Sonntag, 31. Oktober 2021

Nur mit einer Vision hat Kirche Zukunft - sie ist kein Verein!

1. Griechische Evangelische Gemeinde
Die Griechisch-Evangelische Kirche geht auf das Jahr 1858 zurück, als Michail Kalapothakis mit der Herausgabe der Zeitschrift Astir tis Anatolis (Stern des Ostens) begann. "Er war ein Netzwerker," sagt der derzeitige Moderator Panagiotis Kantartzis über ihn. "Allein dadurch wuchs die Gemeinde. Er hatte eine Vision und das zog die Menschen an." So gründete so die erste griechische evangelische Gemeinde. Die erste Kirche wurde 1871 im Zentrum von Athen erbaut - unterhalb der Akropolis. "Das war damals am äußersten Stadtrand. Nun sind wir mitten im Zentrum! Im Grunde eine Geschichte wie Jona im Wal nach Ninive gebracht wurde," lacht Panagiotis. Durch die Mission der evangelischen Griechen verbreitete sich der Protestantismus auch im Osmanischen Reich. Die erste griechische evangelische Gemeinde in Kleinasien wurde 1867 gegründet. Heute gibt es 30 evangelische Gemeinden in Griechenland. Die Theologie ist calvinistisch geprägt. 

Moderator Panagiotis Kantartzis
"In den letzten 15 Jahren gab es Missionsgründungen usnerer Kirche," sagt Panagiotis. "Diese sind wichtig, um die Kirche in Bewegung zu halten. Lange war es so, dass die Gemeinden unter sich blieben - auch weil der Druck der orthodoxen Mehrheitskirche groß war. Wir selbst müssen aber schauen, dass wir für das Evangelium Zeugnis ablegen und nicht für uns bleiben. Das bleibt eine Herausforderung für unsere Mission." Panagiotis verweist auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen. "Die Flüchtlinge fordern uns heraus, dass wir uns für sie einsetzen. Das geschieht in sehr vielen Gemeinden in Athen, Volos, Katerini, Mylotopos, Thessaloniki, Serres, Alexandropouli. Aber es gibt inzwischen durch die ökonomische Krise eine große Not. So haben wir eine Obdachlosenarbeit und eine Arbeit mit Drogenabhängigen begonnen," fährt Panagiotis fort. "Das alles müssen wir mit den Anforderungen der Gemeindearbeit zusamenhalten. Nicht immer einfach...," sagte er nachdenklich. "Und wir müssen aufpassen, dass wir unsere aktiven Gemeindemitglieder nicht überfordern. Sie haben viel zu tun. 20-30% der Mitglieder sind es. Sie brauchen Unterstützung und Entlastung."

Ca. 5.000 Mitglieder hat die Griechische Evangelische Kirche. Sie ist missionarisch und diakonisch aktiv und ein wichtiger Partner für den Dialog mit der Orthodoxen Kirche.

Samstag, 30. Oktober 2021

In Exarchia hat sich die evangelische Gemeinde einen Namen gemacht

Ev. Gemeindezentrum
in Exarchia 
"Die neuen Gemeindegründungen haben in der Griechischen Evangelischen Kirche etwas verändert," sagt Pastor Alexandros Pipilios von der evangelischen Gemeinde in dem Anarchsitenviertel Exarchia in Athen. "2013 waren es drei Familien der Ersten Evangelischen Gemeinde unterhalb der Akropolis, die hier wohnten. Sie waren der Grund, mit einer Gemeindegründung anzufangen. Inzwischen gehören 70 Mitglieder dieser jungen Gemeinde an, die so anders ist als die traditionelle Erste Gemeinde mit ihren 160 Jahren. Das hat auch damit zu tun, dass im orthodoxen Umfeld die Evangelischen es lange schwer hatten. Es gab immer wieder Zeiten der Bedrängung. Das hat dazu geführt, sich auf sich selbst zurückzuziehen, denn das Umfeld war feindlich. "Diese Mentalität müssen wir überwinden. Wir dürfen nicht unter uns bleiben!" sagt Alexandros. 

Die Flüchtlingskrise hat ab 2015 auch diesem missionarischen Bestreben einen weiteren Schub

Kirch- und Gemeindesaal
gegeben. In Exarchia hat man schnell begonnen, sich für die Notleidenden einzusetzen. Für sie wurden in einem damals noch angemieteten Gemeindehaus Wohnungen eingerichtet. Inzwische konnte dank Brot für die Welt, Diakoniekatsatrophenhilfe und GAW ein eigenes Haus gekauft werden. Es war leerstehend und völlig heruntergekommen. Der erste und zweite Stock wurden inzwischen saniert. Hier finden sich neben verschiedenen Gemeinderäumen auch eine großzügige Terasse für viele Veranstaltungen und Begegnungen. 

