Dienstag, 17. Januar 2023

Arzach/Bergkarabach steht vor einer humanitären Katastrophe

Betende ev. Gemeinde in Stepanakert
im Dezember 2022
Seit dem 12. Dezember 2022 blockiert Aserbaidschan den sogenannten Latschin-Korridor. Der nur wenige Kilometer breiter Streifen ist die einzige Verbindung zwischen Armenien und der Region Arzach/Bergkarabach. Die aserbaidschanische Seite behauptete anfangs, Umweltaktivisten hätten die Straße unterbrochen, um gegen vermeintliche Verstöße im Bergbau zu protestierten. Nur – keiner glaubt das dem autoritären Regime in Aserbaidschan. Inzwischen sind die "Aktivisten"  ausgetauscht gegen aserbeidschanische Soldaten.

120 000 Menschen sind von der Blockade betroffen. Sie sind abgeschnitten von Lebensmittellieferungen und medizinischer Hilfe. Das Benzin ist knapp. Die Versorgung mit Strom ist auch gekappt. Armenier kommen weder in die Enklave rein noch von dort raus. Das Land steht am Rande einer humanitären Katastrophe. Die Menschen hungern.

Auf seine einstige Schutzmacht Russland kann sich Armenien nicht verlassen. Sie tut nichts, um die Friedensvereinbarungen durchzusetzen. Obendrein ist das russische Militär auf den Krieg in der Ukraine konzentriert. Aserbeidschan nutzt diese Situation aus, um die eigenen politischen Interessen zu verfolgen und Arzach/Bergkarabach zu übernehmen.

„Es ist die Heimat so vieler armensicher Menschen, die dort leben wollen. Es ist derzeit ein Kampf ums Überleben. Die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer. Es ist kaum auszuhalten“, sagt Pfarrer Hovhannes Hovsepyan aus Jerewan. Er sorgt sich um die evangelische Gemeinde in Stepanakert. Über 100 Menschen halten sich an die Gemeinde. „Der Pfarrer versucht, den Menschen Kraft zu geben. Gottesdienste finden nach wie vor statt. Das kleine Gemeindezentrum ist wichtig für die Menschen, die hier Trost bekommen“, berichtet Hovsepyan am Telefon. „Wir müssen Kontakt zu den Menschen halten!“ Er berichtet, dass derzeit versucht wird, mit Hilfe des russischen Militärs humanitäre Hilfe nach Arzach/Bergkarabach zu bringen. „Leider ist das derzeit nicht einfach“, gesteht er.

Die Aussichten für die armenische Enklave in Aserbaidschan sind nicht gut. „Wenn der Westen nichts tut, wird sich Aserbeidschan nicht bewegen. Druck auf die Türkei und Aserbeidschan muss aus Brüssel und Berlin kommen“, sagt Pfarrer Hovsepjan. „Denn das Ziel von Aserbaidschan ist die völlige Kontrolle über Arzach.“

„Wenn ihr im GAW uns helfen könnt, humanitäre Hilfe zu leisten, dann sind wir euch von Herzen dankbar“, sagt er abschließend. "Und vor allen Dingen: erzählt von uns und betet für uns!"

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