Freitag, 25. September 2020

Die Seuche lässt überdeutlich werden, was seit jeher im Argen liegt

Ein Kind malt zu Hause mit Materialien aus dem Kindergarten
In Argentinien dauert der Lockdown immer noch an - nun schon ein halbes Jahr. Nach wie vor sind alle Schulen und Kindertagesstätten geschlossen. Seit Juni steigen die Infektionszahlen kontinuierlich und haben sich auf einem beunruhigend hohen Niveau eingependelt. Immer sind es um die 11.000 täglichen neuen Fälle. Die Auslastung der Krankenhäuser und speziell der Intensivstationen ist bedrohlich hoch. 

Nach der Konzentration auf den Großraum Buenos Aires gibt es nun mehr und mehr Ansteckungen auch in den Bundesstaaten. In den kleineren Städten, gar auf dem Land, ist die sanitäre Ausstattung völlig unzureichend. Überhaupt: "Die Seuche lässt überdeutlich werden, was seit jeher im Argen lag und liegt." So formuliert es Claudia Lohff-Blatezky, Leiterin des Kindergartens der evangelischen Gemeinde in Quilmes.

Weiter erzählt sie: "Im Bereich der Erziehung bedeutet das: marode Gebäude, zu hohe Schülerzahlen, mangelhafte hygienische Ausstattung... Unvorstellbar, unter diesen Bedingungen die Aktivitäten wieder aufzunehmen. Eine weitere Hürde sind die öffentlichen Verkehrsmittel: Sie sind die einzige Option der ärmeren Bevölkerung, sich fortzubewegen. Zu den Stoßzeiten sind sie gewöhnlich absolut überfüllt. Gegenwärtig sind sie noch den Personen vorbehalten, die in "essentiellen Berufen" arbeiten.

Verteilung von Lebensmitteln in Quilmes

Gerade in den Armutsvierteln von Quilmes gibt es viele Personen, die sich trotz Symptomen nicht melden, aus Angst, isoliert zu werden. 'Wer kümmert sich dann um meine Kinder? Lieber bleibe ich zu Hause, bis es mir wieder besser geht.' Solche Nachrichten bekommen die Erzieherinnen immer wieder. 

Mittlerweile hat sich eine feste Routine der Kommunikation mit den Kindern eingespielt. Jeden Vormittag versenden die Erzieherinnen Geschichten, Lieder, Grüße und Anregungen für Aktivitäten. Und sie stehen für Fragen und Sorgen zur Verfügung. Unser Beratungsteam unterstützt aus der Ferne die Mütter bei der Beantragung von Sozialhilfen - diese sind immer ungenügend und zu wenig, aber trotzdem unentbehrlich. Die größte Hürde dabei ist, dass viele Familien nur beschränkten Internetzugang haben. Auch Lebensmittel verteilen wir weiterhin an die Familien." Das Band der Verbundenheit ist gerade jetzt essentiell!


Donnerstag, 24. September 2020

Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb

Heute in der fortlaufenden Bibellektüre lese ich bei Paulus im 2. Korintherbrief im 9. Kapitel: 

"Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder, wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb." 

Die letzten vier Worte sage ich sehr gerne, wenn ich eine Kollekte abkündige und eine Geschichte aus der weltweiten evangelischen Diaspora dazu erzähle. Meist lächeln die Gottesdienstbesucher - wie auf dem Foto.

Paulus ist es immens wichtig, in den Gemeinden, die er gegründet hat, zu einer Sammlung aufzurufen für die "Armen in Jerusalem". Im Zeugnis und Dienst will er die Verbundenheit untereinander ausdrücken. Er weiß: ohne die materielle Solidarität geht das letztlich verloren. Die Sammlung zeigt: Wir fühlen uns verbunden. Wir sind verbunden. Uns rührt die Not an. Ich will Teil sein, um Not zu lindern.

Kollekte ist nicht dafür da, sich zu bereichern. Das gibt es auch - zu beobachten bei Neopentecostalen Kirchen in Lateinamerika. Da wird vorgegaukelt, dass wenn ich viel gebe, um so mehr Segen auf mich zurückfällt. Das Geld ist dann oft für den eigenen Reichtum der Kirche oder/und des Predigers. Da wird viel manipuliert. Und das ist mit der frohen Botschaft nicht zu vereinbaren.

Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb! - sagt Paulus.

