Montag, 26. April 2021

Mit Konfigabe und Nothilfe - das GAW unterstützt das Freizeitcamp in Kalamos seit 50 Jahren

Im Jahr 2017 ereignete sich in der beliebten Touristenregion Kalamos in Griechenland eine Brandkatastrophe. In der dicht mit Pinien bewaldeten Gegend geriet das Feuer wegen des starken Windes außer Kontrolle. Durch den Brand wurde auch das Feriencamp der Griechisch-Evangelischen Kirche zerstört. Das GAW unterstützte den Wiederaufbau mit einer Soforthilfe und nochmals mit dem Projektkatalog 2019.
Doch mit dem Camp selbst verbindet das GAW schon eine längere Geschichte.

Der Küsten- und Touristenort Kalamos liegt etwa 50 Kilometer von Athen. Hier besteht das Ferienzentrum der Griechisch-Evangelischen Kirche schon seit dem Jahr 1955. Im Jahr 1972 beschreibt das Faltblatt der Jugendgabe (Konfigabe) die Situation im Camp so: „Bis jetzt steht ein einfacher Flachbau mit Wirtschaftsräumen, der Küche und dem Speisesaal. Die Unterkünfte bestehen aus Betonfundament, das ein paar Eisenträger hält, und einem Dach darüber. Und die Wände? Die Jungen ziehen Segeltücher von Pfosten zu Pfosten. Das wär’s!“ Mithilfe der Konfigabe sollen noch einige feste Bauten errichtet werden.

1979 berichtet das Faltblatt der Jugendgabe vom Erfolg: „Im vergangenen Jahr wurde in Kalamos ein Haus fertig, in dem es zwölf Fünfbettzimmer und einen großen Speisesaal gibt, der auch als Aufenthaltsraum benutzt werden kann. Natürlich ist auch eine große Küche in dem Haus untergebracht worden. Es gibt Duschen und Waschräume, die auch von den Campern benutzt werden können.“
Doch es fehlte noch die gesamte Einrichtung: Es gab keinen Tisch, keinen Stuhl, kein Bett, keinen Schrank. Auch die Töpfe für die Küche und das Geschirr fehlten. So wurden die Konfirmandinnen und Konfirmanden mit der Jugendgabe des GAW wieder um Hilfe gebeten.

Kalamos ist ein Ort, wo jedes Jahr rund 700 Personen – Kinder, Jugendliche und Familien – an verschiedenen Angeboten teilnehmen. Darunter sind nicht nur Kirchenmitglieder, sondern u. a. auch Kinder aus bedürftigen Familien sowie Beteiligte eines Programms gegen Drogenabhängigkeit. In den letzten Jahren, als die Zahl der Flüchtlinge in Griechenland anstieg, wurde dieser diakonische Ansatz der Arbeit verstärkt ausgebaut. Das Freizeitzentrum in Kalamos ist sehr wichtig für die kleine Griechisch-Evangelische Kirche. Es schafft Verbindungen zwischen jungen Menschen, die sonst weit auseinander in der Diaspora leben. Auf das GAW ist Verlass, wenn es darum geht, diesen Ort zu stärken – das zeigt auch die gemeinsame Geschichte der letzten 50 Jahre.

Montag, 19. April 2021

Die Situation der Flüchtlinge überwältigte alle

Meletis Meletiadis ist Pfarrer der Gemeinde Volos. Der 60-jährige war von 2002 bis 2020 der Moderator der Griechisch-Evangelischen Kirche (GEK) und somit ab 2015 das Gesicht einer Kirche, die aus tiefster Überzeugung Flüchtlingshilfe geleistet hat.