Einmal pro Woche werden die von der Gemeinde betreuten Flüchtlinge eingeladen. Dann gibt es ein gemeinsames Essen und gemeinsame Zeit zum Austausch und zur Beratung. Vier Familien werden derzeit von der Gemeinde in Wohnungen untergebracht, die angemietet sind. Das soll sich ändern. Dafür sollen jetzt in den beiden unteren Stockwerken die entsprechenden Wohnungen hergerichtet werden. Um die Mittel kümmert sich die Gemeinde. Das spart in Zukunft die Mietkosten. 

Hier soll Wohnraum entstehen
60% der von der Gemeinde betreuten Flüchtlinge haben es geschafft, sich in die griechische Gesellschaft zu integrieren. 40% sind weitergezogen nach Westeuropa. Das ist dennoch ein hoher Prozentsatz an Erfolgsgeschichten. Und es funktioniert nur dank des guten Netzwerkes der Gemeinde ohne die Integration nicht gelingen wird. 

Die Evangelische Gemeinde in Exarchia hat sich im Laufe der Jahre einen guten Namen erarbeitet - durchs Handeln. Einmal im Monat fährt mit Hilfe der Nachbarschaft eine Hilfskarawane in ein Flüchtlingslager nördlich von Athen. In Exarchia gesammelte Kleidung und Lebensmittel werden dorthin transportiert.

"Dem Evangelium müssen wir Raum geben - sowohl mit unseren neuen Räumen, als auch mit unserm Handeln. Wenn nicht wir... - wer dann... - jetzt gilt es zu handeln und nicht abzuwarten!" ist sich Alexandros gewiß. 

Freitag, 29. Oktober 2021

Endlich ZU HAUSE - ein evangelisches Flüchtlingsprojekt in Athen

Gartenprojekt AT HOME
"Es sind Menschen gekommen. Jeder mit seiner Geschichte," sagt Pfarrer George Tolias von der Griechischen Evangelischen Kirchengemeinde in Glyfada-Athen als er über das Projekt zur Integration von Flüchtlingen in seiner Gemeinde redet.  Die Arbeit begann, als 2015 in der Nähe zur Gemeinde ein großes Flüchtlingslager aufgebaut wurde. Die Gemeinde begann schnell, Hilfe zu organisieren. Daraus ist relativ schnell ein integratives Projekt entstanden, um Flüchtlingen Perspektiven zu geben. "Sie müssen gesehen werden. Sie brauchen Gemeinschaft und Unterstützung, sonst gelingt es nicht, sie zu integrieren! Sie brauchen ein zu Hause." 

Das bietet die evangelische Gemeinde in Glyfada und nennt sich AT HOME - zu Hause. 

Wie ein "zu

Die Kirche ist im 1. Stock
eingemietet
Hause" - so geht es der jungen Frau aus dem Iran, die fliehen musste als herauskam, dass sie zum chrstlichen Glauben in ihrer Heimat konvertierte. Heimat hat sie verloren. "Es ist für mich wie ein Wunder, dass ich hier mitleben und mitarbeiten darf," sagt sie. "Als ich vor drei Jahren aus dem Iran floh und hier ankam, da sprach ich nur Farsi. Jetzt spreche ich Griechisch und Englisch," sagt sie stolz und schaut dabei ihre amerikanische Englischlehrerin an, die in der Gemeinde hilft. "Die Kirche glaubt an uns und sie traut uns was zu," sagt die junge Iranerin. "Wir teilen hier das Leben. Wir gehören dazu und fühlen uns wie in einer Familie."

Die Flüchtklingsarbeit der Gemeinde in Glyfada hat zu keinem Zeitpunkt die Arbeit einegstellt. Zum Glück gab es keinen Coronafall. Da haben alle gut aufgepasst.

Pfr. George vor dem
Mietshaus für 10
Flüchtlingsfamilien
Zur Flüchtlingsarbeit gehört die Unterbringung von 10 Familien - ca. 30 Peronen - in einem angemieteten Haus. Maximal 1 1/2 Jahre dürfen sie dort wohnen bleiben. In dieser Zeit wird ihnen auf unterschiedlichste Weise geholfen. Weitere 1 1/2 Jahre werden sie betreut und dabei langsam in die Eigenständigkeit entlassen. Dazu gibt es Griechisch- uind Englischunterricht. Ein von der Gemeinde angestellter Sozialarbeiter kümmert sich um rechtliche und sonstige Fragen, wie z.B. die Eröffnung eines Kontos. Auch wird versucht, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dazu arbeiten drei Flüchtlinge in einem Kompostierungs- und Gartenarbeitsprogramm. Die geernteten Früchte werden an Bedürftige verteilt. In einer Nähwerkstatt erarbeiten Frauen handwerklcihe Produkte, die über die Netzwerke der Gemeinde verkauft werden. Das eingenommene Geld hilft den Flüchtlingsfamilien zu überleben. 

"Mehr können wir auch nicht leisten in der derzeitigen Situation im Land - Unterstützung zum Überleben. Geld können wir kaum geben," sagt George. "Aber wir können das Überleben sichern helfen und ihnen Würde und Gemeinschaft geben! Wir sind Kirche und wir wollen Menschen ein "zu Hause" geben!" - AT HOME.


Liturgische Farben: Rot - Feuer und Liebe

Es ist überraschend, wie kurz die Zeit im Kirchenjahr ist, während der in unseren Kirchen rote Antependien (Altar- und Kanzelbehänge) hängen. Im Grunde sind sie nur zu Pfingsten und am Reformationstag zu sehen. Die Farbe Rot steht für Feuer und Liebe. Estnische Textilkünstlerin Tiina Puhkan erzählt, wie sie die roten Antependien für die Jaanikirche (Johanniskirche) in Tallinn entworfen und gewebt hat.

"Rot ist die Farbe der Farben. Als Motiv schlug Pfarrer Jaan Tammsalu den brennenden Dornbusch vor. Interessanterweise hatte ich im Jahr 1989 schon einen Teppich mit einem Weidenbusch auf einem Flammenhintergrund gemacht. So war dieses Motiv mir schon einmal in meinen Werken begegnet. Dazu sollte noch der Heilige Geist als eine kleine weiße Taube kommen. Ich habe versucht, der Taube eine ätherische Gestalt zu geben, etwas luftiges, wie ein Windhauch. Aber der Hauch ist einer, der dir Hoffnung und Freude gibt und deine Gedanken reinigt. Und diese Taube hat keine Angst vor Feuer. Als ich den Altarteppich webte, war es körperlich schwer für mich. Es ist nicht nur geistige Arbeit und Fingerfertigkeit, sondern eine starke innere Spannung wie bei einem Sportler. Manchmal kann Schweiß in Strömen fließen. Ich fühlte mich, als hätte ich das Feuer selbst gewebt."

Die Klappkarte mit dem von Tiina Puhkan gestalteten Motiv ist hier erhältlich: https://www.gustav-adolf-werk.de/postkarten-plakate.html

Mittwoch, 27. Oktober 2021

Reformationkollekte für das GAW!

Was jeder vom GAW wissen muss!
In zahlreichen Landeskirchen ist die Kollekte in den Gottesdiensten am Reformationstag für das GAW und seine vielfältigen Aufgaben bestimmt, deren Ziel es ist, evangelischen Christen weltweit Raum zu geben. So ist es in Anhalt, Baden, in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, in Mitteldeutschland, Sachsen und Westfalen. Das ist eine wichtige Tradition und Solidaritätsaktion ‒ und stärkt die GAW-Partnerkirchen, sei es in Syrien, Venezuela, Brasilien, Kolumbien, Spanien, Portugal, Italien und und und ...

Schon 1904 wies Oskar Pank auf die Chance des Reformationsfestes für die GAW-Arbeit hin. Er war Superintendet in Leipzig und Präsident des GAW:

"Alle, die sich evangelische Christen nennen, sollten regelmäßiger und noch viel reichlicher geben lernen. Wir sollten uns gewöhnen, regelmäßig jedes Jahr an einem besonderen Tage, etwa dem Geburtstag oder Hochzeitstag, einen bestimmten Beitrag zu geben. In einigen Landeskirchen ist die Kirchenkollekte am Reformationsfeste alljährlich für den Gustav-Adolf-Verein (heute: GAW) bestimmt. Könnten nicht alle, die an diesem Tage vielleicht nicht zur Kirche kommen können, ihre Gabe an ihren Geistlichen einsenden? Wo aber diese Kollekte am Reformationsfeste noch nicht Sitte ist, da sollte sie unbedingt eingeführt werden. Hat Rom seinen jährlichen Peterspfennig ‒ warum sollten wir Evangelischen nicht unseren Lutherpfennig am Reformationsfeste sammeln? ... Ein Groschen, eine Mark wäre wahrhaftig nicht zu viel, das könnte und sollte jeder von uns alljährlich für den Gustav-Adolf-Verein zu opfern bereit sein. Denn: "Nicht Almosen, nur Opfer will der Herr haben! ‒ Wenn du deinen Beutel zuhältst, dann kann dir Gott ein Loch hineinmachen, dass alles herausfällt; und wenn du ihn oben aufmachst, kann er dir unten so viel hineinlegen, dass er nie leer wird. Arm hat sich noch keiner gegeben, wohl aber sich arm gespart." (Emil Frommel) - Wenn von allen, von Großen und Kleinen, von Reichen und Armen regelmäßiger und reichlicher beigesteuert würde, dann könnte es dem Gustav-Adolf-Verein nicht an den nötigen Mitteln fehlen, um auch die großen Aufgaben, die ihm noch für die Zukunft übrig bleiben, zu erfüllen."

In jedem Jahr bietet das GAW eine Predigthilfe zum Reformationstag. In diesem Jahr hat sie Prälation Gabriele Wulz geschrieben. Sie ist Präsidentin des GAW:


Verbunden damit ist immer ein Kollektenvorschlag. In diesem Jahr wird vorgeschlagen, die GAW-Stipendiatenarbeit zu unterstützen.

Dienstag, 26. Oktober 2021

Dachreparatur der Kirche in Katowice-Szopienice

Seit 30 Jahren arbeitet Pfarrer Adam Malina in Szopienice (Schoppinitz), einem Stadtteil von Katowice (Kattowitz) in Polen.