Es geht nicht darum, damit dann "mal kurz die Welt zu retten". Es geht darum, durch eine Kollekte oder Spende zu zeigen, dass Not mich anrührt und mein Herz in Bewegung bringt und dass davon auch das Portemonnaie aufgeht. Paulus weiß: Das dient Gott zur Ehre und auch dir wieder zum Segen. 

Deshalb: Habe die Freiheit, nichts zu geben. Habe die Freiheit, viel zu geben, dort, wo dein Herz brennt. Was du tust, tue bewusst: Aus einem freiem Herzen, in der Klarheit, die Gott dir in dieser Sache gegeben hat und mit der Freude, die mit einem echten Geben verbunden ist. So lebst du als ein Gesegneter und wirst anderen zum Segen.

Im GAW sammeln wir weltweit übrigens jedes Jahr mit unseren Partnern für ein Projekt gemeinsam - sei es in Bolivien, Russland, Spanien, Kolumbien oder Estland. Unsere Partner sagen uns: Schön, dass wir Teil der weltweiten Gemeinschaft sind! Schön, dass wir helfen können! Wir sind dadurch weltweit im evangelischen Glauben miteinander verbunden.

Infos zu dem, wie die Spenden und Kollekten verwendet werden: https://www.gustav-adolf-werk.de/gaw-in-zahlen.html

Und hier eine konkrete Spendenmöglichkeit für Flüchtlingsschulen unserer Partnerkirche im Libanon: https://www.gustav-adolf-werk.de/projekt-des-monats.html


Mittwoch, 23. September 2020

Die Menschen sind müde wegen der Coronakrise und werden achtlos

Nach etlichen Monaten ist Bischof Alfred Eichholz von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kirgistan wieder zurück im Land, nachdem er nicht aus Deutschland ausreisen konnte.

Er schreibt: 

"Ich freue mich sehr, Euch endlich aus Kirgistan zu grüßen. Ich freue mich über verschiedene Begegnungen mit den Geschwistern hier. Zwei Gottesdienste habe ich seit der Rückkehr mitgestaltet. Wir dürfen wieder Gottesdienste in unseren Bethäuser feiern - allerdings mit allen sanitären Vorsichtsmaßnahmen.

Was uns jetzt Sorge macht, sind die steigenden Infektionszahlen. Die Menschen halten sich kaum an die Abstandsregeln und die anderen Vorsichtsmaßnahmen. Selten sieht man Menschen mit Mundschutz. Ich war am Wochenanfang fast der einzige, der auf dem Basar Mundschutz trug. Auf die Frage, warum man keine trägt, sagen die Menschen, dass sie müde geworden sind. Das gleiche erlebe ich allerdings auch in unseren Gemeinden. Das macht mir große Sorgen.

Die Regierung beschäftigt sich derzeit mit den Wahlen, die am 4. Oktober stattfinden sollen. Corona rückt auch für die Regierung dahinter zurück. 

In dieser Woche trifft sich unsere Kirchenleitung, um die ganze Lage hier ausführlicher zu besprechen. Hier wird es auch darum gehen, wie wir unseren Gemeindemitgliedern helfen, sich zu schützen.

Wir hoffen und beten, dass auch in Deutschland die Zahl der an Corona-Infizierten nicht ansteigt und die sogenannte zweite Welle ausbleibt."

 

Dienstag, 22. September 2020

Das GAW steht für ein weltweites Sorge-Netz - wichtig gerade in Coronazeiten

Dr. Beate Hofmann (Foto: medio.tv/schauderna)
Das GAW habe die weltweite Gemeinschaft evangelischer Christen im Fokus, sagte Bischöfin Dr. Beate Hofmann von der Kurhessich-Waldeckschen Landeskirche zur Eröffnung der diesjährigen Vertreterversammlung des GAW in Hofgeismar. 
 
Das GAW zeige, wie Christen miteinander in Verbindung bleiben und sich unterstützen. In diesem Sinne sei das GAW ein Werk, das ein weltweites Sorge-Netz knüpfe im Sinne dessen, was im Englischen eine "caring comunity" ausdrückt. Es gehe darum Menschen in lebendige Beziehung zueinander zu bringen. Füreinander sorgen - und nicht sich Sorgen bereiten: Das lebt das GAW, indem es solidarisch mit evangelischen Gemeinden weltweit verbunden ist. Das sei aber keine Einbahnstrasse, sondern es komme viel zurück - so Hofmann. Insbesondere die Informationen und das Dicht-Dran-Sein an den Partnern sorgten dafür, dass wir mitbekommen, wie es weltweit Partnern gerade auch unter Coronabedingungen geht. "Coronaleugner zu hören angesichts der Massengräber in Brasilien ist unerträglich," so Hofmann.