Pfarrer Meletis Meletiadis
Als 2015 in Idomeni an der griechisch-nordmazedonischen Grenze ein riesiges Flüchtlingscamp entstand, weil die Grenzen entlang der Balkanroute geschlossen wurden, besuchten verschiedene Gemeinden das Camp drei- bis viermal in der Woche. „Anfangs haben wir je 1 000 Sandwiches und Wasserflaschen verteilt, dazu Kleidung sowie Hygiene- und Babyartikel. Später wurden es 6 000 Mahlzeiten pro Besuch“, erzählte Meletiadis in einem Interview 2016. „Die Situation der Flüchtlinge überwältigt uns alle. Unsere Gemeinden helfen, wo sie können. Was wir dort sehen und erleben, zerstört unsere Hoffnung auf ein an christlichen Werten orientiertem Europa.“
Die Gemeindeglieder der Griechisch-Evangelischen Kirche sind größtenteils Nachkommen der 1922/23 aus der Türkei vertriebenen Pontosgriechen. Die Erinnerungen an die Schicksale der eigenen Familien lösten eine Hilfsbereitschaft aus, die im Vergleich zur geringen Größe der Gemeinden schier unglaublich war.


Heute sind in Griechenland die Rahmenbedingungen für Menschen, die weiterhin Geflüchtete unterstützen wollen, schwieriger geworden. In Volos gibt es noch drei Flüchtlingslager: eins für Familien und zwei für minderjährige Flüchtlinge. Das griechische Ministerium für Flüchtlingsangelegenheiten, das die Einrichtungen verwaltet, hat den Besuch von außen und Hilfsmöglichkeiten eingeschränkt. NGO´s dürfen die Lager nicht mehr so einfach betreten und dort arbeiten. Der Staat fürchtet, dass sie ihre eigene Agenda verfolgen und damit für Ärger in den Lagern sorgen. Pfarrer Meletis Meletiadis hat immer wieder Kontakt zu Geflüchteten in Volos. „Nichtsdestotrotz sammeln wir das Nötigste, was die Flüchtlinge brauchen – und was ihnen fehlt: Kleidung, Essen, Medizin, Schulmaterial und Spielsachen. Das, was sie im Lager offiziell bekommen, ist oft nicht ausreichend. Die Flüchtlinge selbst dürfen das Lager verlassen. Nur ist das in Coronazeiten sehr eingeschränkt. Deshalb sieht man auch nicht mehr viele Flüchtlinge im Straßenbild. Aber sie kommen zu unserer Gemeinde“, berichtet Meletiadis. „Sie sind aus dem Irak, Iran, Syrien, Pakistan, Somalia, Nigeria – nur um einige Herkunftsländer zu nennen. Auffallend ist, dass inzwischen auch zahlreiche türkische Flüchtlinge unter ihnen sind, weil sie keine Perspektive in der Türkei sehen.“ Die Zahl derer, die über das Mittelmeer nach Griechenland kommen, sei um bis zu 80% gesunken: „Die Patrouillenboote auf beiden Seiten der Grenze zeigen Wirkung.“
 

Das GAW hat die Flüchtlingsarbeit der griechisch-evangelischen Gemeinden in den vergangenen Jahren regelmäßig unterstützt. Denn man darf eines nicht vergessen: In Griechenland trafen die Geflüchteten auf ein Land, das ausgelaugt war von einer seit Jahren andauernden Wirtschaftskrise. „Wir danken Ihnen für Ihre Bereitschaft, der GEK in dieser für die ganze Welt schwierigen Zeit zu helfen. Wir schätzen zutiefst den christlichen und großzügigen Geist Ihrer Solidarität und treuen Unterstützung seit vielen Jahren“, bekräftig Pfarrer Meletiadis die Bedeutung der Hilfe aus dem GAW.
Im Jahr 2021 unterstützt das GAW mit der Konfirmandengabe die Flüchtlingshilfe der evangelischen Hilfsorganisation Perichoresis in Griechenland. Alle Konfirmandinnen und Konfirmanden in Deutschland können mit ihrer Konfirmandengabe dazu beitragen, dass diese Hilfe weitergeht.

