Freitag, 25. Juni 2021

Kolumbien braucht Wahrheit und Versöhnung

Lutherischer Gottesdienst
im Haus des Friedens in Medellin
Kolumbien kommt nicht zur Ruhe. Gewalt ist an der Tagesordnung. Der Lutherische Weltbund hat im Mai gemeinsam mit der lutherischen Kirche in Kolumbien (IELCO) den Präsidenten Iván Duque aufgerufen, die Welle der Gewalt im Land zu beenden und den Friedensprozess neu zu beleben.

In einer Mail bestätigt Bischof Atahualpa Hernández, dass es kompliziert bleibt im Land: "Die Situation ist immer noch sehr schwierig. Von der zunehmenden Gewalt und den sozialen Ungerechtigkeiten sind viele Menschen betroffen. Wir sehen kaum Ansätze, um zu Problemlösungen zu kommen. Bei einem Treffen des Präsidenten mit Vertretern verschiedener Kirchen des Landes stellten wir fest, dass es wenig wirklichen Willen zum Dialog gibt. Wir fühlten uns als Kirchenvertreter zu politischen Zwecken ausgenutzt ... Die Demonstrationen auf den Straßen gehen weiter. In mehreren Städten gibt es Blockaden und leider übt die Regierung immer wieder Gewalt gegen den Demonstrierenden aus." Und Atahualpa Hernández fährt fort: "Wir suchen nach Mechanismen, um mehr internationalen Druck aufzubauen, auch durch unsere Schwesterkirchen in der lutherischen Gemeinschaft."

Zudem beklagt Hernández, dass der Friedensprozess im Lande stockt. Nach jahrelangen Verhandlungen konnte 2016 ein Friedensvertrag mit der FARC-Guerilla unterzeichnet werden. Aber Kritiker warfen dem damaligen Präsidenten Santos vor, der Guerilla zu viele Zugeständnisse gemacht zu haben. Nach dem verlorenen Referendum erhielt Santos für seine Bemühungen den Friedensnobelpreis, was den Vertrag rettete. 

Zu diesem Vertrag gehörte die Einrichtung einer Wahrheitskommission. Vor dieser Kommission hat jetzt Ingrid Betancourt ausgesagt. Sie wurde 2002 entführt, als sie Kandidatin für das Präsidentenamt war. Sechs Jahre wurde sie von der FARC-Guerilla festgehalten. Die wohl berühmteste ehemalige Geisel der Welt redete jetzt ihren Entführern bei einem Wiedersehen ins Gewissen. Sie vermisst konkrete Zeichen der Reue aufseiten ihrer Entführer. Ebenso gilt das für den ehemaligen Präsidenten Uribe, der wie die FARC-Rebellen für  Menschenrechtsverletzungen vernatwortlich ist.

 "Die einzige Wirklichkeit ist, dass wir als Kolumbianer niemals mehr zur Vergangenheit zurückkehren wollen und wir bereit sind, uns zu ändern und Schulter an Schulter eine neue Zukunft für alle aufzubauen."
(Ingrid Betancourt)


In der ZDF-Mediathek ist eine Dokumentation zu sehen, die eindrücklich die Situation beschreibt:
https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/kolumbien-betancourt-farc-100.html

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