Patienten entließ, waren ihre Wunden noch lange nicht verheilt. Sie war verzweifelt und wusste nicht, wie es ohne fachkundige medizinische Hilfe weitergehen sollte.

Von ihrem behandelnden Arzt bekam sie den Hinweis auf die Diakonie Cluj. Zwei Pflegekräfte, Csaba und András, kamen zu ihr nach Hause, reinigten und versorgten täglich ihre Wunden und fotografierten sie regelmäßig. Dann schickten sie die Bilder an den Arzt, der über Telefon Behandlungsanweisungen gab. Inzwischen geht es Kinga Lakatos besser. Bis zur vollständigen Genesung ist es zwar noch ein langer Weg, aber die Heilung macht Fortschritte.

Die Begleitung durch die beiden Pfleger war für Kinga Lakatos enorm wichtig, wie sie sagt: "András und Csaba haben mich jeden Tag besucht und professionell gepflegt. Das hat mich beruhigt und mir das Gefühl gegeben, auf einem guten Weg zu sein. Sie wurden wie Enkelkinder für mich; ich hatte das Gefühl, wir würden uns schon ewig kennen. Ich bin Gott dankbar, dass er mich in dieser schlimmen Situation bewahrt und mir so gute Hilfe geschickt hat."
Andere Patientin der Diakonie

Die Diakonie konnte mit ihrer häuslichen Pflege im ersten Halbjahr 2020 in 45 Dörfern und Städten im Kreis Cluj über 800 Patienten helfen. Da sie nur wenige staatliche Zuschüsse bekommt, wird sie durch das diesjährige Jahresprojekt der GAW-Frauenarbeit unterstützt.

Donnerstag, 27. August 2020

Vikariat in Chile auf unbestimmte Zeit verschoben

Zwischen Studium und Berufsbeginn macht Corona Pablo Catrileo (28) einen Strich durch die Rechnung. Der Theologie-Student der GAW-Partnerkirche in Chile (ILCH) macht sich Gedanken, wie es weitergehen kann:

Theologie-Student Pablo Catrileo in der Erlöserkirche, Santiago 
„Anfang des Jahres 2020 habe ich gedacht, dass dieses Jahr für meinen weiteren beruflichen Weg ein besonderes Jahr werden würde. Nach fast sechs Jahren Theologiestudium steht mein Abschluss kurz bevor. Ich studiere an der Universität in Santiago de Chile und habe an der Universität in Tübingen ein Auslandsjahr verbracht. Ich freute mich sehr darauf, mein Vikariat in meiner Kirche, der lutherischen Kirche in Chile (ILCH) anfangen zu können. Ich hatte bereits einen Platz in einer Gemeinde und wollte im August dort anfangen.

Aber dann kam das Corona-Virus. Niemand konnte sich vorstellen, welche Konsequenzen die Pandemie für unser Land und auch für die Kirche haben würde.

Auf der einen Seite bin ich fröhlich, dass ich mein Studium mit einer digitalen Abschlussprüfung beenden kann, aber auf der anderen Seite kann ich mit diesem Abschluss jetzt nichts anfangen. Meine Kirche kann mir aufgrund der Pandemie kein Vikariatsplatz anbieten.

Pablo Catrileo wartet auf einen Vikariatsplatz.
Die Situation macht mich nachdenklich. Ich kann verstehen, dass die finanzielle Situation in der Kirche aktuell nicht sehr gut ist. Darum ist es für die Gemeinde nicht einfach, mein Vikariat zu planen. Jetzt im August konnte ich nicht beginnen. Die Unsicherheit ist so groß, dass mir niemand sagen kann, ob es im kommenden Jahr möglich sein wird.