Freitag, 16. April 2021

„Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35)

Flüchtlingskinder in Katerini / Perichoresis
(Griechenland)
 

Noch nie gab es so viele Flüchtlinge weltweit wie derzeit. UNHCR berichtet, dass 79,5 Millionen Menschen Ende des Jahres 2019 auf der Flucht waren. Davon sind 26 Millionen vor Konflikten, Verfolgung oder schweren Menschenrechtsverletzungen aus ihrer Heimat geflohen. 45,7 Millionen sind Binnenvertriebene, also Menschen, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind. 4,2 Millionen Menschen von den 79,5 Millionen sind Asylsuchende.

UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi sagt: „Wir beobachten eine veränderte Realität. Vertreibung betrifft aktuell nicht nur viel mehr Menschen, sondern sie ist auch kein kurzfristiges und vorübergehendes Phänomen mehr. Wir brauchen eine grundlegend neue und positivere Haltung gegenüber allen, die flüchten, gepaart mit einem viel entschlosseneren Bestreben, Konflikte zu lösen, die jahrelang andauern und die Ursache dieses immensen Leidens sind.“

Um eine positive Haltung gegenüber denen, die geflohen sind, bemühen sich viele der GAW-Partnerkirchen. Die Griechisch-Evangelische Kirche ist ein Beispiel davon. Einzelne Gemeinden aber auch die NGO Perichoresis in Katherini bemühen sich darum, Flüchtlinge zu begleiten und zu integrieren. Sie tun es, weil viele Gemeindemitglieder Nachfahren von griechisch-evangelischen Familien mit Flucht- und Vertreibungserfahrungen sind. In den 1920er Jahren gelangten ihre Familien nach einem Krieg und Bevölkerungsaustausch aus Kleinasien nach Griechenland.

In der Bibel gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte für solche Erfahrungen. Das Alte Testament beginnt mit einer Vertreibung, das Neue Testament mit einer Flucht. Im Drama des Auszugs aus dem Paradies (Gen 3,1–24) mussten die ersten Menschen, Adam und Eva, ihre Heimat verlassen. Kurz nach der Geburt Jesu flohen Josef und Maria mit ihm nach Ägypten. Wie ein roter Faden durchzieht das Motiv der Flucht, Vertreibung und Heimatlosigkeit die Bibel.

Das fordert evangelische Kirchen heraus. Es geht um Anerkennung des Fremden. Es geht um Vielfalt in der Einen Welt, um die Anerkennung der Anderen. Im Wissen darum, wie es ist, fremd zu sein, lädt christlicher Glaube ein, Fremde aufzunehmen, weil Gottes ungeschuldete Gnade jedem Menschen gilt – egal wo er herkommt.

Jedes Jahr gibt es zahlreiche Projekte unserer Partnerkirchen, um Flüchtlingen zu helfen – in Griechenland, in Syrien, im Libanon, in Italien, in Frankreich, in Spanien, in Kolumbien. Diese Projekte sind geleitet von dem Gedanken: „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35)

Für einige Projekte haben unsere Partnerkirchen uns um Hilfe gebeten. Im Jahr 2021 wollen wir deshalb besonders die Arbeit mit Binnenflüchtlingen in Kolumbien und mit syrischen Flüchtlingen im Libanon unterstützen. Auch mit der Konfirmandengabe 2021 bitten wir um Hilfe für ein Flüchtlingsprojekt –  für die NGO Perichoresis in Griechenland, die Geflüchteten Wohnraum, Hilfe im Asylverfahren sowie im Alltag bietet: Es gibt einen Kindergarten, Unterstützung für Schulkinder beim Lernen, Therapien für traumatisierte Geflüchtete, Griechischkurse, gemeinsame Freizeitaktivitäten, eine Fußballmannschaft für Kinder und Jugendliche.

