Freitag, 26. März 2021

Von der Gnade, helfen zu können

Bei einem Online-Gespräch des Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrums der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) berichtete der maronitisch-katholische Priester Jihad Nofal Nassif aus Homs in Syrien über die verzweifelte Lage vieler Menschen und wie er versucht, zu helfen.

Seit seinem Studium in Deutschland spricht Pater Jihad perfekt Deutsch. Doch weggehen möchte er nicht. „Ich bin freiwillig in Syrien geblieben, um ein Hoffnungszeichen zu setzen – genau wie viele andere Brüder verschiedener Konfessionen. Für die Menschen hier spielt die Konfession keine große Rolle. Sie wissen, dass sie in der Kirche in ihrer Nähe Hilfe bekommen, egal ob sie zur jeweiligen Gemeinde gehören oder nicht. Mein Pfarrhaus steht Hilfsbedürftigen immer offen.“

Die Situation in Syrien sei „unerträglich“ für die Menschen, sagt Pater Jihad. Ein Großteil der Menschen verdient nur um die 20 Dollar im Monat. Das reiche gerade einmal für 2 bis 3 Tage. Danach müssen sie um Hilfe bitten. Andere bekommen Geld-Überweisungen von Verwandten im Ausland. Pater Jihad sagt: „Früher habe ich auf die Auswanderer geschimpft, weil sie ihre Mitchristen im Stich lassen. Inzwischen bin ich dankbar, dass es sie gibt.“ Für größere Anschaffungen fehlt den Menschen im Moment das Geld. Wenn der Kühlschrank kaputt ist, bleibt er so. Die Gründe für diese Lage sind die Sanktionen gegen das syrische Regime, die Kriegsschäden und die extreme Inflation. Wenn man am Vormittag sein Geld bekomme, müsse man es sofort ausgeben, am Nachmittag habe es schon einen Teil seines Wertes verloren, erzählt Pater Jihad.

Unterstützung bekommt der Priester aus der EKM, besonders aus der Gemeinde in Rüdersdorf. Mit dem Geld hat er ein kleines Hilfsprojekt aufgebaut. Er hilft monatlich 60 Familien dabei, über die Runden zu kommen, alleinstehenden alten Menschen mit einer kleinen Rente, Krebskranken, Familien, in denen der Vater im Krieg umgekommen ist – Christen und Muslimen. „Für mich ist es die größte Gnade im Leben, dass ich helfen darf!“, sagt Pater Jihad. „Ich sage den Christen hier immer, dass sie ausharren müssen. Wenn sie verschwinden, verschwindet auch die christliche Nächstenliebe. Wir müssen auch an die Stelle derer treten, die gegangen sind.“

Mittwoch, 24. März 2021

Konfirmation woanders: Rumänien

 Mein persönliches Bekenntnis zu Gott und zu meiner Gemeinde

Ich habe mich 2017 konfirmieren lassen. Konfirmation ist kein Zwang. Konfirmation ist ein persönliches Glaubensbekenntnis. So empfinde ich das auch heute noch: Meine Konfirmation ist mein persönliches Bekenntnis zu Gott und zu meiner Gemeinde.
In meiner Gemeinde finde ich Inspiration und Frieden für meine Seele. Ich nehme gerne an den Veranstaltungen teil, wo ich andere Leute aus der Gemeinde treffen kann. Das ist für mich etwas sehr Wertvolles.

 
Evelin Varga aus der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Oradea (Rumänien)

Dienstag, 23. März 2021

In Paraguay verschlechtert sich die Coronalage zusehends

Evangelische Kirche in Raul Peña / Paraguay
Seit über einem Jahr sind unsere GAW-Partnerkirchen weltweit von den Herausforderungen der Corona-Pandemie betroffen. Immer wieder bekommen wir Nachrichten über die Situation vor Ort.

Gestern erreicht uns  eine Nachricht aus Paraguay:

"Die Coronalage in Paraguay hat sich sehr verschlechtert. Es gibt Demonstrationen gegen eine Regierung, die nichts macht. Die Lage verschlechtert sich zusehends. Einer unserer Pfarrern liegt in Asunción auf der Intensivstation. Ihn hat es schwer getroffen. Die Schulen haben dennoch geöffnet. Wir wissen nicht, für wie lange. In dieser Situation sind die Gemeinden sehr mit dem Bewältigen der aktuellen Krise beschäftigt. GAW-Projekte in diesen Zeiten umzusetzen ist an manchen Orten sehr schwer. Die Ressourcen werden für Coronamaßnahmen benötigt - gerade dort, wo Gemeinden Kindergärten und Schulen haben. Es geht um Sanitärmitteln, ständige Reinigung, neue Einzelbänke für die Klassenräume, usw. - Wir denken an euch und beten für euch! Bitte tut es auch für uns und vergesst uns nicht!"