Und dann deutete sie das Kürzel GAW auch als Anspruch und Zuspruch:

Gottes Arm werden

Gottes Augen werden

Gemeinschaft aller werden

Ganz anders werden

und

Gott arbeitet weiter.

Montag, 21. September 2020

Rauch und Aschewolken ziehen über Brasilien

Satellitenfoto des Pantanal vom 14. September 2020
Harald Malschitzky, Generalsekretär der Obra Gustavo Adolfo (OGA) in Brasilien, schreibt uns über die Waldbrände und die Corona-Situation in seinem Land:

Wegen der Coronapandemie fällt momentan weniger auf, dass die Waldbrände im Amazonasgebiet und besonders im Pantanal unkontrollierbar geworden sind. Das Pantanal ist ein riesiges Gebiet in Mato Grosso, größtes Binnenfeuchtgebiet der Welt und Schutzgebiet für viele kleine und große Tierarten. Gleichzeitig wird ein nicht kleiner Teil vom Pantanal auch für Viehzucht genutzt. Es ist klar, dass ein Großteil der Brände absichtlich gelegt wurde, besonders von Großviehzüchtern, die mehr Weideflächen wollen.

Hinzu kommen die Trockenheit und Riesenhitze (gestern in Cuiabá 43°). Im März und April hat Bolsonaro die Gefahr heruntergespielt, zahlreiche Spezialisten und Angestellte der Kontrollstellen für Urwaldschutz gefeuert, die Gelder zum Teil gestrichen und den öffentlichen Nachrichtendienst beschuldigt, Propaganda gegen ihn zu machen. Vor zwei Wochen hat das Umweltministerium ein Video auf Englisch veröffentlicht mit der Überschrift „Amazonas brennt nicht“, in dem grüne Wälder und eine kleine Affenfamilie gezeigt werden. Diese Affenart gab es jedoch niemals im Amazonasgebiet, sondern nur in den Wäldern und Bergen von Rio de Janeiro! Als der Verantwortliche darauf aufmerksam gemacht wurde, meinte er, das Video sei für das Ausland

Vorgestern wurde Mato Grosso endlich zum Katastrophengebiet erklärt, heute aber hat sich das Feuer auch auf den benachbarten Bundestaat Tocantins ausgebreitet. Rauch- und Aschewolken ziehen über Brasilien. Selbst hier im Süden haben wir Regen mit feiner Asche und die Sonne zeigt sich am Ende des Tages nur noch als ein riesiger roter Ball! Ungeachtet dessen erklärte Bolsonaro heute Morgen, wir seien das Land, das am meisten für die Umwelt sorgt!

Zumindest die Zahlen von Coronaerkrankten und -toten sind in den letzten Wochen leicht zurück gegangen– trotzdem haben wir zwischen 900 und 1 000 Toten täglich! Insgesamt haben wir bisher 137.000 Tote (Stand 21. September). Obwohl die Regierungsstellen diesen kleinen Rückgang feiern, warnen Infektiologen davor, die Isolierungsmaßnahmen zu schnell zu lockern. Aber: Die Regierung ist zu optimistisch, die Wirtschaft macht Druck und die Tourismusbranche möchte alle Möglichkeiten ausschöpfen, nicht zuletzt im Hinblick auf die kommenden Sommerferien.

Bei der Wiederaufnahme des Schulunterrichts herrscht ein Durcheinander, je nach Bundesstaat oder Landkreis. Unsere Gemeindeschulen starten nun langsam – immer nur für einige Klassen – den Präsenzunterricht, staatliche Schulen nur zum Teil. Viele Eltern haben Angst, die Kinder bereits jetzt in die Schule zu schicken. Andere wiederum wissen nicht mehr, wie sie die Kinder noch zuhause behalten sollen. Dazu kommt, dass tausende Kinder normalerweise ihre Hauptmahlzeiten in den Schulen bekommen.

Unsere Kirchen sind weiterhin geschlossen. Hier und da versuchen kleine Gemeinden Gottesdienste mit wenigen Gemeindegliedern zu feiern. Dafür haben wir Gottesdienste und Andachten online in Fülle; die Losungen wurden wohl niemals so oft verteilt, gehört oder gelesen wie jetzt über Internet.