Der Stadtteil ist ursprünlich von Schwerindustrie, Eisen- und Schwermetallhütten geprägt gewesen mit den ganzen Folgen für die Umwelt. Mit der Wende brach diese Industrie zusammen. Das nützte der Umwelt, aber viele Menschen verloren ihre Arbeit. 

„Ab Mitte der Neunzigerjahre wurde der Stadtteil erfolgreichen Revitalisierungsmaßnahmen unterzogen“, berichtet Pfarrer Adam Malina. Unterstützt von einem Vikar dient er nicht nur in Szopienice, sondern noch in drei Nachbargemeinden. Zusammen haben sie 420 Gemeindeglieder, davon in Szopienice rund 100. Diese Anzahl ist seit Jahren unverändert. „Es gibt sehr wohl Taufen, Kircheneintritte und Zuzüge, aber durch Todesfälle und Wegzüge gibt es kein Wachstum - die Gemeinde bleibt jedoch stabil“, sagt Pfarrer Malina. Neben Gottesdiensten und der Arbeit mit Kindern hat die Gemeinde mehrere sozialdiakonische Projekte: eine soziotherapeutische Kinder- und Jugendeinrichtung und eine Beratungsstelle für Krisenbewältigung. Die Stadt schätzt diese Arbeit, die auch durch das GAW unterstützt worden ist, sehr.

Die neugotische große evangelische Kirche von Szopienice wurde 1901 eingeweiht. Das Kirchendach besteht aus Naturschiefer. Sein Zustand ist nicht gut. Mit Unterstützung des GAW wurden vor zehn Jahren die am stärksten beschädigten Teile des Dachs erneuert. Mit dem
Projektkatalog 2018 des GAW wurden weitere 25.000 € gesammelt, um die Dächer von Anbauten, Sakristeien und Nebeneingängen zu sanieren. "Auch in Zukunft gibt es noch viel zu tun", sagt Malina. "Dem GAW sind wir sehr dankbar für die Hilfe!"

Montag, 25. Oktober 2021

Reformationstag in Chile

Ehemalige Lutherbüste
2006 wurde zum ersten Mal in Chile der Reformationstag als staatlich anerkannten „Nationalen Feiertag der Evangelischen Kirchen und Protestanten“ begangen. 

Die beiden lutherischen Kirchen in Chile waren nur bedingt dafür verantwortlich. Vielmehr vermittelte die Einführung dieses staatlich anerkannten (und arbeitsfreien) Feiertages der inzwischen bis an die 18 % angewachsenen „evangelischen“ Bevölkerung  das Gefühl, endlich wahr- und ernstgenommen zu werden. Oft waren sie in der Vergangenheit bekämpft und verächtlich als "Canutos" bezeichnet worden – nach einem ehemaligen Jesuitenpater  Ende des 19. Jahrhunderts, der sich zum „Protestantismus“ bekehrt hatte. Seine Anhänger und die anwachsende evangelikale, pfingstlerische Bewegung wurden lange bekämpft, besonders von der katholischen Mehrheitskirche.

Inzwischen ist ein beträchtlicher Bevölkerungsanteil „evangelisch“ – was nicht gleichzusetzen ist mit dem deutschen Verständnis von „evangelisch“. Die 18 % „Evangelischen“ sind u.a. politisch interessant als Wähler:innen.

Staatsakt am "Dia de la Reforma" 2014
Um ihre Stimmen zu gewinnen, wurde der Feiertag durch ein Dekret des damaligen chilenischen Präsidenten Ricardo Lagos Escobar vom 28. Dezember 2005 eingeführt: als Dank und Anerkennung der chilenischen Regierung für den Beitrag der „Evangelischen“ in der Gesellschaft. Als gemeinsamer Tag für diese bunte „evangelische“ Bewegung diente der durch die Lutheraner in Chile bekannte 31. Oktober.

So kam Chile zu seinem Refomationstag – und wenig später zu einer „Plaza de la Reforma“ mit Lutherbüste (die es nicht mehr gibt… - sie wurde geklaut und wohl eingeschmolzen).

Donnerstag, 21. Oktober 2021

„Ich bat Gemeindemitglieder um Wollspenden …“

Kirchentextilien von Pfarrerin Laine Villenthal

Nach dem Feierabend stieg die Pfarrerin ins Obergeschoss des Pfarrhauses und setzte sich … an den Webstuhl. Pfarrerin Laine Villentahl (1922-2009), die 1967 als erste Frau in der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche zur Pfarrerin ordiniert wurde, hat für ihre damalige Kirchengemeinde in Pindi auch verschiedene Kirchentextilien angefertigt. Ein Teil davon ist noch heute in der Kirche zu sehen. Die Wissenschaftlerin Marju Raabe, die im Estnischen Geschichtsmuseum arbeitet und zu Kirchentextilien forscht, berichtet in ihrem Blog http://kirikutekstiilid.blogspot.com/ auch über Villenthals Kirchentextilien. Raabe schreibt: „Unter den Kirchentextilien in den lutherischen Kirchen in Estland sind die von Laine Villenthal ganz besonders - wie auch sie in ihrem Glauben, ihrer Liebe und ihrem Dienst besonders war.“

