Donnerstag, 10. September 2020

Die Kirche muss den Menschen durch Gebäude und Pfarrpersonen nahe sein

Gottesdienst in Espiritu Santo/Brasilien
Für Diasporakirchen sind zwei Dinge wesentlich, um als evangelische Kirche erlebbar und spürbar zu sein und zu bleiben. 

Das sind gut ausgebildete Pfarrer und Pfarrerinnen, die es schaffen, Menschen zu binden und sie in Beziehung zur Kirche zu bringen. Die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen der EKD haben das immer wieder gezeigt. Mehr als Drei Viertel der evangelischen Kirchenmitglieder kennen einen Pfarrer/eine Pfarrerin mindestens vom Sehen. Das ist auf jeden Fall ein wichtiges Mittel für die Kirchenbindung. Wer einen Pfarrer oder eine Pfarrerin kennt, tritt seltener aus. Zudem: Pfarrer vor Ort vertreten die Kirche nach innen und außen, können Auskunft geben und Glauben vermitteln – auch im Diskurs. In der Zeitschrift Zeitzeichen vom August 2020 schreibt Isolde Karle, Professorin für Praktische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum und Verfasserin zahlreicher Bücher über Kirche und Pfarrberuf: "Pfarrerinnen und Pfarrer sind das personale Gesicht der Kirche, sie haben die höchsten Kontaktwerte, motivieren Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren und sind zugleich Brückenbauer zwischen den Engagierten und Distanzierten." Für sie ist es daher wichtig, die Pfarrer vor Ort zu stärken.

Hinzu kommt, dass Kirche sichtbar und verlässlich da sein muss. Das geschieht durch die Kirchgebäude. Es braucht verlässliche Orte, um sich zu versammeln. Und hoffentlich sind sie dann auch anziehend und schön. Für Diasporakirchen spielt diese Sichtbarkeit eine noch entscheidendere Rolle: Sie zeigen sich und verstecken sich als Minderheit nicht. Sie zeigen: Wir gehören in die Mitte der Gesellschaft.
Kirchgebäude stehen für "Kontinuität, die viele Individuen in ihrem Leben bedroht sehen", schreibt Karle weiter. "An den Orten, an denen Kirchen während des Lockdowns geöffnet waren, waren sie Ankerpunkte für verletzte Seelen und Zuflucht für geängstete Menschen. In der fortschreitenden digitalen Vernetzung der Gesellschaft nehmen Kirchengemeinden und -gebäude an Bedeutung zu, weil sie Orte sind, an denen Vertrauen lokal und personal erfahren werden kann. Davon lebt die Kirche – beharrlich, geduldig, dem Evangelium vertrauend."

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