Was heißt das für mich? Unsere Kirche ist nicht sehr groß und insgesamt ist die Lage in Chile nicht klar: Wann können wir wieder mit einer „Normalität“ für die Gesellschaft und auch für die Kirchen rechnen? Mein Wunsch ist es, meinen Dienst als Vikar und Pfarrer in meiner Kirche in Chile zu tun. Aber was passiert, wenn das jetzt nicht möglich ist? Muss ich mich neu orientieren und vielleicht in einem anderen Land mein Vikariat machen?

In diesen Momenten denke ich viel an die Worte des Propheten Habakuk, über den ich meine Abschlussarbeit geschrieben habe. „Warum und wie lange dauern diese Unsicherheiten?“ Mir hilft es, meine Sorgen Gott anzuvertrauen, dessen Weisheit und Gedanken höher sind als unsere Vernunft.“


Mittwoch, 26. August 2020

Dürre und Corona haben den Neubau des Lutherzentrums in Lagao I in Esp. Santo verzögert

Bau des Lutherzentrums in Lagoa I (ES)
Es musste für die wachsende evangelisch-lutherischen Gemeinde in Lagoa I in Espiritu Santo in Brasilien ein neues Gemeindezentrum gebaut werden. Die Gemeinde spielt in dem harten Leben der Menschen eine wichtige Rolle. “Lutherzentrum” - so lautet der neue Name. Viel hat die Gemeinde selbst gemacht: 4.000 Ziegelsteine, Sand und Schotter wurden besorgt. Mit weiteren Aktionen wird weiterhin für die Fertigstellung des Zentrums gesammelt.

Die ursprüngliche Kostenanschätzung hat sich nun als ist viel zu gering erwiesen. Während der Bauzeit haben sich die Preise geändert. Es ist teurer geworden. Ein grosser Teil der Bauarbeiten sollte freiwillig geleistet werden. Das ließ sich auch nicht halten und es mussten Arbeitskräfte eingestellt werden. Eine große Dürre verschlechterte dann die wirtschaftliche Situation der Gemeinde -  und dann kam die Coronapandemie.

Aber: es ist deshalb ein Erfolg, dass der Rohbau des Lutherzentrums in Betrieb genommen werden konnte. Das kommt sehr oft vor besonders in den Neusiedlungsgebieten in Westparaná und im Nordwesten des Landes (Rondônia, z.B.). Das ist wiederum für die Gemeindeglieder  ein Ansporn den jeweiligen Bau fertigzustellen und sich dafür anzustrengen

Die evangelisch-lutherische Gemeinde in Lagoa I wurde 1917 als Predigtort gegründet. 1928 konnte die Gemeinde ihre Kirche bauen, die noch heute genutzt wird. 480 Mitglieder zählt die Gemeinde heute. Die meisten von ihnen sind Kleinbauern, die in dem hügeligen und nicht besonders fruchtbaren Land kleine Mengen Kaffee, Bananen, Yamswurzeln und Gemüse anbauen. Daneben betreiben sie in der Regel in kleinerem Umfang Viehzucht. 
Im
Jahr 2016 erlebte die Region Espíritu Santo eine Dürrezeit, die die Bauern sehr traf. Die Einkommen sind sehr bescheiden. Dennoch sorgen die Gemeindeglieder durch ihre monatlichen Beiträge dafür, dass die Kirchengemeinde ein lebendiger Glaubensort für sie ist und bleibt. Das brauchen sie in ihrem harten Alltagsleben. 

"Die Unterstützung durch das GAW war enorm wichtig. Wir bedanken uns als OGA gemeinsam mit der Gemeinde bei allen Spendern!" schreibt der Generalsekretär der OGA Pfr. em. Harald Malschitzky.

Das GAW hat im Projektkatalog 2018 11.000€ für dieses Zentrum gesammelt.

