Donnerstag, 23. September 2021

Konfirmation woanders: Ungarn

Ich glaube jetzt bewusster

Bei uns ist die Zugehörigkeit zur evangelisch-lutherischen Kirche eine Familientradition. Wir gehen regelmäßig in den Gottesdienst und nehmen auch an anderen Gemeindeveranstaltungen teil. Meine älteren Brüder sind konfirmiert. Es war für mich keine Frage, dass auch ich mich konfirmieren lassen werde. Ich konnte es kaum erwarten, mit dem Konfirmandenunterricht anzufangen. Der Konfirmandenunterricht ist für mich eine große Bereicherung. Ich lerne viel Neues und sehe viele Dinge jetzt in einem größeren Zusammenhang. Ich kann sagen: Ich glaube jetzt bewusster.
Róza Taba, Konfirmandin der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde am Deák tér (Deák Platz) in Budapest, Ungarn

Dienstag, 7. September 2021

Sanierung der Jugendstilfenster der Waldenserkirche in Rom gehen gut voran

An der Piazza Cavour mittem im Herzen Roms findet sich eine der repräsentativsten Kirchengebäude der Waldenserkirche. Unmittelbar an ihre grenzt die Fakultät der Waldenserkirche an. Nur einen Kilometer entfernt befindet sich der Petersdom. Die Enweihung der Kirche 1883 wurde von der englischen, deutschen und nordamerikanischen Öffentlichkeit als Wunder der “kleinen” Waldenser begrüßt. Sie ist ein gut sichtbares und repräsentatives Zeichen für die Präsenz des Protestantismus in der Stadt.

Zur Kirchengemeinde gehören viele Einzelpersonen, die sich zum Protestantismus bekehrt haben und weit über die Stadt verstreut leben (ca. 300 Mitglieder). Heute finden in der Waldenserkirche Gottesdienste auf Italienisch, Französisch, Chinesisch, Malagasy und Spanisch, sowie Konzerte und kulturelle Veranstaltungen statt. Die Vielfalt der Kulturen zeichnet viele Waldensergemeinden inzwischen aus. 

Die Kirche ist denkmalgeschützt.
Besonders kostbar sind
die Buntglasfenster, die in der Bildsprache des Jugendstils vom Glauben zwischen der Offenbarung Gottes und dem Versprechen des ewigen Lebens erzählen. Sie mussten gereinigt und teilweise auch repariert werden. 40.000 € wurden dafür im PK 2021 gesammelt. Diese Arbeit konnte weitgehend beendet werden. Man spürt den Verantwortlichen der Gemeinde den Stolz ab, dass diese Arbeiten so gut vorangegangen sind. Es fehlt noch ein weiterer Schritt zur vollständigen Sanierung. Das soll dann bis April 2022 abgeschlossen sein. 

Weiter muß das Regenwasserablaufsystem, Dachausbesserungen und Gesimse saniert werden. Diese Arbeiten sind in vollem Gange. Das GAW hat dieses Projekt mit 10.000 Euro gefördert.

Samstag, 4. September 2021

Gibt es Zukunft für das Protestantische Zentrum in Nessonvaux nach der Flut...?

Protest. Zentrum in Nessonvaux
"Man hat es sich nicht vorstellen können, dass die Vesdre (Weser) einmal so extrem ansteigen würde," sagt Steven Fuite, Synodalpräsident der Vereinigten Protestantischen Kirche in Belgien (VPKB). "Sogar ein Container wurde über der Brücke am Protestantischen Zentrum gespült." 

Nessonvaux ist ein idyllischer wallonischer Ort in der Provinz Lüttich an der Vesdre.

Das Protestantische Zentrum hat hier eine lange Tradition. Vor 50 Jahren entstand es aus der damals schrumpfenden protestantischen Gemeinde und hat sich zu einem beliebten Freizeitheim entwickelt. Es liegt direkt an der Vesdre, die hier normalerweise friedlich entlangfließt und 3 Meter breit war. Jetzt hat der Fluß eine Breite von 8 Meter. Er hat alles mitgerissen, was irgendwie im Weg war. Die Kapelle des Protestantischen Zentrums wurde zur Hälfte zerstört. Die Mauerreste liegen im Fluß. Nur das Kreuz der Kapelle leuchtet einem entgegen. 
Kreuz in der zerstörten Kapelle

"Für die Menschen ist das derzeit ein tröstliches Zeichen, dieses Kreuz zu sehen, auch wenn kaum jemand aus dem Ort noch zur protestantischen Kirche gehört", sagte Fuite. "Sie brauchen Trost. Dafür steht das Kreuz. Es gibt immer noch kein Strom und fließend Wasser. Geschweige denn Gas. Viele sind inzwischen mutlos und haben keine Kraft mehr.  Unklar ist es für alle, die am Fluß leben, wie es weitergeht. Eine ganze Strasse gibt es nicht mehr am Fluß gegenüber vom Zentrum." 

