Donnerstag, 30. September 2021

Argentinien: Solidarität mit Frauen in Afghanistan

https://www.youtube.com/watch?v=CkD21dQEM6o

Das Video zeigt schwarz gekleidete Frauen vor einem dunklen Hintergrund, die schweigend und mit einer Kerze in der Hand verharren. Aus dem Hintergrund klingen die Zeilen aus einem Gedicht der afghanischen Dichterin Nadia Anjuman (1980-2005), die von ihrem Ehemann ermordet wurde. Es ist eine Solidaritätsbotschaft von Frauen in Argentinien für Frauen in Afghanistan, die mehr als 15.000 Kilometer überbrücken soll.

Das Video entstand anlässlich der Kampagne des Ökumenischen Rates der Kirchen „Donnerstage in Schwarz“, die sich für eine Welt frei von Vergewaltigung und Gewalt engagiert. Den Initiatorinnen des Videoprojekts aus der Gruppe Noti-Mujer fiel auf, wie sehr das Gedicht Anjumans „Ich will meinen Mund nicht öffnen“ auf die Situation von Frauen in Lateinamerika passt.

„Wir haben davon geträumt, dass es die afghanischen Frauen erreicht, damit sie wissen, dass wir sie nicht vergessen und für sie kämpfen“, sagt Pastorin Estela Andersen. „Zugleich wollte das Noti-Team nicht nur den afghanischen Frauen eine Stimme geben, sondern auch den vielen anderen Frauen, die keine Stimme haben oder sich nicht trauen, ihre Stimme zu erheben. Wir sagten uns: Lasst uns unsere Stimme erheben, solange wir noch können. Die Realität ist, dass wir in einer Zeit leben, in der es immer mehr Rückschritte gibt, was die Stellung der Frau angeht. Das wollen wir nicht akzeptieren. Doch wenn wir darüber sprechen, wird uns gesagt, dass wir übertreiben. Wir werden wie Verrückte behandelt, wie es auch im Video heißt.“

Das Noti-Mujer-Team entstand ursprünglich aus der Frauenkommission des Bezirks Entre Rios, später schlossen sich ihm weitere Frauen und Jugendliche aus verschiedenen Gemeinden an. Zu Beginn der Pandemie und der Isolation war es das Ziel, Frauen zu erreichen und sie aktiv, vereint und hoffnungsvoll zu halten. Sie produzieren eine magazinartige Sendung, die einmal im Monat erscheint und ein bestimmtes Thema aus der Geschlechterperspektive behandelt. Später kam eine monatliche Interviewsendung „De mujer a mujer“ (Von Frau zu Frau) hinzu. „Wir wollen auf freundliche und umfassende Weise über die Stellung der Frau nachdenken und das Bewusstsein dafür schärfen. Wir sind stolz darauf, dass wir das Programm ohne externe Hilfe aufgebaut haben“, sagt Pastorin Estela Andersen, die das Team koordiniert. „Leider ist es uns nicht gelungen, unser Programm stärker in die Öffentlichkeit zu bringen. Pfarrer unserer Kirche unterstützen und teilen es leider kaum.“ Trotzdem sieht sie keinen Grund zum Resignieren: „Unser Video ist ein kleiner Beitrag zu der gewaltigen Aufgabe, die vor uns liegt. Wir können uns nicht einfach zurücklehnen und nichts tun.“

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