Mittwoch, 3. November 2021

Eine humane Flüchtlingspolitik braucht Integrationsprojekte

Educational Team in Perichoresis / Katerini
Avras ist kurdischer Abstammung aus dem Irak. Ihn mit seiner kleinen Familien habe ich 2018 in Athen in einem Flüchtlingsprojekt einer evangelischen Gemeinde kennengelernt. Er spricht meherere Sprachen - u.a. Deutsch. Als Übersetzer konnte er eine zeitlang in Thessaloniki aushelfen. Von einer evangelischen Gemeinde wurde er dort untergebracht. Inzwischen war er als Asylsuchender anerkannt. Nur: "Anerkannte Flüchtlinge bekommen keine Unterstützung mehr in Griechenland, sie sind unversorgt und sollten sich nun selbst unterhalten. Das ist ohne Sprachkenntnisse und ohne Arbeitsvermittlung nicht möglich. Der griechische Staat übernimmt Programme vom UNHCR, aber Integrationsprogramme für Geflüchtete gibt es so gut wie nicht," schreibt die ehemalige Pastorin der deutschsprachigen Gemeinde in Thessaloniki Dorothea Vakalis. Avras sah keine Chance mehr. Er fand keine Arbeit, obwohl er Griechisch spricht. Aus Verzweiflung ging er nach Deutschland. Auch hier ging es nicht weiter. Vor wenigen Tagen habe ich mit ihm gechattet: Er ist wieder in Thessaloniki. "Beten sie für mich, dass ich jetzt eine Chance zum Arbeiten finde, denn ich muss meine Familie ernähren," schreibt Avras. Nur - Arbeit zu finden ist bei der hohen Arbeitslosigkeit und den ökonomischen Schwierigkeiten Griechenlands schwierig.
Alexandra Nikolera
Leiterin Perichoresis

Die Flüchtlingspolitik nicht nur in Griechenland setzt auf Abschreckung. Integrationsprogramme, um Flüchtlingen eine Chance zu geben, sich z.B. in Griechenland zu integrieren, werden von staatlicher Seite nicht unterstützt. "Deshalb sind private Initiativen zur Integration so wichtig!" schreibt Pastorin Vakalis.

Solche Projekte hat das GAW in den vergangenen Jahren in Griechenland in Athen, Volos, Mylotopos und insbesondere in Katerini unterstützt.

Perichoresis (https://www.perichoresis.ngo/) ist die Flüchtlingsorganisation der evangelischen Gemeinde in Katerini im Norden Griechenlands. Diese kirchliche NGO wurde gegründet, um Flüchtlinge zu begleiten und ihnen bei der Integration zu helfen. Unterstützt wurde es durch die Programme von UNHCR und von kirchlichen Entwicklungshilfeorganisationen und dem GAW. Über 70 Mitarbeitende hatte Perichoresis zeitweise angestellt. Über 550 Flüchtlinge in 120 Wohnungen wurden betreut. Sprachkurse, Workshops, legale Hilfen, psychologische Betreuung, Arbeitsvermittlung - all das wurde geleistet. Denn: Ohne Hilfe wird Integration nicht gelingen. Perichoresis konnte vorbildlich arbeiten. Vieles wurde erreicht. 

Die Flüchtlingspolitik Griechenlands änderte sich aber nun. Verschiedene Camps wurden geschlossen. Der Staat hat die Programme von UNHCR übernommen. In Katerini heißt das, dass die Begleitung der Flüchtlinge in den Wohnungen durch staatliche Stellen erfolgt - allerdings mit nur einem Drittel des Personals. Hilfen wie Sprachkurse etc. werden nicht gegeben. 

Perichoresis musste sich neu aufstellen. Nur noch wenige Unterstützer sind verblieben und die Programme sind befristet. Ein direkter Zugang zu den Flüchtlingen ist nicht mehr möglich. Alles ist rigider geworden. Solche privaten Initiativen wie Perichoresis und andere Organisationen kommen unter Druck Und ihre Zukunft ist unsicher und damit auch die Arbeit derer, die bei diesen Organisationen angestellt sind.

Zunehmend geht es um Abschreckung bei der Flüchtlingspolitik an den europäischen Außengrenzen, zugunsten des Ziels, die Zahl von Asylanträgen Jahr für Jahr zu reduzieren. 

"Es kommen Menschen und sie sind hier!" sagt Alexandra, Leiterin von Perichoresis. "Wir können und dürfen nicht wegschauen, denn sie sind Kinder Gottes wie wir - angewiesen auf Barmherzigkeit!" 

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