Donnerstag, 23. Juni 2022

Kolumbien und die lutherische Kirche nach der Präsidentenwahl

Atahualpa Herandez
"Nach 202 Jahren gibt es zum ersten Mal in der Geschichte Kolumbiens einen Kandidaten der Linken, der Präsident geworden ist," sagt Atahualpa Hernandez, Bischof  der lutherischen Kirche Kolumbiens (IELCO). Er besuchte die GAW-Zentrale, um laufende Projekte zu besprechen und über die aktuelle Situation des Landes zu berichten. Und er meint, dass es sicherlich keinen radikalen Wechsel sofort geben wird, denn die kolumbianische Gesellschaft ist tief gespalten. Viele Herausforderungen warten auf den neuen Präsidenten. Da ist zum einen die Umsetzung des stockenden Friedensprozesses, das beendigen der Kämpfe zwischen Paramilitärs und Guerillagruppen, der Kampf gegen die Drogenkartelle. 

"Das wird alles nicht einfach", so Hernandez. "Ich begrüße die Wahl Petros. Er hat gezeigt, dass er sensibel für soziale Themen ist, denn schließlich hat er sich als Bürgermeister von Bogota für soziale Themen stark gemacht." Bischof Hernandez schildert ein Beispiel: "Die öffentliche Schule, in der ich meine Stimme bei Wahlen abgeben muss, war in der Vergangenheit ein heruntergekommenes, dunkles und schlecht gepflegtes Gebäude. In der Zeit als Bürgermeister hat Petro diese Schule komplett sanieren lassen, sodass sie nicht mehr von privaten Schulen zu unterscheiden ist. Solche Beispiele gibt es viel, auch von öffentlichen Krankenhäusern oder Kindergärten, die saniert wurden." 

Und er fügt hinzu: "Das gefällt natürlich nicht denen, die privaten Schulen unterhalten, damit Geld verdienen und davon leben. Klar, dass die Menschen ihre Kinder auf private Schulen schicken, wenn die öffentlichen Schulen schlecht sind. Petro macht nun ihr Geschäftsmodell kaputt." In Bildung, Gesundheit und Infrastruktur muss investiert werden. Hier hofft der Bischof auf Veränderungen. 

"Als Kirche sind wir genau an diesen Themen dran. Ebenso sorgen wir uns um die Integration der ca. zwei Millionen venezolanischen Flüchtlinge. Das ist keine einfache Herausforderung für die Gesellschaft. In unseren Gemeinden haben wir deshalb diese Arbeit ausgebaut", sagt Hernandez. "Es wichtig, dass wir auf die Gegenwart und die Zukunft Kolumbiens schauen und uns weiterhin für das Leben, den Frieden und die Versöhnung in Kolumbien einsetzen. Wir haben große Hoffnung in Petro."

Die lutherische Kirche Kolumbiens hat ca. 3.000 Gemeindeglieder in 15 Gemeinden und sechs Missionsstandorten. Vier Pastorinnen und 13 Pastoren betreuen die Gemeinden. In naher Zukunft wird es wahrscheinlich vier Vikar:innen geben.

Die ehemalige kolumbianische GAW-Stipendiatin Lizbeth Chaparro arbeitet jetzt für drei Jahre bei der DIMÖ (Dienst Mission und Ökumene in der Württembergischen Landeskirche) in Ulm. Für die IELCO ist das eine gute Chance der Vernetzung. 

Zwei weitere kolumbianische Stipendiatinnen gehen ihren Weg. Adi Martinez wird demnächst Pfarrerin in Bogota oder Socota. Liria Preciado schreibt an ihrer Promotion an der EST in Sao Leopoldo und beteiligt sich inzwischen an der digitalen Aus- und Fortbildung der Laien und Pastor:innen der IELCO.

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