Sonntag, 3. Januar 2021

Währungsreform auf Kuba trifft die Presbyteriansiche Kirche hart

Weihnachtsgottesdienst in Cardenas
„Schon länger hatte man über eine Währungsereform auf Kuba gesprochen,“ berichtet Pfarrer Edelberto von der Presbyteriansichen Kirche auf Kuba. „Jetzt ist die doppelte Währung ab dem 1. Januar weggefallen.“

Für den CUC (Peso Convertible) bekam man einen US-Dollar. Jetzt bleibt der Peso Cubano. Sein Umtauschwert ist staatlich festgelegt. Für einen Dollar bekommt man bei den Banken 24 Pesos Cubanos. Das ist der offizielle Weg, um Devisen umzutauschen. Offiziell kann man sonst nirgends mit Dollar oder Euro bezahlen. Der Staat behält sich ein Monopol darauf vor. „Das alles ist Theorie,“ schreibt ein Pfarrer. „Auf dem Schwarzmarkt bekommt man 45 Pesos Cubanos für einen Dollar. Das braucht man auch dringend, um überleben zu können.

Die Währungsreform kommt einer Abwertung der kubanisc
hen Währung gleich. Bisher konnten die Kubaner in staatlichen Wechselstuben den CUC eintauschen, um damit dann höherwertige Konsumartikel erwerben zu können. Jetzt hofft man, dass die Vereinigung beider Währungen sich positiv auf die Ökonomie auswirken wird. Gerechnet wird mit anfänglichen schmerzhaften Auswirkungen. Langfristig erwartet man sich positive Effekte. Die anfängliche Abwertung der Währung wird mit einer erheblichen Erhöhung staatlicher Löhne und Renten versucht abzufedern. Gleichzeitig sind aber die Preise gestiegen. Die Erhöhung der Gehälter und Renten gilt nicht für Beschäftigte privater Unternehmen – auch nicht für die Pfarrer*innen der Presbyterianischen Kirche. 

„Die Situation ist für die Kirche sehr kritisch,“ sagt Pfarrer Francisco. „Keine unserer Kirchengemeinden wird in der Lage sein, die Gehälter zu zahlen, die jetzt der Staat seinen Angestellten gibt. Gleichzeitig sind die Preise für die Produkte des täglichen Bedarfs erheblich gestiegen. Das stellt uns als Kirche vor große Herausforderungen. Die kommenden Monate sind sehr entscheidend für uns, um zu sehen, wie es weitergehen kann.“ 

Das Mindestgehalt in Kuba beträgt unter den neuen Bedingungen 2100 Pesos Cubanos (= 87.50 USD). Die Grundrente beträgt 1520 Pesos Cubanos (= 63.30 USD). „Man muss die Gehälter ins Verhältnis zu den Lebenshaltungskosten setzen, die sich verdoppelt bis verdreifacht haben. Und – keine Kirchengemeinde der Presbyterianischen Kirche wird Gehälter angepasst an das staatliche System bezahlen können. Im besten Falle werden die Kirchengemeinden das bisher Bezahlte halten können - und das wird nicht ausreichen... Es gibt eine große Unsicherheit und auch Angst innerhalb der Kirche über die Zukunft,“ sagt Pfarrer Francisco. „Dennoch ist es jetzt noch zu frisch, um über reale Auswirkungen 100%ige Klarheit zu haben.“ 

Pastor Alison sagt dazu: „Als Kirche müssen wir kreativ mit dieser Situation umgehen. Wir müssen eigentlich den Mindestlohn den Pfarrer*innen geben. Wir hoffen, dass die Mitglieder ihre Beiträge anheben können und auch höherer Kollekten in den Gottesdiensten geben können. Denn davon leben wir als Kirche. Und Pfarrer Aliion warnt: „So wie die Beiträge bisher waren, können wir nicht überleben!“ 

„In der ersten Januarwoche trifft sich die Kirchenleitung mit einem Wirtschaftsfachmann, um die Situation der Kirche zu analysieren und zu besprechen,“ sagt Pfarrer Edelberto. „Gleichzeitig haben wir alle Pfarrer*innen aufgefordert, mit ihren Gemeindemitgliedern die Situation zu besprechen und sie um Unterstützung zu bitten. Wir sind auf Solidarität untereinander in der Kirche und von unseren Partnern angewiesen.“ 

Und Pfarrer Alison ergänzt: „Sicher ist, dass wir mit einer Herausforderung konfrontiert sind, die wir bisher so nicht kannten. Traditionelle Lösungen greifen nicht mehr. Und das Ganze geschieht mitten in Pandemiezeiten, wo sowieso die gesamte kubanische Wirtschaft durch fehlende Einnahmen u.a. aus dem Tourismus leidet.“ 

Kuba leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise. Die Hilfe des befreundeten Venezuelas bleibt aus. Das durch die Trump-Administration verschärfte Handelsembargo hat die Situation ebenso verschlimmert. Es fehlt an Devisen, Lebensmitteln, Treibstoff und Medikamenten. 

„Wir sind auf eure Hilfe als Partnerkirchen und Partnerwerke angewiesen. Alleine können wir diese neue tiefe Krise nicht bewältigen,“ schreibt Pfarrer Francisco.

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