Die 7-Tagesinzidenz liegt am 23. März 2021 bei 206. 3.770 Menschen sind im Land an Corona gestorben bei einer Bevölkerung von 7,1 Millionen Menschen.

Das GAW fördert in dieser Situation die Gemeinden, die wegen der Coronakrise Hilfe brauchen:

Montag, 22. März 2021

Syrien: „Die Arbeit des GAW zaubert ein Lächeln auf die Gesichter unserer Kinder“


1.300 Schülerinnen und Schüler lernen derzeit an den sechs Schulen der armenisch-evangelischen Gemeinden in Syrien. „1.300 syrische Kinder und Jugendliche“, so Pfarrer Haroutune Selimian aus Aleppo, „denen die Arbeit des GAW ein Lächeln auf ihre Gesichter zaubert, die durch die Arbeit des GAW ein Stück Normalität erleben und auf eine bessere Zukunft hoffen dürfen.“ Mit seiner Konfirmandengabe hat das GAW in den vergangenen Jahren immer wieder evangelische Schulen in Syrien unterstützt, u.a. die armenisch-evangelischen Schulen in Aleppo, Damaskus und Kessab.
„Jedes Kind in Syrien hat in den zurückliegenden zehn Jahren erfahren müssen, was Krieg bedeutet“, beschreibt Haroutune Selimian die Situation, „Gewalt, Flucht, Vertreibung, Tod, zerrissene Familien, ein Mangel an lebensnotwendigen Dingen wie Wasser und Lebensmitteln. Viele Kinder sind traumatisiert.“ Heute sind die Waffen in Syrien weitgehend verstummt. Doch wegen Sanktionen und der Pandemie sind die Not und Armut nicht kleiner geworden. „Noch immer leiden die meisten unserer Kinder an Hunger und Mangelernährung“, so Pfarrer Selimian.

Auf der naturwissenschaftlichen Messe 2019
konnten die Kinder ihre Arbeiten
und Forschung in der Bethelkirche
in Aleppo auch den Erwachsenen präsentieren.
Die evangelischen Schulen versuchen, syrischen Kindern den Weg in eine bessere Zukunft zu ebnen. Neben dem klassischen Unterricht gibt es kulturelle Aktivitäten und Austausch zwischen den Schulen: Spracholympiaden, Zeichen- und Dramawettbewerbe, Bücherausstellungen. „In Aleppo veranstalten die armenisch-evangelischen Schulen jedes Jahr eine naturwissenschaftliche Messe, auf der die Schülerinnen und Schüler vorstellen, woran sie im Unterricht gerade arbeiten, was sie erforschen und herausfinden“, erzählt Pfarrer Haroutune Selimian.
All das stärkt das Vertrauen der Kinder in sich selbst und hilft ihnen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Selimian: „Das brauchen sie dringend, um für sich und ihr Land eine bessere Zukunft bauen zu können.“
 

Danke an alle Konfirmandeninnen und Konfirmanden, die in den vergangenen Jahren mit ihrer Konfirmandengabe an das GAW dazu beigetragen haben, dass syrische Kinder und Jugendliche zur Schule gehen können!

Samstag, 20. März 2021

Konfirmation woanders: Spanien

Pedro Castillo mit Pfarrer Ruben Bernal

Ich habe evangelische Kirche gegoogelt

Ich bin Pedro Castillo und lebe in Spanien. Ich komme aus einer römisch-katholischen Familie und bin römisch-katholisch erzogen worden. Schon sehr früh habe ich mich für die Geschichten über das Leben Jesu im Neuen Testament interessiert. Und später habe ich viel gegoogelt, um etwas über evangelische Kirchen zu erfahren. Mir hat es gefallen, das evangelische Christen allein auf Gottes Gnade und allein auf den Glauben bauen, der uns durch die Bibel geschenkt wird. Ich habe mich deshalb konfirmieren lassen und gehöre nun zur Gemeinde Malaga der Spanischen Evangelischen Kirche.

