Dienstag, 10. Januar 2023

Der Schaden für die Demokratie in Brasilien ist immens - Erklärung der Kirchenleitung der IECLB

Es ist erschreckend, was in Brasília am 8. Januar geschehen ist: Ein aufgeheizter Mob stürmte die wichtigsten Gebäude der brasilianischen Demokratie. Fassungslos lassen einen die Bilder zurück und erinnern an die Erstürmung des Kapitols
in Washington im Januar 2021. Die Demokratie ist gefährdet. Das wird einmal mehr deutlich – nicht nur in den USA und in Brasilien.

In Brasilien war schon die Amtsübergabe herausfordernd, weil der scheidende Präsident sich weigerte, sein Amt an den neu gewählten Präsidenten Lula da Silva zu übergeben. Er akzeptiert nicht, dass er nicht mehr Präsident ist. Inwieweit er dazu beigetragen hat, die Menschen aufzuwiegeln, wird untersucht werden. Aber es scheint offenkundig zu sein. Zu lange hat er mit Worten und über die sozialen Medien die Polarisierung im Land verschärft und das Wahlergebnis offen angezweifelt. Er hat die Aggressivität und den Hass im Land geschürt.

Die Kirchenleitung der Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB/IECLB) hat am 9. Januar 2023 eine Stellungnahme über die Ereignisse vom 8. Januar 2023 veröffentlicht. Über dem Text steht das biblische Losungswort des Tages: „Du sollst kein falsches Gerücht verbreiten; du sollst nicht Schuldigen Beistand leisten, indem du als Zeuge Gewalt deckst“ (2. Mose 23,1).

In der Erklärung heißt es: "Wir haben erlebt, wie eine große Gruppe von Menschen,
unzufrieden mit dem demokratischen Ergebnis der letzten Wahlen, und angeheizt durch Netzwerke des Hasses, in die drei Sitze der Republik Brasiliens eingedrungen ist und sie verwüstet hat. Sie zerstörten den. Der Schaden im Palácio do Planalto (Präsidentenpalast), Nationalkongress und Obersten Bundesgerichtshof ist immens - sowohl materiell als auch symbolisch. Die Ereignisse müssen untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Die EKLBB verteidigt die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit. Für eine Demokratie sind diese Werte absolut notwendig. Aber Meinungs- und Demonstrationsfreiheit berechtigen nicht Barbarei, Vandalismus und Zerstörung öffentlichen Eigentums." Und weiter heißt es: "Als Christen verteidigen wir die Demokratie als die schönste und fairste Form der Machtausübung. Wir dürfen nicht den Einsatz von Gewalt, Hass, Waffen, Invasion und Zerstörung öffentlichen Eigentums dulden. Das Präsidium der EKLBB, der Kirchenrat und das Kollegium der Synodalpastor:innen rufen die Kirche und die Gesellschaft auf, sich der Wahrung von Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung zu verpflichten. Wir wollen auf friedliche Weise das Zusammenleben in unserer Gesellschaft stärken, selbst wenn verschiedene Standpunkte vertreten werden. Gott in seiner Gnade wird diese Welt verändern. 'Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heiβen.' (Matthäus 5,9)."


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