Dienstag, 25. August 2020

Wir haben Vorbildfunktion in Kirche in diesen Coronazeiten

St. Fuite in der Mitte - Treffen Ende Februar 2020 in Brüssel
Wegen der gestiegenen Zahl von Corona-Neuinfektionen warnt das Auswärtige Amt nun auch vor touristischen Reisen nach Brüssel. Bisher war in Belgien lediglich die Provinz Antwerpen betroffen. Nun kommt die Hauptstadt als Risikogebiet hinzu. 82.000 Infizierte und rund 10.000 Tote sind derzeit gemeldet.

Synodalpräsident Stefen Fuite der Vereinigten Protestantischen Kirche (VPK) aus Belgien schreibt:

"Das Covid-19 Virus ist immer noch bei uns. Die Zahl der Infektionen nimmt sowohl in der Region, in der ich lebe, als auch in der Region, in der ich arbeite, zu. Die von den Zivilbehörden ergriffenen Maßnahmen wurden kürzlich verschärft. Infolgedessen werden sonntags in der VPK kaum Gottesdienste abgehalten. Andere kirchliche Aktivitäten sind sehr begrenzt und werden oft verschoben. 

Gebäude der VPKB
Weil ich glaube, dass die Kirche ein Beispiel geben sollte - nicht aus Angst, sondern aus Besonnenheit und Verantwortung -, ermutige ich dazu auch als Synodalpräsident. 

Ende Februar besuchten eine größere Gruppe von GAW-Theologiestudierender den Hauptsitz der Vereinigten Protestantischen Kirche in Belgien in Brüssel. Heutzutage gibt es dort kaum noch Treffen und wenn, dann nur noch für dringende Angelegenheiten und mit einer sehr begrenzten Anzahl von Personen. 

Möglicherweise wird der Synodalrat der VPK Ende August beschließen, die Synodensitzung, die vom 6. bis 8. November stattfinden sollte, zu annullieren."

Synodalpräsident Fuite sollte Ehrengast beim Mitgliederfest des GAW-Osnabrück Mitte September sein. Sehr wahrscheinlich wird er aus den genannten Gründen nicht kommen können. "Wir haben schließlich auch eine Vorbildfundktion," schreibt Fuite.


Montag, 24. August 2020

Siebenbürgische Kirchenburgen haben zahlreiche Pandemien, Seuchen und Belagerungen erlebt


Vikar Benedikt Jetter in Wolkendorf – 
mit der Karte der Kirchenburgenlandschaft
Benedikt Jetter ist Vikar der Württembergischen Landeskirche und macht in diesem Rahmen ein Praktikum bei einer unserer GAW-Partnerkirchen in Rumänien: 

"Siebenbürgische Kirchenburgen haben schon viele Pandemien und Belagerungen hinter sich. Dass sie diese nicht immer schadlos überstanden haben, davon zeugt u.a. die ‚Pestkanzel‘ in Großau, von der ich neulich predigen durfte. Bei aller Fremdheitserfahrung – Gottesdienste unter Pandemiebedingungen sind hier beileibe keine historisch neue Erscheinung.

Es ist eine spannungsvolle Angelegenheit, mitten in dieser Zeit liturgischen Dienst in Rumänien zu tun. Aber eigentlich ist meine Tätigkeit folgende: als angehender Württemberger Pfarrer absolviere ich die sogenannte ‚Ergänzungs- und Vertiefungsphase‘ meines Vikariates außerhalb meiner Ausbildungsgemeinde bei der Stiftung Kirchenburgen (SKB) in Hermannstadt/Sibiu. Träger der Stiftung ist die Ev. Kirche A.B. in Rumänien, bei der ich 2017/18 bereits im Rahmen eines privat organisierten ‚Spezialvikariates‘ wertvolle Praxis sammeln durfte. Heute wie damals beeindruckt mich die Zuverlässigkeit der Leute, das jahrhundertelange Trotzen gegen alle Widrigkeiten und die Gewissheit, im Glauben und in der Kirche Zuflucht zu finden. Dazu gehört auch Dankbarkeit: man weiß durch die Erfahrung der Minderheit, des Kommunismus und des ‚Sachsen-Exodus‘: Gottesdienste feiern zu können ist nicht selbstverständlich.

