Montag, 5. Oktober 2020

Armut, Angst und Unsicherheit in Rumänien

Attila Matyas ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rumänien in Oradea und Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werks in Rumänien. Er berichtet von der Situation in seinem Land: 

"Am 27. September fanden Kommunalwahlen in Rumänien statt. Die Covid-Kranken durften nicht wählen gehen. Die Briefwahl, die seit 2016 möglich ist, wird bei uns fast gar nicht genutzt. In Rumänien gibt es täglich rund 1.700 Neuinfektionen. Nicht alle Infizierten haben aber Symptome. Dafür machen uns allen die Beschränkungen sehr zu schaffen. Aus Angst verlassen ältere Gemeindeglieder das Haus nicht mehr und wollen auch nicht besucht werden. Dabei leiden sie sehr unter der Isolation. 

Leider sind Besuche in Krankenhäusern gar nicht mehr möglich. Viele Menschen sterben einsam, ohne ein letztes Wort mit ihren Angehörigen wechseln zu können. Alles konzentriert sich auf die Covid-Kranken. Diejenigen, die nicht Covid haben, werden vernachlässigt. 

In der Schule gibt es häufig Änderungen im Unterrichtsmodus, oft von einer Woche auf die andere. Viele Lehrer haben geringe IT-Kenntnisse. Der Online-Unterricht wird von den Kindern nicht ernst genommen. Das Unterrichtsniveau wird immer niedriger. 

Jede Woche kommen Menschen zu mir ins Pfarramt, die aufgrund der Corona-Beschränkungen ihre Existenzgrundlage verloren haben. Sie fragen nach einer Arbeitsmöglichkeit oder finanzieller Hilfe. Die Kirche ist ihre letzte Hoffnung."

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