Freitag, 8. Juli 2022

Kirgisistan: Die lutherische Kirche kämpft mit vielen Sorgen

Carmen Klimasch (GAW-Zentrale) und Bischof Eichholz
Auch in Kirgisistan in Zentralasien machen sich die Folgen des Krieges in der Ukraine bemerkbar. Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kirgisistan, Alfred Eichholz, beobachtet eine enorme Teuerung im Land; „Bei manchen Sachen 100 %, also eine Verdoppelung der Preise, bei anderen noch mehr, wie zum Beispiel das Baumaterial. Beim Baumaterial ist Kirgisistan total abhängig von Russland und generell vom Ausland.“

Die Menschen verarmen aber noch aus einem anderen Grund. „Schätzungsweise bis zu einer Million Menschen aus Kirgisistan haben früher als Gastarbeiter in Russland gearbeitet. Die Gelder, die sie nach Hause geschickt haben, machten ein Drittel der gesamtwirtschaftlichen Leistung von Kirgisistan aus“, erzählt Eichholz. „Doch viele dieser Arbeitsplätze sind wegen des Krieges weggefallen.“ Die steigende Armut verstärkt die Spannungen in der Gesellschaft und beschert populistischen und radikalen Weltanschauungen Zulauf.

Auch die lutherische Kirche hat mit der Teuerung zu kämpfen. „Wir müssen für unsere Projekte mehr Geld suchen“, sagt Eichholz. „Momentan schaffen wir es noch, aber wir wissen nicht, was kommt.“
Die kleine lutherische Kirche zählt rund 1000 Gemeindeglieder in 14 staatlich registrierten Gemeinden, unterhält aber mehrere diakonische Projekte, die im Land beispielhaft sind: ein Altenheim und eine Förderschule für Kinder mit Behinderung. Sie unterstützt auch den Verein „Unsere Stimme“, der Mädchen aus Kinderheimen auf den Start in ein eigenständiges Leben vorbereitet. Auch wenn die Projekte vom Staat gern gesehen sind, bedeutet es noch keine finanzielle Unterstützung. Eichholz erzählt, dass die Kinder mit Behinderung, die das Hilfszentrum in Wassiljewka besuchen, 2021 zum ersten Mal von der Kommune wahrgenommen wurden und Pakete zum Kindertag am 1. Juni erhielten. „Die Kinder und die Eltern sind total dankbar dafür, was wir ihnen bieten, aber das alles hat die Leiterin des Zentrums hart erkämpft“, sagt Bischof Eichholz. „Sie ist eine richtige ‚Turbofrau‘, die mit ihren Anliegen bis zum Ministerium geht. Eine große Errungenschaft ist, dass die örtliche Schule Lehrer für unser Zentrum stellt und bezahlt.“

Alfred Eichholz kämpft seit Jahren darum, der Kirche Einnahmequellen zu eröffnen, damit sie ihre Arbeit und Projekte zum Teil selbst finanzieren kann. Vor einem Monat startete die Kirche einen Second-Hand-Laden. Eichholz hofft, mit den Einnahmen zumindest die Inflation aufzufangen. Eine weitere Einnahmequelle ist der Bienenhonig.

Bewohnerinnen und Mitarbeitende im Altenheim
Bischof Eichholz besuchte das GAW, um über die Projektarbeit zu beraten. Das GAW unterstützt in Kirgisistan sowohl die Bildung, diakonische Projekte der Kirche als auch notwendige Reparaturarbeiten an Gemeindehäusern. Der Projektkatalog 2022 ist dafür ein gutes Beispiel.
Dort hoffen auf Spenden das Altenheim „Haus der Barmherzigkeit“ mit der Sozialküche in Winogradnoje, das theologische Seminar in Bischkek und das Dach des Bethauses in Belowodsk.

Über die langjährige Partnerschaft mit dem GAW sagt Eichholz, dass er nur gute Erfahrungen gemacht habe: Worte, die diese gute Zusammenarbeit ausreichend beschreiben würden, gäbe es gar nicht.
Die Kirgisistan-Projekte im GAW-Projektkatalog 2022 zum Nachlesen: https://gustav-adolf-werk.1kcloud.com/ep1Ezbrv/#94

Keine Kommentare: