Freitag, 16. April 2021

„Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35)

Flüchtlingskinder in Katerini / Perichoresis
(Griechenland)
 

Noch nie gab es so viele Flüchtlinge weltweit wie derzeit. UNHCR berichtet, dass 79,5 Millionen Menschen Ende des Jahres 2019 auf der Flucht waren. Davon sind 26 Millionen vor Konflikten, Verfolgung oder schweren Menschenrechtsverletzungen aus ihrer Heimat geflohen. 45,7 Millionen sind Binnenvertriebene, also Menschen, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind. 4,2 Millionen Menschen von den 79,5 Millionen sind Asylsuchende.

UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi sagt: „Wir beobachten eine veränderte Realität. Vertreibung betrifft aktuell nicht nur viel mehr Menschen, sondern sie ist auch kein kurzfristiges und vorübergehendes Phänomen mehr. Wir brauchen eine grundlegend neue und positivere Haltung gegenüber allen, die flüchten, gepaart mit einem viel entschlosseneren Bestreben, Konflikte zu lösen, die jahrelang andauern und die Ursache dieses immensen Leidens sind.“

Um eine positive Haltung gegenüber denen, die geflohen sind, bemühen sich viele der GAW-Partnerkirchen. Die Griechisch-Evangelische Kirche ist ein Beispiel davon. Einzelne Gemeinden aber auch die NGO Perichoresis in Katherini bemühen sich darum, Flüchtlinge zu begleiten und zu integrieren. Sie tun es, weil viele Gemeindemitglieder Nachfahren von griechisch-evangelischen Familien mit Flucht- und Vertreibungserfahrungen sind. In den 1920er Jahren gelangten ihre Familien nach einem Krieg und Bevölkerungsaustausch aus Kleinasien nach Griechenland.

In der Bibel gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte für solche Erfahrungen. Das Alte Testament beginnt mit einer Vertreibung, das Neue Testament mit einer Flucht. Im Drama des Auszugs aus dem Paradies (Gen 3,1–24) mussten die ersten Menschen, Adam und Eva, ihre Heimat verlassen. Kurz nach der Geburt Jesu flohen Josef und Maria mit ihm nach Ägypten. Wie ein roter Faden durchzieht das Motiv der Flucht, Vertreibung und Heimatlosigkeit die Bibel.

Das fordert evangelische Kirchen heraus. Es geht um Anerkennung des Fremden. Es geht um Vielfalt in der Einen Welt, um die Anerkennung der Anderen. Im Wissen darum, wie es ist, fremd zu sein, lädt christlicher Glaube ein, Fremde aufzunehmen, weil Gottes ungeschuldete Gnade jedem Menschen gilt – egal wo er herkommt.

Jedes Jahr gibt es zahlreiche Projekte unserer Partnerkirchen, um Flüchtlingen zu helfen – in Griechenland, in Syrien, im Libanon, in Italien, in Frankreich, in Spanien, in Kolumbien. Diese Projekte sind geleitet von dem Gedanken: „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35)

Für einige Projekte haben unsere Partnerkirchen uns um Hilfe gebeten. Im Jahr 2021 wollen wir deshalb besonders die Arbeit mit Binnenflüchtlingen in Kolumbien und mit syrischen Flüchtlingen im Libanon unterstützen. Auch mit der Konfirmandengabe 2021 bitten wir um Hilfe für ein Flüchtlingsprojekt –  für die NGO Perichoresis in Griechenland, die Geflüchteten Wohnraum, Hilfe im Asylverfahren sowie im Alltag bietet: Es gibt einen Kindergarten, Unterstützung für Schulkinder beim Lernen, Therapien für traumatisierte Geflüchtete, Griechischkurse, gemeinsame Freizeitaktivitäten, eine Fußballmannschaft für Kinder und Jugendliche.

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