In Nessonvaux wird aufgeräumt. Freiwllige aus anderen Regionen helfen mit. Bagger fahren durch die Strassen. Fenster und Türen stehen weit auf zum Trocknen der Häuser. Auch im Protestantischen Zentrum. Hier waren gerade Renovierungsarbeiten abgeschlossen. Als die Flut kam, da hat die Leiterin gerade noch rechtzeitig eine Jugendgruppe in Sicherheit bringen können. "Zum Glück ist kein Jugendlicher zu Schaden gekommen."

Steven Fuite zeigt den Pegelstand
der Vesdre im Zentrum
Es ist unklar, wie es mit dem Zentrum weitergehen soll und ob der Wiederaufbau lohnt. "Das Zentrum entspricht nicht mehr den Normen. Man dürfte es im alten Zustand nicht wieder herstellen, sondern man müsste es den neuen Standards anpassen. Ob das lohnt..." - fragt die Leiterin. "Drei Optionen gibt es, die evaluiert werden müssen und abhängig sind von den neuen Bestimmungen zum Hochwasserschutz. Die gibt es nicht. Derzeit weiß keiner, was das bedeutet."

"Wir überlegen, es entweder wieder aufzubauen, an anderer Stelle ein Zentrum zu eröffnen oder diese Arbeit ganz einzustellen", sagt Fuite. "Nur - an diesem Zentrum hängen viele Emotionen. Generationen an Jugendlichen verbinden etwas mit diesem Zentrum. Sie haben ihre Geschichten - auch die ganz persönlichen. Auch der Synodalrat kam jedes Jahr hierher."

"Es war das schlimmste Hochwasser, das Belgien je erlebt habe", sagt Fuite am Ende des Besuchs. Wir stehen gemeinsam auf der Brücke, als er das sagt und schauen auf das Kreuz. Und Steven betet.

P.S.: Das GAW hat der Vereinigten Protestantischen Kirche mit einer Nothilfe für das Zentrum geholfen. Wenigstens ein kleines solidarisches Zeichen - egal, wie es da weitergehen wird...

Freitag, 3. September 2021

Wenn evangelische Kirchen mehr als ein zu Hause werden...

 

Protestant. Kirche in Liége
Durch den guten Kontakt zur Heilsarmee kam ein ehemaliger Gewerkschafter aus dem Kongo mit seinen vier Kindern zur protestantischen Gemeinde Liège-Lambert-le-Bègue. Hier bewohnt er ein Appartment. Seine Geschichte der Flucht aus dem Kongo ist abenteuerlich. Er verlor dabei den Kontakt zu seinen Kindern und seiner Frau. Seine Kinder fand er dank des belgischen Roten Kreuzes in einem südafrikanischen Flüchtlingslager wieder. Seine Frau blieb verschwunden. Bis heute... "Die protestantische Gemeinde hat mir in Liége ein zu Hause gegeben. Der Pastor und die Gemeinde sind meine neue Familie!" sagt er. 

Viele Migranten und Flüchtlinge wie der kongolesische Gewerkschafter finden in dem Gemeindezentrum Hilfe. Sieben Sozialarbeiter kümmern sich während der Woche um sie. Dabei geht es um juristische Hilfe, Sprachkuruse, Integrationshilfe, warme Mahlzeiten, Kleidung. "Wir übernehmen Aufgaben der Kommune," sagt der Pastor der Gemeinde. 2500 Anfragen erreichen die Sozialarbeiter pro Jahr, wo Hilfe notwendig ist.


"In der Gemeinde gibt es eine große Hilfsbereitschaft," berichtet der Pfarrer. "Die Aktivitäten wirken sich positiv aus. Die Gemeinde ist lebenig, verjüngt sich und ist sehr bunt und vielfältig."

Im Jahr 1831 verkündet eine liberale Verfassung Religionsfreiheit in Belgien. Wenige Jahre später

entstand in Liége (Lüttich) eine protestantische Gemeinde, die heute nach der anliegenden Straße Liège-Lambert-le-Bègue heißt. In der Stadt gibt es noch zwei weitere Gemeinden der Vereinigten Protestantischen Kirche. Die Gemeinde Liège-Lambert-le-Bègue zählt 300 Glieder.  

Sehr gute ökumenische Beziehungen unterhält die Gemeinde zur Salesianergemeinde in Laveu. Gemeinsam werden ökumenische Gottesdienste gefeiert und Solidaritätsaktionen veranstaltet. 

1860 wurde die Kirche in der Straße Lambert-le-Bègue, 1862 der Anbau „Foyer“ fertig. 1965 wurde der Anbau komplett erneuert, mit Ausnahme des Dachs und des Rondells. Bei einer Inspektion wurde festgestellt, dass der Zustand des Dachs Besorgnis erregend ist. Die Gemeinde hat inzwischen dank der Hilfe des GAW das Dach erneuern können. Nun stehen wietere Sanierungsarbeiten an. Fenster müssen erneuert werden. Dadurch sollen Heizungskosten gespart werden.