Altartücher

Am 4. Oktober 1981 feierte die Gemeinde Pindi den 100. Jahrestag der Kirchweih. Der damalige Erzbischof Edgar Hark hatte Genesis 28,17 als Grundlage für seine Begrüßungsrede gewählt. Laine Villenthal hat diesen Bibelvers als Spitze für ein neues Altartuch gehäkelt. Der Text läuft über drei Seiten des Altars: „Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht. Wie heilig ist diese Stätte! Dies ist nichts anderes als das Haus Gottes und dies die Pforte des Himmels.“
Das zweite Altartuch, das Laine Villenthal für Pindi angefertigt hat, ist komplett gehäkelt. Der Text stammt aus dem Matthäusevangelium (5:44, 48, 9)
Marju Raabe lobt die Altartücher: „Sie sind einfach und schön in der Gestaltung, aber kraftvoll im Inhalt.“

Wandteppich

Der Wandteppich „Vater unser“ entstand ca. 1980. Laine Villenthal machte damals in einem Handarbeitskreis des kommunalen Kulturhauses mit. Unerwartet schlug die Leiterin ihr vor, einen Teppich mit einem kirchlichen Thema zu weben. Pfarrerin Villenthal hatte bereits davon geträumt, sich aber nicht getraut, weil das Kulturhaus ja eine Stätte der kommunistischen Propaganda war. Für den Teppich fügte Villenthal Motive wie eine brennende Kerze, ein Kreuz, einen Abendmahlskelch etc. so zusammen, als würden sie auf dem Altartisch stehen. Doch die Leiterin der Webgruppe empfahl, noch einen bedeutsamen kirchlichen Text zentral in den Teppich zu weben. Nach einigen Überlegungen fiel die Entscheidung zugunsten der Anfangszeilen des Vaterunsers.
Der fertige Teppich zierte lange das Pfarrbüro in Pindi. In den letzten Lebensjahren Villenthals hing er in ihrem Wohnzimmer und diente bei ihrer Beerdigung als Sargdecke.


Teppiche

In der Kirche von Pindi befinden sich noch heute zwei weitere Teppiche von Laine Villenthal. Auf dem Weg zum Altar liegt ein zwölf Meter langer Läufer, den Villenthal um 1987 fertiggestellt hat. In ihrem Buch „Wir wollen keinen anderen Pfarrer!“ (Verlag des GAW, Leipzig 2017) erinnerte sie sich: „Der alte Teppich war kaputt und musste dringend ausgewechselt werden. Ich bat die Gemeindemitglieder um Wollspenden und tauschte die Wolle gegen fertiges Garn ein, das wir braun und beige einfärbten. Als Kettfaden benutzten wir Fischnetzgarn. Ein Gemeindemitglied schenkte der Gemeinde den großen Webstuhl seiner Mutter. Ich begann im Sommer und zu Heiligabend wurde der Läufer fertig. Alle freuten sich, dass der Teppich gerade zum Geburtstag des Heilandes in Gebrauch genommen werden konnte.“ (S. 259-260)
Marju Raabe schreibt: „Der Teppich des Langhauses ist schön und ruhig. Er macht den Kirchenraum festlicher und gemütlicher. Die zurückhaltenden Farben und Formen wirken nicht aufdringlich, sondern heben das Wichtigste im Kirchenraum hervor – den Altar.“
Der zweite Teppich liegt direkt vor dem Altar, wo die Geistlichen während des Gottesdienstes dienen. Auf dem bestickten Teppich steht ein Text aus dem zweiten Buch Moses: „Zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!“ (2. Mose 3,5).

Fotos: Marju Raabe; Privatsammlung


 

Mittwoch, 20. Oktober 2021

Erinnerung an Bischof Malgren am "Tag des Grabsteins"

Der 20. Oktober ist der "Tag des Grabsteins". Damit wird seit 2018 auf die Friedhofs- und Erinnerungskultur aufmerksam gemacht.

Friedhöfe sind Erinnerungsorte. Als GAW beteiligen wir uns gern, indem wir auf einen Grabstein auf dem Leipziger Südfriedhof hinweisen. Darauf steht:

Arthur Malmgren, Bischof der Luther. Kirche in Rußland i.R. (*1860 in Reval, + 1947 in Leipzig), Eph 2,19

Wer war dieser Mann?

