Mittwoch, 3. November 2021

Wenn Flüchtlingshelfer nicht mehr können

Evangelische Kirche in Mylotopos
Neos Milotopos (Néos Milótopos; Mylotopos) liegt in Zentral Makedonien und hat ca. 3.000 Einwohner. Der Ort ist von der Landwirtschaft geprägt. Hier wurden in den 20erJahren des letzten Jahrhunderts nach dem türkisch-griechischen Krieg griechische Flüchtlinge aus Kleinasien angesiedelt. In Mylotopos waren es zudem zahlreiche Protestanten. Sie gründeten bald eine evangelische Gemeinde. Beim Bau der Kirche, die noch heute von der Gemeinde genutzt wird, hat das GAW mit unterstützt. 

Als 2015 die Flüchtlingskrise ausbrach, haben die Gemeindemitglieder sofort begonnen, zu helfen. Sie waren mit die ersten, die in Idomeni die dort gestarndeten Flüchtlinge versogten. Bald begannen sie, Flüchtlinge aus dem Lager zu holen und in Mylotopos unterzubringen. Das GAW hat das unterstützt und Wohnungen saniert. Auch Freiwillige aus Deutschalnd haben bei der Instandsetzung geholfen. Im Laufe der Jahre bis Ausgust 2021 hat die Gemeinde in diesen Wohnungen durchgängig Flüchtlinge untergebracht. Einige wohnten bis zu drei Jahren in Mylotopos. Die Gemeinde hat mit großem ehrenamtlichen Engagement und ohne "professionelle" Hilfe diese Arbeit durchgeführt. "Wir wissen, wie es ist Flüchtling zu sein," sagen Mitglieder aus dem Kirchenvorstand. "Für uns ist es selbstverständlich, den Menschen zu helfen."
Appartments für Flüchtlinge
Aber auch das größte ehrenamtliche Engagement und die Ressourcen sind irgendwann erschöpft. Es gab Frustrationen und Enttäuschungen und einen Moment, wo sie sich eingestehen mussten, dass sie nicht mehr können.

Durch Vermittlung von Pfarrer Meletis Melitiadis ist ein Kontakt zu einer lutherischen Mission aus Finnland entstanden. Sie unterstützen zwei Ehepaare, die sich jetzt der Flüchtlingsarbeit der Gemeinde annehmen. Die Arbeit hat sich auch geändert, weil zunehmend der griechische Staat sich der Herausforderung der Flüchtlingsarbeit annimmt. Flüchtlinge, die nicht in Camps sind, bekommen keine staatliche Unterstützung. So ist die Idee entstanden, ein Progrmamm für 5-10 Tage zu entwickeln. In diesen Tagen werden Flüchtlinge aus verschiedenen Lagern nach Mylotopos eingeladen. Sie bieten Programme für Kinder an. Es gibt Workshops. Sie können sich nach langer Zeit wenigstens für ein paar Tage wie Menschen fühlen. Zugute kommt den Missionaren, dass ein Mann aus Afghanistan stammt und Farsi spricht. Einige der Flüchtlinge sind das erste Mal nach Jahren wieder in festen Gebäuden. Im September ist das Projekt gestartet. Wie es weitergehen wird wird sich zeigen.

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