Konfirmation woanders: Rumänien (2)

Heute bin ich in unserer Gemeinde aktiv

Ich bin Mark Péchy. Ich lebe in Rumänien. Ich bin 2016 konfirmiert worden. Ich kann euch sagen, dass es sich lohnt, sich konfirmieren zu lassen. Ich erinnere mich gerne an die Gemeinschaft, die wir im Konfirmandenunterricht hatten. Gemeinsam haben wir viel erlebt und die Liebe Gottes kennengelernt. Heute bin ich in unserer Gemeinde aktiv. Dort gibt es Menschen, mit denen ich mich gut verstehe. Wir helfen einander. Natürlich ist nicht alles perfekt. Aber es ist unsere Aufgabe daran zu arbeiten, dass unsere Gemeinden ein Ort des Glaubens an Gott sind und dass wir uns dort wohl fühlen.  
Mark Péchy, Oradea

Donnerstag, 2. September 2021

Denis - die gute Seele von Herstal

Pastor Paolo und Denis
"Darf ich dir Denis vorstellen?" fragt Pastor Paolo beim Besuch der Protestantischen Gemeinde Herstal. Herstal liegt in der Nähe von Lüttich. Die  Gemeinde ist bunt gemischt. Menschen aus Kamerun, dem Kongo, Italiener, Polen und Syrer gehören ihr mittlerweile an. Noch bunter geht es in der großen Pfadfinderarbeit zu. Bis an die 100 Kinder und Jugendliche treffen sich hier wöchentlich aus veielen weiteren Nationen - so jedenfalls hofft man bald auch wieder weitermachen zu können. Die wenigsten von ihnen sind noch evangelisch. "Aber diese Arbeit hilft uns, bekannt zu bleiben und Menschen neugierig zu machen!" sagt Paolo. "Denis hat ein gutes Händchen mit den Kindern und Jugendlichen," sagt er. "Er motiviert sie, spricht mit ihnen, zeigt ihnen seine Gartenarbeit. Ohne Denis würde hier vieles nicht so gut laufen: er ist Hausmeister, "Mädchen für alles", Ansprechpartner, Gärtner, Mitglied im Kirchenvorstand und auch Prediger."

Seit 15 Jahren lebt Denis in Herstal. Seine Geschichte ist abenteuerlich. In den 80er Jahren kam er  aus dem Kongo nach Europa. Zunächst nach Griechenland. Hier ging er zur Ersten Gemeinde der Griechischen Evangelischen Kirche, studierte zunächst Ökonomie. Bald ermutigte ihn der Pastor der Gemeinde, die Bibelschule der Kirche zu besuchen. Drei Jahre tat er das. Seine Kirche schickte ihn dann nach Amsterdam zum weiterführenden Theologiestudium. Weitere drei Jahre studierte er dort. Nun konnte er

Denis Garten im Gemeindezentrum Herstal
neben Griechisch auch noch Holländisch. Dann schickte man ihn nach Löwen, um hier seinen Master zu machen. Das gelang nicht. Er verlor seinen Studentenstatus und musste sehen, wie er klarkam. So kam er schließlich nach Herstal. Die Region gehörte durch Kohlebergbau und florierende Industrie zu den reicheren Regionen Europas. Das ist schon länger vorbei. Inzwischen gehören Kommunen wie Herstal zu den ärmeren in Belgien. 

Wenn Paolo nicht gewesen wäre... - Paolo half Denis. Er brachte ihn im protestantischen Gemeindezenztrum Le Foyer unter. Hier bekam er ein kleines Appartment mit

Vor Le Foyer in Herstal

seiner Frau und kümmert sich seitdem um vieles in der Gemeinde. 

Schicksale wie die von Denis sind kein Einzelfall in Herstal. Le Foyer ist zum Anlaufpunkt für Bedürftige geworden. Hier wird für etliche Familien gekocht, Lebensmittelpakete verteilt, Kleider ausgegeben, Möbel besorgt, Wäsche gewaschen, Sprachkusre gegeben, Workshops veranstaltet und zugehört. Wie der Name sagt: Le Foyer ist wie ein zu Hause. Das will die Gemeinde anbieten. "Uns ist es als evangelische Christen nicht egal, wie es den Menschen um uns herum geht. Wir wollen für sie da sein und ihnen helfen!" sagt Paolo.

Das Zentrum Le Foyer ist in die Jahre gekommen. Um die Arbeit fortsetzen zu können, sind dringende Renovierungsmassnahmen durchzuführen. Am Brandschutz muss ebenso etwas getan werden, sonst droht die Schließung. Im kommenden Projektkatalog 2022 soll für Le Foyer gesammelt werden, damit die evangelische Gemeinde bei den Menschen bleiben kann.