Donnerstag, 14. Oktober 2021

In der Provinz Entre Rios in Argentinein ist der Reformationstag für Protestanten ein Feiertag

Mit dem Gesetz Nr. 10224 bestimmte die Provinz Entre Rios den 31. Oktober ab dem Jahr 2013  zum „Dia de la Reforma Protestante“ (Tag der Protestantischen Reformation). Der Tag ist arbeitsfrei für alle Angestellten des Staates, die einer evangelischen Konfession angehören. Auch für Schüler besteht die Möglichkeit, sich an diesem Tag vom Schulunterricht befreien zu lassen.

„Die europäische Immigration – besonders die wolgadeutsche – hat einen starken protestantischen Impuls in der Region Entre Rios hervorgebracht“, begründet damals der Abgeordnete Jorge Monge, warum der Senat das Gesetz beinahe einstimmig verabschiedete.

Die IERP (Evangelische Kirche am La Plata) begrüßte die Entscheidung ebenfalls:„Das ist eine
Ev. Kirche in Entre Rios

Anerkennung des Beitrages der Protestanten und der „Evangélicos“ beim Aufbau der Provinz Entre Rios.“ Und weiter sagte damals der inzwischen verstorbene Kirchenpräsident der IERP Carlos Duarte: „Die Einführung ist wichtig, da wir zum ersten Mal offiziell als Religion betrachtet werden. Eine Kirche der Reformation in unserer Gesellschaft zu sein, bedeutet ein Stachel im Gewissen der Menschen zu sein. Es ist schlicht und einfach unser Wunsch, ein Zeichen des Königreiches zu sein, also des neuen Himmels und der neuen Erde, innerhalb einer Gemeinschaft Jesu Christi, in der alle willkommen sind. Und in diesem Sinne glaube ich, dass die IERP in unserer stark von Ungerechtigkeit und von einem unverantwortlichen Umgang mit erneuerbaren und nicht-erneuerbaren Ressourcen geprägten Gesellschaft, eine prophetische und kritische Stimme sein muss." Damals äußerte er auch die Hoffnung, dass der Reformationstag für ganz Argentinien ein Feiertag werde. Das ist bis heute nicht geschehen.

62,9 % der Bevölkerung sind in Argentinien katholisch. 15,3 % bezeichnen sich als "evangelisch" - dazu zählen die evangelikalen Pfingstkirchen genauso wie die historischen protestantischen Kirchen.

Montag, 11. Oktober 2021

Wir wollen die Kirche der Hoffnung bleiben - gerade jetzt

„Die Familien sitzen abends bei Kerzenschein zusammen“. Was gemütlich klingt, ist im Libanon erzwungene Realität. So erzählt es Pfarrerin Najla Kassab beim vierten Frauentalk weltweit am 7.10. über Zoom. Durch die schwere Energiekrise gibt es nur wenige Stunden am Tag Strom. Und es mangelt an Treibstoff. Auch unabhängig von Corona müssen die Menschen im Libanon zu Hause bleiben: Sie können schlicht ihre Autos nicht mehr betanken. Und wenn doch, mussten sie stundenlang dafür anstehen. Einen öffentlichen Nahverkehr gibt es nicht. „Wir wünschen uns alle so sehr, einmal wieder am Wochenende in unser schönes Libanongebirge zu fahren, aber das geht im Moment nicht“, sagt Najla Kassab.