Viele hoffen und warten auf die Impfung. Es wächst jedoch auch die Zahl derer, die radikal gegen die Impfung sind, oft aus religiösen Gründen. Präsident Bolsonaro sagte vor zwei Wochen dazu: Niemand kann gezwungen werden oder andere zwingen, geimpft zu werden! Er hat wohl vergessen, dass er noch im März eine Verfügung verabschiedet hat, dass der Staat die Bevölkerung zur Impfung zwingen kann, wenn nötig.

Die Frage ist: Quo vadis?

Samstag, 19. September 2020

Wir beten zu dir Gott,
du bist größer als wir denken können, 
du bist Geheimnis und sprengst all das, was wir fassen können.

Inmitten aller Unsicherheit - lass uns Glauben erleben.

Inmitten von Angst - lass uns Ermutigung spüren.

Inmitten von Stress - lass uns Gelassenheit und Ruhe fühlen.

Inmitten von Sorgen - lass uns Vertrauen erfahren.

Inmitten aller Fassungslosigkeit - lass uns Gewissheit erleben.

Inmitten von Verwirrungen - lass uns Zuversicht leben.

Inmitten der Pandemie - lass uns Frieden erleben.

Inmitten von was auch immer - lass uns Liebe erleben. Amen

Freitag, 18. September 2020

Ein Pfarr- und Gemeindehaus in Orlová soll Menschen einladen - das ist so wichtig in diesen Zeiten

Pfarr- und Gemeindehaus in Orlavá
"Ganz herzlich bedanken wir uns für die Hilfe des GAW für die lutherische Gemeinde in Orlová (Tschechien). Dank der Unterstützung in Höhe von 15.000 € aus dem Jahr 2018 konnte die Gemeinde das Pfarr- und Gemeindehaus erweitern für die verschiedensten Veranstaltungen und diakonischen Aktivitäten," schreibt Bischof Tyrlík. "In dieser Zeit, wo durch die Corona-Pandemie so viele Menschen direkt und indirekt betroffen sind, ist uns die gezeigte Solidarität sehr wichtig."

In Orlová wurden Sanitärräume errichtet, die barrierefrei sind. Diese werden während der Sommercamps für Kinder und andere größere Veranstaltungen dringend benötigt. Falls die Gemeinde genug Mittel sammeln kann, werden beide Bauphasen zusammen realisiert. 

„Ziel ist es, dass die Gemeinde durch die neuen Räume stärker von außen wahrgenommen wird und es zu ihrer positiven Entwicklung beiträgt,“ sagt Tyrlík.

Als Gründungsdatum der lutherischen Gemeinde in Orlová gilt der 24. Juni 1861, der Tag, an dem die Evangelischen den Grundstein für ihre Kirche legten. Schon 1862 wurde die Kirche eingeweiht. Später errichtete die Gemeinde noch drei weitere Gebäude, die aber wegen des Bergbaus zerstört wurden. 

Orlová ist durch den Steinkohlebergbau erheblich gewachsen, jedoch wurden der Industrialisierung auch Tausende historische Gebäude geopfert. Jetzt drohen die nächsten Probleme. „Die soziale und wirtschaftliche Situation in der Region ist heute schon kompliziert. Nach dem zu erwartenden Ende der Bergbauaktivitäten wird sie noch schwieriger“, meint Tyrlík. Die lutherische Gemeinde zählt heute etwas mehr als 1.000 Glieder. Mit 28 Veranstaltungen hat die Gemeinde im vergangenen Jahr eine weitere Öffentlichkeit angesprochen.

Allen Spendern sei herzlich gedankt! 

Donnerstag, 17. September 2020

Hoffentlich könnt Ihr Los Rubios nach der Coronakrise besuchen!

Centro Ecumenico Los Rubios

"Wir danken dem GAW sehr, dass es uns bei der Sanierung des Centro Ecumenico Los Rubios bei Malaga geholfen hat!" schriebt Pastor José Manuel Mochón, der auch Direktor des Zentrums ist. "Mit Hilfe des GAW konnten vier Bäder saniert werden. Seit über 30 Jahren wird es intensiv genutzt. Wir mussten und müssen viel tun, um das Zentrum besser an die Bedürfnisse der Zeit anzupassen und attraktiver zu gestalten.  Betten wurden schon ausgetauscht und neue Tische und Stühle angeschafft. Nun waren die Bäder für die 20 Gästezimmer dran, renoviert zu werden."

