Dienstag, 1. September 2020

Die Verarmung in Uruguay ist durch Corona stark angestiegen

Olla Popular - Armenspeisung
Pfarrer Jorge Gerhard war viele Jahre Diakoniesekretär der Evangelischen Kirche am La Plata (Iglesia Evangélica del Rio de la Plata - IERP). Nach dieser Zeit ging er nach Uruguay - als Pfarrer einer Methodistengemeinde. Gleichzeitig sitzt er im Vorstand des Centro Emmanuel. Das Zentrum ist ein Ort für Begegnung und Fortbildung und wird von der IERP, der Waldenserkirche und der Methodistenkirche getragen. Im Projektkatalog 2018 hat das GAW Centro Emmanuel mit 11.000 € unterstützt.

Uruguay ist mit seinen dreieinhalb Millionen Einwohnern ein kleines Land, aber wesentlich besser durch die Coronakrise gekommen als Argentinien oder Brasilien. Lediglich 44 Todesopfer bei 1.600 Infizierten werden gemeldet.

Jorge Gerhard schreibt über die Situation in Uruguay:
Pfr. Jorge Gerhard

"Corona hat uns gezeigt, wie relativ unsere Planungsarbeit ist. Erstmal war es ein Schock für uns alle. Die Freiwilligenarbeit mit Jugendlichen, besonders aus Deutschland, kam schnell zum Erliegen. Die Freiwilligen mussten alle heim und die Schulen wurden geschlossen. Auf einen Schlag war mein Kalender leer! Eine neue Erfahrung für mich. Allmählich fanden wir an der Schule Wege, um 'irgendwie' weiter zu machen. Inzwischen hat sich das Leben ziemlich normalisiert, wenn auch die Aufteilung der Klassen in zwei Gruppen, die abwechselnd am Unterricht teilnehmen, ein Problem darstellt. Man bräuchte doppelt so viel Stunden. 

Auch für die kirchliche Arbeit ist es eine schwierige Zeit, denn sie beruht auf menschlicher Nähe, die virtuell oft nicht erlangt werden kann. 

Das schlimmste ist natürlich die Verarmung eines bedeutenden Anteils der Bevölkerung. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Menschen so schnell wirtschaftlich 20 Jahre zurück fallen könnten. Unsere kleine Gemeinde in Montevideo, in der Nähe der Obra Ecuménica, startete im April eine Olla Popular für 90 Personen; heute sind es 320 Menschen, die zwei Mal in der Woche dort eine warme Mahlzeit bekommen. Doch je länger diese Situation wirtschaftlicher Krise anhält, um so schwieriger ist es, die Olla Popular, die dank individueller Spenden existiert, zu unterhalten. 

Für Uruguay sind die wirtschaftlichen Folgen von Corona schlimmer als die gesundheitlichen."

Das Ökumenische Werk (Obra Ecuménica) soll mit dem Projektkatalog 2021 mit 11.000€ gefördert weden. Es ist ein sozialdiakonisches Werk mehrerer evangelischer Kirchen und befindet sich in einem Armenviertel Montevideos. Das Gebiet hat eine der höchsten Armutsraten in Montevideo. Im Zentrum gibt es Angebote zur Hausaufgabenbetreuung, handwerkliche Arbeitsgemeinschaften, Sportaktivitäten und verschiedene Workshops. Eine absolute Ausnahmestellung hat das Zentrum durch seine Arbeit mit Behinderten. Das Gebäude muss für Menschen mit begrenzter Mobilität angepasst werden und benötigt neue Türen, Rampen und den Umbau von Toiletten. 

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