Noch schlimmer als die Strom- und Treibstoffknappheit trifft die Menschen der allgemeine Preisanstieg. „Die Lebensmittel sind seit 2020 um 400 % teurer geworden. Wegen der rasanten Inflation fallen die Löhne. Drei Viertel der Menschen leben unter der Armutsgrenze. Die Menschen verlassen das Land, vor allem die Gebildeten.“ Najla Kassab zeigt ein Foto von einer Schlange am Flughafen in Beirut: „Mir tut es so weh, zu sehen, wie die Menschen weggehen. In so einer Situation können wir uns als Kirche nicht auf das Beten beschränken. Wir versuchen zu helfen, wo wir können, vor allem mit Lebensmitteln, und mit Medikamenten.“

Hoffnung gibt Najla Kassab ein Projekt der GAW-Frauenarbeit: Im kirchlichen Altenheim Hamlin konnte mit Hilfe des Jahresprojekts eine Solaranlage auf dem Dach installiert werden. „Damals, als wir dieses Vorhaben beschlossen haben, war die Energiesituation noch nicht so schlimm. Nun kommt das Projekt gerade zur rechten Zeit. Es war prophetisch!“ Nun plant die Kirche, noch mehr Einrichtungen mit Solaranlagen zu versehen, um sauberen und verlässlichen Strom von der Sonne zu erzeugen.

Dass Najla Kassab heute Pfarrerin ist, war lange Zeit undenkbar. In den 1980er Jahren konnten Frauen im Libanon nur Religionspädagogik studieren, nicht Theologie. Also ging sie mit 22 Jahren in die USA, nach Princeton, und machte dort ihren Theologie-Abschluss. Doch dableiben wollte sie nicht: „Ich wollte meiner eigenen Kirche dienen.“ 1993 erhielt sie als erste Frau in ihrer Kirche die Lizenz zum Predigen, aber erst 2017 wurde sie richtig ordiniert. Im gleichen Jahr wurde sie zur Präsidentin der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen gewählt. Ein beeindruckendes Erlebnis war es für sie als Protestantin, 2017 auf der Kanzel Luthers in Wittenberg zu predigen.

Mit Unterstützung des Jahresprojekts hat das Frauenkomitee der Kirche, deren Leitung Najla Kassab hat, eine dreijährige Fortbildung für Frauen geplant, um ihre seelische Gesundheit und ihr Selbstbewusstsein zu stärken, gerade in so einer schwierigen Situation. Am Ende ihrer Erzählungen gibt Najla Kassab zu, dass es im Moment unklar ist, wie es im Libanon weitergehen wird und ob es überhaupt jemals besser werden wird. „Aber als Kirche sind wir aufgerufen, eine Kirche der Hoffnung zu sein!"

 

 

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Reformationstag in Österreich

Lutherfigur in der Gustav-Adolf-Kirche in Wien
Wie wird der Reformationstag in Österreich gefeiert?

Evangelische ArbeitnehmerInnen haben Anspruch auf die für den Gottesdienstbesuch notwendige Freizeit. Die Voraussetzungen für die Dienstfreistellung sind: Sie muss mit den Erfordernissen des Betriebes vereinbar sein und die/der ArbeitnehmerIn hat ihren/seinen Anspruch rechtzeitig anzumelden.

Für einzelne Berufsgruppen gibt es Sonderregelungen. So erhalten evangelische Bundesbedienstete auf Ersuchen am Reformationstag dienstfrei, wenn es der Dienstbetrieb erlaubt. Auch für Bedienstete der Gemeinde Wien besteht ein Anspruch auf Dienstfreistellung am Reformationstag.

Evangelische SchülerInnen (unabhängig davon, ob sie den Religionsunterricht besuchen), erhalten am 31. Oktober schulfrei – nicht jedoch SchülerInnen anderer Konfession (auch wenn sie am evangelischen Religionsunterricht teilnehmen). Auch für evangelische LehrerInnen ist der 31.10. kein dienstfreier Tag.

Hintergrund

Durch die Gegenreformation wurde der Protestantismus knapp zweihundert Jahre in den Untergrund gedrängt, bis das erste der Toleranzpatente Josephs II. 1781 wieder eine eingeschränkte religiöse Betätigung erlaubte. In dieser Zeit konnte die Reformation sich in Österreich nur in besonders abgelegenen Gegenden halten. Da vor diesem Hintergrund auch Lutherbibeln, evangelische Gesangbücher und dergleichen verboten waren und mit damaligen Mitteln geheim schwer hergestellt werden konnten, entwickelte sich ein Schmuggelwesen, das dergleichen aus protestantischen Landen in die Hauptrückzugsgebiete der österreichischen Protestanten brachte.