Montag, 12. April 2021

Verstehen und helfen

Die Hilfsorganisation Perichoresis hilft den Geflüchteten in Griechenland

Paris Papageorgiu (r.),
mit dem GAW-Generalsekretär Enno Haaks
„Als 2015 die ersten Flüchtlingsströme nach Griechenland kamen und auf den Feldern von Idomeni campierten, sah ich diese Menschen. Ich war schockiert zu sehen, dass Menschen wie du und ich quasi zu ‚Nichts‘ geworden waren. Sie hatten alles verloren. Als die Grenzen nach Norden geschlossen wurden und die Flüchtlinge nicht mehr wegkonnten, haben wir begonnen, sie in unseren Häusern aufzunehmen“, berichtet Paris Papageorgiou, Mitglied im Vorstand von Perichoresis, einer von der evangelischen Gemeinde in Katerini gegründeten Nichtregierungsorganisation (NGO).
Wenn Paris Papageorgiu ‚wir‘ sagt, meint er nicht nur seine Kirchengemeinde, sondern auch sich selbst. Mehreren Frauen mit ihren Kindern, insgesamt neun Personen bot seine Familie Schutz. Als einem Nachkommen der sogenannten Pontosgriechen, ging ihm das Schicksal der Flüchtlinge auch aufgrund seiner Familiengeschichte sehr nahe.

Die von vertriebenen und geflüchteten Pontosgriechen
errichtete evangelische Kirche in Katerini
„Nach dem griechisch-türkischen Krieg 1922 wurden unsere Leute vom Schwarzmeer gewaltsam vertrieben“, erläutert Paris Papageorgiou. Nea Trapezounta – Neutrabzon heißt der Ortsteil der Stadt Katerini, in dem er wohnt. Der Name erinnert an die verlorengegangene Heimat. Griechenland, das im Jahr 1923 eine Bevölkerung von nur etwa 5,5 Millionen hatte, sah sich mit einem Flüchtlingsstrom von rund 1,5 Millionen Menschen konfrontiert. Die Deportierten und Geflüchteten lebten in provisorischen Zeltlagern am Rande der Städte. Daraus erwuchsen Siedlungen, deren Namen auch heute noch an die frühere Heimat erinnern, oft erkennbar an dem Namensteil Nea: neu. Und wie das Schicksal so will, spielte im Jahr 1923 Syrien für viele griechischen Familien eine rettende Rolle. Paris Papageorgieu erzählt: „Viele kamen ums Leben, als sie Richtung Syrien geflohen sind. Etliche haben acht Monate bis anderthalb Jahre in Syrien Zuflucht erhalten und wurden dort versorgt, bis sie nach Griechenland ausreisen konnten und bei Katerini eine neue Heimat fanden.“ Heute nun sind Menschen aus Syrien auf der Flucht. Die Gastfreundschaft, die seine Vorfahren in Syrien erlebt hatten, motivierte Paris Papageorgiu während des Flüchtlingselends 2015 in Idomeni. „Wir sagten unseren syrischen Gästen, dass wir auf diese Weise das zurückgeben können, was wir damals empfangen haben.“
Bald wurde aber allen Beteiligten klar, dass es mehr und vor allem professionelle Unterstützung brauchte. Das war der Anfang der Hilfsorganisation Perichoresis.

Alexandra Nikolara
Foto: Thomas Einberger
Die Leiterin von Perichoresis heißt Alexandra Nikolara. Während der griechische Staat die Unterbringung und Versorgung inzwischen übernommen hat, kümmert sich Perichoresis um rechtliche Beratung, sozialen und psychologischen Begleitung sowie Sprachkurse von rund 600 geflüchteten und versucht, bei der Arbeitssuche zu helfen. „Wichtig sind Freizeitangebote und schulische Hilfe für Flüchtlingskinder. Das fordert uns alle sehr heraus“, sagt Alexandra Nikolara.
Seit den ersten humanitären Einsätzen der Freiwilligen in Idomeni vor sechs Jahren hat das GAW die Flüchtlingsarbeit der Griechisch-Evangelischen Kirche regelmäßig unterstützt, für Lebensmittelhilfen gespendet, beim Ausbau von Flüchtlingswohnungen geholfen etc. In diesem Jahr unterstützt die Konfirmandengabe des GAW die so notwendige Arbeit von Perichoresis. Die Menschen – besonders die Kinder – sollen nicht verloren gehen.