Das Ökumenische Zentrum Los Rubios (Centro Ecuménico Los Rubios) in der Nähe von Malaga wurde Anfang der 1980er Jahre gebaut und ist seitdem ununterbrochen als ökumenische Begegnungsstätte in Betrieb. Zuvor befanden sich an dieser Stelle die evangelische Schule und die alte Kapelle, die ihre Arbeit 1885 bzw. 1887 dort begonnen haben.

Das Ökumenische Zentrum wird ohne Gewinnabsicht verwaltet. Die örtliche
Saniertes Bad im Zentrum
Kirchengemeinde nutzt die Kapelle und weitere Räumlichkeiten mit. Jeden Sonntag werden ökumenisch offene Gottesdienste gefeiert. Das Zentrum bietet mit seinen 20 Zimmern Platz für rund 60 Personen und dient als Kinderferienlager, als Stätte für verschiedene Konferenzen oder Familienurlaube. Vorübergehend wurde es auch als Unterkunft für afrikanische Bootsflüchtlinge genutzt. Das Zentrum ist offen für alle und will auch den ökumenischen Austausch fördern.

"Für unsere Evangelische Kirche in Spanien (IEE) ist das Zentrum mehr als ein Gebäude. Es ist ein Weg. Der/die "Nächste" steht im Zentrum. Ihnen soll Gutes getan werden. Versöhnung und Frieden zu leben sind der Geist, der von dem Zentrum ausgehen soll," schreibt Pastor Mochón. "In der Hoffnung, dass die Coronakrise bald überwunden sein möge, lade ich euch im GAW herzlich ein, das Zentrum zu besuchen! Wir freuen uns auf Euch!"

Das GAW hat Los Rubios im Projektkatalog 2019 dank der Hilfe der Württembergischen Landeskirche mit 15 000€ unterstützt.

Mittwoch, 16. September 2020

Kroatien: "Das Leben in unserer Gemeinde während des Lockdowns"

Auch der Sohn von Pfarrer Davorka Horvat
hat geholfen, die "Gottesdienste auf Papier"
zu verteilen.

Davorka Horvat, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Legrad in Kroatien, schreibt über seine Erfahrungen während des Lockdowns: 

"Zuerst waren wir alle schockiert, wir wussten nicht, wie wir uns verhalten oder was wir tun sollen. Unsere ältesten Gemeindemitglieder sagten, dass sie so etwas noch nie erlebt hätten: eine Zeit, in der man alles hat, aber nicht zusammenkommen darf. Selbst im Krieg konnte man Gottesdienste halten. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir uns und unser Leben neu organisiert hatten. Die digitale Kontakt über Zoom zu Pfarrerkollegen und zum Bischof war sehr gut und hat mir persönlich auch sehr geholfen. Wir haben Erfahrungen ausgetauscht, haben uns gegenseitig ermutigt und voneinander gelernt, welche Ideen und Formate gut funktionieren. Schnell habe ich festgestellt, dass es in unserer Gemeinde nicht funktionieren wird, wenn wir Gottesdienste aufnehmen und auf Online-Plattformen zum Streamen anbieten. Unsere Gemeindemitglieder sind meist älter und haben weder Computer noch Smartphone. So haben wir den "Gottesdienst auf Papier" angeboten: mit Lesestücken, einer Predigt, Gebeten und Liedern. Es war eine segensreiche Erfahrung, durch Legrad zu gehen und den Gottesdienst zu verteilen. Wir haben damit auch Menschen erreicht, die eigentlich nicht zur Kirche kommen und sogar einige katholische Gläubige haben sich für unsere "Gottesdienste auf Papier" interessiert.
Unsere lutherische Gemeinde in Legrad hat 150 Mitglieder in 45 Familien. Wir haben jeden Sonntag rund 50 Gottesdienste verteilt, zweieinhalb Monate lang.
Für allein lebende ältere Menschen war Ostern die härteste Zeit. Die Familie konnte wegen des Lockdowns und der Kontaktbeschränkungen nicht zu Besuch kommen. Deshalb haben wir für diese Menschen kleine Päckchen gepackt mit ein bisschen Schokolade und einem kleinen Geschenk. Es war so wunderbar, das Lächeln auf den Gesichtern der Beschenkten zu sehen. Ich habe viele Anrufe von Gemeindemitgliedern erhalten, die uns dafür gedankt haben, dass wir an sie gedacht und sie nicht vergessen haben. Diese Anrufe waren sehr ermutigend.
Auch für die Kinder in unserer Gemeinde haben wir Newsletter gemacht und verteilt: Ostern, am Sonntag des Guten Hirten und zum Muttertag. 
Schon vor der Pandemie hatten wir auf Viber und WhatsApp Gebetsgruppen, die wir "Spirituelles Frühstück" nennen und in denen wir christliche Texte und Gebete teilen. Diese Gruppen sind während des Lockdowns gewachsen. In diesen Gruppen habe ich auch Gottesdienste geteilt, die Pfarrerkollegen in anderen Gemeinden unserer Kirche aufgenommen haben.
Wir haben unseren älteren Gemeindemitgliedern auch im Alltag geholfen. Wir haben für sie eingekauft, ihnen Medikamente gebracht, ihre Rechnungen bezahlt und getan, was auch immer notwendig war.  
Nach dem Ende des Lockdowns haben wir begonnen, wieder Gottesdienste zu halten. Mit all den Auflagen, des Gesundheitsministeriums: Masken, Abstand, Desinfektionsmittel. 
Wir beten, dass die Pandemie abflaut und dass wir bald wieder leben, beten und Gottesdienst feiern können wie zuvor."