Arthur Malmgren war Sohn eines Kaufmanns. Er besuchte das Stadtgymnasium von Reval (jetzt Tallinn/Estland) und studierte an der Universität Dorpat (jetzt Tartu/Estland) evangelische Theologie. Er arbeitet als Lehrer in Reval, bis er 1891 Pastor an der Sankt-Annen-Kirche in Sankt Petersburg wurde und es bis 1931 blieb. 1914 übernahm er das Amt des Generalsuperintendenten für den Petersburger Konsistorialbezirk. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er 1920 Vorsitzender des Oberkirchenrates und 1923 stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland. 1924 erhielt er auf Beschluss der Generalsynode den Bischofstitel. 1925 gründete er
unter erschwerten Bedingungen das evangelisch-lutherische Predigerseminar in der Stadt, die inzwischen Leningrad hieß, und leitete es bis zu seiner Absetzung durch die stalinistische Regierung im Jahre 1929. Nach schwerer Verfolgung durfte er 1936 aus der Sowjetunion ausreisen und gelangte zunächst nach Mainz. Kriegsbedingt zog er nach Leipzig, wo er 1947 im Haus des GAW in der Pistorisstrasse verstarb.
Arthur Malmgren


Ein Leben, das zum Nachdenken anregt, weil ein Gefühl des Unvollendetseins zurückbleibt – so schreibt Helmut Tschoerner in der Biographie Malmgrens, die
2012 im Verlag des Martin-Luther-Bundes erschien. Unvollendet, weil er ein Zeuge der Zerstörung der lutherischen Kirche in der stalinistischen Zeit wurde. Er selbst hat durch Emigration überlebt. Viele Pastoren starben in den stalinistischen Lagern oder wurden einfach erschossen.

Menschen wir Arthur Malmgren sind in der lutherischen Kirche in Russland nicht vergessen. An sie muss erinnert werden und daran, dass Christen in dieser Zeit in der Sowjetunion brutal verfolgt wurden. Glaubensfreiheit existierte nicht. 

Uns mahnt das. Ohne Religions- und Glaubensfreiheit gibt es keine Freiheit und kein menschenwürdiges Leben! Deshalb setzen wir uns im GAW für die Glaubensfreiheit ein.


Mehr: 



Montag, 18. Oktober 2021

Brandschutz an drei Kirchen in Litauen

Reformierte Kirche in Papilys
"Wir haben gerade die Installation eines Blitzableitersystems in drei unserer Kirchen in Švobiškis (Region Pasvalys), Salamiestis (Region Kupiškis) und Papilys (Region Biržai) abgeschlossen. Die Arbeiten in Salamiestis gingen schnell, da die Kirche keinen Kirchturm hat. Für die anderen beiden Kirchen brauchten wir länger. Außerdem haben wir die Installation mit anderen Renovierungsarbeiten verbunden wie in Švobiškis. Die meisten Arbeiten wurden im Jahr 2020 abgeschlossen. Das letzte System wurde in diesem Jahr in der Kirche von Papilys installiert, da weitere notwendige Arbeiten am Turm und am Dach geplant waren. Ein litauisches Unternehmen hat die Arbeiten professionell ausgeführt. Alle Dokumentationen der durchgeführten Arbeiten liegen somit korrekt vor", schreibt Merunas Jukonis, aus der Generalsuperintendentur der Reformierten Kirche in Litauen.

Die Installation der Blitzableiter war dringend geboten. Denn: Die Kirchgebäude in den ländlichen Gebieten in Litauen waren traditionell von hohen Bäumen umgeben. Diese schützten die Kirchen auf natürliche Weise weitestgehend vor Blitzeinschlägen. Diese Bäume sind inzwischen jedoch alt geworden und mussten gefällt werden, damit sie keine Gefahr für Gebäude und Gottesdienstbesucher sind. Auch die örtlichen Feuerwehren forderten einen verbesserten Brandschutz.

"Wir danken sehr für die 3 000 Euro aus dem Projektkatalog 2017!", schreibt Merunas Jukonis und bittet, den Dank an die Spender weiterzugeben.

Donnerstag, 14. Oktober 2021

In der Provinz Entre Rios in Argentinein ist der Reformationstag für Protestanten ein Feiertag

Mit dem Gesetz Nr. 10224 bestimmte die Provinz Entre Rios den 31. Oktober ab dem Jahr 2013  zum „Dia de la Reforma Protestante“ (Tag der Protestantischen Reformation). Der Tag ist arbeitsfrei für alle Angestellten des Staates, die einer evangelischen Konfession angehören. Auch für Schüler besteht die Möglichkeit, sich an diesem Tag vom Schulunterricht befreien zu lassen.

„Die europäische Immigration – besonders die wolgadeutsche – hat einen starken protestantischen Impuls in der Region Entre Rios hervorgebracht“, begründet damals der Abgeordnete Jorge Monge, warum der Senat das Gesetz beinahe einstimmig verabschiedete.

Die IERP (Evangelische Kirche am La Plata) begrüßte die Entscheidung ebenfalls:„Das ist eine
Ev. Kirche in Entre Rios

Anerkennung des Beitrages der Protestanten und der „Evangélicos“ beim Aufbau der Provinz Entre Rios.“ Und weiter sagte damals der inzwischen verstorbene Kirchenpräsident der IERP Carlos Duarte: „Die Einführung ist wichtig, da wir zum ersten Mal offiziell als Religion betrachtet werden. Eine Kirche der Reformation in unserer Gesellschaft zu sein, bedeutet ein Stachel im Gewissen der Menschen zu sein. Es ist schlicht und einfach unser Wunsch, ein Zeichen des Königreiches zu sein, also des neuen Himmels und der neuen Erde, innerhalb einer Gemeinschaft Jesu Christi, in der alle willkommen sind. Und in diesem Sinne glaube ich, dass die IERP in unserer stark von Ungerechtigkeit und von einem unverantwortlichen Umgang mit erneuerbaren und nicht-erneuerbaren Ressourcen geprägten Gesellschaft, eine prophetische und kritische Stimme sein muss." Damals äußerte er auch die Hoffnung, dass der Reformationstag für ganz Argentinien ein Feiertag werde. Das ist bis heute nicht geschehen.

