Montag, 21. September 2020

Rauch und Aschewolken ziehen über Brasilien

Satellitenfoto des Pantanal vom 14. September 2020
Harald Malschitzky, Generalsekretär der Obra Gustavo Adolfo (OGA) in Brasilien, schreibt uns über die Waldbrände und die Corona-Situation in seinem Land:

Wegen der Coronapandemie fällt momentan weniger auf, dass die Waldbrände im Amazonasgebiet und besonders im Pantanal unkontrollierbar geworden sind. Das Pantanal ist ein riesiges Gebiet in Mato Grosso, größtes Binnenfeuchtgebiet der Welt und Schutzgebiet für viele kleine und große Tierarten. Gleichzeitig wird ein nicht kleiner Teil vom Pantanal auch für Viehzucht genutzt. Es ist klar, dass ein Großteil der Brände absichtlich gelegt wurde, besonders von Großviehzüchtern, die mehr Weideflächen wollen.

Hinzu kommen die Trockenheit und Riesenhitze (gestern in Cuiabá 43°). Im März und April hat Bolsonaro die Gefahr heruntergespielt, zahlreiche Spezialisten und Angestellte der Kontrollstellen für Urwaldschutz gefeuert, die Gelder zum Teil gestrichen und den öffentlichen Nachrichtendienst beschuldigt, Propaganda gegen ihn zu machen. Vor zwei Wochen hat das Umweltministerium ein Video auf Englisch veröffentlicht mit der Überschrift „Amazonas brennt nicht“, in dem grüne Wälder und eine kleine Affenfamilie gezeigt werden. Diese Affenart gab es jedoch niemals im Amazonasgebiet, sondern nur in den Wäldern und Bergen von Rio de Janeiro! Als der Verantwortliche darauf aufmerksam gemacht wurde, meinte er, das Video sei für das Ausland

Vorgestern wurde Mato Grosso endlich zum Katastrophengebiet erklärt, heute aber hat sich das Feuer auch auf den benachbarten Bundestaat Tocantins ausgebreitet. Rauch- und Aschewolken ziehen über Brasilien. Selbst hier im Süden haben wir Regen mit feiner Asche und die Sonne zeigt sich am Ende des Tages nur noch als ein riesiger roter Ball! Ungeachtet dessen erklärte Bolsonaro heute Morgen, wir seien das Land, das am meisten für die Umwelt sorgt!

Zumindest die Zahlen von Coronaerkrankten und -toten sind in den letzten Wochen leicht zurück gegangen– trotzdem haben wir zwischen 900 und 1 000 Toten täglich! Insgesamt haben wir bisher 137.000 Tote (Stand 21. September). Obwohl die Regierungsstellen diesen kleinen Rückgang feiern, warnen Infektiologen davor, die Isolierungsmaßnahmen zu schnell zu lockern. Aber: Die Regierung ist zu optimistisch, die Wirtschaft macht Druck und die Tourismusbranche möchte alle Möglichkeiten ausschöpfen, nicht zuletzt im Hinblick auf die kommenden Sommerferien.

Bei der Wiederaufnahme des Schulunterrichts herrscht ein Durcheinander, je nach Bundesstaat oder Landkreis. Unsere Gemeindeschulen starten nun langsam – immer nur für einige Klassen – den Präsenzunterricht, staatliche Schulen nur zum Teil. Viele Eltern haben Angst, die Kinder bereits jetzt in die Schule zu schicken. Andere wiederum wissen nicht mehr, wie sie die Kinder noch zuhause behalten sollen. Dazu kommt, dass tausende Kinder normalerweise ihre Hauptmahlzeiten in den Schulen bekommen.

Unsere Kirchen sind weiterhin geschlossen. Hier und da versuchen kleine Gemeinden Gottesdienste mit wenigen Gemeindegliedern zu feiern. Dafür haben wir Gottesdienste und Andachten online in Fülle; die Losungen wurden wohl niemals so oft verteilt, gehört oder gelesen wie jetzt über Internet.

Viele hoffen und warten auf die Impfung. Es wächst jedoch auch die Zahl derer, die radikal gegen die Impfung sind, oft aus religiösen Gründen. Präsident Bolsonaro sagte vor zwei Wochen dazu: Niemand kann gezwungen werden oder andere zwingen, geimpft zu werden! Er hat wohl vergessen, dass er noch im März eine Verfügung verabschiedet hat, dass der Staat die Bevölkerung zur Impfung zwingen kann, wenn nötig.

Die Frage ist: Quo vadis?

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