Genauso wenig selbstverständlich ist es, dass die für die Region charakteristischen Kirchenburgen bewahrt werden können. Hier kommt die Stiftung Kirchenburgen ins Spiel. Diese verschreibt sich – in Zusammenarbeit mit zahlreichen lokalen Akteuren – dem Erhalt der Kirchenburgenlandschaft. Dazu gehört neben spendenbasierten Restaurierungsmaßnahmen auch das Sensibilisieren lokaler Handwerker, Baufirmen und Architekten für die Arbeit mit denkmalgeschützten Bauwerken. Weitestgehend ausfallen müssen dieses Jahr leider die Sommerschulen, Workcamps und fachtouristischen Veranstaltungen, bei denen interessierte TeilnehmerInnen handwerkliche Tätigkeiten lernen und gleichzeitig ihre Arbeitskraft für ein konkretes Projekt einbringen. 

Auch ich spende gewissermaßen zwei Monate meiner Arbeitskraft und stehe insbesondere für Aufgaben zur Verfügung, die in der Alltagsroutine des SKB-Mitarbeiterteams oft hinten runter zu fallen drohen. Bspw. kümmere ich mich um die Zusammenstellung von Visionen, Fundraising-Guidelines, ethischen Kriterien für Zusammenarbeit und Spenderchecklisten. Außerdem bin ich an der Entstehung neuer kreativer Formate im Sinne des ‚adaptive reuse‘ beteiligt. Was sich hinter dem spannenden hochaktuellen Projekt verbirgt, bleibt vorerst geheim. Wer mehr erfahren will, kann die Entwicklungen auf der Homepage verfolgen – oder mithilfe der Gästezimmerliste einen ‚Urlaub bei Freunden‘ planen. Die Evangelischen Rumäniens lassen grüßen!"


Stiftung Kirchenburgen: https://kirchenburgen.org/
Ev. Kirche A.B. in Rumänien: https://www.evang.ro/
Gästezimmer der 

Samstag, 22. August 2020

Ein Gebet aus Polen für Belarus für Sonntag, den 23. August

Friedensgebet in Grodno
Bischof Jerzy Samiec von Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen hat alle Gemeinden seiner Kirchen für Sonntag, dem 23. August 2020, gebeten, für Frieden und Freiheit in Belarus zu beten.

Der Text des Gebets wurde von einer Gruppe von Menschen aus der Gemeinde Bialystok nahe der weißrussischen Grenze erstellt:

"Wir kommen zu Dir, allmächtiger Herr und Gott, der Du der Gott der Ordnung und des Friedens bist, wir bringen vor dich unsere östlichen Nachbarn. 

Bitte beende die Gewalt, stehe ein für die Geschädigten, aber gib ihnen auch die Kraft, den Tätern zu vergeben. 
Beende den Hass und schenke stattdessen gegenseitigen Respekt. 
Gib all denen Weisheit, Besonnenheit und das Geschenk der Einheit, die über die Zukunft von Belarus entscheiden werden. 
V. Taranikow
Wir vertrauen dir all jene an, die sich sozial engagieren und ihr Leben oder ihre Gesundheit riskieren. Bitte tröste diejenigen, die ihre Angehörigen während der Proteste verloren haben, achte auf diejenigen, deren Angehörige verschwunden sind, und stärke diejenigen, die körperlich und geistig gebrochen wurden. 
Gewähre unseren Nachbarn Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden, Herr, und mach uns sensibel für menschliches Leid, Ungerechtigkeit und Böses, damit wir entsprechend unseren Fähigkeiten richtig reagieren können. 

Wir wollen das Salz und Licht dieser Welt sein! Amen"

Bitte, denkt an die Menschen in Belarus und betet für sie! 

