Donnerstag, 21. Juli 2022

Slowenien: Militärseelsorgerin erzählt

Violeta Vladimira Mesarič ist evangelische Militärseelsorgerin in Slowenien und Pfarrerin der evangelischen Gemeinde in Maribor. Ihre Arbeit ist mit dem Krieg in der Ukraine intensiver – und mehr geworden.

Musiker des slowenischen Militärorchesters im Kindercamp
„Die Soldaten sind seitdem häufiger am Übungsplatz oder in Auslandeinsätzen. Die Familien müssen daher die meiste Zeit ohne ihre Väter und Mütter oder Töchter und Söhne auskommen. Die Fragen nach dem Sinn des Lebens, oder was ist, wenn etwas zu Hause passiert oder wenn man verwundet oder gar nicht mehr zurückkehrt, sind bei Soldatinnen und Soldaten viel präsenter geworden. Es wird öfter nach persönlichen Gesprächen mit Militärseelsorgern gefragt und nach der persönlichen Betreuung von Familienmitgliedern von Soldaten.
Ich nehme mehr und mehr die Herausforderungen in den Soldatenfamilien wahr, die mit der Abwesenheit der Soldaten in letzten Monaten zu tun haben. Deshalb war ich sehr froh, als wir wieder die Erlaubnis bekamen, das Kindercamp „Glaube und Sport“ durchzuführen und so den Soldatenfamilien konkrete Hilfe anzubieten. Mit unserer Hilfe können rund 100 Kinder ein oder zwei Wochen der Sommerferien schöner verbringen als sonst. Darunter sind auch Kinder aus sozial schwachen Familien oder aus Familien, die mit spezifischen Herausforderungen kämpfen. Unser Kindercamp dauerte vom 4. bis zum 15. Juli.

Problem unserer Militärseelsorge – besonders der evangelischen – ist wie in der Kirche, dass wir zu wenige sind. Ein Seelsorger ist meistens ganz alleine auf sich gestellt - bei der Planung und Organisation eines Projekts bis zur Durchführung. Das beansprucht viel Zeit und Kraft und man muss auf einiges verzichten. Deswegen ist die Arbeit in der Kirche, ganz besonders aber in der Militärseelsorge nicht gerade die populärste Aussicht für junge Theologiestudierende ... Ich denke jedoch, dass es sehr wichtig ist, dass die Kirche dort ist, wo die Menschen sind (mitgehende Kirche – mitgehende Seelsorge!).

Violeta Vladimira Mesarič
Wir haben gute Kontakte mit anderen Militärseelsorgern in Europa. Leider konnte ich in den letzten Jahren nicht zu den Konferenzen und Treffen gehen, nicht nur wegen Covid, sondern auch, weil ich die einzige evangelische Militärseelsorgerin in Slowenien bin und Prioritäten setzen muss. Am Treffen evangelischer Soldaten in Frankreich konnte ich dieses Jahr nicht teilnehmen, weil die Genehmigung für das Kindercamp so spät kam, dass ich alles in wenigen Wochen vorbereiten musste. Der zweite Grund sind die Finanzen: Die evangelische Seelsorge hat kein eigenes Budget. Zur IMCCC (International Military Chief of Chaplains Conference) konnte ich in den letzten vier Jahren nicht fahren, weil wegen Geldmangel meist nur eine Person aus Slowenien zur Konferenz fährt. Das ist dann der katholische Militärvikar, der auch der Chef der ökumenisch organisierten Militärseelsorge in Slowenien ist. Ich bin seine Stellvertreterin.


Wir haben auch Hilfe in die Ukraine geschickt mit Unterstützung der slowakischen und polnischen Militärseelsorge. Persönlich bin ich mit ukrainischen Flüchtlingen in Kontakt in meiner Gemeinde in Maribor. Dort haben wir die Kirche und das Pfarrhaus für Treffen von Frauen und Kindern, Traumahilfe und Sprachkurse zur Verfügung gestellt.“

Das GAW hat das Kindercamp „Glaube und Sport“ bereits mehrere Male unterstützt.

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