Montag, 8. November 2021

Der Preis für ein Kilo Orangen

In der soeben erschienenen Ausgabe des GAW-Magazins Evangelisch Weltweit berichten wir über das Projekt „Faire Orangen aus Italien“ von Mediterranean Hope (MH). Mediterranean Hope ist das Programm der Föderation Evangelischer Kirchen in Italien (FCEI) zur Unterstützung von Migranten. Es setzt sich unter anderem für Migranten ein, die ohne Vertrag auf Orangenplantagen schuften. Die Orangen landen auch in deutschen Supermärkten. Hier lesen Sie ein Interview mit Fiona Kendell, der Beraterin für europäische und rechtliche Angelegenheiten bei Mediterranean Hope:

Wo leben die Erntearbeiter?

Die Erntehelfer wohnen in Containerlagern, selbsterrichteten Zeltstädten oder in verlassenen Bauernhäusern. Ihre Lebensbedingungen sind unwürdig: In der Regel haben sie weder fließend Wasser noch Strom. Es ist eng und die Gebäude sind weder wind- noch wasserdicht. Im Winter liegen die Durchschnittstemperaturen in Süditalien zwischen 9 und 16 Grad Celsius und es regnet häufig.

Wie unterstützt Mediterranean Hope die Erntearbeiter in ihrem täglichen Leben?

MH bietet in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die vor Ort tätig sind, eine Reihe von Dienstleistungen an. Dazu gehört unsere kleine "Hospitality School" am Rande eines Lagers, in der die Bewohner Italienisch lernen können. Außerdem stellen wir Desinfektionsmittel, Gesundheitsinformationen und kostenlose Schnelltests bereit. Für diejenigen, die mit dem Fahrrad zu und von den Obstfeldern fahren, stellt MH Fahrradlichter, Warnwesten und reflektierende Streifen zur Verfügung.

MH arbeitet an der Eröffnung eines "sozialen Wohnheims", das bis zu 25 Arbeitern eine Unterkunft zu einem subventionierten Preis bieten wird. Neben einer angemessenen Unterbringung sollen die Bewohner im Hinblick auf eine bessere Integration unterstützt werden. In Palmi läuft bereits ein Pilotprojekt für das Sozialwohnheim für drei Arbeitnehmer, von denen einer besonders schutzbedürftig ist.

Wie unterstützt Mediterranean Hope die politischen Forderungen der Erntehelfer?

Die Migranten fordern grundlegende Arbeitsrechte. Dazu gehören Verträge, Anrechnung der real geleisteten Arbeitsstunden und faire Löhne. Gegenwärtig genießen nur wenige Wanderarbeiter diese Privilegien. Wir unterstützen diese Forderungen auf mehreren Ebenen: durch Rechtsberatung für die Arbeiter, unser Engagement im Fair-Trade-Netzwerk "Etika", öffentliche Sensibilisierung, die Unterstützung von Protesten und durch Lobbyarbeit.

Das Magazin Evangelisch Weltweit 4/2021 können Sie hier bestellen: https://www.gustav-adolf-werk.de/evangelisch-weltweit-das-magazin-des-gaw.html


 

 

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