Donnerstag, 19. Mai 2022

Geflüchtete Roma in Prag

In Tschechien sind mehr als 200.000 Flüchtlinge aus der Ukraine angekommen. Bislang wurden die Flüchtlinge aus der Ukraine mit offenen Armen und Türen empfangen. Geflüchtete kamen in Hotels und öffentlichen Notunterkünften unter, viele Tschechen nahmen Ukrainer in der eigenen Wohnung auf. Das Land war stolz auf sich, auf eine in Tschechien so nicht gekannte Hilfsbereitschaft für Menschen auf der Flucht.

Beeindruckt davon zeigte sich auch Pfarrer Michael Pfann, ein ehemaliger Stipendiat des GAW. Aber schon kurz nach Kriegsausbruch warnte er, dass die Stimmung leicht kippen könne.

Eine solche Situation scheint jetzt am Prager Hauptbahnhof zu entstehen. Hier campieren derzeit an die 500 Flüchtlinge aus der Ukraine unter völlig unzureichenden Bedingungen. Sie sind hier gestrandet. Einige wurden abgeschoben in Internierungslager für illegale Flüchtlinge. Es gibt Ressentiments: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/tschechien-roma-fluechtlinge-101.html

Die geflüchteten Roma kommen in der Regel aus der Westukraine. Davon berichtet auch der reformierte Bischof Zán Fábián aus der Ukraine. In seinem Ort Wary/Mezövári ist die Arbeit mit den Romakindern zusammengebrochen, weil viele das Land verlassen haben. In der Ukraine leben sie tief unter der Armutsgrenze, in Tschechien erhält jeder Flüchtling monatlich 200 € an staatlicher Unterstützung. Eine Familie kann auf diese Art eine hohe Summe monatlich erhalten, die in der Heimat undenkbar wäre. Inzwischen gibt es Diskussionen in der tschechischen Politik, wie man sich dieser Herausforderung stellt. Doch sollte man den Roma unterstellen, sie kämen nur wegen des Geldes, während man bei allen anderen annimmt, dass sie in erster Linie vor dem Krieg fliehen? Äußern sich da nicht Jahrhunderte alte Vorurteile gegen Roma? Geht es nicht viel mehr um individuelle Menschen?

Um etwas gegen diese Ressentiments zu tun, hat nun auch der Pfarrer für Minderheitsfragen der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB), Mikuláš Vymětal, mit dem Synodalsenior Pavel Pokorný den Bahnhof besucht. Die Kirche setzt sich sehr für ausgegrenzte Minderheiten ein. Das ist dringend notwendig.

Das GAW steht mit der EKBB in dieser Frage derzeit in Kontakt. Der Pfarrer für Minderheitenfragen wird auch mit Hilfe des GAW unterstützt: https://gustav-adolf-werk.1kcloud.com/ep1Ezbrv/#196

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