Dienstag, 15. September 2020

Evangelische in Kaliningrad: "Wir warten mit Ungeduld auf die Öffnung der Grenze."

Am 1. März 2020 kehrte eine Delegation der Propstei Kaliningrad nach einer Konsultationsreise aus Deutschland ins Gebiet Kaliningrad zurück. Bereits beim Überqueren der Grenze gab es eine neue Situation: Die Grenzer und Zollbeamten trugen Masken und hielten Distanz. „Für uns war es ein trauriges Zeichen. Es wurde uns klar, dass die Ausbreitung des Coronavirus Covid-19 schlimmer ist als je zuvor. Bis heute sind die Grenzen völlig geschlossen. Für das Leben der Region Kaliningrad, die von Grenzen der EU umgeben ist, ist es eine sehr empfindliche Situation“, berichtet Propst Igor Ronge aus der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland im aktuellen Propsteibrief.


Inzwischen ist die Zeit der totalen Einschränkung des öffentlichen Lebens und der Passierscheine vorbei. Doch die Außengrenzen der Region bleiben geschlossen. Und die Großveranstaltungen bleiben verboten. „Vom Gesundheitsamt haben wir bis heute keine Erlaubnis, Gottesdienste zu halten. In unserer Gemeinde gibt es leider auch Infizierte, genaue Angaben haben wir noch nicht“, schreibt Propst Ronge.


Im Altenheim „Carl-Blum-Haus“ konnte dank der rechtzeitig getroffenen Sicherheitsmaßnahmen

Infektionen unter den Bewohnern und den Mitarbeitenden vermieden werden. „Wir bedanken uns bei den in Deutschland lebenden Menschen für ihre Unterstützung in dieser schwierigen Situation, sie ist sehr erfreulich und überraschend“, schreiben Propst Ronge und Irina Mitrochina, Direktorin des Altenheims. Im GAW unterhält besonders die Hauptgruppe Sachsen Beziehungen zur Propstei Kaliningrad und unterstützt ihre Arbeit regelmäßig.

Eine gute Nachricht aus dem schwierigen Frühjahr ist, dass die Reparaturarbeiten am Gebäude der Auferstehungskirche in Kaliningrad beendet werden konnten. Bei der Errichtung der Kirche vor über 20 Jahren waren üble Baufehler passiert. Die Wände des Gebäudes wurden feucht, Schimmelpilze breiteten sich an den Wänden und in den Räumen aus. Hoffentlich ist nach den umfangreichen Reparaturarbeiten damit endlich vorbei. Wenn nur endlich auch die Gottesdienste wieder aufgenommen werden könnten!


„Während der Quarantäne waren wir voneinander isoliert und fühlten ein großes Vakuum. Uns allen fehlten Kontakte und Partnerschaft zwischen Gemeinden. Wir warten mit Ungeduld auf die Öffnung der Grenze“, spricht Pastorin Jelena Kurmyschowa, Bolschaja Poljana (Paterswalde), wohl Vielen in der Propstei aus dem Herzen.

Montag, 14. September 2020

Wir hoffen, dass sich das Leben wieder normalisiert


Vor sieben Jahre waren Erneszt und Ildikó Maior als Stipendiaten des GAW in Leipzig. Sie gehören der Reformierten Kirche des Westlichen Distrikts in Rumänien an. Nachdem sie ihr Studium abgeschlossen hatten, wurden beide Vikare in Salonta, das ca. 40 km südlich von Oradea liegt. Aktuell sind beide Pfarrer, Erneszt in Telechiu, Ildikó in Uileacu de Cris. Es sind zwei kleine Gemeinden nicht weit von Oradea, die zudem in ihren Kommunen als ungarische Reformierte eine Minderheit bilden. Beide Gemeinden machen viel zusammen, wie Jugendveranstaltungen und Gebetsnächte.