„Unser Anliegen ist es, die geflüchteten Menschen zu verstehen: ihren Status, ihre Nationalität, ihre Kultur, ihre Religion, ihre Erfahrungen. Nur wenn wir die Menschen verstehen, können wir ihnen helfen, hier in Europa Fuß zu fassen.“ (Alexandra Nikolara)


Samstag, 10. April 2021

Erster "Frauentalk weltweit" zu Syrien

Gleich der erste "Frauentalk weltweit" der GAW-Frauenarbeit war mit 35 Teilnehmerinnen sehr gut besucht. Zu Gast war Mary Khalaf aus der Evangelischen Kirche in Syrien. Seit 2014 lebt sie in Gummersbach im Rheinland. Dort arbeitet sie – wie vorher in Damaskus – als Ärztin für Psychiatrie.

Doch das hätte auch anders kommen können: "Gern hätte ich Theologie studiert, wenn es damals schon möglich gewesen wäre, in unserer Kirche Pfarrerin zu werden. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir heute in unserer Kirche schon vier Pfarrerinnen haben. Dafür bin ich Psychiaterin geworden, weil ich mich auf diese Weise um die Seele von Menschen kümmern kann."

Mary Khalaf erzählt, dass sie in Deutschland oft gefragt werde, warum sie Christin ist und ob sie etwa in Deutschland konvertiert sei. Viele wüssten gar nicht, dass es auch in Syrien Christen gebe und sogar evangelische Christen. "Bei uns in Syrien gibt es schon viel länger Christen als in Europa", erzählt sie dann. Besonders stolz ist sie, dass sie aus der Stadt kommt, in der Paulus bekehrt wurde. In Damaskus wohnte sie in der Geraden Straße. Dort steht das Wohnhaus von Hananias, der Christ, der Paulus nach seiner Bekehrung getauft hat.

Geflohen ist Mary Khalaf im Jahr 2014, erzählt sie: "In den ersten Kriegsjahren hat man in Damaskus lediglich die Bomben gehört, die außerhalb der Stadt fielen. Wir wussten nie, von wem sie kamen und wer gegen wen kämpfte. 2013 kam der Krieg schließlich nach Damaskus. Ich hatte zwei kleine Kinder, der Strom fiel irgendwann komplett aus. Schließlich fiel eine Rakete auf unser Nachbarhaus und die Splitter kamen auch in unsere Wohnung. Da wollte ich nur noch weg." Ihr Bruder studierte damals in Deutschland. Über eine sehr engagierte Frau und ihre Kirchgemeinde gelang es ihm, Mary und ihre Familie mit Hilfe einer Bürgschaft auf sicherem Wege nach Deutschland zu holen.

die Gerade Straße in Damaskus im Jahr 2010
Mary Khalaf hatte sich Anfang der 2000er Jahre für Menschen engagiert, die vor dem Irakkrieg fliehen mussten. Da konnte sie noch nicht ahnen, dass sie einmal selbst gezwungen sein würde, zu fliehen. Heute sagt sie: „Das Wort Asyl hat für mich im Deutschen einen negativen Klang. Ich bevorzuge die Worte Hilfe- oder Schutzsuchende.“

Heute werde in Damaskus zwar nicht mehr gekämpft. „Aber es sind immer noch überall Waffen vorhanden. Das macht Unsicherheit und Angst.“ Außerdem ist die wirtschaftliche Lage in Syrien katastrophal. Es gibt eine enorme Inflation. Die Menschen verdienen umgerechnet nur noch wenige Dollar im Monat. Deshalb sind sie auf Hilfe von außen angewiesen.