Empfohlen wird das Interview mit Pfarrer Vladimir Tatarnikow zu lesen. Er ist Pfarrer der evangelisch-lutherischen St. Johannes Gemeinde in Grodno. 

Das Interview steht unter dem Titel: "Wir haben die Glocken geschlagen, damit die Polizei keine Menschen schlägt."

Freitag, 21. August 2020

Wie arbeitet die indigene Schule in Argentinien in der Zeit des Lockdowns?

Lebensmittellieferungen für die Mbya-Indigenen
Argentiniens Corona-Ausgangssperre ist eine der strengsten weltweit. Seit fünf Monaten befindet sich das Land im Lockdown. Dennoch breitet sich das Coronavirus weiter aus.

Die Schule für indigene Kinder in Takuapí/Misiones wird von der Schweizerischen evangelischen Gemeinde, die zur IERP gehört, getragen. Ruth Weidmann aus der Gemeinde engagiert sich ehrenamtlich für die Schule. Sie schreibt uns über die schwierige Zeit des Lockdowns: 

"Im März begann das neue Schuljahr nach den Sommerferien. Nach nur einer Woche Schulbetrieb musste die Schule aber wieder schließen. Plötzlich musste das Team ganz neue Wege finden, um die Kinder zu erreichen - zumal es in Takuapí fast keine digitalen Geräte gibt und nur schlechten Internetempfang.

Seitdem sind die indigenen Assistenzlehrer, die im Dorf wohnen, noch wichtiger geworden. Sie versammeln die Schüler im Freien auf kleinen Bänken und gehen mit ihnen die Aufgaben durch, die die (spanischsprachigen) Lehrerinnen vorbereitet haben. Die Lehrerinnen geben die Aufgaben der Direktorin Alicia Novosat mit, die wiederum einmal pro Woche nach Takuapí fährt. Um überhaupt auf der Straße unterwegs sein zu dürfen, braucht Alicia Novosat eine polizeiliche Sondergenehmigung. 

Bei den regelmäßigen wöchentlichen Treffen übergibt die Direktorin das Material an die indigenen Assistenzlehrer, klärt die Probleme, die in der vergangenen Woche aufgetreten sind und nimmt die von den Schülern gelösten Aufgaben den Lehrerinnen zur Korrektur mit.

Im Moment sind Winterferien. Doch das Bildungsministerium hat den Lockdown für die Schulen noch einmal verlängert. Wahrscheinlich können die Schülerinnen und Schüler bis zum Ende des Schuljahres im Dezember nicht mehr in die Klassenräume zurückkehren. Besonders die jüngeren Schüler haben noch große Probleme mit dem Spanischen, ihrer Zweitsprache. Gerade für sie wäre dieses Schuljahr ein fast verlorenes Jahr."

Unterdessen nutzen drei der Lehrerinnen die Zeit des Lockdowns, um in einem virtuellen Sprachkurs Grundlagen der Mbya-Sprache zu lernen. Damit können sie die Kinder und ihre Kultur besser verstehen - so hat diese verrückte Zeit doch noch einen Sinn!

Zum Glück gab es in den 14 Dörfern der Mbya-Gemeinschaft, mit denen die Diakonie der Evangelischen Kirche am Río de la Plata (IERP) in Kontakt steht, noch keine Covid-19-Fälle. Das soll unbedingt so bleiben, denn in den Dörfern könnte sich das Virus schnell ausbreiten und zahlreiche Todesfälle verursachen, wie es in zahlreichen indigenen Gemeinschaften im Amazonas-Gebiet in Brasilien bereits passiert ist. 

Neben dem Schulprogramm muss auch die Schulspeisung organisiert werden. Gerade jetzt ist es wichtig, dass die Familien gesundes Essen mit ausreichend Vitaminen zur Verfügung haben. Die Diakonie organisierte Lebensmittellieferungen für die Dörfer. In Takuapí kochten die Mütter aus dem Dorf in der Schule gemeinsam das Mittagessen für die Kinder.