Neuer Kindergarten
Ildikó schreibt: "Normalerweise gibt es in beiden Gemeinden Bibelstunden für Erwachsene und für junge Leute, Religionsunterricht für Kinder, einen Chor und Instrumentalunterricht. Derzeit ruhen diese Programme. Am Anfang der Coronazeit haben wir „online Gottesdienst” abgehalten, weil in dieser schwierigen Zeit den Menschen das Evangelium verkündigen wollten. Gott sei Dank können wir jetzt wieder in der Kirche Gottesdienste halten. Aber die Menschen sind vorsichtig. Die älteren Menschen bleiben lieber zu Hause. 

Die Coronazeit ist trotz allem auch eine gute Zeit, um zu üben, was Petrus lehrte: "Endlich aber seid allesamt gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich." (1. Petrus 3,8) 

Wir hoffen, dass sich das Leben langsam wieder normalisiert - ohne Angst und ohne Sorge. Jetzt am  14. September wollen wir den reformierten Kindergarten in Telechiu wieder eröffnen. Er wurde in diesem Jahr renoviert, damit die Kindern unter besseren Bedingungen lernen können. 

In Uileacu de Cris haben wir im September das Gemeindehaus renoviert, in dem wir mit jungen Leuten nun Programme organisieren können. Gott sei Dank sind wir gesund. Wir können uns in unseren Gemeinden treffen, wenn wir die Regeln befolgen. 

Wir beten, dass diese schwierige Zeit so schnell wie möglich beendet sein möge. Mit dem Glauben an den Gott erdulden wir diese schwierige Zeit, weil wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen." (Römer 8,28) 


Freitag, 11. September 2020

Aus der reformierten Kirchengemeinde in Tiszacsege/Ungarn

Kinder-Sommercamp 2020
Ágota Dénes war vor fünf Jahren Stipendiatin des GAW in Leipzig und ist heute Pfarrerin in der reformierten Gemeinde in Tiszacsege (sprich: Tissotschege). Die Kleinstadt mit rund 5.000 Einwohnern liegt in Ostungarn an der Theiß (Tisza), in der Nähe der Stadt Debrecen. Schon im 16. Jahrhundert gab es in Tiszacsege eine reformierte Gemeinde, schreibt Ágota Dénes.

In Ungarn gibt es in den Schulen keinen staatlichen Religionsunterricht. Daher organisiert die Gemeinde den Unterricht selbst und stellt auch die Religionslehrerinnen an. Auch Pfarrerin Dénes unterrichtet Religion. 150 Kinder nehmen in 23 Gruppen am Unterricht teil. "Leider lassen sich von den Religionsschülern meist nur wenige konfirmieren. In diesem Jahr hatten wir sieben Konfirmanden. Wegen der Corona-Pandemie fand die Konfirmation erst Ende August statt", erzählt Pfarrerin Dénes.

Die Gemeinde hat auch einen eigenen Pflegedienst, der 150 pflegebedürftige Gemeindeglieder versorgt. Mit 24 Angestellten allein im Pflegedienst ist die Gemeinde ein wichtiger Arbeitgeber in der Kleinstadt. "Die Angestellten des Pflegedienstes haben in der Corona-Zeit einen außergewöhnlich guten Dienst gemacht. Sie haben regelmäßig die Körpertemperatur und den Gesundheitszustand der älteren Menschen überprüft. Bis heute gab es in der Stadt keine Corona-Fälle. Wir sind Gott sehr dankbar, dass er die Stadt und unsere Gemeinde in dieser schwierigen Zeit behütet hat."

Donnerstag, 10. September 2020

Die Kirche muss den Menschen durch Gebäude und Pfarrpersonen nahe sein

Gottesdienst in Espiritu Santo/Brasilien
Für Diasporakirchen sind zwei Dinge wesentlich, um als evangelische Kirche erlebbar und spürbar zu sein und zu bleiben. 