62,9 % der Bevölkerung sind in Argentinien katholisch. 15,3 % bezeichnen sich als "evangelisch" - dazu zählen die evangelikalen Pfingstkirchen genauso wie die historischen protestantischen Kirchen.

Montag, 11. Oktober 2021

Wir wollen die Kirche der Hoffnung bleiben - gerade jetzt

„Die Familien sitzen abends bei Kerzenschein zusammen“. Was gemütlich klingt, ist im Libanon erzwungene Realität. So erzählt es Pfarrerin Najla Kassab beim vierten Frauentalk weltweit am 7.10. über Zoom. Durch die schwere Energiekrise gibt es nur wenige Stunden am Tag Strom. Und es mangelt an Treibstoff. Auch unabhängig von Corona müssen die Menschen im Libanon zu Hause bleiben: Sie können schlicht ihre Autos nicht mehr betanken. Und wenn doch, mussten sie stundenlang dafür anstehen. Einen öffentlichen Nahverkehr gibt es nicht. „Wir wünschen uns alle so sehr, einmal wieder am Wochenende in unser schönes Libanongebirge zu fahren, aber das geht im Moment nicht“, sagt Najla Kassab.

Noch schlimmer als die Strom- und Treibstoffknappheit trifft die Menschen der allgemeine Preisanstieg. „Die Lebensmittel sind seit 2020 um 400 % teurer geworden. Wegen der rasanten Inflation fallen die Löhne. Drei Viertel der Menschen leben unter der Armutsgrenze. Die Menschen verlassen das Land, vor allem die Gebildeten.“ Najla Kassab zeigt ein Foto von einer Schlange am Flughafen in Beirut: „Mir tut es so weh, zu sehen, wie die Menschen weggehen. In so einer Situation können wir uns als Kirche nicht auf das Beten beschränken. Wir versuchen zu helfen, wo wir können, vor allem mit Lebensmitteln, und mit Medikamenten.“

Hoffnung gibt Najla Kassab ein Projekt der GAW-Frauenarbeit: Im kirchlichen Altenheim Hamlin konnte mit Hilfe des Jahresprojekts eine Solaranlage auf dem Dach installiert werden. „Damals, als wir dieses Vorhaben beschlossen haben, war die Energiesituation noch nicht so schlimm. Nun kommt das Projekt gerade zur rechten Zeit. Es war prophetisch!“ Nun plant die Kirche, noch mehr Einrichtungen mit Solaranlagen zu versehen, um sauberen und verlässlichen Strom von der Sonne zu erzeugen.

Dass Najla Kassab heute Pfarrerin ist, war lange Zeit undenkbar. In den 1980er Jahren konnten Frauen im Libanon nur Religionspädagogik studieren, nicht Theologie. Also ging sie mit 22 Jahren in die USA, nach Princeton, und machte dort ihren Theologie-Abschluss. Doch dableiben wollte sie nicht: „Ich wollte meiner eigenen Kirche dienen.“ 1993 erhielt sie als erste Frau in ihrer Kirche die Lizenz zum Predigen, aber erst 2017 wurde sie richtig ordiniert. Im gleichen Jahr wurde sie zur Präsidentin der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen gewählt. Ein beeindruckendes Erlebnis war es für sie als Protestantin, 2017 auf der Kanzel Luthers in Wittenberg zu predigen.

Mit Unterstützung des Jahresprojekts hat das Frauenkomitee der Kirche, deren Leitung Najla Kassab hat, eine dreijährige Fortbildung für Frauen geplant, um ihre seelische Gesundheit und ihr Selbstbewusstsein zu stärken, gerade in so einer schwierigen Situation. Am Ende ihrer Erzählungen gibt Najla Kassab zu, dass es im Moment unklar ist, wie es im Libanon weitergehen wird und ob es überhaupt jemals besser werden wird. „Aber als Kirche sind wir aufgerufen, eine Kirche der Hoffnung zu sein!"

 

 

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Reformationstag in Österreich

Lutherfigur in der Gustav-Adolf-Kirche in Wien
Wie wird der Reformationstag in Österreich gefeiert?

Evangelische ArbeitnehmerInnen haben Anspruch auf die für den Gottesdienstbesuch notwendige Freizeit. Die Voraussetzungen für die Dienstfreistellung sind: Sie muss mit den Erfordernissen des Betriebes vereinbar sein und die/der ArbeitnehmerIn hat ihren/seinen Anspruch rechtzeitig anzumelden.