Trotzdem hat Mary Khalaf Hoffnung: Sie zeigt Bilder aus ihrer Heimatgemeinde mit vielen Kindern im Gottesdienst. Wenn sie die Bilder sieht, ist sie sich sicher, dass die Kirche trotz des Krieges eine Zukunft hat.

Donnerstag, 8. April 2021

Bulgarien: Glaubenskurse für Roma

Die Glaubenskurse für Roma-Männer in der evangelischen
Gemeinde Parmovay sind gefragt.
„Als meine Frau und ich vor 20 Jahren nach Parvomay kamen“, erzählt Pastor Delcho Atanasov, „gab es keine Roma in unserer Gemeinde. Heute gehört die Hälfte der Gemeindemitglieder der ethnischen Minderheit der Roma an.“ Viele Bulgaren interessieren sich nicht für den Glauben an Gott und die Kirche, so Atanasovs Erfahrung, wohingegen christliche Roma stolz auf ihren Glauben sind.

Die evangelische Gemeinde in Parvomay hat deshalb Glaubenskurse speziell für Roma ins Leben gerufen, die die Menschen dort abholen, wo sie sind. „Die Situation der Roma ist in mancher Hinsicht speziell“, sagt Atanasov, „viele Roma können nicht oder kaum lesen und schreiben. Und in der Gemeinschaft der Roma herrscht noch immer eine patriarchalische Struktur vor.“ Gerade letzteres hat die Gemeinde in Parmovay bewogen, im Rahmen ihrer Glaubenskurse auch besondere Angebote für Roma-Männer zu machen. Atanasov: „Ein frommer und kluger Mann ist ein Segen für seine Kinder, seine Frau, für die Kirche und für unsere ganze Gesellschaft.“

Zwei Module des Kurses finden als Familiencamp mit
den Ehefrauen und den Kindern statt.
Zwei Jahre dauert so ein Glaubenskurs für Roma-Männer und besteht aus drei Modulen: „Ich, Christus und andere“, „Füreinander“ und „Für mich und mein Zuhause“. Das erste Modul absolvieren die Männer in kleinen Gruppen in einem Schulungszentrum getrennt von ihren Familien. Die beiden anderen Module finden in Form von Familiencamps mit den Ehepartnern statt. Zwei Gruppen haben diesen Glaubenskurs seit 2016 bereits absolviert. Eine dritte Gruppe hat im November 2019 begonnen.

Die Glaubenskurse der Gemeinde in Parvomay stoßen auf großes Interesse, sodass der dritte Kurs an bereits zwei Orten nahe Parvomay gehalten wird: in den Dörfern Lenovo und Gradets. „In Gradets müssen wir das Gemeindehaus renovieren, um auch perspektivisch dort arbeiten zu können“, so Atanasov. Übernachtungsmöglichkeiten und Seminarräume sollen geschaffen werden. „Eine Investition in die Zukunft“, ist Delcho Atanasov überzeugt, denn Gradets liegt in einer Region, in der ausschließlich Roma leben.

Da Roma die ärmste Bevölkerungsgruppe in Bulgarien sind, können die Teilnehmer sich im Moment kaum oder gar nicht finanziell an den Schulungen beteiligen. Atanasov: „Im Moment sind wir auf die Hilfe ausländischer Partner angewiesen.“

Das GAW unterstützt die Renovierung des Gemeindehauses Gradets, damit die evangelischen Gemeinden in und um Parvomay weiter wachsen können.

Mittwoch, 7. April 2021

Konfirmation woanders: Chile

Im Konfirmandenunterricht kann ich mit Gleichaltrigen über Gott sprechen

Mein Name ist Carolina und ich lebe in Santiago de Chile. Ich liebe den Konfirmandenunterricht, weil ich dort mit Gleichaltrigen über Gott sprechen kann. Auch wenn wir wegen der Pandemie Abstand halten müssen und manchmal keine Präsenzveranstaltungen machen können, haben wir es bisher geschafft, uns nah zu sein. Manche Veranstaltungen machen wir über Zoom.