Wurden solche Bücher entdeckt, hatte das schwere Folgen für die Besitzer. Protestanten wurden vertrieben oder mussten konvertieren. Damals hieß es: Glaube oder Heimat. Heute ist das anders - heute heißt es in Österreich Glaube UND Heimat.

Der Reformationstag hat insofern für die Evangelische Kirche A.+H.B in Österreich eine sehr wichtige Bedeutung. Er hilft ihnen - auch wenn nur eingeschränkt - sichtbar zu sein in der Gesellschaft.
 
 

Montag, 4. Oktober 2021

Zum ersten Mal das Meer sehen

Im Rahmen des Jahresprojekts 2020 für Rumänien unterstützte die GAW-Frauenarbeit eine therapeutische Freizeit für Erwachsene mit körperlichen Behinderungen. Sie gehören einer ungarischsprachigen lutherischen Gemeinde in der Nähe von Braşov/Kronstadt an.

Hilde Palfi leitet die Gruppe ehrenamtlich. Sie berichtet von der großen Freude, die die Reise allen Beteiligten geschenkt hat:

"Eine Woche lang hatten wir mit 15 Teilnehmern einen wunderbaren Aufenthalt in einem Hotel in Goldstrand in Bulgarien. Die meisten von ihnen haben noch nie den Kreis Braşov verlassen, geschweige denn sind sie in einem Hotel gewesen. Es war ihr erster richtiger Urlaub. Das Meer, so schreibt ein Freiwilliger, kannten sie nur von Bildern oder aus dem Fernsehen.

Das Hotel war perfekt an die Bedürfnisse der Gruppe angepasst. Alles war barrierefrei. An allen öffentlichen Plätzen gab es barrierefreie Toiletten – was bei uns leider selten der Fall ist. Aus diesem Grund können wir in Rumänien nirgendwo hingehen, mit mehreren Personen, die im Rollstuhl sitzen. Morgens waren wir immer im Hotelpool schwimmen. Alle gingen ins Wasser, außer Kati, die wegen ihres Katheters das Wasser nur mit den Füßen berühren konnte. Trotzdem sang sie fröhlich "Das Leben ist schön". Sie strahlte über das ganze Gesicht, ich habe sie noch nie so glücklich gesehen. Das Hotel verfügte auch über einen Fitnessraum und ein Hallenbad. Wir haben sie alle ausprobiert. Berti, ein ehemaliger Sportlehrer, sorgte dafür, dass wir jeden Tag Bewegung bekamen.

Nach dem Mittagessen gingen wir immer zum Meer. Die Größe und die blaue Farbe des Meeres ließen alle atemlos werden. Mit ein wenig Hilfe gelangten alle - außer Kati - ins Meer. Eine Herausforderung war es, die Rollstühle etwa 50 Meter über den Sand zu tragen. Aber wir hatten zwei starke Männer und bekamen immer Hilfe von Umstehenden. Zum Glück: Als eine starke Welle Melinda ins Wasser warf, rannten sofort fünf Leute los, um zu helfen.

Izabella badet im Meer
Die sieben Tage von Montag bis Sonntag vergingen wie im Fluge, aber es blieben Erinnerungen und Gefühle zurück, die man nicht in Worte fassen kann, deshalb sende ich Ihnen Fotos, um Ihnen die Freude in den Augen der Teilnehmerinnen zu zeigen"

Die Mutter einer körperbehinderten Teilnehmerin schrieb uns nach der Reise: "Vielen Dank, dass ihr an unsere kranken Kinder denkt und auch an uns Mütter, die wir uns mit großer Liebe um unsere Kinder kümmern."