Für einzelne Berufsgruppen gibt es Sonderregelungen. So erhalten evangelische Bundesbedienstete auf Ersuchen am Reformationstag dienstfrei, wenn es der Dienstbetrieb erlaubt. Auch für Bedienstete der Gemeinde Wien besteht ein Anspruch auf Dienstfreistellung am Reformationstag.

Evangelische SchülerInnen (unabhängig davon, ob sie den Religionsunterricht besuchen), erhalten am 31. Oktober schulfrei – nicht jedoch SchülerInnen anderer Konfession (auch wenn sie am evangelischen Religionsunterricht teilnehmen). Auch für evangelische LehrerInnen ist der 31.10. kein dienstfreier Tag.

Hintergrund

Durch die Gegenreformation wurde der Protestantismus knapp zweihundert Jahre in den Untergrund gedrängt, bis das erste der Toleranzpatente Josephs II. 1781 wieder eine eingeschränkte religiöse Betätigung erlaubte. In dieser Zeit konnte die Reformation sich in Österreich nur in besonders abgelegenen Gegenden halten. Da vor diesem Hintergrund auch Lutherbibeln, evangelische Gesangbücher und dergleichen verboten waren und mit damaligen Mitteln geheim schwer hergestellt werden konnten, entwickelte sich ein Schmuggelwesen, das dergleichen aus protestantischen Landen in die Hauptrückzugsgebiete der österreichischen Protestanten brachte.

Wurden solche Bücher entdeckt, hatte das schwere Folgen für die Besitzer. Protestanten wurden vertrieben oder mussten konvertieren. Damals hieß es: Glaube oder Heimat. Heute ist das anders - heute heißt es in Österreich Glaube UND Heimat.

Der Reformationstag hat insofern für die Evangelische Kirche A.+H.B in Österreich eine sehr wichtige Bedeutung. Er hilft ihnen - auch wenn nur eingeschränkt - sichtbar zu sein in der Gesellschaft.
 
 

Montag, 4. Oktober 2021

Zum ersten Mal das Meer sehen

Im Rahmen des Jahresprojekts 2020 für Rumänien unterstützte die GAW-Frauenarbeit eine therapeutische Freizeit für Erwachsene mit körperlichen Behinderungen. Sie gehören einer ungarischsprachigen lutherischen Gemeinde in der Nähe von Braşov/Kronstadt an.

Hilde Palfi leitet die Gruppe ehrenamtlich. Sie berichtet von der großen Freude, die die Reise allen Beteiligten geschenkt hat:

"Eine Woche lang hatten wir mit 15 Teilnehmern einen wunderbaren Aufenthalt in einem Hotel in Goldstrand in Bulgarien. Die meisten von ihnen haben noch nie den Kreis Braşov verlassen, geschweige denn sind sie in einem Hotel gewesen. Es war ihr erster richtiger Urlaub. Das Meer, so schreibt ein Freiwilliger, kannten sie nur von Bildern oder aus dem Fernsehen.

Das Hotel war perfekt an die Bedürfnisse der Gruppe angepasst. Alles war barrierefrei. An allen öffentlichen Plätzen gab es barrierefreie Toiletten – was bei uns leider selten der Fall ist. Aus diesem Grund können wir in Rumänien nirgendwo hingehen, mit mehreren Personen, die im Rollstuhl sitzen. Morgens waren wir immer im Hotelpool schwimmen. Alle gingen ins Wasser, außer Kati, die wegen ihres Katheters das Wasser nur mit den Füßen berühren konnte. Trotzdem sang sie fröhlich "Das Leben ist schön". Sie strahlte über das ganze Gesicht, ich habe sie noch nie so glücklich gesehen. Das Hotel verfügte auch über einen Fitnessraum und ein Hallenbad. Wir haben sie alle ausprobiert. Berti, ein ehemaliger Sportlehrer, sorgte dafür, dass wir jeden Tag Bewegung bekamen.

Nach dem Mittagessen gingen wir immer zum Meer. Die Größe und die blaue Farbe des Meeres ließen alle atemlos werden. Mit ein wenig Hilfe gelangten alle - außer Kati - ins Meer. Eine Herausforderung war es, die Rollstühle etwa 50 Meter über den Sand zu tragen. Aber wir hatten zwei starke Männer und bekamen immer Hilfe von Umstehenden. Zum Glück: Als eine starke Welle Melinda ins Wasser warf, rannten sofort fünf Leute los, um zu helfen.

Izabella badet im Meer
Die sieben Tage von Montag bis Sonntag vergingen wie im Fluge, aber es blieben Erinnerungen und Gefühle zurück, die man nicht in Worte fassen kann, deshalb sende ich Ihnen Fotos, um Ihnen die Freude in den Augen der Teilnehmerinnen zu zeigen"

Die Mutter einer körperbehinderten Teilnehmerin schrieb uns nach der Reise: "Vielen Dank, dass ihr an unsere kranken Kinder denkt und auch an uns Mütter, die wir uns mit großer Liebe um unsere Kinder kümmern."