Ein Höhepunkt unserer Konfizeit war das Zelten im Pfarrgarten. Wir haben die Taufe einer Freundin vorbereitet und über unsere Erlebnisse mit Gott gesprochen. Gott ist ein Licht in der Dunkelheit. Gott gibt unserem Leben einen Sinn. Er schenkt uns allen so viel Liebe und Fröhlichkeit. Dafür bin ich dankbar.
Carolina aus Santiago de Chile

P.S.: Zur Coronalage in Chile: Das Land gilt als Vorreiterland in der Impfkampagne. Mehr als fünf Millionen Menschen haben bereits mindestens eine Impfdosis erhalten. Geimpft wird nach einem recht einfachen Priorisierungsplan ohne komplizierte Terminvergabe. Dennoch häufen sich derzeit die Corona-Infektionen. Chile befindet sich wieder in einem harten Lockdown. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gibt es in dem 19-Millionen-Einwohner-Land aktuell etwa 48.000 aktive Fälle – mehr als jemals zuvor. Insgesamt haben sich in Chile etwa eine Million Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Knapp 25.000 Menschen starben im Zusammenhang mit Covid-19. Die 7-Tages-Inzidenz liegt bei 253.
Die hohe Zahl an Neuinfektionen könnte mit den verwendeten Impfstoffen zusammenhängen. 60% der Impfdosen kommen aus China, 20% von Biontec/Pfizer und 20% von Astrazeneca. Der chinesische Impfstoff verhindert zwar schwere Verläufe, allerdings liegt der Schutz gegen eine Ansteckung nach einer brasilianischen Studie nur bei etwas über 50 Prozent. Zudem scheinen der Erfolg und die Schnelligkeit beim Impfen die Menschen sorgloser zu machen.

Freitag, 2. April 2021

Leben wir in einer Karsamstagszeit...?

Tod und Auferstehung - wie die Karwoche
unsere Hoffnung erneuern kann
"Es muss doch irgendwann möglich sein, Ostern mal wieder anders zu feiern!" schreibt Pfarrer Harald Malschitzky aus Brasilien. "Aber: Unsere Lage ist sehr böse: In den letzten 24 Stunden hatten wir 3.965 Tote! Unser Lockdown funktioniert nicht. Nun haben besonders Ärzte, Krankenpfleger und -pflegerinnen schon Angst vor den Konsequenzen der Karwoche. Abertausende fahren einfach los an den Strand. Zwei Wochen später kommt dann die Bescherung. -
Einer unserer Pastoren liegt noch im Krankenhaus und ringt ums Leben. In der letzten Nacht ist der Direktor unserer Schule in Sapiranga in der Nähe von Novo Hamburgo im Alter von 54 Jahren an Covid gestorben. Das ist schlimm und trifft uns sehr. Viele von uns kannten ihn gut."

Und Harald Malschitzky endet: "Wie nötig haben wir in dieser Zeit die Osterbotschaft..." - Ja - gerade in dieser bösen Zeit will uns die Osterbotschaft Kraft geben, Geduld zu behalten und das, was wir nicht verstehen, aushalten helfen. Es ist nicht abzusehen, wie lange wir mit allen Einschränkungen zu leben haben und wieviel Leid wir noch erleben werden.

Vielleicht leben wir in einer Karsamstagszeit… Das Leben ist eingeschränkt, macht müde und manchmal auch wütend. Nicht alles geht. 

Leben wir in einer Zeit des Todes Gottes? Karfreitag liegt hinter uns, Ostern vor uns. Aber Ostern kommt mit der Botschaft: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, noch Gewalten! Ja - es muss doch mal möglich sein, dass wir Ostern wieder aus vollem herzen feiern können!