Mittwoch, 17. März 2021

Litauen: „Wir haben bei Null angefangen“

Pfarrer Mindaugas Kairys und die kleinen Wunder

Mindaugas Kairys haben wir im GAW kennengelernt, als er 2000/01 ein Jahr lang mit einem GAW-Stipendium in Leipzig Theologie studierte. Kairys gehört zu der neuen Generation Pfarrer in Litauen, die nach der politischen Wende begannen, Theologie zu studieren.
„Wir jungen Pfarrer mussten nach der Wende sehr schnell ran“, erzählt Mindaugas Kairys. Ihnen wurde sofort Verantwortung für die Gemeinden übertragen, denn kurz nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit des Landes gab es in Litauen nur noch zwei, drei lutherische Pfarrer überhaupt. In ihren Gemeinden standen die jungen Pfarrer dann vor Kirchen mit undichten oder eingestürzten Dächern, fehlenden Altären, Orgeln und Bänken. Während des Sozialismus hatten die meisten Gemeinden ihre Kirchen nicht nutzen können, weil sie zweckentfremdet waren und z.B. als Getreidespeicher dienten.
Auch Diakonie existierte nicht. „Wir haben bei Null angefangen“, so Kairys. Was aus daraus inzwischen entstanden ist, ist ein Wunder – eigentlich sind es sogar viele Wunder.

Mindaugas Kairys ist ein Mensch, der die Begabung hat, sowohl die Not als auch die Lösungsansätze zu sehen, und sich mit unglaublicher Tatkraft dafür einsetzt. Er sucht und findet Sponsoren, Fördergelder, Spenden. Die Aufgaben des Diakoniepfarrers des lutherischen Diakoniewerks „Sandora“ führt er - wohlgemerkt - neben seiner Arbeit als Gemeindepfarrer in Jurbarkas, Smalininkai, Skirsnemunę und Vilkyškiai aus.

Mindaugas Kairys mit Kindern aus dem Kinderzentrum in Smalininkai,
das 2019 mit dem GAW-Kindergabe unterstützt wurde
Die Liste der diakonischen Projekte, die der 42-Jährige angeschoben hat, ist lang: verschiedene Diakoniezentren, die mit sogenannten Euro-Waisen arbeiten, das Drogenrehabilitationszentrum Gabrielius in Vyžiai, das Drogenrehabilitationsprojekt in Garliava bei Kaunas, verbunden mit einem Gemeindezentrum, ein Familienzentrum in Smalininkai, ein Familienkrisenzentrum in Jurbarkas … Die Projekte sind meist an eine Gemeinde gebunden, denn für Kairys gehören Diakonie und Gemeindeleben untrennbar zusammen: „Wer diakonisch tätig ist und dem Nächsten hilft, der übernimmt die wichtigste Aufgabe in unserer Kirche“, betonte er bei der Einweihung des Zentrums in Garliava.
Das gilt genauso für seine Gemeinde in Jurbarkas. Erst hat er die Fertigstellung der neuen lutherischen Kirche in Jurbarkas gestemmt. Der kurz nach der Wende begonnene Neubau drohte als eine Bauruine zu enden, bevor Mindaugas Kairys dort das Pfarramt übernahm. Heute ist die Kirche ein einladender Ort, mit gut besuchten Gottesdiensten und Konzerten. Und weil Gemeindeleben und Diakonie eben zusammengehören, entstand neben der Kirche das Familienkrisenzentrum.

Pfarrer Mindaugas Kairys schafft es immer wieder, andere mit seiner eigenen Begeisterung anzustecken und zur Mitarbeit zu motivieren. Bei seiner Arbeit kann er regelmäßig auf die Hilfe des GAW bauen – auch in diesem Jahr. Mit der Konfirmandengabe 2021 unterstützt das GAW den Ausbau des Familienkrisenzentrums in Jurbarkas. Für Kinder, die dort leben, soll ein Raum für Spiel und Sport entstehen.


Dienstag, 16. März 2021

Zehn Jahre Krieg - Syrien braucht Versöhnung!

Vor 10 Jahren, im März 2011, fingen Menschen in Syrien an, friedlich gegen die Regierung Assad zu demonstrieren. Aus dem Aufstand wurde innerhalb weniger Wochen eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Oppositionsgruppen und Regierung. Nicht lange Zeit später griffen ausländische Mächte in den Bürgerkrieg ein und machten diesen zu einem internationalen Stellvertreterkrieg. Ganze Städte wie Aleppo und Homs wurden in den schlimmsten Kriegsjahren 2012 bis 2014 zerbombt

Und jetzt, 10 Jahre später? Die Bilanz des Krieges ist verheerend: 400.000 bis 500.000 Menschen starben, zwei Drittel der gesamten Bevölkerung musste fliehen, die Hälfte von ihnen außer Landes. In vielen Nachbarländern Syriens leben die geflüchteten Menschen in Armut und ohne Rechte auf Bildung oder Zugang zum Arbeitsmarkt.