Das sind gut ausgebildete Pfarrer und Pfarrerinnen, die es schaffen, Menschen zu binden und sie in Beziehung zur Kirche zu bringen. Die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen der EKD haben das immer wieder gezeigt. Mehr als Drei Viertel der evangelischen Kirchenmitglieder kennen einen Pfarrer/eine Pfarrerin mindestens vom Sehen. Das ist auf jeden Fall ein wichtiges Mittel für die Kirchenbindung. Wer einen Pfarrer oder eine Pfarrerin kennt, tritt seltener aus. Zudem: Pfarrer vor Ort vertreten die Kirche nach innen und außen, können Auskunft geben und Glauben vermitteln – auch im Diskurs. In der Zeitschrift Zeitzeichen vom August 2020 schreibt Isolde Karle, Professorin für Praktische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum und Verfasserin zahlreicher Bücher über Kirche und Pfarrberuf: "Pfarrerinnen und Pfarrer sind das personale Gesicht der Kirche, sie haben die höchsten Kontaktwerte, motivieren Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren und sind zugleich Brückenbauer zwischen den Engagierten und Distanzierten." Für sie ist es daher wichtig, die Pfarrer vor Ort zu stärken.

Hinzu kommt, dass Kirche sichtbar und verlässlich da sein muss. Das geschieht durch die Kirchgebäude. Es braucht verlässliche Orte, um sich zu versammeln. Und hoffentlich sind sie dann auch anziehend und schön. Für Diasporakirchen spielt diese Sichtbarkeit eine noch entscheidendere Rolle: Sie zeigen sich und verstecken sich als Minderheit nicht. Sie zeigen: Wir gehören in die Mitte der Gesellschaft.
Kirchgebäude stehen für "Kontinuität, die viele Individuen in ihrem Leben bedroht sehen", schreibt Karle weiter. "An den Orten, an denen Kirchen während des Lockdowns geöffnet waren, waren sie Ankerpunkte für verletzte Seelen und Zuflucht für geängstete Menschen. In der fortschreitenden digitalen Vernetzung der Gesellschaft nehmen Kirchengemeinden und -gebäude an Bedeutung zu, weil sie Orte sind, an denen Vertrauen lokal und personal erfahren werden kann. Davon lebt die Kirche – beharrlich, geduldig, dem Evangelium vertrauend."

Mittwoch, 9. September 2020

Emotionale Bedürfnisse von älteren Menschen nicht vergessen

Pfarrerin Mónica Hillmann
Mónica Hillmann ist Pfarrerin der IERP in Uruguay und war GAW-Stipendiatin im Jahr 2006/07. Sie betreut nicht nur die Gemeinde in Nueva Helvecia, sondern auch das Altenheim mit dem schönen Namen "Frauenverein". Gegründet wurde das Heim im Jahr 1909 von der Gemeinde der deutschen Einwanderer, genauer gesagt von ihrem Frauenverein. Heutzutage ist die Gemeinde spanisch-sprachig.

In Uruguay galten weniger strikte Regeln als im Nachbarland Argentinien, das sich seit einem halben Jahr praktisch im Lockdown befindet. Gleichzeitig gibt es im kleinen Uruguay auch nicht so viele Covid19-Erkrankte. Dennoch galten die Altenheime auch hier als besonders gefährdete Orte. Das Altenheim "Frauenverein" war lange Zeit für Besuch geschlossen. Die Bewohnerinnen und Bewohner durften das Gelände nicht verlassen, außer für Arztbesuche. Gemeinschaftsaktivitäten wie Chor, Gymmastik und Basteln waren abgesagt. "Für die älteren Menschen war das schwer zu verstehen", sagt Pastorin Hillmann. 

Eine ältere Dame telefoniert im Heim "Frauenverein"
mit ihrer Familie, Foto: Daniela Hernandez
"Seit einigen Wochen sind Besuche aber wieder möglich, mit Abstand, Maske und draußen. Die Wiedersehensfreude war groß. Die Bewohner baten mich als Pastorin, sie nach sechs Monaten auch endlich einmal wieder zu besuchen. Es bestand ein großes Bedürfnis zu erzählen, was in der Zeit geschehen war, Fragen zu stellen, zu beten und auch zu umarmen und zu küssen - obwohl dies nicht erlaubt ist. 

Angesichts dieser Erfahrungen frage ich mich: Gibt es Gesundheit nur im physischen Sinne? Welche Rolle spielen in einem gesundheitlichen Notfall die emotionalen und spirituellen Bedürfnisse? Wie können wir uns um die alten Menschen kümmern und gleichzeitig dafür sorgen, dass sie in Würde alt werden können und ihre Rechte respektiert werden? Das sind viele Fragen... Die Antworten darauf müssen wir angesichts dieser Situation erst noch finden."