Heute schweigen die Waffen zwar im größten Teils Syriens. Das Assad-Regime hat gesiegt. Doch nach dem Krieg kommt die Armut, so war es immer in der Menschheitsgeschichte. Viele Menschen leiden Hunger und überleben nur dank humanitärer Hilfe. Das Land ist zerstört und muss langsam wiederaufgebaut werden. 70 % der Kraftwerke sind nicht mehr in Betrieb, ein Drittel der Schulen wurde nach Angaben des Kinderhilfswerks UNICEF zerstört. Zwei Drittel des Gesundheitspersonals ist während des Kriegs geflohen, viele Krankenhäuser wurden bombardiert. 

Die evangelisch-armenische Gemeinde in Aleppo baute im Krieg eine Poliklinik auf, um die Verwundeten zu behandeln und medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten.


Das Jahresprojekt der GAW-Frauenarbeit möchte helfen, älteren Menschen kostenlose Untersuchungen und Behandlungen in der Poliklinik zu ermöglichen. Helfen Sie mit! Spendenkonto: IBAN DE42 3506 0190 0000 4499 11, Kennwort: Jahresprojekt 2021 der Frauenarbeit

Seit acht Jahren hat das GAW zahlreiche Gemeinde- und Nothilfeprojekte in Syrien unterstützt!

Montag, 15. März 2021

GAW Konfirmandegabe 1984: Burg Finstergrün

900-1000 Kinder und Jugendliche trafen sich in den 1980er Jahren auf der Burg Finstergrün im Salzburger Land in Österreich. Der Träger für die Burg ist seit 1972 das Evangelische Jugendwerk, doch für die Sommerfreizeiten der evangelischen Jugend in Österreich spielte sie schon zuvor eine wichtige Rolle. Sie ermöglichte unvergessliche Gemeinschaftserlebnisse für Generationen von Kindern und Jugendlichen, die in ihren Heimatorten oft nur wenige waren.

1984 half das GAW mit der Konfirmandengabe, dass die Burg Finstergrün neue Waschräume erhielt. "In Zukunft soll es nicht mehr lange Schlangen geben, wenn eine Gruppe verschwitzt und erschöpft von einer Wanderung zurückkehrt," hieß es im damligen Projektflyer der Konfi-Gabe des GAW. Damals wurde sogar ein Wettbewerb ausgerufen und kleine  Holzschindeln mit einem Symbol der Burg Finstergrün für 1 DM verkauft, um die notwendige Summe zusammen zu bekommen.

Und: Im Jahr 2018 wurde im Projketkatalog des GAW erneut für Burg Finstergrün gesammelt! Und das Spannende: Das GAW wurde wieder um die Erneuerung der Waschräume gebeten. In der Projketbeschreibung heißt es:
"Die zwei Waschräume für Jungen und Mädchen wurden vor 30 Jahren errichtet. Seit damals haben sich die Bedürfnisse der Gästegruppen stark geändert."
Inzwischen sind die Waschräume mit Hilfe des GAW saniert.

Die Burgrätin Lisbeth Bednar- Brandt schreibt: "Mit der Generalsanierung der Waschräume ist ein großer Schritt in Richtung zeitgemäßer Ausstattung der Kinder- und Jugendburg Burg Finstergrün geschafft!
Die Burg soll als historisches Gebäude den urtümlichen Eindruck natürlich erhalten, dennoch ist es wichtig, einen positiven, allen Hygienevorschriften entsprechnenden Aufenthalt zu gewährleisten.
Als Saisonbetrieb von Mai bis Mitte Oktober stellt Burg Finstergrün im Normalfall mit etwa 10 500 Nächtigungen einen wesentlichen Beitrag zu niederschwelliger, evangelischer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen dar und mit unseren erweiterten Angeboten erreichen wir auch verstärkt Familien und Urlauber*innen in der Region.
Wo sonst, als auf einer echten Burg, lässt sich so gut erfahren und spüren, was Gott uns zeigen möchte, wenn ER sich als unser Fels und unsere Burg beschreibt!"

Hintergrund: 

Die Burg Finstergrün in Ramingstein entstand einst als Grenzfeste zwischen Salzburg und der Steiermark. Ihre heutige, historisch anmutende Gestalt hat sie erst Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten, als Graf Sándor Szápáry die Ruine erwarb und die neue Burg Finstergrün im Stil des 13. Jahrhunderts erbaute. 1950 fanden erstmals Sommerfreizeiten der Evangelischen Jugend Österreich auf der Burg statt, 1972 wurde die Burg schließlich erworben. Die Burg Finstergrün ist ein „Evangelisches Abenteuer- und Freizeithaus“, und zugleich offen für Menschen aus allen Konfessionen und Religionen.

Die GAW-Konfigabe 2021 ist für zwei Projekte in Griechenland und in Litauen bestimmt.